Einleitung
I. Nicht Menschenwort (2,13)
Nochmals greift Paulus seine Verkündigung auf. Bereits in Kapitel 1,5
weist er darauf hin, wie er das Evangelium in Vollmacht verkündigt hatte.
Man spürt seine Begeisterung darüber, dass die Thessalonicher so treu
sind.
Nachdem er nun in den vorhergehenden Versen der Gemeinde deutlich
machte, dass er nicht mit List und betrügerischem Sinn das Evangelium
verkündigte, bricht wieder die Dankbarkeit durch:
Und darum danken wir auch Gott ohne Unterlaß dafür, daß ihr das Wort der
göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort
aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort,
das in euch wirkt, die ihr glaubt. 1.Thess.2,13.
Es ist für Paulus ein überwältigendes Wunder, obwohl seine Rede
menschlich gar nicht so beeindruckend war, wie er gegenüber den Korinthern
gesteht:
Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten
und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. / Denn ich
hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus
Christus, den Gekreuzigten. / Und ich war bei euch in Schwachheit und in
Furcht und mit großem Zittern; 1.Kor.2,1-3.
Also trotzdem, nahmen die Thessalonicher die Worte des Paulus als
Gottes Worte auf, und nicht als Menschenworte.
Und Paulus ist überzeugt, dass er Gottes Wort predigt, denn er sagt:
was es in Wahrheit ist V.13.
Und den Galatern, sagt er auch, wie vorher auch den Thessalonicher im
Vers 4, daß er diese Botschaft von Jesus selbst empfangen hatte:
Denn ich tue euch kund, liebe Brüder, daß das Evangelium, das von mir
gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist. / Denn ich habe es nicht von
einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu
Christi. Gal.1,11-12.
Anwendung
Es gibt ja viele Menschen, die Gottes Wort hören, aber sie nehmen es
auf wie Menschenworte.
So gibt es ja auch die Auseinandersetzung über die Bibel. Ist die
Bibel, die von Menschen geschrieben wurde Menschenwort oder Gotteswort?
Die Theologen kamen zum grössten Teil zum Schluss, dass es
Menschenwort ist welches Gottes Worte enthält. Nur ist es etwas schwierig
herauszufinden, welches die Worte Gottes und welches Menschenworte sind.
Hätten sich die Thessalonicher darüber Gedanken gemacht und hätten
sie versucht das zu unterscheiden, so hätten wir keinen Thessalonicherbrief
in der Bibel. Dann wäre die Gemeinde so schnell verschwunden, wie sie
entstanden ist.
Nein, sie nahmen die menschlichen Worte als Wort Gottes auf.
Deshalb sollen auch wir, die Worte, die die Apostel schrieben, als
Worte Gottes aufnehmen und sie nicht in menschliches und göttliches Wort
spalten wollen.
So wird nämlich der Mensch Herr über Gottes Wort, denn er bestimmt
dann, was göttlich und was menschlich ist.
Die Bibel ist doch gerade der Beweis, dass die Gemeinden davon
ausgingen, dass die Bücher Worte Gottes sind.
Paulus gibt ja seinen Worten ein ungeheures Gewicht wenn er sagt:
Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen
würde, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.
/ Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein
Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.
Gal.1,8-9.
Merken wir die Dringlichkeit des Paulus. Er weiss genau, schon bei
Eva und der Schlange, war die erste Attake, der Zweifel am Wort Gottes:
Ja, sollte Gott gesagt haben... Gen.3,1.
Mit der Bibel müssen wir entgegen allen Zweifel sagen: Ja, Gott hat
gesagt, es steht geschrieben.
Paulus rühmt auch die Korinther, weil sie an seinen Überlieferungen
festhalten:
Ich lobe euch, weil ihr in allen Stücken an mich denkt und an den
Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. 1.Kor.11,1.
Lassen wir uns die Freude am Wort Gottes nicht nehmen. Gehen wir
sorgsam mit dem Wort um, denn auch der Teufel kann mit dem Wort Gottes
argumentieren.
Wenn wir die Bibel, also die Apostel Lehre im neuen Testament nicht
als Menschwort aufnehmen, sondern als Gottes Wort, dann werden wir
erfahren, dass dieses Wort in uns wirkt.
Evangelisation
Hast die dieses Wort Gottes schon als Wort Gottes angenommen?
