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Bist du „lost“?

Wie Jesus meine Unsicherheiten gebraucht
Lukas 5,27-3201.08.2023
EventTeil 12 / 21Jugendkonferenz für Weltmission 2023
Vermutlich kennt jeder den Satz „Yes, we can“. Wer hat Ihnen gesagt, dass er von Obama stammt oder von Bob der Baumeister? Ja, es wurde gesagt, dass er von Obama stammt, und das stimmt natürlich. Aber es stimmt auch, dass Bob der Baumeister in der englischen Variante diesen Satz verwendet. Man sagt sogar, Obama habe sich von dieser Kinderserie inspirieren lassen für diesen mächtigen Spruch, der im Wahlkampf sehr bekannt wurde.
Ich habe mich heute für meinen Vortrag nicht von einer Kinderserie inspirieren lassen, sondern wirklich von einem biblischen Text. Dieser Satz „Yes, we can“ hat viel bewirkt, aber vor allem beschreibt er, finde ich, ein Lebensgefühl, in dem wir gerade leben. Dieses Lebensgefühl hat nicht Obama geschaffen; er hat es nur in diesen drei Wörtern ausgedrückt: „Yes, we can“.
Der Satz meint so ein bisschen – und ich glaube, das spüren wir –, dass wir alles schaffen können. Ja, wir können alles machen, wir können alles werden, wir können alles aus uns herausholen. Und wir sagen, es ist Freiheit, es ist pure Freiheit, dass wir all das können.

Die Last der Freiheit und das Gefühl der Unsicherheit

Jetzt gibt es aber auch die andere Seite, die Ernüchterung. Wir müssen das sogar alles können.
Ein Soziologe, Philipp Steep, der die Gesellschaft beobachtet, hat genau das festgestellt. Er sagte, wir leiden heute darunter, einzigartige Individuen sein zu müssen. Wir leiden darunter, dass wir alle einzigartig, faszinierend und besonders sein müssen – und das sogar müssen.
Es ist eine Belastung, solche außergewöhnlichen Lebensgeschichten hervorbringen zu müssen. Das wird natürlich auch getrieben von Social Media und anderen Faktoren, von dem Gefühl: Yes, we can – wir müssten es eigentlich können.
Ich weiß nicht, man hat ja manchmal so das Lebensgefühl, dass man sich sicher sein soll. Zum Beispiel kennt ihr wahrscheinlich alle diesen Satz: „Du musst wissen, wer du bist.“ Ich muss wissen, wer ich bin. Und wenn man das weiß, dann ist man sich so sicher.
Mein Problem ist nur: Ich weiß es gar nicht. Wer bin ich denn? Leute, ich habe eigentlich gedacht, ich sei eine organisierte Person. Bis gestern im Zug die Kontrolleurin mir sagte: „Deine Bahncard ist abgelaufen, da gibt es jetzt ein Problem.“
Ich habe es nicht gerafft, ich habe nicht gecheckt, dass die Bahncard abgelaufen ist und ich sie nicht bezahlt habe. Manchmal weiß man einfach nicht: Wer bin ich eigentlich? Was bin ich eigentlich? Was zeichnet mich aus? Was ist meine Einzigartigkeit?
Ich dachte auch, dass ich schnell mal handwerklich etwas reparieren kann, bis ich letzte Woche mein Fahrrad über zwei Stunden repariert habe und es nicht geschafft habe, einen Reifen in das Ding einzubauen. Was bin ich dann?
Er hat jetzt auch Urlaub. Da habe ich natürlich auch solche Momente gehabt, in denen ich ganz ruhig war, in denen alles irgendwie runtergekommen ist. Dann denkt man über sein Leben nach und hat eine eher depressive Stimmung. Man fragt sich: Habe ich alle Lebensentscheidungen richtig getroffen? Da fühle ich mich verloren.
Das ist vielleicht genau die Lebenssituation, in der wir uns befinden – manche von uns.

