Liebe Freunde,
mit falschen Zeugen hat man ja schon Jesus den Prozess gemacht. Und bei
Stefanus, dem ersten Märtyrer der Kirche war es genauso. Unschuldig wie der
war, wurde er aufgrund falscher Zeugenaussagen hingerichtet. Sie haben ihn
gesteinigt wie so einen räudigen Hund. Der Mann, der die Hinrichtung
geleitet hat, hieß Saulus. Und von dem will ich euch heute erzählen.
Saulus, der Christenhasser.
Saulus, auf Griechisch Paulus", auf Deutsch Der Kleine" war ein großer
Christenhasser. Er war ein ausgebildeter Psychologe, ein ausgekochter
Denker, ein ausgesprochener Kirchengegner, und es heißt ausdrücklich in der
Bibel von ihm, dass er an der Steinigung des Stephanus seine Freude hatte.
Das gefiel ihm, wie da einer so mit Steinen zusammengeschossen wurde, und
bei jedem Treffer mehr zusammensackte und zuckte, bis er irgendwann wie ein
nasser Sack da lag, nur noch so ein Haufen zuckendes Fleisch, bis er
krepierte. Das machte ihm Freude, wie man wieder erleben konnte, wie einer
von den Christen liquidiert wird. Saulus hatte an dieser Sauerei die
gleiche Freude wie so ein sechzehnjähriger Neonazi beim Türkenklatschen, wo
man sich fragt, was geht in den Köpfen solcher Menschen vor, mit der
Stiefelspitze in einen Menschen einzudreschen. Die müssen doch einen Riss
in der Schüssel haben. Was denken die eigentlich!
So einer ist Paulus gewesen – arbeitet mit falschen Zeugen, schindet die
Leute zu Tode, und hat dann noch seinen Spaß dran. Der Mann ist nicht nur
fanatisch, der ist auch noch fies. Das ist einer von denen, mit denen man
möglichst nichts zu tun haben möchte. Und ausgerechnet mit dem will Gott
was zu tun haben. Ausgerechnet für den hat Gott etwas zu tun. Er soll den
Namen von Jesus vor die Heiden und vor die Könige tragen[1]. Da hat Gott
sich einen ganz besonders schweren Brocken ausgesucht, um der Welt einmal
sein Meisterstück zu zeigen. Aus dem größten Christenhasser soll der größte
Christusprediger werden.
Vom Christenhasser zum Christusprediger.
Und das kam so: nachdem Stephanus getötet war, da will Paulus, weil er nun
Blut geleckt hat, die ganze christliche Gemeinde ausradieren. Er macht in
Jerusalem eine Razzia. Wer erwischt wird als Christ, fliegt in den Knast,
wer kann, der flieht, und so breitet sich eben durch diese Flüchtlinge der
christliche Glaube im Land aus. Und je mehr Paulus in die Glut schlägt,
umso mehr stieben die Funken. Es ist das alte Gesetz, das Lebensgesetz der
Kirche und das heißt: das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche.
Ich habe vor vierzehn Tagen einen jungen Mann kennen gelernt, es war ein
Katholik, Priesterlehrling, ein ganz junges Bürschli, er sah noch aus wie
ein Kind, er hatte schon seinen ersten Einsatz in Afrika hinter sich als
Missionar. Und er hat mir erzählt, als er da mit dem Boot über den Fluss
fahren musste, in diesen Aufständen dort, da haben welche mit den Maschinen-
pistolen hinterher geschossen und da sind zwei von den Priestern, die mit
ihm im Boot waren, erschossen worden. Die flogen dann neben ihm um, tot.
Und er konnte sich retten. Das ist schon Wochen und Monate her, aber er
heulte immer noch, als er mir das erzählt hat. Er hat das Erlebnis einfach
nicht verkraften können. Er fragte Wieso fängt denn Gott eine
Missionsarbeit mit mir in Afrika an, indem zwei (Menschen) sterben müssen?"
Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.
