Serie•Teil 65 / 65Machbar - Der Podcast für Alltagsmissionare
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein ungewöhnlicher Einstieg in die Biografie
Joel, du arbeitest mit Kindern und Jugendlichen. Wenn du einen Tag ein Kind aus der Bibel sein könntest, welches wäre das und warum?
Das kleine Mädchen von Naaman, weil ich es super spannend finde, dass sie entführt wurde und aus einer gottlosen Gesellschaft wegkam, also eigentlich in eine gottlose Gesellschaft hineingebracht wurde. Und sie wusste genau, wo Hilfe zu finden ist.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und mit dabei ist heute Joel Hildebrand. Herzlich willkommen, Joel.
Danke. Schön, dass du da bist. Schön, dass ihr wieder mit dabei seid. Liebe Zuhörer, bei Machbar bekommt ihr Tipps, den Nächsten einen Schritt näher zu Jesus zu führen. Und heute reden wir darüber, wie Alltagsmission ganz konkret aussieht, mit Jugendlichen, die lieber feiern, als in die Kirche zu gehen. Außerdem erzählt uns Joel, wie wir durch Kindertreffs auch in der Nachbarschaft gerade Kinder und nicht nur Kinder, sondern auch Eltern einen Schritt näher zu Jesus bringen können und wie wir sie erreichen können.
Wir werden auch ganz praktisch darüber sprechen, was es heißt, Barmherzigkeit zu üben, und zwar wie wir Obdachlose mit den Augen Gottes sehen und ihnen helfen können.
Ganz kurz zu dir, Joel: Ich stelle dich mal kurz vor, und du kannst es gerne ergänzen. Also, Joel Hildebrand ist fünffacher Papa, Kinder- und Jugend-Evangelist und jemand, der selbst weiß, wie es ist, wenn Party und Fußball wichtiger sind als Gott. Er hat einige Zeit im Kinderheim und in einem Wohnheim für schwer erziehbare Jugendliche mit Kindern gearbeitet und ist heute vollzeitlich bei der KEB. Wofür steht KEB?
Kinder entdecken die Bibel.
Kinder entdecken die Bibel, da bist du mit unterwegs. In seiner Nachbarschaft lebt er Alltagsmission ganz praktisch, und er hat ein großes Herz dafür, seinen eigenen Kindern etwas vorzuleben, was es heißt, Nächstenliebe zu üben.
Joel, du bist eigentlich christlich aufgewachsen, aber in deiner Jugend hat Gott irgendwie keine Rolle gespielt in deinem Leben, zumindest nicht sichtbar. Was hat dein Leben damals wirklich bestimmt? Magst du ein bisschen erzählen?
Ja, ich wollte einfach dabei sein in der Schule. Ich war so ein Mitläufer, wollte mit bei den Coolen dabei sein, und da war es dann einfach so, dass Gott oder Jesus und die Bibel out waren. Und dann habe ich mit 15 angefangen, nicht mehr in Gottesdienste zu gehen. Fußball war das Wichtigste für mich, und Freunde und dann natürlich auch Party.
Fußball war das Wichtigste. Das heißt, Fußball hat dein Leben bestimmt. Warst du im Verein, hast du das professionell gemacht, oder wie?
Ich bin mit 16 erst in den Verein gegangen, weil ich es vorher nicht durfte, von meinem Papa aus. Genau, das habe ich auch im Nachhinein verstanden. Ich wäre jetzt auch nicht immer so begeistert, weil beim Kinderfußball schon viel Mist läuft, also die Eltern, die rumschreien, die Trainer, die rumschreien. Es soll immer alles Spaß sein, aber es ist einfach nicht so. Und dann weiß ich halt auch: Wenn es mit 14, 15 losgeht, dann schauen die Mädels zu, dann gibt es das eine oder andere Bier, und dann kann man da schon sehr versumpfen.
Und du bist auch versumpft?
Genau, also ich habe mich nie für Jesus Christus entschieden oder so. Ich hatte immer gedacht, ich habe das mal gemacht auf Kinderfreizeiten oder bei irgendwelchen Jugendtagen. Ich weiß nicht, wie oft ich mich da sozusagen bekehrt habe. Und ja, mit 15, 16 wurde es schon alles extensiver und immer schlimmer, und ich bin da immer mehr in so eine Spirale zwischen Party und Fußball gerutscht.
Party und Fußball war sein Leben.
Genau, ja, kurz zusammengefasst. Ich war da der Schlimmste im Verein. Das wurde mir immer wieder bestätigt. Als ich dann Christ wurde, war ich dann vom Saulus zu Paulus.
Wie kam denn die Wende? Erzähl mal.
Damals kam auch ein Licht, eine Stimme aus dem Himmel, und wie bei Paulus kaum, kaum, genau. Es wurde immer schlimmer. Mit 18 kann man ja machen, was man will, und ich bin dann auch zu Hause, ja, meine Eltern haben mich in die nächste Wohnung nicht mehr mitgenommen.
Zu Recht auch.
Sie haben gesagt, ich bin eine Gefährdung für meine Geschwister.
Deine Eltern sind umgezogen und haben gesagt: Junge, du bist nicht mit dabei.
Du bist nicht dabei, genau. Und ich kann es auch nachvollziehen. Aber damals fandst du es bestimmt doof, oder? Oder warst du froh?
Mir war es eigentlich, ich glaube, mir war es ein bisschen egal einfach. Ich bin dann bei einem Kumpel untergekommen, drei, vier Monate in einem Raum geschlafen, auf einer Matratze, wo die eigentlich nur gekifft und gesoffen haben. Genau, dann habe ich mir schon gedacht: Boah, hier ist es echt blöd. Bin dann bei meiner Oma untergekommen, und dann irgendwann habe ich mir auch eine eigene Wohnung leisten können. Aber ja, Jobs verloren durchs Partymachen, weißt du. Das Ding ist, es hat mir nicht mehr gereicht am Wochenende, ich wollte auch unter der Woche, und dann habe ich einfach meine Arbeitszeiten nicht wahrgenommen, bin ich gekommen oder halb betrunken auf Arbeit.
Ja, du hast eine Ausbildung gemacht oder einfach einen Job?
Ich habe eine Ausbildung gemacht, habe sie erst nicht geschafft, dann habe ich sie geschafft. Das war eine Verkäuferausbildung, eigentlich eine ganz einfache Ausbildung, aber wenn man halt nicht lernt und einfach andere Sachen des Lebens die ganze Zeit bestimmen, Berufsschule geschwänzt und all solche Sachen, ging es irgendwie immer weiter bergab.
Ja, genau, das waren ziemliche Tiefpunkte mit 21.
Mein richtiger. Das kann ich jetzt gar nicht so erzählen, was da alles passiert ist, aber ich habe einfach versucht, gut anzukommen im Fußball, bei Frauen und all sowas, und es wird immer schlimmer. Das Herz wehrt immer mehr, und das sündige Herz ist böse einfach und hat mich voll kaputt gemacht.
Ja, und dann mit 21 war es so, dass ich ein Fußballspiel hatte, ein wichtiges. Und ich bin mal nicht in die Disco gegangen am Samstag. Und dann war ich früh wach und habe gedacht: Gut, ich mache den Fernseher an. Und er meinte: Nee, komm, du gehst mal spazieren, mal in die Luft, dann bist du heute Nachmittag vielleicht besser, wenn du dich bewegst schon mal. Und ich war in der Nähe von meiner Heimatgemeinde in Bamberg.
Also wo du als Jugendlicher aufgewachsen bist.
Genau, wo ich als Jugendlicher war und meine Eltern auch sind. Und dann bin ich da rein in den Gottesdienst, und der Prediger hat wirklich an dem Sonntag jetzt nicht irgendwie über den Stab Aarons gesprochen oder so, sondern wirklich evangelistisch gepredigt. Das hat mich sehr angesprochen, und dann bin ich immer wieder in die Gemeinde, immer wieder. Irgendwann hat einer mit mir das Bibellesen angefangen. Ich habe einfach erkannt, dass ich Sünder bin, und habe mein Leben dem Herrn Jesus gegeben. Genau. Danach hat sich ganz einfach alles geordnet.
Cool. Reiß den Herrn!
Reiß den Herrn, ey!
Wie lange ist das jetzt her?
Das ist 2011 im Februar. Da habe ich mich bekehrt, genau, und dann konnte ich mein Leben immer mehr ordnen. Ich konnte noch mal eine Ausbildung machen, eine erzieherische. Also gut 15 Jahre her. Genau, ich werde 15-jähriges.
Zurückblickend: Was haben so deine Eltern in dieser Zeit eigentlich richtig gemacht, als du so gar nichts von Gott wissen wolltest? Also du hast schon gesagt, du konntest es verstehen und fandst es gut, dass sie dich nicht mit haben umziehen lassen. Aber vielleicht kannst du das noch ein bisschen...
Ja, sie haben mich nicht gezwungen, in die Gemeinde zu gehen mit 15.
Das fandst du gut?
Ja. Oder findest du auch heute gut, was sie richtig gemacht haben?
Ja, finde ich schon. Genau, sie haben mich dann jetzt nicht gezwungen. Ich hatte die Beziehung zu Gott nicht, und dann, ich glaube, mit 16 habe ich aufgehört, in den Gottesdienst zu gehen. Und das fand ich gut. Und was das Gute war: Ich wusste, meine Eltern sind immer für mich da. Also ich war jetzt nicht sauer, dass ich nicht mit umgezogen bin. Ich wusste: Zu meinem Papa und zu meiner Mama kann ich trotzdem immer kommen, also wenn irgendwas ist oder so. Ich habe ja auch echt ein bescheidenes Leben geführt.
Weißt du, wenn du daheim gar keine Regeln einhältst, was wollen denn die Eltern machen? Und du bist dann auch schon trotzdem 18, 19, welche Möglichkeit gibt es eigentlich dann? In der Schule kommt der Schüler vor die Tür, da war es ein Umzug, und sie haben halt gesagt: Du, da bist du ja jetzt nicht dabei. Genau. Ich glaube sogar, ich wollte sogar gar nicht dabei sein, ich weiß gar nicht mehr genau.
Joel, du weißt aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt, wenn man seine Sehnsucht woanders als bei Gott zu stillen versucht. Hilft dir das heute, wenn du mit Jugendlichen redest?
Ja, total.
Und wenn ja, wie? Kannst du da konkreter werden?
Also gerade mit jungen Erwachsenen jetzt im Fußballverein oder so oder insgesamt mit Erwachsenen. Ich habe auch mit Jugendlichen zu tun, natürlich. Bei Jugendgottesdiensten oder der Evangelisation oder so, da sind ja auch junge Leute dabei. Wenn du halt aus dem Sumpf da kommst, aus diesem Partysumpf, dann kannst du es halt auch gut nachvollziehen.
Also mein Sturmpartner zum Beispiel hat mit mir über irgendwas gesprochen, und dann habe ich gesagt: Mensch, über was sprecht ihr denn? Ja, über den Ballermann. Aber Hildebrand, da kennst du dich ja gar nicht aus. Da habe ich gesagt: Ach ja, interessant, das erste Mal war ich mit 18 dort. Hä, wie, du bist schon immer so christlich? Da habe ich gesagt: Ey, das ist genau der Punkt, man ist nie immer christlich, das ist eine Entscheidung. Und da kommt man schon gut ins Gespräch.
Mein alter Fußballverein, als ich mich bekehrt habe, die haben das ja alles gewusst. Da konnte ich auch Zeugnis geben, da haben auch einige gesagt: Mensch, Hildebrand, erst haben sie gedacht, ich bin in der Sekte gelandet, und dann nach so einem Jahr haben sie gesagt: Ja, für dich war es irgendwie gut. Du warst ja auch ganz flipperig.
Genau, genau, hat nicht auf die Reihe bekommen halt. Und dann habe ich halt schon einen Aufhänger. Ich glaube, das ist für jeden gut. Das glaube ich wirklich. Das ist nicht so eine Abschätzung, sondern wirklich: Ich glaube, du brauchst das auch. Und dann komme ich mit denen ins Gespräch. Es ist einfach gut so.
Also wo wäre ich gelandet? Ich weiß es nicht. Ich habe einen früheren Sturmpartner, der ist nicht gut gelandet, der war ähnlich wie ich drauf.
Wenn du Sturmpartner sagst, dann ist das vom Fußball, vom Sturm gespielt?
Ja, genau. Ich spiele noch sogar, ich darf noch spielen.
Joel, wie erkennst du bei jemandem, dass hinter diesem Partyleben, dem Suchen nach Spaß und so weiter eigentlich eine tiefere Sehnsucht steckt, und wie bringst du das ins Gespräch ein?
Also wenn ich mich jetzt mit jemandem unterhalte und sage, ich bin Christ, oder wenn der jetzt Party macht oder so, dann sage ich: Ja, ich habe früher auch Party gemacht und so, aber es hat mir irgendwann nichts mehr gegeben, ich habe dann irgendwie nach mehr gesucht. Und der andere sagt dann oft: Wir denken immer, die Leute wollen gar nicht glauben oder so, aber irgendwie kenne ich echt voll wenig Atheisten, voll wenige, die sagen, da gibt es gar nichts. Irgendwie sagen die dann schon, es gibt so einen tieferen Sinn vielleicht. Ja, da müsste man sich nämlich auf die Suche begeben.
