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Weltliche Christen?

PERGAMON | Sendschreiben der Offenbarung des Johannes (einfach erklärt)
03.12.2021

Einführung in die Thematik der Nachfolge und Bibelarbeit

Wenn manche von uns in Saudi-Arabien vor Gericht stünden, angeklagt, Christ zu sein, würden wir aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Denn im Alltag würde man oft gar nicht erkennen, dass manche von uns Christen sind.

Das gab es früher und gibt es auch heute: Menschen wollen als Christen anerkannt werden, weil sie sich dadurch Vorteile erhoffen. Aber so funktioniert das nicht.

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge. Wir versuchen, tiefer in die Bibel einzusteigen. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.

Zu alldem gibt es Dutzende kostenfreie Tools: Hörbücher, Online-Kurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst.

Zur Transparenz: Finanziert wird all das hier durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, weil dieses Projekt langsam Fahrt aufnimmt.

Vorstellung der Videoreihe zu den Sieben Sendschreiben der Offenbarung

Und damit willkommen zur neuen Videoreihe über die sieben Sendschreiben der Offenbarung. In sieben Videos schauen wir uns die sieben Sendschreiben der Offenbarung an – jeden Freitagnachmittag eines.

Dabei erkläre ich jedes Sendschreiben so bibeltreu wie möglich am Urtext. Außerdem zeige ich, was du und ich daraus lernen können und wie wir es praktisch in unserem Glaubensleben als Christen umsetzen können.

Hintergrund zur Offenbarung und den Sendschreiben

Zum Hintergrund

Das finale und letzte Buch der Bibel ist die sogenannte Offenbarung. Sie besteht aus zwei großen Teilen: Kapitel 1 bis 3 enthalten die Einleitung, die Charakterisierung und die Sendschreiben. Kapitel 4 bis 22 umfassen Prophezeiungen, die viel Bibelkenntnis voraussetzen. In diesen Prophezeiungen geht es um die Zukunft, die letzten Jahre menschlicher Zivilisation, ein kommendes Friedensreich sowie das jüngste Gericht mit der Hölle und die Ewigkeit.

Die Sendschreiben sind sieben kurze, prägnante Briefe, die der auferstandene Jesus diktiert hat. Sie sollten an christliche Gemeinden in der heutigen Türkei geschickt werden – von den beiden Metropolen Ephesus und Pergam bis hin zu den Nebenstädten. Fast jedes dieser Sendschreiben enthält Lob von Jesus für die jeweilige Gemeinde, aber auch Kritik und eine Aufgabe für sie.

Historisch spricht einiges dafür, dass diese Sendschreiben als tatsächliche Briefe an die Leiter der sieben Gemeinden übergeben und dort öffentlich verlesen wurden. Spannender ist jedoch, dass diese sieben Sendschreiben schnell und weit außerhalb der ursprünglichen sieben Gemeinden verteilt, regelmäßig gelesen und weiterverbreitet wurden. Zusammen mit dem allgemeinen tiefgründigen Charakter der Offenbarung legt das nahe, dass es unter der Oberfläche um einiges mehr geht als nur um Arbeitszeugnisse für türkische Frühkirchen.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es zahlreiche wertvolle und gute Auslegungen dieser Sendschreiben. Auch wenn Details auseinandergehen, sind sich viele kundige Exegeten darin einig, dass hier sieben verschiedene Gemeindementalitäten beschrieben werden. Vereinfacht gesagt handelt es sich um sieben Arten von Menschen, die sich selbst als Christen bezeichnen.

Das bedeutet, Jesus hält uns mit unseren momentanen Stärken, Schwächen und den Bereichen, an denen wir arbeiten sollten, einen immens wertvollen Spiegel vor. Dieser soll dich und mich wachrütteln. Insgesamt nimmt die Offenbarung dabei kein Blatt vor den Mund.

Deshalb sollten wir uns beim Lesen und Hören dieser sieben Sendschreiben ganz selbstkritisch fragen: Was findet Jesus an deinem Glaubensleben gut? Wo ist deine Beziehung zu Gott angreifbar? Und worauf kannst du in den kommenden Wochen besonders den Fokus legen?