Wenn die Missionsgeschichte unseres Jahrhunderts einmal geschrieben ist,
dann wird das eine Geschichte von Blut sein. In vielen Ländern dieser Erde
werden die Christen blutig verfolgt. In Pakistan durch die Moslems, in Peru
durch die Marxisten, aber es ist überall dasselbe: wenn die Kirche
unterdrückt wird, da geht sie in die Tiefe, manchmal in den Untergrund,
jedenfalls in die Tiefe. Dort wird sie tiefer, gefestigter, breitet sich
aus, und das ist seit zweitausend Jahren so. Und das weiß auch jeder, der
die Kirchengeschichte kennt. Aber Paulus weiß das nicht, weil er ja am
Anfang dieser Geschichte steht. Und er denkt noch so ganz naiv, wenn man
die Christen richtig unterdrückt, dann kann man die Christen ausrotten.
Nachdem er in Jerusalem aufgeräumt hat, geht er nach Damaskus, in eine
andere Stadt, um dort aufzuräumen. Aufgrund seiner besonderen Verdienste
und seines rücksichtslosen Durchgreifens ist er so eine Art Kommissar für
Christenverfolgung geworden, trägt ein schwarzes Dokumenten-köfferchen
dabei, wo die Haftbefehle drin sind, wird begleitet von so ein paar smarten
Herren, die auch solche Köfferchen tragen, da sind die Handschellen drin,
und so marschiert er auf Damaskus los und auf einmal ist der Himmel los.
Die berühmteste Bekehrungsgeschichte aller Zeiten – unerklärbar.
Mitten am helllichten Tage auf der offenen Landstraße begegnet ihm Jesus.
Und die Lichtfülle seiner Herrlichkeit haut den Paule auf die Bretter, dass
er in die Knie geht, wie geblendet. Und als er auf dem Wege war und nahe an
Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Und er fiel
auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, warum
verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich
bin Jesus, den du verfolgst. Stehe auf, gehe in die Stadt, da wird man dir
sagen, was du tun sollst.[2]
Das ist also die berühmteste Bekehrungsgeschichte aller Zeiten. Ich muss
einmal ganz ehrlich sagen, ich habe schon interessantere
Bekehrungsgeschichten gehört. Wenn man die paar Zeilen so liest, das hört
sich unwahrscheinlich trocken und bieder an, und wieso der Mann sich hier
bekehrt, wird überhaupt nicht erklärt. Aber das liegt eben daran, dass man
eine Bekehrung gar nicht erklären kann. Bekehrung ist ein Wunder, da gibt
es nichts zu erklären und nichts zu verstehen, sondern da kann man nur zur
Kenntnis nehmen, wie aus einem Mensch, der eben noch ein Atheist war jetzt
ein Christ geworden ist. Hier ist ein Mensch, der eben noch Gott abgelehnt
hat und der ist jetzt ein Freund Gottes geworden. Das Ganze sieht so aus
wie eine Blitzbekehrung aus heiterem Himmel.
Aber so ist das ja gar nicht. Vielleicht gibt es überhaupt keine
plötzlichen Bekehrungen, jede Bekehrung hat ja ihre Vorgeschichte. Und
deine Bekehrung hat ja auch eine Vorgeschichte. Zum Beispiel, dass du heute
Abend hier sitzt ist ja schon ein Beweis dafür, dass Gott an dir arbeitet.
Aber die Vorgeschichte ist für uns meistens nicht sichtbar. Wir sehen nur,
wie Paulus plötzlich umkippt und von einem Moment zum anderen vom
Nichtchristen zum Christen wird. Wir sehen nur, wie einer nach einem
Entscheidungsruf bei einer Evangelisation nach vorne kommt. Wir sehen ja
gar nicht, was vorher in dem vor sich gegangen ist.
Jede Bekehrung ist einzigartig.
Bekehrung ist in jedem Fall ein Prozess, und ist in jedem Falle anders. Und
wenn uns das bei dem Paulus alles so blitz- und ruckartig vorkommt, dann
müssen wir bedenken, dass da ja noch eine Geschichte dahinter steckt. Da
hat sich vorher einiges abgespielt, tief in seinem Gewissen. Und was wie so
eine plötzliche Bekehrung aussieht, das ist in Wirklichkeit eine lange,
vorbereitete Kapitulation.