Ich finde eine gute Frage ist die Frage, die der Andi Fett bei meinem Bruder gestellt hat. Der Samuel wollte nicht mehr zu den Bibelvorträgen, zur Evangelisation von Andi, meinem Bruder. Aber ich habe gesagt: Du, Same, du musst nicht zu den Evangelisationen kommen, aber komm zum Abendbrot, ich muss dir einen vorstellen. Da war Andi da, und Andi hat ihm nach dem Spaziergehen eine Frage gestellt, die ihn nicht losgelassen hat. Und Same: Was füllt dein Leben aus? Und was füllt das Leben aus? Und der Same hat irgendwas gesagt, hat er gesagt irgendwie, aber er war völlig überfordert mit der Frage, er hatte überhaupt keine Antwort, er hat irgendwas herbeigezogen. Die Frage finde ich eigentlich gut: Was füllt dein Leben aus?
Ja, was füllt dein Leben aus?
Genau. Da muss der Gegenüber irgendwas nennen, kann er sagen Arbeit, Fußball, das oder das. Dann kann ich sagen: Das war zum Beispiel auch mal wichtig für mich oder so, aber ich habe gemerkt, eigentlich kann es auch schnell vorbei sein oder dies und das. Man kann sich verletzen beim Fußball, man kann in der Arbeit keinen Erfolg haben.
Jetzt sprechen wir natürlich mit erwachsenen Ehemännern, in meinem Alter, ich bin jetzt 36. Da habe ich mit den Jungspunden zu tun, die gerade aus der A-Jugend kommen beim Fußball, aber ich habe auch mit den Familienvätern zu tun. Oft heiraten die so mit 30, 32, und dann gehen die Probleme los, dann geht die Scheidung los. Da bricht viel weg, und da kann man sagen: Was hält dich im Leben? Da hat man sehr gute Gespräche.
Was hält dich im Leben oder was füllt dein Leben aus?
Du hast eben angedeutet, dass es da jemanden gab, mit dem du Bibel gelesen hast, der auch irgendwie so eine entscheidende Rolle bei deiner eigenen Bekehrungsgeschichte gespielt hat, als du zum Glauben gekommen bist an Christus. Was hat dieser jemand ganz konkret gemacht, und was nimmst du davon heute auch mit für deine eigene Alltagsmission, für deinen Umgang mit Menschen, wenn du irgendwie andere einen Schritt näher bringen willst? Erzähl mal.
Er war auch Fußballer. Leider Dortmund-Fan, aber leider Dortmund-Fan.
Jetzt musst du aber verraten, warum leider.
Weil du?
FC Arsenal, ich halte es mit Arsenal. Ich habe mich aus der deutschen Liga verabschiedet, zu langweilig. Also ich bin da kein adäquater Gesprächspartner, weil da bin ich einfach ein Banause, ich habe da nicht viel Ahnung von. Aber vielleicht kann sich hier mit jemand anderem noch nachher unterhalten.
Also wir haben auch diverse Fans hier im Haus.
Also Johannes war ein Typ, der war voll nahbar, war locker und hat mich einfach gefragt, nicht so beim ersten Mal, nicht beim zweiten Mal, nicht beim dritten Mal, als ich in die Gemeinde kam, sondern erst mal mit mir locker gesprochen, sich vorgestellt, wir haben uns kennengelernt. Und er ist einfach ein lockerer Typ, und der hat gesagt: Mensch Joel, du hast irgendwie Interesse am Glauben, wollen wir uns mal treffen? Und ich so: Ja, können wir machen. Und der hat mich echt zum Herrn geführt, in seiner kleinen Studentenbude, wirklich winzig klein, ich glaube, der hatte ein Zimmer. Da haben wir dann die Bibel gelesen, und der hat sich Zeit genommen für meine Fragen. Er hat mich auch verstanden, also der kam selber aus einem nicht so geordneten Leben früher, also auch nicht christliches Elternhaus oder so. Ich meine, wir alle bekehren uns aus der Welt und nicht aus dem heiligen Pool oder so. Aber genau, weil es eben heißt: Ich habe mich aus der Welt bekehrt, das macht ja jeder.
Und der Johannes hat sich so Zeit genommen, der war so echt, und er hat mich nicht überfordert. Er hat mich nicht überfordert mit so Sachen: Mensch, du müsstest ja jetzt das und das machen, und schau mal das, und ich muss dir das jetzt aufzeigen und das aufzeigen. Sondern wir haben einfach das Johannesevangelium gelesen.
Und hat er dann Fragen gestellt oder habt ihr einfach nur gelesen und dann zugeklappt und das war's?
Ich muss ehrlich sagen, ich hatte dann Fragen.
Du hattest Fragen.
Ich hatte Fragen, genau. Und er hat sie.
Aber eigentlich kanntest du das doch, oder? Du bist doch darin aufgewachsen. Kannst du nicht die Bibelgeschichten und das Johannesevangelium?
Ich kannte die Bibel nicht so gut. Meine Eltern waren in einer Gemeinde, wo die Bibel keine zentrale Rolle gespielt hat. Und am Ende dann meine letzten zwei Jahre Gottesdienst, da war ich so 14, 15, 16, da war ich dann in der Gemeinde in Bamberg eben, die haben die Bibel hochgehalten und halten sie immer noch hoch. Ich hätte selber jetzt mit der Bibel nicht so viel zu tun. Genau, würde ich sagen.
Also wenn ich dich richtig verstanden habe, ihr habt einfach zusammen Bibel gelesen und du hattest Fragen, aber das Wichtige war, er hat dich nicht überfordert und hat gesagt: Jetzt musst du das machen, dann musst du das machen. Er hatte so eine sanfte Art und ist einfach auf dich eingegangen.
Genau, er hat mir schon auch Fragen gestellt, aber der hatte jetzt keinen Notizzettel dabei, so: Das und das muss ich jetzt... So ein Fünfpunkteplan.
Genau, Fünfpunkteplan, genau, hat er nicht. Der hat einfach mit mir gelesen. Und dann wollte ich mich einmal sogar bekehren, dann hat er gesagt: Jetzt gehst du noch mal drei Tage heim. Und dann habe ich mir halt gedacht: Hä, was? Der wusste, dass ich mich immer so gefühlsbekehrt habe als Jugendlicher, als Teenager und so. Ich habe mich ja keine Ahnung wie oft bekehrt. Also in Freizeiten, wenn dich das irgendwie so vom Herzen her angesprochen hat. Genauso Jugendtage, war das eher. Dann hast du gesagt: So, jetzt muss ich mich bekehren, aber das war wahrscheinlich gar nicht so echt. Das waren so fetzige Jugendtage, laute Musik und alles und Hey Jesus und dann ja, kommen nach vorne.
Genau, und alles untergegangen wieder am nächsten Tag oder übernächsten. Und der Johannes hat gesagt: Ey, wenn du dich bekehren willst, denk noch mal drüber nach, komm in drei Tagen nochmal. Das war eine Challenge.
Ja, genau. Was ist passiert in den drei Tagen? Du hast es nicht wieder vergessen.
Ich habe in den drei Tagen, ich weiß noch, ich habe mir das Handgelenk oder das was gebrochen, weil ich betrunken hingefallen bin irgendwo, durch eine Scheibe durchgeflogen bin in der Bar.
Also da warst du noch ganz wild.
Ja, genau, da war ich halt noch kein Christ, und ich hatte ja Fragen zum Glauben, aber trotzdem...
Ja, aber Moment, ihr habt zusammen die Bibel gelesen und so weiter, du warst nicht überfordert, aber dir ist klar geworden, du musst dich bekehren.
Genau. Und dann in den drei Tagen, wo du überlegen solltest, warst du in der Bar?
Nein, nein, in den drei Tagen war ich daheim, ich war krankgeschrieben, wegen der Barsache.
Ah, du warst schon da, alles klar.
Genau. Da war ich drei Tage, und dann habe ich mir gedacht: Okay, ja. Und ich habe früher auch viel Computer gespielt, da habe ich zwei Tage, 48 Stunden, Stronghold durchgespielt.
Wie macht man das mit einer gebrochenen Hand?
Ich hatte links, und genau, jetzt weiß ich es: Links war das Handgelenk, und rechts war das mit der Bar, genau. Die linke Hand hatte ich, und mit rechts kannst du ja die Maus bewegen. Okay. Genau, es war ja keine Xbox, es war ja ein Computer. Okay. Genau, es war ein Strategiespiel.
Und nach zwei Tagen habe ich mir gedacht: Naja, jetzt hat eigentlich Johannes was gesagt und so, du sollst über was nachdenken. Und dann habe ich eine Hör-CD gehört, meine Mama hat gewusst, die hat mir immer noch die Wäsche gewaschen. Traurige Geschichte, weil jetzt ein Zwanzigjähriger nicht selber die Wäsche gewaschen hat. Und hat mir Jesus, das Schicksal von Wilhelm Busch, also dieses Buch vorgelesen, also nicht die Predigt, genau als Hörbuch, und der Hörer war ein sehr angenehmer Sprecher. Und dann bin ich an dem Teil so hängengeblieben, dass er das, wie Busch sagt: Was hat er gesagt? Muss Gott zusammenbekommen, er fürchtet kein Wort so sehr wie das Wort verloren. Und dann habe ich gesagt: Jo, du bist hoffnungslos verloren, du brauchst den Herrn Jesus.
Dann bin ich zum Johannes am nächsten Tag oder war es der gleiche Tag und habe gesagt: Johannes, ich bin Sünder, und ich will den Herrn Jesus in mein Leben aufnehmen. Genau. Und dann hat er gesagt: Alles klar, mach mal.
Dann hat er nicht nochmal gesagt, was der Tag war. War ja interessant, als er mich drei Tage heimgeschickt hat, aber war richtig, es war richtig, er hatte ein richtiges Gespür. Also wenn ich jetzt dann einen Tag später vom Bus überfahren worden wäre, ich glaube halt einfach, dass Gott ein Rettergott ist und hätte schon dafür gesorgt, dass ich jetzt in den einen Tag nicht vom Bus überfahren werde, denke ich.
Ja, was danach passiert, hat das irgendwelche Auswirkungen gehabt auf dein Leben?
Ja, genau, die ersten drei Monate. Also es hat von Anfang an, ich bin in die Gemeinde gegangen und dann habe ich gedacht, ich tue die Jungs aus dem Fußballverein, meine Kumpels und so, evangelisieren und sage ihnen was. Also das war gleich so, hast du gleich als Auftrag entdeckt.
Nee, ich habe so gedacht: Okay, jetzt gehe ich da mal hin und höre halt auf, sieben Bier zu trinken, obwohl es gar nicht gebraucht hätte, vier Bier zu trinken. Dringend ist halt mal eins, aber da ist mir ein Jungskontakt völlig schiefgegangen. Drei, vier Monate lang so oft auf die Nase gefallen, völlig hingefallen, als Christ, voll in Sünde gefallen.
Und dann irgendwann hat ein Kumpel mir gesagt in der Bar: Mensch, schau mal das Mädchen da und so. Dann habe ich gesagt: Du, ich bin Christ, ich mache sowas nicht mehr. Hä, was bist du? Und so. Und dann haben wir so drüber gesprochen und sind immer heimgelaufen, und dann habe ich ihm das alles erzählt. Er hat es dann auch jedem erzählt, wo sie sich machen. Und dann kamen natürlich Fragen, Sekte und alles. Die haben sich natürlich Sorgen gemacht um mich, ist ja auch okay. Ich kenne ja sowas nicht, ich bin im erzkatholischen Bamberg. War jetzt nicht schlimm, dass die sich Sorgen gemacht haben. Nach einem Jahr haben sie gesagt, das war das Richtige für mich.
Du hast also den Jungs da beim Fußball auch von deiner Veränderung erzählt, und die haben das auch gesehen?
Ja, auf jeden Fall.
Also du hast deinen Bierkonsum zurückgefahren?
Nee, darum ging es nicht. Es ging einfach darum, dass ich komplett anders gelebt habe bezüglich Frauen, Beziehungen, Party, auf dem Fußballplatz selber, wie man sich benimmt. Und ja, dann war ich dann unten und habe dann mal mit einem gesprochen, und dann laufe ich hoch, und dann sagt schon einer: Ey, da kommt ja der Saulus zu Paulus und so. Und einer hat dann mal runtergerufen, weil ich mich mit dem anderen ein wenig unterhalten habe, mit einem anderen Fußballkollegen, hat er so gerufen: Und Domi, liebt dich Jesus jetzt auch? Und dann habe ich gesagt: Mensch Jungs, euch alle lieb sein. Ich war dann eher so offensiv, die haben mich jetzt nie geärgert. Ich wurde noch nie im Fußballverein gemobbt, auf der Arbeit schon, aber wegen Glauben noch nicht. Ich denke, wenn man da ganz natürlich lebt, die denken schon, dass man ein Spinner ist, aber die können ja denken, dass man ein netter Spinner ist. Das ist ja möglich.
Welche Rolle spielt deine eigene Geschichte mit dem Herrn Jesus so in der Evangelisation deiner Meinung nach, also ganz allgemein? Du hast es jetzt so erwähnt, dass du das selbst erlebt hast, die kannten dich natürlich vorher und was dann passiert ist nachher. Diesen Lebenswandel, die Veränderung. Was würdest du sagen, wie sehr spielt die eigene Geschichte da eine Rolle, ganz allgemein in der Alltagsmission?
Also ich denke schon, dass wenn wir evangeliumszentriert leben, wem viel vergeben ist, der liebt viel, wenn wir uns das vor Augen halten, ist es eigentlich völlig egal, wie sich meine Frau mit sechs Jahren bekehrt und ein völlig behütetes Leben gehabt hat oder ich jetzt. Ich komme mit einigen Leuten einfacher ins Gespräch. Ja, es hat schon Vorurteile. Ich würde mir auf der einen Seite wünschen, dass ich mich mit 14 oder vorher bekehre und diesen ganzen Mist zwischen 14 und 21 nicht gesehen und gemacht hätte. Auf der anderen Seite kann ich mit Leuten auf der Straße, mit Leuten aus dem Fußballverein voll ins Gespräch kommen.