Die Frage, die sich dabei stellt, ist also: Was für ein Sendschreibentyp bist du?

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Historischer Hintergrund zur Gemeinde von Pergamon

Und damit sind wir beim heutigen Sendschreiben an die Gemeinde von Pergamon.

Ein kurzer historischer Hintergrund, um das für dich anschaulicher zu machen: Im ersten Sendschreiben-Video haben wir uns das Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus angesehen. Ephesus war eine gigantische Metropole, die drittgrößte Stadt des Römischen Reichs und eine der wichtigsten Städte in der gesamten Umgebung.

Spannend ist, dass man eigentlich zweihundert Jahre früher erwartet hätte, dass Pergamon die Stadt ist, die Ephesus später geworden ist. Warum? Pergamon war früher die Hauptstadt der heutigen Türkei und es gab damals das Königreich Pergamon.

Vor der Geburt Jesu war die Idee, in Pergamon eine Art neues Athen zu schaffen. Im zweiten Jahrhundert wurde das tatsächlich Realität, als die Stadt Pergamon fast zweihunderttausend Einwohner hatte – also richtig, richtig viele. Zum Vergleich: Die Stadt Rom hatte damals eine Million Einwohner und war die größte Stadt der bekannten Welt. Für die Bewohner der Region bedeutete das, dass Pergamon etwa ein Fünftel von Rom hatte.

Pergamon ist übrigens auch die Heimat des Arztes Galen und heute UNESCO-Weltkulturerbe. Das ganze Pompöse hängt auch mit der Lage der Stadt zusammen. Pergamon befindet sich auf einem großen, breiten Burgberg. Deshalb gab es dort oben keine Gefahr durch Angriffe. Die Stadt war sehr gut situiert und hatte eine perfekte Lage für kulturelles Wachstum, ohne dass jemand kam, sie eroberte oder störte.

Vielleicht hast du auch schon vom sogenannten Pergamon-Altar gehört. Das ist ein Altar einer Tempelanlage, der in Pergamon gefunden wurde und heute in Berlin steht, wo er komplett wieder aufgebaut wurde. Dass das umstritten ist, kannst du dir leicht vorstellen.

Jedenfalls war Pergamon damals ein Zentrum für antike Religion und Götterverehrung. Es gab einen riesigen Altar für Zeus und auch Asklepios. Mit Asklepios war die Stadt damals sehr verbunden. Von ihm findest du zum Beispiel Bilder auf Apotheken, etwa die Darstellung des Mannes mit Schlangen und Stab – das kommt daher.

Noch zwei Dinge: In Pergamon wurde der erste Tempel für einen römischen Kaiser überhaupt erbaut. Das heißt, es war der erste Tempel, in dem ein römischer Kaiser als Gott angebetet wurde. Spannend ist, dass das passierte, als Rom formal noch eine Republik war – also zumindest eine Art Demokratie sein wollte. Das war also, bevor die Kaiser offiziell die absolute Herrschaft hatten. Es war wirklich ein bisschen voreilig und später wurde Pergamon zum Zentrum des Kaiserkultes.

Und ganz nebenbei: Wahrscheinlich stammt das Pergament, also das Schreibmaterial aus Tierhäuten, tatsächlich aus der Stadt Pergamon.

Lob und Anerkennung für die Gemeinde von Pergamon

Was lobt Jesus an der Gemeinde in Pergamon? Er schreibt: „Ich kenne deine Taten.“ Das heißt, die Gemeinde in Pergamon tut gute Werke. Sie ist sozial engagiert, unterstützt die Armen und kümmert sich wahrscheinlich um Bedürftige. Vielleicht gibt es dort Kindereinrichtungen, Tagesstätten oder Pflegeeinrichtungen – zumindest nach dem damaligen Niveau. Die Gemeinde ist wirklich sozial präsent und setzt sich dafür ein, das Leid von Menschen akut zu lindern.

Jesus schreibt weiter: „Ich weiß, wo du wohnst, da wo der Thron des Satans ist.“ Den Thron des Satans kann man sich relativ leicht vorstellen, zum Beispiel durch den riesigen Pergamonaltar. Dort befand sich auch das Zentrum des Kaiserkults. Der Kaiserkult war eine der großen Triebfedern, die später für die grausamen Verfolgungen und Genozide an Christen im Römischen Reich verantwortlich waren.

