"Geistesgaben: Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis"
06.02.2011
Serie•Teil 2 / 17Gaben in der Gemeinde
Dieser Inhalt wird noch redaktionell aufbereitet.
Aktuell können Elemente fehlen oder falsch angezeigt werden.
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung in die Themenreihe
Wir stehen also in einer Reihe. Das macht es für die Gäste, also ich sage mal für Raven Guns oder Raven, um mal einen herauszugreifen, einen Tick schwieriger. Eine Reihe, die uns noch, ich würde sagen, das nächste Vierteljahr immer mal wieder begleiten wird. Diese Reihe heißt: Gaben. Gaben in der Gemeinde. Gaben, die Gott uns gibt.
Ich möchte euch den Leitvers einfach mal vorlesen, der über der ganzen Reihe steht. Ich mache euch bestimmt jetzt Lust darauf, ihn auswendig zu lernen. Das wäre mit Sicherheit gut, denn dann könnte man sich vieles von dem, was ich sage, immer wieder vor Augen führen, wenn man dann vielleicht da sitzt und sich denkt: Nee, ich habe keine Gaben. Oder: Ich werde nicht gebraucht in der Gemeinde. Es stimmt alles nicht.
1. Petrus 4,10, wunderschöner Vers. Da schreibt der Apostel Petrus: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat. Also wenn du morgen in den Spiegel schaust, dann siehst du dein Gesicht. Und dann darfst du wissen: Ich auch. Ich will noch mal überlegen, vielleicht, das ist noch ein bisschen offen, mache ich so einen kleinen Spiegel mit so einem Aufdruck: Hier siehst du einen berufenen und begabten Menschen. So einen kleinen Button, so einen Spiegelbutton, wo das draufsteht. Ich weiß noch nicht, ob ich das hinkriege. Hatte ich schon länger mal so überlegt. Das wäre ganz schön, weil wenn du den dann trägst und ich schaue mich an, quasi in deinem, dann sehe ich mich und weiß: Ich bin ein berufener und begabter Christ.
Und das gilt für jeden: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, und jetzt kommt die Herausforderung: So dient damit einander, nicht: Nimm deine Gabe, pack sie schön fein säuberlich ein, mach ein Schloss dran, stell sie in die Ecke und vergiss sie. Sondern: So dient einander als guter Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Wir sind begabt, weil Gott uns begnadigt hat. Weil Gott sich da etwas dabei gedacht hat, als er das erste Mal an Sarah dachte oder an Peter oder an Rainer oder an Claudia. Gott hat Gedanken mit uns. Gott kennt uns schon.
Ich werde die nächsten Predigten immer ähnlich aufbauen. Wir werden ein paar Vorbemerkungen hören zu dem allgemeinen Thema Gaben, die Gott uns gibt. Da gehe ich dann so irgendwie durch alle Fragen durch, die man halt so haben kann, zumindest alle Fragen, die ich mir stellen würde. Wenn ihr merkt, ihr habt noch welche übrig, schickt mir eine Mail, dann kommt sie in eine der nächsten Predigten.
Und dann habe ich etwas völlig Verrücktes vor. Ihr seht das jetzt schon, wenn ihr euren Zettel anschaut. Ich werde immer so ein, zwei, vielleicht schaffe ich auch mal drei Gaben vorstellen, dann kommen dahinter Reflexionsfragen. Es geht ja nicht nur darum, dass ihr irgendwann wisst, es gibt so und so viele Gaben. Und wenn jemand euch fragt, was bedeutet die Gabe, könnt ihr sagen, was bedeutet die Gabe. Also ich möchte einen Schritt weiter. Oder eigentlich die Ältesten wollen einen Schritt weitergehen. Sie wollen etwa Mitte des Jahres da sein, dass jeder ungefähr weiß, wie bin ich von Gott begabt, mit welcher Begabung bin ich in diese Gemeinde hineingestellt worden, so dass wir dann ein Stück weiter denken können: Wer sind wir als Gemeinde? Wo können wir uns als Gemeinde mit dem Gabenspektrum, das wir haben, einbringen?
Wir wollen nicht nur unser eigenes Süppchen kochen und die nächsten 40 Jahre uns jeden Sonntag als kleines Häufchen hier treffen und sagen: Wir kriegen die Zeit schon rum, bis dieser, ja, sondern wir wollen bis dahin noch ein bisschen was verändern. Wir sind da gemeinsam auf dem Weg. Wir sind meiner Perspektive gemeinsam dabei, Fehler zu machen, denn so ist das nun mal, wenn man auf dem Weg ist. Es hilft aber ungemein, wenn man in einer Gemeinschaft eine Idee davon hat, was man selber beitragen kann zu der Gemeinschaft.
Mein Eindruck, ich bin jetzt zwanzig Jahre gläubig, ein bisschen mehr, habe gut zehn Jahre Gemeindeleitungs- und Aufbauerfahrung: Mein Eindruck ist, einer der großen Fehler im Gemeindebau ist, dass man sich zu spät den Kopf darüber macht, welche Gabe habe ich. Und von daher oft Dinge machen will, aus einer ganz tollen Haltung heraus, aus einer ganz positiven Motivation, für die man eigentlich gar nicht gemacht ist. Und ein anderer, der vielleicht die Gabe hätte oder der eine gute Ergänzung wäre, kommt nie zum Zug, weil man selber eben so der Machertyp ist. Ja, und dann erst mal hier ich, ja. Und das geht in alle Richtungen nicht gut.
Und dann gibt es einen großen Teil von Gemeindegliedern in vielen Gemeinden, die sitzen da und wenn man sie fragt, wofür bist du hier, dann bleibt tatsächlich oft so eine Stille stehen. So: Weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Ich komme halt jeden Sonntag, und ich gebe da was in die Kollekte, und ich schaue, dass der Pastor auch was essen kann. Aber so im Großen und Ganzen weiß ich eigentlich nicht, was ich hier soll.
