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Mitgehen – selbst gehen – vorangehen

Erfüllt Berufung als Frau leben
01.08.2023
EventTeil 20 / 21Jugendkonferenz für Weltmission 2023
Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass das, was ich jetzt zur Bibelarbeit äußere, sowohl für Frauen als auch für Männer gilt.
Außerdem werde ich etwas zur Berufung sagen. Auch das betrifft Frauen und Männer gleichermaßen.
Anschließend spreche ich über die Rolle der Frau. Dabei erläutere ich meine Haltung dazu und wie ich mit den biblischen Aussagen zu dieser Rolle umgehe.
Zum Schluss geht es noch um das Mitgehen, Selbstgehen und Vorangehen.

Lebensdurst und die Fülle des Heiligen Geistes

Bei Jesus wird unser Lebenshunger, unser Lebensdurst gestillt. Es ist so, dass wir so viel haben, dass wir davon weitergeben können, ähnlich wie bei einem römischen Brunnen. Welch ein Schöpfen aus der Fülle!
Den Zuhörern damals war das jedoch noch nicht klar, denn Jesu Macht war noch nicht sichtbar geworden. Das, was als seine Herrlichkeit bezeichnet wird, war noch nicht erkennbar.
Jesus war übrigens heimlich nach Jerusalem gegangen. Seine Jünger waren offiziell hingegangen, er jedoch heimlich. Trotzdem lehrte er im Tempel und sprach am Höhepunkt des Festes – diese Worte haben wir ja gerade gehört – über den Heiligen Geist.
Weil ich weiß, dass wir in der evangelischen Kirche und auch in den Gemeinschaften manchmal in Bezug auf den Heiligen Geist etwas unterbelichtet sind, möchte ich darauf eingehen. In der Phase, in der ich mich orientiert habe und wissen wollte, was meine Aufgabe und Berufung ist, hat mich die Sache mit dem Heiligen Geist sehr beschäftigt.
Der Heilige Geist ist eine der drei Personen Gottes oder eine der Persönlichkeiten beziehungsweise Gestalten Gottes – ein Teil der Dreieinigkeit. Eigentlich ist es keine einfache Rechenaufgabe: Eins plus eins plus eins – Vater, Sohn, Heiliger Geist – ergibt immer noch eins. Mathematisch ist das schwierig, aber in der Bibel finden wir, dass Gott ein Gemeinschaftswesen ist. Er hat mit sich selbst Gemeinschaft in dreierlei Ausformungen und Ausprägungen.
Mir hilft dabei die Geschichte vom heiligen Sankt Patrick. Sankt Patrick stammt aus Irland, ich war schon ein paarmal dort. Das Kleeblatt in der irischen Fahne geht auf ihn zurück. Es wird erzählt, dass Patrick einem König, einem Hochkönig, erklären musste, was es mit der Dreieinigkeit auf sich hat. Ein Druide aus diesem Stamm hatte die Dreieinigkeit – die drei Gestalten Gottes – lächerlich gemacht.
Patrick bückte sich, pflückte ein Kleeblatt und hielt es hoch. Dabei sagte er: So ist es mit der Dreieinigkeit Gottes. Es ist ein Blatt, aber es hat drei Ausprägungen.
Ein weiteres Bild ist das des Windes, der den Heiligen Geist symbolisiert. Den Wind sieht man nicht, man erkennt ihn nur an den Bewegungen der Blätter am Baum oder daran, wie die Wäsche trocknet. So ist der Heilige Geist auch: unsichtbar, aber durch seine Wirkungen sichtbar.

