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Wer druckt die Bibeln?

mit Dr. Christoph Rösel, Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft
13.05.2022

Einführung in die Bedeutung der Deutschen Bibelgesellschaft

Die Kernaussagen sind grundsätzlich so eindeutig und zuverlässig überliefert, dass daran nichts zu rütteln ist. Das sagt der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft. Dies möchte ich hier noch einmal als zitierwürdige Aussage hervorheben.

Wir konnten dann relativ schnell mit anderen Bibelgesellschaften ukrainische Bibeln drucken. Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eine der Nichtregierungsorganisationen weltweit mit der größten Reichweite. Sie umfasst ungefähr 145 Bibelgesellschaften und deckt damit fast alle Länder dieser Welt ab.

Wenn irgendwo auf der Welt ein christlicher Theologe eine wissenschaftliche Ausgabe des Alten Testaments aufschlägt, dann hält er ein Buch aus Stuttgart in der Hand. Beim Neuen Testament ist das genauso. Für Texte dieses Alters sind die biblischen Texte also wirklich außergewöhnlich gut überliefert, und das wird auch kein Wissenschaftler bestreiten.

Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen zu beantworten. Jeden Beitrag ergänze ich mit Übersichten, biblischen Entscheidungshilfen, kompletten Hörbüchern und sogar Onlinekursen. Das gibt es alles gratis auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Ich freue mich sehr über den heutigen Gastauftritt von Doktor Christoph Rösel. Christoph Rösel war bundesweit tätiger Bibelwissenschaftler und viele Jahre lang Professor für Altes Testament. Schließlich wurde er zum Generalsekretär der renommierten Deutschen Bibelgesellschaft ernannt.

Die Deutsche Bibelgesellschaft: Umfang und Bedeutung

Zur Deutschen Bibelgesellschaft selbst: Das Logo mit den vier Vierecken hat wohl jeder von uns schon einmal irgendwo gesehen. Doch nur wenige wissen, welche große Bedeutung die Deutsche Bibelgesellschaft tatsächlich hat.

Die Deutsche Bibelgesellschaft bietet über 300 Bibelausgaben an. Das ist mehr als jede andere Bibelgesellschaft oder jeder andere Bibelverlag weltweit. Diese Tatsache war mir vorher auch nicht bewusst. Jährlich verbreitet sie fast eine halbe Million Bibeln. Das entspricht über 18 Bibeln pro Minute – rund um die Uhr. Während du also nur dieses Intro hier geschaut und gehört hast, wurden bereits zwei Kartons mit Bibeln verpackt und verschickt. Krass, oder?

Noch spannender ist: Die Deutsche Bibelgesellschaft stellt in jahrzehntelanger Kleinarbeit die international gültigen Urtextausgaben des Neuen und Alten Testaments zusammen und verlegt sie. Das bedeutet im Klartext: Praktisch jeder Prediger, jeder Theologe und jeder Textforscher auf diesem Planeten greift früher oder später zum Urtext. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Land sie leben oder welcher Konfession sie angehören – ob katholisch, evangelisch, freikirchlich, orthodox oder viele andere.

Jeder, der zum Urtext greift, hält ein Buch in den Händen, das hier in Stuttgart von der Deutschen Bibelgesellschaft hergestellt und gedruckt wurde. Das muss man sich einfach mal vorstellen. Über all dem steht Christoph Rössel, der den Hut aufhaben muss. Respekt! Diese Verantwortung wäre mir persönlich zu viel.

Persönliche Einblicke und Gesprächsverlauf

Ein peinliches Geständnis, bevor wir starten: Dieses Gespräch hatten Christoph Rösel und ich direkt, nachdem wir hier im Team über Wochen und Nächte hinweg die Filmanalyse zur Passion Christi erstellt und bearbeitet hatten. So konntest du sie vor dem Karfreitag sehen.

Direkt danach habe ich am Ostersonntag zweimal über die Auferstehung Jesu gepredigt. Du kannst dir also leicht vorstellen, wie sehr mir der Schlafmangel noch in den Knochen steckte. Ich konnte zwar wieder einigermaßen geradeaus laufen, aber meine Stimme war immer noch ziemlich heiser.

In diesem Interview habe ich deshalb viele Versprecher. Mehrfach sage ich zum Beispiel „D B G“ für Deutsche Bibelgesellschaft, obwohl ich eigentlich „D G B“ für Deutscher Gewerkschaftsbund meine. Das ist wirklich peinlich, aber Christoph Rösel hat es mir nachgesehen. Im Nachhinein haben wir sogar darüber gelacht.

Deshalb drückt gern die Glocke unter diesem Video, damit mehr Menschen die Chance haben, mehr über ihre eigene Bibel zu erfahren. Viel Spaß beim Gespräch!

Vorstellung und Aufgaben der Deutschen Bibelgesellschaft

Lieber Herr Rösel, vielen, vielen Dank, dass Sie sich heute Morgen die Zeit genommen haben und sich zugeschaltet haben. Es ist wirklich eine große Ehre, und ich freue mich, Sie hier begrüßen zu dürfen.