Jesus sagt also: „Ich weiß, wo du wohnst, da wo der Thron des Satans ist.“ Und dass du an meinem Namen festhältst. Das bedeutet, die Christen in Pergamon halten sich an den Namen Jesu fest. Im biblischen Kontext steht der Name immer für die Gegenwart. Das heißt, sie klammern sich an die Gegenwart Jesu, sie halten an Jesus fest.

Jesus fährt fort: „Und dass du den Glauben an mich nicht verleugnet hast.“ Selbst in dem Moment, als die Christen in Pergamon die Möglichkeit hatten zu sagen: „Wir sind keine Christen, das geht uns nichts an, wir mögen nur die Musik hier, und das Kirchkaffee ist lecker“, haben sie sich entschieden zu sagen: „Nein, wir sind hier wegen Jesus. Wir sind Christen, und wir stehen dazu.“

Jesus schreibt weiter: „Ja, auch in den Tagen, als Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde.“

Das Martyrium des Antipas und die Christenverfolgung

Ja, jetzt wäre es Antipas. Antipas war wahrscheinlich der Pastor der Gemeinde dort, der Gemeindeleiter – ich sage mal Pastor im heutigen Kontext. Damals hießen sie anders, aber es war etwas in der Richtung.

Es heißt, dass er zu Tode gebraten worden sein soll, in einem sogenannten sizilianischen Bullen. Falls du das Buch „Der Name der Rose“ von Umberto Eco gelesen hast, hast du das vielleicht schon einmal gehört. Das ist ein ganz, ganz fürchterliches Folterinstrument.

Dabei handelt es sich um eine große bronzene Statue eines Bullen, eines Rinds, die riesengroß war – etwa drei bis vier Meter hoch. Sie ist innen hohl und hat eine Klappe, die man öffnen kann. Man kann einen Menschen hineinlegen, gebunden oder nicht gebunden – wahrscheinlich gebunden. Dann wird die Klappe wieder verschlossen und von außen verriegelt.

Unter dem Bullen wird ein Feuer entfacht, sodass der Eingeschlossene darin zu Tode gebraten wird. Die Lüftungsschächte sind so gewunden, dass der Rauch entweichen kann. Durch diese Schächte klingt das Röhren des Bullen, während das Opfer um sein Leben schreit.

Möglicherweise ist Antipas auf diese Weise gestorben.

Weiter heißt es, dass dieser Antipas dort mein treuer Zeuge war. Im Griechischen steht dort der Begriff „Martys“, was Zeuge bedeutet. Daraus stammt unser Begriff „Märtyrer“. Märtyrer sind die Zeugen Jesu, die ihren Glauben bezeugen, selbst wenn sie den ultimativen Preis dafür bezahlen müssen.

Antipas war dieser Märtyrer, und er wurde dort getötet. Das geschah, wie gesagt, irgendwann in den frühen bis mittleren Neunzigerjahren im ersten Jahrhundert. Zu dieser Zeit waren die Christenverfolgungen in gewisser Weise nur ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten hundertfünfzig Jahren folgen sollte.

Kostenfreie Übersicht zu den Sendschreiben als Hilfsmittel

Bevor wir zu dem kommen, was Jesus diesen Christen mit großem Nachdruck rät, ist es hilfreich, den Überblick zu behalten und tiefer einzusteigen.

Dafür kannst du dir sehr gern diese schöne Übersicht über die sieben Sendschreiben der Offenbarung kostenlos mitnehmen. Dort findest du eine kurze und einfache Erklärung der Offenbarung sowie eine Übersicht über alle sieben Sendschreiben.

Diese Übersicht eignet sich gut für deinen Hauskreis, Jugendstunden, den Katechismus, die Konfirmandenarbeit oder den Religionsunterricht.

Dank der Unterstützung vieler Menschen, die hier mitspenden – vielen Dank dafür – konnte ich diese Übersicht erstellen. Nun kann ich sie öffentlich und vor allem kostenfrei verschenken.

