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Ein Segen, der uns überfordert

Jesu Leben und Lehre, Teil 30/693
25.03.2021Lukas 1,52
SERIE - Teil 30 / 693Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode dreißig: Ein Segen, der uns überfordert.

Ein letzter Blick auf das Magnifikat.

Ein Segen, der auf Verheißungen gründet

Maria feiert ihren Gott für seine Barmherzigkeit, weil er daran gedacht hat, was er Abraham versprochen hatte.

In 1. Mose 12,3 sagt Gott: „Und ich will segnen, die dich, Abraham, segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“

Dann wird Gott genauer, indem er nicht mehr allgemein von „in dir“ spricht, sondern von dem einen Samen, dem einen Nachkommen, der aus Abraham hervorgehen und die ganze Welt segnen würde.

In 1. Mose 22,18 heißt es: „Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde, dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast.“

Für Maria war klar, dass diese Segenszeit mit ihrem Sohn anbrechen sollte. Und...

Erwartungen an den Messias und die Realität

Wie gestern schon angedeutet, wenn sie davon spricht, dass Gott ein Gott ist, der in Lukas 1,52 Mächtige von Thronen hinabstößt und Niedrige erhöht, dann denkt sie an Könige, an Soldaten und an ein Volk innerhalb der Grenzen eines Landes.

Aber das ist nicht schlimm. Das war einfach das, was sie erwartete, und sie war damit nicht allein.

Als Johannes der Täufer im Gefängnis sitzt, zweifelt er kurz daran, ob Jesus wirklich der Messias sein kann. Dieser Jesus war ihm einfach zu wenig politisch und zu sehr mit den Problemen einzelner Menschen beschäftigt.

Hier wird ein Blinder sehend, dort kann ein Lahmer gehen. Und wenn er schon mal ein paar Tausend Menschen auf wundersame Weise mit Essen versorgt, und diese ihn prompt zum König machen wollen, was macht er dann? Er zieht sich alleine auf einen Berg zurück.

Kann dieser einfache, wunderwirkende, aber zutiefst an der Tagespolitik uninteressierte junge Rabbi aus Galiläa der Messias sein? Einer, der so ungewöhnliche Dinge sagt wie „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!“ – und er meint damit Steuern.

Johannes der Täufer hat da seine Zweifel.

Das begrenzte Verständnis der Zeitgenossen

Wir dürfen Maria wirklich keine Vorwürfe machen, wenn nicht einmal Johannes der Täufer, der mit heiligem Geist erfüllt war, genau verstand, wie das Programm des Messias aussehen sollte.

Ja, wir können sogar noch weitergehen: Selbst wenn ich prophetisch über zukünftige Ereignisse spreche, heißt das nicht, dass ich genau verstehe, wie sie sich zutragen werden.

Petrus spricht in diesem Zusammenhang von den Propheten des Alten Testaments. Sie prophezeien die Errettung durch den Messias. Doch in 1. Petrus 1,10-11 heißt es:

„Im Hinblick auf diese Rettung suchten und forschten die Propheten, die von der an euch erwiesenen Gnade Weissagung taten. Sie forschten danach, auf welche Zeit oder welches Ereignis der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die auf Christus zukommenden Leiden und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte.“

Die Propheten suchten und forschten. Sie weissagten, doch sie verstanden nicht wirklich, was sie da weissagten. Sie sprachen von den Leiden und Herrlichkeiten des Messias. Aber wie diese Prophetien zusammenpassen, das wurde ihnen nicht einfach so offenbart.

Das Verstehen war späteren Generationen vorbehalten. In 1. Petrus 1,12 heißt es dazu:

„Ihnen, das sind die Propheten, wurde offenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten, im Blick auf das, was euch jetzt verkündigt worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben.“

Ihre Prophetie war also für Menschen bestimmt, denen das Evangelium verkündigt werden sollte.

Das begrenzte Verständnis von Maria und Jesu Familie

Die alten Propheten verstanden nicht vollständig, was sie prophezeiten; wir hingegen tun das. Sie suchten und forschten, doch es wurde ihnen nur offenbart, dass sie nicht sich selbst dienten. Eine weitere Erklärung gab es nicht.

Wir sollten also nicht erstaunt sein, wenn Johannes der Täufer, Maria oder Zacharias vom Messias sprechen, aber nicht genau verstehen, was der Messias tun würde. Sie wussten, dass es mit der Erfüllung der Verheißungen an Abraham zu tun hatte und dass Gott segnen wollte. Doch „segnen“ ist ein sehr weiter Begriff, der vieles bedeuten kann. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Maria ihren Sohn nicht immer sofort versteht.

