Einleitende Gedanken
Das ist eine sehr eindrückliche und für uns vielleicht etwas unheimliche
Begebenheit: Menschen, die von Dämonen beherrscht werden.
Nicht nur das Matthäusevangelium, aus dem wir die Schriftlesung hörten,
berichtet über dieses Ereignis. Wir finden diese Geschichte auch im
Markusevangelium, das am ausführlichsten darüber berichtet, und im
Lukasevangelium.
Es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem Bericht im Matthäus und den
beiden im Markus- und Lukasevangelium. Die beiden anderen Evangelien
berichten nämlich nur von einem besessenen Mann. Matthäus berichtet
jedoch von zwei besessenen Männern.
Markus und Lukas berichten darüber, wie der geheilte Besessene Jesus bat,
dass er mit ihm gehen dürfe. Er wollte in die Jüngerschaft aufgenommen
werden. So kann man annehmen, dass Markus und Lukas diesen Mann in ihrer
Erzählung fokussierten und dem anderen keine Beachtung schenkten.
Also, betrachten wir nun dieses, etwas unheimliche Geschehen.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Markus 5, 1-17; Lukas 8, 26-37
I. Dämonen scheinen mächtig
Nach einer abenteuerlichen Seeüberquerung von Kapernaum nach Gadara, betrat
Jesus mit seinen Jüngern heidnisches Gebiet. Matthäus berichtet was ihnen
da begegnete:
Als Jesus in das Gebiet der Gadarener am gegenüberliegenden Ufer kam,
liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so
gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort
vorbeiführte. Matthäus 8, 28.
Zwei Menschen, die unheimliche Kräfte besassen. In den anderen Evangelien
wird noch berichtet, dass man sie fesseln wollte, aber es war nicht
möglich. Sie besassen gewaltige Kräfte. Es war sehr gefährlich diesen Weg
zu benutzen, der an den beiden vorbeiführte. Die Leuten machten einen
weiten Bogen um dieses Gebiet.
Es läuft einem kalt den Rücken hinunter: Die Männer beherrschen die Gegend,
jedoch haben sie keine Gewalt über sich selbst. Sie wohnen nicht nur
dort, sondern sie werden bewohnt. Sie besitzen die Gegend, aber sie sind
selbst besetzt. An ihnen wird das für uns so fremd Wirkende sichtbar,
dass der Mensch ein bewohnbares und besetzbares Wesen ist.
Was geschah, wenn man diesen Weg benutzte, sehen wir bei Jesus. Die Männer
stürmten auf ihn los.
Es kann einem nur schaudern, wenn man sich das vorstellt. Wenn diese
Männer mit Jesus sprachen, dann sprachen sie nicht selbst, sie wurden
benutzt, Dämonen beherrschten sie und sprachen durch sie.
In unserem Denken haben wir diese Wirklichkeit verbannt, es ist uns
unangenehm und unfassbar. Schliesslich leben wir in einer aufgeklärten
Zeit, die für alles eine vernünftige Erklärung findet. Doch die Bibel
spricht mit aller Selbstverständlichkeit von solchen Phänomenen. Jesus
erzählte sogar, dass es sich diese bösen Geister gerne in Menschen bequem
machen, er sagte:
Wenn ein böser Geist einen Menschen verlassen hat, zieht er durch öde
Gegenden und sucht einen Ruheplatz, findet aber keinen. Dann sagt er
sich: "Ich will wieder in mein Haus gehen, das ich verlassen habe.'"
Lukas 11, 24.
Er kehrt zurück und findet das Haus sauber und aufgeräumt." Lukas 11,
25.
"Daraufhin geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer
sind als er selbst, und sie ziehen in das Haus ein und wohnen dort. So
ist dieser Mensch am Ende schlimmer dran als am Anfang." Lukas 11, 26.
Wie wir bei diesen Männer erkennen können, wirkt sich diese Besessenheit
zerstörerisch auf ihr Leben und das Leben der Menschen in ihrer Nähe aus.
Wenn der Teufel am Werk ist, dann ist das immer destruktiv und
zerstörerisch.
Diese Männer lassen uns erkennen, wie zerstörerisch und vernichtend ein
Leben ist, das von Dämonen beherrscht wird. Ausgeliefert und hilflos sind
solche Menschen. Übrigens ist es in unserer so genannt aufgeklärten
Gesellschaft nicht anders wie damals. Menschen, die sich so verhalten,
werden auch bei uns ausgesperrt. Sie werden von der Gemeinschaft
ausgeschlossen, d.h. irgendwo eingeschlossen. Man weiss nämlich nicht,
was man mit ihnen machen soll. Man kann sie nicht heilen – nur
einsperren.
