Begeistert von der Güte Gottes Wenn Gott nur nett ist, ist er nicht der Gott der Bibel
Psalm 13603.03.2018
Serie•Teil 3 / 3Begeistert von Gottes Güte
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Rückblick auf die bereits gesetzten Gedanken
Also, Tagesseminar 2018, Vortrag Nr. 3: begeistert von Gottes Güte.
Ich werfe jetzt noch einmal kurz einen Blick zurück, wo wir heute Mittag, oder vorhin vor dem Mittagessen, aufgehört haben. Wir reden den ganzen Tag über ein wichtiges Thema. In der Pause hatte ich auch das eine oder andere Gespräch darüber. Wir reden über Gottes Güte, und mir ging es im ersten Vortrag darum, euch erst einmal zu zeigen, auf welch unglaubliche Weise wir beschenkt sind.
Ich habe bei weitem nicht alles aufgelistet, was es in der Bibel dazu gibt. Ich habe nicht darüber gesprochen, dass der Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht in uns wohnt. Ich habe nicht darüber gesprochen, dass wir Gott ohne Angst begegnen können. Ich habe auch nicht davon gesprochen, dass wir sicher sind, dass wir Heilige sind, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation. Und ich könnte so weitermachen. Von all diesen Dingen habe ich noch gar nichts gesagt.
Ich habe mir einfach fünf Punkte herausgegriffen und gezeigt: Schaut euch diese fünf an, damit ihr eine Idee davon bekommt, dass Gott uns wirklich das Komplettpaket schenkt, wenn er uns beschenkt.
Ich sage das deshalb, weil es manchmal Anbetungslieder gibt, die etwas anderes zum Ausdruck bringen. Da geht es dann um: Herr, ich bin so klein und so defizitär, schenk mir doch mehr von deiner Liebe und fülle mich doch oder sowieso. Hm, ja, ich habe, hm, ja, was soll ich sagen? Man kann das singen, ja, man kann ja auch bei Frau Fischer mitsingen, ja, aber dadurch wird es nicht wahr, so will ich das mal sagen.
Die Realität ist: Wenn Gott uns beschenkt, dann schenkt er uns so viel, dass nichts mehr fehlt. Wenn du dich hinstellst und sagst: Ich habe zu wenig Liebe in meinem Leben, dann muss ich dir sagen: Entschuldigung, ich weiß nicht, wie Gott dir mehr Liebe schenken sollte. Er hat seine Liebe durch den Geist Gottes in dich ausgegossen, das reicht, glaub mir. Es mag sein, dass du damit nicht umgehen kannst und dass du noch nicht weißt, wie du das verwirklichst und in dein Leben übersetzt. Aber bitte Gott nicht um mehr von dem, was du schon übermäßig viel hast.
Und genauso könnte ich weitergehen mit dem Begriff Freude, Hoffnung und so weiter. All diese positiven Begriffe: Wir sind überreich beschenkte Menschen.
Zwei Bibelstellen dazu, nur für den Fall, dass ihr mir das nicht glaubt: In Kolosser 2,9-10 heißt es: Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Gott wohnt komplett, soweit das in einem Menschen möglich ist. Ein Mensch kann natürlich nicht alle Eigenschaften Gottes vollständig reflektieren, aber die Fülle der Gottheit wohnt leibhaftig in Christus. Und dann heißt es: Und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht.
Also, wann immer du dich hinstellst und denkst: Ich brauche noch etwas, falsch. Du hast schon alles, das ist ja das Großartige. Es ist nicht dieses: Wir müssen auf den Knien rutschen und beten, was Gott uns noch schenkt, damit wir endlich auch vollmächtige Christen werden. Nein, du hast alles. Du bist in ihm zur Fülle gebracht.
Vorletzte Woche bekam ich eine SMS von einer jungen Frau, die bei uns die Jugendband leitet. Sie wollen jetzt ein Lied ändern, fand ich gut, weil da heißt es: Deine Fülle will ich haben. Ich bin irgendwann mal nach dem Gottesdienst in der Nachbesprechung gesagt worden, eigentlich ist das Quatsch, weil wir die Fülle ja schon haben. Versteht ihr ja: Ich bin in ihm zur Fülle gebracht. Warum soll ich denn singen: Deine Fülle will ich haben? Können wir nicht singen: Deine Fülle will ich leben? Das ist ja schwer genug, die Fülle, die ich habe, zu leben.
Und jetzt wollen die das ändern, die Jugendband. Fand ich süß. Wäre für mich jetzt nicht nötig gewesen, ich hätte das Lied auch weiterhin gesungen, weil Poesie frei ist. Da kann jeder ein bisschen hineinlegen, was er will. Ich bin nicht so eng. Aber ich fand es an der Stelle süß, weil ich es gut finde zu sagen: Hey, wir sind in ihm zur Fülle gebracht. Lass das in den Liedern auch zum Ausdruck kommen.
Und an der zweiten Stelle, 2. Petrus 1,3, da heißt es: Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat, ist das schön, wodurch: durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine eigene Herrlichkeit und Tugend.
Das heißt, du hast in dem Moment, wo du Jesus erkannt hast, ja, du hast verstanden, wer er ist, du hast verstanden, wie das mit der Buße ist und mit dem Glauben, dann hast du alles, was du zum Leben und zur Gottseligkeit brauchst. Ist das nicht herrlich?
Wie gesagt, das heißt nicht, dass du alles schon durchdrungen und alles schon verstanden hast. Das heißt auch nicht, dass du alle Kompetenzen schon entwickelt hast und überall schon so ein 1a-Schüler im geistlichen Leben bist. Das noch lange nicht. Dafür lasst uns beten, dafür lasst uns helfen, dafür lasst uns die Bibel lesen und verstehen, worum es geht. Aber sich hinzustellen und zu sagen: Ich armer Tropf, jetzt bin ich Christ und jetzt brauche ich noch so viel, damit mein Leben gelingt, das ist Schwachsinn.
Das ist so der erste Pflock, den ich einschlagen wollte: dieses Du bist überreich beschenkt. Denn wenn wir über Gottes Güte nachdenken, dann muss das unser Denken zumindest einmal beflügeln.
Wenn Güte nicht mit Bequemlichkeit verwechselt werden darf
Dann gab es einen zweiten Pflock. Da war mir wichtig zu sagen, dass sich mit dem Begriff Güte, Güte Gottes, allzu leicht die Vorstellung verbindet, dass ich ein besonders leichtes Leben habe. Ein Leben, das besonders gut gelingt, in dem es vielleicht besonders wenig Enttäuschungen gibt, weniger Krankheiten, weniger Schwierigkeiten, weil ich ja jetzt mit Gott lebe.
