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Gefühle - ungerechter Zorn

Epheser 4,26-2722.02.2015
Serie•Teil 2 / 16(Negative) Gefühle
Zorn ist nicht nur Wut – oft steckt dahinter Angst, Scham oder der Drang, alles zu kontrollieren. Wer ihn ehrlich vor Gott anschaut, entdeckt oft mehr über sein Herz als über den Gegner.

Einleitung und Rückblick auf die bisherige Reihe

So, vielen Dank für die Einleitung, Walli.
Ja, es ist auch für mich noch ein bisschen neu, über Gefühle zu reden. Also nicht grundsätzlich neu, aber von hier vorne halt. Das Thema fühlt sich irgendwie komisch an.
Ich bin auch immer noch ziemlich gespannt, ob das Ganze funktioniert. Also ob ich am Ende der Reihe dann sage: War cool. Oder ob ich denke: Oh, ganz schön weit vorgewagt.
Letztes Mal hatten wir Vorbemerkungen, drei ganz wichtige Dinge. Am Anfang war es mir wichtig zu sagen: Gefühle sind wichtig. Das war so der erste Punkt.
Zweiter Punkt: Gefühle sind so ein Stück die Sprache der Seele. Sie haben uns tatsächlich etwas zu sagen.
Drittens sind wir letztes Mal schon so ein bisschen in die negativen Gefühle eingestiegen. Negative Gefühle gehören in die Anbetung.
Also, um es noch einmal deutlich zu sagen: Es ist dieses Ehrlichsein vor Gott. Es ist, wo ich vor Gott schreie, wo ich Tränen vergieße, was mir den Weg bereitet für eine Begegnung mit Gott, die mich dann tatsächlich auch umhaut.
Je ehrlicher ich bin, umso mehr kann ich erleben, dass übernatürlicher Trost oder, was du vorgelesen hast, eine nie gekannte Freude, die nicht nur von den Umständen abhängig ist, oder eben auch eine wirklich übermenschliche Zuversicht in mein Leben strömt, von Gott selbst.

Warum negative Gefühle vor Gott gehören

Also, die Frage ist: Warum soll ich mit meinen negativen Gefühlen zu Gott gehen?
Die ganz offensichtliche Antwort liegt darin, dass es meine Gefühle sind. Es sind meine Gefühle. Es ist das Vorrecht eines Kindes, an die Tür zum Arbeitszimmer des Papas zu klopfen, mit Tränen in den Augen einzutreten und dem Papa zu sagen, wie unfair diese Welt ist. Das ist mein absolutes Vorrecht.
Ich würde mir die Frage stellen: Was sagt das über meine Beziehung zu Gott aus, wenn ich quasi das ganze Tohuwabohu meiner Seele mit mir selbst ausmachen müsste? Was wäre das für eine Beziehung? Oder was für ein Gottesbild würde dahinterstecken, wenn ich davon ausgehen müsste, Gott sei ein Gott, in dessen Gegenwart ich immer irgendwie gut drauf sein muss? Versteht ihr? Was sagt das über mich und meine Beziehung zu Gott aus? Wie tief wäre diese Beziehung?
Was ich mindestens sagen kann: Das wäre keine Beziehung, die so ist wie zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Denn da lese ich in Markus 15,34, dass der Sohn zum Vater sagt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Das ist definitiv ein Moment, der von Schmerz und von Verzweiflung geprägt ist. Und das war ein Moment, den Sohn und Vater miteinander geteilt haben.
Warum lasse ich meine negativen Gefühle vor Gott zu? Weil es meine Gefühle sind, das ist das eine. Und weil es die Strategie Gottes ist, mich an sein Herz zu ziehen, und zwar genau in diesen dunkelsten Momenten, in denen ich vor Gott zerbreche und es für mich in diesem Moment tatsächlich nur noch ihn gibt.
Petrus bringt das auf eine tolle Weise zum Ausdruck. In Johannes 6 sagt er: Herr, zu wem sollten wir gehen? Ich kann euch nicht das Kapitel als Ganzes erzählen, aber es geht darum, dass die Menschen ein Speisewunder erleben und begeistert sind von den Gaben. Es gibt etwas zu essen, Essen ist immer cool, ja, also sind sie begeistert. Aber sie wollen nichts mit dem Geber zu tun haben.
Und dann gehen alle weg, bis auf ein paar. Dann fragt Jesus die paar auch: Wie sieht es aus, wollt ihr auch gehen? Und dann kommt dieser Satz: Herr, zu wem sollten wir gehen? Uns interessiert der Geber und nicht die Gaben. Wir wollen nicht den Fehler machen, den die gemacht haben, die weggegangen sind.

