Einleitung und Predigttest
Wissen sie, dass Gott denen, die ihm dienen, nur Gutes, nur Liebe schenken
will? Die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun, mir gefallen diese
Choralstrophen, weil da so viel drinsteckt. Gott hat lauter
Friedensgedanken mit Ihnen. Er hält ein Wort, mit Freuden, fällt ihm nicht
schwer. Wir sehen Gott oft so kompliziert, so kalt, so theoretisch. Aber
heute als Predigttext Johannes 16. Von Vers 22 bis Vers 28, dann noch Vers
33. Es mag manchmal so passieren, dass aufs erste Mitlesen, lesen Sie bitte
in Ihren Bibel mit, Johannes 16, 22, das erste Mitlesen, man sagt, da sind
so viele Gedanken hineinverwoben. Man kann das in der Kürze nicht gleich
verstehen. Das stimmt. Beim Bibellesen braucht man Zeit. Da muss man
meditieren können. Da kann ich kurz erklären, warum das so ist. Diese
altkirchlichen Evangelien sind ja geordnet und jetzt schon gerichtet auf
den Himmelfahrtstag, kommenden Donnerstag. Der Tod Jesu und seine
Auferstehung hat Jesus sichtbar weggenommen von seiner Gemeinde und das ist
immer schwierig. Ich habe mir auch schon gedacht, wenn ich Jesus anfassen
könnte, wenn Jesus sichtbar vor mir stehen würde, wäre das für mich eine
Glaubensstärkung. Jesus sagt es genau umgekehrt. Dass Jesus nicht mehr
sichtbar unter uns ist, hat für uns enorme Vorteile. Die Wirkungsweise Jesu
ist viel größer, weil er jetzt dort wirkt, beim Vater, zur Rechten des
Vaters. Er spricht ganz anders zu uns. Und auf dem Glauben, auf dem Gebet
liegt eine ganz andere Verheißung, als Jesu sichtbar unter seinen Jüngern
weilte. Ich lese von Vers 22. Vorher ist ja viel erzählt, das Bild von der
Frau, die ein Kind gebiert, und die Schmerzen, die Wehen hat und die
Freude, wenn das Kind geboren ist, das deutet schon Jesus auf seine
Erhöhung, auf seine Himmelfahrt.
22 Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und
euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Mit der Himmelfahrt beginnt die Freudenzeit der Gemeinde. 23 An dem Tag
werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: (Ich habe
Ihnen immer gesagt, diese Worte, die Jesus so einleitet, sind nicht
altertümlich, sondern sind alle ganz dick und fett von Jesus unterstrichene
Worte. Wenn es kommt Amen, Amen" - unumstößlich wahr ist das) Wenn ihr den
Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. Amen,
Amen. 24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so
werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. 25 Das habe ich euch in
Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch
reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. 26 An
jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass
ich den Vater für euch bitten will oder bitten muss, natürlich bittet Jesus
für uns beim Vater, aber er sagt, es ist gar nicht mehr nötig, dein Gebet
allein dringt durch zum Vater; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb,
weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich
bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt
wieder und gehe zum Vater.
Wenn Sie heute bloß das mitnehmen, wie klar Jesus uns das Geheimnis
entschlüsselt: Ich, Jesus. Die ganze Herrlichkeit des Vaters liegt in
Jesus. Die ganze Vollmacht dessen, was Jesus wirken will, vom Vater in
seine Hand gelegt. Und deshalb noch Vers 33:
33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der
Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Bodelschwingh über das Beten
Ich habe heute die Predigt überschrieben: Wie man mit den Ängsten fertig
wird. Ich hätte auch sagen können: Vom Beten. Hängt ganz eng zusammen. Für
mich hat am eindrücklichsten Fritz von Bodelschwingh erzählt, was Beten
ist. Der Sohn des Gründers der Anstalten Bethel, der spätere Reichsbischof
der deutschen Kirchen, 1946 gestorben, erzählt, wie er als Kind von der
Mutter abends, drei Jahre alt, ins Bett gebracht wurde, sie schliefen
schnell ein, aber irgendetwas hat sie aufschrecken lassen in der Nacht.