Die Wirkung und Gaben des Heiligen Geistes

Ich habe mir noch einmal vier Bibelstellen aus Epheser 4 angeschaut, die ich nur kurz nennen möchte, da die Zeit knapp ist. Der Geist wird in der Bibel auch so beschrieben, dass er für Einheit sorgt, trotz der Vielfalt der Gaben. Das finden wir auch im Johannesevangelium, wo Jesus zu seinen Jüngern sagt: Der Heilige Geist wird kommen, er wird der Tröster sein. Der Heilige Geist, den mein Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Er ist also Übersetzer und Erklärer.
Eine weitere tolle Stelle, die an den römischen Brunnen erinnert, steht im Römerbrief: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist. „Ausgegossen“ ist hier ein Bild der Fülle; sie kann überfließen.
Dann gibt es einen ganz wichtigen Abschnitt, der uns weiterbringt in Bezug auf Berufung, nämlich in 1. Korinther 12. Diesen Bibeltext kennt ihr bestimmt alle: Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist. Es sind verschiedene Ämter, aber es ist ein Herr. Es sind verschiedene Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirkt, alles in allem.
Paulus zählt in diesem Brief auf, was der Geist wirkt: Offenbarung, Wort der Weisheit, die Gabe, gesund zu machen, die Gabe, Wunder zu tun, prophetisch zu reden, die Geister zu unterscheiden, Zungenrede und auch die Auslegung der Zungenrede. Paulus sagt, durch jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.
Das bedeutet, die Gaben, die wir geistlich erhalten, aber auch die natürlichen Begabungen, sollen in den Dienst der Gemeinde Jesu gestellt werden. Jeder Mensch hat eigene Begabungen von Gott bekommen. Es sind auch von Gott gewirkte Gaben, etwas, das in einem angelegt ist: Wenn man musikalisch ist oder gut organisieren kann, all diese Dinge sind ebenfalls von Gott gegeben.
Zusätzlich haben wir die Möglichkeit, auf etwas anderes zurückzugreifen, was Gott uns schenkt, nämlich dass der Heilige Geist in uns wirkt. Dann stellt sich die Frage: Wie wird man zu einem von Gott erfüllten Menschen? Wie kommt dieser Heilige Geist in mein Leben?
Eigentlich ist es ganz einfach, denn wir haben es schon gehört, wenn Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, der soll trinken.“ Es reicht aus, Jesus den Herrn zu nennen, um vom Geist erfüllt zu werden. Für mich war es eine wichtige Frage: Bin ich wirklich gläubig? Kann ich mir sicher sein, dass der Heilige Geist auch in meinem Leben wirkt?
Ich habe dann gelernt, dass, wer sich zu Gott hält und Jesus als Gottes Sohn und Erlöser anerkennt, bereits die Wirkung des Heiligen Geistes erfährt. Er gibt in Fülle Glaube, Liebe und Hoffnung. Er gibt auch das: „Aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ So ein Mensch wollen wir doch sein für Gott – dass wir das tun, was er uns aufträgt, überfließen und andere davon auch noch abbekommen.
Dabei müssen wir ehrlich sein: Manchmal haben wir das Gefühl, es sind nur Rinnsale oder höchstens ein paar dürftige Tropfen. Wenn die Wolke der Geisterfüllung also mal nicht so präsent ist, wenn ich durch das Tal der Tränen gehe, frage ich mich: Hat mich der Heilige Geist dann verlassen? Glaube ich noch richtig, wenn ich die Erfüllung nicht spüre?
Mir ist es wichtig zu sagen: Es ist nicht immer nur geistlicher Höhenflug, mit Jesus zu gehen. Deshalb halte ich es wie Luther. Diesen Text findet man unter „Schlupfloch in den Himmel“, und ich zitiere nur einen kleinen Teil daraus:
Luther schreibt: „Dann hänge ich mich an den Hals oder Fuß Christi, wie die Sünderin, ob ich auch noch schlechter bin als diese. Ich halte meinen Herrn fest. Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten, alle deine Gebote übertreten, Vater, aber er hängt sich an mich, was soll's. Ich starbe auch für ihn, lass ihn durchschlupfen. Das soll mein Glaube sein.“
Soweit Luther. Dennoch: An Gott festzuhalten prägt auch mein Leben – egal, was kommt, an Gott festhalten.

