
Verzagtheit. Den aufrechten Gang lernen?
Jesus heilt eine Frau am Sabbat (Lukas 13,10-17)
Lukas 13,10-1715.06.2025
Serie•Teil 3 / 3Begegnungen, die dein Leben verändern
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Halt, der über das Sichtbare hinausgeht
Ein verzweifelter Mensch hat einmal gesagt: Das einzige, was mich hier noch hält, ist die Erdanziehung.
Nun, wenn das der einzige Grund zu leben ist. Physikalisch gesehen hält mich natürlich auch die Erdanziehung, so wie uns alle. Aber inneren Halt oder eine Haltung, das bietet die Welt nicht, trotz aller Anziehung, die von ihr ausgehen mag.
Mich hält Gott. Es gibt ein altes Lied, das sagt: Herr, weil mich festhält deine starke Hand, vertraue ich still, weil du vor Liebe dich zu mir gewandt, vertraue ich still. Und das singen Christen auch aus unterschiedlichen Generationen mit Überzeugung.
Weil da ein Gott ist, der uns an seiner Hand hält, weil da ein Gott ist, der verlässlich ist, ein vertrauenswürdiger Gott, ein Gott, der sich mit Menschen abgibt, die verzweifelt sind, die auch zum Teil schuld sind an ihrer Situation. Es ist ein erbarmungsvoller Gott, ein liebender Gott, von dem wir hier reden.
Nun, wie sich Jesus Christus in Liebe einem Menschen zuwendet, davon erzählt unser heutiger Bibeltext, der wiederum im Lukasevangelium zu finden ist, im 13. Kapitel. Und ich lese uns mal die entsprechenden Verse ab Vers 10 vor.
Da heißt es: Jesus lehrte an einem Sabbat in einer Synagoge. Unter den Zuhörern war eine Frau, die seit 18 Jahren unter einem bösen Geist zu leiden hatte, der sie mit einer Krankheit plagte. Sie war verkrümmt und völlig unfähig, sich aufzurichten. Jesus bemerkte sie und rief sie zu sich. „Liebe Frau“, sagte er, „du bist frei von deinem Leiden.“ Und er legte ihr die Hände auf. Im selben Augenblick konnte sie sich wieder aufrichten, und sie fing an, Gott zu preisen.
Doch der Synagogenvorsteher war empört darüber, dass Jesus die Frau am Sabbat geheilt hatte. Er sagte zu der versammelten Menge: Es gibt sechs Tage, die zum Arbeiten da sind, an diesen könnt ihr kommen und euch heilen lassen, aber nicht am Sabbat.
Der Herr entgegnete ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch auch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel vom Futterplatz los und führt ihn zur Tränke? Und diese Frau hier, die der Satan volle 18 Jahre lang gebunden hielt und die doch eine Tochter Abrahams ist, die sollte am Sabbat nicht von ihren Fesseln befreit werden dürfen?
Diese Antwort Jesu brachte alle seine Gegner in große Verlegenheit, das ganze Volk jedoch freute sich über all die wunderbaren Dinge, die durch ihn geschahen.
All die wunderbaren Dinge, die durch Jesus geschahen, das ist ja nun der dritte Abend in dieser Reihe. Und man könnte übrigens drei Wochen lang Abend für Abend solche Texte anschauen, und wir werden immer wieder Dinge entdecken, die der Herr getan hat, die auch voller Lehre und Relevanz sind für uns alle. Und ich wünschte, dass das, was hier am Ende von diesem Text steht, auch unser Empfinden ist: dass wir uns freuen über all diese wunderbaren Dinge, die durch Jesus geschehen, die auch aus der Gegenwart, wie heute Abend von Anita berichtet werden.
Der besondere Ort der Begegnung
Nun, dieser Text beginnt mit den Worten, dass Jesus an einem Sabbat in einer Synagoge lehrte. Der Sabbat ist ein Tag, der sich von anderen unterscheidet. Die Synagoge ist ein Haus, das sich von anderen unterscheidet.
Synagoge heißt, aus dem Griechischen übersetzt, Versammlungshaus. Dort treffen sich bis heute die Mitglieder einer jüdischen Gemeinde, um miteinander zu beten, miteinander zu feiern, miteinander zu lernen und miteinander zu diskutieren.
Wenn jeder Tag ein Werktag wäre und jedes Haus nur von Menschen bewohnt wäre, dann hätten wir keinen Platz mehr für Gott. Weder zeitlich, wenn wir an diesen besonderen Tag denken, noch räumlich, wenn wir an dieses besondere Haus denken.
Johann hat in der Anmoderation davon gesprochen, dass wir mit Gott Begegnungen haben können. Begegnungen, die dein Leben verändern, ist unser Motto. Und die Frage, die Johann in den Raum gestellt hat, ist: Wo trifft man denn diesen Jesus?
Wenn jedes Haus nur von Menschen bewohnt wäre, dann hätten wir ja kaum Gelegenheit, diesen Gott kennenzulernen. Aber es gibt eben diese besonderen Häuser. Und auf die Frage, wo man denn diesen Jesus trifft, hat er selbst eigentlich die Antwort gegeben. Denn er sagte einmal: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich.
Also, wenn du dir die Frage stellst, wo Jesus ist, dann sagt er: Da bin ich. Da, wo sie kommen, um mir Ehre zu machen, indem sie von mir singen, von mir erzählen und auch zu mir beten, da bin ich gegenwärtig. Und da ist meine Gegenwart auch spürbar.
Viele, die Gottesdienste besucht haben, in denen Jesus im Mittelpunkt stand, haben das erlebt. Es gibt natürlich auch Gottesdienste, in denen alles Mögliche im Mittelpunkt steht. Da wird über alles gepredigt, nur nicht über Jesus. Aber da, wo Jesus im Mittelpunkt steht, hat man es oft empfunden: Er ist tatsächlich gegenwärtig, er ist erfahrbar.
Das, wovon wir hier reden, ist keine Einbildung. Natürlich haben wir Jesus mit unseren physischen Augen noch nicht gesehen. Aber wir erleben seine Gegenwart, seinen Zuspruch, seinen Trost. Wir erleben auch, dass er unsere Gebete erhört und dass er Wunder tut.