Ich würde so gerne mal wieder auf den Ballermann und einfach einen Büchertisch machen, weil ich mit diesen Leuten... Also erlebe ich ja, dass ich mit denen ins Gespräch komme und ganz natürlich ins Gespräch komme und sage: Hey, so war ich auch drauf, aber was gibt's dir? Wenn du sagst, du würdest das gerne mal wieder machen, hast du schon mal Büchertisch am Ballermann gemacht?
Ich habe es mal vorgehabt jetzt, da gab es jetzt eine Organisation, aber da gibt es noch einen anderen Bruder, den möchte ich jetzt mal anschreiben, vielleicht mache ich es mal. Auf der anderen Seite würde ich gerne lieber mal so einen Fußballbüchertisch machen, genau, das ist gerade so meine Richtung, was ich so machen möchte. Aber es hat auf jeden Fall im Leben, für mich ist es ein Vorteil, muss ich schon sagen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Ganz klar, wenn du irgendwo mal in so einem Drogenloch lebst für drei, vier Monate, dann mal bei deiner Oma wohnst, dann mal da, Jobs verlierst, betrunken aufwachst in deiner eigenen Kotze, sag ich mal, weißt du, wie man sich fühlt, ne? Wie leer das Leben sein kann, wenn man Schufa-Einträge hat, wenn man finanzielle Noten hat, wenn man sein Leben da gegen die Wand gefahren hat und dann erlebt, was Jesus kann, was der Herr kann.
Also ich habe zum Beispiel immer gesagt: Ich werde nie heiraten. Ich habe mich bekehrt und habe gesagt: Ich werde auf keinen Fall heiraten, keinen Fall. Weil ich gesagt habe: Jetzt tue ich keine Frau an. Also so ein geschundenes Herz in dem Thema Sexualität auf keinen Fall, nie im Leben. Das Schöne ist ja oder war: Ich habe ja Gott gar nicht gekannt, ich habe ihn kennengelernt, ich habe angefangen mit ihm, und er hat mich in einem Jahr so freigemacht einfach und so befreit einfach von vielen Sachen. Und genau ein Jahr später habe ich dann meine Linda kennengelernt, und da habe ich ihr natürlich alles gesagt, von der Parkbank mit Rotz und Wasser geheult und habe gesagt: So jemanden hast du hier an deiner Seite, willst du mich wirklich heiraten? Und sie hat gesagt: Ja.
Ja, was die Gnade kann.
Ja, genau, was Gott kann. Also das ist ja die Freiheit, ja. Johannes 8,32. Aber 8,31 ist noch viel wichtiger. 32 steht ja: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, die Wahrheit wird euch freimachen. Aber 8,31 steht: Er spricht zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt. Und das ist es halt. Wir wollen Freiheit, wir Christen, wir wollen Freiheit, aber irgendwie so ultimative Freiheit, jetzt mal so für keine Ahnung wie lang, aber ich muss halt abhängig bleiben vom Wort Gottes. Und dann kriege ich Freiheit. Ich glaube, viele Christen werden enttäuscht, weil sie denken: Ich will Freiheit, und Jesus verspricht mir Freiheit, aber irgendwie bin ich immer wieder gebunden. Warum? Weil sie nicht in seinem Wort bleiben.
Was heißt das, in seinem Wort bleiben?
Ja, Gott eine Beziehung führen, eine Gottesbeziehung. Keine stille Zeit führen, sondern eine Beziehung führen. Ich erwische mich immer wieder, dass ich die Bibel lese, weil ich die Bibel lesen soll, in meinem Gedanken stille Zeit. Und mir ist letztens der 2. Chronik 26,5 so ins Auge gestochen, da steht: Und solange er den Herrn suchte, ließ Gott ihm gelingen. Und da frage ich mich: Lese ich in der Bibel stille Zeit, oder will ich den Herrn suchen? Will ich ihn suchen?
Die Beziehung finden.
Genau, die Beziehung suchen, nicht stille Zeit. Jürgen Fischer hat mal gesagt, er hat Angst vor Menschen, die stille Zeit machen. Und ich kann es nachvollziehen, so in der Art: Ja, jetzt habe ich stille Zeit gemacht, den ganzen Tag jetzt was anderes, und morgen mache ich wieder stille Zeit. In der Gottesbeziehung leben. Und wenn ich in seinem Wort bleibe, Bibel lese, die Bibel studiere, da würde ich stabil forschen und stabil Glauben empfehlen, vom Tommy Kleine und vom Samuel, von meinem Bruder, wirklich die Bibel kennenlernen. Und das verändert mich ja, das bringt mich in die Freiheit, und dann kann ich Alltagsmissionar sein, wenn ich frei bin. Aber ich kann als Christ total unfrei sein. Der Korintherbrief sagt es komplett: Ihr habt alle Gaben, aber ihr lebt fleischlich. Ich kann voll fleischlich leben, volle Kanne. Und dann bin ich nichts, bin ich kein Alltagsmissionar, dann habe ich keine Lust, ein Johannesevangelium weiterzugeben vom Heukelbach. Das ist das A und O: in der Gottesbeziehung leben.
Ja, sehr gut. Wenn du Menschen begegnest, dann bietest du Leuten spontan auch schon mal Gebet an. Du gibst eine Bibel weiter, so eine Kickerbibel oder so eine Mutmach-Bibel.
Genau, ich habe eine Tasche immer dabei.
Wie reagieren die Menschen darauf? Du hast eine Tasche dabei, zeig uns mal die Tasche.
Also da hast du immer was dabei.
Genau, mein Trauzeuge hat mir die immer geschenkt, also diese Tasche. Panama-Check, unverwüstbar. Und wenn es gut läuft, habe ich einen Kinderwagen dabei.
Einen Kinderwagen?
Ja, also einfach, wenn ich mit meiner Frau in der Stadt bin oder so. Oder ich habe die auf jeden Fall griffbereit. Dann habe ich eigentlich immer irgendwas von Soul Saver dabei, irgend so Rocky oder Liebe, ein Mädchen auf der Suche nach Liebe, immer wenn irgend so ein kaputteres Mädchen.
Also du hast einfach Literatur dabei und gibst es gerne weiter.
Genau, Kickerbibeln, was für Polizisten. Dann die Kickerbibel, es gibt ja ganz schlimme Kickerbibeln, also Sportlerbibeln, die sind ganz schlimm.
Was heißt das?
Das heißt, dass da Leute aufgenommen sind. Wenn ich das meinen Fußballern gebe, dann sagen die: Dann werde ich jetzt Muslim, weil ich will das Gegenteil von dem werden, was der ist. Also da wird jetzt Neymar zum Beispiel als Christ beschrieben, als Wiedergeborener. Da gibt es Flyer, ich habe einen Flyer in der Hand gehabt von Neymar, der spricht so schlimm, so schlimme Ausdrücke, der beleidigt Mütter von anderen Fußballern als Prostituierte, der lebt ein Leben mit Frauen, das ist die unterste Schublade, und dann steht dort: Ja, Jesus, Jesus. Und warum? Weil er immer, wenn er die Gemisi gewinnt oder irgendwas, hundert Prozent Jesus hier hat, hat er immer ein Stirnband auf. Aber es hat mir mal ein Bruder erklärt aus Brasilien, dass in Brasilien manche sagen, wenn du Jesus groß machst, wird er dich noch reicher machen. Und das ist katastrophal, wenn wir Leute als Christen verkaufen, nur weil die mal gesagt haben: Ja, ich gehe sonntags, wenn ich schaffe, auch mal in die Kirche. Zack, tun sich alle irgendwie oder viele auf ihn stürzen: Ah, okay, aus dem machen wir jetzt schnell ein Buch oder ein Traktat oder eine Kickerbibel. Und ich finde die Kickerbibel von Bible for the Nations, Fußball mit Vision, sehr gut, wiedergeborene Leute, und das ist sehr einfach eine Kickerbibel, finde ich, weiterzugeben beim Fußball. Und sonst, wenn ich mit Leuten ins Gespräch komme, Corona-Zeit war sehr, sehr... Das war das Einfachste überhaupt. Es war so einfach, etwas weiterzugeben. Alle Leute waren völlig durch. Und ich habe immer wieder gesagt: Wir brauchen Mut.
Siehst du ja. Und dann, wenn ich ein tieferes Gespräch hatte, habe ich eine Mutmach-Bibel verschenkt. Ich meine, die kostet ja zehn Euro, ich habe sie für acht bekommen von Wolfgang. Aber ich habe immer wieder ein Johannesevangelium weitergegeben, ob bei einem tieferen Gespräch auch. Also das Johannesevangelium kostet euch auch was, ist mir klar, genau. Aber die Mutmach-Bibel habe ich dann bei einem tieferen Gespräch bei den Nachbarn. Ich habe sie in den Status gestellt: Wer wir sie haben, meine Arbeitskollegin, nur schwarze Klamotten, nur tote Hosen, schreibt mir dann so: Bring mal eine mit. Dann habe ich gesagt: Alles klar, mache ich. Sonst hätte sie es nicht gehabt. So etwas dabei zu haben, ist immer wichtig. Es ist so bitter, wenn wir nichts dabei haben. Es ist einfach bitter.
Du hast irgendwie auch mal eine besondere Begegnung gehabt mit einem Fußballkollegen, mit dem du erstmals überhaupt die Bibel gelesen hast. Kannst du das nochmal erzählen, ein bisschen? Ich glaube, im Vorgespräch hast du erzählt, wie sie telefoniert haben.
Also man konnte immer wieder ins Gespräch mit Fußballern. Fußballer haben oft so eine Klappe, manche, sind aber innen drin leer. Ich habe gegen einen gespielt, eine Woche später hat er sich erhängt. Er war auf dem Feld, mein Gegenspieler, hatte eine Riesenklappe und so, das war echt schlimm sowas. Mein Trainer... Einer meiner Trainer, ich hatte ja viele Trainer, hatte Probleme mit Depressionen, da kam ich mit ihm ins Gespräch und ich gebe ja immer eine Kickerbibel weiter. Das ist so unkompliziert. Die Bibel hat auch die Oma im Kühlschrank, im Bücherregal. Das ist noch mal ein bisschen unkomplizierter als ein Traktat weiterzugeben. Ich mag eure Traktate von Heukelbach, und ich gebe sie auch weiter. Aber nach dem Spiel sage ich: Hey, ich bin Christ. Oder ich klopfe mal bei den Schiedsrichtern und sage: Guter Pfiff, Jungs, ich bin Christ, ich möchte euch eine Kickerbibel schenken. Das ist jetzt ein bisschen unverfänglicher als: Ich möchte euch ein Traktat schenken oder so.
Und der hat bei Hertha gespielt, der Zweiten, hat es nicht geschafft, er war einmal im Profikader mit dabei oder mehrmals, ich weiß es nicht, hat dann gesagt, dass er ziemlich viele Probleme hatte und so. Und es war ein Freizeitkick während Corona, und dann wollte ich da eigentlich nicht mehr hin, das war mir ein bisschen zu wild dort, die sind ziemlich reingegangen. Und dann habe ich gesagt, ich gehe noch einmal hin, und ich werde diesem einen Mann eine Kickerbibel geben. Dann sagt er zu mir, so eine hat er mal bekommen, vor keine Ahnung wie vielen Jahren, von dem ersten Mannschaftsspieler, von dem Brasilianer, aber er hat sie weggelegt, also war nichts für ihn. Aber jetzt wäre er so offen dafür. Dann haben wir uns getroffen, haben zusammen Bibel gelesen auf der Parkbank, und immer, weil er mich sieht, gut, ich bin jetzt umgezogen, ich sage: Wie geht es? Er sagt: Mir geht es gut. Und dann sagt er: Mensch, ich weiß warum. Habe ich gesagt: Ja, warum? Meinst du wegen deinem Jesus? Du bist halt richtig wegen meinem Jesus, das ist mein dritter Angelpunkt für meine ganze Familie der Zerberkinder. Und dann sagt er so voll betroffen an der Kasse: Ich bräuchte ihn auch. Und da ging mir so: Ja, genau. Dann habe ich gesagt: Du kannst ihn haben. Wir haben drüber gesprochen, du kannst mich jederzeit anrufen.
Ja, aber mehr als ein Angebot kann man nicht machen. Der Mensch muss ja selber diese Entscheidung treffen und irgendwie mit Glauben darauf reagieren, auf das Evangelium. Aber wenn er sie hat, wenn er die Kickerbibel hat, kann er es machen. Ich war bei einem Kumpel eingeladen, vor Jahren habe ich ihm eine Kickerbibel gegeben. Und ich war auf Geburtstag, und dann hat er gesagt: Da ist das Bier, da ist der Radlader, da ist das... Und hinter dem Bierkasten war die Kickerbibel gelegen, im letzten Eck. Und dann habe ich gesagt: Mensch, du hast ja noch... hat er gesagt: Ja, es gibt Bibler, Bibel wirft man nicht weg. So ist es. Es war noch ein bisschen Ehrfurcht da, von der Bibel wirft man nicht weg.
Du spielst immer noch Fußball, auch im Verein. Hast du gesagt, manchmal wirst du von Christen, von Familienvätern oder so da auch ein bisschen kritisch beäugt, dass du das machst. Wie gehst du damit um?
Nicht nur Familienväter, also eigentlich eher so, also jetzt aktuell habe ich das Problem nicht, genau, aber...
Aber du hast schon mal Sprüche deswegen.