Berufung verstehen und unterscheiden

Und jetzt kommt das Nächste: seine Berufung finden, seine Berufung als Frau finden. Es sind ja ganz viele Mädels und Frauen hier. Was ist damit gemeint? Natürlich gilt das genauso für die Männer. Die gleiche Frage beschäftigt auch sie.
Wer an Berufung denkt, wird schnell von der Wucht dieses Begriffs erschlagen. Ich unterscheide zwischen Berufung und Aufgaben, zu denen man auch gerufen wird. Man könnte es auch Mission nennen – Mission als Beauftragung, als Auftrag.
An erster Stelle steht diese Berufung, Christ zu sein, dieser Ruf in die Nachfolge. Das ist das Grundlegende. Wenn die Bibel von Berufung spricht, meint sie grundsätzlich, dass Gott derjenige ist, der die Menschen beruft. Gott tritt in eine besondere Beziehung mit dem Betreffenden und ruft ihn dann schon in eine Aufgabe.
Natürlich werden auch Menschen durch andere Menschen berufen. Davon kennen wir in der Bibel einige Beispiele, wie der Prophet Samuel, der Saul und später auch David beruft, König über Israel zu werden. Wichtig ist aber, dass auch die, die diese Könige berufen – also Samuel –, wiederum von Gott beauftragt waren. So bleibt letztlich Gott der Handelnde.
Dann liegt es an mir: Lehne ich ab oder nehme ich diesen Auftrag an?
Uns prägt stark die Überzeugung, dass Berufung mit einer Aufgabe gleichzusetzen ist. Das steckt tief in unseren Köpfen, und das ist auch nachvollziehbar. Denn wenn Gott Menschen beruft, dann beruft er sie in der Bibel immer auch zu einer Aufgabe.
Aber in erster Linie geht es um diese Berufung, Christ zu werden, um diese Berufung in die Nachfolge, um die Berufung in die Gemeinschaft, mit Gott zu leben. Es geht darum, sein Leben Jesus anzuvertrauen und dadurch die Beziehung zu Gott für immer in Ordnung zu bringen.
Habe ich diese Einladung angenommen, bin ich berufen. Christen sind also grundsätzlich Menschen, die von Gott berufen sind. Zuerst steht die Beziehung, dann das Handeln – also erst Beziehung und dann der konkrete Arbeitsauftrag.
Die Betonung des biblischen Bildes von Berufung liegt immer auf der rettenden Beziehung zu Gott. Das ist der Dreh- und Angelpunkt.
Dann bin ich berufen, grundsätzlich natürlich, wie Jackie das gerade gesagt hatte, das Evangelium zu bezeugen und zu verkünden. Also dieser Taufbefehl: Geht hin, erzählt und macht zu Jüngern.
Gottes Plan für mich bleibt also nicht bei diesem Schritt in die Nachfolge stehen, sondern er hat auch immer eine konkrete Aufgabe.
Mir ist wichtig, das zu unterscheiden: Wir dürfen nicht denken, die Berufung sei immer die Aufgabe. Berufung ist es, Christ zu sein, Nachfolger oder Nachfolgerin zu sein.

Verschiedene Erfahrungen mit Berufung und Begabungen

Dann gibt es verschiedene Denkansätze zur Berufung. Manche Menschen denken, dass die Berufung per se unbeschreiblich schön ist, während andere meinen, sie müsse völlig unangenehm sein. Je nachdem, in welchem Kontext man sich befindet, überwiegt die eine oder die andere Vorstellung. Beide gibt es.
Ich kenne Leute, die sagen: „Gott wollte, dass ich das mache, obwohl ich das nie machen wollte.“ Andere wiederum sagen, dass es anders läuft, und dass Gott sie berufen hat, genau das zu tun, was sie schon immer gern tun wollten. Also gibt es beides. Man kann nicht sagen, dass per se das eine oder das andere richtig ist.
Es muss also nicht immer unangenehm sein, wenn man eine konkrete Aufgabe bekommt. Manchmal ist es tatsächlich unangenehm, zum Beispiel wenn man als Einzelperson hinausgeht und mit Leuten über Jesus spricht. Das kann Herausforderungen mit sich bringen. Aber das ist nicht zwangsläufig so.
Tatsache ist, dass Gott auch zu unscheinbaren Aufgaben beruft. Dabei nutzt er natürlich die angelegten Begabungen und Gaben. Wäre es anders, wäre das ja auch komisch. Deshalb ist es gut, seine Begabungen zu kennen.
Hier kommt es darauf an, dass man sich selbst schon ein Stück weit kennengelernt hat und auch verschiedene Dinge ausprobiert hat. Was kann ich gut? Was liegt mir? Was mache ich gerne? Wenn wir im Konfirmandenunterricht über Begabungen sprechen, haben wir oft einen Fragebogen, in dem wir fragen: „Was machst du eigentlich gerne? Was gelingt dir gut?“ So kann man ein bisschen auf die Spur kommen, welche Begabungen ein Mensch hat.
Darauf kann man dann weiter aufbauen. Das ist das, was Gott in dich hineingelegt hat, und da kannst du weitermachen. Vielleicht lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, was man erlernt hat und worin man richtig gut ist. Vielleicht kann jemand super gut nähen. Bei den Konfirmanden sind es meistens Fußballspielen oder Singen, das kommt dann oft heraus. Aber es gibt ja noch viele andere Begabungen und Fähigkeiten, die man erlernen und einsetzen kann.