Mein wichtiger Punkt war: Wo an die Stelle von Selbstverleugnung ein Konzept der Selbstverwirklichung tritt, und natürlich wird das oftmals auch heilig verpackt, aber das spielt keine Rolle, wo das passiert, da mache ich Gott zum Erfüllungsgehilfen meiner eigenen Wünsche. Der wird Gott. Das würden wir nie so sagen, aber praktisch ist das dann so. Ihr müsst einfach nur mal eure Gebete anschauen, die ihr betet, da merkt ihr, ob es in die Richtung geht. Da wird Gott so eine Art Weihnachtsmann, der bitteschön so meinen persönlichen Lebenswunschzettel abzuarbeiten hat.
Und wenn wir uns in diese Richtung bewegen, dann merken wir: Das muss irgendwie falsch sein, und zwar ganz grundsätzlich falsch sein, weil die Bibel es sagt. Und ich habe es vorhin schon gesagt, ich sage es noch mal: Wer das Leben in seiner Ganzheit studieren möchte, bitte, ich rate das Buch Prediger. Es beschreibt die Realität des Lebens auf der Erde, und zwar des Lebens gläubiger Menschen.
Für mich enthält das Buch Prediger ein paar ganz, ganz wichtige Lektionen. Ihr könnt auf Frogwords eine aktuelle Predigtreihe dazu hören, wenn ihr wollt. Übrigens, für die, die vorhin kamen: Frogwords ist wieder online, ich habe einen tollen Admin, der hat sich gleich darum gekümmert. Also, auf frogwords.de gibt es eine aktuelle Reihe zum Buch Prediger, die ist noch am Laufen, die dauert noch bis Ende des Jahres, aber die ersten 14 Predigten sind schon drin. Von daher habt ihr schon mal was zu hören.
Und ich gebe euch mal eine der für mich wichtigsten Lektionen, die wir nicht gerne hören, die aber zum Leben so dazugehört, weil wir uns so schnell ein Wolkenkuckucksheim bauen: Jetzt bin ich gläubig, jetzt muss doch alles gut werden. Und manchmal verkauft man das auch: Werde Christ, und ein Leben gelingt.
Und jetzt kommt der Prediger, und das ist Wort Gottes. Und das finde ich so schön, dass der Vers aus dem Buch Prediger, der mir für das Thema Güte Gottes der wichtigste zu sein scheint, und er schreibt jetzt nicht, da heißt es im Prediger 9,11:
„Ferner sah ich unter der Sonne, dass nicht die Schnellen den Lauf gewinnen und nicht die Helden den Krieg und auch nicht die Weisen das Brot und auch nicht die Verständigen den Reichtum und auch nicht die Kenntnisreichen die Beliebtheit, sondern Zeit und Geschick trifft sie alle.“
Ist das nüchtern, ne? Ist das herrlich? Schön, ja? Könnt ihr euch vorstellen, darüber zu predigen? Das muss doch einfach nur Spaß machen. Man kann mal so alles, was einem so an bösen Dingen passiert ist im Leben, in einer Predigt konzentrieren. Ist das nicht herrlich?
Das mag uns nicht schmecken, was hier steht. Zeit und Geschick trifft sie alle. Wir würden so gerne hören, dass irgendwo in der Bibel steht: Wenn du gläubig bist, dann bist du aus Zeit und Geschick irgendwie so entrückt, ja, du lebst so ein anderes Leben. Das ist aber nicht so. Ist nicht so.
Das, was hier steht, mag uns nicht schmecken, aber wir leben in dieser Welt, einer Welt, in der es ungerecht zugeht, wo Unglücksfälle, das ist das, was hinter Zeit und Geschick steckt, wenn wir uns das Buch Prediger anschauen, einfach jeden treffen, auch den Gläubigen.
Und wenn wir Güte Gottes verstehen wollen, dann müssen wir die Realität des Lebens mit dem Glauben an die Güte Gottes übereinbringen. Es nützt nämlich gar nichts, einem Menschen zu sagen: Werde Christ, und dann wird es dir gut gehen, wenn der dann feststellt, dass es ihm nach seiner Bekehrung schlechter geht. Und zwar nicht nur, weil er wegen seines Glaubens verfolgt wird. Ich meine, das würden wir ja noch irgendwie erwarten, sondern einfach so, versteht ihr ja, einfach nur weil Zeit und Geschick sie alle trifft und er irgendwie jetzt mit dem Getroffenwerden dran ist.
Und er hatte das irgendwie nicht erwartet. Der hatte vielleicht gedacht: Wenn ich jetzt gläubig bin, dann habe ich so ein Glaubensschutzschild. Da bin ich dann hundert Prozent sicher, dass meine Ehe nicht zerbricht, da bin ich hundert Prozent sicher, dass alle meine Kinder gläubig werden, da bin ich hundert Prozent sicher, dass der nächste Auffahrunfall, dass ich nicht involviert bin, dass ich definitiv vorher noch zum Stehen komme, dass ich meinen Job nicht verlieren werde und dass dieses Krebsding nie positiv ist.
So funktioniert Leben nicht. Lasst uns realistisch sein und lasst uns begreifen: Wir sind als Gläubige unter Prediger 9,11, Zeit und Geschick trifft sie alle. Und trotzdem glauben wir an die Güte Gottes. Ist das irre?
Wir verstehen, und darum geht es mir heute, dass Gott nicht nur nett sein will, sondern gut. Deswegen habe ich den Titel dieser Predigt auch so genannt: Wenn Gott nur nett ist, ist er nicht der Gott der Bibel.
Ich habe den Begriff nett gewählt, obwohl er in meiner Bibel nicht einmal vorkommt. Also ich lese eine unrevidierte Elberfelder. Wenn du da nach nett googelst, ja, ist kein nett drin. Aber ich fand den Begriff nett so nett.
Nett ist dann also nach unserem Verständnis, und so will ich den Begriff verwenden, nett ist Gott dann, wenn er nur Dinge tut, die ich entweder verstehe, die mir gefallen oder die mich wenigstens nicht übermäßig überraschen. Und sind wir ehrlich? Gott ist manchmal nett. Also ich will das jetzt bitte auch gar nicht durchstreichen. Ich sage nicht, Gott ist nie nett.
Manchmal ist Gott nett. Er ist dann nett, wenn ich so spät abends nach Hause komme und dann tatsächlich noch direkt vor dem Haus einen Parkplatz finde. Das ist bei uns nicht so einfach, aber dann denke ich: Da ist Gott nett.