Begegnung mit Levi: Ein Beispiel für Unsicherheit und Neuanfang

Ich möchte euch in diese Geschichte mitnehmen, in der Levi eine unsichere Person ist und etwas ganz Großartiges mit Jesus erlebt.
Ihr kennt die Geschichte vielleicht, aber ich lese sie noch einmal vor aus Lukas 5,27: Danach verließ Jesus das Haus. Da sah er einen Zolleinnehmer mit Namen Levi, der an einer Zollstation saß. Jesus sagte zu ihm: „Folge mir nach!“ Da ließ Levi alles zurück, stand auf und folgte ihm nach.
Später gab Levi in seinem Haus ein großes Festessen für Jesus. Viele Zolleinnehmer und andere Gäste aßen mit ihnen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten unter ihnen beschwerten sich bei den Jüngern von Jesus: „Warum esst und trinkt ihr mit Zolleinnehmern und Sündern?“
Jesus antwortete: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, nicht die Gerechten aufzusuchen, um ihr Leben zu ändern, sondern die Sünder.“
Ich möchte jetzt einen zweiten Schritt mit euch gehen. Zuerst beschreiben wir, was wir tun, wenn wir uns unsicher fühlen, wenn wir uns verloren fühlen. Danach schauen wir, wie wir damit umgehen können und was Jesus für uns vorbereitet hat.