Wenn Gefühle offenlegen, worum es uns wirklich geht

Und es ist so leicht, es ist wirklich so leicht, ein Lebenskonzept zu leben, in dem Jesus einfach nur eine Rolle spielt. Das kann eine schöne Rolle sein, zum Beispiel die Rolle des Maskottchens oder die Rolle eines Ratgebers oder die Rolle eines solchen Stoßgebet-Empfängers. Aber er spielt dann eben doch nur eine Rolle, und er ist nicht wirklich der Regisseur.
In den Momenten, in denen wir uns den negativen Gefühlen tatsächlich stellen, und wir werden in dieser Reihe über Zorn, über Furcht, über Eifersucht, über Verzweiflung, Verachtung und Scham reden, merken wir eigentlich erst, worum es uns im Leben wirklich geht. In dem Moment, wo wir diese Gefühle in unserem Leben zulassen, merken wir, ob wir ihn mehr als alles andere in der Welt wollen. Wir merken, ob Gott unser Ziel im Leben ist, weil wir ihn durchschauen möchten und weil wir ihm gefallen und ihn genießen wollen. Wir merken, ob wir in unserem Herzen wirklich gesagt haben: Selbst in diesen negativen Momenten soll Gott in meinem Leben die Sonne sein, die mich wärmt. Er soll der Schild sein, hinter dem ich mich verstecke. Er soll der Hirte sein, dem ich folge. Er soll der Bräutigam sein, den ich liebe. Er soll der Held sein, der mich rettet. Er soll, wie wir es gesungen haben, wirklich mein Ein und Alles sein.
Und deswegen steckt in negativen Momenten, in denen ich eigentlich am liebsten davonlaufen würde, ein unglaubliches Potenzial, Gott zu erleben. Das ist einer der Gründe, warum ich diese Reihe gerne mit euch durchgehen möchte. Und wir kommen heute zum ersten Gefühl: Zorn.

Der Unterschied zwischen gerechtem und ungerechtem Zorn

Jedes Gefühl wird zweigeteilt gepredigt. Es gibt immer die ungerechte Variante am Anfang, die falsche, und dann schauen wir uns in einer Folgepredigt die gerechte Variante an. Denn auch diese negativen Gefühle lassen uns einen Blick ins Herz Gottes werfen. Einfach nur zu sagen: Sei nicht zornig, wäre mir an dieser Stelle deutlich zu wenig. Das werdet ihr merken.
Also heute: ungerechter Zorn.
Ich gehe mal davon aus, dass jeder von euch Zorn kennt. Das ist so dieses: Du hast einen Wunsch, sagen wir mal, pünktlich zum Gottesdienst zu kommen, und dann fährst du auf die Stadtautobahn und stehst. Du bist eigentlich pünktlich losgefahren, ja, aber du stehst. Der vor dir steht auch, der davor auch, und es geht irgendwie nicht weiter. Und diese Mischung aus Anspannung und Hilflosigkeit, die sich dann einstellt, äußert sich in Form von Zorn.
Es gibt unterschiedliche Varianten. Man kann hupen, man kann sich selbst beschimpfen, was man für ein blöder Kerl ist, dass man nicht früher losgefahren ist. Das hätte man noch wissen können, man hätte noch einmal auf den Staumelder schauen können. Man kann auch Fäuste schwingen, komische Finger zeigen, alles Mögliche machen. Es gibt da ganz viele Möglichkeiten. Jeder von euch kennt, da gehe ich mal davon aus, Zorn.
Zornig wird man noch leichter, wenn man jetzt zusätzlich zu solchen Situationen ungerecht behandelt wird. Da wird man auch zornig. Und wenn man sich dann Zorn in der Bibel anschaut und da mal zum Beispiel in den Epheserbrief reinschaut, dann stellt man fest: Zorn ist eine verzwickte Angelegenheit.
Auf der einen Seite kennt jeder das, und jeder weiß, da gibt es so dieses, wo man sich eigentlich nicht hätte so aufregen sollen. Aber nicht jeder Zorn, dem wir begegnen, ist gleich ungerechter Zorn. In Epheser 4,26 heißt es: „Zürnt und sündigt dabei nicht.“ Merkt ihr also: „Zürnt und sündigt dabei nicht.“ Es gibt anscheinend Zorn, wo man nicht von der Sünde instrumentalisiert wird, wo man zornig ist und alles ist gut. Aber es gibt anscheinend auch eine ganze Menge Zorn, wo man zornig ist und die Sachen nicht gut sind.
Heute drehen wir uns um diese zweite Sache, da, wo Zorn ungerechter Zorn wird.