Und auf diesem Weg, da haben wir jetzt quasi so die Flugbahn verlassen, oder wir sind eingeschwenkt auf diese Bahn. Das ist die zweite Predigt einer Reihe. Und wenn ihr sagt, wir sind nur Gäste, wir sind nur heute mal da, mich interessiert die Reihe, ihr könnt das auch auf unserer Homepage beziehungsweise auf meiner Homepage Frogwords, Worte vom Frosch, Frogwords.de, da werde ich die immer einstellen, so dass ihr dann auch diese Zettelchen hier dann immer haben könnt. Beziehungsweise die Predigten werden aufgezeichnet, nicht wahr, Flo? Das wäre gut, weil es an der Stelle wirklich wichtig ist, dass, wenn ihr mal nicht da seid, ihr einfach die Predigt nachhört.
Das wird ein großes Ganzes, auch wenn im Detail eine Predigt alleine vielleicht so ein bisschen fragmentarisch wirkt. Hört euch das alles an, ihr werdet merken: Oh, da hat sich tatsächlich was gedacht, in erster Näherung.
Fragen nach dem Beginn geistlicher Begabung
Häufig gestellte Fragen, wenn man über geistliche Begabung redet
Wann kriegt man das eigentlich? Ich habe viel darüber nachgedacht, wann Begabung anfängt, wann ein Mensch eine geistliche Gabe, eine Geistesgabe, bekommt. Und ich glaube, das kann man eigentlich nicht wirklich sagen. Es ist total schwer zu entscheiden.
Wenn ich mir über das Thema Berufung Gedanken mache, also über diese Idee, dass Gott mich schon sieht, lange bevor ich das Licht der Welt erblicke, und Ideen mit mir hat, dann fängt diese Berufung natürlich in dem Moment an, wo Gott mich sieht, wo meine Seele gebildet wird. Und egal, ob ich im Laufe meines Lebens diese Berufung annehme, das steht auf einem anderen Blatt. Aber natürlich begabt Gott mich, weil er mich kennt, von Anfang an irgendwie. Und ich werde, ich sage es mal so, durch mein ganz normales Sein für die Berufung, die ich habe, passend gemacht.
Das merkt man in der Bibel an zwei Beispielen. Einmal Petrus. Ich denke, die meisten von euch kennen die Geschichte. Jesus ist bei Petrus am Schiff. „Kannst du mal ein bisschen rausfahren?“ – „Klar.“ Und dann predigt er von dem Schiff aus, und das läuft dann auch alles ganz gut. Dann sagt er zu Petrus: „Sag mal, wollen wir nicht mal so eine Runde fahren, und du wirfst noch mal dein Netz aus? Das hat heute Nacht ja nicht so gut geklappt.“ Und Petrus denkt sich: Na ja, warum sollte es jetzt klappen? See, Tag, hell und so. Aber okay, auf dein Wort hin fahre ich halt noch mal raus.
Er fährt raus, der Fischfang klappt, Petrus ist begeistert, dann erschreckt, dann fällt er vor den Füßen Jesu nieder und sagt: „Geh von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.“ Und was sagt Jesus dann zu ihm? Er sagt sinngemäß: Weißt du was, du hast eine ganz wichtige Lektion verstanden. Du hast eine Lektion verstanden, die dich qualifiziert, da, wo du jetzt stehst, mit den Begabungen, die du jetzt schon hast, als Fischer, einen Schritt weiterzugehen und Menschenfischer zu werden. Da wird etwas fortgesetzt. Es ist nicht dieser Ultrabruch: vorher war ich Fischer, danach bin ich IT-Experte, so einfach, schnipp.
Das Gleiche bei Paulus. Paulus, Verfolger der Gemeinde, Elite-Student, der hatte sich vorher schon den ein oder anderen Gedanken über die Bibel gemacht, mit Sicherheit. Der konnte reden. Und dann tritt Gott vor Damaskus in sein Leben, macht ihm klar, dass er mit seiner Perspektive völlig falsch läuft. Und was ist das Erste, was der Mann macht, nachdem er da wieder rauskommt? Da wird sofort aus dem Verfolger des Glaubens ein Verteidiger. Wie selbstverständlich. Ja, was macht man am Samstag? Man geht in den Gottesdienst. Was macht man, wenn man als, ich sage mal, religiöser Shootingstar, also in der Szene sowieso gewohnt ist, sonntags zu predigen? Was macht Jürgen, wenn er in irgendeine Gemeinde geht? Hält halt eine Predigt. Was soll’s, ja, ich bin ja jetzt eh da.
Und Paulus macht genau das. Er geht nach vorne, mit den Qualitäten, die er hat, und fängt an zu predigen. Das ist so die Szene: Ich habe vorne die Honoratioren sitzen, wo die ganzen älteren Herren denken: Ist ja nicht schlecht, unser Junge, da wächst was nach. Und er predigt und predigt und predigt. Und irgendwann fallen ihm die Ohren ab, und er denkt: Was predigt er da eigentlich? Weil mit dem gleichen Eifer, mit dem gleichen Mut, mit derselben Hingabe, mit der ein Paulus die Christen verfolgt hat, um sie auszurotten, stellt er sich jetzt vor und sagt: Jesus ist der Messias. Vor aller Ohren. Brutal, oder? Da ist jemand charakterlich vorbereitet für diesen Dienst, den er dann weltweit ausführen wird.
Und ich selber habe das genauso erlebt. Ich habe in der dreizehnten Klasse das erste Mal eine Rede geschrieben. Es müsste so Rhetorikkurs 13.1 gewesen sein, da macht man sowas. Und ich hatte so eine mittelmäßig begabte Deutschlehrerin, die hat dann halt gesagt: Ach, schreibt einfach mal alle eine Rede, so ohne groß was zu erklären. Und na ja, da habe ich mich halt hingesetzt und habe gedacht: Ach, das ist ja so lustig. Und habe geschrieben: Der Anachronismus einer Doppelstunde ohne Pause.