Viele Menschen, auch Christen, haben vor diesen Mächten unheimlich Angst.
Sie lassen sich von ihrer scheinbaren Macht blenden. Sie haben scheinbar
enorme Kräfte. Kräfte, die Menschen nicht beherrschen können.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Lukas 11, 24-26
II. Jesus ist mächtig
Nun, als Jesus diesen Menschen entgegentrat, änderte sich plötzlich alles.
Hier trafen zwei komplett verschiedene Welten aufeinander, deren
Machtverhältnisse völlig verschieden sind. Die Männer traten auf Jesus
zu, konnten ihm aber nichts antun. Jesus fürchtete sich überhaupt nicht.
Die scheinbar mächtigen Dämonen unterwarfen sich Jesus. Sie wussten, um
die drohende Gefahr. In ihrer Hilflosigkeit schrieen sie Jesus an:
Was willst du von uns, Sohn Gottes? Bist du gekommen, um uns schon vor
der festgesetzten Zeit zu quälen?" Matthäus 8, 29.
Sie wehrten sich dagegen, dass sie schon jetzt gebunden würden. Dämonen
sind ja gefallene Engel. Offensichtlich treiben einige dieser gefallenen
Engeln ihr Unwesen und andere sind bereits gefangen, wie wir das im
Petrusbrief lesen:
Gott hat ja auch die Engel, die sich gegen ihn vergangen hatten, nicht
geschont, sondern sie in den tiefsten Abgrund geworfen. Dort liegen sie
gefesselt in der Finsternis und warten auf den Tag des Gerichts. (2.
Petrus 2, 4)
Dorthin wollten diese jetzt noch nicht. Sie wollten die Zeit vor dem Tag
des Gerichts noch etwas geniessen. Sie wollten frei sein und ihre
zerstörerischen Kräfte ausleben.
Es gibt in dieser Begegnung drei sehr interessante Punkte.
- Die Dämonen wussten genau mit wem sie es zu tun hatten. Die Menschen fragten sich immer wieder, wer Jesus wohl sei. Selbst die Jünger waren diesbezüglich immer wieder hin- und hergerissen. Den Dämonen war es immer klar, wer Jesus ist, wenn sie ihm begegneten. Sie wussten, Jesus ist der Sohn Gottes, dem alle Macht gegeben ist. Überall, wo besessene Menschen Jesus begegneten, erkannten sie Jesus als Sohn Gottes. So auch in Kapernaum, als ein Mann mit einem bösen Geist Jesus begegnete, er schrie ihn an: Was willst du von uns, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns zugrunde zu richten? Ich weiss, wer du bist: der Heilige Gottes!" Markus 1, 24. In diesen Begegnungen vermischt sich die sichtbare mit der unsichtbaren Welt. Die Dämonen sahen in der unsichtbaren Welt die Herrlichkeit und Macht Gottes, wenn sie Jesus begegneten.
- Die Dämonen wussten, dass Ihre Tage gezählt sind. Sie wussten, dass sie Ihre zerstörerische Kraft nur eingeschränkt ausgelebt werden kann. Ihre scheinbare Macht wird ein Ende finden und sie werden ihre Strafe bekommen. Ihre Macht geht zu Ende, sie ist begrenzt!
- Sie machten nicht einmal den Versuch, Jesus anzugreifen. Sie wussten selber, wie hoffnungslos das Unternehmen sein würde, denn Jesus ist nicht scheinbar mächtig. Jesus ist mächtig! Seine Macht hat kein Ende, sie kennt keine Grenzen!
Deshalb versuchten sie der Gefangenschaft, von der Petrus berichtete, zu
entgehen.
In einiger Entfernung weidete eine grosse Herde Schweine. Matthäus 8,
30.
Nun flehten die Dämonen, und baten Jesus:
Wenn du uns austreibst, lass uns doch in die Schweineherde fahren!"
Matthäus 8, 31.
Jesus gestattete das ihnen. Er befahl und sie mussten die beiden Männer
verlassen.
Geht!", sagte Jesus. Da verliessen die Dämonen die beiden Männer und
fuhren in die Schweine. Und augenblicklich stürzte sich die ganze Herde
den Abhang hinunter in den See, und die Tiere ertranken in den Fluten.
Matthäus 8, 32.
Die Dämonen fuhren in die Schweineherde. Ca. 2'000 Schweine stürzten von
den Dämonen getrieben in den See Genezareth und ertranken. Unheimlich,
diese scheinbare Macht, der Dämonen, das zerstörerische Potenzial. Doch
in der Gegenwart von Jesus müssten sie gehorchen und sie müssten sich in
die Schranken weisen lassen.