Herzlich gerne, danke für die Einladung. Sie sind ja jetzt nicht nur einer der führenden Köpfe, man darf auch sagen der führende Kopf der Deutschen Bibelgesellschaft.

Mal ganz kurz: Wenn man das noch nie gehört hat – was ist das eigentlich? Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eine Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Bibel zu den Menschen zu bringen. Und das tun wir auf ganz unterschiedliche Art und Weise – in Deutschland, aber eben auch mit weltweiten Auswirkungen.

Die drei Handlungsfelder der Bibelgesellschaft

Wenn Sie sagen, die Bibel zu den Leuten zu bringen, dann stoßen Sie beim Bibelfit-Projekt natürlich auf offene Türen. Deshalb bin ich hier. Sehr gut.

Wenn Sie nun sagen, die Bibel zu den Leuten zu bringen, und wir gleich auf die internationalen Aspekte zu sprechen kommen, stellt sich die Frage: Was bedeutet es, die Bibel zu den Leuten zu bringen? Warum ist das notwendig? Wofür braucht man das?

Wir beschreiben das immer in drei Handlungsfeldern. Auf der einen Seite gibt es die Bibelübersetzung, dann die Bibelverbreitung und schließlich die Bibelbegegnung. Das sind im Prinzip drei Stadien.

Zum einen die Bibelübersetzungen. Wir sind Verlag und verantwortlich für die Lutherbibel, die Basisbibel und die Gute-Nachricht-Bibel. Ich denke, wer sich in Deutschland mit Bibelübersetzungen beschäftigt, hat mindestens eine dieser Bibeln schon einmal gehört.

Noch einmal ganz kurz: Die Lutherbibel, die Basisbibel und die Gute-Nachricht-Bibel werden unter der Schirmherrschaft der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG) herausgegeben. Die Lutherbibel entsteht in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Basisbibel und die Gute-Nachricht-Bibel sind eher eigene Projekte, stehen aber ebenfalls in Übereinstimmung mit den Kirchen, die diese Bibeln verwenden.

Okay, das habe ich verstanden. Herr Jung, Sie wollten noch etwas zu den drei Bereichen sagen?

Das ist also das eine, was wir im Bereich der Bibelübersetzung tun. Dazu kommen noch die wissenschaftlichen Bibelausgaben, auf die wir vielleicht später noch einmal eingehen können.

Bibelverbreitung bedeutet, dass wir diese Texte drucken und digital zur Verfügung stellen – auf der Website, als App und auf anderen Wegen.

Bibelbegegnung heißt, dass wir in Projekten, oft zusammen mit Partnern, versuchen, Menschen einen Zugang zur Bibel zu ermöglichen. Dabei geht es nicht nur darum, das Buch oder die Website zu haben, sondern darum, wirklich angeleitet zu werden und in die Begegnung mit der Bibel und ihrer Botschaft hineingeführt zu werden.

Beispiele für Bibelbegegnung und regionale Aktivitäten

Können Sie einige Beispiele für die dritte Säule nennen?

Zum Beispiel gehören zu unserem Netzwerk, der Deutschen Bibelgesellschaft, auch regionale Bibelgesellschaften, die mit uns verbunden sind. In Stuttgart gibt es beispielsweise das Bibelmuseum, das Bibliorama.

In Frankfurt befindet sich das Bibelhaus Erlebnismuseum, und in Dortmund gibt es die Werkstatt Bibel. Dort sind vor Ort Personen tätig, die für Gruppen verschiedene Aktivitäten organisieren. Teilweise richten sie sich auch an Einzelbesucher, sodass dort vielfältige Angebote stattfinden können.

Im letzten Herbst haben wir auf der Wartburg das Wartburg Experiment mitunterstützt. Zudem gab es Folgeprojekte, die ebenfalls in diesen Zusammenhang gehören.

Daher gibt es eine große Bandbreite an Aktivitäten, aber auch an Veröffentlichungen, die dabei helfen, sich die Bibel besser zu erschließen.

Bedeutung und Symbolik des Logos der Deutschen Bibelgesellschaft

Die Deutsche Bibelgesellschaft ist größer, als man oft denkt. Ich persönlich hätte das Logo sofort erkannt, zum Beispiel wenn ich einen Buchladen betrete. Es handelt sich um das klassische Logo mit den vier Quadern, wie es auf dem Rücken der Lutherbibel oder manchmal am Einband zu sehen ist. Man denkt sich dann: „Ach, das kenne ich.“ Aber dahinter steckt viel mehr, wesentlich mehr.

Zum Logo selbst: Darin kann man ein Kreuz erkennen. Außerdem sieht man ein aufgebundenes Buch und ein doppeltes B, das sich einander zuwendet. Man kann auch ein leicht geöffnetes Fenster darin sehen. Es gibt also viele Interpretationsmöglichkeiten.

Für viele Menschen in Deutschland sind die Produkte unseres Verlages eine der ersten Berührungspunkte mit uns. Das gilt nicht nur in gedruckter Form, sondern heute natürlich auch auf der Website. Dort nutzen sehr viele Menschen die Angebote der Deutschen Bibelgesellschaft.