Strategien im Umgang mit Unsicherheit: Vermeiden und Verletzen

Der erste Schritt
Es gibt natürlich Strategien, die uns helfen, mit Unsicherheiten klarzukommen. Die eine ist das Vermeiden – das machen die Pharisäer. Die zweite ist das Verletzen, beziehungsweise Selbstverletzen – das macht der Levi.
Das Vermeiden kennen wir wahrscheinlich alle. Der Begriff „Pharisäer“ bedeutet übersetzt „abgesondert“. Die Lebensaufgabe eines Pharisäers ist es, sich zu trennen, etwas zu vermeiden und von sich fernzuhalten. Die Vermeidungsstrategie steckt also schon im Berufstitel.
Der Pharisäer sagt zum Beispiel: „Warum esst ihr?“ Es gibt eine Regel, dass man nicht mit Sündern essen darf, mit Zöllnern. Das ist eine Vermeidungsstrategie, um gottgefällig zu sein. Es gibt noch viele weitere Regeln: Der Zöllner darf nicht, der Pharisäer darf nicht mit Kranken zusammen sein, er darf sich überhaupt nicht mit unbekannten Menschen abgeben. Denn das könnte schlecht für die Beziehung zu Gott sein und unheilig wirken.
Vermeidungsstrategien sind also sehr verbreitet. Vielleicht kennt ihr das auch: Man muss für eine Prüfung lernen, aber dann kommt YouTube ins Spiel. Erst das Erste, dann das Zweite, und plötzlich gibt es noch ein Video, das man anschauen möchte. Die Vermeidungsstrategie ist bekannt.
Natürlich gibt es auch Vermeidungsstrategien, die viel grundlegender sind. Ich kenne einen Bekannten, der in seiner Kindheit Schweres erlebt hat. Seine Mutter war suchtgefährdet oder tief in der Sucht gefangen. Das hat die ganze Kindheit von ihm belastet. Natürlich muss man damit umgehen, und das ist ein schweres Schicksal.
Jetzt ist er junger Erwachsener und lebt ganz woanders. Das Problem ist nur, sein ganzes Leben baut darauf auf, zu vermeiden, so zu werden wie die Mutter. Er hat also eine negative Motivation. Er will nicht etwas Bestimmtes erreichen, sondern er vermeidet, etwas zu sein. Das ist eine Vermeidungsstrategie.
Diese Strategie zeigt, dass es eine Unsicherheit gibt, die er versucht zu vermeiden. Das sind die Pharisäer.
Jetzt gibt es den Levi. Er versucht, Sicherheit zu gewinnen, indem er stark ist. Er verletzt sich selbst oder auch andere. Der Hintergrund ist, dass die Zöllner immer einen schlechten Ruf hatten. Sie wurden von den Juden gehasst.
Wenn Leute am Zoll vorbeikamen, sagte Levi: „Mein Freund, heute kostet die Ware fünf Euro, statt einem Euro.“ Jeder wusste, dass er einen abzockt. Jeder wusste, dass man mit diesem Job sein Ansehen verliert.
Warum macht Levi das? Ganz ehrlich, wir wissen es nicht genau. Warum nimmt Levi einen Job an, dessen Image so katastrophal ist? Offenbar treibt ihn etwas an. Vielleicht fühlt er sich dadurch sicher. Er bekommt Geld, von den Römern Unterstützung, er ist wohlhabend.
Vielleicht trägt er eine Unsicherheit in sich und sagt: „Okay, ich nehme in Kauf, dass ich mir selbst schade, dass ich mein Image verliere, dass ich in der Gesellschaft nicht mehr klarkomme.“ Er hat keine Freunde mehr, keine Unterstützung. Er ist in der Gesellschaft verloren, aber sucht Sicherheit, vielleicht im Geld.
Das ist die zweite Strategie, mit Unsicherheit umzugehen: Man versucht, den Dicken zu machen. „Fake it till you make it“ – ich gebe vor, etwas zu sein, ohne es wirklich zu sein. Man versucht, eine starke Persönlichkeit zu sein. „Ich kann das.“ Aber in Wirklichkeit ist man es nicht.
Levi hat kein Problem, seinen Job hinter sich zu lassen. Er hat kein Problem, sein ganzes Leben hinter sich zu lassen. Da war etwas in ihm, das ihm selbst gesagt hat: „Hey, ich lebe ein Leben, in dem ich den Starken spiele, obwohl ich unsicher bin, obwohl ich nicht genau weiß, was ich eigentlich mache.“
Heutzutage haben wir die Last, einzigartig und besonders individuell zu sein. Das ist auch eine Last. Diese Last kann uns dazu bringen, uns selbst zu schaden.
Man will so erfolgreich sein, dass man direkt nach dem Abi ins Wirtschaftsstudium geht, dann schnell ein Haus baut und sich durchquält. Hauptsache, man ist einzigartig und besonders, weil man Erfolg hat. Man definiert sich über diesen Erfolg und quält sich selbst.
Das ist selbstverletzendes Verhalten.
Man will so authentisch sein auf Social Media, dass man sogar ein Video postet, in dem man weint. Weil man weiß, dass das funktioniert und zeigt, dass man authentisch ist. Man zeigt sein ganzes Leben, auch Dinge, die man eigentlich nicht zeigen möchte oder die nicht wirklich aus dem Herzen kommen.
Das ist auch eine Art von Selbstverletzung.
Vielleicht sind wir ein Teil davon, dass wir uns manchmal selbst verletzen, weil wir unsicher sind. Wir wissen nicht, wie wir einzigartig werden sollen, aber wir müssen es irgendwie schaffen. Dahinter steckt viel Druck.

