Einführung in die Problematik der Pharisäer und ihre Haltung zum Reich Gottes
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 588: Gottes ewige Moral.
Wir waren bei der Frage stehen geblieben, was die Pharisäer tun, um mit Gewalt ins Reich Gottes einzudringen. Diese Frage ist von größter Bedeutung, weil das, was sie tun, bis heute hochaktuell ist.
Deshalb möchte ich noch einmal kurz aus der Vogelperspektive darauf blicken. Was machen die Pharisäer falsch? Sind sie habsüchtig? Sie treffen auf das Wort Gottes, hier dargestellt im Gleichnis vom klugen Verwalter. Doch anstatt Buße zu tun, wollen sie sich selbst rechtfertigen und verspotten Jesus.
Sie haben ein hochmütiges Herz, das Gottes Anspruch an ihr Leben verachtet. Gleichzeitig wollen sie aber als die Frommen dastehen.
Die Verdrehung des göttlichen Maßstabs durch die Pharisäer und ihre heutige Relevanz
Und jetzt wird es interessant, denn sie können diese Widersprüchlichkeit nur leben, wenn sie den Maßstab, den Gott an das Leben aller Menschen anlegt, verändern.
Sie können den Herrn Jesus nur verhöhnen, weil sie durch eine falsche Auslegung der Gebote Gottes ihr eigentlich sündiges Verhalten als richtig und gottgewollt darstellen – was es natürlich nicht ist. Genau das tun vermeintlich fromme Menschen bis heute. Getrieben von Sünden, die man sich nicht eingestehen will, und vom Wunsch, angesehen und geehrt zu werden, verdreht man das Wort Gottes, damit es einem selbst nicht widerspricht.
Wenn ich sehe, wie postevangelikale, vermeintlich christliche Theologie heute in der Lage ist, Pornografie, Polyamorie oder Prostitution zu befürworten, und gleichzeitig in den Landeskirchen alles bis hin zur Verlorenheit des Menschen, dem Sühnetod Christi oder der Auferstehung angezweifelt und umgedeutet wird, dann treffen wir im Kern auf genau das, was die Pharisäer tun.
Hier wird der Maßstab Gottes an das eigene Denken angepasst. Nicht mehr Gott prägt mein Denken durch sein Wort, sondern ich verändere Gottes Wort durch mein Denken. Was am Ende bleibt, ist eine neue Religion. Ich nenne sie Satanismus: „Leid, ich tue, was mir gefällt. Sollte Gott gesagt haben? Und falls doch, dann interessiert es mich nicht.“
Die Unveränderlichkeit des göttlichen Gesetzes trotz des Ablaufs des Alten Bundes
Was würde Jesus dazu sagen? Wie wäre es damit? Lukas 16,17: „Es ist aber leichter, dass der Himmel und die Erde vergehen, als dass ein Strichlein des Gesetzes wegfällt.“
Nun zum Problem: Wie kann es sein, dass das Gesetz und die Propheten bis auf Johannes gehen – das war in Vers 16 – und gleichzeitig in Vers 17 gesagt wird, dass kein Strichlein des Gesetzes wegfällt? Versteht ihr das Problem?
Das Gesetz hat ein Ablaufdatum, das haben wir gesehen. Trotzdem soll es leichter sein, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein Strichlein des Gesetzes wegfällt. Ist das nicht ein Widerspruch? Auf den ersten Blick schon.
Ich hätte mir ehrlich gewünscht, dass Lukas hier etwas mehr schreibt. Er formuliert mit Blick auf den Konflikt extrem kurz und pointiert. Er reißt Themen eher an, als dass er sie ausführlich erklärt. Damit müssen wir leider leben. Das ist die Freiheit des Autors.
Die Erfüllung und Fortführung der Gebote im Neuen Bund durch Jesus Christus
Auf den ersten Blick scheint es einen Widerspruch zu geben. Aber das ist nur oberflächlich so.
Worum geht es Jesus? Er möchte den Pharisäern erklären, was es bedeutet, mit Gewalt in das Reich Gottes hineinzukommen. Das ist sein Vorwurf an sie. Wir wissen auch, dass die Gewalttätigkeit der Pharisäer darin besteht, dass sie den Maßstab Gottes verändern. Praktisch bedeutet das, dass sie bestimmte Gebote Gottes ignorieren, um habgierig zu leben oder sich jederzeit von ihren Frauen scheiden lassen zu können.