Diese armen Tiere, werden nun einige denken. Musste denn das sein? Zudem
der grosse wirtschaftliche Schaden, den die Dämonen hier angerichtet
hatten.
Jesus machte damit eines für ein und allemal deutlich: In den Augen Gottes
ist der Mensch viel bedeutungsvoller als das Tier. Er verdeutlicht
dadurch, dass ein Menschenleben viel wertvoller ist, als eine ganze
Tierherde. Diese Botschaft ist ganz wichtig für unsere Zeit, wo das Tier
dem Menschen gleichgestellt wird. Damit ist nicht gesagt dass man Tiere
misshandeln darf, Gott ist strikte gegen Tiermisshandlung, aber es zeigt
uns, dass der Mensch bei Gott eine Sonderstellung hat, eben als Ebenbild
Gottes.
Jesus ist mächtig. Es gibt keine Kraft in dieser Welt, die stärker wäre als
er. Deshalb gibt es Hoffnung für jeden Menschen, auch für Menschen, die
von Dämonen bewohnt und beherrscht werden. Bis heute müssen Dämonen Jesus
gehorchen.
Ihre scheinbare Macht wird entlarvt, wenn sie der Macht von Jesus begegnen.
Jesus ist mächtig. Wenn Jesus mit uns ist – und das ist er, wenn wir
wiedergeboren sind – müssen wir uns vor diesen finsteren Mächten nicht
fürchten. Jesus ist stärker und das sagte er auch den Jünger, als er
ihnen den schwierigen Auftrag gab, das Evangelium zu verkündigen:
Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben." Matthäus 28,
18.
Die Macht von Jesus ist uneingeschränkt im Himmel wie auf der Erde. Dämonen
beginnen zu zittern und flehen, wenn sie mit der Kraft Gottes
konfrontiert werden.
Das schrieb auch Jakobus in seinem Brief:
Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Gut! Das glauben die bösen
Geister auch - und zittern vor Angst. (Jakobus 2, 19)Es gibt keinen Grund, dass wir uns vor diesen bösen Mächten fürchten
müssten. Wenn wir uns an Jesus halten, haben wir nichts zu fürchten.
Jesus ist immer stärker und immer mächtiger. Johannes schrieb in seinem
Brief:
Ihr stammt von Gott, liebe Kinder, und habt den falschen Propheten
siegreich widerstanden; denn der, der in euch lebt, ist grösser und
stärker als der, von dem die Welt beherrscht wird. 1. Johannes 4, 4.
Dieses Wissen soll uns nicht leichtfertig machen, aber es soll uns stark
machen. Es ist doch tröstlich zu wissen, dass Jesus immer stärker ist.
Deshalb können wir selber dem Teufel widerstehen. Wie das Jakobus
schrieb:
Ordnet euch Gott unter! Leistet dem Teufel Widerstand, und er wird vor
euch fliehen. (Jakobus 4, 7)Auch Johannes betont den Schutz, den wir durch Jesus haben.
Wir wissen, dass jemand, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; denn
der Sohn Gottes hält seine schützende Hand über ihn, sodass der Böse –
der Teufel – ihm nicht schaden kann. 1. Johannes 5, 18.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Matthäus 25, 41; Matthäus 28, 18; Markus
1, 24; 2. Petrus 2, 4; 1. Johannes 4, 4; 1. Johannes 5, 18; Jakobus 4,
7; Judas 1, 6
III. Menschen sind ohnmächtig
So etwas hatten die Schweinehirten noch nie erlebt. Was sich vor ihren
Augen abspielte, musste für sie ein grauenvoller Schock gewesen sein.
Die Schweinehirten rannten davon, liefen in die Stadt und berichteten
alles, was geschehen war, auch das mit den Besessenen. Matthäus 8, 33.
Eine Sensation für die Leute in der Stadt! 2000 Schweine, die umkamen und
die beiden Besessenen, die geheilt wurden. Beides unvorstellbare
Ereignisse. Das wollten die Leute mit eigenen Augen sehen.
Da machte sich die ganze Stadt auf den Weg; alle gingen Jesus entgegen.
Als sie sahen, was geschehen war, drängten sie ihn, ihr Gebiet zu
verlassen. Matthäus 8, 34.
Als sie das sahen, den riesigen wirtschaftlichen Schaden und die beiden
geheilten Männer, geschah etwas Sonderbares.
Sie bedankten sich nicht bei Jesus für die Lösung des grossen Problems, das
sie mit diesen Besessenen hatten und dass sie den Weg jetzt wieder ohne
Angst benutzen konnten. Nein, sie drängten Jesus, ihr Gebiet zu
verlassen.