Ein neuer Weg: Jesus lädt zur Nachfolge ein

Und jetzt gibt es natürlich einen Weg, dass das verletzende Verhalten nicht in Vermeidung aufgelöst wird, auch nicht in unsicheres Verhalten oder Selbstverletzen. Es gibt diesen Weg, den Jesus mit Levi gegangen ist.
Im Text heißt es: Levi saß an seiner Zollstation. Jesus kommt zu ihm und sagt: „Komm, folge mir nach, komm, folge mir.“ Dieses „Komm, folge mir“ hat etwas ganz Besonderes. „Komm, folge mir“ bedeutet von Jesus: „Tritt hinter mich, komm hinter mir her.“ Das klingt erst einmal nicht nach viel. Wenn ich zu jemandem sage: „Komm, folge mir“, weiß man nicht, wohin es geht. Man weiß nicht, was ich von dir will. Man weiß eigentlich gar nichts – einfach nur: Komm!
Das Besondere an dieser Geschichte ist markant: Jesus hat hier eine Berufung ausgesprochen, die dazu führt, dass Levi auf einmal losgeht. Warum er das macht, ist vielleicht so, dass er gemerkt hat: „Ich bin unsicher. Ich habe mich mit den Römern eingelassen, die Juden hassen die Römer. Mein Image ist dahin.“ Dieses „Folge mir nach, hinter mich“ lädt Jesus ein, ein Leben zu leben mit einer ganz anderen Strategie, um mit Unsicherheiten umzugehen.
Er lädt ein zu sagen: „Ich möchte mit diesem Jesus leben, der etwas in mir sieht, das ich selbst vielleicht nicht sehen kann.“ Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen den zwei Personen Levi und Jesus. Levi sieht, wenn er sich selbst betrachtet, etwas ganz anderes als Jesus, wenn er ihn betrachtet.
Levi sieht in sich vielleicht gar nicht viel. Er weiß vielleicht von sich selbst: „Ich bin ein Betrüger, ich bin ein Abzocker, ich bin ein Snitch“, oder wie man heute sagen würde. Er hat das vielleicht gesehen, aber er hat auch gesehen: „Ich bin stark, ich tue den Macker, fake it und so weiter.“ Jesus sah etwas anderes in ihm.
Genau das hat Jesus ihm mit dem „Komm, ich habe etwas mit dir vor, ich sehe etwas in dir“ gezeigt. Er hat gesagt: „Ich habe etwas mitgebracht. Ist da etwas drin oder nicht?“ Hier, sag mal, nicht nur Hand hoch, ja, ist etwas drin? Eine Person? Nein, es ist wirklich etwas drin. Man sieht das.
Vermeintlich, aber die Gefahr besteht darin, dass man das nicht wahrnimmt. Man hat das Gefühl, da ist nichts drin, oder wenn, dann eher nur Wasser, nichts Besonderes, kein farbiges Getränk, keine Club Mate, keine Cola – nichts Besonderes. Die Gefahr ist, dass man unterschätzt, was da drin ist.
Ich glaube nämlich, Levi hatte sich selbst so betrachtet: „In mir ist eigentlich nichts Besonderes, in mir ist keine Sicherheit.“ Das ist eine Klarheit, man kann durchblicken, man kann einfach durchschauen. Aber Jesus hat etwas darin gesehen. Jesus hat gesehen: Da ist Wasser drin, da ist Lebensgrundlage drin, da ist Potenzial drin.
Der Unterschied ist eben der, dass wir vielleicht nichts darin sehen, aber Jesus sieht etwas. Das ist der gewaltige Unterschied: Wenn wir selbst unsicher sind, manchmal das Gefühl haben „Ich weiß nicht, was in mir steckt, was in mir drin ist“, dann ist es wichtig zu wissen, dass Jesus etwas darin sieht.
Vorhin habe ich gesagt, man muss wissen, wer man ist. Wisst ihr alle, wer ihr seid? Levi wurde berufen, obwohl er es nicht wusste. Levi folgte Jesus, ohne zu wissen, was er mit ihm vorhat. Jesus sagte Levi nicht, was er noch vorhat. Das bedeutet: Ich brauche es selbst auch nicht wissen. Ich brauche vielleicht gar nicht zu wissen, wer ich bin und was ich wirklich bringe, weil Jesus es tut.
Eine Sache, die ich selbst merke, ist, dass wir uns oft verachten, weil wir keinen Plan für das Leben haben. Das ist dieser Druck, den wir haben: Was mache ich nach dem Studium? Gehe ich ins Ausland oder nicht? Unten stehen viele Stände. Ich weiß nicht, wie viele. Zu welchem Stand gehe ich nachher und suche mir das heraus, was ich machen will nach der Schule oder dem Studium?
Ist man da nicht auch ein bisschen lost? Wo gehe ich da nachher hin? Wo schaue ich? Manchmal ist es okay, und es ist genau okay, weil Jesus vorausgeht. Es ist okay zu sagen: „Ich weiß es nicht, ich bin halt auch lost.“ Ich brauche mich dafür nicht zu verachten oder zu verurteilen, dass ich es gar nicht weiß.
Deswegen sage ich: Verachte dich nicht selbst, sondern achte darauf, dass Jesus dich für fähig hält. Verachte dich nicht selbst, sondern achte darauf, dass Jesus dich für fähig hält. Levi war lost, aber Jesus hat ihn unlost gemacht, einfach indem er gesagt hat: „Geh hinter mir her“ und einen Weg gefunden hat.
Es ist deswegen okay zu sagen: Ich habe keinen Plan. Denn eben dieser Jesus hat einen Plan.

