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Süchtig - aber wonach?

2. Timotheus 2,22-2618.03.1979
Sucht beginnt nicht erst bei Drogen. Die eigentliche Frage ist: Wonach jagst du wirklich – nach Kick und Kontrolle oder nach Freiheit, die dich nicht mehr beherrscht?

Einleitung und biblischer Ausgangspunkt

Wir lesen aus diesem Kapitel, 2. Timotheus 2, das wir uns für diese Reihe vorgenommen haben, jetzt Vers 22 bis 26:
Fliehe vor den Begierden der Jugend, jage aber der Gerechtigkeit nach, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die aus reinem Herzen den Herrn anrufen. Die törichten und unnützen Fragen weise ab, denn du weißt, dass sie nur Streit erzeugen. Ein Knecht des Herrn soll aber nicht streitsüchtig sein, sondern freundlich zu allen und zum Lehren befähigt. Er soll Böses ertragen können und die Widerstrebenden mit Sanftmut zurechtweisen. Denn vielleicht gibt Gott ihnen ja noch Umkehr, sodass sie die Wahrheit erkennen und zur Besinnung kommen. So befreien sie sich aus der Schlinge des Teufels, der sie gefangen hält, damit sie seinen Willen tun.
Herr, mach uns auch frei aus allen Schlingen des Teufels. Amen.
Wir haben unsere Predigt heute überschrieben: süchtig, aber wonach?
Es spielt ja in diesen Tagen eine ganz große Rolle, das Suchtproblem. Und man fragt sich, wie viele es in unserem Land sind. Gestern stand die Zahl von über 200 Suchtkranken in unserem Bundesland in der Zeitung. Aber man fragt sich: Ist die Zahl nicht in Wirklichkeit viel höher? Gibt es hier nicht eine große Dunkelziffer?
Das Problem der Sucht leugnen einfach andere. Sie spielen es herunter und sagen, das ist gar keine so wichtige Sache. Es gibt eben immer Menschen, die haben eine schwache Stelle. Und da liegt der Grundirrtum unserer Tage.
Wenn jetzt nur einer von uns denken wollte: Das mit den Süchten, das ist eben eine Not, mit der sich ein paar Leute herumschlagen müssen, weil sie eine gefährliche Schlagseite haben, dann hätten wir uns gründlich geirrt.

Die Gefahr wird oft unterschätzt

Es kommt mir vor wie ein Urlauber, der hier sonst seine Spaziergänge um den hohen Popse herum macht und dann einmal in die Berge kommt. Er ist ganz gepackt von der Schönheit dieser Berge. Mit seiner Ausrüstung, die er hat, mit seinen Halbschuhen, mit seinen Sonntagsschleppern, wie man bei uns sagt, will er dann auf die hohen Berge gehen. Erst in letzter Not kann er von der Bergwacht gerettet werden, weil er gar keine Ahnung hat von den Gefahren, in die er sich begibt.
Wir lesen jedes Jahr wieder von Menschen, die an die See gehen und sich als sehr gute Schwimmer vorkommen, weil sie hier im Leofetterbad oder im Hässlererbad ihre Künste tüchtig erprobt haben. Dann setzen sie sich mutig über all die Warnungen und Warntafeln hinweg und sagen: Ich kann doch schwimmen, das ist doch nichts für mich. Aber sie ahnen ja gar nicht, welche ungeheuren Sogkräfte hier lebendig sind und in welche Auseinandersetzungen sie kommen.
Was wissen Sie denn schon von der Kraft der Brandung? Da wirkt ja Ihre Kraft, die Sie dagegen setzen wollen, Ihre Schwimmbewegung, nur wie ein schlechter Witz. Und da sind viele drin umgekommen.
Wenn wir heute von der Sucht reden, dann reden wir, und ich wollte, dass wir es in eigener Betroffenheit alle tun könnten, wo und wie auch unsere Gebundenheit aussehen mag.