Offensichtlich waren diese Menschen nicht in der Lage zu begreifen, was
sich hier abgespielt hatte. Sie schienen nicht begriffen zu haben, was es
heisst, dass diese Männer nun nicht mehr gefährlich waren.
Es war ihnen nicht wirklich klar, dass Jesus Mächte bezwingen konnte, die
sie nicht in den Griff bekamen. Sie begriffen nicht, dass Jesus aus
Menschen, die gefährlich und zerstörerisch waren, normale Menschen
machte. Sie merkten nicht, dass Jesus ihnen weit überlegen war.
Sie wollten, dass Jesus verschwindet. Der Schaden, den sie mit den
Schweinen erlitten, schien ihnen grösser zu sein, als die Heilung dieser
beiden Menschen.
Auch ein schönes Bild für unsere Zeit. Profite sind wichtiger als Menschen.
Menschen werden geopfert, um grössere Profite zu erzielen.
Wie ohnmächtig reagierten diese Leute. Sie waren ohne jegliche Macht und
trotzdem respektierte Jesus ihren Wunsch. Sie merkten nicht, dass sie
nicht aus freien Stücken handelten, sondern dass sie selber gebunden
waren, nicht besessen, aber gebunden. Sie standen im Dienst des
Widersachers Gottes. Sie waren mit Ihrer Bitte an Jesus Handlanger des
Teufels, ohne jegliche eigene Macht, deshalb handelten sie ohnmächtig.
Sie waren nur Marionetten des Teufels. So wie wir das im Epheserbrief
lesen können. Paulus spricht dort über die Vergangenheit, wie Christen
lebten, bevor sie Jesus in ihr Leben eingeladen hatten.
In der Vergangenheit wart ihr tot; denn ihr wart Gott ungehorsam und
habt gesündigt. (Epheser 2, 1) Ihr habt nach der Art dieser Welt gelebt und euch jener Geistesmacht
unterworfen, die ihr Reich zwischen Himmel und Erde hat und von dort
her ihre Herrschaft über diese Welt ausübt. Sie wirkt noch jetzt als
Geist der Verführung in den Menschen, die sich Gott nicht unterstellen.
(Epheser 2, 2)
Diese Menschen waren also verführte Menschen. Sie waren blind für das
Wirken und die Kraft Gottes, obwohl sie es mit eigenen Augen sahen.
Paulus schrieb weiter:
So wie sie haben wir alle früher gelebt. Wir haben uns von unseren
selbstsüchtigen Wünschen leiten lassen und getan, was unsere Triebe und
Sinne verlangten. Darum waren wir wie alle anderen Menschen nach
unserer ganzen Wesensart dem Strafgericht Gottes verfallen. (Epheser 2,
3)
Alle Menschen dienen im Grunde dem Teufel, auch wenn sie nicht besessen
sind. Wer ohne Jesus lebt, der ist dem Teufel ausgeliefert, der nichts
anderes im Sinn hat, als das Leben zu zerstören. Gott hat uns durch den
Tod von Jesus am Kreuz, die Möglichkeit gegeben, dieser teuflischen Macht
zu entkommen. Im Kolosserbrief wird uns das sehr schön aufgezeigt:
Er hat uns aus der Gewalt der dunklen Mächte gerettet und uns unter die
Herrschaft seines geliebten Sohnes gestellt. (Kolosser 1, 13)Jesus macht aus ohnmächtigen Menschen, Menschen, die unter dem Schutz,
unter seiner Macht stehen. Menschen, die in Geborgenheit getrost leben
können. Menschen, die aus der Kraft Gottes leben.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Jeremia 10, 23; 2. Korinther 4, 3-4;
Epheser 2, 2; Epheser 6, 11-13
Schlussgedanke
Die irgendwie unheimliche Begebenheit, zeigt uns die zerstörerische Kraft
von Dämonen und damit die zerstörerische Kraft des Teufels.
Doch noch viel deutlicher zeigt uns diese Geschichte, wie weit überlegen
die Kräfte von Jesus sind. Es gibt niemand, der mehr Macht hätte. Bei
Jesus handelt es sich aber um eine heilende Kraft, eine Kraft, die
befreit.
Der Theologe Emil Brunner sagte einmal zur biblischen Lehre vom Teufel,
dass sie sich in einem Satz zusammenfassen lässt:
Die wichtigste Lehre vom Teufel ist die, dass er durch Jesus Christus
besiegt wurde."
Jeder von uns kann sich an Jesus wenden und seine Kraft erfahren. Es
stimmt, was Jesus sagte:
Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei. Johannes 8,
36
Amen