Berufung und Beruf im lutherischen Verständnis

Und dann bin ich noch auf eine interessante Sache gestoßen. Luthers Ansicht nach hat jeder Mensch eine von Gott gegebene Berufung und damit einen Beruf. Im Deutschen hängen diese beiden Wörter ja ganz eng zusammen: Beruf und Berufung.
Dass Luther das auch auf das Geistliche überträgt, prägt uns in Deutschland ganz besonders. Es gibt dem Beruf einen besonderen Wert. Auch in Deutschland war es so, dass man eine Ausbildung machte, die einen zu diesem Beruf führte.
Das deckt sich auch mit meiner Überzeugung, dass Gott Menschen in allen Berufen gebrauchen kann. Er ruft sie zum einen in die Nachfolge, aber auch in den Dienst zum Evangelium. Menschen werden zum Evangelium gerufen, geführt und berufen.
Das führt mich zu einem anderen Gedanken, der mir in der Vorbereitung begegnet ist: "Bloom where you are planted" – also blühe, wo du gepflanzt bist. Da habe ich mich gefragt, ob ich das hier überhaupt sagen kann, gerade bei Yumiko. Denn dort gibt es so viele Missionswerke, die darauf angewiesen sind und auch möchten, dass Leute sich rufen lassen, in die Ferne zu gehen, an einen anderen Ort. Sie sollen sich verpflanzen lassen, um eine andere Kultur und andere Menschen kennenzulernen.
Trotzdem habe ich diesen Gedanken stehen lassen. In meinem Leben war es nämlich ganz oft so: "Bloom where you are planted". Ich werde gleich noch darauf eingehen.
Ich unterscheide die Berufung zum Christen – also den Ruf in die Nachfolge – vom Ruf, das Evangelium zu verkünden, sei es in Tat oder Wort, und von der Beauftragung, der Aufgabe.
Um seine Berufung zu finden, ist es gut, wenn ich meine Begabungen kenne und offen bin für Gottes Auftrag und seinen Ruf. Was sind meine Stärken? Was sind meine Lernfelder und Schwächen?
Es gibt unzählige Modelle, um das herauszufinden. Ich habe mir mal das DISG-Modell angeschaut, dieses Viereck, das bestimmt viele kennen. Bin ich ein dominanter Typ? Bin ich eher handlungs- oder aufgabenorientiert? Oder bin ich eher menschenorientiert? Bin ich initiativ oder stetig?
Anhand dieses Modells lernt man sich selbst gut kennen, ohne sich in eine Schublade stecken zu müssen. Je nach Situation ist man mal mehr dominant, mal mehr initiativ. Vor allem erkennt man, was einem fehlt und was man als Ergänzung vielleicht in einem Team braucht.
Das ist sehr hilfreich. Ich empfehle jedem, der seiner Berufung auf der Spur ist und wissen will, wo seine Begabungen liegen, sich mit einem solchen Instrument zu beschäftigen. So kann man mehr über sich herausfinden.
Eigentlich hätte ich jetzt, wenn wir nicht so viel Zeit vertrödelt hätten, ein kleines Spiel vorbereitet. Dafür hätte ich fünf Leute gebraucht. Das machen wir jetzt aber nicht.
Das Spiel wäre gewesen, einen Fahrradunfall zu stellen. Dann hätte man gleich gesehen, wer was als Erstes macht. Meistens ist dann einer dabei, der das Handy nimmt und sagt: "Wir brauchen jetzt zuerst einen Krankenwagen." Ein anderer beugt sich zum Verletzten herunter.
Dabei werden schon verschiedene Skills, also unterschiedliche Herangehensweisen, deutlich. Ihr könnt euch das jetzt mal vorstellen.
Das hilft auf jeden Fall, sich selbst gut kennenzulernen und auch ein bisschen abzutasten, wohin es mit dem eigenen Leben gehen kann und was eine Aufgabe im Reich Gottes sein könnte.