Ja, auf jeden Fall. Was ich immer ein bisschen schade finde, weil wir sollen ja hingehen. Ich würde mir wünschen, dass die Fußballer zu mir in den Gottesdienst kommen, kommen sie nicht. Also muss ich hingehen, geht hin in alle Welt. Muss man dafür in den Verein gehen? Um jetzt die Fußballer zu erreichen, schon ja, weil Fußball bringt eine Chemie miteinander, wenn man Siege erringt oder zusammen trainiert, aber gerade wenn man Siege erringt. Das ist einfach noch mal eine Sache für sich, wenn man sich da zusammen freut und zusammen einfach als 15 Mann etwas erreicht und die andere Mannschaft will auch kämpfen. Ich meine, wir kämpfen jetzt nicht mit einem Schwert oder so, aber wir kämpfen gegeneinander mit Eisenstollen und Co. Und das schweißt schon zusammen. Und wenn man dann auch Vorbild sein kann, weil beim Freizeitfußball kann ich Vorbild sein, aber sei mal Vorbild, wenn dir der Verteidiger immer wieder in die Hacken haut und immer wieder in die Hacken haut. Da kommen auch Sachen, da prüfen sie dich ganz schön. Also die Mitspieler, die ständig auf dem Prüfstand.
Aber deine Frage war jetzt etwas anderes. Es ist ein bisschen schade, finde ich, weil ich bin ja nicht dort, um mich selbst zu verwirklichen. Damit habe ich eigentlich ziemlich schnell aufgehört. Ich bin Christ geworden und habe gesagt: Ein halbes Jahr noch, das war im Februar, Rückrunde spiele ich noch, dann gehe ich in die zweite Mannschaft, weil ich nicht zwei-, dreimal die Woche zum Training gehe. Das war es mir nicht wert. Ich will Kontakt zu den Jungs. Aber ich möchte nicht zwei-, dreimal die Woche zum Training.
Was heißt zweite Mannschaft, erste Mannschaft?
Ja, erste Mannschaft ist halt so das Aushängeschild, und das ist voll wichtig. Und zweite Mannschaft ist so: Wenn du einmal die Woche zum Training kommst, ist gut und hat Kontakt zu den Jungs. Oder wenn jetzt mal der Sportplatz zum Beispiel am Samstag bei uns renoviert wird, also die Bäume geschnitten und alles, dann hat man ja Kontakt mit den Jungs. Also ich gehe ja dahin, um mit denen Kontakt zu haben. Beziehung pflegen. Genau, Beziehung pflegen. Ich war mal in einem Verein, da war ich ein halbes Jahr, fast eine Beziehung gepflegt, einfach immer nur hin, zack, wieder weg, weg. Nichts gebracht, fast kein Glaubensgespräch gehabt. Dann habe ich mir gedacht: Dann lass es sein einfach, dann brauchst du ja gar nicht hingehen.
Genau, diese Zeit, die kriegen ja andere mit. Ich bin jetzt, ich würde meine Gemeinde als bibeltreue Gemeinde beschreiben, das heißt, wir haben Bibelstunde und Gebetsstunde, wir haben sowas wie Bibelseminare. Das muss man hinbekommen, zum Training zu gehen und aber auch in die Gemeindestunden. Aber es geht nicht immer beides. Und manchmal, und da schäme ich mich jetzt auch nicht dafür und lasse mich auch nicht auf dem Scheiterhaufen stehen von Brüdern oder so, wenn ich sage: Ich gehe heute zum Training, obwohl heute Bibelstunde ist, weil ich so und so oft schon nicht mehr beim Training war und mit den Jungs Kontakt haben will oder weil einer sagt, wir feiern heute Geburtstag zusammen und hat mich eingeladen. Dann gehe ich da hin. Aber da kommen schon Augenrollen. Früher habe ich das mehr erfahren, gerade wenn sonntags so Gemeindeessen ist und man geht dann zum Fußball oder man kommt mit Krücken in die Gemeinde. Ich glaube, ich war dreimal in meinem Leben auf Krücken, und dann kommt so wieder beim Fußball. Würde ich mir wünschen, dass vielleicht der Bruder oder die Schwester sagen: Wie geht es dir beim Fußball?
Da liegt ja dem eigentlich zugrunde, dass dein eigener Wunsch, deine Vision, auch Alltagsmission dort zu leben, nicht so verstanden oder geteilt wird, richtig?
Genau, also die sehen halt... Ich wäre auch gerne in der heiligen Welt. Ich liebe Gemeindefreizeiten, da komme ich jetzt gerade von einer Gemeindefreizeit, das ist alles schön und gut, keiner sagt Schimpfwörter. Alles schön, bisschen Himmel auf Erden, wie wir es so kennen von unseren Freizeiten, von den Schoppen-Bibelstudierfreizeiten und allem, was es so gibt. Aber ja, ich kann es ja auch verstehen, dass die Leute sagen: Na ja, ich will ja in der Heiligung leben, ich will bei Heiligen sein, das ist ja schön. Aber ich will ja hin zu den Leuten, das wird nicht so ganz verstanden. Also dann lieber Büchertischen, das reicht. Aber ich muss sagen, ich erreiche viel mehr Leute beim Fußball und in der Alltagsmission als beim Büchertisch.
Weil die Leute dich dort kennen, weil du die persönlichen Beziehungen hast.
Genau, der Büchertisch, da gehen halt die Leute hier um den Büchertisch herum. Wenn man mal eine Begegnung hat, da kann man auch ein Gespräch haben oder mal was weitergeben, ist auch okay. Aber wirksamer ist die persönliche Beziehung.
Ja, die persönliche Beziehung, genau. Einfach, dass die Menschen sehen: Boah, der hat Interesse an meinem Leben. Detailliert mit und auch selber, was lässt du in dein Leben hineinschauen, wie siehst du Dinge, wie reagierst du, wenn dir der Verteidiger in die Hacken kommt und so weiter.
Genau, genau. Der hat dann gesagt: 89 Minuten hat mir hinten reingehauen der Verteidiger, und ich habe mich in der 90. Minute hinreißen lassen, ihn auch umzuhauen, klare gelbe Karte, und dann in der Kabine ging es dann los. Hildebrand, von dir hätte man es ja nicht gedacht.
Aber die haben jetzt nicht böse gemeint. Die wollten mich jetzt nicht mobben und ärgern, die wollten mich herausfordern. Ich habe Gott sei Dank einen guten Gedanken gehabt, weil ich viel Wilhelm Busch höre und Wolfgang Dyck. Und wenn man die zwei hört, die können sehr gut antworten. Und das habe ich hoch und runter gehört. Das hilft bei Alltagsmission total, Wolfgang Dyck und Wilhelm Busch. Und ich habe gesagt: Leute, ich bin Christ. Von dir als Christ haben sie ja gesagt, hätten wir es nicht erwartet. Und ich habe gesagt: Ich bin Christ, weil ich fehlerhaft bin, weil ich einen Retter brauche. Und deswegen bin ich Christ. In den 15 Sekunden hat mir jeder zugehört, weil alle wollten wissen, was ich sage. Nach 15 Sekunden hat dann einer gesagt: Okay, jetzt machen wir mal die Predigt zu Ende. Dann habe ich gesagt: Alles klar, komm Jungs, wir trinken eins. Alles klar. Aber man muss den einfach sagen. Weißt du, Wolfgang Dyck sagt, was hat er gesagt, warum Knast zu Kanzel, hat er gesagt. Die Leute wollen wissen, ob wir das, was wir im Schaufenster haben, auch im Laden haben. Und das kann ich durch Beziehungen.
Ich gebe ja auch mal sowas weiter, jetzt am Wochenende Frankfurt gewesen, Kickerbibel, Heidenheim, FC Heidenheim, Bundesligaverein, A-Jugend, eine Kickerbibel, dreißig junge Männer, steigen da aus, dreißig Achtzehnjährige, wen gibt es denn da die Kickerbibel, habe ich mir gedacht. Da habe ich ihnen gesagt: Wer ist denn von euch der Coach? Ja, ich. Sie hören, dann gebe ich es dir. Ich bin Christ, du wirst ein paar Leute auch kennen, es sind Profis da drin. Er hat sich bedankt und ist gegangen. Mal schauen, was er daraus macht.
Aber was du jetzt gemeint hast: Ich würde mir dieses Teilen mehr wünschen, dass die Geschwister einfach sagen: Wie geht es dir beim Fußball? Gibt es da jemanden, der vielleicht Interesse hat am Glauben? Können wir für was beten oder so? Das würde ich mir mehr wünschen. Ja, schon in der Gebetsstunde oder so habe ich das schon auch gesagt oder mal so.
Ja, das ist ja auch wichtig. Ich sage das auch hier immer wieder: Als Alltagsmissionare sind wir nicht alleine unterwegs, und es ist gut zu teilen, einander zu ermutigen und zu stärken, auch in der eigenen Gemeinde, auch mitzubeten dafür. Das fordert natürlich heraus, wenn man eher das Gefühl hat: Ja, da machst du dein Ding, und es wäre besser, wenn du in der Gemeinde bist. Aber trotzdem: Vielleicht, wenn man einfach davon frei erzählt, was der Herr auch wirkt und wie er einen gebrauchen kann, kann auch andere Geschwister ermutigen und mehr eine Sicht geben auch für Alltagsmission.
Genau, es muss ja nicht Fußball sein, es kann ja Strickverein sein.
Ja, im Ernst, also warum geht man nicht... Gibt es in Bamberg einen Strickverein?
Bayreuth. Es gibt einen Strickverein, ich bin mir sicher, ich weiß es nicht, aber es gibt so viel, wo man mit Leuten in Kontakt treten kann. Ja, der Peter Lüding hat mir auf einer Schoppen-Studierfreizeit gesagt, er ist der Erste, der beim Bratwurststand an einer Bratwurstbude steht und austeilt. Ja, wie komme ich denn mit Leuten ins Gespräch? Die können ja denken, dass ich ein Spinner bin, aber ein netter Spinner. Ist so, also denke ich mir immer so.
Den Spruch hast du schon mal gesagt, der ist dir wichtig.
Der ist mir wichtig, ja. Ich weiß nicht, woher ich ihn habe, ich glaube von Daniel Herrmann, französisch ein bisschen nach.
Kurz zu euch, die ihr hier zuhört: Wen würdest du gerne hier im Machbar-Podcast hören? So einen Alltagsmissionar wie den Joel? Vielleicht kennst du jemanden, wo du sagst, das wäre richtig cool, wenn du den einlädst, Christian, dann schreib mir das gerne an machbar@heukelbach.org.
Und wenn du tiefer einsteigen möchtest in die Alltagsmission, das konkreter lernen willst, vielleicht hast du schon öfters hier den Podcast gehört. Da kann man ja auch einiges lernen von solchen Brüdern und Geschwistern wie Joel und anderen. Aber wenn du das möchtest, schau dir gerne unser Trainingsprogramm an. Auf heukelbach.org mit Grow kannst du tiefer einsteigen in die Alltagsmission. Es sind 14 Lektionen aktuell auf der Webseite zu finden, und du kannst Schritt für Schritt lernen, deinen Glauben im Alltag ganz natürlich zu teilen, gute Fragen zu stellen. Ja, wie startet man überhaupt in der Alltagsmission, was heißt es, ja zum Beispiel die eigene Geschichte mit Jesus, da haben wir ja auch drüber gesprochen, ja, Menschen einfach zu erzählen und weiterzugeben. Schau dir das gerne mal an auf der Webseite heukelbach.org.
Joel, wir wollen über das nächste Thema reden, den nächsten Block. Wie kam es überhaupt dazu, dass du anfingst mit dem Kindertreff in deiner Heimat, in deiner Nachbarschaft? Wie hat das begonnen? Du machst sowas wie einen Kindertreff.
Genau. Was ist das? Ein Kindertreff ist: Es kommen Kinder aus der Nachbarschaft zu mir nach Hause ins Wohnzimmer.
Deine Familie ist mit dabei?
Genau, die sind alle da, meine Frau hilft mir, das ist meine größte Stütze da. Und dann gibt es am Anfang Kekse oder irgendwas zum Knabbern. Dann setzen sich die Kinder hin, dann gibt es eine Andacht, dann gibt es Spiele, dann gibt es ein Bibelvers, und auch mit nach Hause. Das Wort Gottes muss ins Haus, die Bibelverse müssen raus. Nur das Wort Gottes kann ja den Glauben einfach wecken. So wichtig, dass die Leute Bibeln haben oder Bibelverse. Und dann gehen die wieder, und die Leute schicken ihre Kinder. Das ist regelmäßig, alle zwei Wochen oder wie?
Ich bin jetzt umgezogen, da habe ich es noch nicht auf die Reihe bekommen, würde jetzt starten, aber da, wo ich jetzt gewohnt habe, war das jede Woche.
Jede Woche?
Genau.
Ist das dann so eine Stunde, anderthalb Programm oder wie?
Das waren eineinhalb, und jetzt waren es dann eine Viertelstunde, weil sie mir dann doch am Ende die Bude zu sehr auseinandergenommen haben, wenn da so 23 Kinder kommen in einer Dreizimmerwohnung.
23 Kinder in einer Dreizimmerwohnung?
Genau, wir hatten unsere Möbel unten so Filz, da konnten wir schon alles hin und her schieben. Aber das Ding ist halt, weißt du, sobald du es in der Gemeinde machst, habe ich gemerkt, schicken die Eltern sie nicht. Also waren es nicht 23 Kinder aus nichtchristlichen Familien, waren viele Gemeindekinder, aber jemand hat Freunde mitgebracht oder die Nachbarn kamen halt. Und wenn du so eine Veranstaltung in den Gemeinderäumen machen würdest, sagst du, ist deine Erfahrung oder ist es so, dass dann Eltern ihre Kinder nicht dahin lassen würden?
Ja, auf jeden Fall, habe ich erlebt, genau.
Hast du erlebt?
Ja, genau. Die müssten nichts machen, also die könnten ja mit mir fahren und alles. Ja, nee, haben wir keine Zeit. Und das hat dann immer...