Das habe ich schon oft erlebt. In diesen Gottesdiensten und wenn ich so
unterwegs bin, da kommen Menschen in unsere Veranstaltungen, die
diskutieren mit mir und unseren Mitarbeitern wie die Weltmeister. Die
diskutieren, dass die Fetzen fliegen und machen uns fertig und bringen ein
Argument nach dem anderen, die reden mit uns eine Woche lang, sind taub für
alles, was wir sagen. Man hat das Gefühl, man redet gegen eine Wand, die
sind wie zu betoniert, die agitieren, dass wir den Mut verlieren – und
dann, von einem Moment zum anderen, dann bekehren sich solche Menschen. Und
wenn wir uns dann gegenseitig akzeptiert haben und Brüder und Christen
geworden sind, dann reden wir ruhig zusammen. Und dann erzählen die, und es
stellt sich heraus, dass die schon längst im Laufe der Woche Zweifel an
ihrer Position gehabt haben. Aber das wollten die vor sich und ihren
Kumpels und vor Gott nicht zugeben. Die lieferten eine ganze Weile nur noch
Scheingefechte, obwohl sie innerlich schon längst überwunden waren.
Der Tod von Stephanus und die Bekehrung von Paulus.
So war es bei dem Paulus auch. Paulus hat die Kirche bekämpft, er hat sich
am Terror gegen die Kirche geweidet. Er hat sich, als Stephanus da blutend
lag, vor Freude die Hände gerieben. Und dann hat ihn sein Gewissen
umgetrieben. Denn er sah ja nicht nur, wie Stephanus starb, er hörte ja
auch, was Stephanus als letztes sagte. Stephanus hat als letztes einen Satz
gesagt, genau wie Jesus. Er hat nämlich genau für seine Mörder gebetet und
hat gesagt: Herr, strafe sie nicht für ihre Sünde[3]. Kein Hass, kein
Fluch, sondern die Bitte um Vergebung für seine Mörder.
Wenn man das erlebt, das vergisst man nicht. Und wenn Paulus daran dachte,
was Stephanus als letztes gesagt hat, da kamen ihm offenbar doch die
Zweifel, ob der Mord an ihm richtig gewesen ist. Wisst ihr, wenn jemand
etwas tut, von dessen Richtigkeit er nicht mehr überzeugt ist, dann
verdoppelt er oft seine Anstrengungen, um sein Gewissen zu betäuben. Paulus
wird in seinem Christenhass immer fanatischer. Erst hat er die Männer
angegangen, dann geht er die Frauen an, jetzt geht er schon ganze Gemeinden
an und dann kommt er zu dem Punkt, wo Jesus sagt: Jetzt ist Schluss." Und
wo Jesus ihn zur Rede stellt und sagt: Saulus, warum verfolgst du mich
eigentlich? Saulus kann nur stammeln: Herr, wer bist du?" Durch diese
klägliche Frage erhält er eine königliche Antwort. Ich bin Jesus, den du
verfolgst. Steh auf, geh in die Stadt und dort wird man dir sagen, was du
tun sollst.
Der entscheidende Punkt der Bekehrung: Jesus die Führung übergeben.
Der Mann, der gekommen ist, um die Christen von Damaskus abzuführen, soll
sich wie ein Kind zu den Christen von Damaskus hinführen lassen und
tatsächlich, Paulus steht auf und lässt sich führen. Und das ist der
entscheidende Punkt der Bekehrung. Bis jetzt hatte Paulus bestimmt, wo es
lang geht. Und jetzt bestimmt Jesus, wo es lang geht. Bis jetzt hatte
Paulus bestimmt, was zu tun ist, und jetzt sagt Jesus, was er tun soll. Bis
jetzt hat Paulus gemacht was er wollte, jetzt macht er, was Jesus will.
So war es beim Paulus, und so war es bei jeden Menschen, der sich bekehrt
hat und so wird es auch bei dir sein, wenn du dich mal bekehrst. Denn dass
du zu einer Kirchengemeinde gehörst und einen Taufschein hast, und dich
hast konfirmieren lassen, das hat noch keine große Bedeutung, wenn du nicht
eine lebendige Beziehung zu Jesus hast. Wenn du Ihm nicht einmal dein Ja-
Wort gegeben hast, wenn du nicht wirklich mit Ihm lebst. Du sagst jetzt
vielleicht: Also, ich bekehre mich nie! Und mit eurem Jesus, den es
außerdem gar nicht gibt, da will ich nichts zu tun haben" – das sagst du
jetzt! Das hat Paulus damals auch gesagt und einen Tag später war er
Christ.