Versöhnung mit sich selbst und der Umgang mit Social Media

Das heißt ganz praktisch: Ich habe vorhin von der Person erzählt, deren Mutter suchtkrank war. Ganz konkret bedeutet das, dass diese Person sich mit ihrer eigenen Vergangenheit versöhnen muss. Wir alle müssen uns mit dem versöhnen, was wir sind – aber auch mit dem, was wir nicht sind.
Ich bin viel auf Social Media unterwegs und sehe dort sehr viel, was andere machen: ein scheinbar perfektes Leben, Happy Life und vieles mehr. Obwohl wir das alle wissen, triggert es uns trotzdem. Man merkt selbst: „Ah, so ein tolles Leben habe ich nicht. So entscheidungsfreudig wie die Person bin ich nicht, so mutig bin ich nicht, so bin ich nicht.“ Und dann fühlt man sich verloren.
Instagram macht einen lost. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns an Jesus wenden. Bei ihm dürfen wir auch lost sein. Zuerst einmal müssen wir wissen: Ich muss gar nicht wissen, was ich bin, was ich habe oder was ich leiste. Jesus sieht in mir eine Chance. Er erkennt, was in mir steckt und was noch wachsen kann.
Vielleicht habt ihr mal den Satz gehört, etwa in einer Predigt, in der Jugendgruppe oder in der Bibelarbeit: „Bei Jesus bist du sicher.“ Jetzt muss ich aber etwas hinzufügen, und das tut mir leid – es ist nicht so schön, das zu hören. Ich muss euch da leider enttäuschen. Bei Jesus bist du sicher, obwohl alles andere unsicher ist.
Lukas schreibt am Ende dieser Passage nicht: „Die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Er sagt: „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten aufzurufen, sondern die Sünder.“ Konkret heißt das: Jesus ist nicht für die Gerechten und Gesunden gekommen. Diese Menschen sind ein Bild für die Pharisäer, die alles im Griff haben, die wissen, wie das Leben läuft, die sozusagen das Leben „verstehen“ und wissen, wie es funktioniert. Für diese Menschen ist Jesus nicht gekommen.
Wenn wir das aber herunterbrechen und Klartext reden, heißt das eigentlich: Wenn wir jemals gerecht werden, sicher und gesund, dann brauchen wir Jesus nicht mehr. Und wenn wir jemals gerecht, sicher und gesund werden, dann will Jesus nichts mehr mit uns zu tun haben.
Jesus geht davon aus, dass es immer nur Ungesunde und Kranke geben wird. Der Begriff „Kranke“ ist hier symbolisch zu verstehen und nicht praktisch. Er steht für Menschen, die verloren sind, die nicht ganz sicher sind. Jesus sagt: „Ich bin für die Menschen da, die unsicher sind, die lost sind.“ Und das werde ich für immer bleiben. Die Grundhaltung ist: „Ihr werdet es immer sein, ich werde es auch immer sein.“
Es ist gar nicht so einfach. Es ist tatsächlich sehr unbiblisch zu sagen: „Irgendwann bin ich sicher.“ Ich habe als Jugendlicher auch immer gedacht, wenn ich mal dreißig bin, dann stehe ich voll im Leben, bin sicher. Jetzt bin ich dreißig und nichts ist anders – man ist trotzdem lost, vielleicht nicht so sehr, aber doch.