Was Ungerechtigkeit auslöst

Wir müssen noch ein bisschen weiterdenken. Was ist eigentlich Ungerechtigkeit? Was ist eigentlich Ungerechtigkeit? Ich will das mal so erklären: Gott hat eine Vorstellung von Leben. Wenn Gott sich Leben vorstellt, dann ist Leben geprägt von Schönheit. Leben ist geprägt von Beziehungen. Leben ist davon geprägt, dass Kreativität da ist und dass es Sinnhaftigkeit gibt. Ihr findet das alles am Anfang der Bibel. Gott schafft Leben, und all diese Dinge sind da.
Und Ungerechtigkeit geschieht an der Stelle, wo man diese vollkommene Vorstellung von Leben, die Gott hat, verletzt. Ungerechtigkeit zeigt sich genau dort, wo man die Schönheit der Schöpfung unter Müllbergen begräbt. Sie zeigt sich dort, wo man die Beziehungsebene durch Streit kaputt macht. Sie zeigt sich dort, wo man die Kreativität von Menschen durch Versklavung ruiniert. Oder eben auch da, wo man mit falschen Philosophien den Menschen den Sinn raubt. Überall dort zeigt sich Ungerechtigkeit.
Und wenn jetzt Ungerechtigkeit, egal in welcher Facette, in mein Leben einbricht, also wenn ich nicht nur der Zeitungsleser bin, der davon liest, dass einem anderen irgendwo auf der Welt etwas Böses passiert, sondern wenn ich selbst Opfer werde, dann werde ich zornig. Und genau genommen ist es so: Du wirst umso zorniger, je mehr Ungerechtigkeit dir passiert.
Und ich will das mal auf den Punkt bringen. Wenn du davon gelesen hast, dass ein jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird, und du bist in diesem Moment nicht zornig, dann hast du tatsächlich die Heiligkeit Gottes noch nicht verstanden. Du hast noch nicht verstanden, wie Gott über Leben denkt, wie der Schöpfer des Universums zu einer solch grausamen Ungerechtigkeit steht. In solchen Momenten ist Zorn Pflicht. Und wir werden uns beim nächsten Mal über Gott und über Gottes Zorn, über gerechten Zorn, noch viel mehr Gedanken machen.
Ich muss das hier nur schon sagen: Wenn Ungerechtigkeit in unser Leben kommt, dann kann es Momente geben, wo Zorn einfach Pflicht wird. Wo, wenn du das nur runterschluckst und verdrängst, du dir keinen Gefallen tust.

Biblische Beispiele für zerstörerischen Zorn

Ich lese euch mal jemanden vor, der richtig sauer ist. Es gibt tolle Psalmen, es gibt einfach fantastische Psalmen. Ich lese euch mal jemanden vor, der so richtig fettstinkig ist. Da hat das jemand erlebt.
 Psalm 109, und ich lese die Verse 1 bis 3 und 6 bis 10. Ihr müsst nur zuhören, ihr müsst euch einfach nur hineinversetzen. Und es ist David, okay? Und David sagt dem Chorleiter von David einen Psalm:
Gott meines Lobes, schweige nicht! Denn den Mund des Gottlosen und den Mund des Betrugs haben sie gegen mich geöffnet. Mit Lügenzungen haben sie zu mir geredet, mit Worten des Hasses. Haben sie mich umgeben und ohne Grund gegen dich gestritten?
Und jetzt Vers 6. Ich weiß nicht, ob du jemals so sauer warst und so gebetet hast:
Bestelle einen Gottlosen über ihn, meinen Feind, einen Verkläger. Er trete zu seiner Rechten. Aus dem Gericht gehe er als Schuldiger hervor. Sein Gebet werde zur Sünde. Seiner Tage seien wenige, sein Amt empfange ein anderer. Seine Kinder seien Waisen und seine Frau eine Witwe. Herumirren sollen seine Kinder und betteln, Überreste suchen aus ihren Trümmern.
Hier ist einer richtig sauer, richtig sauer. Also, ich weiß nicht, ob du weißt, dass es solche Texte in der Bibel gibt. David ist wirklich stinkwütend. Er will Rache, er will, dass seine Feinde bezahlen, er will, dass die komplette Familie bezahlt.
Es gibt einige dieser Rachepsalmen. Wir sind, wenn wir das vorlesen, immer so ein bisschen verlegen. Darf man so beten? Die Feinde und die ganze Familie vernichten, das ist schon ein bisschen grob, oder?
Anscheinend, und ich will das erst mal nur hier so weit sagen, ist es so, dass Gott mir Rache verbietet, aber nicht verbietet, so zu beten, dass dieses Gebet ein Ventil ist für meine Wut, die ich vor Gott äußere, so wie sie da ist und wie sie auch gerechtfertigt ist, wenn echte Ungerechtigkeit in mein Leben einbricht.