Die Warnung vor der falschen Orientierung

Ich möchte zuerst von der Warntafel reden, die uns Paulus hier aufrichtet. Warntafel heißt: Fliehe die Lüste der Jugend.
Na, jetzt haben wir es. Das war es, was manche gesagt haben: Dass der Paulus uns überhaupt keine Freude mehr lassen will, dass er lustfeindlich wäre. Da steht es ja hier schwarz auf weiß. Darum haben jetzt die recht, die immer gesagt haben: Pass auf, mit einer Bindung im Glauben geht es dir letztlich an die Lebensfreude. Oder nicht?
Das steht doch da: Fliehe die Lüste der Jugend. Schwarz auf weiß, keiner kann es deuten.
Darum eine kurze biblische Erklärung: Die Bibel sagt ganz klar, dass unser ganzes Leben und unser Leib von Gott geschaffen sind. Zu dieser guten Schöpfung Gottes gehört auch unser Empfinden. Dass wir Schönes, Edles, Erhebendes schmecken und spüren können, ja, uns mit Lust freuen können, das ist doch eine Gottesgabe, die uns Paulus nie durchstreicht.
Wir sagen Ja zur Lust. Das ist die biblische Linie, die sich durch die ganze Bibel zieht. Das finden Sie im Alten wie im Neuen Testament. Es wäre schlimm, wenn wir nichts mehr an uns hätten, worüber wir uns freuen könnten: an einem aufbrechenden Frühling, an einem guten Essen, das uns heute Mittag serviert wird, an all den Freuden, die uns auch Gott tagtäglich schenkt.
Ja zur Lebensfreude, ja zur Lebenslust.

Wenn Lust zum Maßstab wird

Aber die Bibel zeigt uns, dass dieses feine, über unserem ganzen Leib, über Seele und Körper verstreute Organ des Lustempfindens sich aus der Gottesordnung losreißen kann und selbständig wird. Und wie all die Dinge, die ohne Gott im Grunde sich aufspielen, als wären sie allein da, so ist es bei der Lust ja von uns allen erlebt: Die Lust wird plötzlich der Maßstab unseres Lebens. Wir werden alles daran messen, ob es mir Lust macht: den Beruf, den ich wähle, ob es mir Spaß macht; das, was wir in unserer Freizeit tun, ob es mir Spaß macht. Was ist denn böse daran?
Das war ja das Kennzeichen der großen vergangenen Studentenrevolte, dass es sogar durch die Philosophie Markuses in die Köpfe junger Menschen hineingehämmert wurde: Die Lust ist der letzte Maßstab deines Lebens, und daran musst du alles prüfen. Ein Gedanke, der ja im Verborgenen in allen Menschen lebt.
Und da verstehen wir jetzt den Paulus viel besser, wenn er warnt und sagt: Flieh die Lüste der Jugend. Pass auf, da kommt etwas durcheinander. Und die Bibel zeigt es uns schon gleich auf den ersten Blättern der Bibel. Adam und Eva, die vor der Versuchung stehen: Wenn sie sich nach der Lust richten, verlieren sie jeden Maßstab. Eva ist bezaubert und sagt: Schau die Frucht, sie sieht doch lieblich aus, sie ist gut, sie schmeckt gut.
Mit ihrem Organ der Lust hat sie gar kein Empfinden mehr, gar kein Urteil mehr, das über das hinausgeht. Weil sie genau an dieser Stelle sich von Joseph unterschieden hat, der nicht fragt: Macht es mir Lust an der entscheidenden Stelle? Kriege ich Befriedigung dadurch? Sondern der an der entscheidenden Stelle fragt: Sündige ich damit wider Gott?

Biblische Beispiele für den Verlust der Kontrolle

Die Lust ist überhaupt kein Maßstab meines Lebens. Ich bin so froh, dass in der Bibel Geschichten stehen, an denen es jedem von uns ganz deutlich wird, worum es geht.
Da erschrickt man, wenn man an einen Mann denkt, der Gott mehr diente als wir alle, der in einem viel festeren Glaubensverhältnis mit Gott stand als wir alle: König David. Und es genügte bei ihm ein Blick auf die sich waschende Bathseba, dass in seinem Leben plötzlich etwas ablief, was er gar nicht mehr steuern konnte.
Man denkt immer, er müsse doch irgendwo zur Besinnung kommen, wenigstens da, wo es zum Mord kommt. Und es reiht sich Sünde an Sünde wie Perlen an der Schnur.
Es ist etwas ganz Erschütterndes, dass wir jeden Maßstab verlieren und keine Klarheit mehr haben. Dann befallen uns plötzlich durch die Lust unheimliche Sehnsüchte, und diese Sehnsüchte setzen Kräfte frei, die man nicht mehr kontrollieren kann. Die Lust beherrscht und versklavt unser Leben, und wir können nichts entgegensetzen.
Der Rat des Paulus ist hier einfach, erschütternd einfach: Fliehe, fliehe die Lüste der Jugend, so wie Josef einfach aus dem Haus geflohen ist. Rette sich, wer kann.