Und ich dachte mir: Wenn wir schon rhetorische Stilfiguren verwenden sollen, dann baue ich einfach mal alle ein, die in dem Buch drin sind. Wir hatten ja so ein Rhetorikbuch. Und es hat mir einfach total viel Spaß gemacht. Ich kam das nächste Mal rein, dann war ich der Einzige in der Klasse, der aus dem Stand einfach eine Rede hatte schreiben können. Dann habe ich die vorgelesen, und alle haben herzlich gelacht. Ja, Anachronismus ist eine veraltete Verhaltensweise, dass man Doppelstunden macht ohne Pause. Wollte ich halt beweisen: Ist einfach Quatsch, das macht man nicht mehr, ist nicht mehr trendy, nicht mehr zeitgemäß. Das vorgelesen, alle haben gelacht, ich habe meine 15 Punkte gekriegt, und ich dachte mir: Mann, das ist doch ganz easy, Reden zu halten. Weiß gar nicht, wo da das Problem liegt.
So, und dann habe ich mich bekehrt. Und natürlich habe ich noch ein bisschen gebraucht, da wieder anzusetzen. Aber dass ich später mal jemand bin, der anderen etwas erklärt, das war damals irgendwie schon klar, obwohl ich erst mit zwanzig dann an den Punkt kam, wo ich mit Gott ernst gemacht habe.
Das heißt, wenn wir zu Gott finden, wenn wir umkehren zu Gott, dann ist das, was unseren Charakter angeht, etwas Doppeltes. Es ist auf der einen Seite eine Befreiung. Ich bringe schon einen Charakter mit, der aber natürlich von der Sünde, mit der ich lebe, verzerrt und verschüttet ist. Und jetzt befreit Gott das von diesen Fesseln. Und auf der anderen Seite, und das gibt es auch, da ist das Neue Testament voll von, bekommst du neue Gaben. Die passieren einfach. Und du denkst dir dann so nach drei, vier, fünf Jahren Christsein: Mann, das hätte ich mir früher gar nicht zugetraut, dass ich das bin. Das ist ja interessant.
Und von daher die Frage: Wann bekommt jemand geistliche Gaben? In meinem Gabenbegriff fließt dieses übernatürliche Element, das damit einhergeht, dass ein Mensch Buße tut, zu Gott umkehrt, den Geist Gottes bekommt und damit Gott lebt, dieses übernatürliche Element fließt zusammen mit all dem, was wir als natürliche Gaben bezeichnen, als Neigungen, Stärken, Talente.
Für mich ist die Frage, wie Gott das macht, dass ich begabt bin, gar nicht so interessant. Für mich ist die Frage interessant, dass Gott gibt und dass wir tatsächlich, wie es im 1. Korinther 12 heißt, wir werden das in ein paar Wochen anschauen, wenn der Bibelleseplan wieder losläuft, dann wird eines der ersten Bücher der 1. Korintherbrief sein. Da werden wir uns über 1. Korinther 12 unterhalten, wie wir ein Leib sind, wie das alles zusammenspielt. Wie jeder so neu gemacht wird von Gott, dass er in dem Team Gemeinde eine ganz brauchbare Einheit wird.
Welche Gaben es gibt und warum Listen nie ganz vollständig sind
Eine zweite Frage, die ganz oft ganz am Anfang gestellt wird: Welche Gaben gibt es eigentlich? Das kommt daher, dass es im Neuen Testament verschiedene Listen gibt, zum Beispiel in 1. Korinther 12, in Römer 12 oder in 1. Petrus 4. Das sind Listen, bei denen man sozusagen Gaben abhaken kann. Dabei stellt man fest: Die Gabenlisten sind nicht einheitlich.
Wenn ich so eine TÜV-Liste habe, dann sollte bei der DEKRA dieselbe Liste liegen wie beim TÜV. Bei den Gaben ist das anders. Hinzu kommt noch, dass keine dieser Listen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Nirgendwo steht: Und hiermit verkündige ich euch die Liste sämtlicher Gnadengaben, die es auf dieser Welt einmal gegeben hat und immer geben wird. Das ist einfach nicht so.
Es ist also nur eine Art Liste von Begabungen, die Gott aufzählt. Diese waren sicherlich für die Gemeinde im 1. Jahrhundert von größter Bedeutung. Heute kann man aber sehr wohl fragen: Gibt es denn nicht noch mehr? Ich glaube zum Beispiel, weil sie gerade da sitzt, dass Gaby eine Gabe hat, die nicht im Neuen Testament steht. Ich glaube, dass der Umgang mit Kindern, ja, wir nennen das heute Kinderkirche, eine Sache ist, die im Neuen Testament nicht auftaucht.
Ich glaube aber, dass wir sehr wohl Leute kennen, die einfach super mit Kindern können. Da sagst du einfach: Wow, also ich kann das nicht. Ich mache die Tür auf, die Kinder sehen mich, und sie rennen schreiend weg. Aber es gibt Leute, das ist wie Zauberei: Die Kinder sehen sie, die Kinder wollen mit ihnen spielen, und sie hängen ihnen dann förmlich am Abschütteln. Die Gabe, mit Kindern so etwas zu tun, steht nicht im Neuen Testament. Aber ich glaube, es ist eine Gabe, die wirklich da ist.
So könnte man weitergehen. Mir würden noch ein paar Dinge einfallen, die ich persönlich als Begabung sehe, die aber vielleicht tatsächlich im 1. Jahrhundert einfach nicht so präsent waren, weil Strukturen anders waren und weil Nöte anders waren. Deshalb macht es Sinn, auf der einen Seite mit den Gaben anzufangen, die wir in der Bibel haben.
Wenn wir aber darüber hinausgehen und vielleicht merken, da ist noch etwas und da noch etwas, dann erscheint es mir nicht falsch zu sein, auch mal zu sagen: Du, Jürgen, hier nehmen wir in unserer Liste der Begabungen mal einfach noch etwas auf, weil das so offensichtlich ist. Das lässt sich sauber abgrenzen, wenn man fragen will, wie man etwas abgrenzen kann. Und das lassen wir einfach auch gelten, weil wir merken: Hier ist jemand von Gott in besonderer Weise gesegnet.
So, dass ihr mich an der Stelle einfach auch versteht: Welche Gaben gibt es? Irgendwie keine rechte Ahnung. Wir fangen mal mit den gut zwanzig Gaben an, die wir in der Bibel finden. Das ist schon genug. Und wenn du dann noch ein paar gute Ideen hast, dann lass uns darüber reden. Ich bin da ganz entspannt.