Wenn jeder Tag ein Werktag wäre, stell dir das einmal vor, dann wäre das anstrengend. Wenn jedes Haus nur von Menschen bewohnt wäre, dann wäre unser Blick nur auf irdische Dinge gerichtet. Und wegen der Erdanziehung wäre unsere Körperhaltung bald die jener Frau, von der wir hier in diesem Text gelesen haben.
Ohne Gott lebt der Mensch ohne Hoffnung. Ohne Hoffnung, die über dieses Leben hinausgeht. Also ohne eine Hoffnung, die weiß, dass Gott etwas vorbereitet hat für die, die an ihn glauben. Eine Welt, die eben nicht von Krieg gekennzeichnet ist, nicht von Egoismus gekennzeichnet ist, nicht von sonstigen Gewaltverbrechen, auch in den Familien nicht von Missbrauch gekennzeichnet ist, nicht von Zerstörung gekennzeichnet ist, nicht von abblätternder Farbe und nicht von Vandalismus und all dem, was wir in dieser Welt sehen und was uns unzufrieden zurücklässt, um nicht zu sagen: was uns vielfach ärgert.
Es ist eine Welt, in der wir uns nicht immer wohlfühlen. Es ist eine Welt, die Gott nicht so gemacht hat, wie wir sie vorfinden, weil der Mensch aus dieser Welt das gemacht hat, was sie ist.
Ja, ohne Gott läufst du gebückt. Diese Frau läuft ja, als würde sie nach irgendetwas suchen. Der Blick ist nach unten gerichtet. Wenn einer herumläuft und immer nach unten schaut, dann fragst du: Hast du etwas verloren?
Viele Menschen haben etwas verloren. Sie laufen so, als würden sie etwas suchen. Sie leben so, als würden sie etwas suchen. Nun, gefunden hat diese Frau glücklicherweise den Weg in die Synagoge. Und dass sie heute an einem Sonntag hier sind, das ist ja schon eine Art Gottesdienst. Das ist ja durchaus auch ein glücklicher Umstand.
Gott trifft sich gerne mit uns, und am liebsten macht er Termine mit uns am Sabbat. Das Zelt steht ja nun nicht immer hier, und man kann nicht jeden Abend zu so einer Veranstaltung kommen. Ich lade Sie jetzt schon ein, Gottesdienste zu besuchen, in denen Jesus im Mittelpunkt steht.
Da will ich gar nicht in erster Linie Werbung machen für die veranstaltende Gemeinde. Die Tür steht am Sonntag natürlich für jeden offen, und ich weiß, dass es eine Gemeinde ist, in der Jesus im Mittelpunkt ist. Aber auch in Schwelm oder Wuppertal, Remscheid oder sonst wo, überall dort, wo Gemeinden sind, in denen Jesus gepredigt wird und Jesus geehrt wird, da dürfen Sie mit seiner Gegenwart rechnen. Und da sind Sie, glaube ich, an einem Sonntag gut untergebracht, wenn ich das so sagen darf.
Was das Gebot wirklich ausrichten will
So zitiert dieser Synagogenvorsteher zu Recht den Anfang des vierten Gebots, wenn er sagt: Sechs Tage sind es, an denen man arbeiten soll. Ich weiß gar nicht, ob Ihnen das bewusst war, dass in den Zehn Geboten gesagt wird: Du sollst arbeiten. Wir denken da ja immer nur an den zweiten Teil und an einen Ruhetag. Aber was hier in den Zehn Geboten zu finden ist, ist auch dies: Wir sollen sechs Tage arbeiten. Das ist ja auch für diejenigen ganz interessant, die nicht so gerne arbeiten, die so herumhängen, von denen Paulus sagt: Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen. Jetzt einmal abgesehen von Leuten, die nicht in der Lage sind zu arbeiten, das ist natürlich noch einmal ein anderer Fall.
Also, er zitiert das ganz wörtlich: Sechs Tage sind es, an denen man arbeiten soll. Und trotzdem zitiert er das Gebot ja nicht vollständig. Wie geht das weiter? Nun, wir sagen: Sechs Tage soll man arbeiten, und am siebten soll man ruhen. Aber das steht so gar nicht in den Zehn Geboten. Es gibt Verse im Alten Testament, auch in den fünf Büchern Mose, die sagen, dass an diesem Tag auch Ruhe angesagt ist. Aber in den Zehn Geboten heißt es wörtlich: Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, aber der siebte Tag ist Sabbat für den Herrn, deinen Gott. Da steht von Ruhen zunächst einmal gar nichts. Der siebte Tag ist Sabbat für den Herrn, deinen Gott.
Wenn nicht nur die Erdanziehung, sondern Gott uns halten soll, dann sollten wir den Sabbat halten. Dann sollten wir diesen guten Rat Gottes ernst nehmen, diesen einen besonderen Tag dazu zu nutzen, uns einmal aufzurichten, um auf ihn zu sehen. Sabbat heißt also nicht, alle Viere von sich zu strecken, sondern sich nach ihm auszustrecken. So werden gekrümmte Menschen gerade. So werden solche, die sonst immer nur auf der Suche sind, ausgerichtet auf das, worauf es eigentlich ankommt.
Es war vor 75, vielleicht sogar vor 50 Jahren, noch relativ normal in unserer Gesellschaft, dass man am Sonntag zum Gottesdienst gegangen ist. Das war oft eine Volksfrömmigkeit. Da war jetzt nicht immer die Überzeugung dahinter, dass Jesus wirklich Herr im Leben eines Menschen ist. Aber dass auch Kinder zur Sonntagsschule oder zum Kindergottesdienst oder so gegangen sind, war völlig normal. Auch das Tischgebet in den Familien war relativ normal. Das war die große Ausnahme, wenn das ausgeblieben ist.
Die Zeiten haben sich geändert, und ich will nicht rückständig rüberkommen. Aber ich möchte hier schon appellieren: Back to the roots. Kommen wir doch zurück zu dem, was den Generationen vor uns Halt im Leben gegeben hat. Wie verrückt sind wir, das auszurangieren, was unseren Vätern und Großvätern Orientierung und echten Lebenshalt und eine Haltung gegeben hat, nur weil wir so modern sind.
Eigene Grenzen und die heilende Ordnung Gottes
Ich habe, was den Sabbat angeht, so meine Erfahrungen gemacht. Wenn ich an das Jahr 2008 zurückdenke, gab es bei mir eine Phase, in der ich am Ende meiner Kräfte war. Im Dienst für Gott bin ich ja nun schon seit über 25 Jahren im vollzeitlichen Dienst und darf das Evangelium an vielen Orten predigen, früher mehr vor jungen Leuten, heute vor Jung und Alt.