Es gibt eine Hoffnung für dich, denn es ist bei Gott nichts unmöglich[4].
Und dass du Christ wirst, ist auch nicht unmöglich. Keiner hätte damals
gedacht, dass aus Paulus einmal ein Christ wird. Der war doch noch viel
ablehnender als du. Du flözt jetzt ja noch friedlich hier und schmeißt
bisher nicht mit Eiern, aber dieser Mann, von dem heißt es hier: Er
schnaubte mit Drohen und Morden[5]. Als also so einen wie mich hätte der
gar nicht ausreden lassen. Kein Mensch hätte damals für möglich gehalten,
dass dieser Stinkstiefel einmal Christ wird. Der hat nicht zugehört, der
hat zugeschlagen.
Die Gemeinde staunt ungläubig über diese Bekehrung. Nehmt einander an!
Und als er sich dann doch bekehrt hat, da wollten die Leute gar nicht
glauben, dass das wirklich echt war. Da war zum Beispiel einer, der hieß
Ananias. Der gehörte zu der Gemeinde von Damaskus. Der hatte natürlich
durch den Buschfunk schon gehört, dass Paulus, das alte Ekel, im Anmarsch
ist und dass eine Verhaftungswelle bevorsteht. Und zu dem sagt Jesus:
Ananias, steh auf, und gehe hin, in die Gasse, die die Gerade heißt, und
frage in dem Haus des Judas nach einem Menschen namens Saul von Tarsus.
Denn siehe, er betet. Lege ihm die Hände auf, damit er wird wieder sehen
kann[6]. Ananias glaubt, sich verhört zu haben. Er sagt: Chef, ich will
nicht widersprechen, aber das muss irgendwie ein Irrtum sein. Also, Jesus,
wenn du wüsstest, was ich über den Saulus gehört habe – der jagt den
Christen in Jerusalem, der will uns jetzt ausrotten, das ist eine böse
Falle. Der will Hand an uns legen und ich sollte ihm die Hand auflegen?
Wenn ich zu dem hingehe, dann bin ich doch der erste, der hops geht, das
ist doch glatter Selbstmord. Der Mann ist ein Schlitzohr, die Bekehrung ist
geheuchelt. Der ist ein hohes Tier bei der Stasi, so einer wie der bekehrt
sich nie."
Die Annahme von Stasi-Paule übersteigt die Kräfte des Ananias. Der nimmt
der alten Stasi-Sau die neuerdings gefalteten Pfoten einfach nicht ab.
Annahme verweigert. Ich hab gesagt, wir komme hier alle gerade vom
Kirchentag. Der Kirchentag stand ja unter der Losung: Nehmt einander an".
An dieser Stelle wird einmal deutlich, dass dieses Wort Nehmt euch
gegenseitig an" kein leichtes Liedchen zum trällern ist. Das ist kein Soft-
Slogan für humanistisch gesinnte Gemüter, die so auf der Kirchentags-
Spielwiese jedem Sandalenträger um den Hals fallen. Nehmt einander an",
das ist ein absoluter Hammer. Das ist die totale Überforderung eines jeden
Empfindens eines Menschen. Das ist Menschen unmöglich. Möglich ist die
Annahme eines anderen Menschen vom Schlage eines Paulus erst dann, wenn
einer durch Jesus eine neue Kreatur geworden ist[7], wenn er den Heiligen
Geist empfangen hat. Und so einer ist Ananias. Deswegen schafft er das
auch, dass er über seine Zweifel, seinen Hass, seine Abneigung hinweg
steigen kann, und den Paulus schließlich als Bruder annimmt.
Jesus sieht alles und alle. Er will alle – Annahme ohne Ausnahme!