Und wenn ich über Gaben rede, wollte ich es mir leicht machen. Vergebt mir das: Ich habe erst mal zwei genommen, bei denen ich den Eindruck habe, ich habe sie verstanden. Die eine, weil ich sie selber habe, und die andere, weil sie nicht so superkompliziert ist. Es sind beides Gaben, die mit Reden zu tun haben, Redegaben. Davon gibt es insgesamt vier Stück, und zwei möchte ich euch heute vorstellen.
Das Wort der Weisheit als praktische Orientierung
Da ist einmal als erste Gabe, und ich lese euch dazu 1. Korinther 12,8 vor. 1. Korinther 12,8. Und das ist eine dieser Listen in 1. Korinther, da kommen so Gaben hintereinander. Bei manchen sagst du: Huch, was ist denn das? Bei anderen geht es ganz easy.
Die ersten beiden, 1. Korinther 12,8: Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben. Das ist die erste Gabe. Da ist jemand in der Gemeinde, der hat das Wort der Weisheit oder ein weises Wort. Hm, was ist denn das? Ich glaube, wir kommen ganz schnell dahin zu verstehen, was das bedeutet.
Weisheit ist die Fähigkeit, wenn man sich mit praktischen Lebensfragen beschäftigt, zu sehen, wo das richtige Ziel ist und wo der beste Weg ist, um dieses Ziel zu erreichen. Die Bibel ist sehr klar, sie hat uns ein ganzes Buch zum Thema Weisheit gegeben. Das ist im Alten Testament das Buch der Sprüche. Da heißt es in Sprüche 9,10, und das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir an dieser Stelle einfach nicht außer Acht lassen dürfen: Sprüche 9,10. Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.
Also: Wo jemand Gott nicht fürchtet, und Gottesfurcht im Alten Testament hat verschiedene Aspekte. Es gehört dazu, dass man Gott liebt, dass man sein Gebot ernst nimmt und dass man aus dieser Beziehung zu Gott und aus dem Wissen um seinen Standard heraus ein gottesfürchtiges Leben führt. Wir würden heute sagen: Hier ist jemand, der mit Gott lebt, der Christ ist. Salomo macht klar: Die Furcht des Herrn, Gott so zu kennen und ihm zu folgen, die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Da geht es los.
Das heißt, solange du noch keine persönliche Entscheidung getroffen hast für Gott, lebst du immer noch im Reich der Bauernschleue. Also ich unterscheide so für mich persönlich: Hier ist die Bauernschleue, und da ist die Weisheit. Bauernschleue, das sind kluge Entscheidungen treffen und irgendwie nur ab und zu daneben tapfen. Weisheit ist etwas anderes. Weisheit fängt da an, wo ich Gott fürchte, wo ich mit Gott lebe. Wo das fehlt, bin ich nicht wirklich weise, obwohl ich aus meiner Schlauheit heraus vielleicht die ein oder andere richtige Entscheidung treffe.
Aber ich bin schon deshalb nicht weise, weil Weisheit das richtige Ziel ist, mit den richtigen Mitteln zu verfolgen. Und der, der das wichtigste Ziel, die Ewigkeit mit Gott zu verbringen, das wichtigste Ziel, Vergebung seiner Schuld zu bekommen, so wie der Apostel Johannes das sagt, wenn er schreibt: Dies aber schreibe ich euch, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt. Wer diesen Punkt, dass er wissen kann, ewiges Leben zu haben, wer das aus dem Blick verliert, wer das nicht erst mal geklärt hat, der mag vor lauter Schlauheit eine gute Ehe haben, viel Geld verdienen, gesundheitlich wenig Probleme und was da alles wartet, wenn man weise lebt. Aber er ist unterm Strich total doof.
Das ist so einer, der sagt: Ich mache alle Inspektionen am Auto, ich kümmere mich um alles bei meinem Auto, nur das Öl wechsle ich nie. Das ist einfach Quatsch. Wenn du alles andere machst, dann kümmere dich auch um dein Öl. Und wenn du sagst, ich möchte weise leben, dann fang da an, wo Weisheit anfängt, nämlich da, wo Gottesfurcht gelebt wird. Ohne Beziehung zu Gott und ohne Anerkennung seiner Autorität bleibt ein Mensch in dieser Wankelmütigkeit, in diesem Eigensinn, in dem nicht wirklich Wissen, wie ich leben soll. Und hier kriege ich einen Tipp von dem, und da habe ich ein Kalenderblättchen, und dann kriege ich dort, was weiß ich noch.
Ich weiß nicht, wie ihr früher gelebt habt, aber als es darum ging, in Poesiealben Sprüche reinzuschreiben, da möchte man natürlich als Mann glänzen. Da möchte man nicht irgendeinen blöden Spruch bei einer Frau in so ein Poesiealbum reinschreiben. Also gibt es dann so Sprüchendinge, Aphorismen: Wer hat mal wann was Kluges gesagt? Und da landet man dann bei so Typen wie Konfuzius, Marc Aurel und wie sie alle heißen. Dann schlägt man nach und schreibt dann so einen klugen Spruch ab, den man selber nur halb versteht. Aber das ist ja so: Man geht dann immer an die Grenze ran, was gerade selber noch in den Kopf reinpasst. Das ist nicht Weisheit, das ist einfach Quatsch.
Weisheit, Beispiel aus dem Alten Testament: Der König Salomo bittet um diese Gabe, und da kommen zwei Huren zu ihm. Beide haben ein Kind gekriegt, eins stirbt in der Nacht. Und die Frau, die das mitkriegt, mein Kind ist gestorben, geht zu der anderen, weil die im selben Haus wohnen, und schnappt sich da von der das und legt ihr dafür ihr eigenes unter. Die kriegt das aber mit. Das ist eine Mutter, die nicht mitkriegen soll, wie ihr Kind aussieht. Gut, und die gehen zum König, und die eine sagt: Die hat mir mein Kind geklaut. Was macht Salomo?