Der Ernst der Lage und der erste Rettungsweg

Wenn es darum geht, dass in unserem Leben die Lust alles in die Hand bekommt, dann bleibt auf einmal nur noch ein Rettungsweg: rette dein Leben.
Es kommt mir so vor wie bei uns in unseren Häusern, in denen feuergefährliche Stoffe gelagert sind oder wo der Heizöltank steht. Dort hängt ein Schild: Vorsicht, feuergefährlich. Oder in manchen Häusern ist sogar noch vermerkt, wo der Fluchtweg bei Brand ist.
Uns ist im Normalfall gar nicht mehr bewusst, wie hart die Bibel hier redet. Wie ernst die Lage ist. Wir gingen aus von den Schwimmern, die an die Nordsee gehen und die Gefahren einfach leugnen, weil sie sie nicht kennen. Der Apostel Paulus sagt als erfahrener Seelsorger: Fliehe, lass das alles einfach los und gehe!

Der zweite biblische Weg: Ausrichtung auf Gottes Gerechtigkeit

Ich möchte an eine weitere biblische Geschichte erinnern, die mir eine Hilfe ist: an einen Mann, der von Gott als Heiland erwählt war, als Heiland. So steht es wörtlich in der Bibel: Simson. Schon von Mutterleib an war er für den Dienst an Gott geweiht und mit einer ganz außergewöhnlichen Kraft begabt. Er hob einmal das Stadttor aus den Angeln und trug es dann auf den Berg hinauf, mit dieser großen, wunderbaren Kraft begabt. Daran freut sich die Bibel.
Aber dann wird an einer Stelle deutlich, dass er seine Lust nicht steuern konnte in seinem Leben. Als er sich zum ersten Mal verlobte und die Eltern sagten: Das ist doch kein Mädchen für dich, und sie ist doch nicht gläubig, da sagte er: Aber sie gefällt meinen Augen. Und damit war für ihn die Diskussion beendet. Ich habe Lust zu ihr. Das sind zwei Argumentationsweisen, die sich in der Bibel ausschließen, und Sie müssen wissen, wer in Ihrem Leben herrschen kann.
Dann habe ich sehr stark von der Begierde in unserem Leben gesprochen. Ganz selbstverständlich hat die Lust, die Gier und die Sucht in unserem Leben noch ganz andere Seiten. Die Begierden der Jugend gehören zusammen mit dieser unendlichen Diskutiersucht, mit diesen romantischen Träumen und Illusionen, in denen man sich bewegt. Und wo die anderen, die nichts davon verstehen, sagen: Lasst doch der Jugend ihre Träume. Fliehe diese Lüste der Jugend!
Christen leben nicht in einer Scheinwelt der Halluzinationen, und die Lust zaubert uns etwas vor.

Die innere Not des Menschen und die Antwort des Evangeliums

Und das Schlimme, was auch in unserem Leben so belastend ist, ist, dass wir heute in unseren Gedanken überflutet sind von all dem, was wir lesen und sehen: von einer Fülle von Lusterregungen und Reizen.
Wenn schon Paulus vor zweitausend Jahren, als das Leben vielleicht gar nicht so viel anders war, dem Timotheus geraten hat: Fliehe, dann musst du wissen, dass du in deinem Leben oft etwas abschneiden musst. Und wenn sie dich auch hinterher schelten, du wärst ein recht einseitiger Mensch und würdest nicht genug ihre Dinge und ihre Weltsachen verstehen, musst du wissen, wo du dein Leben retten musst.
Das war die Warntafel, die er aufrichtet. Nun kommt der Rettungsring, den er uns zuwirft.
Wenn Sie sich heute einmal überlegen, was normalerweise gegen Süchte geraten wird, dann wird immer wieder gesagt: Beherrsche dich. Ach, wie hat man die vielen Alkoholkranken oder Drogenabhängigen an dieser Stelle in die Verzweiflung getrieben. Man hat ihnen zugemutet, sie sollten sich selbst beherrschen.
Haben sie das einmal schon selbst an sich durchprobiert, wie das ist? Dann hätten sie nämlich gemerkt, dass der Mensch gegen diese Sogkräfte gar nicht an kann. Die sind so unheimlich stark.
Und unsere Seelsorge soll nicht dazu dienen, Menschen in eine Verzweiflung zu treiben, wo es keine Rettung und keine Hoffnung gibt.