Die Rolle der Frau im biblischen Kontext

Die Rolle als Frau – Auseinandersetzung mit dem biblischen Befund. Das war für mich ehrlich gesagt auch spannend. Ich bin zwar ein bisschen konservativ aufgewachsen, aber eigentlich war es bei uns zu Hause so, dass die Frauen alles machen konnten. Meine Oma sagte schon, Jungs und Mädchen können beides gleich gut, und eigentlich ist es egal, ob das ein Junge oder ein Mädchen macht. So war meine Denkweise.
Dann liest man in der Bibel, was Paulus über die Rolle der Frau sagt: „Die Frau schweige in der Gemeinde.“ Doch es gibt auch viele andere Stellen und viel mehr zu Mann und Frau in der Bibel. Gott schuf sie nämlich als Mann und Frau. Ich verstehe es so, dass er sie als Team schuf – als Team, das aufeinander angewiesen ist. In dieser Unterschiedlichkeit sollen sie in einer Beziehung auf Augenhöhe sein. Das schwingt für mich mit.
Auf Augenhöhe zu sein, Männer und Frauen – das gehört für mich zum normalen Leben dazu. An manchen Stellen erlebt man das anders, aber dort, wo ich unterwegs bin, ist es meistens so, dass man sich als Frau auf Augenhöhe mit Männern befindet, wenn man irgendwo hinkommt. Man muss vielleicht ein paar Regeln kennen, aber das würde hier zu weit führen.
Ich beziehe das zum einen auf die konkrete Partnerschaft mit meinem Mann, auf die Ehe, aber auch auf das Miteinander im Arbeiten in Teams zwischen Männern und Frauen. In der Bibel gibt es viele herausragende Frauen, die Verantwortung übernommen haben, auch geistliche Leitung. Betrachtet man die vielen Frauengeschichten, in denen Jesus Frauen begegnet, wird deutlich, dass Jesus mit den Konventionen seiner Zeit bricht – sowohl mit den hellenistischen als auch mit den jüdischen Vorstellungen.
Unter den Jüngern sind Frauen, es sind Nachfolgerinnen, die wie die Männer gelehrt wurden und etwas zur Gemeinschaft beitrugen, in der Jesus unterwegs war – und auch später in den ersten Gemeinden. Jesus begegnet Frauen unvoreingenommen. In der Apostelgeschichte werden Frauen auch in ihren Aufgaben genannt. In Römer 16, zum Beispiel, in den Grüßen am Schluss, werden Vöbe als Diakonin sowie Priska und Maria genannt, die Verantwortung in der Gemeinde tragen.
In den Nachfolgeberufen sind Männer und Frauen gleichermaßen vertreten. Derjenige, der beauftragt und die Aufgaben oder Ämter gibt, ist Gott selbst. Das hat mir insgesamt geholfen, meine Rolle in den Aufgaben zu finden, die Gott mir gegeben hat. Ich habe diese nun für mich in vier Bereiche eingeteilt.
Der erste Bereich ist die Partnerschaft. Zwei Persönlichkeiten – man hat zwei Menschen mit unterschiedlichen Begabungen. Das Prinzip der Ergänzung zu sehen, mussten wir erst lernen. Denn wenn man so unterschiedlich ist, dann knallt es auch mal. Ich gehöre einer anderen Generation an als die meisten hier. Wir haben wirklich das klassische Familienmodell gewählt: Familie, Mainz, Geld verdienen, Sein. Dennoch hat sich alles auch ein bisschen vermischt, weil wir die Dinge, die wir anpacken wollen, gemeinsam beschließen.
Auch in unserer Generation war das schon so. Ich sehe, dass die jüngere Generation noch viel genauer darauf achtet und über diese Rollenzuschreibungen hinweg das Gut miteinander managt – wie sie ihr Leben gestalten, Beruf und Familie verbinden. Meine Tochter hat mir mitgegeben, dass ich dazu später unbedingt noch etwas sagen muss.
Der erste Bereich ist also die Gemeinschaft, die Partnerschaft. Der zweite ist die Rolle in der Familie zu finden – Familie versus Aufgaben außerhalb des Hauses. Ich glaube, das ist eine ganz spannende Frage, auch für viele, die hier sitzen. Wie sieht es damit aus? Ich habe meinen Weg gefunden. Ich habe viel im Ehrenamt gemacht, weil es anders nicht möglich war.
Dann nenne ich zunächst noch die anderen zwei Bereiche: die Rolle in der Gemeinde zu finden – was kann ich in dieser Gemeinde, in der wir gelandet sind, beitragen? Und der vierte Bereich ist die Rolle als Frau, als Christin, aber auch in der bezahlten Tätigkeit, nicht beim Arbeitgeber Kirche.
All diese Bereiche führen mich schon zum nächsten Punkt, eigentlich zum Vorangehen, und zu einem weiteren Punkt, der weiter hinten kommt.