Donner vielleicht, und dann richteten die Kleinen sich in ihrem Bettlein
auf: Was war das? Sie rufen, die Schwester antwortet, sie starren in das
Dunkel, das sie umgibt, Es wird immer unheimlicher. Und dann sprechen die
beiden miteinander: Wir müssen ins Wohnzimmer. Aber sie haben Angst. Da
lagen, wie so früher, zwei kalte, ungeheizte Zimmer dazwischen, und ob die
Kleinen die Türklinke aufbringen, ob sie den Weg im Dunkel finden, aber
wenn die Angst immer schlimmer wird, nehmen Sie ihr Herz in die Hand, und
dann wackeln sie los in ihren Nachthemden. Und dann durch die erste Türe
durch, und dann durch das zweite Zimmer, unheimlich, immer schlimmer wird
die Angst, sie zittern, dann kommen sie in den Flur, und da beginnt schon
die Freude. Da sieht man das Licht durch die Ritzen der Türe fallen, und
dann geht die Türe auf, und der Vater tritt in die Türe, so wie das
Bodelschwingh erzählt. Und seine beiden kleinen Schätze auf den Arm.
Streichelt ihnen mit seiner großen Hand über den Kopf und sagt: Ja, was
wolltet ihr denn? Und sie sagen bloß: Zu dir, Vater. Und dann sagt
Bodelschwingh zum Gebet, das ist sich aus der Angst der Welt aufmachen und
zum Vater gehen. Beten heißt, sehen, wie die Tür sich öffnet, und ewige
Licht sich auf unsere Arme und auf unsere Gestalt fällt. Beten heißt, sein
Haupt neigen, dass die Hand des Vaters die gute, starke Hand Gottes sich
darauf legen kann. Kind, was wolltest du? Vater, ich wollte doch bloß zu
dir.
Wir dürfen beten
Jetzt habe ich das ein wenig gegliedert nach diesem Schriftabschnitt, den
wir hier haben, und möchte zuerst sagen: Wir dürfen beten. Wir dürfen
beten. Unglaubliches Vorrecht. Man kann die Diskussion um's Gebet führen,
wie man will. Hat Beten überhaupt Sinn. Ist das bloß ein dummer Zopf aus
alter Zeit, usw. Hört Gott wirklich Gebet? Also, wenn Sie anfangen wollen
mit Zweifeln, das ist ja ganz selbstverständlich. Sagen Sie mir mal,
verstehen habe ich das noch nie können. Wie soll Gott mein Beten hören
können? Und gleichzeitig betet jetzt vielleicht eine Gemeinde in Buenos
Aires, und in China, wie soll Gott alles hören können? Es gibt viele
Gründe, die mich zweifeln lassen, die mich fragen lassen. Ich habe mich oft
im Leben gefragt: Interessiert sich denn Gott für meinen lächerlichen
Kleinkram, der mich bewegt. Wenn ich die Sorgen ansehe meines Lebens und
Probleme, kaum, dass ich meiner Frau davon erzähle, aber sie belasten mich
ganz schwer. Will ich denn den ewigen Gott, Herr des Himmels und der Erden,
mit meinem kleinen blöden Zeug belasten, hat das überhaupt einen Sinn. Es
fällt auf, dass Jesus bei vielen Gelegenheiten immer wieder gedrängt hat
zum Beten. Betet! Betet ohne Unterlass. Bittet, so wird euch gegeben.