Oder gehörst du zu denen, von denen der Hebräerbrief schreibt:
Denn es ist auch uns verkündigt wie jenen. Aber das Wort der Predigt
[akoäs] half jenen nichts, weil sie nicht glaubten, als sie es hörten.
Hebr.4,2.
Ja, wenn du dem Wort Gottes nicht glaubst, bis ins letzte, dann hilft
es dir nicht.
Du kannst dich vielleicht freuen an den Predigten, vielleicht ab und
zu ärgern. Vielleicht gefällt die die Atmosphäre unter den Christen, aber
wenn du dem Wort Gottes nicht glaubst, dann hilft es dir nicht.
II. Überall dasselbe (2,14-15a)
Wer das Wort Gottes ernst nimmt, der hat Folgen zu tragen. Dies macht
Paulus nun deutlich.
Was die Thessalonicher von ihren Mitbürgern erleben mussten, das
musste auch die Gemeinden in Judäa bereits erleben.
Paulus sagt ihnen also, dass es eigentlich ganz normal ist. Das Wort
Gottes ruft eben auch Empörung hervor.
Selbst Jesus wurde wegen seinen Worten und nicht wegen seinen Taten
verurteilt und gekreuzigt. Der Hohepriester sagte:
Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert!
Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Gotteslästerung
gehört. Mt.26,65.
Auch uns ist kein anderes Schicksal verheissen, denn Jesus sagte
seinen Jüngern:
Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer
als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen;
haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Joh.15,20.
Es ist also eine ganz normale Erscheinung. Nicht dass die
Thessalonicher etwa ihren Glauben an Jesus anzweifeln.
Was ihr erfährt, musste auch die Gemeinde in Judäa erfahren und
selbst Jesus wurde, um des Wortes willen getötet und auch die Propheten.
Zur Zeit von Paulus sind auch schon einige Christen dem Beispiel
gefolgt, dass sie um den Wortes Willen sterben mussten.
Das Fatale an der Sache ist, dass die einen sogar meinen, sie tuen
Gott einen Gefallen damit, so wie Jesus sagt:
Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, daß wer
euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Joh.16,2.
Anwendung
Also, schreiben wir es uns dick hinter die Ohren. Leiden und
Entbehrungen sind eine natürliche Folge für die, die mit Ernst Christus
nachfolgen.
Die das Wort der Apostel, als Wort Gottes aufnehmen, werden nicht von
solchen Erfahrungen verschont.
Das zu predigen ist nicht schön, aber es ist wichtig, daß wir uns
keine falschen Vorstellungen machen.
Es kann nie darum gehen, dass wir gross und bekannt werden, oder dass
wir Einfluss gewinnen. Unser erstes und letztes Anliegen muss sein, Gott
treu zu sein.
Vielleicht sind wir dann nicht besonders kräftig, aber Gott stört
dies keineswegs. Die einzige Gemeinde, die in den Sendschreiben der
Offenbarung gerühmt wird, ist die Gemeinde in Philadelphia, deren Kraft
klein ist:
Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und
niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein
Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Offb.3,8.
Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren
vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis,
zu versuchen, die auf Erden wohnen. Offb.3,10.
Das ist doch das A u. O, daß wir überwinden und trotz allem dem Herrn
treu bleiben. Die Offenbarung spricht ja auch von ausweglosen Situationen:
Wenn jemand ins Gefängnis soll, dann wird er ins Gefängnis kommen; wenn
jemand mit dem Schwert getötet werden soll, dann wird er mit dem Schwert
getötet werden. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen! Offb.13,10.
Solche Zeiten können jederzeit die Gemeinde Jesu treffen. Dann sollen
wir nicht unseren Glauben in Zweifel ziehen. Dann sollen wir nicht Gott
anklagen, warum er uns nicht befreit, sondern dass sollen wir wissen, dass
dies unser Schicksal ist und wir trotzdem dem Wort treu bleiben.
III. Die Menschenfeinde (2.15b-16)
A. Ihr Vergehen
Wer sich nun so gegen Gott und sein Wort verhält, der kann Gott nicht
gefallen, das ja eigentlich selbstverständlich.
Jemand der uns verleumdet und verbissen gegen uns kämpft, wird uns
wohl auch nicht gefallen.