Salomo sagt: Hm, du sagst, es ist dein Kind, und du sagst auch, es ist dein Kind. Was machen wir denn an dieser Stelle? Weisheit heißt, an der Stelle jetzt einen klugen Rat zu haben. Der Rat von Salomo ist ganz einfach: Nehmt das Kind, schneidet es in der Mitte auseinander, und dann ist es gut. Hat jeder ein halbes, so auch was wert. Und die Mutter outet sich natürlich sofort, weil sie sagt: Nein, nein, nein, auf keinen Fall. Und die, die es nur geklaut hat, sagt: Klar, das machen wir so. Und damit ist völlig klar, wer die Mutter ist, wer es geklaut hat. Und die Situation löst sich. Das ist ein Beispiel von Weisheit.
Und in dem Sinn braucht jeder Weisheit in seinem Leben. Ihr könnt nicht sagen: Wunderbar, es gibt die Gabe, ein weises Wort zu haben, habe ich nicht, ich darf jetzt so ein bisschen dusselig durchs Leben gehen, das ist nicht so schlimm, ja, ich mache halt ein paar mehr Fehler, Gott hat mich halt nicht begabt. Quatsch. Ich glaube, wir müssen da schon noch was zu sagen. Zum einen ist jeder aufgefordert, selber Weisheit zu lernen. Ich darf noch mal auf das Buch der Sprüche verweisen, und ich lese euch einfach mal sechs Verse vor. Hört mal zu, was da steht:
Mein Sohn, und genauso könnte man sagen: meine Tochter. Hier wird eine Situation geschildert, wo Eltern ihre Kinder unterweisen. Mein Sohn, wenn du meine Reden annimmst und meine Gebote bei dir verwahrst, indem du der Weisheit dein Ohr leihst, dein Herz dem Verständnis zuwendest, ja, wenn du den Verstand anrufst, zum Verständnis erhebst deine Stimme, wenn du es suchst wie Silber und wie Schätzen ihm nachspürst.
Weißt du, das ist wie so ein Sonderangebot. Du möchtest irgendwas kaufen, und jetzt suchst du das Sonderangebot: Wo kriege ich es im Internet am günstigsten? Wo kann ich noch zehn Euro sparen? Die Versandkosten sind auch schon drin. Und so sollen wir nach Weisheit suchen. Wenn du das machst, wenn du dich da wie so ein Jäger, wie so ein Schatzsucher verhältst, wenn das so mit dir ist, wenn du es suchst wie Silber und Schätzen ihm nachspürst, und jetzt kommt die Verheißung: Dann wirst du verstehen die Furcht des Herrn und die Erkenntnis Gottes gewinnen. Denn der Herr gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Verständnis.
Also hier reden Eltern mit ihrem Kind und sagen: Such Weisheit, Mann, Mann! Das ist ein Appell an uns. Wenn du sagst, solche Eltern hätte ich auch gerne gehabt, wäre auch schick gewesen, mag sein, dass du das nicht hattest. Ich hatte das auch nicht. Aber dann mach dich selber auf. Du kannst ja lesen, eine Bibel hast du auch zu Hause, ist alles nicht so kompliziert. Fang einfach an. Jeder, der weiß, wo Knut lebt und gelebt wird, kommt damit auch klar. Ihr kennt Knut? Okay, okay, gut. Es gibt Leute, die den Winterschlussverkauf von Ikea nicht kennen, aber gut.
So, und für den Fall, dass du mal sagst, das reicht mir nicht, ich weiß nicht, ich würde ja schon gerne hier, also ich beschäftige mich mit Weisheit und ich lese die Bibel und ich denke darüber nach, ich fürchte Gott, aber manchmal komme ich an einen Punkt, wo ich einfach nicht mehr weiter weiß, und ich habe vielleicht auch niemanden, den ich fragen kann, dann kommt Jakobus ins Spiel, der sagt: Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott.
Schön, also wenn du mal an dem Punkt bist: Ich weiß einfach nicht mehr weiter, hör auf und falte deine Hände und bitte Gott. Das ist geistliches Leben. Wir investieren uns, wir wollen Gott kennenlernen, wir lassen uns was kosten, wir machen uns Mühe, und wir wissen genau, es liegt nicht an uns. Ja, wir können dann einfach immer noch sagen: Vater im Himmel, hier stehe ich. Hab’s nicht gerafft, tut mir irgendwie auch leid, hilf mir doch mal. Ich verstehe es einfach nicht.
Und ihr wärt überrascht, wie oft ich bete, wenn ich Bibeltexte studiere: Vater im Himmel, ja, so klopf, klopf, ich verstehe es nicht. Und gerade bei den Sprüchen, ja, du stehst da vor so einem hebräischen Spruch, und hebräische Poesie glänzt dadurch, dass die Sätze ganz kurz sind und du ganz viel drüber nachdenken musst. Super, sag ich dir. Und ich weiß, also wahrscheinlich bei jedem zehnten Vers: Klopf, klopf, klopf, Vater im Himmel, kannst du mir noch mal helfen? Ich komme hier einfach nicht weiter. Völlig normal.
Also jeder darf Weisheit lernen, jeder braucht Weisheit, jeder soll sie suchen. Das ist ganz normal. Aber jetzt kommt das Aber: Jetzt gibt es Leute, die sind besonders begabte Ratgeber. Die haben ein gutes biblisches Grundlagenwissen, das gehört irgendwie dazu. Die haben so einen scharfen Blick für Situationen, und die haben für praktische Fragen so ein Händchen. Die geben dir eine Antwort und eine Lösung auf dein Problem, und du sagst: Da hätte ich auch selber draufkommen können.
Also ich habe einen Freund, Benjamin Fitz, Mitte zwanzig, und der ist bei diversen Outdoor-Bibelschulen dabei. Und dann haben wir so Leitungsbesprechungen, okay, und da sitzen nun nicht unbedingt die Leute drin, die noch nie in ihrem Leben mal eine Entscheidung getroffen haben. Da kommen hunderte oder, ich weiß nicht, hundert Jahre Solar, OBS und solche Erfahrungen zusammen. Und immer wieder freue ich mich, wenn Benjamin drin sitzt. Warum? Wir haben ein praktisches Problem. Man quatscht zehn Minuten, eine Viertelstunde, und irgendwann meldet er sich und sagt: Wollen wir es nicht so machen?