Sucht, so werdet ihr finden. Ich hätt mal gern so eine Erhebung gemacht,
keine Sorgen, machen wir nicht, aber wenn wir das mal prüfen würden, es ist
eine Schande, wie wenig wir von diesem großen Vorrecht wahrnehmen. Wir
laufen am liebsten so hinten rum und beschweren uns bei allen möglichen
oder nicht möglichen stellen. Statt dass wir dort hin laufen, wo Hilfe
möglich ist, wo wir mit unseren Problemen ernst genommen werden. Grade wir
Christen. Was ist das oft eine Scheu, bis in die Kreise der hauptamtlichen
Mitarbeiter der Kirche. Ach, da wird doch meist gar nicht gebetet. Das ist
doch das erste, dass wir zusammenkommen und beten. Und unsere Nöte Gott
vortragen, statt hier und da zu jammern über das, was uns bewegt. Warum
drängt denn Jesus zum Beten. Es ist merkwürdig. Die größte Gabe, die er
gibt, mir, die wird von uns gar nicht ernst genommen. Und er muss uns
richtig drängen. Gott hat eine Schenkungsaktion gestartet und er muss sie
anbieten wie sauer Bier. Er muss sagen: Bitte benützt doch, ich will doch
Gutes geben. Der Vater wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Jetzt
legt doch das ihm das, was euch bewegt. Darum muss man den Kopf schütteln
über sich selber, warum, warum benütze ich das Gebet nicht mehr Gebrauch
davon?
Ich sehe einen Grund, warum uns das Beten so schwer fällt. Ein Grund
ist zweifellos unser Stolz. Wie ist das bei Ihnen in der Kantine im
Geschäft? Wenn Sie beten, dann lächelt einer und sagt, ach, kannst du nicht
einmal essen, ohne dass du betest? Warum sagen wir nicht ganz offen: Nein,
wenn ich nicht den Segen Gottes habe, schmeckt mir das nicht. Warum weiß
das nicht jeder, mit dem wir zusammenkommen, dass wir nicht an die Arbeit
uns begeben ohne dass wir Gott um sein Ja bitten. Ich nehme mir das jedes
Mal wieder vor, wenn ich aus der dritten Welt zurückkomme, ich will nicht
mehr den Zündschlüssel in meinem Auto rumdrehen, gibt es ja gar nicht. Dass
gläubige Leute das Auto starten, ohne vorher zu beten. Es ist auch viel zu
risikoreich, viel zu gefährlich, man kann anderen Schaden tun. Ach, wenn
wir es uns zur Gewohnheit machen würden, alles, was ihr tut, mit Worten
oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem
Vater, durch ihn. Ja ohne ihn – ja nur in der eigenen Kraft, ach, da habe
ich schon so viel Falsches und Blödes gemacht, das hat doch habe ich doch
gesehen, ich brauche das beten. Das Beten muss doch mein ganzes Leben
umkleiden. Und gerade tätige Leute, mit großer Verantwortung, Leute mit
einer weiten Begabung, Leute, denen viel anvertraut ist, die müssen mehr
beten als andere. Leute, die faul sind, die wollen nicht beten. Aber sie
sind ja alles aktive Leute, dann kann Gott ja eigentlich nur wirklich
wirken, wenn wir ihn darum bitten.
Interessant, was erzählt wird im Neuen
Testament. Je länger die Jünger mit Jesus zusammen waren, begriffen sie auf
einmal, wo das Geheimnis der Kraft Jesu liegt. Und eines Tages sind sie
gekommen und haben gesagt: Jesus, du musst mit uns einen Kurs machen. Aber
keinen Kurs vom Volksbildungswerk über irgendeines religiöse theologischen
Themen, du musst mit uns einen Kurs machen, wie man richtig betet, richtig.
Herr, lehre uns beten. Und diese Bitte hat Jesus erfüllt und sie das
Vaterunser gelehrt. Es ist ganz wunderschön beschrieben: Christen sind
Leute, die immer besser beten lernen wollen, die immer mehr entdecken
wollen, was das eigentlich für eine Sache ist. Und im Beten – das muss bei
ihnen ein Wachstum sein. Ich bin sehr traurig, dass unsere Gebetsgruppen
ganz klein sind. Wir sind sehr viel beim Predigthören – ich freu mich
drüber, das ist wichtig. Aber ich wollte noch ein Wachstum bei den
Gebetsgruppen erleben. Ich weiß, dass es wird sonst wie noch viel gebetet,
aber es ist etwas Herrliches, wenn man sich gegenseitig stärken kann im
ganz schlichten miteinander beten, zusammenkommen, seine Nöte einfach kurz
vortragen.