Die Wurzeln des ungerechten Zorns

Gott ist, und das müssen wir festhalten, nicht grundsätzlich gegen Zorn. Er selbst ist zornig auf das Böse, oder anders ausgedrückt: Zorn ist eine Idee Gottes. Wenn du zornig wirst, dann spürst du etwas, das nicht grundsätzlich böse oder falsch ist.
Weisst du, was die Aufgabe von Zorn ist? Wozu werden Menschen zornig? Warum hat Gott Menschen so gemacht, dass sie zornig sein können? Die Antwort lautet: Zorn ist dazu da, in uns die Leidenschaft für den Kampf gegen Sünde zu schenken. Dafür ist Zorn da.
Und deswegen, wenn wir jetzt überlegen, was der Schwerpunkt, die Quintessenz von gerechtem Zorn und die Quintessenz von ungerechtem Zorn ist, und das noch einmal auseinanderhalten, bevor wir uns dann dem ungerechten Zorn widmen, dann ist die Quintessenz von gerechtem Zorn, wie Gott es spürt, gegen alles Böse, der Hass auf Sünde und die Liebe zu Gottes Vorstellung von Leben in seiner ganzen Heiligkeit und Schönheit.
Ungerechter Zorn: Im Zentrum von ungerechtem Zorn steht eigentlich der Hass auf die eigene Verletzlichkeit, die natürlich niemand mitbekommen darf. Und es steht eine Liebe zu Kontrolle dahinter. Ich möchte, dass die Situation mir nicht aus den Händen entgleitet.
Ich bringe euch mal drei Beispiele von ungerechtem Zorn, wo wir merken, dass es wirklich darum geht, dass man sich bei ungerechtem Zorn selber ein Stückchen aus der Schusslinie nimmt.
Ein simples Beispiel: Kennt ihr Menschen, die immer wütend sind? Also, ich hoffe, keiner von euch ist das. Und ich glaube es auch nicht. Soweit ich euch kenne, seid ihr nicht so. Aber es gibt Menschen, die sind wie ein Vulkan auf zwei Beinen. Da blubbert es einfach die ganze Zeit. Wenn die einen Raum betreten, dann fällt die gefühlte Temperatur um zwanzig Grad. Es wird kalt. Sie verbreiten um sich herum so eine Aura der Ärgerlichkeit, sind leicht reizbar, und sie setzen mit diesem Groll, den sie permanent ausstrahlen, andere unter Druck.
Für solche Menschen ist Zorn, Ärger, ein Mittel, um anderen Menschen ihren Willen aufzuzwingen. Sie verbreiten so eine Aura: Leg dich bloss nicht mit mir an. Und wenn man auch weiss, dass das alles keinen Sinn hat, das hat man oft genug durchgespielt, deswegen macht man es dann auch nicht.
Und was solche Menschen tun, ist: Mit ihrem Zorn nehmen sie anderen Menschen das Recht auf eigene Entscheidungen. Warum macht man das? Na ja, Zorn als Ausdruck von Dominanz, von: Ich will hier herrschen, ist eigentlich ein Ausdruck von Angst. Ich habe eigentlich Angst davor, dass fremde Entscheidungen mir gefährlich werden könnten. Und deswegen ist die sicherste Art, so etwas zu vermeiden, immer Einschüchterung. Wenn ich dem anderen einfach verbiete, eigene Entscheidungen zu treffen, super, da kann mir nichts passieren.
Eine Form, wie sich ungerechter Zorn in der Gesellschaft zeigt, ist eine andere Form, die ist noch schöner. Die sieht man bei kleinen Kindern, und sie geht einher mit den Worten: „Meins, meins.“ Ja, so dieses: Es gibt da was, das will ich haben. Wenn wir ehrlich sind, ist das bei Erwachsenen dann noch ein bisschen gröber. Das will ich nicht nur haben, das muss ich haben, weil es nämlich eigentlich etwas ist, was ich unbedingt brauche, um glücklich zu sein. Es ist so ein Stückchen Himmel auf Erden oder, in der Sprache von Der Herr der Ringe: Mein Schatz!
Ja, also diese Richtung: Da gibt es etwas, und das brauche ich unbedingt, und ich werde fuchsteufelswild, wenn du dir erlaubst, mir das wegzunehmen. Und das ist der Grund, warum der kleine Junge, wenn er sein Schwesterherz durch den Raum hindurch sieht, wie sie gerade mit seinem Traktor spielt, schreit, losrennt und ihr das Ding entreisst.
Aber das ist auch der Grund, warum manche älteren Jungs ein sehr komisches Verhältnis zu ihrem fahrbaren Untersatz haben oder zu anderen Dingen, die man unbedingt haben muss, die ein Ausdruck von Himmel sind und die dazu da sind, mit ein bisschen Befriedigung die Leere zu füllen, die ich in mir spüre. Und wo Menschen verhungern, die um sich beissen, wenn jemand ihnen ihren Knochen wegnehmen will.
Dann gibt es noch eine Form, wie sich ungerechter Zorn zeigt, und ihr wartet wahrscheinlich schon darauf, weil es die Form schlechthin ist. 1. Mose 4. Ich lese euch ein paar Verse vor. Da treffen wir auf den Prototypen des Zornigen, auf Kain. Und auch das mischt sich immer in ungerechten Zorn mit rein: Kain ist der, der hasst. Ich lese euch das mal vor.
 1. Mose 4: Und der Mensch erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger und gebar Kain, den Erstgeborenen. Und sie sagt: Ich habe einen Mann hervorgebracht mit dem Herrn. Halleluja, es geht weiter, ja, Leben geht voran, wunderschön. Und sie gebar noch einmal, und zwar einen Bruder, den Abel, und Abel wurde ein Schafhirt, und Kain wurde ein Ackerbauer.
Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem Herrn eine Opfergabe, und Abel brachte auch eine Opfergabe, von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr blickte auf Abel und auf seine Opfergabe, aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht.
Und es liegt nicht daran, was sie geopfert haben, sondern es liegt daran, dass der eine, Abel, glaubte, und Kain glaubte nicht. Also Abel brachte ein Opfer, weil er wirklich eine Beziehung zu Gott hatte und Gott ehren wollte mit dem Opfer, und Kain brachte ein Opfer, weil das so Tradition ist. Er wollte nicht auffallen, dass er mit Gott eigentlich nichts anfangen kann.