Aber persönlich in die eigene Wohnung, zu deiner Familie, die kennen dich, die kennen euch als Familie, ist es Nachbarschaft, da haben sie das Vertrauen, das ist okay.
Genau, ja, genau. Wie reagieren denn die Eltern, wenn das Kind mit so einem Bibelvers nach Hause geht?
Ja, interessant. Geistliche Inhalte.
Genau, genau, genau. Ich meine, es ist immer wichtig, als KLBler sage ich das auch oder insgesamt, es ist sehr wichtig, nicht zu sagen, wir machen jetzt nur einen Kindertreff. Es muss schon heißen: christlicher Kindertreff oder Bibelentdeckertreff. Deswegen finde ich es ja auch schön, dass die KEB nicht mehr Kinderevangelisationsbewegung heißt, sondern Kinder entdecken die Bibel. Es ist völlig klar, die Leute denken jetzt nicht mehr, dass wir evangelisch sind, sondern dass wir mit der Bibel arbeiten. Das ist völlig klar. Evangelisationsbewegung gibt es nur im Kanonischen mehr nicht. Dadurch wissen die das, und ich hatte noch nie Probleme. Eine Kammerl hat gesagt: Ja, meine Tochter schicke ich jetzt nimmer. Und ich so: Okay, warum? Ja, die hat jetzt da schon zehn Bibelverse an der Schrankwand und jeden Abend müssen wir ihr alle vorlesen. Am Anfang habe ich gesagt: Oh, okay. Und dann habe ich gecheckt, dass die einen Spaß macht mit mir, dass sie halt sagt: Aber das ist so cool, ne? Ganz sozial schwache Familie, ganz große Nöte, und die hat einfach die Bibelverse im Zimmer drunter. Deswegen ist es auch gut, wenn man Bibelverse mitgibt, einlaminiert und schön gestaltet, weil dann hängen nämlich die Kinder die auch auf.
Das bereitet ihr dann vor und gibt den Kindern mit. Aber du gibst denen nicht nur einfach den Vers mit, du erzählst denen eine Geschichte dazu, die du hast, mit dem Bibelvers zu tun.
Genau, Zachäus zum Beispiel, und dann Zachäus 19,10: Der Menschensohn ist gekommen, hinter Menschensohn mache ich dann in Klammern Jesus, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Dann laminiere ich das ein und dann gebe ich das denen mit. Und dann...
Üben wir zusammen mit den Kindern den Bibelvers?
Ich erkläre den Bibelvers. Es ist auch immer wichtig, nicht nur im Kopf zu haben, sondern: Was heißt denn, er ist gekommen? Ja, Jesus gab es schon, der ist schon gekommen, der ist auf diese Erde gekommen. Was heißt denn suchen, was heißt denn retten, warum muss ich gerettet werden? Also den Kindern erklären.
Das erklärst du alles. Und du sagst, am Anfang fangt ihr mit Plätzchen an, am Ende gibst du den Bibelvers mit, und zwischendrin erklärst du den. Machst du das dann eine Viertelstunde, einen Bibelvers erklären, oder wie?
Nö, nö. Die ersten zehn Minuten, die einen kommen später, die anderen nicht. Erst die zehn Minuten ankommen, seit fünfzehn dann geht's los mit 15 bis 20 Minuten Andacht, je nachdem wie die Kinder drauf sind, wie wepsig, wie unruhig sie sind oder nicht. Manchmal kamen auch nur acht Kinder, nicht 23. Ja, und dann erzähle ich die Andacht, und dann dürfen die noch mal eine Viertelstunde spielen, dann sage ich: Kinder, kommt noch mal alle zusammen, dann tun wir zusammen zehn Minuten den Bibelvers einüben, ich erkläre den Bibelvers, und dann sage ich: Leute, bis nächste Woche.
Und du erreichst halt ein ganzes Haus. Das muss ja klar sein, was das heißt. Du hast das Kind da, aber das Kind geht nach Hause mit dem Bibelvers. Aber was passiert da noch zwischen Eltern, Kindern und euch?
Also erst mal lernen die Eltern dich kennen, am Anfang erst mal so: Hallo, ich wollte die Sohn so abholen. Ach, du gehst hin und holst die Kinder persönlich her?
Nee, nee, die Eltern kommen und sagen halt: Ich will meine Tochter abholen nach dem Kindertreff. Und dann merkst du halt schon mit der Zeit, sagst du dann so: Und, Mensch, das ist ja ein Wetter, oder? Man kommt halt irgendwie ins Gespräch, also irgendwie ein Gespräch herziehen halt irgendwie. Und dann sprechen die Leute noch mehr und mehr. Beim nächsten Mal sage ich dann: Ja, die Maid kommt noch kurz rein zu der Mutter oder zum Vater, dann ist er auf einmal in meiner Wohnung, dann sieht er das alles, dann spricht man einfach. Dann macht man mal zusammen. Danach gibt es für jedes Kind noch ein Eis, die Eltern sind herzlich eingeladen, und dann mache ich jetzt gar keine große Andacht vor den Eltern, sondern einfach: Die lernen mich kennen. Und dann gibt man denen ja was mit, Weihnachtsgeschenke, Heukelbach-Kalender, Doppel-Dekaku-Kalender, und dann an Weihnachten gibt man ein Johannesevangelium von Heukelbach mit. Genau, du erreichst ein ganzes Haus durch ein Kind.
Was ist das Geheimnis, warum vertrauen dir nichtchristliche Eltern ihre eigenen Kinder an? Das ist ja ein Vertrauen, oder?
Genau, weil wir, wo es geht, versuchen, mit Leuten zu sprechen, im Dorf oder in der Stadt. Wir sind jetzt ganz bewusst in die Nachbarschaftshilfe eingetreten. Nachbarschaftshilfe ist: Alte Leute oder Leute brauchen Hilfe beim Laubrechen. Ich gehe jetzt mit einem immer um 13 Uhr einkaufen, der ist im Altenheim, der will immer mittwochs um 13 Uhr einkaufen. Perfekt, jetzt lerne ich auch noch die Leute aus dem Altenheim kennen. Aber dann reden die über mich. Es geht nicht darum, dass die mich jetzt alle toll finden sollen, aber die merken: Okay, der ist engagiert, der ist ein Helfer, der hilft auch mal beim Sportplatz mit aufräumen. Es ist einfach wichtig, Schnee schieben, nicht bis zur Grenze, weiterschieben, wenn man noch die fünf Minuten hat. In Deutschland beim Schneeschieben ist immer so diese Grenze, bis dahin geht man auf ein Grundstück.
Keinen Nachbarn und nicht mal auf den Gehsteig weiterschieben.
Genau, weiterschieben, fünf Minuten. Die kriegen das mit, die Nachbarn, die kriegen das mit, dass du nett bist. Und das ist einfach wichtig. Und nicht irgendwie in die Falle zu tappen, dass sie Missionsobjekt sind. Verstehst du die Frage?
Ja, ich verstehe, was du meinst. Das war bei diesem Fußballverein zum Beispiel so, wo ich da eineinhalb Jahre war und immer so, ich habe kurz vielleicht was gesagt, aber dann Beziehung leben und echte Beziehung leben. Ich mag ja die Menschen, ich mag Menschen. Also dir geht es um den Menschen, dir geht es nicht darum, dass du jetzt unbedingt: Ich muss den jetzt irgendwie bekehren. Mein Ziel ist es, mit Menschen in Kontakt zu kommen, um ihnen irgendwann das Evangelium zu sagen. Aber ich bin nicht wie der Jäger auf der Lauer und sage: Jetzt muss ich es machen, jetzt muss ich es sagen, schnell was sagen. Ich bin ja dauernd unter Druck. Ganz normal mit einem sprechen, ganz normal sprechen und einfach sagen: Ja, mein Kind hat die und die Probleme, das heißt ich so: Ja, ich kenne das, und es ist dann auch so Druck und so für Papa so. Mir hilft da voll mein Glaube, mir hilft da die Bibel. Einfach mal sowas fallen lassen, es bringt mich voll zur Ruhe. Einfach die Beziehung zu Gott, weil ich glaube, wir brauchen alle Ruhe, sage ich dann zu den Leuten, und die sagen alle: Ja, okay. Und irgendwann werden die mal fragend oder wurden schon fragend. Also genau: Keine Missionsobjekte, sondern es sind einfach Menschen, und ich habe diese Retterliebe erfahren, und ich möchte sie ja weitergeben. Und man muss halt auch aufpassen, dass man sie aber nicht halt von der Seite anschießt, sondern natürlich auch so, dass man rauskommt.
Genau.
Du hast jetzt schon viele Tipps gegeben, wie man gute nachbarschaftliche Beziehungen aufbaut, mal den Schnee weiterschieben, hilfsbereit sein, du bringst dich ein auf dem Fußballplatz, Kuchen backen, du bist im Nachbarschaftshilfsverein mit drin und unterstützt einfach, du bist einfach jemand, der Interesse hat an Menschen, an dem Nächsten, und gerne mit Menschen zusammen ist, Beziehung pflegen will.
Ja, genau. Und dann ergeben sich daraus Beziehungen. Total, dann lerne ich ja voll viele kennen. Also, wir haben jetzt Kuchen gebacken für den Kindergartengottesdienst, und die Kindergärtnerin kriegt das mit, und so kommen wir ins Gespräch, ganz locker. Es ist eine sehr nette Frau, und ich habe dann einfach gesagt, ich könnte mal eine Ostergeschichte erzählen. Ich arbeite bei der KEB, und dadurch, dass die mich kennt, sagt die einfach: Ja, alles klar, super, machen wir im April. Also die Leute müssen einen kennen, und dann vertrauen sie einem was auch an. Ja, wenn der Nachbar Hilfe braucht, weil der Baum umgefallen ist, ja, dann gehe ich hin und helfe ihm mit, die Äste abzuschneiden und mit auf den Hänger zu laden, zum Beispiel. Und meine Kinder hole ich aus dem Haus und sage: Jungs, kommt, wir helfen alle mit. Da kommt dann mal ein Dreijähriger und tut so einen kleinen Ast. Das wird einfach voll die Beziehungssache. Und das ist einfach wichtig.
Und dann kommt genau diese Nachbarin und erzählt mir ihre ganze Not, und die hat eine ganz schlimme Kindheit gehabt mit Missbrauch und so. Das hätte sie mir nie erzählt, wenn ich nicht mit der mal ins Gespräch gekommen wäre. Die hat so ein sehr schönes Leben. Dann steht die da auf der Straße, und ich sage so: Und, wie geht's dir? Ach na ja, geht schon. Und wie geht's dir wirklich? Ja, total beschissen. Sie hat mir alles so erzählt, und so die Not und der Vater tut die Kinder beeinflussen und Scheidung und blablablub, und sie hatte selber so ein schlimmes Leben. Und dann hat sie zu mir gesagt, das fand ich so interessant, sie hat von ihren Kindern erzählt, vom Missbrauch, und hat gesagt: Und wo war Gott?
Und dann war ich da gestanden.
Und was sagst du denn dann? Brauchst du nicht anfangen mit: Ja na ja, es hat ja irgendwie auch mit dem Bösen und Adam und Eva und keine Ahnung, das kannst du völlig vergessen, weil ich weiß nämlich nicht, wo das Böse herkommt. Ich kann den Teufel nicht erklären, das kann ich nicht. Ich kann bei Adam und Eva anfangen, aber wo das Böse kommt...
Was hast du erzählt?
Ich habe zu ihr gesagt, ich habe erst mal durchgeatmet und habe gesagt, dass mir das leid tut und dass ich in meinem Leben auch viel Mist erlebt habe und ich erlebt habe, dass es Gott wirklich gibt und er Wunden heilen kann. Genau, und ich weiß nicht, warum manche Dinge passieren, und ich habe auch schon hinterfragt. Die Leute müssen einfach merken, dass wir echt sind. Wenn ich da jetzt irgendwas gedrückt hätte, irgendeinen Bibelvers, so einen Schmarrn erst mal. Also ich sage jetzt nicht, dass Bibelverse Schmarrn sind, natürlich nicht. Aber einfach dieses herzliche Erbarmen, dieses Mitleid.
Ja, genau. Wie der Herr auch, er sah die Menschen, die umher sind, die einfach niemanden hatten.
Ja, die einfach lost sind.
Lost, genau. Und die war so lost, als Kind missbraucht. Was willst du da sagen? Willst du da sagen: Ja, Gott liebt dich und keine Ahnung und so. Natürlich will ich dir das sagen, das habe ich ihr auch gesagt. Wir konnten ja sogar eine Weihnachtskarte schreiben. Aber in dem Moment habe ich gesagt: Du, ich habe keine Antwort darauf. Genau das habe ich gesagt, ich habe gesagt, ich habe keine Antwort darauf, weil sie gesagt hat: Wo war er denn? Ich habe gesagt: Ich habe keine Antwort darauf. Aber ich weiß, dass wenn man sich, wenn man zu ihm geht, dass er Dinge heilen kann. Das war das Einzige, was ich gesagt habe.
Wenn ich dir so zuhöre, Joel, also ganz ehrlich, was du alles machst: Du hast ja einen Job, du hast deine Familie, du machst diesen Kindertreff, Gemeinde, bist du bestimmt auch irgendwie engagiert, du spielst Fußball, du im Nachbarschaftsverein hier noch helfen, da noch helfen. Wie schaffst du das, dich zu investieren, ohne auszubrennen? Also ich nehme mal an, du hast öfter auch ein Zeitproblem.