Beten macht fröhlich
Und deshalb mein zweiter Punkt: Beten macht fröhlich. Also, gucken sie
nochmal unser Bibelwort an, Johannes 16, wie Jesus da redet, da fordert er
auch auf und sagt: Bittet, dass ihr nehmen werdet usw. und dann steht viel
von der Traurigkeit und von der Angst der Welt da, die hier läuft. Jetzt
haben wir heute doch einen schönen Frühlingstag. Vorhin, als wir da vor der
Kirche standen, da habe ich mich gefreut und habe mich gefreut an den
Büschen und Pflanzen und Blüten, und an der warmen und feuchten Temperatur,
und jetzt rede ich von Menschen. Doch, das liegt auf ihrem Herzen. Das
liegt ganz tief in Ihnen. Jesus hat immer hineingesehen. Bei Jesus war das
auch da. Er hat auch die Schönheiten der Natur gesehen, wie Sie jetzt.
Gleichnisse hat er genommen aus der Schönheit der Welt. Er sprach immer
wieder von den schweren Ängsten. Die Ängste, die wir haben, sind
Existenzängste, die ganz tief uns berühren. Schaffe ich das Leben überhaupt
noch, werde an die Wand gedrückt? Ob das Krankheitsnöte sind, Ärger mit
Menschen, mit denen wir zusammenleben. Ob das Versagen ist und Schuld. Wenn
man plötzlich einmal sieht, wie böse und unzuverlässig wir sind. Mit unserm
ganzen Charakter. Und dann kommt die Angst: Wie soll ich das alles denn
noch bestehen können? Wer bin ich denn? In der Traurigkeit der Welt, wenn
wir der Todesmacht gegenüberstehen, wache Leute spüren, wie unser Leben vom
Tod umgeben ist.
Beten überwindet Angst, Beten überwindet Traurigkeit.
Beten macht fröhlich. Wenn Jesus von der Freude redet, dass Freude in unser
Leben kommt, aus dem Gebet. Dass ich mein angstbedrohtes Leben, wenn ich
kaum mehr atmen kann, einfach vor Gott ausbreite. In der Bibel stehen so
große Lieder in den Psalmen, von Angst, die zu den größten Zeugnissen der
Weltliteratur gehören. Da gibt es überhaupt nirgendwo mehr etwas
beschrieben von den schweren Empfindungen der Menschen. Und Gott im Gebet
ausgesprochen. Bittet, heißt es im Vers 24, gucken sie mal, bittet, in der
zweiten Hälfte, bittet, dass eure Freude vollkommen sei. Nicht bloß das
Beten macht fröhlich, sondern das Nehmen. Was nehmen sie aus Ihrem Gebet
heraus? Was empfangen Sie?
Jetzt muss ich mal ein Wort zu Ihnen sagen, wie
betet man wirksam? Dass man wirklich etwas erlebt. Wenn Sie an
Gebetsgruppen teilnehmen, wird bei Ihnen ganz rasch auch das blöde
Fehlurteil in Ihrem Kopf entstehen: Beim Beten muss man irgendwo ganz
unnatürliche Worte machen. Nehmen Sie sich vor, dass Sie sagen: Ich möchte
nie mit frommem Pathos beten. Ärgerlich, es ist ein Gräuel bei Gott. Manche
meinen, sie müssen viele Bibelworte gebrauchen. Manche meinen, sie müssten
Gott Romane erzählen. Davon steht nie etwas drin in den Worten Jesu.
Komisch, dass das so fromm klingt. Und manche meinen, das sei der Höhepunkt
des Gebets. Vielleicht sind unsere Kirchengebete schuld. Ich weiß, die sind
alle viel schöner in den Büchern, und trotzdem glaube ich, dass ich Jesus
recht verstehe, dass er das Schreien der Kinder lieber hat, als die
wohlformulierten Gebetsworte. Wir brauchen auch nicht alles und jedes
sagen, wenn wir beten. Wir brauchen auch nicht von Adam und Eva bis zur
Offenbarung alles durchbeten. Das meinen manche, ach das ist ein wirksames
Gebet, oder, ganz schlimm, dass ein Gebet lang sein müsse. Wo steht denn
das geschrieben, dass Gott lange Gebete erhört. Es gibt auch heute Leute,
die üben einen Terror aus, dass man Gott nur mit Lobpreis zuerst beginnt.