Aber erst versucht er sich einmal vor der Annahme zu drücken, diskutiert
mit Jesus und tut so, als ob Jesus nicht richtig informiert wäre. Dabei ist
Jesus bis in die letzte Kleinigkeit informiert. Jesus wusste die Straße, wo
Paulus wohnte – Geh in die Straße, die die gerade heißt. Der wusste das
Haus, in dem er war – Frage nach dem Haus eines gewissen Judas. Er wusste
den Namen von Paulus – Er heißt Paulus. Er wusste wo er herkam – Er ist aus
Tarsus. Er wusste, was er macht – Er betet.
Jesus weiß, wer du bist, woher du bist, wo du wohnst, was du machst und was
du denkst und was du tust. Er kennt dich. Wenn du betest, dann sieht Er es.
Und wenn es ein stummes Gebet wäre, und wenn es ein gestammeltes Gebet wäre
und selbst wenn du sagst: Jesus, wenn es Dich überhaupt gibt, wenn das
wirklich wahr sein sollte, dann bitte ich Dich, dass du mich hörst" dann
wird dieses Gebet erhört. Es ist nicht wahr, dass Gott, der Schöpfer der
Welt viel zu groß ist, um auf die Gebete eines kleinen Menschen zu achten.
Im Gegenteil, die Bibel lehrt ja, dass die Größe Gottes gerade darin
besteht, dass Er auf jeden Menschen eingeht.
Und wo auch immer auf dieser Welt ein Mensch zu Gott ruft, und wenn das in
der finstersten Gefängniszelle oder im dunkelsten Loch einer persönlichen
Verzweiflung ist, Gott sieht ihn – Siehe, er betet. Deine Gebete fallen
nicht unerhört irgendwo in den Weltraum, sie fallen nicht in die Tiefe des
Nichts, sondern sie fallen in das Vaterherz Gottes. Gott wartet auf dein
Gebet. Er sehnt sich nach deinem Gebet. Gott hat dich geschaffen und Er hat
dich gerufen und Gott hat einen Herzenswunsch, dass du Gott sagst: Ja,
Vater ich will dein Kind sein. Ich will deinen Willen tun." Das ist das
Gebet, das Paulus hier betet. Siehe, er betet.
Das Gebet als Lebenszeichen der Wiedergeburt.
Das ist das Kennzeichen der echten Bekehrung, das Lebenszeichen der
Wiedergeburt. Siehe, er betet. Das ist wie bei so einem neugeborenen Kind.
Ein Kind, das zur Welt kommt, das kriegt einen Klaps auf den Hintern, das
muss erst einmal einen Schrei von sich geben. Man muss einmal einen Ton
hören, dass man ein Zeichen hat, es lebt, es atmet. Und ein Mensch, der zum
Glauben kommt, der muss erst einmal einen Ton von sich geben, Gott anreden.
Und wenn der Mensch anfängt, zu beten, dann ist das das Zeichen, dass er
ein Kind Gottes geworden ist, dass er ein Gotteskind geworden ist.
Manche Leute sagen, zum Zeichen der Bekehrung muss man in fremden Zungen
reden, aber das sage ich nicht, weil es die Bibel nicht sagt. Siehe, er
betet. Wenn Jesus zu Ananias gesagt hätte: Siehe, er predigt!" dann hätte
Ananias sagen können: Das machen viele Pfarrer, ohne Kinder Gottes zu
sein." Wenn er gesagt hätte: Siehe, er besucht kirchliche
Veranstaltungen!" dann hätte Ananias gesagt: Das machen viele, ohne
bekehrt zu sein."
Exkurs: Der Kirchentag und das Bordellviertel.
Zum Beispiel so einer Veranstaltung wie dem Kirchentag, da treten die ja
nicht nur eine Menge solcher Bibelverdrewermänner[8] auf, sondern sogar
Leute wieder Dalai Lama, also Chef einer antichristlichen, buddhistischen
Religion. So nach dem Motto: "Seid umschlungen, Millionen! willkommen alle
Religionen, zum Kirchentag in München samma, zusammen mit dem Dalai
Lama".