Der Weg der neuen Ausrichtung in Christus

Paulus gibt einen ganz anderen Rat vor: Den Begierden der Jugend nachjagen, statt sich mit diesen Bildern in den Gedanken abzugeben. Dort liegt es ja meist. Das hat Jesus schon gesagt: Der Ehebruch fängt in den Begierden an, die in unserem Kopf vorher jahrelang herumgehen. Stattdessen beschäftige dich mit der Gerechtigkeit Gottes. Geh du damit um.
Dann wird man sagen: Ja, aber da bin ich ja noch erschütterter. Da werde ich ja auch immer wieder darauf stoßen, wenn ich das etwa in der Bergpredigt immer wieder merke, wie Gott meine Gedanken in der Tiefe richtet. Wenn Gott mich so nackt und bloß darstellt und ich merke, dass mein ganzes Sehnen des Herzens schon wieder sündig ist.
Der Apostel Paulus geht ja so weit in Römer 7, dass er sagt: Das Gebot Gottes wirkt in mir Lust, das Gebot zu brechen. Das müssen Sie durchstehen, und Sie müssen sich an dieser Stelle erkennen. Dann werden Sie begreifen: Jage der Gerechtigkeit nach!
Da, wo Sie erkennen und sagen: Das ist nicht bloß ein Problem von ein paar Drogenabhängigen, sondern, lieber Bruder, der du in der Trunksucht drinstehst, ist es doch in meinem Leben genauso, dass ich diesen Sogkräften nicht widerstehen kann. Und das geht hinein bis ins Innerste meines Lebens, bis in mein Wesen.
Aber da ist Jesus Christus für diese Schwachen gestorben, damit er die Sünde trage und tilge. Jage der Gerechtigkeit nach. Es gibt kein Beherrschen der Triebe und Leidenschaften, als dass Jesus dafür gestorben ist und diese Macht getötet hat. Und es ist jetzt nur die Frage, ob in meinem Leben diese Macht außer Kraft gesetzt ist.

Die neue Freude der Glaubenden

Dann können wir nur noch singen: Ach, mein Herr Jesu, wenn ich dich nicht hätte und wenn dein Blut nicht für die Sünder räte, wo soll sich der Ärmste unter den Elenden sonst hinwenden?
Und da entsteht dann etwas, was die anderen jetzt gar nicht kennen, die noch nie diese Offenbarung gehabt haben: dass sie einfach einmal in die Tiefe ihrer Abgründe hineingeschaut haben. Dass hier eine Gemeinschaft mit Jesus entsteht.
Ich wusste nicht, dass unsere Freundin Sorirus als Vertretungsorganistin heute Morgen spielt: Jesu, meine Freude. Da ist die Lust eines Glaubens ganz neu da. Gläubige haben Lust. Und in dem Liedvers, den wir gesungen haben, wird dem Gottesmenschen nur bewusst: eine ganz neue Lebensfreude entsteht da, wo man von der Begnadigung Jesu herkommt, wo man weiß, wie hinfällig man ist, wo man nie mehr im Leben einen Spruch machen würde: Ach, das kriege ich in meinem Leben schon unter die Füße.
Nein, wenn ich nur dich habe, Herr, dann frage ich nichts mehr nach Himmel und Erde. Da hat auch auf einmal der Reiz der Welt seine Mächtigkeit auf mich verloren, und die Versuchung kann mich auf einmal nicht mehr belassen.
Die Bibel redet viel von der Lust: „Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ Das ist eine Entscheidung, was mein Herz füllt. Ob ich mein Herz an vergängliche Dinge dieser Welt hänge, ob ich mich von diesen primitiven Dingen reizen lasse, die heute bis in die Anosen hinein in widerlichster Weise alles prägen. Und selbst die schönsten Gaben Gottes und das von Gott schön geschaffene Leibliche verwüsten. Oder ob ich in meinem Leben wieder von der Ordnung Gottes neue Freude gewinnen kann.