Nachfolge in der Unsicherheit: Beispiel Levi und die Einladung Jesu

Levi folgt Jesus nach, der sagt: „Ich bin für dich sicher, auch wenn du unsicher bist.“ Das Leben, das Levi vor sich hatte, war völlig unsicher.
Stellt euch vor, jemand sagt heute zu euch: „Komm, wir ziehen los!“ Ihr wisst nicht, wohin es geht. Seid ihr sicher? Jesus trug Sandalen, hatte kein Geld und kein Haus über dem Kopf. Fand er es toll, so unsicher zu leben? War es sicher, ihm nachzufolgen? Ich glaube nicht.
Das ist genau der Unterschied: Jesus nachzufolgen heißt auch, in die Unsicherheit hineinzugehen. Das erwartet Jesus von uns – in dieser Unsicherheit zu bleiben.
Levi hat sein Leben verlassen. Er wollte nicht äußerlich sicherer werden, sondern genauso unsicher bleiben. Vielleicht, um innerlich sicherer zu werden. Er gab Wohlstand auf – ein schönes Deutschland, wo alles einfach und bekannt war. „Ich gehe doch nicht ins Ausland“, denkt man vielleicht, „da weiß ich nicht, was kommt, ich müsste eine andere Sprache lernen, das mache ich nicht, denn sicher ist sicher.“
Ich surfe am Eisbach, wurde vorhin schon erwähnt. Das ist ein Fluss in München mit einer starken Strömung. Dort entsteht eine natürliche Welle, auf der man surfen kann. Es gibt mehrere solcher Wellen. Ich habe auf kleineren Wellen in München geübt. Die große Eisbachwelle ist sehr bekannt. Irgendwann dachte ich: „Jetzt ist der Tag gekommen, an dem ich diese große Welle ausprobieren will.“
Natürlich macht es Sinn, jemanden mitzunehmen, der sich auskennt. Als Anfänger ist man schon etwas verloren – ich war es auch. Von außen sieht die Welle nicht so groß aus, aber die Strömung dahinter ist stark. Hinter der Welle befinden sich im Wasser sogenannte Quadersteine, die etwa zwanzig Zentimeter vom Boden hochragen. Wenn die Welle einen unter Wasser drückt und man mit voller Geschwindigkeit gegen diese Steine stößt, tut das höllisch weh. Verletzungen sind möglich. Es ist wichtig, das zu wissen, bevor man auf diese Welle geht.
Trotzdem wollte ich es machen. Ich nahm jemanden mit, der sich auskannte. Mein erstes Mal auf der Welle lief ganz gut. Am Ende landete ich im Krankenhaus und musste am Kopf genäht werden. Es waren allerdings nicht die Quadersteine am Boden, die mich verletzten, sondern das Surfbrett, das mir auf den Kopf schlug.
Das ist eine unsichere Geschichte. Man weiß, dass etwas passieren kann. Mir ist nichts Größeres passiert, aber ich war natürlich im Krankenhaus. Diese Erfahrung hat mir etwas gezeigt.
Surfen am Eisbach ist keine sichere Sache. Es kann etwas passieren. Aber ich fühlte mich sicher, weil jemand dabei war, der mir half. Er zeigte mir, wie ich mit der Situation umgehen kann, wie ich aus dem Wasser komme, und war bereit, mir zu helfen, falls etwas passiert. Diese Geschichte ist für mich so eindrücklich geworden, weil ich in die Unsicherheit hineinspringen konnte – mit der Sicherheit, dass jemand da ist.
Das ist Jesus für mein Leben und euer Leben. Es geht nicht darum, sicher zu leben. Wer sicher leben will, kann zu Hause auf dem Sofa bleiben. Aber das will keiner von uns. Wir wollen das Leben leben, das Jesus für uns vorbereitet hat. Ihm nachzufolgen heißt, in Unsicherheiten hineinzugehen.
Meine Ermutigung ist: Vertraut diesem Jesus. Sagt: „Ich gehe die Unsicherheit ein, aber ich bin sicher, weil Jesus dabei ist.“ Jesus zieht mich aus dem Wasser, wenn es mich runterdrückt.

