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Die Frage nach der Auferstehung – Teil 2

Jesu Leben und Lehre | Episode 711
Markus 12,1905.06.2026
SerieTeil 2 / 4Die Frage nach der Auferstehung

Die Ausgangsfrage und der historische Hintergrund

Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist
Episode 711
Die Frage nach der Auferstehung, Teil 2
Die Sadduzäer kommen also zu Jesus und stellen ihm eine Frage zum Thema Auferstehung, etwas, woran sie selbst nicht glauben. Warum waren die Sadduzäer so auf dieses Thema versessen?
Wir wissen, dass Jesus in theologischen Fragen den Pharisäern weitaus näher stand als den Sadduzäern. Es war paradoxerweise gerade diese Nähe zum pharisäischen Gedankengut, die die Sadduzäer dazu motivierte, Jesus herauszufordern.
Aber warum ist das Thema Auferstehung den Sadduzäern gerade so wichtig? Um sie zu verstehen, müssen wir einen Blick in die turbulente Zeit der Hasmonäer werfen.
Die Hasmonäer waren eine jüdische Priester- und Herrscherdynastie, die das zweite und erste Jahrhundert vor Christus prägte. Ihr Ursprung liegt im Aufstand des Matatias und seiner Söhne gegen den hellenistischen Herrscher Antiochos den V.
Nach der Befreiung des Tempels im Jahr 164 vor Christus kämpften die Söhne des Matatias, allen voran Jonathan und Simon, unermüdlich für die Unabhängigkeit Israels. Besonders das Jahr 140 vor Christus ist hier ein historischer Wendepunkt.
Simon wurde nicht nur als Hohepriester und militärischer Anführer eingesetzt, sondern durch den Seleukidenkönig Demetrius II. auch offiziell als politisches Staatsoberhaupt anerkannt. Damit verschmolzen erstmals zwei Ämter miteinander, die eigentlich getrennt sein sollten: das Hohepriestertum und die politische Herrschaft.
Der Tempel wurde dadurch vom rein religiösen Ort zum administrativen und wirtschaftlichen Machtzentrum. Diese Machtkonzentration hatte jedoch ihren Preis. Sie verstärkte die innerjüdischen Spannungen enorm und führte zur Bildung zweier grundverschiedener Strömungen.

Zwei Gruppen mit gegensätzlichen Schwerpunkten

Auf der einen Seite standen die Sadduzäer. Sie waren die Schriftkonservativen. Als priesterliche Aristokratie hielten sie strikt an der schriftlichen Tora fest, vor allem an den fünf Büchern Mose. Alles, was nicht ausdrücklich darin stand, lehnten sie ab. Dazu gehörte für sie auch die Hoffnung auf Auferstehung, die sie als neumodischen Glaubenszusatz der Pharisäer betrachteten.
Auf der anderen Seite entstanden die Pharisäer. Sie waren die Lehrer des Volkes. Sie erweiterten das Verständnis der Tora durch mündliche Überlieferungen und Traditionen. Damit machten sie den Glauben durch Auslegung lebendig und für den Alltag relevant. Und wie wir am Beispiel von Martha, der Schwester des Lazarus, sehen, prägen die Pharisäer mit ihrer Auslegung das Denken des einfachen Volkes, auch im Blick auf das Thema Auferstehung.
 Johannes 11,23-24: Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Martha spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.

