Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.
Episode 52: Anbetung, Hass und Ignoranz.
Die Ankunft der Weisen und die Bestürzung des Königs Herodes
Gestern hatten wir beim Besuch der Magier oder der Weisen aus dem Osten aufgehört. Ich lese nun Matthäus 2,1-3:
„Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem. Sie fragten: ‚Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.‘ Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt, und ganz Jerusalem mit ihm.“
Ein Wort zu König Herodes, der auch Herodes der Große genannt wird. Es ist ja irgendwie logisch, dass die Weisen in die Hauptstadt Israels, nach Jerusalem, reisen, um den neugeborenen König der Juden zu finden. Wo sollte man ihn sonst suchen, wenn nicht am Königshof?
Das Problem war nur: Dort war er nicht. Stattdessen saß auf dem Thron von Israel Herodes der Große, ein Idumeer mit besten Beziehungen nach Rom, ein Machtmensch durch und durch. Wer ihm als Gefahr für sein Königtum erschien, wurde umgebracht. Das konnten auch schon einmal seine Ehefrau oder seine eigenen Söhne sein.
Und jetzt zieht die Karawane aus dem Osten in die Stadt ein und fragt nach dem König der Juden, der geboren worden ist. Man kann sich die Bestürzung Herodes’ gut vorstellen. Hier kamen königliche Berater aus dem Osten, die Hunderte von Kilometern auf staubigen Straßen unterwegs gewesen waren. Männer mit einem Sinn für das Übernatürliche, das Schicksalhafte. Und sie fragen nach einem neugeborenen König.
Natürlich war Herodes bestürzt. Er, der eifersüchtig darauf achtete, dass niemand, wirklich niemand, ihm den Thron streitig machte. Gerade er bekommt Gottes Souveränität zu spüren. Die Ankunft dieser Fremden war mehr als beunruhigend. Hier hatte der Himmel seine Hände im Spiel.
Matthäus 2,3: „Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt, und ganz Jerusalem mit ihm.“ Ganz Jerusalem mit ihm. Einen Herodes wollte man sich nicht zum Feind machen. Wer wusste schon, welches Blutbad dieser König anrichten würde, um seine Macht zu sichern? Es ist logisch, dass die Einwohner von Jerusalem Angst bekamen.
Herodes’ Suche nach dem neugeborenen König und die Prophezeiung aus Bethlehem
Aber Herodes war alles andere als dumm. Die Idee eines Königs der Juden war ihm natürlich nicht unbekannt. Auch er wusste, dass die Menschen auf einen besseren jüdischen König, den Christus, warteten.
Und auch wenn er nicht wusste, wo dieser neugeborene König zu finden sein würde, erkannte er Leute, die das wussten. In Matthäus 2,4-6 heißt es: „Und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie aber sagten zu ihm: Zu Bethlehem in Judäa, denn so steht durch den Propheten geschrieben: ‚Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas, denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel hüten wird.‘“
Ich denke, wir kennen diese Prophezeiung aus Micha 5,1. Der Christus sollte in Bethlehem zur Welt kommen. Wir wissen das, und die Hohenpriester und Schriftgelehrten wussten das natürlich auch. Nur Herodes, als Nichtjude, wusste das nicht. Jetzt hatte er die Information und gab sie an die Weisen weiter.
Matthäus 2,7-8 berichtet: „Dann berief Herodes die Weisen heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung des Sternes. Und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: ‚Zieht hin und forscht genau nach dem Kind. Wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige.‘“
Herodes trifft sich also privat mit den Weisen und will eine Sache wissen: Wann habt ihr den Stern zum ersten Mal gesehen? Warum ist das für ihn interessant? Weil die Erscheinung des Sterns auf den Zeitpunkt der Geburt hindeutet. Er will wissen, wie alt dieser König der Juden ungefähr ist.
Und er will das natürlich nicht wissen, um diesem Kind zu huldigen. Er will es umbringen lassen. Wie wir sehen werden, ist er bereit, jedes Kind in Bethlehem töten zu lassen, wenn er nur sicher gehen kann, dass darunter eines ist, das ihm gefährlich werden könnte.