Mitgehen in Partnerschaft und Gemeinde

Aber jetzt zuerst einmal zum Mitgehen. Ich habe schon gesagt, meine Generation war so geprägt, und das war auch in der Ausschreibung so gemeint: Wir gehen mit unserem Partner dorthin, wo er hingeht. Meine Großeltern hatten den Spruch aus dem Buch der Ruth: „Dort, wo du hingehst, da will ich auch hingehen.“ Das hat uns als Ehepaar ebenfalls geprägt.
In der Partnerschaft, in der Freundschaft und in der sich entwickelnden Partnerschaft müssen Entscheidungen immer gemeinsam getroffen werden. Das war auch schon damals so, als die Frauen mitgegangen sind. Übrigens ist das erste Mitgehen: „Ich gehe mit Gott, und dann gehe ich erst mit meinem Partner weiter.“ Um gemeinsam gehen zu können, dorthin, wo Gott einen hinschickt, muss man auch gemeinsam dahinterstehen. Das habe ich bereits gesagt.
Julia Verherrschung hat es so formuliert: Wir haben Gott gefragt und wollten Gott in Afrika dienen. Wir hatten dort ein schönes Landwirtschaftsprojekt. Mein Mann und ich haben beide Landwirtschaft studiert, fanden das eine super Idee und haben uns beworben und vorgestellt. Aber Gott sagte Nein. Dann hatten wir noch ein paar andere Möglichkeiten, haben gebetet und gerungen, wohin wir gehen sollten. Schließlich sind wir an den Ort gekommen, an dem wir heute noch sind, und dort haben wir uns niedergelassen.
Mein Mann hat also Ja zu einem Ort gesagt, den wir vorher nicht kannten und der nicht auf unserem Schirm war. An diesem Ort sind bis auf das erste Kind alle weiteren Kinder geboren. So waren wir dort und haben bestimmte Umstände angetroffen. Ich glaube, das ist auch noch etwas Wichtiges: Man kann dienen und eigene Vorstellungen haben, aber es kommt schon darauf an, welche Umstände man vorfindet.
Wir hatten keine Eltern in der Nähe, keine Kita, und die Kinder konnten erst ab vier Jahren in den Kindergarten gehen. Für mich als Frau stellte sich die Frage: Was mache ich jetzt? Wir haben geschaut, was sich anbietet. Mein Mann und ich brachten vielfältige Interessen mit und den Wunsch, unbedingt Gott an dieser Stelle zu dienen. Aber wie?
Zunächst war da die Familie – das war sozusagen die erste Beauftragung: „Bloom where you are – Familie.“ Damit habe ich mich wirklich voll und ganz identifiziert. Dann haben wir eine Gemeinde angetroffen. Junge Leute haben wir nicht gefunden, weil die jungen Leute in unserem Alter noch nicht verheiratet waren. Wir waren ziemlich jung, als wir geheiratet haben. Wie setzen wir also an?
Dann kam die Idee: Hauskreis wäre super. Aber die Leute waren noch nicht so weit, sich zu treffen. Sie waren noch unterwegs und haben sich ausprobiert. So haben wir mit einem Frauenfrühstück zu dritt angefangen. Daraus entstand dann der Hauskreis und letztendlich auch die Idee, für unsere eigenen Kinder und die Kinder in der Gemeinde Jugendarbeit zu machen. Wir waren überzeugt, dass Kinder eine Peergroup brauchen, das Miteinander, und wir wollten, dass unsere Kinder im Glauben aufwachsen.
So hat sich alles daraus entwickelt, und es wurden immer mehr Leute, die das gleiche Interesse hatten. Das war praktisch dieses „Bloom where you are – Gemeinde“, genau das, was wir angetroffen haben.