Du kannst sie dir gerne über den Link unter diesem Video herunterladen, solange das Angebot besteht.

Kritikpunkte Jesu an der Gemeinde von Pergamon

Was kritisiert Jesus an den Christen dort? Er schreibt: „Ich habe ein Weniges gegen dich, nämlich dass du solche hast, die an der Lehre Bileams festhalten.“

Singst du vielleicht: „Moment mal, Bileam, das war doch dieser Typ im Alten Testament?“ Richtig! Was ist über Bileam in diesem Kontext wichtig zu wissen?

Bileam hatte damals von Gott die Gabe echter Prophetie bekommen. Aber er wollte diese Gabe verschwenden. Immer wieder ließ er sich verleiten, sich für Geld bezahlen zu lassen, um die Gabe der Prophetie einzusetzen. Er wurde verführt, das Volk Gottes zu verfluchen. Er selbst hat nicht unbedingt um diesen Auftrag gebeten, aber er hat auch nicht Nein gesagt. Stattdessen hat er sich unter der Hand angebiedert – nach dem Motto: „Ich habe es ja nie ausdrücklich gesagt, aber ich habe es insinuiert.“ So manövrierte er sich selbst in diese Position.

Die Geschichte von Bileam im Buch Numeri nimmt eine spannende Wendung. Zunächst denkt Bileam: „Gott soll machen, was ich sage.“ Doch dann muss Bileam tun, was Gott ihm sagt.

Was viele nicht wissen, ist, wie es mit Bileam danach weiterging. Sein Plan B war, dass er moabitische Frauen dazu anstiftete, Affären mit Israeliten einzugehen. Das führte dazu, dass die Israeliten ihren Glauben an Gott aufgaben.

Ganz gläubig kommt oft die Frage: Kann ich als Christ eine Beziehung mit einem Nichtchristen eingehen? Die Bibel ist dazu relativ deutlich. Auf diesem Kanal gibt es ein eigenes Video dazu, das du dir anschauen kannst. Nur ein Gedanke an dieser Stelle: Stell dir vor, du bist eine wiedergeborene Christin, und dein Partner ist es nicht.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn das bei meiner Verlobten der Fall wäre, dann würde mich die Sorge krank machen. Die Sorge, dass, wenn Jesus wiederkommt oder einer von uns vor dem jüngsten Gericht steht, sie vielleicht nicht errettet wird. Sondern wegen ihrer Sünden, die sie begangen hat – wie ich auch –, in die Hölle verurteilt wird. Wie soll daraus eine sinnvolle Beziehung entstehen?

Aus meiner Beraterpraxis kann ich sagen, dass es in der Regel nicht so ist, dass der Gläubige den Ungläubigen hochzieht. Das gibt es zwar, aber häufig zieht der Ungläubige den Gläubigen runter. Das heißt, der gläubige Partner gibt seinen Glauben auf.

Das endet in der Geschichte von Bileam mit unerlaubten sexuellen Verbindungen und dem Aufgeben des Glaubens. Heute würde das bedeuten, dass Menschen ein heidnisches Leben führen, obwohl sie Christen sind. Ein Leben, bei dem sie gar nicht umgekehrt sind.

Jesus diktiert dazu weiter: Die Lehre Bileams, der Balak lehrte, einen Anstoß zur Sünde vor die Kinder Israels zu legen. Das war es, was wir gerade besprochen haben. Dadurch trieben sie Götzenopfer, Asen und Unzucht.

Unzucht ist nach der Schlachterübersetzung der Begriff, der im griechischen Urtext verwendet wird und tatsächlich bedeutet, dass sexuelle Verbindungen außerhalb der Ehe nicht erlaubt sind. Nach dem biblischen Christentum und nach Gott ist Sexualität nur innerhalb einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau auf Lebenszeit erlaubt. Alles andere entspricht nicht dem, was Gott im Sinn hat.

Wir sprechen hier von extremen, nichtchristlichen Einflüssen. Ähnlich wie später, wenn heidnische Tempel von Christen übernommen und einfach christlich angemalt wurden oder heidnische Lehren übernommen und mit christlichen Vokabeln vermischt wurden.