Ich hab ein anderes Motto zum Kirchentag gehabt. Und das hieß: Wenn schon
zum Kirchentag, dann nicht zum Dalai Lama, sondern zum Theo Lehmann." So,
das war die Werbung, jetzt geht der Hauptfilm weiter. Eines muss ich noch
sagen: von vielen Seiten werden ich und andere angegriffen, dass es heißt,
warum geht ihr überhaupt auf diesen Kirchentag und predigt dort. Ich hab
vorher in der Kirche den Dankwart Fischer rumlaufen sehen, diesen Präses
von der Heilsarmee. Ich hab einmal vor ein paar Jahren mit ihm im
Bordellviertel in Hamburg, in Sankt Pauli gepredigt. Und ich sage mir, wenn
ich im Bordellviertel gepredigt habe, dann kann ich auch auf dem Kirchentag
predigen (Applaus).
Die Bedeutung des Gebetes.
Der Hauptfilm geht weiter: Wenn Jesus zu Ananias gesagt hätte: Der zahlt
Kirchensteuern!" dann hätte Ananias gesagt: Das machen Millionen Christen,
ohne begehrt zu sein." Aber das alles sagt ja Jesus nicht. Sondern Jesus
sagt: Sieh mal hin, der Mensch betet!" Einem Menschen, der betet, kannst
du immer vertrauen. Wer mit Gott in Verbindung ist, der bringt keinen um,
der legt niemanden rein, vor dem brauchst du dich nicht zu fürchten. Wer im
Geheimen mit Gott verkehrt, den kann man auch im Öffentlichen vertrauen.
Ihr wisst ja, ich bin im Reisedienst ständig unterwegs und ich bin ständig
mit anderen und neuen Mitarbeitern zusammen. Mit solchen, die nicht beten
können, kann ich nicht zusammenarbeiten. Ich hab einmal die Erfahrung
gemacht, dass die Menschen, denen ich am meisten vertraue, oft Beter sind.
Wolfgang und die anderen, die mit mir hier vorne stehen, das sind nicht nur
Kumpels, mit denen man draußen herum ziehen kann, sondern das sind eben
Menschen, mit denen man beten kann. Das ist die Grundlage für unsere
Zusammenarbeit.
Und wenn du mal vor mir verlangst, in einem Satz zu sagen, was für mich die
große Veränderung meines Lebens ist, seit ich mit Jesus lebe, was die
Hauptsache meines Lebens ist, da kann ich mit einem Wort antworten: das
Gebet. Ich kann mir ein Leben ohne Gebet einfach nicht mehr vorstellen.
Sage mir, ob du betest, und ich sage dir ob du Christ bist. Das Gebet zu
Jesus, das ist hier nach Vers 14 das Kennzeichen eines Christen. Das echte
Gebet ist der Beweis. Der berühmte englische Prediger Spurgeon hat gesagt:
Wer betet, hört auf zu sündigen, und wer sündigt, hört auf zu beten."
Solange du betest, kannst du nicht ehebrechen, und solange du die Ehe
brichst, kannst du nicht beten.
Ein Wort an Christen und eins an Atheisten.
Ich möchte jetzt am Schluss noch zwei Dinge sagen, zunächst zu denen unter
euch, die sich Christen nennen. Ich habe unendlich viele Gespräche mit
vielen, vielen jungen Christen geführt. Und da bekomme ich immer wieder zu
hören, dass welche sagen: Ich weiß gar nicht, ob ich wirklich ein
Gotteskind bin. Ich weiß nicht, ob ich gerettet bin. Ich habe Zweifel. Ich
leide darunter. Ich leide darunter, dass ich in meinem Leben keine Freude
empfinden kann. Mein Christenleben ist so kraftlos" und so weiter und
sofort.
Ich will dir mal den Punkt nennen, an dem alle Schwächen und alle
Abweichungen und alle Rückfälle beginnen. Das ist genau dort, wo du
aufhörst zu beten. So oft ein Christ rückfällig wird, da fängt das
abrutschen immer mit einer Gebetsflaute an.