Wenn du dann so viele Veranstaltungen hintereinander hast, ist das oft auch damit verbunden, dass Leute Fragen stellen. Dann ist man mit manchen noch länger in Kontakt, und dann trifft man sich. Dann sollst du da helfen und dort noch einen Workshop halten und so weiter. 2008 war ich irgendwann nicht mehr in der Lage, mich zu konzentrieren. Ich bin vorsichtig mit dem Wort Burnout, aber in diese Richtung ging es mir.
Ich habe festgestellt, dass man selbst in meinem Dienst so sehr mit dem Werk des Herrn beschäftigt sein kann, dass man für den Herrn des Werkes gar keine Zeit mehr hat. Wir sind oft sehr aktiv. Also die, die ich vorhin meinte, die nicht gerne arbeiten, mögen auch hier, wenn sie überhaupt anwesend sind, eine Ausnahme sein. Manchmal ist das Problem vielmehr, dass wir meinen, immer machen, machen, machen zu müssen. Dafür sind wir schon auch geschaffen, wir sind nicht zum Nichtstun geschaffen. Aber Gott will, dass wir diesen einen Tag einhalten.
Als mir bewusst wurde, dass Gott das nicht nur einmal in der Bibel so sagt, sondern immer wieder, war ich sehr dankbar, dass Gott mir jemanden in den Weg geschickt hat. Es war ein Referent aus den USA, der in Dillenburg bei einem großen Kongress über den Sabbat gesprochen hat. Er erklärte mir, dass sein Sabbat so aussieht, dass er an diesem Tag keine technischen Geräte anmacht. Er schaltet weder den Fernseher ein noch fährt er den Computer hoch, sondern nutzt diesen Tag für längere Spaziergänge, für viel mehr Zeit im Gebet, als er das sonst im Alltag tut, für das Lesen eines guten Buches, vor allem aber auch für das Lesen in der Bibel.
Als ich das gemacht habe, ging es mir sehr schnell sehr viel besser. Es ist immer gut, sich an Gottes Wort zu halten. Ich habe es in diesem Fall ausprobiert, und es war wunderbar. Es hat mich in diesem Fall vor einem schlimmeren Zusammenbruch bewahrt. Sich nach dem Herrn auszurichten, so werden gebeugte Menschen wieder gerade. Das will ich an dieser Stelle sagen.
Jetzt möchte ich diesen Text noch einmal ein wenig aufgliedern. Ich habe mir gedacht, man könnte heute Abend über drei Aspekte reden. Jesus sah diese Frau, heißt es in diesem Text. Dann rief er diese Frau. Und drittens heilte er diese Frau. Das dürfen Sie sich so als Gliederung schon einmal mitnehmen.
Erster Punkt: Jesus sah sie.
Er predigt an einem Sabbat in der Synagoge, steht also vor dieser Versammlung. Da sind natürlich die Ältesten der Gemeinde anwesend. So Herr Christian Marsch sehe ich da ja, die also schon ein bisschen ergraute Häupter haben, respekteinflößende Männer, die auch in der Gemeinde etwas zu sagen haben. Die machen Eindruck. Und dann sind da auch junge Männer in dieser Gemeinde, vor der Jesus da steht. Und wenn junge Männer nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch im Gottesdiensteinsatz zeigen, dann finde ich das begeisternd. Und dann werden da auch junge Mädchen gewesen sein und junge Frauen und viele fleißige Hände.
Aber von all denen, die also diese Gemeinde gebildet haben, diese Versammlung, ist überhaupt keine Rede in diesem Text, sondern nur von dieser einen armen, krummen Frau. Der hat kein Mann hinterhergeschaut. Aber für sie unterbricht Jesus seine Rede. Jesus sah sie, heißt es. Nicht, weil sie so schön anzusehen ist, das ist sie eben gerade nicht. Sie ist nämlich nicht gerade, sondern krumm.
Nun, Jesus kam nicht in diese Welt, weil wir so gerade sind, nicht weil wir so aufrecht, so hoch verehrt und wohlgenährt sind. Er kam in diese Welt wegen unseres Elends. Er kam nicht, um uns zu besuchen, sondern er kam, um uns zu befreien. Nicht, um mit uns Kaffee zu trinken. Eine frühere Schulkameradin hat das mal so gesagt, als wir darüber geredet haben. Es war Weihnachtszeit, und sie sagte, dass Jesus in diese Welt gekommen ist, ja, der kam zu Besuch. Nein, er kam nicht auf einen Kaffee in diese Welt, sondern er kam, um uns an diese Tränke zu führen, von der Jesus ja hier im zweiten Teil des Textes gesprochen hat, damit unser Lebensdurst gestillt wird.
Er kam, trat aus einer anderen in unsere Dimension hinein, hat Fleisch und Blut angenommen, aus Mitleid, weil hier so viele so krumm sind, so unaufrichtig, so schiefliegend und so viele verzogen sind. Deshalb kam er in diese Welt, weil er es nicht mit ansehen konnte, wie es hier drüber und drunter geht und wir nicht miteinander zurechtkommen, manchmal nicht mit uns selber zurechtkommen.
Nun, äußerlich macht so eine Veranstaltung wie hier ja Eindruck. Heute Abend sind viele Stühle besetzt, und da schaue ich von hier vorne, man hat ja einen wunderbaren Platz hier vorne, man schaut in viele unterschiedliche Gesichter. Viele gut aussehende Leute sind auch von hier zu sehen. Aber auch sehr unterschiedliche Leute. Wenn man so in die Augen schaut, gibt es Menschen mit einem sehr offenen Blick, andere weichen dem Blick ein bisschen aus.
Auch im Gespräch ist das ja manchmal so. Du kennst wahrscheinlich auch Leute, die man gerne anschaut, weil sie so eine Offenheit haben, so strahlende Augen. Bei anderen ist das nicht ganz so der Fall. Das muss nicht immer Rückschlüsse auf das Wesen eines Menschen zulassen. Wahrscheinlich liegen wir da auch nicht immer richtig, wir sind ja nicht Gott, der so tief ins Innere eines Menschen hineinblicken kann. Aber es sind schon sehr unterschiedliche Leute da.