Rettung statt Selbstbeherrschung

Ich bin Rettungsschwimmer, und da beschäftigt man sich ja immer wieder mit dem Ernstfall. Was macht man, wenn wirklich einer in Not kommt?
Da wissen jetzt alle, die sich schon damit befasst haben: Es gibt beim Rettungsschwimmen nur ein Problem, das man fürchtet. Einen abzuschleppen, das ist gar nicht schlimm. Der, der ertrinkt und bewusstlos ist, ist gar nicht schlimm. Schlimm sind bloß die, die noch so ein bisschen wedeln und paddeln. Denn wenn man die gerade heben will und abschleppen will, dann weiß man nie, ob die einem doch die Gurgel zudrücken in ihrer panischen Angst oder ob sie so wedeln, dass man gar nicht vom Platz kommt. Und nicht selten hat ein Retter schon mit sich in die Tiefe gezogen werden müssen.
Lassen Sie mich dieses Bild auf das Geistliche deuten. Das ist so schlimm bei den Suchtgefahren. Wie oft habe ich dies erlebt, wo Menschen mit ihren Süchten brechen wollen. Dann waren sie ein Stück weit im Glauben gegangen und sagten: Ich habe es jetzt unter meinen Füßen.
Ich habe gesagt: Mann, pass auf, du hast es nie unter den Füßen. Jesus hat die Welt überwunden. Und du kannst bloß bitten: Herr, sei du der Mächtige in meinem Leben.
Wie furchtbar sind wir schon gescheitert, wenn wir immer noch mit unseren paar Paddelbewegungen meinten, wir könnten uns vielleicht doch retten. Und am Ende gibt es keine Rettung mehr. Es gibt Rettung nur, wenn wir das durchschauen.

Gerechtigkeit, Glaube, Liebe und Frieden als Lebensweg

Jage nach der Gerechtigkeit, das ist der Rettungsring. Jage nach der ganzen Gerechtigkeit, überwinde diese trügerischen Bilder, die dich belasten, und lebe. Für die Gerechtigkeit, dann wirst du wissen, wie ungerecht du bist.
Was für eine wunderbare Hilfe ist es, wenn heute junge Menschen sich für die Gerechtigkeit der Welt ereifern, eine Lust der Jugend, zu spendisieren über Weltveränderung. Jage du deiner Gerechtigkeit nach, und du wirst ein Realist werden, der auf dem Boden kommt und die Gerechtigkeit Gottes findet, die dir geschenkt wird, wenn Gott dich gerecht macht.
Jage dem Glauben nach, der Liebe. Die Bibel spricht von Liebe, doch nicht von dieser trügerischen, angeblichen Liebe, die nicht einmal mehr Treue braucht, die in Minuten oder halben Stunden zu Ende sein kann, sondern von der vollen Liebe, die nicht das eigene sucht, sondern das des andern. Dem Frieden mit allen, die aus reinem Herzen den Herrn anrufen.
Was Paulus als Rettungsring entgegensetzt gegen die Macht der Lüste und Begierden in unserem Leben, ist Gerechtigkeit, an der ich zerbreche, aber die ich im Kreuz Jesu finde. Glauben, das feste Geborgensein in den Armen Jesu. Liebe, die mir in Hülle und Fülle zuteil wird.
Wie oft sagen Menschen unter uns: Ich suche Liebe, niemand versteht mich. Niemand versteht sie so wie Jesus sie versteht und trägt, so wie er mit ihnen sein will, in der Einsamkeit der Nacht, mit ihren Lebensproblemen. In dieser Liebe dürfen sie geborgen sein, und hier kriegen sie Erfüllung ihrer Sehnsüchte, und in der Gemeinschaft der Glaubenden, dem Frieden mit allen, die aus reinem Herzen den Herrn anrufen, bleiben sie in der Gemeinschaft der Jesusjünger, und sie werden Lüste überwinden können.
Das ist der Rettungsring, der noch uns zuwirft.