So, und jetzt zweitens zu euch, die ihr euch stolz Atheisten, Gottlose oder
Ungläubige oder sonst etwas nennt: du hast noch nie gebetet, und du sagst,
du wirst auch nie beten. O.K., ich frag dich ja jetzt gar nicht, wie du
eigentlich dein Leben zubringen kannst, ohne dass du ein Dankeswort an
deine liebenden Schöpfer oder eine Fürbitte für deine leidenden
Mitgeschöpfe sprichst, sondern ich frage dich nur das eine: was willst du
denn machen, wenn du einmal stirbst und du stehst vor Gott und du hast nie
mit Ihm geredet und Er dann mit dir reden wird im Gericht. Mensch, wenn du
Gott im Gebet nie dein Leben gegeben hast, dann bist bleibst du verloren.
Dann kommst du in die Hölle. Und heute bietet dir Gott an, in den Himmel zu
kommen! Es steht ausdrücklich in der Bibel. Da steht ausdrücklich: Ich habe
keinen Gefallen daran, dass die Gottlosen vor die Hunde gehen. Sondern er
sagt, ich will dass der Gottlose sich bekehrt. Deswegen jetzt, sagt die
Bibel: Wer zu Mir kommt, den schicke ich nicht wieder weg. Und deswegen
bitte ich dich: Komm zu Jesus. Und ich kann dir sagen, dass Jesus jeden,
jeden annimmt ohne jede Ausnahme.
Die Annahme als Bild und in Echt.
Jetzt erzähle ich euch noch ein Erlebnis vom letzten Sommer. Da habe ich in
einem Zelt gepredigt in Leipzig und auf der Bühne war hinter mir ein
riesengroßes Bild gemalt, nach dem Motto: gut gemeint und schlecht gemacht.
Also ein Kitsch, aber richtig schön war das. Da war der verlorene Sohn
dargestellt, wie der Vater ihn in die Arme nimmt. Dieses große, herrliche
Bild, dieses biblische Bild von Gottes ausnahmsloser bedingungsloser
Annahme.
Und schon am Nachmittag, als wir Proben machten in dem Zelt, da saß in der
ersten Reihe einer, ein Mann, der uns ganz gewaltig stank, weil er nämlich
ganz gewaltig stank. Einer von der gestrandeten, von den unglücklichen, die
es gibt. Der hatte seinen ganzen Besitz in der Plastiktüte mit sich rum,
und ansonsten war er eben kaputt. Der Mann, stank nach Schweiz, nach
Alkohol, nach Pisse. Sie haben alle um den einen großen Bogen gemacht. Und
als ich am Schluss die Menschen eingeladen habe und gesagt habe: Wer Heim
kommen möchte zu Jesus in seine ewige Heimat, der kann aufstehen und nach
vorne kommen." Da war er der erste, der vorne stand. Und dann passierte
etwas, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Genau fünf Meter vor
dem Bild, das da gemalt war, sah ich die gleiche Szene noch einmal, aber
total real. Da hatte ein Mitarbeiter diesen stinkenden Alkoholiker einfach
in die Arme geschlossen. Das war die Sprache, die dieser Mann verstand. Und
da erlebte dieser Mann vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, was es
heißt akzeptiert, angenommen zu werden. Dem liefen die Tränen übers Gesicht
und wie ich diese beiden Männer in ihrer stummen Umarmung sehen sah, da hab
ich mal gesehen was d.h.: Annahme.
Siehst du, so ist Gott. Gott nimmt jeden an, und wer zu Ihm kommt, der ist
Ihm recht. Gott will alle.
_
[1] Apostelgeschichte 9, 15
[2] Apostelgeschichte 9, 3-5
[3] Apostelgeschichte 7, 60
[4] Siehe z.B. Matthäus 19, 26
[5] Apostelgeschichte 9, 1
[6] Apostelgeschichte 9, 11.12
[7] Siehe z.B. 2. Korinther 5, 17
[8] Theo bezieht sich auf Eugen Drewermann (* 1940), einem ehem.
katholischen Theologen, der wesentliche Glaubensinhalte des Neuen
Testamentes (Jungfrauengeburt, Wunder Jesu, Auferstehung) in Abrede stellt
und dem Anfang der neunziger Jahre seitens der kath. Kirche die
Lehrbefugnis entzogen wurde. Ebenso wurde er vom Priesteramt suspendiert.
Drewermann trat 2005 aus der katholischen Kirche aus, (...) – Anm. des Schreibers.