Darüber hinaus engagieren wir uns in ganz unterschiedlichen Aktivitäten, die sich nicht nur auf gedruckte Bücher beschränken.

Digitalisierung und moderne Zugangswege zur Bibel

Sie sind jetzt auch digital sehr stark unterwegs, zum Beispiel mit der Basisbibel, die kürzlich erschienen ist. In den letzten Monaten ist alles voll digital geworden. Die Bibel ist in der App untersuchbar, und man kann auf der Webseite von A bis Z jedes einzelne Wort analysieren. Darüber haben wir uns bereits in einem anderen Kontext ausgetauscht.

Das heißt also, das Thema Digitalisierung der Bibel wird wahrscheinlich auch bei der TGB großgeschrieben.

Unser Anliegen ist es, dass die Bibel zu den Menschen kommt, so wie sie die Menschen brauchen. Heute ist man natürlich auf ganz andere Weise digital unterwegs. Gleichzeitig bleibt die Bibel als Buch weiterhin bedeutend. Gerade für das meditative und persönliche Lesen greifen auch jüngere Menschen nach wie vor gerne zum Buch.

Wenn man früher unterwegs war, hatte man vielleicht eine Senfkornbibel in der Tasche. Das haben heute nur noch wenige, weil sie die Bibel auf dem Smartphone dabei haben. Daher gibt es hier eine gewisse Verschiebung oder sogar eine Konkurrenz.

Heute werden keine Konkurrenzen mehr gedruckt. Stattdessen ist die Konkordanz das, was der Computer am besten kann. Das lässt sich digital auf ganz besondere Weise umsetzen.

Erläuterung der Konkordanz für Bibelstudien

Ganz kurz zum Einstieg: Für Menschen, die neu im Glauben sind oder noch nicht lange mit der Bibel arbeiten, stellt sich oft die Frage, was eine Konkordanz eigentlich ist.

Eine Konkordanz ist ein Stellenregister, das alle Belege für ein bestimmtes Wort auflistet. Früher gab es dafür dicke Bücher. Das Gute an diesen Büchern war, dass sie zum Teil ausgewählte Stellen enthielten. Wenn man zum Beispiel das Wort „Glaube“ eingibt, findet man natürlich sehr viele Stellen im Neuen Testament und etwas weniger im Alten Testament. Es fällt dann oft schwer, sich einen Überblick zu verschaffen.

Bei diesen Registern gab es manchmal sogenannte Handkonkordanzen. Diese enthielten die wichtigsten Stellen zu einem Thema. Das war besonders für Menschen, die einen ersten Zugang suchten, einfacher, als wenn man alle Stellen vor sich hat und erst herausfinden muss, welche die wichtigsten sind.

Heutzutage überwiegt jedoch die digitale Nutzung, sodass sich die Herstellung solcher Bücher leider nicht mehr lohnt. Das ist eben der Wandel der Zeit.

Ich möchte noch kurz etwas zur Konkordanz ergänzen: Sie ist unglaublich praktisch. Wenn ich mich zum Beispiel mit dem Thema Erlösung oder Versöhnung beschäftige und wissen möchte, was der Apostel Paulus in seinen Briefen über das Kreuz schreibt, kann ich einfach eine Konkordanz benutzen oder auf die Website der DWG gehen. Dort tippe ich „Kreuz“ ein und sehe, was in den Paulusbriefen zum Thema Kreuz steht. So bekomme ich in wenigen Minuten einen Überblick über die Stoßrichtung der Aussagen. Das ist sehr wertvoll.

Gleichzeitig sollte man bedenken, dass bei der Suche nach verwandten Begriffen wie „kreuzigen“ oder „gekreuzigt“ die Konkordanzsuche etwas mehr Verständnis erfordert. Das liegt daran, dass sich manche Wörter in verschiedenen Formen verändern. Das Wort „Kreuz“ ist hier noch relativ einfach, weil es als starkes Wort immer gleich bleibt. Bei anderen Begriffen muss man jedoch genau darauf achten, um wirklich alle Belege zu finden.

Geschichte der Deutschen Bibelgesellschaft

Super, dann fangen wir doch noch einmal ganz von vorne an. Die Deutsche Bibelgesellschaft gibt es ja auch noch nicht ewig. Das heißt, es handelt sich um ein Projekt, das je nach Betrachtung seit etwa 40 oder 200 Jahren existiert. Können Sie dazu etwas zur Geschichte der Deutschen Bibelgesellschaft sagen? Wo kommt sie eigentlich her?

Das ist eine gute Frage. Die Idee und der Gedanke der Bibelverbreitung sind kirchengeschichtlich besonders im Pietismus, also in der Erweckungsbewegung des 17. und 18. Jahrhunderts, entstanden und haben von dort aus noch einmal Fahrt aufgenommen. So gab es 1710 in Halle die Gründung der von Kahnstein’schen Bibelanstalt.