Und ich weiß nicht, wie oft ich mir dachte: Das ist Wort der Weisheit. Jemand, der die Situation sieht und sagt: Lass es uns so machen. Und alle sagen: Na klar, logisch, hätten wir auch draufkommen können. Und Benjamin ist nicht fünfundsechzig und hat schon urig viel Lebenserfahrung, sondern ist noch gar nicht so lange verheiratet, Mitte zwanzig. Da denkst du: Da ist etwas, das ist nicht mehr normal, da hat jemand in besonderem Maß eine Gabe.
Jede Gabe hat eine Gefahr. Die Gefahr dieser Gabe besteht darin, dass man vor lauter Weisheit vergisst, woher man die Weisheit hat. Dass man eine gewisse Form von Selbstsicherheit entwickelt, weil man ja viele Antworten auf praktische Fragen hat. Und Salomo ist so jemand, der das tatsächlich so erlebt hat. Am Anfang bittet er um Weisheit, er lebt toll mit seiner Weisheit, und am Ende seines Lebens fällt er von Gott ab und ist sich irgendwie zu sicher und hält das, was er am Anfang hatte, nicht mehr fest. Traurig, traurig.
Selbstprüfung und Gemeindegebrauch der Weisheit
So, jetzt die Frage: Woher weiß ich, wenn ich das jetzt so höre, ob ich so ein Typ bin, ob diese Gabe bei mir sein könnte?
Also, darf ich mal? Danke. Fragen zur Selbstreflexion. Wie gesagt, dahinter steckt die Idee, dass, wenn wir da durch sind, jeder so eine Vorstellung davon hat: Das könnte ich sein.
Ich habe einfach mal ein paar Fragen zusammengestellt. Hier heißen sie: Interessieren mich ganz praktische Fragen des Lebens? Logisch, wenn du die Gabe „Wort der Weisheit“ hast, dann fängst du mit den praktischen Fragen an.
Und jetzt könnt ihr ankreuzen: Ja, praktische Fragen sind meine Leib- und Magenspeise. Oder: Tendenz vorhanden, wenn es sich nicht vermeiden lässt, bin ich auch mit praktischen Fragen dabei. Oder du kannst es, würde ich ankreuzen, nein, einfach nur nein. Sie interessieren mich nicht. Absolut nicht. Ganz und gar nicht. Ich möchte mein Leben so einfach und fragefrei gestalten, wie irgendwie möglich. Ich lasse mich regelmäßig durch Gebet retten, weil ich irgendetwas übersehen habe.
Oder fällt es mir auffällig leicht, brauchbare Lösungen für praktische Probleme zu finden, die sich auch im Nachhinein als richtig herausstellen? Jeder kann eine Lösung geben, aber wenn man da mal so ein Jahr darüber nachgedacht hat, ist das dann immer noch gut gewesen?
Habe ich einen Blick für Situationen, und fällt mir eine Lösung für Probleme manchmal auch ein, ohne groß nachdenken zu müssen? Man nennt das dann Geistesblitz. Bin ich so einer?
Gebe ich gerne Rat? Und letzte Frage: Habe ich für meine Ratschläge schon positives Feedback erhalten?
Manchmal kriegt man selber gar nichts mit, und dann kommen Leute und sagen: Ey, vielen Dank, dass du das gemacht hast. Und du denkst: Was habe ich denn gemacht? Das war doch easy, da hat mich doch gar keine Kraft gekostet. Und der andere steht da vor und sagt: Wie, keine Kraft?
Ja, wenn man begabt ist, merkt man das oft daran, dass Dinge einem besonders leicht fallen, dass man von anderen dafür gelobt wird.
Und dann habe ich eine ganz, ganz arg große Bitte: Bitte füllt auch darunter das mal für euch in Gedanken aus. Da müssen wir noch darauf zurückkommen.
Wer könnte die Gabe in der Gemeinde haben? Also überlegt mal: Wer ist so einer, wo ich das schon erlebt habe, dass er in ganz praktischen Fragen mir einen Rat gegeben hat, wo ich im Nachhinein dachte: Genial, da hätte ich selber draufkommen können, aber ich bin nicht draufgekommen.
Das ist das Spiel, was wir jetzt die nächsten Wochen miteinander spielen wollen. Ich stelle euch etwas vor, ihr denkt ein bisschen mit nach, und ihr könnt immer, während ich rede, und auch wenn ihr schon von vornherein dachtet: Bin ich nicht. Es wird so ein paar Gaben geben, wo ihr von vornherein sagen könnt: Weiß ich schon, dass ich das nicht bin.
Dann denkt mal darüber nach: Wen haben wir denn in der Gemeinde, auf den das zutrifft? Wo habe ich Erfahrungen gemacht mit Menschen? Dass wir dann am Ende, ich werde irgendwann eine fette, große Tabelle hier haben, wo alle Namen stehen, alle Gaben stehen, ja, und dann möchte ich, dass Punkte geklebt werden. Ja, wer hat denn was?
Und ich möchte danach, dass jeder sieht: Boah, ich bin begabt. Oder zumindest: Wenn ich selber nicht glaube, jemand anders glaubt, dass ich begabt bin. Da kommt einer und sagt: Ich glaube, du bist das, Bub.
Das wäre toll. Das wäre mein Traum.
Das Wort der Erkenntnis und der Umgang mit biblischem Verstehen
Ich habe noch eine zweite Gabe, die ich euch vorstellen möchte. Das geht viel schneller. Immer noch 1. Korinther 12,8. Da geht es nicht nur um das Wort der Weisheit, sondern auch um das Wort der Erkenntnis.
Das ist für mich deshalb einfach, weil das ich bin. Da kann ich sagen: Da finde ich mich wieder. Dazu kann ich viel sagen, aber ich brauche nur wenig zu sagen, weil man relativ schnell versteht, worum es geht.