Ja, wo steht denn das geschrieben? Natürlich dürfen Sie loben, Sie sollen
mit Danksagen vor Gott kommen, aber es gibt Augenblicke Ihres Lebens, die
auf der Intensivstation liegen, mit schweren Schmerzen, da können Sie nur
noch schreien, Herr erbarme dich. Und so war es beim Schächer, und das
erhört Gott auch. Was echt ist, erhört er.
Jetzt gibt's zwei Stufen von
Gebet, und die erwähnt Jesus hier. Er sagt: ihr habt bisher gebetet, also
ganz normal gebetet, Bitten Gott vorgetragen. Und dann gibt es eine zweite
Stufe des Betens, und wie? Im Namen Jesu beten. Das sind zwei Dinge. Ich
darf zu Gott einfach kommen, etwas beten, aber ich darf auch in seinem
Namen beten. Die zweite Stufe ist mehr, und wenn etwas nötig ist, und
wirksam, oder erfolgreich zu beten, oder es will gehört werden, ist ganz
entscheidend, dass wir im Namen Jesu beten. Und jetzt sagt Jesus: Ihr habt
bisher noch nicht in meinem Namen gebetet, aber ab der Himmelfahrt könnt
ihr in meinem Namen beten. Ich bin beim Vater in der Herrlichkeit, jetzt
dürft ihr eure Bitten in meinem Namen vorbringen lassen.
Wissen sie, was
das ist, im Namen Jesu. Ich mach's mal an einem Beispiel deutlich: Bei
meiner Frau klingelt's. Ein verschmutzter Kerl, und sagt, er braucht
dringend 50 Mark. Sie sagt, du spinnst wohl, ich gebe dir doch keine 50
Mark. Und sagt: Ja, Ihr Mann steht mit dem neuen Auto an der neuen
Weinsteige oben und ihm ist das Benzin ausgegangen und ich hab gesagt, mit
meinem Rad, ich fahr geschwind bei der Frau vorbei und hol das Geld, ich
komm im Namen Ihres Mannes. Da fällt es meiner Frau bedeutend leichter, die
fünfzig Mark zu geben, damit ich wieder Benzin in mein Auto hineinkriege.
Im Namen heißt doch auf eine fremde Rechnung, auf einen anderen Auftrag,
und jetzt merken sie: Können Sie Ihre Gebete im Namen Jesu beten? Ihre
alltäglichen Sorgen, ja, natürlich, Ihre ganz privaten Dinge, Ihre
Berufsnöte, Ihren Familienärger, Ihre Gesundheitsprobleme. Jesus will doch
in Ihrem Leben gepriesen sein. Dürfen Sie so beten? Er will doch in Ihrem
Leben mächtig wirken, oder haben Sie nie das begriffen, dass Gott Sie ruft,
dass damit Ihr Leben ein Lobpreis Gottes wird, ja, deshalb dürfen wir im
Namen Jesu, Herr, sagen, das ist doch nicht meine Privatsache, das ist doch
dein Problem! Wenn ich hier leide, aber wir können eins nicht mehr, wir
können eins nicht mehr, wir können nicht mehr eigensinnig beten. Wir können
nicht selbstsüchtig beten. Wir können plötzlich nicht mehr um böse Dinge
beten. Manche unserer Dinge, die wir oft im Gebet ertrotzen wollen, das
kann manchmal bis zu ganz bösen Dingen gehen, Herr, lass mich gut durch den
Zoll durchkommen, nicht, und so, dass ich nicht erwischt werde, und so.
Passen sie mal auf, was sind unsere Gebete überhaupt im Namen Jesu. Sind
Ihre Dinge, die Sie vor Gott vorbringen, vor Jesus geklärt. Da steht der
Herr ganz groß vor uns, und wir sehen auch, wer wir sind, mit unserem
Versagen, mit unserer schuld, mit unseren Enttäuschungen. Und es gibt ein
echtes Beten im Namen Jesu, das sagen: Dein Name werde in unserem Leben
geheiligt. Und wir kommen auch immer an der Stunde von Gethsemane vorbei,
wo wir sagen: Herr, nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille. Es kann
oftmals anders sein, als mein Gefühl es mir erbittet und wünscht.