Das war zunächst der Name. Die Einrichtung befand sich bei August Hermann Francke in Halle, auch in den diakonischen Einrichtungen dort. Der Gedanke war, günstige Bibeln zu drucken. Es gab zwar schon viele Bibeln, und es ging auch nicht um eine neue Übersetzung – die Lutherbibel wurde weiterhin verwendet – aber die Bibel sollte einfach noch günstiger und erschwinglicher sein, sodass sie für alle Menschen zugänglich wurde.

Wenn man jetzt sagt, günstiger und erschwinglicher, klingt das so, als ob es zwischen der Reformation und der Zeit Franckes so gewesen wäre, dass Bibeln überhaupt nicht bezahlbar waren. Das hieße, ein normaler Christ hätte eigentlich keinen Zugang zu einer eigenen Bibel gehabt.

Nein, das ist nicht ganz richtig. Es ging nicht darum, dass Bibeln unbezahlbar waren, sondern vor allem darum, dass sie für ärmere Menschen schwer zugänglich waren. Man muss sich vorstellen: Im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen sind Bücher heute sehr günstig. Heute kostet eine Bibel in den günstigsten Ausgaben deutlich weniger als ein Kinobesuch oder ein Blumenstrauß.

Vor 300 Jahren war die Relation eine andere. Damals entsprach der Preis für eine Bibel vielleicht eher einem Wochenlohn oder Ähnlichem. Wenn man entscheiden musste, ob man etwas zu essen hat oder nicht, stellte sich die Frage nach dem Bibelkauf ganz anders.

Natürlich waren Bibeln verfügbar, aber die Preisschwelle erschwerte den Zugang. Und obwohl Bibeln heute so günstig sind, gibt es manchmal Menschen, die eine Bibel eigentlich geschenkt bekommen müssen, damit sie sie überhaupt öffnen. Es ist also so ein Zwischending.

Das war das Anliegen, dem sich August Hermann Francke damals mit Unterstützung des Barons von Kahnstein widmete. So entstand 1710 in Halle die erste Bibelgesellschaft und Bibelanstalt der Welt.

Es gab dann eine zweite Welle, bei der es durchaus auch personelle Verbindungen gab, die aber ab 1804 von England ausging. Dort wurde die British and Foreign Bible Society gegründet. Sie verfolgte im Prinzip dasselbe Ziel, begann aber in England und hatte von Anfang an den Gedanken, dies auch in anderen Ländern anzuregen und zu fördern.

Daher stellte man Menschen ein, die durch Europa reisten und in verschiedenen Regionen Europas Bibelgesellschaften gründeten. Einer davon war Karl Friedrich Steinkopf, ursprünglich aus Stuttgart, dann Pfarrer der deutschen Gemeinde in London und schließlich zurückgeschickt nach Deutschland.

Er gründete 1812 in Stuttgart die württembergische Bibelanstalt. Andere gründeten ähnliche Einrichtungen in anderen Regionen. Wenn man sich heute die regionalen Bibelgesellschaften anschaut, orientieren sie sich oft an der politischen Gliederung Deutschlands. Diese begann um 1810 bis 1820.

Damals gab es viele kleine Regionen, die sich im Laufe der Zeit zusammenschlossen. Tatsächlich entstand die Deutsche Bibelgesellschaft erst 1980, also vor gut vierzig Jahren.

Das heißt, die Deutsche Bibelgesellschaft ist ein Zusammenschluss vieler kleinerer Bibelgesellschaften, die schon Jahrzehnte zuvor entstanden sind.

Genau. Die Gesamtgeschichte beginnt vor etwa 300 Jahren, erlebte vor 200 Jahren einen neuen Aufschwung und mündete vor rund 40 Jahren in den größeren Zusammenschluss. Dabei ging es vor allem um eine neue organisatorische Ausrichtung.

Die inhaltliche Arbeit, der Bibeldruck und alle damit verbundenen Aufgaben gab es die ganze Zeit. Es wurde aber eine neue organisatorische Form gefunden.

Wenn Sie ältere Bibeln in die Hand nehmen, finden Sie häufig den Druckvermerk der Württembergischen Bibelanstalt in Stuttgart. Deshalb ist die Deutsche Bibelgesellschaft auch in Stuttgart ansässig.

Dort befindet sich auch das Bibelmuseum, das ich auch schon einmal besucht habe.

Einfluss der Reformation auf die Bibelgesellschaft

Das ist natürlich spannend. Insoweit hat das eine ganz besondere Relevanz, da wir ja in Deutschland, dem Land der Reformation, leben. Von hier ist eine sehr starke Bewegung ausgegangen, die darauf abzielte, die Bibel unter das Volk zu bringen. Es ging darum, ganz normale Christen wie Sie und mich zu ermutigen, die Bibel selbst in die Hand zu nehmen und zu studieren.

Was würden Sie sagen, welche Ausläufer der Reformation man heutzutage noch spüren kann? Inwieweit hat die Reformation eine Rolle für die Deutsche Bibelgesellschaft gespielt?