Oder wenn ich mich am Bahnhof verspäte und der Zug noch mehr Verspätung hat, sodass ich ihn noch kriege, dann ist Gott nett. Oder wenn ich für eine Englischklausur lerne und es kommt genau das dran, was ich gelernt habe. Ich habe nicht alles gelernt, aber manchmal hat man ja so punktuell Glück. Dann ist Gott nett.
Oder wenn die Geburt meines Enkels gut verläuft, so wie ich mir das gewünscht habe, dann ist Gott nett. Er tut Dinge, die mir gefallen. Und wenn ich dann auch noch dafür gebetet habe, dann nenne ich das zu Recht eine Gebetserhörung. Also betet viel, auch wenn ich jetzt das Nettsein gleich ein bisschen mit dem Gutsein kontere.
Ihr sollt nicht hören, dass ihr weniger beten sollt. Betet viel, hört bloß nicht nach diesem Vortrag damit auf, das will ich auf keinen Fall. Also das habt ihr jetzt nicht gehört, okay?
Aber was ich gesagt habe: Es gibt so dieses Gottesnett, und ich fühle mich wohl damit, wie Gott mit mir umgeht, und ich merke, da ist etwas so in einem guten Flow. Aber ja, ihr merkt schon, dass jetzt ein Aber, das hat es ein bisschen in sich: Aber Gott ist nicht immer nett.
Öfter, als mir lieb ist, finde ich nämlich spät abends keinen Parkplatz direkt vor dem Haus. Und dann muss ich ein bisschen weiter weg auf dem Rewe-Parkplatz parken und in der Kälte nach Hause stapfen. Öfter ist man, mag das gar nicht glauben, die Deutsche Bahn pünktlich, und der Zug ist weg, und ich stehe dann eine Stunde in der Kälte. Öfter habe ich gelernt: Nur die Klausur, na ja, ich weiß auch nicht warum, aber es kam einfach nicht raus, was ich mir gewünscht habe. Öfter liegt meine Tochter drei Tage in den Wehen, und die Geburt ist eben nicht einfach.
Was dann? Und die Frage ist: Meint Gott es dann nicht gut mit mir? Im Sinne von: Manchmal meint er es gut und manchmal halt nicht. Ist das so?
Und die Antwort lautet: Nein, ganz, ganz lautes und klares Nein. Gott ist nicht einer, der es manchmal mit mir gut meint und dann wieder böse, auch dann nicht, wenn mein Leben gerade nicht gelingen will. Gott meint es nie böse mit mir. Das dürfen wir nicht vergessen. Gott meint es nie böse mit mir.
Das ist das, was Jakobus ausdrücken will, wenn er im ersten Kapitel seines Briefes in Vers 13 sagt: „Niemand sage, wenn er versucht wird, er werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.“ Versucht niemanden gemeint ist: Gott versucht niemanden zum Bösen. Das Böse, sagt der Text, kann Gott nicht versuchen, und Gott meint es nie böse mit einem Menschen.
Und zwar aus einem ganz einfachen Grund, der so banal ist, dass ich schon gar nicht weiß, ob ich ihn predigen darf, so simpel ist er. Die Antwort lautet nämlich: Gott ist gut. Und deswegen, weil Gott gut ist, deswegen meint er es nie böse mit jemandem.
Wisst ihr noch, was Jesus zu dem reichen Jüngling sagt, der da kommt und sagt, was muss ich getan haben usw.? Da sagt Jesus in Markus 10,18: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer: Gott.“ Also es ist ganz wichtig, dass wir das festhalten. Es gibt genau einen, der gut ist. Und für Jesus ist es ganz klar: Dieser Eine, der gut ist, das ist Gott.
Menschen können vielleicht nett sein, Menschen sind in der Lage, Gutes zu tun, aber wirklich gut in einem tiefen, umfassenden Sinn ist nur Gott. Auch da, wo wir gut sind, nett sind, Gutes tun, da vermischt sich ganz schnell in unsere menschliche Güte so eine ordentliche Portion. So ein bisschen Selbstgerechtigkeit kann da schnell mit ankommen, Angeberei, manchmal auch Dummheit.
Nehmen wir ein Beispiel: Du fühlst dich super, weil du einem Obdachlosen fünf Euro geschenkt hast. Vielleicht stellst du das auch da so vor deinen Arbeitskollegen, was du doch für ein mitfühlender Mensch jetzt bei der Kälte bist. Na ja, und siehst gar nicht, dass du einem Alkoholkranken nur zu einer weiteren Flasche billigen Schnaps verholfen hast. Verstehst du ja?
Du denkst: Boah, was bin ich für ein toller Typ. Aber in Wirklichkeit ist das so ein bisschen Selbstgerechtigkeit, ein bisschen Angeberei und Dummheit, das alles. Nicht, dass alle Güte, die wir tun, so ist, aber wie leicht passiert es, dass wir uns für toll halten, für gut, und in Wirklichkeit, wenn wir ein bisschen genauer hinschauen, sind das doch sehr, sehr, sehr, so sehr maue Beweggründe, die uns dazu antreiben.
Und jetzt treffen wir auf Gott? Und jetzt ist die Gefahr, dass wir uns kennen und denken: Gott ist genauso. Das stimmt aber nicht. Er ist ganz anders. Er ist gut, und er ist wirklich gut, und er meint es auch nur gut mit den Menschen, auch dann, wenn er nicht nett ist, also Dinge tut, die ich nicht verstehe, Dinge tut, die mir nicht gefallen, die mich echt überraschen und vielleicht auch aus dem Konzept bringen. Das ist das, was wir verstehen müssen.
Auch dann, wenn Gott nicht nett ist, wo ich in eine Richtung bete, und das muss, wie gesagt, nicht mehr der Parkplatz sein, das kann doch viel Dramatischeres sein, und jetzt passiert das genau andere. Und ich denke mir: Bah, was soll das? Und das ist manchmal so verrückt im geistlichen Leben. Es gibt Dinge, die schenkt Gott, und man denkt: Darauf hätten wir auch verzichten können, das war jetzt gar nicht so wichtig. Aber da.
Und dann betest du jahrelang für eine Sache, und da passiert gar nichts. Also wenn es euch nicht so geht, dann sagt mir das und sagt mir, wie ihr das macht. Aber das ist meine Erfahrung, dass Gott in eine Box zu sperren und zu wissen, wie er funktioniert, einfach nicht klappt. Gott bleibt Gott.