Und jetzt passiert, was nicht hätte passieren dürfen, zumindest im Denken von Kain: Gott bringt zum Ausdruck, ich will dein Opfer nicht. Und bei Kinderbibeln ist es dann so, dass der Rauch nicht aufsteigt, sondern so zur Seite weggeht. Keine Ahnung, steht nicht da. Aber irgendwie war klar: Gott hat sich von mir nicht reinlegen lassen. Was passiert jetzt?
Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich. Wieder Kinder sind toll, ja? Da haben wir ihn, da wird jemand zornig, da wird jemand blossgestellt. Und seine Reaktion ist nicht: „Boah, ich bin echt ein Dummkopf, ja, was mache ich hier eigentlich? Ich will mit Gott Spielchen spielen, was soll das denn?“ Seine Reaktion ist Zorn. Wehe, wenn mich jemand blossstellt, wehe, wenn mir jemand wehtut. Wo das passiert, lasse ich mich nicht zurückpfeifen.
Und da kommt Gott und sagt: Der Herr sprach zu Kain: Warum bist du zornig, warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Ist es nicht so, wenn du Recht tust, erhebt es sich? Überleg doch mal, Kain, was machst du da? Du tust unrecht, und man sieht dir äusserlich an, wie es dir geht. Könntest du vielleicht einfach jetzt an der Stelle Busse tun und mir gegenüber bekennen, dass das alles nur Fake und Show war, und einfach von vorne durchstarten? Mehr will ich doch gar nicht.
Aber pass auf: Wenn du das nicht tust, wenn du aber nicht Recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Ja, du bist dabei, die Tür zu öffnen für etwas viel Schlimmeres, und die Sünde ist wie ein wildes Tier. Wenn du ihr die Tür öffnest, kommt sie in dein Leben und macht alles kaputt. Wenn du aber nicht Recht tust, lagert die Sünde vor der Tür, und nach dir wird ihr Verlangen sein. Du aber sollst über sie herrschen. Du bist eigentlich dazu berufen, Sünde zu beherrschen, aber der Zorn öffnet die Tür für viel Schlimmeres.
Und wir wissen, was jetzt kommt, nämlich der erste Mord. Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel, und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. Wehe, wenn mich jemand blossstellt, wehe, da wird jemand bezahlen, und ich werde das nicht sein. In diesem Fall ist es der eigene Bruder.
Hass, Zorn, der entsteht, weil ich mich ohnmächtig fühle, unfähig, weil ich entlarvt werde, und mein Zorn gibt mir für einen kurzen Moment die Illusion von Macht. Ein Zorn, der keine Autorität über sich anerkennen will, der einfach nur randalieren und verletzen möchte.
Vielleicht gibt es noch mehr Ausdrucksformen von ungerechtem Zorn. Ich wollte euch diese drei vorstellen: der, der dominiert, der das Recht auf Entscheidung nimmt; der, der besitzen will, weil er sich so ein Stückchen Himmel auf Erden sichern will; und der, der nicht entlarvt werden möchte, der nicht mit seiner Scham konfrontiert werden möchte und deshalb alle Autorität ablehnt und andere verletzt.
Ungerechter Zorn, und den gibt es, ist eigentlich immer ein Streben nach Unabhängigkeit. In Psalm 2 finden wir das ganz stark. Das ist eigentlich ein messianischer Psalm, und dort hören wir den religiösen und politischen Führern zu, die sich zur Zeit Jesu gegen Jesus stellen. Da heisst es dann in Psalm 2, die ersten drei Verse: Warum toben die Nationen, warum sind die Heiden so zornig und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen den Herrn und seinen Gesalbten.
Und jetzt der Grund: Warum sind die Leute so zornig? Ich sagte ja, ungerechter Zorn hat ganz viel mit Unabhängigkeit zu tun. Der Grund ist das, was die Leute damals, die zornigen Gegner Jesu, in ihrem Herzen dachten: Lasst uns zerreissen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke. Warum sind die Menschen zornig und toben und wüten? Die Antwort ist: Weil sie sich nicht beugen wollen. Sie wollen sich von Gott losmachen, sie wollen Gottes Herrschaft abschütteln.
Und der ungerechte Zorn ist das Mittel, das der Mensch benutzt, um das Band zu zerbrechen, das ihn als Geschöpf mit dem Schöpfer verbindet. Ungerechter Zorn befreit uns scheinbar von der Verpflichtung, einem Gott vertrauen zu müssen, der sich nicht unseren Erwartungen und Wünschen beugt. Also deswegen: Unabhängigkeit.
Ungerechter Zorn strebt nach Unabhängigkeit und ist deshalb immer ein Zorn, der nicht warten kann. Der, der ungerecht zornig ist, der will eine bessere Welt, und zwar besser in dem Sinne, wie er das selber versteht. Er will seine Form von besserer Welt durchsetzen, aber er will nicht warten, er will das sofort.
Der zornige Mensch sieht das Leben, er sieht auch die Gefahren des Lebens, aber er will einfach nicht akzeptieren, dass es Gott ist, der beim gesamten Thema Erlösung, und das hat eine heilsgeschichtliche Dimension, das hat aber auch eine sehr persönliche Dimension, da, wo Gott mich von meinen Problemen und von meiner Not erlöst, dass in allen diesen Aspekten Gott sein eigenes Timing hat und dass Gott derjenige ist, der einen eigenen Plan verfolgt.
Und der ungerecht Zornige stellt sich hin und sagt: Das will ich nicht. Ich will dieses Band der Abhängigkeit, ich möchte das abschütteln, ich möchte nicht Gott vertrauen müssen, ich möchte hier das Recht in die eigene Hand nehmen. Das ist das, was ungerechten Zorn im Innersten ausmacht.