Manch einer putzt sich auch für so eine Veranstaltung ein bisschen heraus. Es gibt auch Leute, die nach außen den Eindruck erwecken wollen, als sei alles in Ordnung, wo es dann manchmal im Inneren doch ganz anders aussieht. Manchmal weiß man das, manchmal atmet man das auch nur. Aber rein äußerlich gesehen sieht es ja hier bei so einem Abend recht gut aus.
Aber Jesus sieht so ein Zelt wie hier heute Abend mit anderen Augen. Er sieht unter uns auch die Elenden. Er sieht die unter uns, die ständig ihre Niederlagen erleben, die vielleicht mit niemandem darüber reden wollen, die einfach frustriert sind, Leute, die kurz davor sind, alles hinzuschmeißen. Er sieht die Verzagten unter uns. Er sieht die unter uns, die ein verletztes Selbstbewusstsein haben und deswegen sich nicht trauen zu heiraten oder andere wichtige Entscheidungen zu treffen, die solche Entscheidungen ständig aufschieben, weil sie niemanden haben, der ihnen die Gewissheit gibt, dass das, was sie entscheiden, richtig ist.
Er sieht die, die zwischen den Stühlen sitzen. Die glauben nicht so richtig, aber ungläubig würden sie sich auch nicht bezeichnen. Sie wissen gar nicht so recht, wo sie hingehören, auch was ihr Platz in einer, im übertragenen Sinne, Synagoge oder einer Kirche ist. Haben sie irgendwie Anteil an Gottes Reich? Ja, nein, vielleicht, man weiß es nicht.
Er sieht die, die es zu Hause nicht mehr aushalten, weil ständig Streit losbricht, aus irgendwelchen Bagatellen heraus. Mit Kindern, mit den Eltern, irgendwie ist Harmonie nicht mehr möglich.
Nun, ich bin nicht Jesus, ich kenne das Elend der Einzelnen, die heute Abend hierher gekommen sind, natürlich nicht. Aber was ich weiß, ist, dass jeder seine Ängste hat, dass viele von uns mit Anfechtungen zu tun haben, die einen an den Rand der Verzweiflung führen. Aber unsere Probleme müssen nicht das Ende sein. Sie sind Teil unseres Lebens, und jeder ringt auf seine Weise mit diesen Problemen.
Ich will Sie nur ermutigen, nicht jemand zu sein, der seine Fehler nicht zugeben will, sondern jemand zu sein, der sein Elend einfach einmal aufdeckt und die Hoffnung entwickelt, dass Gott dir vergeben will. Jesus ist hier, das ist meine feste Überzeugung. Er sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich. Und Jesus ist hier und will ihr oder dein Elend sehen.
So wie er diese Frau angesehen hat. Wie gesagt, er hat sich jetzt nicht die herausgesucht, die sympathisch sind, mit denen man gerne Zeit verbringt, sondern er hat sehr gezielt diese Frau, von der er wusste, dass sie Hilfe braucht, in den Blick genommen. Und so vielleicht auch gerade dich.
Wenn ein Soldat, ein Rekrut, über den Kasernenhof geht und dann kommt so ein Vorgesetzter vorbei, dann steht er sofort stramm und will also den Eindruck erwecken, dass er ein ordentlicher Soldat ist, seinem Vorgesetzten gegenüber. Und so machen wir das auch manchmal mit Gott. Sobald wir an Gott denken, werfen wir uns in Positur, dann tun wir christlich, dann setzen wir so die geistliche Mütze gerade, dass alles äußerlich gut und richtig aussieht. Aber Jesus ist ja kein Unteroffizier. Er will nicht sehen, wie wir uns fein herausputzen oder irgendwie so tun, als ob, so eine Fassade errichten.
Sondern er will wirklich unser Elend sehen, unsere Sünden, unsere ungelösten Probleme, weil er der Sünderheiland ist, wie wir das manchmal sagen. Heiland heißt Retter. Er ist wegen unserer Sünden in diese Welt gekommen. Gott hat diese Welt so sehr geliebt, mit all ihren Schwierigkeiten, dass er seinen Sohn Jesus als Retter gesandt hat, damit jeder, der an ihn glaubt, ihm vertraut, nicht verloren geht, nicht zugrunde geht in seinem Elend, sondern ewiges Leben hat. Darum hat Gott Jesus in diese Welt geschickt.
Und da will er ran, wie ein Arzt, der uns helfen will. Heiland heißt, es hat ja etwas mit Heilung zu tun. Da kannst du ja auch nicht sagen: Ich gehe mal zum Arzt und erzähle ihm, wie gut es mir geht. Wenn du bestimmte Probleme hast, dann solltest du ihm das auch benennen und beschreiben. Und je ausführlicher du das beschreiben kannst, vielleicht ist KI dein Arzt, wie auch immer, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er dir auch gezielt helfen kann.
Ich war in der Oberlausitz auch zu so einer evangelistischen Veranstaltung, und von einem, der so auch mit zur Gemeinde gehörte, haben sie gesagt, der lässt niemanden zu sich ins Haus. Unter der Hand sagten sie, er ist Messie, also jemand, der alles sammelt, der überfordert ist, aufzuräumen und auszumisten und so. Der lässt keinen rein, und er lässt sich auch nicht helfen. Deswegen ist er da schon relativ einsam. In seiner Wohnung bekommt oder empfängt er bewusst nie Besuch.
Aber Jesus ist gekommen um unseres Elends willen. In dieser Angelegenheit klopft er heute Abend bei dir an. Und hinter der Tür sitzt du vielleicht mit all deinen Fragen, deinen ungelösten Problemen, deiner Schuld, dem ganzen Mist, der sich so im Laufe der Jahre angesammelt hat. Anzufangen zu beten, die Beziehung, die Begegnung mit Jesus zu suchen, heißt, dass du sagst: Herr Jesus, ich mache jetzt die Tür auf. Ich will dich reinlassen in meine Probleme. Deshalb ist er gekommen. Sieh dir mein ganzes Elend an, ich lege es dir vor, ich werde damit nicht fertig.
Und dieser Jesus, von dem wir reden, er will in deinem Leben aufräumen, damit du dich wieder wohlfühlst in deinem Leben, damit all dieser Mist, der dich nur bindet und der dich runterzieht, wegkommt, aus dem Weg geräumt wird und du aufatmen kannst und ein würdiger Mensch wirst, so wie Gott ihn sich vorgestellt hat, um noch einmal an das Thema des ersten Abends zu erinnern, als wir über Menschenwürde gesprochen haben.