Da gibt es die Geschichte, in der Jesus nach einem Passafest in Jerusalem zurückbleibt. Seine Eltern finden ihn erst Tage später im Tempel, und er sagt zu ihnen: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lukas 2,49). Im Text steht weiter, dass seine Eltern das Wort nicht verstanden. Sie begriffen nicht, was er meinte, obwohl sie wussten, dass er der Sohn Gottes, der Messias, war. Ja, sie wussten das, aber sie hatten wenig Ahnung davon, worin die Mission des Messias bestand.

Auch später nicht, wie eine Episode aus Markus 3 zeigt (Markus 3,20-21.32). Jesus kommt in ein Haus, und wieder versammelt sich eine Volksmenge um ihn, so dass sie nicht einmal Brot essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, gingen sie los, um ihn zu greifen, denn sie sagten: „Er ist von Sinnen.“ Wer sind diese Angehörigen?

Später im Text heißt es, dass eine Volksmenge um ihn saß und zu ihm sagte: „Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern suchen dich draußen.“ Sie hielten ihn für verrückt. Nach der Auferstehung sind Maria und die Brüder Jesu bei den Gläubigen in Jerusalem, die vom Heiligen Geist erfüllt werden. Doch hier, vielleicht zwei Jahre vorher, war ihnen ihr großer Bruder mehr als suspekt.

Sie dachten: „Er ist von Sinnen. Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Er ist durchgedreht.“ So dachten sie, und sie machten sich auf den Weg, um ihn nach Hause zu holen.

Das unbekannte Ausmaß des Segens

Natürlich war ihnen klar, dass er etwas Besonderes war. Doch das Konzept messianischer Errettung – eine Errettung aus Gnade durch den Glauben an den, der für meine Sünden gestorben ist – war ihnen nicht vertraut.

Auch das Konzept eines unsichtbaren Königreiches, das aufgerichtet wird, war unbekannt. In diesem Königreich stirbt der König für seine Untertanen. Durch seinen Tod besiegt er den größten Feind, den Teufel. Dieses Königreich sollte weltweit Herzen gewinnen, Menschen verändern und Segen über die Erde bringen.

Nein, daran dachte niemand. Segen ja, aber so viel Segen? Ein so weitreichender Segen, der alle Menschen und die Ewigkeit umfasst? Ein Segen, der Gottes Antwort auf die Verlorenheit der Schöpfung ist, ein unendlich kostbarer und unglaublich fruchtbarer Segen?

Das hatte niemand vor Augen. Vielleicht haben selbst wir das oft nicht in letzter Konsequenz vor Augen.

Könnte es sein, dass wir als die Gesegneten immer noch solche sind, die, wenn es um die Größe des Gesegnetseins geht, nicht genau verstehen, was uns da eigentlich passiert ist?

Die Herausforderung der Anbetung und das Lob Gottes

Und so verwundert es uns nicht mehr, dass Maria am Anfang ihrer Schwangerschaft wahre Worte von einem treuen Gott spricht. Ein Gott, der die Mächtigen erniedrigen wird und aus Barmherzigkeit zu seinem Wort steht. Ihre Worte sind wahr, auch wenn sie in keiner Weise wirklich versteht, wie weitreichend und bedeutsam sie sind.

So ist es häufig mit der Anbetung. Wir stammeln Worte, die wir in der Bibel aufgeschnappt haben, Worte wie „ewig“, „allmächtig“, „Schöpfer“ oder „barmherzig“. Wir haben eine Vorstellung davon, was diese Worte im Blick auf Gott bedeuten könnten, benutzen sie im Gebet und sind doch weit davon entfernt, ihnen ihre eigentliche Bedeutung zuzugestehen.

Was wissen wir von Ewigkeit, von Allmacht, vom Schöpfungsakt oder der Barmherzigkeit Gottes? Wenig bis nichts. Und doch können wir nicht anders, als mit solchen Worten Gott zu feiern. Wir haben keine andere Wahl: Entweder wir verwenden Worte, die wir nicht ganz fassen, um Konzepte zu beschreiben, die wir nicht ganz verstehen, oder wir schweigen.

Gott verdient es nicht, dass wir schweigen. Er verdient jeden Tag unseren Lobgesang. Wie es im Psalm 33, Vers 1 so schön heißt: „Jubelt, ihr Gerechten, über den Herrn! Zu den Aufrichtigen passt Lobgesang.“

Einladung zum Lobpreis und Ausblick

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir heute Zeit nehmen, um Gott einige Lieder zu singen. Einfach nur, weil er unseren Lobgesang verdient.

Das war es für heute.

Möchtest du beten? Übernächste Woche startet ein evangelistischer Podcast mit dem Titel „Fragen, Glaube, Gott“. Es wäre großartig, wenn ungläubige Menschen ihn hören und dadurch zum Fragen angeregt werden.

Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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