Ja, mein Vorteil ist natürlich, dass ich Kinder- und Jugendevangelist bin, also dass ich dafür arbeite. Aber trotzdem natürlich genau, also ich habe jetzt keinen festen Dienst mehr in der Gemeinde, also ich bin ja umgezogen auch in eine neue Gemeinde, und diese Gemeindestrukturen sind sehr gut. Ich habe sehr liebe Älteste, und ich habe gesagt: Ihr Lieben, das wird schon schwierig, wenn ich da immer unterwegs bin am Wochenende und dann Festendienst oder immer wieder. Ich predige und sowas, aber ansonsten habe ich jetzt keine Verantwortung.
Und Ausbrennen, ich denke, der Schlüssel ist eine Gemeinde zu haben, eine feste Gemeinde. Und diese Geschwister achten auf dich, meine Ältesten fragen mich: Wie geht es dir? Und das fragen sie mich öfters. Und es sind barmherzige Leute, liebe Leute, motivierende Leute. Und die passen auf mich auf, und nicht nur die, sondern auch die anderen Geschwister. Und auf der anderen Seite halt Abhängigkeit. Das ist auch das, was meine Vorgänger hier immer wieder sagen, die Tina aus München. Dann auch diese eine Lehre hat es gesagt: Einfach die Abhängigkeit zu Gott, seine Hilflosigkeit sehen und zu sagen: Du musst mir helfen.
Zeitlich: Kindertreff mache ich ja beruflich sozusagen. Ich bin ja Kinder- und Jugendevangelist. Das ist schön, solche Sachen. Aber diese anderen Sachen, die Zeit nehmen dafür, sich selbst verleugnen, glaube ich. Ich habe zum Beispiel sehr viel Fußball geschaut früher, habe ich aufgehört. Nicht weil ich Fußball blöd finde oder weil es schlecht ist. Ein Zeitfaktor.
Ja, ich muss mich entscheiden. Spiele ich Fußball oder schaue ich Fußball?
Ja, ist so. Und da spiele ich lieber, weil da erreiche ich ja die Leute. Es bringt mir nichts, wenn ich am Sonntagabend den FC Arsenal anschaue. Bringt mir nichts. Das kann man machen, ich verurteile das nicht, aber ich hatte ein Problem damit. Jeder hat ja so seine Probleme.
Jetzt sagst du ja auch, als Kinder- und Jugendevangelist hast du natürlich ganz andere Möglichkeiten, so einen Kindertreff zu machen, das ist irgendwo auch Teil deines Jobs, in der Nachbarschaft präsent zu sein, als solche Eltern, die vielleicht ein ähnliches Anliegen haben, aber noch arbeiten, die noch andere Dinge haben. Du machst das hauptberuflich. Aber was sagst du denn zum Beispiel Eltern oder Geschwistern, die Vollzeit arbeiten, aber trotzdem gerne irgendwie sowas starten würden?
Ja, habe ich ja auch gemacht. Also zehn Jahre gearbeitet, ganz normal oder über zehn Jahre, und trotzdem Kindertreffs gemacht. Die Mut haben, das zu machen und nicht zu hoch zu hängen, nicht zu denken, ich muss jetzt hier zwei Stunden liefern. Man kann auch einfach eine Stunde anfangen, an einem Nachmittag von halb fünf bis halb sechs. Es geht nicht darum, das perfekte Programm zu machen. Genau, es geht darum, es ist eine Sache entscheidend, nee, zwei Sachen: Du musst Kinder mögen. Manchmal schieben wir Leute in Kindertreffs, die mögen gar keine Kinder, also so in unserer Gemeinde: Ach, du kannst Kinderstunde machen. Und im Nachhinein kommt raus, die mögen eigentlich gar keine Kinder. Das ist schwierig. Habe ich erlebt, also ja.
Ich weiß nicht, ob es zeitlich geht für Leute, ob man früher das Arbeiten anfangen kann oder vielleicht zwei Stunden weniger arbeiten kann die Woche oder es an einem Samstag macht, obwohl ich unter der Woche die besseren Erfahrungen gemacht habe von der Zeit her, von den Nachbarn, die sind dann daheim alle. Einfach zu starten. Ich habe mit wenig Kindern gestartet, und es geht auch überhaupt nicht darum, ob es zwanzig sind oder fünf, das ist völlig egal. Unser Auftrag ist hinzugehen, und das wäre eine Möglichkeit hinzugehen. Einfach starten und nicht so hoch hängen: Ich muss jetzt das und das liefern und das und das und das und das machen. Kekse, Wasser, vielleicht noch Apfelsaft, Bibelvers, Andacht und dann spielen. Einfach spielen lassen, die Kinder spielen auch miteinander einfach. Einfach miteinander spielen lassen, die Kinder im Garten, Playmobil kaufen, wenn du Playmobil selber nicht hast, Duplo kaufen und dann einfach spielen lassen oder einfach ein Kreisspiel machen. Oder auf den Spielplatz gehen, einfach anfangen. Ich gehe ja auch auf Spielplätze und mache da Kindertreffs oder Familiengottesdienste. Die Kirche jetzt bei mir hat mich eingeladen, die evangelische Kirche, es ist ein gläubiger Pfarrer, da habe ich mich sehr gefreut, haben mich jetzt eingeladen, Familiengottesdienst zu machen. Aber es geht nur, weil die mich jetzt kennengelernt haben, weil ich hingegangen bin. Also an dem Ort, wo ihr jetzt hingezogen seid.
Genau, da bin ich halt mal in den Gottesdienst gegangen und habe halt mal Hallo gesagt. Muss man halt auch mal machen, genau.
Cool. Welche Rolle spielt da die Gemeinde in dem Ganzen? Könnte man nicht auch einfach Eltern zu Gemeindeveranstaltungen einladen?
Ja, Familiengottesdienste, ich bin großer Fan davon. Du gehst jetzt in die Kirche und machst das in der Kirche. Ja, aber in der Gemeinde ja auch. Ich habe sehr viele Gemeinden, also Gemeinden laden mich ein und sagen: Kannst du Familiengottesdienste machen? Und da erreicht man echt viele.
Schulanfangsgottesdienste sind so eine gute Möglichkeit, mal die Tante mit einzuladen, die nicht in die Gemeinde sonst geht, die Oma mal mit reinzunehmen, zu sagen: Mensch, Schulanfangsgottesdienst, nicht wenn man eingeschult wird, sondern einfach am Anfang der Schule, also Anfang des Schuljahrs, bei uns in Bayern ist es im September. Da habe ich jetzt zwei Schulanfangsgottesdienste, und da kommt die ganze Familie zusammen, und da kann man super gut predigen, aber halt nicht zu lang. Also du musst halt ein gutes Programm haben.
Ja, du musst ein Programm haben, genau. Hallo, wer sind wir als Gemeinde? Dann werden zwei, drei Lieder gesungen, dann gibt es eine 20 Minuten Andacht, Predigt für die Kinder, die aber die Erwachsenen auch immer anspricht, natürlich. Und ich spreche auch immer direkt die Erwachsenen nochmal vier, fünf Minuten an, dann lernen wir zusammen den Bibelvers als Gemeinde und dann Tschüss.
Was heißt lernen? Einfach vorsagen, wiederholen. Da sind jetzt die Stühle, und unter den Stühlen habe ich zwanzig Zettel versteckt mit den Wörtern, und jetzt schaut jeder mal unter seinem Stuhl oder unter seinem Stuhlkissen, und derjenige kommt nach vorne. Und wenn derjenige sich nicht traut, gibt es seinen Nachbarn. Coole Idee.
Genau, dann gehen die vor, dann gibt es einen Wortsalat, weil die stellen sich ja nicht alle gleich auf, und die Kinder dürfen das ordnen. Und wenn es die Kinder nicht schaffen, helfen die Erwachsenen mit. Und so erreichst du halt ein ganzes Haus. Familiengottesdienste sind wirklich, wirklich wichtig.
P.S.: Evangelistische Gottesdienste sonntags sind auch sehr wichtig. Da machen wir gerade die Erfahrung als Gemeinde mit, dass wir sagen, sie kommen manchmal abends nicht in die Veranstaltung, die Leute, aber an dem Sonntag Gottesdienst. Du hast doch mal Interesse an meiner Gemeinde gezeigt. Wenn du willst, kannst du mal an dem Sonntag mit. Und an dem Sonntag ist klar, es wird nicht irgendwie, wenn gesagt wird, wir treffen uns zur Bibelstunde, dann wird es erklärt, die kanonischen, diese Fachbegriffe werden komplett rausgehalten. Komplett. Und jeder weiß, wer da kommt, jemand mitbringt, da wird eine evangelistische Predigt gemacht. Finde ich eine super Möglichkeit sonntags. Familiengottesdienste und evangelistische.
Wie beziehst du deine Familie mit ein? Du hast schon ein bisschen gesagt, deine Frau unterstützt dich voll dabei, deine Kinder, die sind drei, der Jüngste?
Der Jüngste wird jetzt zehn, und der Jüngste ist eins.
Ja, und die sind meine besten Werbungsmacher. Die rennen da durch die Straße, es ist Kindertreff, und dann kommen die Kinder, weil sie es halt vergessen oder weil keiner Bescheid sagt. Also ein Kind lebt ja hier und jetzt und denkt nicht immer daran, dass am Dienstag Kindertreff ist um 16 Uhr und lädt Freunde ein. Also jetzt sind sie noch im Alter auch ein riesiger Vorteil von Kindertreffs, wenn du eigene Kinder hast. In dem Alter trauen sie es noch. Mit elf, zwölf, dreizehn ist es eine Nummer, hätte ich mich nicht getraut, meinen Schulfreund mitzunehmen zu so etwas Christlichem. Genau, Fremdschelm, ganz klar. Die laden einfach ein, meine Frau laminiert die Bibelverse, meine Frau kümmert sich um die Mamas, ja, es kommen ja auch Mamas aus Gemeinde und Nichtgemeinde, und die aus Nichtgemeinde lernen dann irgendwie so einen Kreis von Mamas kennen, wo es nicht um irgendwelche Wer fährt das und wer hat das Kleid an und was weiß ich. Sondern es sind ganz ehrliche Gespräche, du erreichst eine ganze Familie. Kindertreff ist so eine schöne Sache, wirklich, da geht mein Herz auf.
Ja, für euch: Wen kennst du, der Alltagsmission unter Kindern so auf dem Herzen hat und wem diese Tipps und Anregungen auch, über die wir gerade gesprochen haben, mit Joel unbedingt hören sollte? Dann nimm dir doch eine Minute Zeit, denk mal nach und teile gerne diese Podcast-Folge mit der Person.
Joel, du bist jemand, der nicht nur einen Blick hat für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Menschen, die viele lieber übersehen, einen Bogen drum machen. Ich rede von Obdachlosen. Und dann habe ich mich gefragt: Wie kommt ein Kinder- und Jugend-Evangelist dazu, auch noch ein großes Herz für Obdachlose zu haben? Wie hat das bei dir angefangen?
Also ich sehe mich insgesamt als Evangelist. Meine Arbeit ist Kinder- und Jugendevangelist, das mache ich auch mit Herzblut, aber ich mache auch Evangelisation für Erwachsene, also in der Gemeinde oder so. Und ja, ich hätte ja auch auf der Straße landen können, Schufa-Eintrag gehabt, keine Wohnung gehabt, wenn noch ein paar Jahre weitergegangen wären. Ich weiß nicht, wo ich gelandet wäre.
War so deine Karriere, bevor du zum Glauben gekommen bist, auch vorgezeichnet, irgendwo in der Obdachlosigkeit vielleicht zu sein?
Ja, oder einfach mit großen Problemen. Und die Leute sind, mich hat ja schon immer so, auch als Nichtchrist, haben die Leute da einfach Leid getan, die einfach fertig sind. Und wenn du dann... Ja, so kam das genau.
Manche fragen sich ja auch, wenn man so einen Obdachlosen sieht und in der Regel betteln die ja auch, ist es sinnvoll, wenn ich der Person Geld gebe, oder macht das die Situation noch schlimmer. Du gibst nie Geld?
Nee, ich gebe nie Geld.
Was gibst du denen?
Ich kann es mal beschreiben. Wir kaufen zweimal zwanzig Brötchen von Komrad und Wiese, tiefgekühlt, die backen wir auf, dann schneiden wir die auf als Familie, legen auf eine Käsescheibe drauf, auf eine Salamischeibe, backen die in Butterbrottüten in weiße, packt meine Frau einen Kuchen, Kuchenstücke oder Snickers, wenn sie es nicht schafft, oder Corny oder so, und dann packe ich das alles in meine Fußballtasche, hänge die um den Kinderwagen und gehe in die Großstadt und gehe zu den Obdachlosen. Ich habe einmal die Motivation, die zu besuchen, und zum anderen finde ich es total wichtig, dass wir Christen nicht nur was für den Kopf geben und fürs Herz, sondern echt. Also die Lebensbilder, die wir haben, die ganzen Biografien, die es so beim Leseplatz und woanders gibt, diese Missionare haben immer auch was gegeben, Kleidung, Essen oder sowas.
Ich finde es ein bisschen schade, wenn man sich in die Fußgängerzone nur stellt und rumbrüllt, wie manche.
Ach, du meinst so predigen oder was meinst du mit rumbrüllen?
Ja, genau. Finde ich eine Katastrophe. Ich habe da letztens mit Wolfgang diskutiert, nicht diskutiert, aber ich diskutiere da manchmal mit Jugendlichen darüber. Das ist ein Hardliner, der hat noch die Wahrheit und so, der verkündet sie. Und ich denke, ich kann den Kopf schütteln. Also er stellt sich hin in die Fußgängerzone, stellen sich Brüder hin, Christen, und der heilige Israel sagt: Bekehrt euch und wascht eure Sünden rein oder so. Und er sagt: Du sprichst gerade wie Jesaja, du sprichst gerade wie der, und das waren Juden, zu denen er gesprochen hat. Ich sage nicht, dass man nicht laut sprechen soll in der Fußgängerzone, aber bitte, ich habe manchmal den Eindruck, dass diese YouTube-Prediger dann Klicks wollen und denken wollen, sie wollen als Hardliner gelten, sie wollen... Und wenn ich mir die Kommentare durchlese, steht dort: Endlich noch einer, der zur Wahrheit steht. Kann man nicht die Wahrheit sagen und nett sein? Also es ärgert mich wirklich.