Und das, was ich nur tun kann, ist: Ich kann feststellen, dass Gott auch dann gut ist, weil er eben gut ist und nicht anders als gut sein kann und weil er eben nicht Böses tut. Dass Gott auch dann gut ist, wenn er Dinge tut, die aus meiner menschlichen Erstreaktion heraus sich nicht nett anfühlen, weil ich sie nicht verstehe, weil sie mir nicht gefallen, weil sie mich überraschen und aus dem Konzept bringen.
Gottes Güte im Blick auf die Welt und ihre Rettung
So, warum ist das so? Warum ist Gott gut, auch wenn er manchmal nicht nett ist? Ich habe jetzt eine zweigeteilte Antwort.
Und noch einmal: Wir sind hier nicht in der Seelsorge. Es geht mir nicht darum, dass ihr das, was ich hier sage, eins zu eins auf jemanden übertragt, der ein Problem mit Leid hat. Es geht erst einmal nur darum, dass wir ganz grundsätzlich etwas zum Thema Gottes Güte verstehen.
Also: Warum ist Gott gut, auch wenn er manchmal nicht nett ist?
Der erste Strang, den wir miteinander betrachten, geht so: Gottes Güte hat die Rettung der ganzen Welt im Blick. Es geht ihm eben nicht nur darum, dass ich mich wohlfühle. Das ist ein Strang, den wir gleich miteinander betrachten werden. Deswegen ist er manchmal nicht nett, obwohl er gut ist.
Der zweite Strang ist der: Im Prozess, eine Welt zu retten, führt er mein Leben so, dass meine Beziehung zu ihm immer tiefer wird und ich ihn immer mehr erkenne. Wachstum oder Beziehung kann manchmal ganz schön schmerzhaft sein. Das ist der zweite Strang, den wir miteinander betrachten.
Zwei Antworten auf die Frage: Warum sage ich, dass Gott gut ist, obwohl ich ihn manchmal nicht als nett empfinde?
Antwort: Gottes Güte hat die Rettung der ganzen Welt im Blick. Es geht ihm eben nicht nur darum, dass ich mich wohlfühle. Eigentlich ist das klar, oder? Gott will nicht nur mich retten und dann dafür sorgen, dass ich ein gutes Leben habe. Gott will eine Welt retten und mich dazu gebrauchen, dass dieser Rettungsplan für die Welt, den er hat, den letzten Zipfel der Welt sogar Mecklenburg-Vorpommern erreicht.
Das ist das Große. Und wir ahnen schon, wenn ich das so sage: Dieses „Gott möchte eine ganze Welt erreichen“, das geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern mitten in einer Welt, die vom Bösen beherrscht wird. Das heißt, Gott möchte so viele Menschen wie möglich retten, aber wir leben in einer Welt, die zum größten Teil aus Menschen besteht, die sich gar nicht retten lassen wollen.
Also könnte Gott zum Beispiel die Menschen einfach ihres Menschseins berauben und sagen: „Hey, ich mache euch zu willenlosen Robotern“, und dann seid ihr halt Maschinen oder Marionetten. Aber das macht Gott nicht. Das heißt, Gott lässt den Menschen ihr Menschsein und sagt: Ich suche zu euch eine Beziehung. Weil Gott Menschen will. Gott echte Liebe will. Gott eine freie Entscheidung will. Er will echten Glauben. Er will echte Buße.
Ja, wie kompliziert ist das denn? Ich habe hier sieben Milliarden Menschen, die alle so ihre Vorstellung vom Leben und von Gott haben. Der größte Teil hat gar kein Interesse an Gott. Und mitten in diese Welt schickt Gott uns und sagt: So, jetzt müssen wir mal sehen, wie wir in dieser verrückten Welt Evangelium predigen.
Könnt ihr euch nur im Ansatz vorstellen, wie komplex es ist, in einem so für uns unüberschaubaren Wirrwarr an Milliarden von Leben und Lebenslüden Heilsgeschichte zu schreiben?
Also, wir sehen natürlich immer unser kleines, schönes, süßes Leben und denken: Das ist doch gar nicht so kompliziert. Ja, hättest du doch einfach dafür sorgen können, dass der Parkplatz da ist. Aber das ist doch nicht die ganze Geschichte. Die ganze Geschichte ist superkomplex.
Gott sieht die, die sich nach ihm ausstrecken, während gleichzeitig er die anderen sieht, die ihn mit aller Inbrunst ablehnen. Habt ihr euch mal überlegt, wie komplex das alleine ist?
Da gibt es das Böse in der Welt. Einerseits muss Gott dem Bösen so viel Raum geben. Und das muss er tun, weil wenn er immer gleich straft – also Strafgericht hat meistens etwas mit Krieg und Tod zu tun – wenn Gott straft, nehmen wir an, jeder, der lügt, ist tot, dann kann der sich nicht mehr bekehren. Also auf der einen Seite muss Gott dem Bösen Raum lassen für Buße und Bekehrung, weil wenn er überall gleich draufschlägt und die Leute umbringt, dann bekehrt sich keiner mehr, dann sind sie ja tot.
Und auf der anderen Seite muss er aber dafür sorgen, dass das Böse auch nicht zu viel Raum gewinnt. Ich finde das total irre. Also ich möchte Gottes Job echt nicht haben. Das ist wirklich komplex.
Wir stellen uns das immer so leicht vor: Na, Gott, hättest mir doch einen Parkplatz schenken können. Und Gott sagt: Ja, du siehst ja nur dich und nicht die anderen 400 Leute in deiner Straße, um die kümmere ich mich ja auch. Und was weißt denn du, wer da gerade einen Parkplatz braucht? Ja, vielleicht kannst du am ehesten darauf verzichten. Vielleicht tut es dir auch gut, und so weiter und so weiter.
Was ich zeigen möchte, ist: Gott hat kein Gefallen am Leid und am Tod des Gottlosen. Nichtsdestotrotz sind es nicht gerade die Schicksalsschläge, also die Momente, wo Gott nicht nett ist, die Menschen aufrütteln, sich überhaupt mit Gott zu beschäftigen oder mit der Ewigkeit und mit ihren Sünden.
Ist es nicht so, dass Hiob zu Recht im Blick auf Krankheiten Folgen beschreibt: Siehe, das alles tut Gott zweimal, dreimal mit dem Mann, um seine Seele von der Grube zurückzuholen, damit er vom Licht des Lebens erleuchtet werde?
Merkt ihr die Spannung? Ein Gott, der das Böse hasst, der Menschen nichts Böses zustossen lassen möchte, der den Menschen liebt, der weiß genau: Es sind bestimmte Menge an Schicksalsschlägen, die die meisten Menschen überhaupt erst dazu bringt, sich mit ihm zu beschäftigen. Wie kriegt man das unter einen Hut?