Die Welt, wie sie gedacht war, und die Welt, wie sie ist
Weisst du, normal ist Elend nicht. Nach Vollendung der Schöpfung lesen wir ganz am Anfang der Bibel, dass Gott diese wunderbare Welt perfekt geschaffen hat. Ich wäre so gerne am siebten Tag dabei gewesen, als die Sonne aufging und alles so herrlich harmonisch miteinander wirkte: das Leben auf dem Land, im Wasser, in der Luft, wie alles ineinander greift.
Das Urteil am letzten Schöpfungstag war: Es war sehr gut. Es war sehr gut. Mit anderen Worten: perfekt, dem war nichts hinzuzusetzen. Da gab es kein krummes Weib, das achtzehn Jahre lang krank war. Adam hatte keine Arthritis, der war nicht krumm. Es gab auch niemanden, der krumme Dinger gedreht hätte. Es gab keine Abgründe der Seele, nichts dergleichen.
Aber mit dem Sündenfall, und das wird uns gleich im dritten Kapitel der Bibel berichtet, meinten Menschen, die Ratschläge Gottes übergehen zu können. Da gab es noch keine zehn Gebote. Wir haben ja vorhin über eines der zehn Gebote gesprochen. Es gab eigentlich nur ein einziges Gebot. Es gab keinen ganzen Gesetzeskatalog. Man kann es auch übertreiben mit Gesetzen, sondern nur das eine: Du sollst nicht essen von dieser einen Frucht.
Eva konnte nicht widerstehen, Adam aber auch genauso wenig. Dann haben sie getan, was Gott verboten hatte, und damit war eine Schleuse aufgetan, in die Welt strömen bis heute sekündlich kubikmeterweise Tränen, verursacht durch Krieg und durch Sünde und durch allen möglichen Dreck, durch unfassbares Elend.
Diese Frau in der Versammlung ist ein Zeichen dafür, dass die Welt nicht mehr sehr gut ist. Jesus hat die Welt vor dem Sündenfall gesehen. Er ist ja nicht erst an Weihnachten geboren, sondern er existierte schon immer, und die Bibel sagt uns, dass er an der Schöpfung beteiligt war. Und er weiss deswegen auch, wie schön diese Welt gewesen ist. Er weiss, wie Gott sie wollte, und darum tut ihm der Anblick dieser Frau so weh.
Und genauso bin ich überzeugt: Darunter leidet Gott auch unter unseren Leiden, unter unseren Schmerzen, unter unseren Depressionen. Gott leidet mit, weil es von Gott so nicht vorgesehen war.
Wenn Jesus einen Menschen sieht, dann sieht er ihn so, wie Gott ihn eigentlich gewollt hat. Jesus sieht in einem Behinderten keinen Krüppel, sondern er sieht eine Idee Gottes. Jesus sieht in einer Prostituierten keine Stricherin, sondern er sieht in ihr eine Idee Gottes. Jesus sieht in dir, in ihnen eine Idee Gottes.
Und Jesus kam, um das Elend abzuschaffen. Er kam, um das Tor zum Paradies wieder aufzumachen. Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, so heisst es schon in Jesaja 65. Und von diesem neuen Himmel und dieser neuen Erde ist am Ende der Bibel in der Offenbarung noch einmal die Rede.
Und ich freue mich auf diese neue Erde, auf diesen neuen Himmel, wenn wieder das Urteil lauten wird: Es ist sehr gut. Ich glaube, es ist noch weit, weit besser als das, was dieser Globus Erde, wie wir ihn kennen, je gesehen hat.
Ich bin zumindest in einem Alter, wo man langsam anfängt, sich auch mal mit dem Himmel auseinanderzusetzen. Wenn man in den Urlaub fährt, dann guckt man ja auch vorher: Welche Sprache wird da gesprochen, welche Verhaltensweisen sind da üblich, wie sind die Preise und so, und überhaupt, ich möchte mal Fotos sehen von der Promenade und so weiter, oder? Wenn Sie in Urlaub fahren, dann werden Sie sich doch erkundigen.
Das Ziel, das Gott für Christen vorgesehen hat, der Himmel, das lässt uns manchmal relativ kalt. Da höre ich dann oft die Kommentare: Das kann man sich sowieso nicht vorstellen. So, dann bleibt es dabei. Aber ich möchte mich damit auseinandersetzen und freue mich auf das, was er für uns gemacht hat, wenn alle Sünde gerichtet ist und nichts und niemand mehr da ist, der uns zur Sünde verführen kann, und er diese neue Welt vor uns ausbreitet, die wir an Jesus glauben.
Die Voraussetzung ist, dass dieses ewige, beständige, gute Leben demjenigen zugesprochen bekommt, der an Jesus glaubt. Ich zitiere noch einmal Johannes 3,16: So sehr hat Gott diese Welt geliebt. Er liebt sie, er schaut sie mit Augen der Liebe an, dass er seinen Sohn Jesus gab, als den Erlöser, den Heiland, der am Kreuz für unsere Sünden, für unseren ganzen Dreck gestorben ist, bezahlt hat, mit seinem Leben bezahlt hat.
So sehr hat Gott diese Welt geliebt, damit jeder, der an ihn, Jesus, glaubt, nicht verloren gehe. Das heisst also: nicht etwa nicht Anteil bekommt an diesem neuen Leben, nicht in die Hölle geht, in die ewige Gottesferne, sondern dieses ewige, beständige Leben auf dieser wunderbaren Erde geniessen kann. Dazu hat Gott uns bestimmt, und dazu hat er seinen Sohn gesandt.
Er, Jesus, ist der Weg, er ist die Wahrheit. Ich bin davon überzeugt, hier nicht irgendwelche Phantasien weiterzugeben, sondern die Wahrheit, die in Gottes Wort begründet ist. Und wir haben gute Gründe, diesem Buch zu vertrauen. Ich wäre relativ naiv, wenn er also hier Abend für Abend stehen würde und das jetzt, wie ich Ihnen gesagt habe, seit 25 Jahren aus einem Märchenbuch erzählen würde. Dann hätten Sie Besseres zu tun, und ich Besseres zu tun.
Jesus erhebt den Anspruch, die Wahrheit in Person zu sein, und er sagt: Ich bin das Leben. Und dann sagt er: Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. In seine Gegenwart können wir nur durch den Glauben an Jesus Christus kommen.