Obwohl der alte Bund mit seinen Geboten ein Ablaufdatum hat, besteht Jesus darauf, dass alle Gebote weiterhin Bestand haben. Wie kann das sein?
Die Antwort lautet: Die Gebote des alten Bundes werden durch Jesus und den neuen Bund erfüllt. Erfüllt im Sinne von „vollgemacht“ oder „zur Vollendung gebracht“. Wir wissen auch bereits, wie das geschieht.
Die kultischen Gebote erfüllen sich, weil sie prophetisch und illustrativ sind und sich in der Person des Messias erfüllen. Die moralischen Gebote werden erfüllt, indem Jesus sie als Ausdruck des Liebesgebotes interpretiert. Er selbst zeigt am Kreuz, wie weit die Liebe geht, von der er spricht.
Der alte Bund hat zwar ein Ablaufdatum, aber die Gesetze des alten Bundes verschwinden nicht einfach. Sie werden erfüllt, also auf ein neues Niveau gehoben. Wo im alten Bund Tiere immer wieder geopfert werden, erfüllen sich diese Opfer darin, dass Gott selbst Mensch wird und ein für allemal das eine Opfer bringt, das die Schuld der ganzen Welt sühnen kann.
Wo im alten Bund steht „Du sollst nicht morden“, verweist Jesus darauf, dass Mord bereits dort beginnt, wo ich ohne Grund zornig bin und meinem Zorn Raum gebe.
Wir halten also fest: Der alte Bund als Institution fällt weg, und mit ihm sind auch die Gebote des alten Bundes formal aufgehoben. Aber der Anspruch der Gebote, vor allem der moralische Anspruch, bleibt vollumfänglich bestehen. Denn sie haben durch Christus und seine Verkündigung eine Erfüllung gefunden. Kein Strichlein davon fällt weg.
Gott geht im Reich Gottes nicht hinter die Ethik des alten Bundes zurück. Auch im neuen Bund sind Diebstahl oder Ehebruch eine Sünde. Neu ist nur, dass der Dieb im neuen Bund außerdem aufgefordert wird, fleißig zu arbeiten, um Bedürftigen abgeben zu können.
Neu ist auch, dass Ehebruch nach den Prinzipien des Reiches Gottes im Herzen beginnt – dort, wo ich eine andere Frau begehre, lange bevor ich sie anspreche oder mich mit ihr treffe.
Man merkt: Es fällt nichts weg. Das Gesetz Gottes ist dauerhaft, dauerhafter als Himmel und Erde. Das ist so, weil es dem Charakter Gottes entspricht, der sich nicht ändert.
Das Beispiel der Ehe als Illustration für die falsche Moral der Pharisäer
Aber kommen wir zu dem Beispiel, an dem Jesus den Pharisäern deutlich macht, wie falsch sie liegen: Lukas 16,18.
„Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und jeder, der die von einem Mann Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.“
Wir hatten diesen Text und die damit verbundene Problematik bereits in den Episoden 196 bis 200 behandelt. Außerdem werden wir sie noch ausführlich besprechen, wenn Jesus ein Streitgespräch mit den Pharisäern über das Thema führt, ob man seine Frau aus jeder beliebigen Ursache entlassen darf.
Hier an dieser Stelle ist die Thematik nur ein Beispiel, an dem Jesus seinen Zuhörern deutlich macht, dass sie sich in Kernfragen der Moral vom Willen Gottes entfernt haben.
Es ist ein Beispiel dafür, wie sie mit Gewalt ins Reich Gottes hineindringen. Es zeigt, wie sie Gottes Maßstab an ihre Wünsche angepasst haben. Sie verändern Gottes Vorstellung von Ehe, leben ihre sündigen Gedanken aus und halten sich trotzdem für fromme Leute.
Ganz ehrlich, mir kommt das Recht bekannt vor. Das ist es, was sich heute eins zu eins in vielen Landes- und Freikirchen abspielt. Leider.
Abschluss und Verweis auf weiterführende Materialien
Was könntest du jetzt tun? Falls du das mit der Erfüllung des Gesetzes noch nicht verstanden hast, sieh dir doch das Video an, das ich im Skript verlinkt habe.
Das war's für heute. Zum Thema Ehe, Scheidung und Wiederheirat habe ich eine Abhandlung verfasst. Den Link findest du im Skript.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