Erkenntnis hat damit zu tun, etwas zu durchdringen, etwas zu verstehen, etwas zu erfassen. Und wer das Wort der Erkenntnis hat, dem macht es einfach Spaß, Dinge zu verstehen. Er ist dann auch in der Lage, diese Aha-Erlebnisse, die er selbst hat, mit anderen zu teilen. Und zwar auf eine Weise, dass die anderen auch noch etwas verstehen.
Das ist ein bisschen wichtig, weil ihr das schon versteht, ja? Ich war mit Felix Nützke unterwegs, und er hat vielleicht auch diese Gabe. Ich bin noch nicht ganz sicher. Aber er hat mir versucht, seine Mathematik-Hausaufgaben zu erklären. Er ist jetzt gerade am Anfang des Masterstudiums Mathematik. Und er hat sich echt Mühe gegeben. Ich hatte für 30 Sekunden den Eindruck, zu verstehen, was er sagt. Und dann schloss diese Wolke aus Unwissenheit seine Worte wieder ein. Total lustig.
Also, das ist die typische Gabe für einen Lehrer, für einen Bibellehrer, der Spaß hat am Durchdenken, am Erforschen, am Studieren der Bibel. Und wie die Weisheit jeder braucht, so ist das natürlich auch bei der Erkenntnis. Die Bibel sagt in 2. Timotheus 2,24, dass jeder Christ lehrfähig sein soll. Jeder soll seine Bibel so gut kennen, dass er anderen in den Grundfragen des Glaubens wirklich guten Rat geben kann.
Wenn jemand zu dir kommt und sagt: Sagen wir eigentlich eine Dreieinigkeit oder eine Viereinigkeit? Ich bin da nicht mehr so ganz sicher. Dann wäre es schön, wenn jeder von euch sagen könnte: Also, wir sind diese Dreieinigkeitsfraktion. Dass man da so eine Idee hat, wo man steht, und wenn man vielleicht noch eine Nachfrage bekommt, dass man vielleicht noch einen Tick mehr sagen kann. Das ist etwas, wo Gott sagt: Das wünsche ich mir eigentlich von allen.
In Kolosser 3,16 drückt der Apostel Paulus das so aus: Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. Das hat schon eine Aussage. Und dann: In aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig. Wir sind in der Lage, einander zu ermahnen. Wir haben eine Idee davon, worum es im Glauben geht. Nicht in aller Tiefe, aber irgendwie schon.
An anderer Stelle sagt der Apostel Paulus im Epheserbrief auch, dass wir nicht töricht sein sollen, Epheser 5,17, sondern den Willen Gottes verstehen sollen. Das gehört einfach zum geistlichen Leben dazu.
Das wird jeder verstehen, der arbeiten geht. Bestimmte Dinge an deinem Arbeitsplatz musst du einfach verstehen. Wenn du nicht weißt, wie das mit den Pausenzeiten funktioniert, sorry, das wirst du lernen müssen. Wenn du nicht weißt, wie das mit der Kantine funktioniert, du wirst das lernen müssen. Wenn du nicht weißt, wann die Teambesprechung ist und dein Chef dir sagen will, was du zu tun hast, du wirst es lernen müssen. Es gibt einfach Dinge, da kommst du nicht dran vorbei.
Und so gibt es auch geistliche Sachverhalte, die muss man sich einfach mal reinziehen. Da reicht es vielleicht nicht immer, nur sonntags hier zu sein und eine Predigt zu hören. Da wird man an der einen oder anderen Stelle auch mal einen Tick tiefer gehen, sich mal ein Buch schnappen, mal eine Predigtreihe aus dem Internet herunterladen. Aber das ist wieder das Normale. Jeder macht das, sonst kannst du gar nicht leben.
Aber es gibt besonders begabte Erkenntnissucher und Finder, die an dieser Stelle in besonderer Weise Spaß daran haben, sich in Dinge reinzufressen. Wenn ich von mir aus gehe, das ist jetzt ein bisschen fies, aber ich tue es einfach mal: Ich habe mal geschaut, was mich mit dieser Gabe auszeichnet.
Erstens: eine unglaublich hohe intrinsische Motivation. Das heißt, niemand von außen muss kommen und mir sagen, ich mache es einfach aus mir heraus. Eine hohe Motivation, den Willen Gottes so tief und umfassend zu studieren wie irgend möglich. Also bis dahin, dass mir klar wurde: Ich brauche Griechisch und Hebräisch. Dann habe ich Griechisch und Hebräisch gemacht. Und wenn ich morgen feststellen müsste, ich müsste auch noch Suaheli lernen, würde ich das tun. Und das, obwohl ich nicht sprachbegabt bin, weil es mich einfach treibt. Ich möchte es verstehen. Und da wird manch einer sagen: Du, Freak. Stimmt, dazu stehe ich.
Ich glaube, man hat eine große Liebe zum Wort Gottes. Man hat Spaß im Umgang mit Texten. So dieses Dastehen und sich die Frage stellen: Warum steht hier ein denn im Text? Wenn ihr euch noch nie diese Frage gestellt habt, werdet ihr die Gabe wahrscheinlich nicht haben. Jeder, der die Gabe hat, wird sich in den ersten Jahren diese Frage stellen: Warum steht hier ein denn? Oder wenn ein Satz mit einem deshalb anfängt: Worauf mag sich dieses deshalb beziehen? Und du kannst eine halbe Stunde problemlos darüber nachdenken. Deshalb ist rückbezüglich. Bezieht es sich nur auf den letzten Satz, auf die letzten Sätze, auf eine Gedankenkonstruktion?
Mann, das ist meine Leib- und Magenspeise, okay? Da komme ich so richtig in Fahrt. Oder ich kann drei Abende über Joel brüten, habe mir den gesamten Text ausgedruckt und denke nur darüber nach: Wie ist die Struktur? Okay? Nur die Struktur interessiert mich, und es ist fantastisch.
Meine Frau könnte euch Geschichten davon erzählen, dass ich nachts aufwache, ins Klo renne, weil das der einzige ruhige Ort ist, wo ich Licht anmachen kann, wenn wir Gäste haben. Und dann setze ich mich aufs Klo und schreibe die Gedanken, die mir beim Schlafen gekommen sind, über irgendetwas auf, weil ich es unbedingt behalten möchte, weil ich irgendwo meine, etwas zu sehen.