Weisst du, wenn du irgendwo in Gottes Reich beteiligt bist, wenn du mitarbeitest hier am Nachmittag, wenn ihr mit den Kindern über Jesus redet oder du das auch beständig in der Jungschararbeit machst oder wo auch immer du an Gottes Reich mitarbeitest, sei dir der Grösse des Unternehmens bewusst. Christsein ist etwas Grosses, oder es ist gar nichts. Das sind die Alternativen. Dazwischen fällt mir nichts ein.
Entweder ist es das Wichtigste, was wir in unserem Leben bedenken können, wofür wir uns auch engagieren können, oder es ist der grösste Betrug, der dem menschlichen Hirn jemals zugemutet worden ist. Das sind die Alternativen. Und wenn Sie die Ahnung haben, dass was dran sein könnte, dann kann man das nicht abtun und sagen: Ja, war ein schöner Abschluss eines Sonntags, hat sonst nichts zu tun, bin mal mitgekommen oder so. Sondern dann gilt es, der Sache auch nachzugehen.
Und hoffentlich auch diesen Glauben, das Vertrauen zu entwickeln, dass dieser Jesus der ist, was er auch beansprucht hat zu sein: der Herr, der Heiland, aber auch der Herr allen Lebens.
Der Ruf, der entscheidet
Wer von uns befasst sich mit Krummen oder mit dummen Wummen? Ich habe mal einen Missionseinsatz in Wuppertal gemacht. Da waren wir auch auf der Straße, also wieder diese merkwürdigen Vögel, die auf die Straße gehen und mit Leuten in aller Öffentlichkeit über Jesus reden.
Dann habe ich mir vorgenommen, immer wenn ich morgens in der Bibel gelesen habe, bevor wir rausgegangen sind, den Jakobusbrief zu lesen. So parallel zu diesem Einsatz. Ich möchte ja immer, dass Gott auch redet und mir auch Anweisungen für den Tag gibt. Das machen viele Christen so.
Dann kam ich natürlich sehr bald ins zweite Kapitel des Jakobusbriefes und bekam Folgendes zu lesen: Da steht, ihr dürft keine Unterschiede machen, je nachdem, ob ein Mensch in der sozialen Rangordnung hoch oder niedrig steht. Nehmt einmal an, ihr seid zum Gottesdienst versammelt, und es kommt ein Mann mit goldenem Ring und in vornehmer Kleidung herein, und ebenso ein Armer in Lumpen. Und ihr sagt zu dem gut gekleideten Mann respektvoll: Bitte, hier ist noch ein bequemer Platz. Aber zu dem Armen sagt ihr: Du kannst dort hinten stehen oder setz dich hier neben meinem Stuhl auf den Boden. Trefft ihr da nicht höchst fragwürdige Unterscheidungen und urteilt nach verwerflichen Maßstäben?
Das hatte gesessen. Warum? In dem Moment, als ich das gelesen habe, erinnerte ich mich daran, dass ich am Vortag, als wir da auf der Straße Gespräche gesucht haben, aber auch Flyer weitergegeben haben, auf denen etwas von Jesus draufstand, die Leute, die da so auf mich zukamen, selektiert habe. Da gab es welche, die kamen mir sympathisch vor, die habe ich dann angesprochen. Aber dann waren auch andere. Die waren vielleicht behindert, oder das waren alte Leute, die hören wahrscheinlich nicht mehr so richtig, oder Leute, denen ich unterstellt habe, kein Deutsch zu verstehen, oder so. Irgendeine Verkrampfung in mir hat überhaupt keinen Dialog mit diesen Leuten aufkommen lassen.
Trefft ihr da nicht höchst verwerfliche oder fragwürdige Unterscheidungen? Das hat mich Gott durch diesen Bibeltext gefragt, und das mit Recht. Und dann habe ich gebetet. Ich habe gesagt: Herr, das ist wieder mal ein Beispiel, wo du so Licht in meinem Leben scheinen lässt und ich mich ertappt fühle. Und dann habe ich ihm versprochen: Ich will heute an diesem Tag ganz bewusst einmal Leute ansprechen, die ich von meiner Natur her vielleicht eher ignorieren würde.
Und das habe ich dann auch gemacht. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich an diesem Tag so tiefgehende und gute Gespräche geführt habe wie den ganzen Einsatz in Wuppertal zuvor nicht. Es lohnt sich, Gottes Wort ernst zu nehmen und danach zu handeln.
Ich war kurz darauf zu einem Missionseinsatz, auch so einem Straßeneinsatz in Bad Kreuznach. Dann habe ich eine Andacht zu diesem Jakobus-Text gehalten und von meiner Erfahrung aus Wuppertal erzählt. Am Abend kam ein Mitarbeiter aus Bad Kreuznach von der Stadtmission dort zu mir und sagte: Markus, ich habe das, was du heute Morgen gesagt hast, umgesetzt. Ich habe die Leute angesprochen, an denen ich sonst immer eher vorbeigegangen bin, und ich habe so tiefgehende Gespräche heute geführt wie die ganze Zeit noch nicht.
Das heißt, er hat genau dieselbe Erfahrung gemacht, wie ich sie auch gemacht hatte. Also: Mit welchen Augen sehen wir die Menschen?
Jesus sah die Frau, heißt es, als Erstes. Und dann heißt es: Und er rief sie zu sich. Sie steht wahrscheinlich ganz hinten und wahrscheinlich ganz schön unter Schock, als der Rabbi aus Nazaret seine Rede unterbricht, sie ansieht und dann auch noch anspricht. Es ist ja schon schlimm genug, wenn ich einzelne hier anschaue. Wenn ich jetzt noch einen, den ich mir hier aussuche, mit Namen anspreche, ups, das wäre unangenehm. Aber das hat Jesus getan.
Die Frau hört also: Du, Frau, komm doch mal nach vorne. Das Blut schießt ihr ja auch sonst jeden Morgen in die Gesichtsadern, aber jetzt drohen die Gesichtsadern, über die Ufer zu gehen. Am liebsten würde sie sich irgendwo verkriechen, schämt sich um Grund und Boden. Vielleicht hat sie auch kurz überlegt: Ich hau ab. Aber dann kommt sie doch nach vorne in seine erlösende Nähe.