Entscheidungen treffen trotz Unsicherheit

Es gibt das Phänomen, dass viele Menschen Angst vor einer Entscheidung haben. Ich glaube, das kennen viele. Du hast, glaube ich, vorher gesagt, dass du etwa jede zweite Woche eine neue Idee hast, was du irgendwann mal studieren sollst, richtig? Wer hat das auch? Es gibt viele. Ich habe mal gelesen, dass es über 800 verschiedene Studiengänge gibt, die man belegen kann.
Wer will studieren? Ich gebe euch das Buch mit 800 Optionen – werdet glücklich damit, sage ich mal. Aber man wird damit auch verrückt, weil man sich nicht entscheiden kann. Natürlich nicht. Wie soll man sich bei so vielen Möglichkeiten entscheiden? Das ist die Realität, in der wir leben: Oft wissen wir gar nicht, was wir wollen.
Dann gibt es die eine Sache: Man lehnt sich zurück und sagt das super fromm. Und dann bin ich auch super fromm und sage: „Hey Gott, sag du mir, was ich machen soll.“ Wisst ihr, ich glaube, manchmal ist das eine Ausrede, um keine eigene Entscheidung treffen zu müssen. Es klingt zwar fromm, wenn ich Gott die Entscheidung überlasse, was er aus meinem Leben machen soll. Gleichzeitig nehme ich mir aber die Verantwortung, überhaupt eine Entscheidung treffen zu können oder zu müssen.
Ich bin zutiefst überzeugt, dass Jesus uns manchmal sagt: „Eine treffende Entscheidung – do it! Hashtag just do it – mach es einfach.“ In diesem Text steht: Später gab Levi in seinem Haus ein großes Festessen für Jesus. Er lud Zolleinnehmer ein, und andere Gäste aßen mit ihm.
Eine Kleinigkeit ist dabei bemerkenswert: Jesus spielt da gar nicht mit. Er ist nur teilnehmender Gast, mehr nicht. Jesus hat nicht aufgegeben, Levi zu sagen: „Hey, wäre schon nett, wenn du mal ein Fest für mich machst, ein Festessen. Das wäre prächtig, mach doch mal.“ Jesus hat nichts gesagt. Wir wissen nicht, ob er etwas gesagt hat.
Es ist Levi, der aktiv wird. Levi gab ein Festessen. Er hat die Entscheidung getroffen: „Heute werde ich alleine entscheiden, dass ich ein Festessen für Jesus und die Zolleinnehmer mache.“ Das wurde zum Anstoß in der ganzen Stadt. Die Pharisäer kamen und regten sich auf: „Wie könnt ihr nur? Was ist da los? Warum macht Jesus das?“
Das brachte sogar Jesus in eine schwierige Situation. Jesus wurde danach als der betrachtet, der für die Zöllner ist. „Das kann kein richtiger Lehrer sein, das kann kein richtiger Rabbi sein, der muss umgebracht werden.“ Das war die Folge von Levis Entscheidung. Das ist schon ganz heftig.
Aber genau das ist es, was Jesus uns als Rahmen gibt: Er sagt, „Folgt mir nach.“ Und dann trifft Levi die erste Entscheidung: „Ich mache ein Festessen für dich.“ Ich will nicht sagen, ihr müsst immer ein Festessen machen, bevor ihr eine Entscheidung trefft. Oder wenn ihr sagt: „Heute folge ich Jesus neu nach“, dann müsst ihr kein Festessen machen.
Aber ich glaube, es ist eine Ermutigung. Jesus lässt diese Freiheit, dass man eine Entscheidung trifft. Und Jesus geht mit auf das Fest und feiert mit Levi zusammen. Wir dürfen mutig – sehr mutig – Entscheidungen treffen, weil wir diesen Jesus an unserer Seite haben.
So möchte Jesus auch unsere Unsicherheiten gebrauchen.