Ihr merkt schon, ich glaube, dazu kommt ein gewisses Maß an analytischen Fähigkeiten. Mir fällt es zum Beispiel unglaublich leicht, und es ist mir früh aufgefallen, Anwendungen aus dem Text zu formulieren. Meine Frau sagt immer: Wie machst du das? Du liest so einen Text und weißt immer gleich, was man damit machen kann. Ich mache es einfach. Ich sehe das und denke: Könnte man mal machen. Man muss ja nicht darüber nachdenken.
Und ich glaube, wenn man diese Gabe hat, hat man auch Lust auf Predigen oder Gesprächsgruppen. Ich habe meinen ersten Hauskreis geleitet, nein, gegründet und geleitet, mit Leuten bestückt. Da war ich noch kein Vierteljahr Christ. Das war eine der ersten Sachen, die wir gemacht haben. Und danach haben wir immer wieder Bibellesekreise, NT-Kurse, AT-Kurse gemacht. Immer wieder. Ja, das ist einfach, ich weiß ja nicht, wie ich das sagen soll, das ploppt so. Du wachst morgens auf und denkst, das müsstest du machen, und irgendwie plopp, dann machst du es halt.
So, wenn das dein Leben wird, dann hast du wahrscheinlich diese Gabe. Erkenntnis, es macht dir Spaß, Dinge zu durchdringen. Damit gehen drei Gefahren einher.
Das eine ist Manipulation. Du wirst zu jemandem, der nicht mehr Gottes Wort predigt, der nicht mehr von Gottes Wort geprägt wird, sondern der Leute manipuliert. Der glaubt, über dem Wort zu stehen, und der seine Ideen predigt, weil er vielleicht Macht will oder Geld oder Ehre oder einfach dazugehören.
Ich glaube, dass solche Typen, und das sage ich deshalb, damit ihr ein Auge auf mich habt, reihenweise in der Gefahr stehen, nicht mehr korrekturfähig zu sein. Versucht mal, mit so jemandem, der das tut, zu argumentieren. Lasst euch von Bärbel zwei, drei Streits erzählen, wo sie verloren hat und ich danach vom Geist Gottes überführt wurde, mich bei ihr entschuldigt habe. Du hast irgendwann gegen diese Typen argumentativ kaum mehr eine Chance. Die drehen dir einfach das Wort im Mund um.
Das ist eine echte Gefahr. Das ist auch eine Gefahr, vor der ich Angst habe. Und deswegen: Ihr dürft da immer wieder ran.
Und dann gibt es natürlich die Typen, die sich so in ihren Elfenbeinturm der Gelehrsamkeit zurückziehen und die sich dann so sinnvolle Fragen stellen wie: Was mag wohl bei der Stiftshütte, da gibt es außen einen Zaun, und dieser Zaun besteht aus Brettern, und der steht auf silbernen Füßen. Wofür mag symbolisch wohl das Silber dieser Füße stehen?
Und du denkst dir: Super Frage! Also, das kann auch passieren. Man verliert sich so irgendwo in siebtklassigen Fragen. Und das ist einer der Gründe, warum ich leidenschaftlich gern mit Leuten, die noch gar keine Ahnung haben, in der Bibel lese. Weil es mich immer wieder erdet. Und warum ich so gern Jugendarbeit mache.
Ich komme jetzt gerade vom Winterbibel-Special, und da habe ich das Wort frivol verwendet. Dann sehe ich die Fragezeichen in den Augen, und dann sage ich mir: Okay, es ist ein Wort, das man anscheinend nicht mehr verwendet. Es ist halt so, da haben wir es nochmal neu probiert.
Und das ist wichtig. Das ist wichtig, diese Erdung.
Selbstprüfung und praktische Anwendung der Erkenntnisgabe
Fragen zur Selbstreflexion noch einmal: Ich klaue dir noch einmal deinen Zettel, und wir gehen das so schnell durch.
Treibt es mich zum Wort Gottes? Will ich unbedingt immer mehr verstehen? Ist das so eine Leidenschaft, die ich habe? Ich sehe es bei einigen von euch, und das will ich einfach so sagen. Ich meine, das zu sehen. Fällt es mir leicht? Leicht ist natürlich immer relativ. Wir reden über harte Arbeit. Aber fällt es mir im Vergleich zu anderen leicht, komplexe biblische Zusammenhänge zu erforschen und zu erklären? Ist das mein Ding?
Vielleicht kann ich am Anfang damit anfangen. Ich weiß noch, dass mich die ersten Seminare, die ich gegeben habe, einfach gereizt haben. Es war ein Überblick über die Bibel. Das hat mich einfach angesprochen. Dann freue ich mich über neue Einsichten in Gottes Wort. Eigentlich wünsche ich mir das für jeden von euch. Aber freut ihr euch auch so richtig? Ihr wisst schon, was ich meine.
Schaffe ich Gelegenheiten, um mit anderen Gläubigen Gottes Wort zu lesen und es ihnen, soweit es mir möglich ist, zu erklären? Bekomme ich für meine Bemühungen ein positives Feedback, sprich: Verstehen meine Zuhörer, was ich ihnen sagen will?
Wenn das dein Ding ist, dann schreib dich da hin. Wenn du sagst: Nee, Freund, du bist mir eh schon immer ein bisschen suspekt gewesen, dann buche es einfach unter: Es ist nicht deine Gabe. Wir sind unterschiedlich.
Und wenn du sagst: Ist ja doof, die ersten beiden, das ist ja jetzt wie Tombola-Lose kaufen, bei jeder Gabe macht man eins auf. Vielleicht hast du jetzt den Eindruck, ich habe zweimal Niete, weder das erste noch das zweite. Dann musst du einfach wiederkommen. Dadurch, dass jeder eine Gabe empfangen hat, wird jeder irgendwann Gewinner sein. Die Frage ist nur: bei welcher Predigt. Expandend, genau.
An dieser Stelle machen wir Schluss.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.