Der Verlust politischer Macht und die Angst vor Zukunftshoffnung

Aber kommen wir kurz zurück zur Geschichte. Die hasmonäische Herrschaft, die diese Parteienlandschaft so stark prägte, fand schließlich im Jahr 63 v. Chr. ein jähes Ende, als der römische Feldherr Pompeius den Machtanspruch der Dynastie beendete und Israel unter römische Herrschaft brachte.
Jetzt wissen wir, woher die Sadduzäer kommen. Warum waren sie also so auf das Thema Auferstehung versessen? Wovor hatten sie Angst?
Lasst es mich so sagen: Die Sadduzäer fürchteten, dass die Lehre von der Auferstehung ihre religiöse und gesellschaftliche Stellung ins Wanken bringt. Denn die Hoffnung auf ein zukünftiges Leben verschiebt den Blick weg vom Tempel, weg vom gegenwärtigen Opferkult hin zu Gottes künftigem Eingreifen. Genau dort aber lag ihre Macht: im Tempel, im Kult, in der Verwaltung des Religiösen.
Versteht ihr das Problem? Wenn Gott wirklich die Toten auferweckt, dann liegt die entscheidende Hoffnung nicht mehr im Heute und damit nicht mehr in den bestehenden Strukturen, sondern in dem, was Gott noch tun wird. Dann gibt es eine echte Zukunftshoffnung: Auferstehung, Gericht, ein neuer Himmel und eine neue Erde.
Der Glaube an die Auferstehung ist letztlich der Glaube daran, dass Gott das letzte Wort hat und das Böse endgültig besiegen wird. Für Menschen, die den Status quo sichern wollen, also ihre Auslegung der Tora, ihre Rolle im Volk und ihren Einfluss, ist eine solche Hoffnung gefährlich. Denn mit der Auferstehung kommt unweigerlich die Vorstellung eines zukünftigen Gerichts. Und damit stellt sich plötzlich für jeden eine sehr persönliche Frage: Lebe ich so, wie Gott es will? Wird mein Leben vor ihm bestehen? Ist das, was wir hier tun, eigentlich in Gottes Sinn?
Merkt ihr, genau diese Dynamik bedroht die Kontrolle der sadduzäischen Priesterelite. Denn wo Gottes zukünftiges Handeln ernst genommen wird, verliert menschliche Macht ihren absoluten Anspruch. Es ist dieser drohende Kontrollverlust, religiös, gesellschaftlich und persönlich, den die Sadduzäer fürchten.
Deshalb sind sie so auf das Thema Auferstehung versessen. Deshalb fordern sie Jesus mit ihrer Frage heraus.

Die gestellte Falle und das Gesetz der Schwagerehe

Schauen wir uns die Frage selbst ein wenig an. Markus 12,19: Lehrer, Mose hat uns geschrieben, wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau zurücklässt und kein Kind hinterlässt, dass sein Bruder seine Frau nehme und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecke.
Auch wenn die Sadduzäer Jesus hier einen Lehrer nennen, darf uns das nicht über ihre Absicht hinwegtäuschen. Sie wollen nichts von ihm lernen. Sie nennen ihn Lehrer, weil er bekannt ist und vom Volk geschätzt wird.
Ihr Fallbeispiel hat mit der sogenannten Levirats-Ehe zu tun. Der Name Levirats-Ehe kommt aus dem Lateinischen, wo levir das Wort für Schwager ist. Es geht also um eine Schwager-Ehe.
Der zugrunde liegende Text findet sich in 5. Mose. 5. Mose 25,5-6. Wenn Brüder zusammen wohnen und einer von ihnen stirbt und keinen Sohn hat, dann soll die Frau des Verstorbenen nicht auswärts einem fremden Mann angehören. Ihr Schwager soll zu ihr eingehen und sie zur Frau nehmen und mit ihr die Schwagerehe vollziehen. Und es soll geschehen: Der Erstgeborene, den sie dann gebiert, soll den Namen seines verstorbenen Bruders weiterführen, damit dessen Name aus Israel nicht ausgelöscht wird.
Das ist das Gebot, auf das die Sadduzäer sich beziehen. Wenn zwei Brüder zusammenwohnen, dann soll für den Fall, dass einer der Brüder ohne Erben stirbt, der andere seine Frau heiraten und dem Bruder Nachkommenschaft erwecken. Dies geschieht dadurch, dass der erstgeborene Sohn aus der Schwagerehe als Kind des verstorbenen Bruders angesehen wird.

Sinn und praktische Folgen der Schwagerehe

Warum ist eine Leviratsehe klug? Sagen wir es so: Es werden gleichzeitig sehr unterschiedliche Ziele erreicht. Die Leviratsehe sorgt zuerst einmal dafür, dass der Name und die Linie des verstorbenen Mannes weiterbestehen, indem der erste Sohn rechtlich als sein Nachkomme gilt. Damit bleibt das Familienerbe, besonders das Land, in der Sippe.
Für die Witwe bedeutet sie Schutz und Versorgung, weil sie weiterhin in die Familie ihres Mannes eingebunden bleibt. Zugleich zeigt sich eine klare Verantwortungsethik. Der Bruder soll für seinen verstorbenen Angehörigen einstehen. Es geht also um die Bewahrung der Linie, um Schutz für die junge Witwe und um einen Fokus auf Verantwortung füreinander.
Fairerweise muss man sagen, dass eine Leviratsehe weniger den persönlichen Wünschen als vielmehr der Stabilität von Familie und Gesellschaft diente. Im Einzelfall konnte der Bruder übrigens auch ablehnen. Dann war die Witwe, wie im Fall von Ruth, frei, den Mann zu heiraten, den sie wollte.

Abschluss und weiterer Lesehinweis

Was könntest du jetzt tun? Lies 5. Mose 25,5-10 und Ruth 4, um dich mit der Idee der Leviratsehe vertraut zu machen.
Das war’s für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für die Gemeindeleitung und bete heute für die Verantwortlichen.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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