Selbstgehen und eigene Rolle finden

Und dann aber auch das Selbstgehen, die eigene Rolle finden – was war jetzt da genau meines? Ein paar Sachen habe ich schon gesagt, aber es war für mich auch dieses Eigenständigwerden in der Gemeinschaft. Das hört sich banal an, aber ich hatte da tatsächlich ein bisschen ein antiquiertes Rollenverständnis, und es hat für mich noch mal eine Klärung erfordert.
Man wollte gar nicht, dass er sagt, er geht praktisch so voran, sondern hat mir da viel Freiheit gegeben. Alles, was wir neu anpacken wollten, hat er immer gesagt: „Ich traue dir das zu, mach das doch einfach.“ Das hat mir auch geholfen, eine Rolle zu finden.
Als dann die Möglichkeit kam, in die Landessynode zu kandidieren, wurden wir beide gefragt. Wir haben das nochmal abgecheckt: Wer von uns beiden soll das machen? Er war schon im Kreistag und im Gemeinderat und hat Geld verdient, ich habe schon ganz viel Ehrenamt gemacht, hatte schon sieben Kinder. Dann haben wir gesagt: Okay, ich wage es.
In dieser Phase – und es wird jetzt etwas mit Beruf oder das ist dann auch ein Ehrenamt – in diese Note zu gehen, war für mich noch mal wichtig zu klären: Was ist jetzt mit den Kindern? Das wird ein ganz, ganz umfangreiches Amt sein. Was mache ich? Wie ist es mit den Kindern? Ich werde nicht immer da sein können.
Da hat mir geholfen, dass ich ein paar Gespräche geführt habe. Es hat mir geholfen, dass einer gesagt hat: Alle Leute, die Gott dienen und deswegen eine Aufgabe übernehmen, werden auch Lösungen finden, dass für die Kinder gesorgt wird. Das soll jetzt kein Freifahrschein sein, dass ich völlig verantwortungslos bin und alles hinter mir lassen kann. Nein, ich muss schon noch Verantwortung übernehmen und danach gucken, dass die Kinder gut versorgt sind, dass das klappt.
Aber ich hatte dann doch die Freiheit zu sagen: Ich gehe den Schritt, ich wage es, ich kandidiere. Und ich wurde dann auch gewählt und war da voller Vertrauen, dass Gott hier auch für meine Kinder sorgen wird.
Ich glaube, das ist auch die Entscheidung, wenn man dann in den Beruf wiedergeht als junge Mama oder wenn man im Missionseinsatz ist: Welche Aufgabe meine ich, das zu klären. Was ist möglich? Das meinte ich mit den Umständen. Was ist möglich, was bietet das Umfeld, und was ist vielleicht aber auch jetzt gerade nicht dran und nicht möglich?
Ich denke, heute ist das Thema nicht mehr so frauenspezifisch, wie es vielleicht in den vergangenen Jahren war. Es ist immer ein Thema der Familie und der Partnerschaft. Und ich hoffe, das ist bei Ihnen allen so, denn ich beobachte, dass die junge Generation hier wirklich sehr viel bewusster unterwegs ist und die Dinge Familie gestalten und Beruf.
Wir sind als Frauen alle super ausgebildet. Man klärt das miteinander, und auch die Männer können im Beruf zurückstecken. Das ist ja auch etwas, was noch nicht so lange möglich ist und was bei kirchlichen Arbeitgebern öfter leichter geht als außerhalb der Kirche. Dass man das miteinander überprüft, vor Gott bringt und dann den nächsten Schritt tut.
Wichtig ist für mich auch, dass ich immer weiß – und dass Sie auch wissen –, wenn mein erster Auftrag Familie ist, und so war es bei mir, dann habe ich auch immer die Freiheit zu sagen: Jetzt ist aber Familie gerade dran, hier ist eine Sache, die kann jetzt nicht warten, und dann muss anderes zurücktreten.
Denn ich glaube nicht, dass Gott von uns verlangt, dass wir unsere Familie vernachlässigen.

Mut zum Vorangehen und Leitung übernehmen

Vorangehen
Wer von Ihnen hat schon einmal eine Gruppe geleitet? Eine Studiengruppe, eine Jungschar, eine Kinderkirche oder als Klassensprecher? Okay, ungefähr die Hälfte. Jetzt trotzdem eine kurze Aufgabe, auch wenn wir nur noch vier Minuten Zeit haben: Wer hat Sie geprägt, was Leitung und Vorbild angeht?
Überlegen Sie nur kurz für sich selbst. Dann stellen Sie sich gleich die nächste Frage: Was genau war es, das mich beeindruckt hat? Was fand ich gut? Was hat es mir gegeben? Übrigens, wenn etwas nicht gut war, ist das auch in Ordnung. Denn an negativen Beispielen lernt man ebenso – eben gerade, wie man es selbst nicht machen möchte.
Wenn Sie jetzt diese Person vor Augen haben, wie sie Leitung ausgeübt hat, vielleicht auch im Glauben weitergebracht hat, dann ist das schon ein guter Anhaltspunkt. Wahrscheinlich wird diese Erfahrung beeinflussen, wie Sie selbst sein wollen, wenn Sie vorangehen.
Vorangehen bedeutet übrigens immer, mutig zu sein und viel Gottvertrauen zu haben. Einmal hatte ich den Eindruck, dass Gott mir sagt, ich müsse auf dem Heimweg von der Kirche an einem bestimmten Haus klingeln. Das war eine richtig krasse Erfahrung. So stark habe ich diesen Eindruck nicht oft bekommen. Ich habe dann dort geklingelt und hatte ein sehr gutes Gespräch.
Die Frau, die ich antraf, war tatsächlich in innerer Not. Es war gut, dass ich gerade dort geklingelt habe.
Leitung zu übernehmen bedeutet, wirklich mutig zu sein. Denn wenn ich vorne stehe, bekomme ich alle Pfeile ab, die dann kommen. Und sie kommen. Wer leitet, steht eben ein bisschen exponiert. Das ist in der Jungschar nicht anders als in der Familie oder in anderen Kontexten.
Man steht einfach da, ist verantwortlich. Was schiefgeht, fällt auf einen zurück. Auch Anfragen kommen auf einen zurück.
Vorangehen heißt zunächst, für die eigenen Kinder Vorbild zu sein. Dann aber auch in der Jugendarbeit. Das war für mich das, was ich liebe: mit Jugendlichen und Kindern zusammen zu sein, über Gott zu reden und von seiner rettenden Liebe zu sprechen.
Aber auch für andere Frauen da zu sein – Julia hat das vorher schon angedeutet. Das beschäftigt mich in letzter Zeit, eigentlich schon seit einigen Jahren, sehr: Wie schaffen wir es, Frauen für Leitung zu gewinnen, gerade auch für die Landeskirche?
Wir haben ein kleines Netzwerk gegründet, das man noch nicht einmal im Internet findet: Frauen Netzwerk Leiten. Dabei geht es darum, sich zu ermutigen, sich zu vernetzen, sich gegenseitig zu fördern und voneinander zu wissen.
Das war mir an dieser Stelle auch noch einmal wichtig zu erwähnen.