Das ist übrigens die Bedeutung eures Kennzeichens: erlösende Nähe. Bei Jesus, wenn wir uns nach ihm ausstrecken, wenn wir den Sabbat halten, wenn wir uns in seine Nähe begeben, wenn wir unter sein Wort kommen, wenn wir in die Gemeinde gehen am Sonntag, kommen wir in seine erlösende Nähe. Also immer, wenn du en liest. Mittlerweile hast du eine gewisse Auswahl, was man darunter alles verstehen kann. Denk aber auch einmal an diese Erlösung der Nähe, die von Jesus Christus ausgeht.
Und in dem Augenblick, als sie annimmt, dass Jesus sie annimmt, entscheidet sich ihre Zukunft. Annahme ist die Willenserklärung als eine Antwort auf ein Angebot. Ich will etwas mit dir zu tun haben. Und dann muss ich entscheiden: Will ich das oder will ich das nicht?
Und wenn der Herr Sie rufen sollte, wenn Ihnen klar wird, das Leben mit Jesus hat Folgen, und Sie überlegen, welche Konsequenzen das hat, dann ist das vielleicht erst einmal ein Schock. Das ist ein bisschen so, als wenn man früher im Unterricht, kennen Sie das, plötzlich mit Namen angesprochen wurde. Man hat sich überhaupt nicht gemeldet. War vielleicht auch gerade gedanklich gar nicht so ganz bei der Sache. Plötzlich wirst du mit Namen angesprochen, sollst irgendeine Antwort geben, auf eine Frage, die du gar nicht richtig mitgekriegt hast. Da zuckt man aber erst mal zusammen, und dann entscheiden die nächsten Sekunden darüber, wie der Lehrer so deine Leistung im Unterricht beurteilt.
Das kann schon irgendwie zusammenzucken lassen, und Konsequenzen ist natürlich kein schönes Wort. Adam hat sich nach dem Sündenfall im Garten versteckt. Ruft Gott ihn: Adam, wo bist du? Und jetzt kommt Jesus, und er ruft: Frau, komm mal nach vorne. Damals war das eine Vorladung. Adam musste sich vor Gott verantworten. Jetzt ist es ein Ruf, eine Einladung der Gnade. Ich will dir helfen.
Wird Gott einmal dein Richter sein, oder wird er heute dein Aufrichter sein? Das sind die Alternativen. Wir haben gestern darüber gesprochen, dass Jesus nicht nur Retter ist, sondern dass er auch Richter ist. So stellt uns die Bibel Jesus auch vor, und ich habe gestern begründet, warum ich das richtig und auch erleichternd finde, dass Jesus Richter ist.
Aber es gibt eben jetzt in der Gegenwart diese beiden Rufe Gottes. Es gibt einen Gerichtsruf und es gibt einen Gnadenruf. Einem müssen wir folgen. Wir können natürlich den Gnadenruf überhören, dann werden wir dem Ruf zum Gericht folgen müssen. Wir werden diesen Ruf hören, und dann wird er jeden aus den Gräbern herausrufen. Da wird keine Verwesung vorgeschützt, dann heißt es Gericht. Da lesen Sie die letzten Kapitel der Bibel in der Offenbarung. Dem Gerichtsruf wird niemand entgehen, niemand.
Und darum ist es umso genialer, dass jetzt in der Welt, die gerichtsreif ist, nach meiner festen Überzeugung kein Gerichtsruf ergeht, sondern immer noch der Ruf des Erretters: Komm endlich heim! Und dieser Ruf geht aus von dem Kreuz, an dem Jesus starb. Stell dir sein von der Dornenkrone zerrissenes Gesicht vor, seine angenagelten Hände, und dann ruft er: Komm und lade doch unter diesem Kreuz deine ganze Last, dein Elend ab! Dafür bin ich gestorben, dafür habe ich die Strafe Gottes auf mich genommen, an deiner Stelle, als Bürge für dich.
Auf ihm am Kreuz lastete die Schuld der Welt. Er ruft: Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig, die ihr beladen seid, die ihr unter eurer Last leidet, niedergedrückt werdet. Ich will, Luther übersetzt, „erquicken“ – auch so ein altes Wort, aber ich finde es ein wunderschönes Wort. Ich will dich erquicken, hier heißt es, ich will dir Ruhe geben, ich will dir das Gefühl geben, dass du ein Mensch Gottes bist, so wie er dich als Mensch vorgestellt hat.
Jesus stellt ja keinerlei Bedingungen an uns, sondern nur das eine: dass du einsiehst, dass du beladen bist mit Sünden, und dass du damit zu ihm kommst und dir Vergebung zusprechen lässt. Er hat uns berufen mit heiligem Ruf, heißt es mal im zweiten Timotheusbrief.
Ja, das mag erst einmal ein Schreck sein. Stell dir mal vor, du gehst durch die Fußgängerzone, nehmen wir, ist das die Alleestraße, wo du da warst in Remscheid, da bin ich ja nun auch schon gewesen. Und jetzt stell dir vor, da hörst du plötzlich deinen Namen. Na, es sind ja so viele Leute da unterwegs, Wuppertal, keine Ahnung, in Barmen da auf dem Rathausvorplatz oder so, viele, viele Leute. Du hörst da plötzlich: Markus. Und denkst, es gibt viele Markus. Gehst also weiter, dann hörst du noch mal: Markus. Es gibt sehr viele Markus. Und du gehst einfach weiter. Und dann beim dritten Mal, beim dritten Mal entscheidet sich, ob du mit dem zusammentriffst, der dich da ruft, oder nicht.
Und hier reden wir eben über diesen Gnadenruf von Jesus. So ein Abend wie der ist ein Abend, wo Gott ruft, in die Nachfolge ruft, wo er dich, Sie aufruft: Folge mir nach, vertrau mir doch. Ich, wie auch Anita und viele andere, können bestätigen, dass er vertrauenswürdig ist. Folge seinem Ruf. Ist ihm klar, was dieser Tag heute für eine Bedeutung hat.
Jesus ruft. Er ruft sie mit Namen, weil er sie kennt. Durch und durch. Wirst du heute wie diese Frau kommen und sagen: Hier bin ich, ich kann dir nichts versprechen, aber ich erkenne, dass das, was du am Kreuz für mich getan hast, etwas ganz Großes ist und dass du es aus Liebe für mich getan hast, meine Schuld getragen hast? Oder sagst du: Ich will nicht.
Die heilende Berührung und die Entscheidung des Herzens
Der dritte Punkt heißt: Er hält sie. Er legte ihr die Hände auf, und sofort wurde sie gerade, und sie verherrlichte Gott. Welch ein Wunder!