Ich saß
gestern noch mit ein paar jungen Leuten zusammen, und wir sagten, bei uns
wird viel zu wenig darüber gesprochen, dass Gott wirklich Gebet erhört. Ich
könnte Ihnen wirklich jetzt lange erzählen aus den letzten Tagen, wie Jesus
unerwartet Wunder tut. Ich könnte auch gar nicht anders leben. Ich könnte
es doch gar nicht riskieren, einen jungen Menschen hinauszuschicken in eine
gefährliche Umgebung, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass Jesus alle
Macht hat und sein Herz in Liebe brennt. Und er mit seinem Schutz uns
umgibt, und alles in Bewegung setzt, um uns zu behüten und zu beschützen.
Und wenn er etwas Schweres geschehen lässt, das er eine Absicht damit
verfolgt, und ein Ziel, dass man danach suchen darf. Wir haben doch einen
Gott, der wirkt. Bloß manchmal sind da unsere Gebetserlebnisse ein bisschen
zu persönlich, manchmal zu intim, vielleicht wirken sie manchmal auch für
den, der gerade durch Zeiten hindurchgeht, da er meint, der Himmel sei
verschlossen, etwas überheblich, darum sind wir so zurückhaltend, alles so
hinauszuposaunen. Aber Sie dürfen es doch auf Schritt und Tritt erleben.
Schreiben sie es doch in Ihre Bibel hinein oder in Ihr Losungsbüchlein, in
Ihr Tagebuch, in Ihren Kalender, da habe ich Gott gebeten, dass er hilft,
und das kennen wir, dass Gott uns warten lassen kann, und doch, wenn wir
zurückgreifen müssen, zurückblicken müssen, dass wir dann sagen, sein Plan
war gut, und sein Wille war weise. Da hat Jesus diese Garantie darauf
gelegt. Die noch viel wirksamer ist als die Garantie aller Geschäfte, wo
Sie sich ein Uhr kaufen, ein Elektrogerät oder sonst wo. Eine zeitlich
unbegrenzte Garantie: Wahrlich, wahrlich, Amen, Amen, ich sage euch, wenn
ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben,
und wenn meine Gebete durch Jesus geläutert sind, auf ihn hin bestimmt, auf
die Sache seines Reiches, dann wird er's euch geben.
Eine so einfach
unverklausulierte Garantie, einfach grandios, ohne lange Fußnoten, einfach
direkt, Ihnen zugesagt: Beten macht Freude. Und was erlebt man da, wie hat
man schon schwere Geschicke beeinflussen können. Wir werden einmal in der
Ewigkeit staunen, wie die Gebete der Gläubigen die Weltgeschichte bestimmt
haben. Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern
Häuptern aufzuhalten. Was ist das? Wir haben neulich Sie gebeten, im Blick
auf ProChrist – beten sie jeden Tag für Menschen, reden Sie mal gar nicht,
beten sie, wenn sie das treu tun, werden sie staunen, was raus kommt. Auch
für schwierige Menschen in Ihrer Familie. Das kindliche Gebet, das gerechte
Gebet, das hat der Herr lieb. Die Mutter versteht's beim Kind schon, wenn's
noch gar nicht reden kann, was's Kind will. Und der Vater weiß, was wir
wollen. Wir dürfen unkompliziert beten, unser Gebet soll, wenn's echt immer
einfacher werden, das ist das Schönste.