Was aber ein äusserst interessanter Gedanke ist, den wir hier im Vers
15 sehen:
Die sind aller Menschen feind.
Also nicht allein Feinde gegen Gott, sondern sie sind Feinde aller
Menschen.
Sie versündigen sich im hohen Masse, indem
sie uns wehren, den Heiden zu predigen zu ihrer Rettung. V.16.
Durch ihr Verhalten, daß sie die Verkündigung behindert und zum Teil
sogar verhindern, sind sie Feinde aller Menschen, weil sie ihnen dadurch
den Weg - und zwar den einzigen Weg - zur Rettung des Menschen versperren.
Paulus ist eben felsenfest der Überzeugung:
Und in keinem andern ist die Rettung, auch ist kein andrer Name unter dem
Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet werden.
Apg.4,12.
Wenn das tatsächlich so wahr ist, dann ist jeder, der sich gegen eine
Verkündigung des Evangeliums, gegen das Wort Gottes stellt, nicht nur ein
Feind Gottes, sondern ein Feind aller Menschen.
Vielleicht sind diese Menschen der Überzeugung, dass sie sich für das
Wohl der Menschen einsetzen, aber in Wahrheit sind sie Feinde des Menschen
und sie Verführen die Menschen.
Jesus wirft dieses Verhalten auch den Schriftgelehrten und Pharisäern
vor:
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das
Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die
hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen. Mt.23,13Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und
Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er's
geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie
ihr. Mt.23,15.
Wer den Menschen den Weg ins Himmelreich zuschliesst, und das macht
man, wenn man Jesus nicht verkündigt, der ist ein Feind der Menschen.
B. Konsequenzen
Paulus sagt, der Zorn Gottes ist schon im vollen Masse über sie
gekommen.
Man ist hier nicht sicher was Paulus meint, ob er damit die Juden
meint, die unter der harten Verwaltung der Römer ständig litten. Oder was
er genau meint.
Sicherlich will er der Gemeinde deutlich machen, dass Gott sich nicht
spotten lässt, und dass er für Gerechtigkeit sorgen wird.
Es ist nicht Sache der Gemeinde Jesu Rache zu üben, denn die Rache
wird Gott selbst üben, so sagt Paulus:
Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rö.12,18.
Das ist nun die vornehmliche Aufgabe der Gemeinde Jesu. Paulus fährt
weiter mit der Mahnung:
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes;
denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein ich will vergelten, spricht
der Herr. Rö,12,19.
Und jetzt kommen nochmals genaue Anweisungen wie wir uns denn
tatsächlich zu verhalten haben:
Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm
zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt
sammeln. / Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse
mit Gutem. Rö.12,20-21.
Paulus zeigt also den Thessalonichern auf, dass Gottes Zorn über die
Feinde Gottes und über die Feinde der Menschen kommen wird und dass er
sorgar schon zum Teil sichtbar ist.
Gottes Zorn kann schon auf dieser Erde zum Ausdruck kommen. Und im
Hebräerbrief heisst es:
Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Hebr.10,31.
Anwendung
Wir sollen demnach eine gelassene - nicht eine gleichgültige - aber
eine gelassene Haltung bewahren, wenn uns Widerstand begegnet.
So befremdend uns das vielleicht klingen mag, aber wir sollen uns
bewusst sein, dass Gott zum rechten sehen wird und dass er sich rächen
wird.
Nur wenn wir uns dies vor Augen halten, können wir wirklich in der
nötigen Liebe den Menschen begegnen. Nur so können wir Verleumdungen und
Hass wirklich einstecken.
Schluß
Das Wort Gottes wird durch Menschworte übermittelt, denn wir
verstehen ja nur menschlich ausdruckbare Worte.
Diese Menschenworte werden aber von denen, die es hören, als Gottes
Worte aufgenommen.
Dies ist der Weg, wie Gott Menschen auch heute noch erreicht und wie
Gott heute noch Gemeinde baut.
Gegenüber den Thessalonichern haben wir einen grossen Vorteil, denn
wir haben das Wort Gottes in schriftlicher Ausgabe: nämlich die Bibel.
Wenn wir uns auf dieses Wort kompromisslos verlassen, werden wir
manche Entbehrungen in Kauf nehmen müssen, aber - und das ist wohl das
Entscheidende - wir werden das Ziel unseres Lebens - der Seele Seligkeit -
erreichen.
Amen