Es ist ja so, dass es in Deutschland auch schon vor der Reformation Bibelübersetzungen gab. Es gab auch bereits gedruckte Bibelübersetzungen, die allerdings meist mehr oder weniger denselben Text in verschiedenen Drucken vorlagen. Diese waren allerdings noch nicht so gut verständlich. Das Grundinteresse an Bibelübersetzungen war jedoch schon vor der Reformation vorhanden.

Darf ich an dieser Stelle kurz einhaken? Das ist etwas, das viele Leute nicht wissen. Viele denken, Luther hätte zum ersten Mal eine lateinische Bibel irgendwo gestohlen – ich übertreibe jetzt – und sie dann übersetzt, ohne sie vorher gelesen zu haben. Das ist historisch nachweislich nicht so. Das nur als Hintergrundinformation.

Ich bin kein Fachmann für diese Zeit, aber was ich verstanden habe, ist, dass im Vergleich zu anderen Ländern im deutschen Sprachraum das Interesse an Bibelübersetzungen schon größer war als zum Beispiel im französischen oder italienischen Sprachraum. So habe ich das zumindest wahrgenommen.

Von daher gab es gewisse Vorläufer, und dann ist Luther mit seiner Übersetzung einfach ein genialer Wurf gelungen. Diese Übersetzung wurde stilbildend und nachgeahmt. Auch der Übersetzungsstil wurde in andere Sprachen übernommen. Andere Übersetzungen aus der Reformationszeit orientierten sich ausdrücklich an der Lutherbibel.

Die Lutherbibel fand gleichzeitig den Buchdruck vor und wurde damit zum ersten Bestseller. Man kann auch sagen, sie wurde zum besten Longseller. In diesem Jahr feiern wir 500 Jahre Neues Testament von Martin Luther. Das muss man erst einmal schaffen.

Im Prinzip kann man sagen: Die Lutherbibel ist das Buch, das es in einer gut sortierten deutschen Buchhandlung immer gegeben hat – als einziges. Das ist etwas ganz Besonderes.

Gleichzeitig hat das den Übersetzungseifer anderer nicht gebremst. Deutsch ist, denke ich, entweder nach Englisch oder vielleicht sogar noch vor Englisch die Sprache mit den meisten Bibelübersetzungen – aus welchen Gründen auch immer. Aber es machen immer wieder neue Menschen auf den Weg.

Solche Übersetzungen haben dann auch ihre Zeit. Manche werden irgendwann weniger bekannt, andere bleiben erhalten. Deshalb haben wir hier eine besonders reiche Bibelkultur. Das ist faszinierend.

Die Deutsche Bibelgesellschaft steht dabei nicht isoliert da, als ob sie in einem Universum schwebt, in dem nichts anderes existiert. Es gibt den Weltverband der Bibelgesellschaften, dessen Teil die Deutsche Bibelgesellschaft ist.

Die Deutsche Bibelgesellschaft im Weltverband

Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eines der Gründungsmitglieder des Weltverbandes der Bibelgesellschaften. Diese Organisation wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Bereits zuvor gab es internationale Zusammenarbeit, vor allem durch die englische und amerikanische Bibelgesellschaft, aber auch durch die niederländischen und andere Gesellschaften. Diese versuchten, dort, wo Missionare aus ihren Ländern tätig waren, die Bibelübersetzung zu fördern.

Der Weltverband der Bibelgesellschaften ist jedoch kein Konzern mit hierarchischer Struktur. Vielmehr handelt es sich um eine Gemeinschaft von Organisationen, die in über 120 Ländern der Welt vertreten sind. Diese arbeiten praktisch immer vor Ort mit den Kirchen zusammen. Gleichzeitig tauschen sie sich zu übergreifenden Fragen aus, unterstützen und fördern sich gegenseitig. So können sie den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.

Ein aktuelles Beispiel ist die schnelle Zusammenarbeit bei der Produktion ukrainischer Bibeln. Die ukrainische Bibelgesellschaft stellte die PDF-Dateien zur Verfügung, andere Gesellschaften übernahmen den Druck. Die Deutsche Bibelgesellschaft organisierte die Verbreitung. Dadurch konnten in dieser Notsituation auch in den Ländern, in denen viele geflüchtete Menschen aus der Ukraine aufgenommen wurden, möglichst schnell Bibeln bereitgestellt werden.

Dies funktioniert, weil die Mitglieder sich kennen, einander vertrauen und bewährte Zusammenarbeitsmechanismen bestehen. So konnte auch dort, wo die Situation in der Ukraine selbst momentan schwierig ist, durch dieses Netzwerk schnell reagiert werden.

Ein weiteres Beispiel ist die Corona-Zeit. Es wurde ein Solidarity Fund eingerichtet, in den verschiedene Gesellschaften eingezahlt haben. Ziel war es, sicherzustellen, dass keine Bibelgesellschaft in dieser schwierigen Zeit auf der Strecke bleibt. Gott sei Dank ist dies gelungen.