Da weichen alle Ängste
Und noch das Letzte: Da weichen alle Ängste. Da wichen alle Ängste. Wie man
immer mit der Angst fertig wird. Ich will gar nicht viel über die Angst
reden. Da hat ein moderner Maler mal ein Bild gemalt, von einer modernen
Stadt mit Hochhäusern, und da sind geballt die Häuser alle zusammengestellt
zu einer modernen Stadt am Ende des 20.Jahrhunderts. Und über allem ist
eine schwarze Spinne mit ihren Krallen, die hat alles umfangen, und das ist
ein Ausdruck von der Angst. Man versteht das heute nicht, wir haben gerade
Gäste aus Südafrika. Die sagten, sie seien gerade gestern durch die
Kaufhäuser gegangen und sagten, selbst aus Südafrika, das ja immer noch ein
Paradies ist, sagten, wir können nur den Kopf schütteln, was bei euch alles
daliegt. Was man gar nicht braucht. Überfluss in allem. Und Angst. Ganz
tief, ganz einfache Angst. Berufsangst, Krankheitsangst, Existenzangst,
Angst ums Zusammenleben und um Frieden in der Familie, mit den Lieben und
man kann's oft gar nicht aussprechen. Da kann man nicht mehr schlafen,
Schweiß tritt auf die Stirn, man leidet unter der riesengroßen
Überforderung, die Prüfungen sind alle zu schwer, ich schaff das alles
nicht, man nimmt sich viel zu viel vor, und Jesus versteht uns, und spricht
davon, in der Welt habt ihr Angst. Ja, sagt Jesus, ihr habt ganz viel
Angst. Du hast Angst. Aber sei getrost. In diesem Wort steckt viel, viel
mehr drin, sei fest, unbewegt, zapple nicht und zittre nicht, Du kannst
ganz fest auftreten, nämlich: Blicke auf mich. Und jetzt wissen sie, warum
der Bodelschwingh das so schön gesagt hat, was Beten ist: aus der
Dunkelheit zitternd in das Licht treten, wo die Hand des Vaters auf unseren
schwachen Kopf gelegt wird.
Und das ist das Größte beim Beten: Ich darf
Audienz haben bei dem ewigen, großen Gott, der viel, viel größer und
gewaltiger ist als ich verstehen kann. Heute, am Sonntag Rogate, Betet. Sie
merken: Ich will so oft wie möglich eintreten in diesen Frieden, dass Sie
mitten im Geschäft Ihrer Sekretärin sagen: In den nächsten fünf Minuten
lassen sie kein Telefon durch. Ja, wer kommt denn? Ich habe ein wichtiges
Gespräch. Und dann reden Sie mit dem Herrn aller Herren. Und legen sich
einfach an sein Herz und sagen: Herr, wie Du das hinausführst, ich weiß es
nicht mehr, ich kann dir keine Ratschläge mehr geben, aber es ist deine
Sache. Amen. Und dann wissen sie, dass er, der Herr, drüber steht, über
Ihrem Leben, und sie dürfen sich bergen in ihm. Da sagt Jesus: Ich habe
diese Welt überwunden. Und es ist eine tückische Welt. Das dürfen wir auch
über dem Frühling nicht vergessen, eine Welt, die uns Todesschmerzen machen
wird, die uns oft verwunden wird, wenn sie uns liebe Menschen wegreißt, die
uns auch viel Enttäuschung bereitet, das gehört zu diesem Leben dazu. Es
ist ein Leben in der Welt, die von Gott losgerissen ist, und diese Welt ist
immer wieder so, dass sie auch selber uns von Gott losreißt. Wir sind immer
wieder in Gefahr, die Verbindung zu verlieren. Und dann kommt die Angst.
Und dann dürfen wir aus der Angst der Welt vor Jesus, den Herrn, treten,
und alles ihm sagen: Ich habe diese Welt überwunden, sagt er, ich habe
gesiegt. Nichts kann dich mehr verklagen, kein Tod kann dich mehr aus der
Hand Gottes reißen. Nichts kann dich mehr so ängstigen, dass du die
Verbindung mit mir verlierst. Ich bin doch bei dir. Ich halte dich, ich
lass dich nicht los. Und das können Sie nur im Gebet lernen. Und im Gebet
erfahren und entdecken. Mut, und festes Auftreten ist nötig, Tapfersein.
Tapfer. Fröhlich vorwärtsgehen. Das Gebet macht uns doch nicht untätig, im
Gegenteil, das Gebet macht uns mutig, kühn. Amen.