Also Gott benutzt Unheil für seine Zwecke, ein bisschen wie so ein Zahnarzt. Ja, wir wissen alle, dass wir zum Zahnarzt gehen, dass er es gut mit uns meint, auch wenn er bohrt. Ja, und so wissen wir, dass Gott das Unheil benutzt. Er setzt so den Bohrer an bei den Menschen, damit sie zu empfinden, und das ist jetzt nur ein Beispiel.
Mir geht es nur darum, dass wir erkennen, wie völlig sinnlos es ist, Gottes Tun beurteilen zu wollen. Wir sind viel zu klein. Diese Aufgabe, vor der Gott steht, Menschen mit einem freien Willen in einer Welt, die vom Bösen regiert wird, zu erreichen mit dem Evangelium – boah, ey, sorry, wir sind viel zu dumm, um Gott richten zu können.
Mag es hundertmal sein, dass Gott sich auf eine Weise verhält, dass wir sagen: Das war jetzt aber nicht nett. Das heißt noch lange nicht, dass es falsch war. Das heißt noch lange nicht, dass später Gott nicht sagt: Weißt du was, wenn wir mal Zeit haben in der Ewigkeit, dann kommst du noch mal und dann fragst du einfach noch mal, warum das bei dir so war, und dann werde ich dir das erklären.
Ich glaube, dass wir das tun können. Ich glaube nicht, dass wir das dann noch wollen, ja, aber ich glaube, wir können das tun.
Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen, was Jesaja in Jesaja 55,9 so beschreibt. Also da redet Gott, und Gott sagt: Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Also wenn wir uns die Frage stellen, warum Gott nicht nett ist, wenn er doch gut ist, dann ist das eine Antwort. Er weiß, was er tut, auch dann, wenn es für mich keinen Sinn ergibt, wenn ich es vielleicht sogar für fahrlässig und unverantwortlich, vielleicht sogar für schlicht grausam halte und ungerecht, was Gott da tut oder dass er in bestimmten Situationen auch nichts tut.
Mein Unverständnis ist kein Grund dafür, an seiner Güte zu zweifeln.
Und jetzt könnte jemand fragen: Jürgen, wenn man die Güte Gottes nicht sehen kann, dann kann man nur an sie glauben, oder? Ist es das, was du sagen möchtest? Ja, ich glaube dann halt einfach an die Güte Gottes.
Nein, das möchte ich damit nicht sagen. Was ich sagen möchte oder was ich gerne sagen würde, wäre Folgendes: Wenn du die Güte Gottes sehen möchtest, dann schau nicht auf den Parkplatz. Dann schaue nicht auf die Verspätung von einem Zug, auf eine Englischklausur oder auf andere Schicksalsschläge.
Man kann die Güte Gottes sehen, und zwar so, dass die Frage, ob Gott gut ist, ob Gott es gut mit mir meint, ein für allemal geklärt sein dürfte. Und zwar dort, wo Gott am Kreuz hängt. Da sehe ich seine Güte.
Im Titusbrief, Titus 3,4, heißt es: Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Rettergottes erschien.
Also Gottes Güte, die sich oftmals für uns nicht greifen lässt, weil Gott Gott ist und eine ganze Welt retten will. Gottes Güte wird an einem Punkt sichtbar, wo, wenn ich mir nicht mehr sicher bin, ob Gott es gut mit mir meint, ich immer wieder hinschauen kann, wenn ich in einem bestimmten Moment nicht weiß, warum Gott das jetzt so zulässt. Und als dieser kurze Zweifel aufkommt: Meint Gott es gut mit mir?
Möchtest du die Güte Gottes sehen? Hier: Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Rettergottes erschien.
Du willst Gottes Güte in Vollendung sehen? Dann schau zum Kreuz und schau in dein eigenes Leben. Schau dir an, was Gott für dich getan hat und wie er – der Vers geht weiter, das lese ich jetzt nur nicht – wie er dich von neuem geboren und erneuert hat.
Und wenn du das anschaust, dann wird ganz klar, wie gut Gott es mit dir meint. Die Frage ist, ob wir oft genug dahinschauen.
Also: Warum ist Gott gut, auch wenn er manchmal nicht nett ist?
Und die Antwort eins ist: Gottes Güte hat die Rettung der ganzen Welt im Blick. Und deswegen wird Gott manches Mal Dinge tun, wo du sagst: Verstehe ich nicht. Wo du vielleicht sogar sagst: Will ich nicht. Und er wird es trotzdem tun, weil er sagt: Ich aber halt schon. Und ich weiß, wo das, was dir jetzt passiert, in mein viel größeres Bild von Rettung hineinpasst.
Und da kann es manchmal dann sein, dass du sagst: Boah, das war aber ganz schön tough. Und Gott sagt: Ja, das wusste ich. Aber es war nötig.
Es ist aus einem zweiten Grund nötig und deswegen eine zweite Antwort. Also die erste Antwort reicht eigentlich schon. Also man kann mit der ersten Antwort schon leben, aber die zweite ist schöner.
Wer jetzt sagt: Die erste Antwort ist gut, ich brauche noch ein bisschen mehr, jetzt kriegst du ein bisschen mehr. Aber eigentlich ist die erste Antwort gar nicht schlecht, ich habe sie nur ein bisschen kurz gemacht. Ihr könnt da länger drüber nachdenken.
Erziehung, Prüfung und der Weg in eine tiefere Beziehung
Antwort Nummer zwei
In diesem Prozess, die Welt zu retten: Führt er mein Leben so, dass meine Beziehung zu ihm immer tiefer wird und ich ihn immer mehr erkenne? Ich wünsche mir persönlich, und ich gebe das offen zu, ein Leben ohne Leid. Und es wäre wohl auch komisch, wenn es irgendwie anders wäre. Gleichzeitig weiß ich, dass es Leid gibt, das ich nicht verhindern kann.
So, jetzt kommen wir zu einem Vers, den man selten auswendig lernt, der aber trotzdem in der Bibel steht: Es gibt Leid für Gläubige, Leid, das Gott will. Gott will, dass du leidest. So etwas kann es geben. Nicht alles muss so sein, aber es gibt Leid, das Gott will. Da heißt es in 1. Petrus 3,17: Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutes tun zu leiden, als für Böses tun.