Früher war das eher Agnostizismus, nicht Atheismus. Man sagte: „Man weiß nicht, ob es einen Gott gibt, und wenn ja, dann ist es bestimmt irgendeine anonyme Naturkraft.“ Wer weiß das schon? Diese Vorstellungen wurden dann mit christlichen Vokabeln gespickt.

Das ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum die liberale Theologie teilweise so erfolgreich war. Heute ist es vielleicht mehr die Bedrohung durch New Age. So oder so müssen wir wachsam sein und genau hinschauen, was hinter den Vokabeln steckt.

Dann sagt Jesus weiter an diese Gemeinde: „So hast du auch solche, die an der Lehre der Nikolaiten festhalten, was auch ich hasse.“

Was ist die Lehre der Nikolaiten? Das hatten wir beim ersten Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus schon einmal. Wörtlich bedeutet „Nikolaiten“: „die, die über das Volk herrschen“.

Manche Kommentatoren vermuten, dass dies die Anfänge von etwas waren, bei dem sich manche Christen über andere erhoben, weil sie ein Amt innehatten. Sie hielten sich für wertvoller oder heiliger und betrachteten andere Christen ohne Amt als Christen zweiter Klasse. Das könnte mit der Lehre der Nikolaiten gemeint sein.

Was wir aber wissen, ist, dass es unter den frühen Christen einen Mann namens Nikolas gab. Er war von außen in der Gemeinschaft anerkannt, führte aber hinter verschlossenen Türen einen extrem weltlichen Lebensstil – und zwar im negativen Sinne.

Das bedeutete Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Sex nicht innerhalb der Ehe ist biblisch kein Problem, aber Sex außerhalb der Ehe, sexuelle Ausschweifung, heute würden wir sagen Pornografie, Prostitution und Ähnliches.

All diese Dinge sind weltliche, sinnliche Einflüsse – aber negativ – und sie sind mit dem christlichen Glauben, dem christlichen Wertekonstrukt und der Lehre Jesu nicht vereinbar. Das war natürlich ein Problem.

Die Gefahr der Arroganz und falschen Kompromisse

Und darum geht es: Die Gemeinde in Pergam ist in gewisser Weise die harmlose Vorstufe der Gemeinde von Sardis. Die schauen wir uns in zwei Wochen an. Drücke gern die Glocke hier unter diesem Video, dann wird dir das Sendschreiben an die Gemeinde in Sardis auch angezeigt.

Bei der Gemeinde in Pergam ist eine gewisse Arroganz und Hochmütigkeit zu erkennen. Nach dem Motto, dass man angeblich Christ sein könnte, ohne sein Leben zu ändern. Das funktioniert überhaupt nicht, denn um Christ zu sein, musst du Buße tun und umkehren. Umkehren bedeutet eine 180-Grad-Wende zu machen. Es heißt, sich vom alten, sündigen Leben abzuwenden.

Manche Menschen denken, sie könnten Christ sein und dennoch so leben wie früher, bevor sie Christ wurden, oder so wie andere leben. Das wird schwierig. Christen, die so tief in der Gesellschaft verwurzelt sind, dass sie keinen Verzicht auf Sex vor der Ehe, Drogen und Ähnliches üben, haben es sehr schwer.

Wenn Christen zu stark mit der Gesellschaft vermischt sind, gibt es irgendwo eine Balance. Ich weiß nicht, wo genau die perfekte Balance liegt, aber es gibt ein Zuviel. Wenn Christen zu stark mit der Gesellschaft verschmolzen sind und von ihr beschenkt werden, entsteht diese Arroganz. Christen, die sich genauso benehmen wollen wie alle anderen und sich trotzdem für etwas Besseres halten, sind ein Beispiel dafür.

Das ist etwas, was ich nie wirklich verstanden habe: Warum halten sich manche Christen für etwas Besseres als Nichtchristen? Christen sind nicht besser. Wir Christen sind nicht besser. Der einzige Unterschied zu jedem anderen, der nicht Christ ist, ist, dass wir freigesprochen sind. Wir sind genauso sündig und schuldig wie alle anderen, vielleicht sogar mehr.