Wie man mit ungerechtem Zorn umgeht

Und deswegen sagt Jakobus in Jakobus 1,19, da geht es noch mal um dieses Nicht-warten-können: Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder, jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
Sei vorsichtig mit dem Zorn, spring da nicht gleich rein. Warum? Weil diese Form von überhitztem Zorn, dieses Reinspringen, nicht Gottes Gerechtigkeit wirkt. Wenn du in den Zorn hineinspringst, wenn du nicht warten kannst, wenn du denkst: Ich habe aber doch jetzt das Recht, so zu reagieren, Gott zu spielen, dann rechne damit, dass du dich selber versündigst.
Die Frage ist: Wie gehe ich, wenn ich das jetzt so beschreibe und du sagst: Boah, das kenne ich, wie gehe ich mit ungerechtem Zorn in meinem Leben um? Reicht es, wenn ich ihn erkenne, Buße tue und dann lieb bin? Reicht es? Das ist ein guter Anfang, will ich jetzt also nicht durchstreichen.
Im Epheserbrief, Kapitel 4, Vers 31, der Vers hat mich auf meinem persönlichen Glaubensleben schon eine ganze Weile begleitet und war immer so ein mahnender Vers, wo ich wirklich sagen kann: Der hat mir geholfen, da, wo ich selber zornig war, wo diese Idee, das ist gar nicht so schlimm, immer auch mal wieder von der anderen Seite zu betrachten. Da heißt es in Epheser 4,31: Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit.
Also wenn du Zorn als Ausdruck von Wut, Geschrei, Bosheit verstehst, dann sagt die Bibel ganz klar: Hau das raus! Es ist wirklich so, dass es gut ist, solchen Zorn zu lassen und Liebe zu lernen. Es ist nur so: Darüber habe ich schon genug gepredigt, und deswegen möchte ich jetzt noch einen Schritt weitergehen und noch zwei, drei Dinge dazu sagen, was auch noch wichtig ist.
Ja, wenn du so ein zorniger Typ bist, dann musst du da ran. Und ich möchte dir einfach noch zwei Verse mitgeben, zwei Verse, die uns helfen, in diesem Moment, wo wir zornig werden, vielleicht besser zu reagieren. Da heißt es in Psalm 37,7-8: Das ist so ein Moment, wo wir auf jemanden treffen, der gerade sich die Frage stellt, wie gehe ich mit meinen Emotionen um? Sie sind dabei durchzugehen, wie so ein Pferd, das davonlaufen will. Und der, der den Psalm geschrieben hat, David, der sagt in Psalm 37,7-8: Sei still dem Herrn und harre auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Pläne ausführt. Lass ab vom Zorn und lass den Grimm. Entrüste dich nicht, es führt nur zum Bösen.
Also ich komme in so eine Situation hinein: Was mache ich denn jetzt, wenn jetzt so in mir die Wut hochkocht? Psalm 37,7-8 sagt: Wenn du zornig wirst, dann finde den Ausschalter. Still werden, harren, sich nicht in die Schlacht werfen. Mir gefällt das Bild der Entgiftung. In dir brodelt alles, und der Text sagt: Halte doch mal die Spannung in dir aus. Du fühlst die Wut, du möchtest am liebsten zurückschlagen, mach es jetzt nicht. Halte den Druck aus. So wie die Wellen am Strand. Du sitzt da und du möchtest innerlich beben, und der Text sagt: Halte das einfach mal aus.
Du hast so eine Woge Zorn über dich hinweg, und dann kommt noch eine Welle. Und wenn du ein Ventil brauchst, wir haben das schon gesehen, du kannst beten. Du kannst die wüstesten Sachen beten, das ist alles okay. Aber halte das einfach mal aus. Und es geht bei diesem Aushalten, beim Warten, beim Nicht-losschlagen, obwohl innerlich alles kocht, nicht darum, dass du heuchelst oder dass du deinen Zorn verleugnest. Es geht einfach nur um eine Pause. Es geht darum, Zeit zu haben. Zeit, um unserer eigenen Wut mal ins Auge zu blicken.
Wisst ihr, wenn der Zorn aus uns rausplatzt, dann passiert so viel, dass wir keine Möglichkeit mehr haben, hinter die Fassade unseres ungerechten Zorns zu blicken. Ihr wisst genau, was dann passiert. Wenn die Wut erst mal raus ist, wenn man sich anschreit, wenn die Türen knallen, jemand die Musik ganz laut dreht, dann geht das vorbei. Aber wenn man das aushält, wenn man einfach mal still ist und innerlich das einfach mal erträgt, dann merken wir vielleicht, dass unser Zorn eine tiefere Dimension besitzt. Dass unser Zorn sich eben nicht nur auf die andere Person oder auf die Situation bezieht, sondern dass unser Zorn ein Zorn ist, der, das geben wir aber erst verzögert zu, sich eben auch gegen Gott richtet. Gegen einen Gott, der scheinbar schweigt oder es scheinbar nicht geschafft hat, mir zu sagen, ich muss früher losfahren. Oder gegen einen Gott, der sich scheinbar nicht um mich kümmert, der mich scheinbar vergessen hat.
Ich blubber gegen Menschen, aber dahinter steckt etwas viel Radikaleres. Und deswegen, wenn wir für den Moment schweigen, wenn wir nicht gleich losblubbern, wenn wir die Situation nicht gleich eskalieren lassen, dann haben wir vielleicht die Gelegenheit, das mitzubekommen. Und dann haben wir vielleicht nicht nur den Vorteil, den Schaden nicht wiedergutmachen zu müssen, den ungerechtfertigter Zorn in meinen Beziehungen anrichtet, sondern dann habe ich vielleicht die Chance, einen Schritt weiterzugehen und in dieses Ringen mit Gott einzutreten, um das es eigentlich geht.