Also: Wenn Gott will, dann ist es besser, wenn man schon leidet, für etwas Gutes, also weil man etwas Gutes getan hat, als für etwas Böses. Dahinter steckt die Idee, dass es sein kann, dass Gott sagt: Du magst das jetzt nicht als nett empfinden, wenn du leidest, aber es ist gut. Ich will das. Und nicht nur, weil es da so einen großen Plan gibt, sondern ich will das für dich. Es gibt Leid, um das ich nicht herumkomme, weil Gott es will.
Also die Frage: Wie kann Gott ganz gut sein, wenn er mich leiden lässt? Das ist ja nicht mehr einfach. Wie kann Gott ganz gut sein? Eben war das noch so weit weg, das passiert halt irgendwie, und jetzt merke ich: Gott sagt, dieses Leid will ich. Wie kann Gott ganz gut sein, wenn er mich leiden lässt?
Ich hatte die drei Antworten auf diese Frage in der letzten Predigt schon angerissen. Es hat zu tun mit Erziehung, mit Prüfung und mit Evangelisation. Drei ganz unterschiedliche Aspekte unseres Lebens. Ich fange mal an mit Erziehung. Und ich mache es mit einem Beispiel, weil es da vielleicht am einfachsten ist.
Als Vater habe ich meine beiden Töchter geliebt, ich liebe sie immer noch, aber ich war nicht immer nett, würden zumindest meine Kinder so sagen. Ein Beispiel: Meine Kinder haben sehr viel weniger Taschengeld bekommen als ihre Freunde. Sehr viel weniger. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das irgendwann gut fanden. Auch nicht in dem Moment, in dem ich ihnen gesagt habe: Ja, schaut mal her, ihr kriegt zwar viel weniger Taschengeld, aber ich habe einen Putzjob für euch. Damit könnt ihr noch etwas dazu verdienen.
Am Ende hatten sie jeden Monat deutlich mehr Geld als ihre Schulfreunde, und sie haben Arbeiten gelernt. Und das war auch genau das, was ich wollte. Also ich wollte sie nicht einfach nur kurz halten. Sondern ich wollte, dass sie den Wert von Geld und von Arbeit kennenlernen und natürlich, dass sie genug haben. Und deswegen habe ich mich mehr darum gekümmert, dass sie einen guten Putzjob kriegen und etwas dazu verdienen. Ich habe es wirklich gut mit ihnen gemeint. Aber nett fanden sie das wahrscheinlich nicht. Vielleicht finden sie es heute gut, ja, aber damals fanden sie es definitiv nicht nett. Da musste ich mich immer erklären, warum so wenig Taschengeld.
Okay, ihr versteht das: Gott ist genauso. Gott erzieht uns. Wenn wir uns bekehren, sind wir am Anfang eines Erziehungsprozesses. Wir sind noch lange nicht fertig. Wir sind wie kleine Kinder, die geistlich erst einmal schauen müssen, wie das alles hier funktioniert, dieses geistliche Leben. Und Erziehung bringt uns in Situationen, in denen ein Vater, der wirklich gut ist, sich nicht nett verhält, damit wir bestimmte Lektionen lernen. Das kann etwas damit zu tun haben, dass wir etwas falsch machen, dass es Sünde in unserem Leben gibt. Es kann aber auch einfach sein, dass wir bestimmte Fertigkeiten, Geduld, Liebe und solche Sachen, einfach lernen müssen. Und Gott schafft die Situationen dafür.
Erziehung: Hebräer. Ich lese euch mal einen längeren Abschnitt aus dem Hebräerbrief, Kapitel 12, die Verse 4 bis 11, vor. Hört einfach mal zu, es ist ein längerer Abschnitt, ihr müsst nur die Quintessenz verstehen. Und was der Hebräerbriefschreiber tut, ist genau das: Er sagt, denkt mal, wie eure Väter mit euch umgegangen sind. Die haben es ja schon gut gemeint. Die wussten zwar nicht wirklich, wie es geht, aber man, die haben es gut gemeint, ja. Und ihr habt irgendwie gemerkt, dass das eine vernünftige Erziehung etwas Gutes ist. Gott ist genau so.
Hebr. 12,4: Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden. Also habt ihr noch nicht wirklich reingehängt. Und ihr habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er, er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Das hört sich jetzt erst einmal dramatisch an, ist aus den Sprüchen.
Jetzt erklärt er das: Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung. Gott behandelt euch als Söhne, von mir aus auch als Söhne und Töchter, als Kinder. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne. Also: Wenn Gott sich nicht um dich und deine geistliche Entwicklung kümmern würde, dann wärst du nicht sein Kind. Aber weil Gott sich darum kümmert, kannst du wissen: Ich habe echt einen Vater im Himmel. Und zwar einen, der es richtig gut mit mir meint, gerade dann auch, wenn er in meinem Leben Situationen zulässt, die mir nicht schmecken.
Zudem hatten wir, jetzt kommt das Beispiel, auch unsere leiblichen Väter als Züchtiger und scheuten sie. Sollten wir uns nicht viel mehr dem Vater der Geister unterordnen und leben? Ich hoffe, du hast irgendwelche guten Erfahrungen mit Vätern gemacht. Ich habe das nicht gemacht, von daher sind solche Texte für mich immer ein bisschen suspekt, will ich offen zugeben. Aber irgendwo da draußen müssen auch noch vernünftige Väter unterwegs sein, die ihren Job ein Stück besser gemacht haben. Und wenn du so einen hattest, feier das ab und benutze diesen Text, um zu verstehen, wie wertvoll es ist, dass einer so viel Liebe in mich investiert, dass er mir ein klares Stoppschild hinsetzt und sagt: Falsch, hier hörst du mal auf, so geht es mal nicht. Und Gott ist ein so liebevoller Vater, dass er genau das tut.
Bei den Vätern, also den leiblichen Vätern, heißt es dann: Denn sie züchtigten uns zwar für wenige Tage nach ihrem Gutdünken; er aber, also egal, was für schlechte Erfahrungen du gemacht hast, er aber, Gott ist der gute Vater, zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Gott möchte uns seinen Charakter schenken, und deswegen wird er uns korrigieren und erziehen. Alle Züchtigung erscheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, das ist dieses: Gottes nicht nett, es schmeckt mir nicht, wie er mit mir umgeht. Alle Züchtigung erscheint mir zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit.
Und wer mal Kinder erzogen hat: Es hat mir keine Freude gemacht, meinen Kindern wenig Taschengeld zu zahlen. Versteht ihr, das war jetzt nicht der Punkt, dass ich sagte: Super, ich habe immer schon so meine kleine sadistische Ader ausleben wollen. Ja, ich habe als Kind auch nie viel Taschengeld gehabt, und das dürfen meine Kinder selber auch mal erleben, wie das ist. Darum ging es mir überhaupt nie. Und darum geht es Gott auch nie. Und wenn wir Erziehung Gottes erleben, dann ist es keine Freude, wenn Gott uns beibringt, wie man als Gerechter lebt, aber sie ist Ausdruck echter Liebe. Manchmal tut Güte Gottes weh.