Ja, genau, ein netter Spinner.
Kann man nicht nett sein? Ich finde es viel mutiger, das war die Diskussion da, sich in den Büchertisch zu stellen, wenn irgendwelche Leute kommen, dich anfeinden und in den Dialog gehst, als wenn du dich so hinstellst, rumschreist. Da wird dich keiner ansprechen, weil alle denken: Boah, was ist denn das? Der ist schräg.
Ja, der ist schräg, der ist schräg.
Aber muss das Wort Gottes nicht gepredigt werden?
Doch, aber bitte in nicht kanonisch. So dass es verstanden wird.
Ja, so dass es verstanden wird. Schau mal, Nehemia 8,8 und 13 steht: Und sie lehrten das Volk und gaben den Sinn an von dem Text. Und dann im Vers 13 steht: Und sie gingen hin, denn sie haben verstanden, was sie gelehrt haben. Und wenn ich zu jemandem sage: Du musst dich von deinen Sünden bekehren, also bitte unbedingt das Wort Sünde mit reinbringen beim Evangelium, all solche Sachen. Aber bitte, das ist wie beim Kindertreffen. Ich frage die Kinder: Kinder, was ist denn Sünde? Schubsen, hauen, Joghurt wegnehmen, das ist für die Sünde im Kindergarten. Und für Erwachsene muss man es auch erklären: Steuererklärung, Ehebruch, Hass, Lästern, das muss man doch erklären und nicht einfach wie... So ein Prophet aus dem Alten Testament, der hat zu Juden gesprochen, dem war das Gesetz bewusst. Wenn ich einem Menschen das Gesetz vor Augen halte, muss ich ihm das Gesetz auch erklären. Ich muss doch was erklären.
Ja, es ist auch ein Zeichen von Wertschätzung und Liebe, dass man jemandem erklärt.
Genau. Die kommen mir vor wie ein Eisblock. Der Tommy Kleine hat es gesagt, vor zwei Wochen mir auf der Gemeindefreizeit: Sie sind glasklar, manche, aber eiskalt. Und das kann einfach nicht sein, das ärgert mich wirklich, muss ich echt sagen, wenn man den Leuten bitte, bitte klares Evangelium, aber es heißt: Kann man nicht nett das Evangelium sagen? Das Evangelium ist doch hart genug. Das Evangelium fängt mit der schlechtesten Nachricht der Welt an: Du bist nicht genug, du bist ein Totalschaden, du bist nicht reparabel. So fängt das Evangelium für mich an. Das muss ich einem nicht gleich so draufzimmern, aber das Evangelium ist doch hart genug, dann kann ich doch das nicht sagen. Dann steht doch der Mensch vor einer Entscheidung: Ist ein Spinner, ich bin kein Totalschaden, ich bin mein eigener Herr. Oder er sagt: Und das ist das Evangelium Jesu Christi, er möchte dich neu machen, er kann dich neu machen, kann dich von allem Bösen befreien. Warum muss ich die Leute anschreien? Ich kann laut in der Fußgängerzone predigen, bitte, aber bitte auf Deutsch. Sorry, jetzt bin ich ein bisschen abgekommen.
Du hast auch mal ein Praktikum gemacht in der christlichen Drogenarbeit in München. Was hat dich das gelehrt, was hast du daraus mitgenommen für dich?
Ich war in der Woche, und ich habe da viel mitgenommen, weil das war eigentlich relativ schnell nachdem ich mich bekehrt habe, so ein, zwei Jahre danach oder vielleicht ein Jahr. Und habe gemerkt, mit Leuten habe ich gesprochen, wie kaputt die einfach sind, wie fertig und wie schlimm das Leben, sagen wir mal, spielen kann.
Das merke ich jetzt auch mit meinen Obdachlosen, wenn ich mit denen rede.
Wenn du sagst, mit meinen Obdachlosen, das heißt, du besuchst immer wieder die gleichen auch?
Ich habe das eine Zeit lang intensiver gemacht. Ich werde jetzt wieder anfangen, intensiver mit meinen Kindern hinzugehen.
Wie, im Moment mit deinen Kindern gehst du hin?
Ja, genau.
Wie machst du das? Du nimmst deine Kinder eins bis zehn mit.
Nein, nicht alle, nicht alle, das schaffe ich nicht, weil wenn ich nach Nürnberg gehe, ist das eine kriminelle Stadt. Wie eigentlich fast jede Großstadt irgendwie, die ein bisschen kriminell ist, finde ich, tut mir leid, wenn jeder in der Großstadt lebt. Ich wohne in der 5-Einwohner-Stadt, ist gar keine Stadt wahrscheinlich in euren Augen. Wenn ich ohne Kinder gehe und die Obdachlosen begegnet bin, dann waren die immer so ein bisschen zurückhaltend. Es gibt ja sowas wie Organhandel und sowas. Und gerade die Ausländer, wenn ich mit den Franzosen spreche oder so, mit den Obdachlosen, die sind sehr, sehr zurückhaltend. Wenn ich meine Kinder dabei habe, die sind so offen. Das ist so ein Türöffner. Aber da muss man natürlich weise sein und gucken. Also ich denke, dass ich das einschätzen kann. Ich muss unbedingt vor zehn Uhr, vor halb zehn dort sein, sonst sind die alle betrunken.
Morgens.
Genau, also ich muss sehr früh aufstehen, ich muss früh los. Dann gehe ich mit den Kindern da hin, mit zwei, drei oder so, meine Frau war auch schon dabei. Aber das machst du da auch am Wochenende.
Genau, aber manchmal arbeite ich ja am Wochenende. Ich war jetzt am Samstag in Frankfurt zu einer Mitarbeiterschulung. Und dann bin ich da den ganzen Tag unterwegs oder habe einen evangelistischen Einsatz für Kinder, Lego-Bibeltage oder sowas, und dann habe ich auch in der Woche ja mal einen halben Tag Zeit. Genau, und dann gehe ich da hin, und dann merke ich schon: Okay, da ist jetzt so eine Gruppe von polnischen Frauen zum Beispiel, sieben, acht Stück, und die haben sich schon keine Ahnung wie viel Wodka in die Bühne gesoffen, gehe ich in dem Moment nicht mit den Kindern hin. Vielleicht gebe ich meiner Frau dann das Essen, und sie gibt es dann, oder ich gehe einfach kurz alleine hin. Also ihr macht das als ganze Familie quasi.
Ja, meine Frau war jetzt auch schon dabei, aber ich gehe schon alleine. Und man merkt ja: Sind sie besoffen, sind sie aggressiv, und wenn nicht, dann gehe ich hin und dann spreche ich mit denen, die umarmen einen. Weiß ich, wer Echtzeit hat, Obdachlose, die haben Echtzeit, die hören dir echt zu. Und das ist so traurig, weißt du, da ist eine Mutter, die ist 50 oder so, nee, die Oma hat ihr Enkelkind noch nie gesehen und verurteilt sich selber. Sie hat gesagt: Ja, ich verstehe ja meine Tochter, weil ich hänge an der Spritze und ich bin kein gutes Vorbild und so. Aber sie sieht meine Kinder und fängt das Weinen an. Oh, ich habe auch so einen in dem Alter und so, aber ich habe sie noch nie sehen dürfen. Und die Kinder sind so ein Türöffner.
Also ich sage jetzt nicht, ich gehe auch ohne Kinder dahin, meine Obdachlosen kennen mich ja jetzt, sag ich mal. Ja, aber wie reagieren deine Kinder darauf?
Die freuen sich voll, die wollen unbedingt mit. Ja, unbedingt. Ich will meine Kinder unbedingt beim Herzlichkeit lernen und sagen: Schaut mal her, das sind richtig kaputte Menschen. Und der Jesus sagt, dass wir uns um sie kümmern sollen. Gedenk der Armen, Galater 3 oder 2, gedenk der Armen. Ich weiß nicht, wo wir... Also ich finde gerade eher so nicht Brüdergemeindler machen das mehr als Brüdergemeindler. Und ich glaube, wir müssen da mehr hinkommen, Kuchen backen, Kaffee machen, rausgehen. Ich will jetzt mal einen evangelistischen Gottesdienst machen, mit so ein paar Obdachlosen. Ich verspreche mir nicht viel davon, aber einfach mal so, dass sie vielleicht zehn Minuten zuhören, auf einer Wiese einfach, genau, einfach auf einer Wiese in der Nähe von dem Parkhaus einfach eine Bierbank hinstellen, Kaffee, eher Biertisch, Kaffee, Kuchen, zwanzig Minuten Wort, ein Gitarrenspieler mit dabei oder auch nicht. Ja, wir müssen einfach hingehen, die sind einfach so kaputt, diese Menschen. Die sind richtig fertig.
Bist du eines Morgens aufgestanden und hast gesagt, ich muss mich um Obdachlose kümmern, oder wie kam das?
Eigentlich seit ich Christ bin. Wenn ich durch die Stadt laufe, bin ich relativ schnell, also meine Gemeinde in Bamberg, meine Heimatgemeinde, ist sehr evangelistisch tätig einfach, und schnell Heukelbach kennengelernt. Und dann hatte ich immer meine Tasche dabei oder was dabei: Das Beste kommt noch, kann ich sehr empfehlen für ältere Leute. Von Heukelbach und das Johannesevangelium. Und dann gehe ich immer zu denen hin und habe dann halt was vom Bäcker gekauft oder so und bin hin und habe gesagt: Mensch, und wie geht es dir? Ich wollte dir einen Tee schenken und einen Kaffee oder nur einen Kaffee. Und er so: Ach danke, sagt er. Und ich so: Mensch, ich will dir nicht nur was für den Körper geben, ich will dir auch was für dein Herz geben. Und dann sage ich: Mensch, das Leben kann manchmal echt schlimm sein. Und ich weiß das auch. Aber Jesus Christus kann uns da echt helfen. Hier kannst du Jesus Christus kennenlernen durch das Johannesevangelium.
Ich habe das schon immer irgendwie auf dem Herzen, keine Ahnung warum, weiß ich nicht, bin ich aufgestanden, aber wenn ich da durchlaufe, denke ich mir: Das sind fertige Menschen, denen ich das Evangelium weitergeben kann. Das ist doch mein Job als Christ. Nicht mein Job, sondern warum bin ich denn noch auf der Welt? Ich sei das Salz der Erde. Manchmal hat man auch nicht immer so viel Lust. Ich bin am Samstag heimgefahren, Frankfurt, Schulung war echt lang, war echt müde, musste noch eine Ritterburg abholen für meinen Sohn, der Geburtstag hat. Dann denke ich mir so: Naja, da habe ich jetzt eigentlich keine große Motivation, den jetzt noch kurz anzusprechen. Und dann denke ich mir so: Wie ruhig geht es eigentlich noch? Du packst jetzt ein Johannesevangelium oben gegriffen im Auto, habe ich ihn immer griffbereit, raus und dann sage ich: Mensch, und ich will dir noch was schenken. Danke, dass es heute möglich war, das Johannesevangelium. Ach, ist ja interessant, ich heiße ja Johannes. Ja, das lese ich mir mal durch. Zack. Aber zuerst hatte ich keine Lust. Zuerst habe ich gesagt: Ich muss jetzt heim, ich bin so müde. Was ist, wenn der jetzt ein langes Gespräch mit mir machen will? Einfach bereit sein.
Gibt es so Begegnungen, gerade auch mit Obdachlosen, die dich und deine Kinder irgendwie geprägt haben, die dir heute noch in Erinnerung sind?
Ja, zwei Stück. Einmal diese Frau auf jeden Fall, die da geweint hat, als sie meine Kinder gesehen hat. Beim ersten Mal, wo ich ja hingegangen bin, wo ich so angefangen habe, habe ich ja nicht meine Kinder mitgenommen, dann habe ich sie ja mitgenommen. Das hat mich schon sehr getroffen, wie sie erzählt hat. Das Ding ist, wir müssen einfach die Menschen mal verstehen, wir können uns nicht verurteilend sein über die Obdachlosen oder über eine Frau, die im Minirock rumläuft, oder über einen Säufer, sondern die alle werden von ihrer Sünde geknechtet, und wir könnten das alle sein, und wir sollten genau nicht die sein, die mit dem Zeigefinger da hingehen. Und wenn du dann solche Geschichten hörst, da denkst du dir so: Mein lieber Mann, ey. Und der andere und der Frau betrogen worden, dann hat er gesagt, er hat getrunken, dann hat er seine Kinder verloren durch die Scheidung, seine Frau hat ganz viel Schlechtes über ihn erzählt, und dann hat er zur Spritze gegriffen und seitdem ist er auf der Straße, er kriegt nichts mehr hin, und er ist total abhängig, er kommt nicht weg, der will ja weg, der will ja weg. Und da sage ich einfach: Leute, wenn wir nicht barmherzig sind, wenn wir denken, wir müssen mit der Holzhammermethode kommen und die Leute müssen zu uns in den Gottesdienst kommen, dann frage ich mich: Wir müssen hingehen, wir dürfen nicht die Leute verurteilen. Wir dürfen sie nicht verurteilen, wir müssen ihnen das Evangelium bringen.