Umfang und Bedeutung des Weltverbands der Bibelgesellschaften

Wow, das ist wirklich respektabel. Dieser Weltverband der Bibelgesellschaften – wie viele Mitglieder hat er ungefähr, damit man sich ein Gefühl für die Größenordnung verschaffen kann?

Wir haben gut 120 Mitglieder. Dazu kommen noch ungefähr 20, soll man sagen, nahestehende Organisationen. Insgesamt sind es also etwa 145, womit fast alle Länder dieser Welt abgedeckt werden.

Die Liste der Vereinten Nationen umfasst ungefähr 195 Länder, aber darunter sind auch viele kleine Inselstaaten. Manche Bibelgesellschaften betreuen bis zu zwölf Länder, weil es sich dabei um kleine Inseln handelt. Etwa zehn Länder haben keine eigene Bibelgesellschaft. Wenn man zum Beispiel mit Nordkorea und Saudi-Arabien beginnt, kann man sich ungefähr vorstellen, welche Länder das sind. In allen anderen Ländern gibt es Bibelgesellschaften.

Der englische Name lautet United Bible Societies, also UBS – wie die Bank, nur mit einer anderen Ausrichtung. Auf der Website findet man eine Liste mit Links zu allen Bibelgesellschaften, die dort vertreten sind. Tatsächlich ist dies eine der Nichtregierungsorganisationen weltweit mit der größten Reichweite.

Wow, das ist etwas, was ich zum Beispiel vorher nicht wusste. Die Liste werden wir natürlich unter diesem Video verlinken – faszinierend.

Rolle der Deutschen Bibelgesellschaft im Weltverband

Welche Rolle spielt die Deutsche Bibelgesellschaft in diesem Zusammenhang? Wir sind eines der Mitglieder, das schon relativ lange dabei ist. Wir sehen unsere Verantwortung darin, als eines der wohlhabenden christlichen Länder durch das Sammeln von Spenden auch Projekte in anderen Ländern zu unterstützen.

Dies tun wir unter anderem durch die Weltbibelhilfe. Das ist eine unserer Aktionen, bei der wir Geld für Bibelprojekte weltweit sammeln.

Darüber hinaus haben wir eine besondere Rolle. Ich hatte es bereits kurz erwähnt: Wir sind der Verlag für die wissenschaftlichen Bibelausgaben. Das Alte Testament ist besonders faszinierend. Es ist im Wesentlichen auf Hebräisch geschrieben, mit einigen Teilen in Aramäisch. Das Neue Testament hingegen ist auf Griechisch verfasst. Von keinem dieser Texte besitzen wir das Original. Es gibt jedoch relativ frühe und zahlreiche Abschriften. Diese müssen miteinander verglichen werden, um daraus eine wissenschaftliche Ausgabe zu erstellen.

Die Impulse für diese Ausgaben entstanden im 19. Jahrhundert in Deutschland. Für das Neue Testament war es Herr Nestle, für das Alte Testament Herr Kittel. Beide Ausgaben sind schließlich im Verlag der Deutschen Bibelgesellschaft erschienen. Inzwischen werden sie von internationalen Komitees mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Konfessionen mitverantwortet.

Die Bücher erscheinen nach wie vor bei uns. Die Standardausgabe für das Alte Testament heißt Biblia Hebraica Stuttgartensia. Dadurch wird auch eine gewisse lokale Verbindung deutlich. Man kann davon ausgehen, dass, wenn irgendwo auf der Welt ein christlicher Theologe eine wissenschaftliche Ausgabe des Alten Testaments aufschlägt, er ein Buch aus Stuttgart in der Hand hält. Für das Neue Testament gilt Ähnliches.

Es gibt zwar noch einige andere Ausgaben, doch in etwa 95 Prozent der Fälle sind es diese Ausgaben. Das ist eine große Verantwortung, die uns übertragen wurde. Diese nehmen wir im Auftrag des Weltverbandes wahr. Wir bemühen uns, die Qualität zu erhalten, weiterzuentwickeln und diese Ausgaben für das Bibelstudium sowie für die Bibelübersetzung zur Verfügung zu stellen.

Man kann also sagen, dass die Deutsche Bibelgesellschaft auch der Verlag für fast sämtliche wissenschaftlichen Bibelausgaben ist – sowohl für das hebräische Alte Testament als auch für das griechische Neue Testament, die weltweit von den meisten Theologen genutzt werden. Das gilt in den meisten Konfessionen, was keineswegs selbstverständlich ist.

Wir haben auch das griechische Alte Testament, die Septuaginta, in einer wissenschaftlichen Ausgabe. Diese erscheint allerdings in einem anderen Verlag. Dennoch hat sich das so entwickelt.

Das ist ein Zeichen für die Qualität theologischer Textarbeit, die in Deutschland im 20. Jahrhundert entstanden ist und internationale Standards mitgeprägt hat.

Wissenschaftliche Qualität und Verlässlichkeit der Bibeltexte

Faszinierend, das heißt also, es gibt ja manchmal diese Polemik, die vorgebracht wird nach dem Motto: Man kann ja gar nicht wissen, was in der Bibel drinsteht, und so weiter und so fort. Es wird gesagt, dass sowieso alles verfälscht ist und dass alles ja tausende Jahre her ist. Das ist natürlich leicht ironisch, wenn man bedenkt, welche jahrhundertelange Mühe in Stuttgart und anderen Institutionen betrieben wurde.