Manche Menschen betrachten Wunder als unplausible Aufhebung der bestehenden physikalischen Gesetze des Universums. Unsere Welt funktioniert eben nach gewissen Gesetzen, und nach der Erfahrung der allermeisten Menschen haben Wunder darin überhaupt keinen Platz. Man kann ja nicht einfach die allermeisten sammeln und zum Absolut erklären und diejenigen, die Wunder erlebt haben, dann ignorieren. Also müssen wir schon einmal über das Argument nachdenken: Sind Wunder tatsächlich nicht möglich? Es gibt ja eine Menge Zeugen, die Wunder erlebt haben, und zwar bemerkenswerte Wunder.
Viele dieser Wunder werden uns in den Evangelien berichtet, und ich halte die Evangelien für glaubwürdige Berichte. Das wäre noch einmal ein Thema, um das extra zu begründen. Ich glaube auch, dass das Gegenteil der Fall ist. Noch einmal: Wenn Leute sagen, Wunder seien die Aufhebung der bestehenden physikalischen Gesetze, dann sage ich: Das Gegenteil ist der Fall. Krankheit ist die wahre Aufhebung der Gesetze Gottes, Zerfall und Tod sind die wahren Aufhebungen der Gesetze Gottes. Normal ist Elend nicht, weder nach der Auffassung noch nach der Überzeugung des Schöpfers, der uns gemacht hat.
Wunder sind nur vorzeitige Blicke auf die Wiederherstellung, auf diese neue Welt, von der wir gesprochen haben. Oder, wie Jürgen Moltmann formuliert hat – man muss nicht mit allem einhergehen, was er als Theologe geschrieben hat –, er hat gesagt: Die Heilungen Jesu sind keine übernatürlichen Mirakel in einer natürlichen Welt, sondern das einzig Natürliche in einer unnatürlichen, dämonisierten und verwundeten Welt. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Das ist meine Überzeugung, was Wunder betrifft. Normal ist Elend nicht, Krankheit nicht; das hat Gott eben nicht gewollt.
Dass die Frau zuvor verkrüppelt war, ist ja nicht auf einen kleinen Chemieunfall im Himmel zurückzuführen, an dem Tag, als Gott sie gemacht hatte. Da kommt sie da aus dem Brodelnden nichts heraus, und Gott entfährt ein: Ups, was habe ich da gemacht? Oder so. Und viele sagen: Wie kann Gott nur, und dies und das, dass jemand behindert ist oder so. Jesus sagt, dass es Satan war, der sie gebunden hatte. Der Zerstörer, der eben in dieser Welt alles durcheinandergebracht hat. Die Schlange, die in 1. Mose 3 Eva dazu verführt hat, den Willen Gottes mit Füßen zu treten, es war Satans Knoten, der diese Frau achtzehn Jahre lang hielt. Er, der Gegner Gottes, ist es, der Menschen fesselt.
Damit gibt es ja eine gewisse Verbindung zu dem Text von gestern Abend, als wir uns mit Esoterik und so beschäftigt haben. Übrigens habe ich in dem Zusammenhang nur die kleine Zwischenbemerkung: Ich habe neulich von einer Umfrage in den USA gelesen, dass 25 Prozent der Christen, die also zu irgendeiner Baptistengemeinde gehören, sich mit Esoterik und dergleichen auseinandersetzen, und dass davon über das Doppelte Frauen sind. Es ist wahrscheinlich gar kein Zufall, dass hier von einer Frau die Rede ist, die eben 18 Jahre lang von Satan gebunden worden ist. Gestern war der Besessene ein Mann, aber ich möchte schon auch sagen: Liebe Frauen, wenn ihr euch auf irgendetwas eingelassen habt, das mit diesen dämonischen Mächten zu tun hat, mit Wahrsagerei oder all diesem Zeug, kommt zu Jesus. Hören Sie sich das von gestern Abend noch einmal an: Da, wo Jesus mit seinem Licht auftritt, muss die Dunkelheit weichen.
Diese Frau hier war gebückt. Sie war gefangen in ihrer Krankheit, auch in ihrer Hoffnungslosigkeit, achtzehn Jahre lang. Mit der Gewöhnung stirbt die Erwartung. Ich weiß nicht, wie viele Jahre du schon mit deinen Problemen kämpfst. Mit der Gewöhnung stirbt die Erwartung. Da ist man manchmal so lange drin in so einer Mühle und erwartet gar nichts mehr vom Leben. Aber dann sieht Jesus sie, und er ist nicht von ihr abgestoßen, von diesem nicht schönen Anblick. Dann ruft er sie in seine erlösende Nähe, und dann richtet er sie auf. So einfach und so groß ist das, was uns hier berichtet wird.
Vielleicht sind Sie auch gebückt von Schuld, von Angst, von Dingen, über die Sie vielleicht gar nicht reden können oder wollen. Jesus ist hier. Er sieht dich, und er ruft dich, und er will dich heilen. Und das nicht irgendwann, sondern heute. Nicht irgendwo, sondern hier. Nicht irgendwen, sondern Sie oder dich.
Nennen Sie sich selbst einen Grund, was Sie heute daran hindert, zu Jesus zu kommen und bei ihm Ihre Schuld, Ihre Last abzulegen. Jeder Tag ohne Jesus ist ein verlorener Tag. Kommen Sie heute zu ihm. Beten Sie zu Jesus. Und das möchte ich Ihnen gleich wieder anbieten, dass wir miteinander beten, dass Sie sagen können: Herr Jesus, danke, dass du für meine Schuld, für mein Elend am Kreuz gestorben bist, bezahlt hast. Ich bekenne dir meine Schuld und Sünde. Mach du mein Leben rein, räum auf. Ich bin so ein Messi, der alles angesammelt hat, in sich reinfrisst und darunter leidet. Ich will das loswerden. Alle Verbitterung, alle Unversöhnlichkeit, vergib mir. Gib mir ein neues Herz. Komm du in mein Leben. Ich möchte dir nachfolgen, dir vertrauen.
Er wird dieses Gebet erhören. Er sieht dich, er ruft dich, er heilt dich, wenn du das willst. Und ich schließe mit einem Vers aus Psalm 147, wo schon vorausgesagt wird auf Jesus: Er heilt die zerbrochenen Herzen, er verbindet ihre Wunden.