Noch ein Vers. Den habe ich mir vorgenommen auswendig zu lernen, den kannte ich noch nicht vor der Vorbereitung, den fand ich auch schön. Psalm 4,5, also wenn ihr einen auswendig lernt, ich glaube, das wäre Epheser 4,31 und Psalm 4,5. Die beiden würde ich so als Quintessenz dieser Predigt mit nach Hause nehmen.
Hier, ich lese ihn euch vor: Erbebt, aber sündigt nicht, denkt nach in eurem Herzen, auf eurem Lager, aber seid still. Noch mal: Erbebt. Also du musst dir ja jemanden vorstellen, der, ja, so ein Typ, ja, so, erbebt, das ist nicht schlimm, du kannst ja auch nicht anders. Ja, bestimmte Situationen sind, wie du es gebetet hast, ja, da kommen sie, boah, ja, die sind da, bumm. So, erbeben ist okay, aber erbebt, aber sündigt nicht.
Wie schaffe ich das? Ich schaffe es dadurch, dass was will ungerechter Zorn? Ich habe gesagt, ungerechter Zorn möchte Kontrolle ausüben, er möchte besitzen und er möchte zerstören. So, und normalerweise sehen wir, wenn die Wut hochkocht, ist das wie so ein Startschiff: bumm, und jetzt geht es aber richtig zur Sache. Und jetzt kommt hier David und sagt: Wenn die Wut hochkocht, dann soll das ein Startschuss sein. Ja, richtig, lass es ein Startschuss sein. Wofür? Lass es ein Startschuss sein für: Denkt nach.
Das ist cool, oder? Also du kochst innerlich, und David sagt: Denkt nach in eurem Herzen, auf eurem Lager, aber seid still. Herrlich, herrlicher. Wenn du sauer wirst, wenn die Wut so richtig kocht, wenn du innerlich erbebst, was wäre, wenn das der Startschuss wäre für ganz tiefes Nachdenken über Sünde? Stell dir vor, du würdest das machen. Du bist echt so richtig, und du denkst dir: Okay, wann immer ich sauer bin, finde ich den Ausschalter und fange an, nachzudenken.
Ich gebe dir mal drei Themen, über die du nachdenken könntest. Man kann ja eh nicht schlafen, das muss einem ja klar sein. Wenn man so drauf ist, wenn mir das so geht, ganz ehrlich, dann stiefle ich durch den Wald. Ich stiefle normalerweise langsam durch den Wald, das ist, wenn ich schnell durch den Wald stiefle.
Denk nach, worüber nachdenken? Also erstens: Denk darüber nach, was will ich wirklich? Also in mir drin steckt Zorn, und wir reden jetzt über ungerechten Zorn. In mir steckt dieser Zorn, und die Frage ist: Was will ich wirklich? Will ich wirklich das, was rauskommt, wenn ich diesem Zorn freien Lauf lasse? Oder, ein bisschen heiliger formuliert: Reflektiert dieser Zorn eigentlich die ganze Tiefe meiner von Jesu Liebe erlösten Leidenschaft für dieses Leben und für andere Menschen? Oder gibt es da hinter dieser oberflächlichen Wut vielleicht noch eine tiefere Sehnsucht, eine Sehnsucht, die tiefer geht als nur Recht zu haben, nur zu besitzen oder nur mich zu verstecken? Gibt es da vielleicht etwas, was ich mir wirklich wünsche? Offenbart mir mein Zorn vielleicht etwas über mein Verhältnis zu Gott? Boah, fang darüber an nachzudenken.
Zweiter Punkt: Du könntest darüber nachdenken, wenn du gerade zornig bist. Es gibt ja dieses Prinzip, dass wenn wir Sünde im Leben eines anderen sehen, ja, das ist das mit dem Balken und dem Splitter. Also wenn du den Splitter im Auge eines anderen siehst, dann solltest du den Balken aus deinem eigenen Auge entfernt haben. Also wenn du zornig anfängst, die Sünde im Leben eines anderen Menschen zu hassen, wäre es doch gut, darüber nachzudenken, ob du die gleiche Sünde in deinem Leben mit dem gleichen Hass hast. Es wäre doch mal interessant zu hören, was da eigentlich Sache ist, und die Frage zu beantworten: Wenn ich zornig bin, was offenbart mir mein Zorn über meinen Umgang mit Sünde?
Jetzt kommen wir zum dritten Punkt, und das ist irgendwie der gröbste. Ich könnte in dieser Zeit darüber nachdenken, über das, was Gott gefühlt hat. Überleg mal: Der Zorn, den du gerade fühlst, das ist nur ein Bruchteil von dem Zorn, den Gott gefühlt hat deinetwegen. Das ist ein Bruchteil von dem Zorn, den Jesus am Kreuz ausgehalten hat deinetwegen. Du könntest nachdenken, was das für ein Gott ist, der seine gerechte, abgrundtiefe, alles verzehrende Wut auf Sünde gegen sich selber richtet, was das für ein Gott ist.
Und ich sage das deshalb am Ende, weil, wenn wir nicht nur ungerechten Zorn loswerden wollen, sondern wenn wir mehr wollen, wenn wir auch verstehen wollen, was gerechter Zorn ist, dann müssen wir tatsächlich anfangen, Ehrfurcht vor Gott zu entwickeln. Wir müssen es lernen, dass, wenn wir über Gott nachdenken und so ein Schauer über den Rücken läuft, weil ich merke, dass Gott ein Gott ist, der wirklich das Böse in all seinen Schattierungen hasst.