Dort kann man einfach sagen: „Okay, wir schlagen uns wirklich die Nächte um die Ohren.“ Monate, Jahre und Jahrzehnte arbeiten internationale Forscherteams daran, bis auf den kleinsten Komma, bis auf das kleinste Jota, den Urtext zu rekonstruieren. Das ist in Ihren Augen natürlich ein bisschen ironisch.

Ja, also ich meine... Es ist mittlerweile so, dass man sagen kann: Für Texte dieses Alters sind die biblischen Texte wirklich außergewöhnlich gut überliefert. Das wird kein Wissenschaftler bestreiten. Man kann das natürlich in der Polemik bestreiten, aber wer sich wissenschaftlich mit vergleichbaren Prozessen auseinandersetzt, wird immer feststellen, dass die biblischen Texte gut überliefert sind.

Natürlich muss man an der einen oder anderen Stelle Entscheidungen treffen. Diese Entscheidungen können diskutiert werden, aber es gibt immer eine Textgrundlage, auf der man diese Entscheidungen treffen kann. Dabei ist es so, dass diese Entscheidungen eigentlich nie den Kern der Aussagen oder der Botschaft betreffen. Es geht dabei natürlich um Akzentsetzungen.

Die Kernaussagen sind grundsätzlich so eindeutig und zuverlässig überliefert, dass es daran nichts zu rütteln gibt. Das sagt der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, und das möchte ich hier noch einmal als zitierwürdig festhalten.

Weiterführende Angebote und wissenschaftlicher Konsens

Es ist spannend, was Christoph Rösel hier erzählt, oder?

Nimm dir gern den Faktencheck zum Neuen Testament mit. Dabei handelt es sich um eine Kurzzusammenfassung von Vorträgen und Inputs, die ich über die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments gegeben habe. Die Aufnahme ist als Tonaufnahme für unterwegs gedacht und kann auch ausgedruckt werden, damit du sie jederzeit nutzen kannst.

Den Faktencheck kannst du dir gratis über den Link in der Videobeschreibung herunterladen. Dort wird einfach und anschaulich erklärt, warum die Augenzeugenberichte im Neuen Testament historisch glaubwürdig sind. Das Angebot richtet sich an Menschen ohne Vorwissen und ist kostenlos verfügbar.

Das bestätigen auch viele andere – ich bin damit also nicht allein. Es ist schließlich wissenschaftlicher Konsens. Darüber gibt es nichts zu diskutieren, denn sonst würde man die ersten zwei Semester im Theologiestudium wohl kaum überstehen.

Aufgaben und Verantwortungsbereich des Generalsekretärs

An dieser Stelle kurz zu Ihrer Person: Sie sind der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft. Was macht ein Generalsekretär genau? Wie sieht Ihr Aufgabenfeld aus, wie gestaltet sich Ihr Arbeitstag, und was fällt in Ihren Verantwortungsbereich?

Der Titel Generalsekretär wird häufig von Institutionen verwendet, die einen Zusammenschluss verschiedener Gruppen oder Organisationen darstellen. In Deutschland hat zum Beispiel der CVdM einen Generalsekretär. International findet man diesen Titel bei der UN oder anderen Organisationen. Grundsätzlich handelt es sich meist um Organisationen, in denen sich mehrere Akteure zusammenschließen, und der Generalsekretär übernimmt einen Teil der Koordination und Organisation dieses Miteinanders.

Bei uns sind das die regionalen Bibelgesellschaften sowie andere Werke, die sich an der Bibelverbreitung orientieren. Ein wichtiger Teil meiner Aufgabe als Generalsekretär ist es, dieses Miteinander zu fördern und zu koordinieren.

Gleichzeitig bin ich Vorstand der Stiftung und somit auch für die Geschäftsführung mitverantwortlich. Dabei sorge ich dafür, dass Richtungsentscheidungen in gemeinsamer Beratung getroffen werden und die Arbeit kontinuierlich vorangebracht wird.

Meine Aufgaben umfassen teilweise sehr konkrete Tätigkeiten, bei denen ich auch in einzelnen Projekten aktiv mitwirke. Auf der anderen Seite gehören dazu auch Begegnungen, strategische Runden und vielfältige Aufgaben, die in einer Leitungsfunktion zusammenkommen.

Persönlicher Werdegang von Christoph Rösel

Ja, na klar, das ist, glaube ich, sehr einleuchtend. Wenn wir einen kurzen persönlichen Exkurs machen, wie sind Sie denn eigentlich persönlich, Christoph Rösel, zur Deutschen Bibelgesellschaft gekommen?