Und es lohnt sich, im eigenen Leben darüber nachzudenken, ob mancher Schmerz vielleicht auch einfach daher rührt, dass Gott mich züchtigt, dass er sich von mir Buße wünscht, dass er mir einen radikaleren Umgang mit Sünde zutraut und sagt: Hey, da ist in deinem Leben einfach manches noch nicht in Ordnung. Und deswegen: Wenn Gott nicht nett ist, dann kann es ein Punkt sein, dass ich ihn als nicht nett empfinde, weil er gerade dabei ist, in meinem Leben Gerechtigkeit und Heiligkeit und Herrlichkeit hervorzubringen.
Ein zweiter Punkt: Prüfung. Ich weiß nicht, ob darüber noch bei euch gepredigt wird. Ich habe schon ewig keine Predigt mehr darüber gehört, überhaupt in meinem Leben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon mal eine gehört habe, die sich nur mit diesem Thema beschäftigt, aber Gottes Güte prüft die Echtheit unseres Glaubens. Gott prüft den Gerechten, heißt es in Psalm 11,5. Gott prüft. Ich muss zugeben, dass ich bis heute noch nicht so genau verstanden habe, warum er das tut, aber er tut es. Das ist klar. Wenn ich ein Gerechter bin, dann prüft Gott meinen Glauben.
Das tut er im Alten Testament. In 5. Mose 8 heißt es in Vers 2, das wird nach der Wüstenwanderung den Israeliten gesagt: Und du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich diese vierzig Jahre in der Wüste hat wandern lassen, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen und um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Gott ist ein Gott, der die Herzen der Gläubigen prüft.
Petrus kann den verfolgten Gläubigen in Kleinasien Folgendes schreiben, 1. Petrus 4,12, und er möchte sie damit ermutigen: Geliebte, lasst euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, dass euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes. Komischer Gedanke, oder? Gott prüft. Wenn du das noch nie geglaubt hast, fang damit an. In dem Moment, wo du ein Gläubiger und ein Gerechter bist, stehst du einem Gott gegenüber, der sagt: Ich würde gerne wissen, ob das stimmt. Du sagst: Herr, mein ganzes Leben gehört dir. Und Gott sagt: Ey, super, schau mal, also, ich hätte da so eine Idee.
Gott prüft einen Abraham. Warum sollte er das bei uns nicht tun? David geht so weit, dass er singt: Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken. Wir sagen vielleicht: Hoffentlich prüft er mich nicht so oft. David singt: Mann, das ist was Gutes, wenn Gott mich prüft. Ich vermute, dass Gott uns prüft, weil er weiß, dass wir selber nicht so richtig gut darin sind, uns selber zu prüfen. Und deswegen tut er das.
Denn eines muss uns klar sein: Von allen Fehlern, die du im Leben tun kannst, gibt es genau einen, den du nicht tun solltest. Es gibt einen Fehler, wo man sich wirklich, wenn man ihn begeht, ich weiß, das ist so der schlimmste aller Fehler, die du im Leben begehen kannst. Und der schlimmste aller Fehler ist der, dass du dich für gläubig hältst, es aber nicht bist. Ich kann mir keinen schlimmeren Fehler vorstellen, als dass jemand mit der sicheren Gewissheit, in der Ewigkeit bei Gott zu sein, einschläft und im Feuer aufwacht und dann zu Gott schreit und sagt: Ich bin auf der falschen Seite. Und Gott sagt: Ich kenne dich nicht.
Und dann fängt jemand an zu argumentieren: Ja, ich bin doch immer in die Kirche gegangen, und ich habe doch immer meine Kirchensteuer gezahlt, und ich habe doch so viel gemacht, und ich war ... Und Gott sagt: Entschuldigung, es ist jetzt völlig egal, was du alles gemacht hast, ich kenne dich nicht. Das, was du gelebt hast, war so eine religiöse Show, so wie bei Kain, der hat auch geopfert. Aber dein Herz, dein Herz war nie wirklich ganz bei mir. Das ist der schlimmste Fehler, den man tun kann: wenn man ein Leben lang glaubt, auf der richtigen Seite zu stehen, und dann ...
Bist ihr so hauchzart? Kennt ihr diese ... ihr seid keine YouTube-Schauer, zumindest seht ihr nicht so aus, die meisten von euch, ja. Aber es gab jetzt im Zuge von den Winterspielen so lustige Videos bei YouTube, wo Leute sich zu früh gefreut haben. Also es sind dann so Leute, die quasi schon die Arme so drei Meter vor dem Ziel hochrecken, weil sie Erster sind, für den Moment kurz langsamer werden und dann zieht noch einer vorbei. Nur Zweiter. Also so eine ganze Folge, ich weiß nicht, hat jemand das mal gesehen, solche Videos? Irgendjemand muss sie gesehen haben. Das ist so dieses: Du freust dich, du freust dich. Oder so jemand, der auf der Zielgeraden, so ein Fahrradfahrer auf der Zielgeraden, er reißt die Arme hoch, er ist der Erste, bam, legt sie ihn hin, alle fahren an ihm vorbei, und du denkst: Arme Socke, du warst schon vorne, hättest du dich bloß nicht gefreut.
Das ist, das darf uns im geistlichen Leben nicht passieren. Und deswegen prüft Gott den Gerechten, weil er wissen will, weil du wissen musst: Ist mein Glaube echt? Deswegen gibt es so Stellen wie 2. Korinther 13,5: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid. Versteht ihr? Das ist wirklich ein wichtiger Punkt. Und wenn Gott uns prüft, wenn Gott solche Situationen zulässt, wo wir aus so einer Situation rausgehen und unsere geistlichen Muskeln gestärkt sind, weil wir wissen, was einmal durchs Feuer gegangen ist, ja, das ist gut. Wenn du schwierige Situationen mit Gott durchlebt hast, dann zu wissen: Das reißt mich nicht mehr so schnell um. Achtung, nicht hochmütig werden, aber da wächst was, da wächst Brauchbarkeit, und deswegen prüft Gott.