Der eigentliche Lernschritt: Gottes Heiligkeit und gerechter Zorn

Ich werde jetzt noch etwas sagen, was sich erst schräg anhört, aber vielleicht könnt ihr noch mitgehen. Wenn du Probleme mit ungerechtem Zorn hast und jetzt über deinen Zorn nachdenkst, dann könnte der Eindruck entstehen, wir tun das, damit sich unser Zorn abkühlt.
„Ich habe zu viel Zorn im Leben, und ich muss jetzt weniger zornig werden.“ Die Wahrheit ist genau andersherum: Du hast zu wenig Zorn in deinem Leben.
Wir müssen auf der einen Seite, das ist überhaupt keine Frage, ungerechten Zorn loswerden. Aber streng genommen besteht unser Problem darin, dass wir nicht zornig genug sind. Gott ist zornig auf alles Böse, und er hat uns diese Emotion des Zorns gegeben, damit wir in gerechtem Zorn gegen Sünde aufstehen und ihm in diesem Kampf gegen die Sünde folgen.
Ungerechter Zorn, der sich aus Angst speist oder aus Besitzgier oder aus Scham und sich dann auch gegen Menschen richtet, ist eigentlich nur eine völlig abgeschmackte, billige Version des Zorns, der in Gott gegen alles Böse brennt und der auch in uns gegen alle Sünde und alle Ungerechtigkeit brennen sollte. Versteht ihr? Wir haben die billige Variante, und der Teufel benutzt sie, damit wir das Eigentliche nicht kennenlernen.
Wir rauchen uns hier auf, uns mit ungerechtem Zorn gegenseitig das Leben schwer zu machen, statt dass wir begreifen: Ja, wir müssen den ungerechten Zorn loswerden. Aber nicht dadurch, dass du sagst: Okay, ich schmeiße alles zornige Gefühl aus meinem Leben raus. Das ist völliger Unsinn. Worum es geht, ist festzustellen, dass es einen Gott gibt, der das Böse hasst, und dass es einen gerechten Zorn gibt. Und dass wir da, wo wir in unserer Beziehung zu Gott wachsen, in unserer Heiligung wachsen, nicht nur lernen, den ungerechten Zorn sein zu lassen, sondern auch ein Verständnis dafür gewinnen, was bitte schön gerechter Zorn ist.
Und dann müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie gerechter Zorn auf alles Böse sich im Leben eines Gläubigen verwirklichen kann. Und das machen wir das nächste Mal.
Heute ging es mir tatsächlich erst mal nur um den ungerechten Zorn. Und mir war wichtig, dass ihr ihn als eine Chance begreift, da, wo er in eurem Leben da ist. Dass ihr ihn als eine Chance begreift, ihn als Startpunkt zu benutzen, um tiefer über eure wahren Sehnsüchte nachzudenken, über unsere eigene Schuld nachzudenken und über Gottes schreckliche Heiligkeit nachzudenken.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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