Herausforderungen beim Vorangehen und innere Entscheidungen

Vorangehen – Da gibt es auch Hindernisse. Ich versuche jetzt, das Thema Vorangehen und Hindernisse zu Ende zu bringen.
Ich habe oft erlebt, dass es nicht so sehr um die Berufung an sich geht, sondern darum, dass eine Tür aufgeht. Dann kann ich entweder durchgehen oder abwarten – und später durchgehen oder eben auch nicht durchgehen.
Ich finde das Bild von den offenen Türen sehr hilfreich. Das Donnern, das einen großen Auftrag von Gott ankündigt, gibt es nämlich eher selten. Solche großen Zeichen kann Gott geben, aber das Normale ist eher, dass eine Tür aufgeht. Dann muss ich überlegen: Ist das jetzt von Gott oder nicht? Gehe ich durch oder nicht?
Für mich gibt es dabei einen inneren Check in dreierlei Hinsicht. Erstens: Geht es kräftemäßig überhaupt noch, oder muss ich dafür etwas anderes aufgeben? Zweitens: Entspricht es meinem bisherigen Auftrag? Bin ich noch in der Spur, in der ich gerade laufe? Zum Beispiel, wenn ich in vielen Gremien unterwegs bin, um in der Kirche etwas zu bewirken, damit das Evangelium verkündet werden kann und die Kirche missionarisch bleibt. Drittens: Dient es der Verbreitung des Evangeliums?
Das ist für mich der innere Check. Danach kann ich abwägen und dann sagen: Ja oder nein – oder ja, aber ich muss dafür etwas anderes lassen.
Dabei bin ich ehrlich gesagt nicht besonders gut. Meine Tochter, die hier sitzt, weiß das. Deshalb ist es ganz wichtig, auf Gott zu hören.
Vorher hat auch schon jemand gesagt: Aufgaben ändern sich, aber die Berufung, Nachfolgerin oder Nachfolger zu sein, bleibt bestehen. Gott ist so großartig und so beweglich, dass es für uns Menschen möglich ist, dass sich eine Aufgabe verändert.
Es ist wichtig, sich schicken zu lassen und immer bereit zu sein, vielleicht auch aufzubrechen und etwas anderes zu tun. Aber ebenso wichtig ist es, dort zu blühen, wo Gott einen entweder hinsetzt oder wo man gerade sitzt.

Leben in der Fülle und mit Sinn

Und ich ende mit einem Text von Hans-Joachim Eckstein, der das Thema noch einmal aufgreift. Es geht um die Ströme lebendigen Wassers, die am Anfang erwähnt wurden – also nicht Zisternenwasser, sondern wirklich etwas Schönes, das fließen soll.
Wer will ich sein? Wesentlich will ich sein, nicht unbedingt wichtig. Ich möchte in Übereinstimmung mit meiner Begabung und Überzeugung leben, nicht in falscher Anpassung an fremde Erwartungen. Gott und mir selbst möchte ich in die Augen schauen können, ohne nach den Blicken anderer Menschen zu schielen.
Mit Gott zu leben ist nicht langweilig, weil Gott nicht langweilig ist. Das Beste erfüllt nicht nur das Herz, sondern gibt meinem Leben Sinn und Richtung. Er kann mit schwachen Menschen Großes bewirken. Ich erinnere noch einmal an die Speisung der 5 Brote und 2 Fische. Für mich ist das Leben in der Fülle, überfließend wie dieser römische Brunnen, weil erfülltes Leben erfüllt.
Amen.