Wenn du sagst, wir dürfen nicht verurteilen, hast du die Erfahrung gemacht. Du hast eben gesagt, ja, auch Gemeinden, aus denen wir kommen, so Brüdergemeinden, den Blick dafür zu haben, ist oft eher verurteilend oder was meinst du damit, dass wir obdachlose, prostituierte Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, eher aburteilen und sagen: Ja, es ist er selber schuld, dass er da hingekommen ist, und dass da einfach die Barmherzigkeit fehlt, oder wie kommst du darauf, zu sagen, ja, wir verurteilen eher? Deine Erfahrungen?
Bei obdachlosen und prostituierten Menschen habe ich die Erfahrung nicht gemacht, ich habe sie jetzt auch nicht so oft gemacht, aber immer wieder. Bei obdachlosen und prostituierten finde ich nicht. Ich meine, die Bibel betont ja auch immer sehr gerade diese Randgesellschaft. Wo ich schon die Erfahrung mache, ist, wenn jetzt eine Frau mit sehr knappen Klamotten herumläuft, wie kann man nicht so herumlaufen? Diese Frau, was auch immer ihr begegnet ist, vielleicht ist sie als Kind missbraucht worden, vielleicht hat ihr Mann sie sitzen lassen wegen der Jüngeren und jetzt will sie sich präsentieren und möchte irgendwie Anerkennung. Jeder Mensch möchte Anerkennung. Der eine holt es sich durch den Job und ist eiskalt zu anderen und lässt sich auf der Autobahn fünfmal aufhupen oder so oder denkt, er ist der Ego und er ist die Nummer eins und ich brauche das. Bei anderen ist es vielleicht meine Frau, die sich irgendwie so und so kleidet. Und da merke ich schon manchmal, jetzt nur bei Brüdergemeinden oder so, dass da die Verurteilung kommt, wo ich mir sage: Okay, wie wäre ein Leben so ohne den Herrn Jesus? Sag mal, wo ist deine Anerkennung? Also ich habe meine Anerkennung durch Fußball gewollt und dadurch, dass sie gesagt haben, ich bin ein toller Hechtball in der Partyszene, und die Sünde hat mich völlig zerstört, mein Herz völlig zerstört. Man kann einfach nur dankbar sein, dass mein Herz nicht repariert wurde, sondern ich ein neues bekommen habe.
Und wenn man das aus dem Blick verliert und nicht mehr, also wirklich urteilend ist: Die Menschen sind doch alle unter der Sünde. Das heißt nicht, dass ich Sünde rechtfertige, aber wir müssen doch den Menschen begegnen, und da müssen wir was dabei haben. Es ist einfach bitter, wenn wir nichts dabei haben, wenn man ein Gespräch hat, eine Begegnung und man kann nichts weitergeben, außer so Gottes Segen. Also ich merke jetzt nicht unbedingt so sehr das bei Prostituierten und Obdachlosen, sondern eher bei Menschen, die nicht zu uns Christen passen, weil sie Egoisten sind. Und jeder Mensch ist ja Egoist, ich auch, aber ich habe ja den Herrn Jesus, der an mir arbeitet.
Ja, Joel, danke dir. Man merkt deinen Eifer, deine Freude, deine Liebe zu Menschen, zu Verlorenen und ihnen irgendwie begegnen zu wollen, um einigen etwas von dieser Hoffnung, die du selber auch erlebt hast in Christus, dieser Gnade und dieser Barmherzigkeit Gottes auch weiterzugeben. Das finde ich sehr motivierend. Ich glaube, ich muss mir den Podcast noch mal anhören. Nein, sehr viele, sehr viele gute Anregungen und Tipps, ja.
Gibt es eine Situation, wo du gedacht hast: Boah, das habe ich aber jetzt echt falsch gemacht, das war ein großer Fehler, so in deiner Alltagsmission?
Boah, wir stimmen sich ja anders machen sollen.
Ja, auf jeden Fall. Einfach wenn man keinen Mut hat, wenn man sagt, da hätte man jetzt was weitergeben können. Und das Johannesevangelium wurde nicht gezückt, sondern man hat nur kurz was gesagt und ich habe es nicht weitergegeben. Das sind eigentlich die bittersten Situationen, dass man... Man muss versuchen, das Wort Gottes an den Mann zu bekommen.
Das finde ich richtig stark bei dir. Du hast deine Tasche dabei, du bist vorbereitet, du bist gespickt, du suchst das Gespräch, dir ist nicht das Wichtigste: Ich will das Heft loswerden oder das Buch hier an den Mann bringen, sondern Begegnung, wo der Herr dich hinführt, ein offenes Ohr zu haben, eine gute Frage zu stellen, ins Gespräch zu kommen und dann etwas zu haben: Hier, das gebe ich dir mit noch so als Nachbrenner, wenn er zuhause ist, dann selber lesen. Das ist sehr gut, ja.
Du bist jetzt nicht der, das haben wir ja auch in Masse irgendwie verteilen oder so Briefkastenjogging machen und Menschen jetzt massenhaft was... sondern bei dir erlebe ich, und das finde ich auch richtig wirkungsvoll, weil Menschen dich kennengelernt haben und denen kannst du was weitergeben. Da ist die Beziehung und das Erleben mit dir verknüpft mit: Ah, interessant, das habe ich geschenkt bekommen, das will ich mir mal anschauen.
Genau, ich gehe da schon eher auf einzelne zu. Außer einer Evangelisation. Wenn ich eine Evangelisation halte, jetzt für Erwachsene zum Beispiel, da spreche ich dann schon zu mehreren Veranstaltungen. Genau, dann ist es schon so. Man erlebt ganz tolle Sachen. Das eine muss ich jetzt noch erzählen. Ich wollte unbedingt ein Johannesevangelium. Wir hatten ein super Gespräch in Coburg auf der Burg mit einem Mann, der auf Reha ist, und ich hatte nichts dabei. Meine ganze Familie war dabei und hat uns angesprochen. Mit Kindern wirst du ja immer angesprochen. Fatal, wenn wir alle alten Omas sagen: Ach ja, die Kinder, ich habe auch einen Enkel, warum denn dann nicht das Beste kommt noch weitergeben von Heukelbach. Das ist doch so wichtig, dass man was dabei hat. Und dieser Mann, okay, wir waren dann unten am Parkplatz, und ich sage: So, Linda, es ist so bitter, der ist jetzt noch eine Woche ganz alleine, jeden Abend alleine. Er hat gesagt, auf Reha. Und ich hatte nichts im Kinderwagen, ich habe meine Evangelistentasche im Auto. Das gibt es doch nicht.
Wenn ich runter bin, hat Herr Linder, bitte jetzt mal bitte für mich, ich gehe jetzt da hoch, zu der Burg, und ich hoffe, dass ich ihn nochmal treffe. Ich konnte jetzt aber auch nicht ewig suchen, aber mir war es schon was wert. Und dann habe ich so ein bisschen die Burg alles über so abgesucht, ist nicht da, aber ich wusste, dass er noch ins Museum will, ins Burgmuseum nach Coburg, in dieses Luther-Museum. Da bin ich so rein und habe so geguckt, ob ich ihn irgendwo sehe. Da bin ich auf die Toilette, vielleicht ist er auf Toilette, ne. Und dann konnte ich ja ins Museum nicht rein, hat keine Ahnung zwölf Euro gekostet oder so, ne. Und die Security guckt mich schon so an, ob ich vielleicht gedacht hätte, dass ich irgendwann ein Überfäller bin, keine Ahnung, so ein Verkäufer oder so. Und dann sehe ich so die Sicherheitskameras und dann sehe ich so oben rechts bei einem Bild, da steht der Mann, rote Jacke. Du fragst die Security: Wo ist das? Der fragt mich, der fragt mich, sagt so: Kann ich helfen? Ich so: Ich muss unbedingt diesem Mann da in der roten Jacke was geben, ich bin in einem Mittel wieder da. Alles klar, das ist der Raum so und so. Da gehen Sie jetzt Aufzug zweiter Stock, zweimal rechts, und dann sind sie dort. Da bin ich hin und habe zu dem Mann gesagt: Ey, wir hatten so ein gutes Gespräch, ich würde ihm voll gerne noch ein Johannesevangelium schenken, ich bin Christ. Und er hat gesagt: Ach danke. Und dann war ich weg.
Weiß ja, Gott gibt auch die Möglichkeiten, wenn man bewusst dafür betet, noch mal mehr. Schenkt bitte, Herr Jesus, dass ich heute jemandem ein Johannesevangelium weitergeben kann und gib mir dann auch den Mut, dass ich es mache. Die Zurückweisung, weil das Evangelium wird zurückgewiesen, es ist eine Torheit des Kreuzes. Nicola Vollkommer hat gesagt: Jesus ist kein Lifestyle vor drei Monaten, und das war so gut. Jeder bitte diesen Podcast unbedingt anhören von Nicola Vollkommer, eine Stunde zwanzig, wie man so voller Liebe was erklären kann und so klar, das bewundere ich sehr bei Alltagsmission, was sie da gesagt hat, also euer Gespräch da, das fand ich mega.
Joel, danke dir.
Schönes Schlusswort. Drei Fragen habe ich noch, die stelle ich immer meinen Podcast-Gästen. Welches Buch kannst du empfehlen?
Genau, ich habe einmal Anthony Norris Groves, und da ist die Kamera, ne? Und da ist Harrison Jones. Harrison Jones hat einfach sehr viel von Herrn gearbeitet. Ist eine Biografie.
Genau, ist eine Biografie, die sich super immer, die sind so von seiner Tochter geschrieben. Immer so Auszüge aus Briefen. Also man muss es nicht in einem Rutsch durchlesen. Du liest ja auch immer vier, fünf Bücher mal durcheinander, habe ich gehört.
Das habe ich zur stillen Zeit einfach.
Was hat den Mann ausgezeichnet, warum sollte ich das lesen?
Hingabe und Ehrlichkeit. Er hat einmal geschrieben: Wie oft muss ich es noch lernen, dass nicht ich aktiv sein soll, sondern er aktiv sein muss in mir. Erstmal Hingabe, Gottesbeziehung pflegen und dann zum Dienst bereit sein. Und der Groves, Anthony Norris Groves, der stand vor der Entscheidung, er hat zum Missionsleiter gesagt, ich kann ihm so und so viel Pfund pro Jahr geben oder ich gehe in die Mission. Und es war super viel Geld. Und der Missionsleiter hat gesagt, anscheinend ein sehr schwer geistlicher Mann, Sie können mir so viel Pfund geben, wie sie wollen, was wirklich Not ist, sind die Arbeiter. Und der Mann, der wurde echt viel verurteilt für seine Mission unter Heiden, sage ich mal, und hat aber immer weitergemacht, genau, von Brüdern und Schwestern wurde er so verurteilt. Hat dich motiviert.
Voll, Hingabe. Die Liebe muss immer, Wolfgang Bühner hat 2012 auf einer Jugendfreizeit gesagt, ich war ja nicht mehr jugendlich, aber was so christlich ist: Wenn die Liebe nicht dein Motor ist, wird deine Nachfolge einfach kaputt gehen. Und das ist bei denen so, genau.
Was ist deine eigene größte Herausforderung in der Alltagsmission, Joel?
Zeit, das in so einen Hut zu bekommen, mit meiner Familie. Ich habe den Vorteil, ich kann Kindern und Jugendlichen das Evangelium bringen, aber ich möchte es auch Erwachsenen bringen. Zeit, aber auch Motivation. Die größte Herausforderung ist es, die Gottesbeziehung zu pflegen, das ist es. Wenn ich die Gottesbeziehung nicht pflege, dann treibt mich der Heilige Geist nicht zur Mission, sondern dann treiben mich meine Gedanken um in meinem Kopf und nicht mein Nächster.
Welchen Tipp hast du für unsere Hörer, den sie gleich nächste Woche, diese Woche umsetzen können?
Eine Missionstasche packen, immer was dabei haben, immer Bücher dabei haben. Ich habe den Vorteil, dass ich in der Stadt mit dem Kinderwagen unterwegs bin, deswegen ist es schwer, ich habe auch nicht immer alles dabei, aber was für kaputte Leute, für Obdachlose dabei haben, was für Frauen dabei haben, weil es immer wieder so zwischen 14 und 24-jährige Mädchen gibt, die einfach in der Stadt rumlungern und denen einfach was in die Hand rücken: die Bibel, das Johannesevangelium und Das Beste kommt noch. Du kannst jeder alten Frau beim Edeka einen Wasserkasten ins Auto reinheben, dann sagt sie Danke, und du gibst ihr einfach noch Das Beste kommt noch von Heukelbach, genau. Missionstasche.
Missionstasche packen.
Genau. Sehr schön. Joel, vielen Dank nochmal an der Stelle für die Zeit, für den Austausch und dass du hast in dein Leben schauen lassen und uns mitgenommen hast. Danke auch euch fürs Zuschauen, dabei sein. Ja, ich wünsche euch auch wertvolle Begegnungen in der Alltagsmission mit eurem Nächsten, dass ihr dafür offen seid und dass ihr auch erlebt, wie Gott euch konkret führt. Und das Wichtigste, haben wir gehört, ist die Beziehungspflege, die Beziehungspflege zum Herrn und aus der Abhängigkeit heraus etwas von dieser Gnade, der Barmherzigkeit, die man selber erfahren hat, auch weiterzugeben. Ich sage einfach Tschüss an dieser Stelle und macht es gut bis zum nächsten Mal. Und dir auch liebe Grüße mit nach Hause.
Weiterführende Materialien & Links
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War es machbar? Schreib uns gern von deinen Erfahrungen als Alltagsmissionar an machbar@heukelbach.org!
Buchempfehlung von Joel Hildebrand:
HILDEBRAND, SAMUEL: Stabil forschen
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KLEINE, THOMAS (Hrg.): Stabil glauben
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ST. JOHN, PATRICIA: Harold St. John – Reisender in Sachen Gottes
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GROVES, HARRIET: Anthony Norris Groves
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