Vertrauen in Gottes Führung trotz Fehlentscheidungen

Ich glaube, dass wir uns von diesem Jesus prägen lassen dürfen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir von ihm geprägt sind und durch seine Persönlichkeit ausgestattet werden, sodass wir Entscheidungen treffen dürfen.
Ich habe eine Predigt von Tim Keller gehört mit dem Titel "God's Plan", falls jemand sie nachhören möchte. Darin legt er ganz ausführlich dar, dass wir in der Führung Gottes stehen und Teil seines Plans sind. Er meint damit – und das klingt vielleicht etwas sperrig – dass wir gar nicht aus diesem Plan herausfallen können. Es gibt keine Fehlentscheidung in Bezug auf Jesus. Es gibt nicht die Entscheidung, einen Weg zu wählen, auf dem Jesus nicht mitgeht.
Natürlich gibt es Fehlentscheidungen. Ich habe selbst einige getroffen in meinem Leben, bei denen ich im Nachhinein dachte: „Ey, spinnst du da, was hast du dir dabei gedacht? Hast du dich da verlaufen?“ Ja, solche Fehler passieren. Aber vielleicht waren sie auch notwendig.
Was ich sagen will – und was Tim Keller in seiner Predigt ebenfalls betont – ist, dass wir nicht aus der Nachfolge Jesu herausfallen, wenn wir mutige Entscheidungen treffen. Natürlich immer in Gemeinschaft und gemeinsam mit Jesus. Es ist wichtig, sich mit anderen auszutauschen, etwa mit der eigenen Jugendgruppe oder Freunden. All diese Parameter dürfen wir mit einbeziehen und uns beraten lassen.
Manchmal braucht es auch die Eltern, die einem einen Schubs geben und sagen: „Jetzt mach doch mal das!“ Das ist oft genau das, was relevant ist.
Ich möchte euch ermutigen, Entscheidungen zu treffen.

Abschluss: Versöhnung mit sich selbst und mutige Nachfolge

Und zum Abschluss habe ich vorhin noch einmal gesagt: Es ist so wichtig, glaube ich, gerade heutzutage in diesen Unsicherheiten. Yes, we can – ja, wir können alles. Das ist die Last, die wir haben, die ich habe. Ich könnte alles, aber ich brauche nicht alles. Ich könnte alles, aber ich bin dadurch eigentlich verloren.
Sich zu fokussieren und zu sagen: Ich versöhne mich mit dem, was ich bin. Ich verachte mich nicht selbst, sondern ich achte auf diesen Jesus, der mich fähig macht. Und das, was er in mich hineingelegt hat, das gilt es zu entdecken. Das gilt es mitzunehmen auf die Reise.
Dann gilt es zu sagen: Ich folge diesem Jesus mutig. Ich gehe in die Unsicherheiten hinein, ich reite die Welle, ich gehe ins Ausland, ich mache das Studium und ich gehe auch mal das Risiko ein, einen falschen Weg zu gehen. Dann fang doch einfach mal an zu studieren und wenn es anders kommt, dann machst du eben etwas anderes.
Ich habe auch, wie jeder von uns heute, einen zweiten Berufsweg eingeschlagen. Erst war ich Elektroniker, dann war ich in Berlin, dann in Wuppertal, jetzt bin ich in München. Ist das nicht der Weg Gottes, der mit mir gegangen ist? Ich habe mich versöhnt mit meiner Geschichte. Ich glaube heute, das war die Geschichte Gottes mit meinem Leben. Und ich bin versöhnt damit – es war kein Fehler.
Das ist die Einladung, die Jesus dir macht, wenn er sagt: Komm, folge mir. Dich zu versöhnen, die Unsicherheiten anzupacken, zu springen und dann auch mutig Entscheidungen zu treffen. Vielleicht schon heute, vielleicht aber auch erst nächste Woche oder später.
Lass uns noch gemeinsam beten:
Jesus, ich danke dir für diese Berufungsgeschichte. Lass mich klar werden, dass ich dich nicht vollständig verstanden habe, zu was du mich bestimmt hast. Lass mir klar werden, welches Potenzial du mir gegeben hast, und lass mir auch klar werden, welche Grenzen du mir gesetzt hast.
Und lass mich mutig sein. Lass mich mutig Schritte gehen, die dir nachfolgen. Lass mich sicher sein, dass du meinen Weg begleitest, auch wenn ich Entscheidungen treffe. Entscheide du mit mir, vor allem so, dass ich deine Entscheidung mittrage und du meine Entscheidung mitträgst.
Ich will dir vertrauen, dass du mich immer führst. Amen.