Die Reise der Weisen und die göttliche Führung
Natürlich lassen sich die Weisen gern nach Bethlehem schicken. Kaum ziehen sie los, ist der Stern wieder da. Er schien für eine Weile verschwunden gewesen zu sein, aber jetzt haben sie ihren Leitstern wieder. So heißt es in Matthäus 2,9: „Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über der Stelle stand, wo das Kind war.“
Damit wir uns die Reise nicht zu lang vorstellen: Bethlehem ist circa zehn Kilometer von Jerusalem entfernt. Ich stelle es mir also so vor: Herodes lädt die Weisen abends ein, redet mit ihnen über den Stern und sein erstes Erscheinen und schickt sie dann nach Bethlehem. Die Weisen ziehen sofort los. Es ist schon dunkel, und da ist plötzlich wieder ihr Stern.
Matthäus 2,10-11 berichtet: „Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude. Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm. Und sie öffneten ihre Schätze und opferten ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhe.“
Was wir hier erleben, ist Folgendes: Heiden beten den Herrn Jesus an und bringen ihm Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold ist klar. Weihrauch und Myrrhe benutzte man zum Räuchern. Gold, Weihrauch und Myrrhe waren Geschenke für einen König, nicht unbedingt das, was man einfachen Leuten mitbrachte. Aber wie wir noch sehen werden, waren es genau die Dinge, die Maria und Josef brauchten, um kurz darauf nach Ägypten zu fliehen.
Für die Weisen ist ihre Reise hier zu Ende. Sie sind in Bethlehem, haben das Kind gefunden. Josef scheint nicht da gewesen zu sein. Vermutlich haben sie in der Nähe ihr Lager aufgeschlagen und dann erleben sie Gottes Reden in einem Traum. Matthäus 2,12 sagt: „Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land.“
Herodes hatte sie damit beauftragt, ihm zu berichten. Sie sollten ihm den Weg zu diesem König der Juden weisen, sie sollten seine Spitzel sein. Aber jetzt bekommen sie einen anderen Auftrag, nämlich nicht zu Herodes zurückzukehren. Und genau das tun sie. Sie ziehen auf einem anderen Weg, also nicht über Jerusalem, in ihr Land.
Die Reaktionen auf die Geburt des Messias: Begeisterung, Hass und Ignoranz
Wenn man die Ereignisse rund um die Geburt Jesu betrachtet, fällt mir eines besonders auf. Ich kann die Begeisterung der Weisen für das Kind gut nachvollziehen. Ebenso verstehe ich Herodes in seinem Hass auf den Nebenbuhler.
Aber wisst ihr, wen ich nicht verstehe? Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten. Sie hören, wie der Rest der Stadt von den Weisen und ihrer Frage nach dem König der Juden erfährt. Sie wissen genau, wo sie den Christus finden können. Das Kind ist in Bethlehem, nur zwei Stunden zu Fuß entfernt. Dennoch machen sie sich nicht auf den Weg.
Das ist reine Ignoranz. Ihr ganzes theologisches Wissen führt nicht dazu, dass sie sich wirklich für den Messias interessieren – weder damals noch später. Meines Erachtens ist es wirklich wichtig, dass wir diesen Punkt gut verstehen: Bibelwissen allein ersetzt nicht die persönliche Begegnung mit dem Retter.
Auch wenn ich schon eine Weile gläubig bin, muss ich darauf achten, dass mir das Wissen nicht wichtiger wird als die Person des Herrn Jesus. Gerade im Alter, wenn ich mich schon jahrzehntelang Christ nenne, darf es mir nicht genügen, nur die Bibel zu kennen.
Ich brauche immer wieder die persönliche Begegnung mit Christus. Jenen Moment, in dem ich vor ihm niederfalle, meiner Begeisterung für ihn freien Lauf lasse und ihn mit dem Wertvollsten beschenke, was ich habe.
Praktische Anregung und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir Myrrhe als Harz kaufen und sie als Räucherwerk zubereiten. Eine Anleitung dazu findest du im Internet. Theologie zum Riechen – das war's für heute.
Wenn du die App noch nicht hast, dann besorge sie dir doch. Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