Der einzige Unterschied ist, dass wir unserer Sünde ins Auge schauen, sie bekennen und nicht versuchen, uns daraus selbst zu befreien. Manchmal ist unsere Sünde so groß, dass das gar nicht möglich ist. Dann werfen wir uns zum Fuß des Kreuzes und klammern uns an Jesus fest. Das ist der Unterschied.

Zum Beispiel glauben manche Leute an das sogenannte Wohlstandsevangelium, das Prosperity Gospel. Dazu gibt es demnächst ein eigenes Video. Wenn Leute denken, dass es ihnen gut geht, wenn sie normal leben, und wenn sie Christ werden, segnet Gott ihr Leben ganz besonders, sie werden gesund und finanziell reich – wo kommt das her? Das ist absolut nicht neutestamentlich.

Historisch betrachtet gab es im vierten Jahrhundert die konstantinische Wende, als das Christentum zur Staatsreligion wurde. Ab einem gewissen Punkt war es möglich, hohe Regierungsposten nur noch als Christ zu bekommen. Die Motivation, Christ zu werden und sich taufen zu lassen, war damals oft völlig falsch. Es gab viel zu wenig Bewusstsein über die eigene Sündhaftigkeit.

Das gibt es heute manchmal noch, wenn Leute so tun, als ob sie christlich sind, nur um bestimmte Vorteile zu erlangen.

Das biblische Verständnis von Freiheit und der Aufruf zur Buße

Es gibt einen Vers im 2. Korintherbrief, in dem es heißt: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Manche interpretieren das jedoch zu weit und sagen, dass Freiheit immer Freiheit von etwas bedeutet. Sie behaupten, es bedeute Freiheit von Heteronomie, also dass niemand anderes über mich bestimmen darf. Manche gehen sogar so weit zu sagen, dass es keine höhere Macht geben darf, die in meinem Leben spricht, weil ich mein eigener Herr bin.

Diese Interpretation stimmt sprachlich nicht ganz. Im Neuen Testament wird für Freiheit der Begriff Eleutheria verwendet. Dieser bedeutet Freiheit „um zu“ und nicht nur „frei von“. Freiheit im Neuen Testament heißt nicht nur „Ich bin frei von X“, sondern vor allem „Ich bin frei für Y“.

Deshalb wollen wir auch nicht alte Götzen abschaffen, um dann einen neuen Götzen namens Freiheit anzubeten. Das ergibt keinen Sinn. Freiheit nach biblischem Verständnis ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Mittel zum Zweck. Du bist frei, um etwas zu tun, du bist frei für etwas.

Das ist auch der Hauptkritikpunkt an der Gemeinde, die im Sendschreiben angesprochen wird. Diese Christen gehen zu viele Kompromisse ein. Was sagt Jesus dieser Gemeinde? Er sagt: Tue Buße. Das ist das, was Jesus Christen sagt, die zu viele Kompromisse eingehen. Buße zu tun ist der Anfangspunkt des wirklichen Christseins. Das ist es, was Menschen christlich macht, weil es den Unterschied ausmacht.

Jesus ist nicht gekommen, um gute Menschen besser zu machen. Er ist gekommen, um schuldige Verbrecher vor dem Gericht zu retten. Das ist das, was ich brauche. Wenn ich weiß, dass ich Sünder bin, wenn ich weiß, dass ich die Hölle verdiene, weil ich sie mir selbst verdient habe, und wenn ich weiß, dass ich das nicht will, dann will ich das doch loswerden. Dafür brauche ich Jesus. Nicht, um gesellschaftlich angesehen zu sein.

Es geht nicht darum, dass mein Leben schon richtig gut ist und Christsein dann nur die Sahne auf dem Kuchen oder eine Kirsche mit Worship-Musik obendrauf ist. So funktioniert das nicht. Jesus ist da ganz klar: Er sagt, tue Buße, kehre um, schau selbstkritisch in den Spiegel. Sonst sagt Jesus, wird er schnell über dich kommen und gegen dich Krieg führen mit dem Schwert seines Mundes.

Das Schwert des Mundes ist das Wort Gottes. Deshalb müssen wir Gottes Wort studieren und lernen, uns selbst im Licht von Gottes Wort zu betrachten.