Die Konsequenzen für das Leben der Geretteten

Noch eine Erfahrung: Also ich wollte Ihnen, ich meinte, wir könnten den Text so aufgliedern. Immer eine stupide Methode, das haben Sie richtig durchschaut. Aber ich bin so ein Schulmeister, der meint, es ist noch gut, wenn man etwas mit nach Hause nimmt. Ich will lehren, auch in der Predigt.
Eine Warntafel richtet er uns auf, damit wir nicht so naiv hineinstolpern. Einen Rettungsring wirft er uns zu, damit wir herauskommen. Nicht beherrsche dich, sondern fasse die Rechtfertigung Jesu.
Nun eine Erfahrung: Wer einmal in Lebensnot war und nur durch ein Wunder gerettet wurde, der lebt anders. Und er wird in seinem Leben sagen: Das hat für mich Konsequenzen.
Herr Paulus sagt einmal im Galaterbrief: Die, die Christus angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. Wenn sie spüren, da kommen wieder diese Gedanken, die mich so beschäftigen, dann legen sie das unter dem Kreuz Jesu ab und lassen die Nägel Jesu durchtreiben und sagen: Dafür bist du gestorben. Das ist kein kokettes Spiel, das ich treiben kann, sondern das hast du für mich erlitten.
Man kann immer harmlos reden. Sie müssen wissen, dass viele Menschen Sie jetzt nicht mehr verstehen mit ihrer Lebenshaltung, weil sie den Ernst des Kreuzes Jesu nie begreifen, der unsere Ethik, unser Verhalten prägt. Für uns sind das oft nicht mehr Dinge, die wir diskutieren, weil sie für uns mit dem Blut Jesu teuer genug bezahlt sind.
Und der, der einmal aus Lebensnot gerettet wurde, der spricht nicht mehr so albern darüber. Der sagt: Ich will das nicht mehr riskieren. Es war mir schlimm genug, was es den Retter gekostet hat, damit er mich herausreißt.

Die Rettung wird zur Aufgabe für andere

Aber dann fällt unser Blick auch auf die, die in der Not sind. Das Schlimmste an der Lust ist ja, dass unser Leben ichbezogen ist. Das ist kennzeichnend. In der Lust lebe ich immer so: Wie kriege ich für mein Leben etwas?
Und wir suchen diese Gier, alles in uns aufzunehmen. Wenn ich die Lusterfüllung in Jesus gefunden habe, dann ist das Lusterfüllung im höchsten Maß. Sie werden das nicht glauben. Glauben Sie nicht, dass da die Frage der Ehelosigkeit gelöst werden kann? Ja, selbstverständlich, wie denn sonst?
Alle Fragen des Lebens, davon spricht doch die ganze Bibel, dass die Lust überwunden wird in einer viel höheren Lusterfüllung, die man findet. Aber dass unser Leben dann nicht mehr ichbezogen bleibt, sondern dienstbezogen, immer wieder fragt: Wie kann ich einen anderen retten?
Da steht: „Macht niemandem Streit mit, sondern seid freundlich zu allem, zum Lehren befähigt und ertragt auch die in Geduld.“ Das ist eine Eigenschaft, die uns jungen Menschen ja immer fehlt: geduldig, langmütig zu sein, nicht hart zu sein. Gerade da, wo ich einen Menschen in der Not sehe, wie schnell kann ich einen abweisen, von dem ich weiß, er hängt in der Sucht.
Sei doch du einer mit dieser glühenden Retterliebe Jesu. Die Erfahrung gibt er uns mit durch das, was er an uns selbst erleben ließ. Gehe ihnen doch nach, den Widerstrebenden, mit Sanftmut. Mit Sanftmut. Das sind alles Worte, die ich mir sagen lasse, wo ich ganz betroffen davon bin. Da komme ich wieder ganz neu zur Erkenntnis, was jetzt bei uns eigentlich kommen müsste: Suche sie zu retten.

Ein Beispiel aus der Geschichte des Glaubens

Ich wollte Ihnen zum Schluss noch eine Geschichte erzählen, weil sie vielleicht noch einmal alles zusammenfasst: die Geschichte von einem Oberstleutnant der preußischen Armee, Kurt von Knobelsdorf. Er machte in der Schweiz Urlaub, zusammen mit seiner Frau, in einem christlichen Erholungsheim. Seine Frau hatte ihn mitgeschleppt, was manchmal das Gute ist: dass die Frauen ein wenig drängen und sagen: Mann, es täte dir doch auch mal gut, du würdest ein bisschen mehr zu Gott finden. Er ging widerstrebend mit auf diese Freizeit.
Und dann geschah das Wunderbare, dass dieser Kurt von Knobelsdorf dort in der Schweiz Jesus fand und Befreiung aus einer schweren Alkoholabhängigkeit erlebte.
Nun ist es ganz merkwürdig: Darüber war die Frau betroffen, denn das war ihr nun gar zu viel. So grundsätzlich hatte sie sich eine Bekehrung natürlich auch wieder nicht vorgestellt. Sie hatte gemeint, es wäre ganz gut, wenn ihr Mann zum Glauben käme, aber vielleicht nicht so ganz hundertprozentig gleich.
Es gab dann eine sehr schwierige Ehezeit, berufliche Schwierigkeiten, seine Versetzung als Kommandant nach Königsberg und wieder eine ganz schwere Periode der großen Abhängigkeit mit all den Eheproblemen, die sich daraus ergeben haben. Und ein zweites Mal hat ihn Jesus herausgerufen. Er hat dann als Gründer des Blauen Kreuzes dies als eine Lebensaufgabe angesehen, Menschen in der Sucht beizustehen.
Bitte fassen Sie das jetzt nicht eng: weder geschlechtliche Dinge noch Alkohol. Es geht um die Sucht im Ganzen in unserem Leben.