Und ein letzter Punkt, den mache ich kurz: Der letzte Punkt ist Evangelisation. Warum erscheint Gott manchmal nicht nett, obwohl er gut ist? Weil er uns erzieht, weil er uns prüft, und dann Evangelisation, weil er uns gebraucht. Wir leben in einer bösen Welt, und wenn jetzt wir, wenn gute Menschen in einer bösen Welt evangelisieren, dann treffen sie auf Menschen, die ihnen wehtun werden. Sie treffen auf Lebensumstände, die ihnen nicht schmecken werden. Und je näher du am Herrn lebst, je näher du merkst, dass diese Welt nicht deine Welt ist, umso mehr merkst du, wie verquer und verrückt es ist, hier zu leben.
Wir treffen, wenn wir unseren Job machen als Botschafter Gottes, auf eine gefallene Schöpfung, und wir werden unter den Krankheiten und unter den Naturkatastrophen leiden. Wir leben als Gute in einer bösen Welt. Wir leben, um das Evangelium zu predigen, und wir werden, während wir das tun, weil wir auf diese Menschen treffen, die da mittendrin leben, unseren Anteil an Leid und Frust der Welt mit abbekommen. Und zwar nicht, weil Gott es nicht gut mit uns meint, sondern einfach, weil wir nicht von Gott in so einen Kokon der Glückseligkeit eingehüllt werden, sondern weil wir wirklich leben.
Jesus sagt: Ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfen. Er hätte auch sagen können: Ich schicke euch wie ein T-Rex mitten unter Wölfen. Das wäre mein Ding gewesen, ja, so als T-Rex unter Wölfen. Ich hoffe, alle wissen, was ein T-Rex ist. Nein? Okay, das ist ein Tyrannosaurus Rex. Groß, lange Zähne, gefährlich, dagegen ist ein Wolf nicht wirklich problematisch. Ja, und das wünschen wir uns, ja, wir wären gern so ein großer, beisswütiger Saurier, ja, und dann schickt uns unter die Wölfe, ja, sind die weg. Ist aber nicht so. Gott sagt: Ich schicke euch wie Schafe mitten unter Wölfe. Gebissen werden garantiert.
Aber Gott meint es gut mit uns, auch im Leid. Also auch da, wo uns dann das Leid begegnet, da, wo er uns Leid zumutet. Und jetzt kommen wir zu einem Thema, das verdient wirklich mal ein Tagesseminar. Mitten im Leid. Und das kann jetzt nur der nachvollziehen, der wirklich schon gelitten hat. Jetzt rede ich zu Leuten, die mehr als mal keinen Parkplatz bekommen haben. Mitten im Leid erkennen wir auf besondere Weise, dass die Menschen, die nicht in der Lage sind, in der Lage zu sein, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, dass sie nicht in der Lage sind, den Herrn Jesus.
Wir erkennen mitten im Leid die Kraft seiner Auferstehung, und wir erleben mitten im Leid eine Gemeinschaft mit ihm, die wir anders wahrscheinlich nie erleben würden. Paulus kann sagen, dass er das Sterben Jesu an seinem Leib umherträgt, damit Christi Leben sich offenbart. Im Leid begegnen und verstehen wir den, der selbst für uns gelitten hat. Und das ist großartig. Wir wollen vor dem Leid davonlaufen, weil wir denken: Wenn ich nicht leide, dann meint es Gott gut mit mir. Und Gott sagt: Ich kann dich da nicht rausnehmen. Jesus betet für die, die auf der Erde zurückbleiben. Aber was Gott macht, ist: Er sagt, ich werde dir mitten im Leid begegnen, und ich werde dir das schenken, wonach du dich am allermeisten sehnst: mich zu erkennen.
Gottes Erkenntnis ist viel weniger ein intellektueller Prozess, wo ich bestimmte Eigenschaften Gottes aufschreibe. Gottes Erkenntnis beginnt da, wo ich das Leben Jesu nachlebe, wo sein Sterben und seine Auferstehung an mir offenbar werden. Und das ist ein Geheimnis, deswegen meine ich, ich kann das hier nur anreißen: wo ich merke, Gott schenkt mir mitten im Leid eine Begegnung mit Gott, die so gut ist, dass er förmlich aus dem Bösen das Gute macht.
Und jetzt wird es völlig verrückt, weil wir merken: Mit einem Mal ist Gott nicht nur der, der uns rundum beschenkt. Er ist nicht nur der, der uns erzieht und prüft, sondern er ist der, der uns in seine Gegenwart ziehen will. Und eigentlich ist das Beste, was Gott uns schenkt, und da sind wir wieder im vorletzten Vortrag, im letzten Vortrag: Das Beste, was Gott uns schenkt, ist, dass er selber da ist. Und dass wir ihn erkennen dürfen und dass wir in diese Beziehung mit ihm tiefer und tiefer hineinwachsen dürfen. Und alles, was dazu beiträgt, dass diese Beziehung wächst, man nennt das Liebe, alles, was dazu beiträgt, ist im tiefsten Inneren gut, auch dann, wenn es nicht nett ist, weil es mich dorthin bringt, wo ich wirklich hin will: in eine lebendige, leidenschaftliche, tiefe, unauflösliche, von den Umständen unabhängige, liebevolle, fröhliche Beziehung mit Gott.
Und wenn ich dahin komme, wenn ich das kriege, dann geht es mir richtig gut. Das ist das Beste, was Gott hat: sich selber. Und wenn Gott sich mir schenkt im Leid, dann bekommt plötzlich das Leid auf dieser Welt einen Sinn. Und dann macht Gott etwas völlig Irres, weil er nämlich wirklich gütig ist. Während er eben das Leid adelt und zum Moment der Begegnung mit seiner Persönlichkeit werden lässt, sagt er im nächsten Moment, und das ist mein letzter Gedanke für heute übrigens: Alles, was du hier durchmachst, lass uns mal kurz nach vorne blicken. Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit, heißt es in Römer 8,18, denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Alles, was du heute an Güte Gottes verstehst, ob du dahin schaust, was wir im ersten Vortrag gesagt haben, dass du all die Dinge siehst, die Gott dir geschenkt hat. Oder ob du die Güte Gottes schmeckst, wenn er sich deiner annimmt und dich erzieht. Oder wenn er dir die Sicherheit schenkt, du bist wirklich am Ziel angekommen. Oder wenn du die Güte nimmst, die sich mitten im Leid offenbart. Diesen Moment, der noch vor uns liegt, wo Gott sagt: All das, was ich dir schon geschenkt habe, ist nichts im Vergleich zu dem, was noch kommt.
Und das ist dann der Moment, wo wir mit absoluter Sicherheit sagen werden, was wir ganz am Anfang gesagt haben: Denn seine Güte wird ewiglich. Amen!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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