Die eigentliche Frage: Wovon lebt der Mensch?

Ich komme jetzt auf einen anderen Punkt. In einer Blaukreuzversammlung fragte einmal einer, er wollte eine kurze Erklärung haben, was das für Leute sind, alles Leute, die das überwunden haben in ihrem Leben. Dann sagte Kurt von Knobelsdorf, ehemaliger preußischer Offizier: Wissen Sie, was das sind, diese Menschen? Einen Haufen Lumpen, wenn sie Jesus wegnehmen.
An mir und meinem Leben ist nicht mehr dran, auch wenn wir Süchte unter die Füße bekommen haben, sondern wir haben den starken und mächtigen Herrn gefunden. Und das wünsche ich Ihnen.
Süchtig aber wonach? Ob wir nur süchtig sind nach einer oberflächlichen Lusterfüllung, die gerade vielleicht noch unser Nervensystem berührt, unseren Gaumen, unseren äußeren Leib, so wie die Drogen und der Rausch unser äußeres Leben gar noch zur Erfüllung bringen kann? Oder ob wir nach einer Lebenserfüllung dürsten und den finden, der mächtig ist, die Werke der Finsternis zu zerstören?
Lassen Sie mich mit einem Wort des Paulus schließen: Regiert euch der Geist Gottes, dann könnt ihr nicht mehr die Werke des Fleisches vollbringen. Um diese neue Herrschaft in unserem Leben geht es. Amen.

Gebet und Bitte um Befreiung

Wenn uns bewusst wird, dass du in die Tiefen unseres Herzens hineinschaust. Aber wir sind so froh, wenn das klar ist, wenn dir jetzt alles bekannt ist, was in unserem Herzen wohnt.
Aber wir sehen die allergrößte Not auch in unserem frommen Hochmut, in dieser großen Lust, die wir oft haben, unsere Kraft zu überschätzen, uns einzubilden, als ob wir unser Leben vor dir heilig führen könnten. Herr, zerstöre uns immer wieder diesen Wahn, dass wir doch nur Leute sind, die durch deine Wunderkraft gerettet sind, die nur durch dein Blut geheilt werden.
Wir danken dir, dass diese Heilungskraft auch jetzt in unserem Leben durchbrechen soll und dass du uns deinen Geist geben willst, der uns deine Werke unterweist und der sie hervorbringen lässt. Mach uns immer abhängiger von dir und deinem Geist.
Und dann bitten wir dich jetzt auch für all die vielen Menschen um uns her: Geh du mit uns, wenn wir ihnen von deiner Rettung sagen wollen. Bewahre uns vor allem menschlich billigen Trostworten und Schlagworten, wo wir ihnen zumuten, sich selber zu bessern, statt dass wir sie zu dir hinführen. Geh du mit uns, dass wir ihnen in Vollmacht dies zusprechen können, dass du ganz frei machst und herausreißt aus allen Abhängigkeiten und dass du alle Ketten zerbrechen kannst.
Ach, lass unsere Gemeinde auch so eine Stätte sein, wo Menschen hineintreten in die Freiheit, und bewahre uns vor allen anderen Abhängigkeiten, dass wir allein auf dich schauen und dir dienen.
Dir befehlen wir alle Werke, die sich um die Suchtbedrohten bemühen. Gib du auch Mitarbeiter in diesen Werken und lass du immer wieder diesen Durchbruch geschehen, den nur du schenken kannst, dass Menschen die Freiheit unter deinem Kreuz finden.
Lasst uns gemeinsam beten:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.