Also meine erste Begegnung mit der Deutschen Bibelgesellschaft war ähnlich wie bei Ihnen: Es waren die Bibeln. Ich habe zu meiner Konfirmation von meinen Eltern eine Lutherbibel geschenkt bekommen, die von der Deutschen Bibelgesellschaft war. Später im Studium hatte ich den Nestle-Aland für das Neue Testament und die Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS) für das Alte Testament.

In meiner vorherigen Aufgabe war ich Professor für Altes Testament in Tabor an der Theologischen Hochschule. Dort habe ich zum Beispiel angefangen, Artikel für das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet zu schreiben, also für Vibilex, eines der Angebote der Deutschen Bibelgesellschaft.

Dann wurde ich angefragt, bei der Revision der Lutherbibel für den Propheten Hesekiel mitzuarbeiten. Irgendwann hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, dass die Stelle des Generalsekretärs ausgeschrieben ist. Daraufhin habe ich mich beworben.

So ist das genau. Und das war vor ungefähr acht Jahren, oder? Genau, die Ausschreibung war 2013, und im Frühjahr 2014 habe ich dann dort begonnen.

Rückblick auf acht Jahre Leitung der Deutschen Bibelgesellschaft

Wenn Sie jetzt ein vorläufiges Resümee, ein Zwischenfazit für die letzten acht Jahre ziehen würden: Was sind zwei Dinge, für die Sie dankbar sind, wie sich alles entwickelt hat? Und was sind Aspekte, bei denen Sie vielleicht dazugelernt haben – vielleicht auch als gesamte Deutsche Bibelgesellschaft?

Wenn ich zurückblicke auf 2014, das war vor dem 500-jährigen Reformationsjubiläum und vor dem Abschluss der Revision der Lutherbibel. Es war natürlich eine sehr spannende Frage, wie diese Revision angenommen wird. Diese wurde direkt gut aufgenommen, und das war für uns der erste große Stein, der uns vom Herzen gefallen ist. Dafür waren wir sehr dankbar.

Dann hatten wir das Projekt der Basisbibel. Das Neue Testament lag schon vor, aber wir arbeiteten am Alten Testament. Die Frage war, wie wir alles in einem Buch zusammenbekommen und wie das Ergebnis aussehen würde. Dieses Buch wurde letztes Jahr, mitten in der Corona-Zeit, veröffentlicht und ebenfalls außergewöhnlich gut angenommen. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, in diesen Herausforderungen gute Lösungen zu finden. Wir haben auch gemerkt, dass wir nah an den Menschen dran sind. Das, was wir tun, trifft auf Resonanz und wird gut aufgenommen.

Persönlich bin ich in den letzten Jahren auch sehr dankbar für die Zusammenarbeit im Weltverband und die Begegnungen dort. Es sind Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern, die ihren Glauben unter ganz anderen Bedingungen leben und unterwegs sind. Von diesem Austausch zu lernen und zu profitieren, bedeutet mir viel und macht mich sehr dankbar.

Sie hatten noch eine Frage? Ja, genau. Die Frage war, was Sie persönlich oder die Deutsche Bibelgesellschaft in den letzten fünf, acht, zehn Jahren dazugelernt haben.

Wir haben sicherlich im Blick auf digitale Fragen dazugelernt, also wie wir unsere Angebote weiterentwickeln müssen. Unsere Webseiten werden eigentlich recht gut besucht. Gleichzeitig ist es für uns eine Herausforderung, ein nachhaltiges Angebot zu schaffen. Bisher nutzen die Menschen die Webseiten kostenlos, sie freuen sich über das Angebot, aber das Geld muss irgendwoher kommen. Das sind Herausforderungen, an denen wir wachsen.

Wir haben aber auch gemerkt, besonders jetzt während der Corona-Zeit, dass die Nutzungszahlen steil angestiegen sind. Das zeigt, dass unser Angebot relevant ist. Wenn man nicht in die Bibliothek gehen kann, gewinnt das Online-Angebot noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Wir arbeiten daran, weitere Angebote zu entwickeln und überlegen, wie das aussehen kann.

Wenn man schon über 200 Jahre unterwegs ist, dann sind von Zeit zu Zeit Veränderungen notwendig. Das Thema Digitalisierung ist gerade immer noch ein großes Thema. Das wird uns auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten begleiten. Daran führt kein Weg vorbei.

Na klar, ich sehe das schon: Die erste Bibel auf der Blockchain – einmal Spaß!

Unterstützungsmöglichkeiten für die Deutsche Bibelgesellschaft

Spannend. Zum Abschluss noch eine letzte Frage: Was könnten Sie denn jetzt tun, wenn bei den Zuschauern und Zuhörern im Hinterkopf die Frage ist: „Oh Mensch, das klingt alles richtig gut. Wir möchten gern die Anliegen unterstützen, wir möchten auch die Deutsche Bibelgesellschaft an sich unterstützen. Wie kann man das als normaler Zuschauer oder Zuhörer machen, wenn man nicht das Geld hat, eine Stiftung zu gründen oder Ähnliches?“

Die Stiftung haben wir ja schon. Man kann auch etwas zustiften, falls das die Frage ist. Aber ich habe es ja vorhin schon gesagt: Unser Anliegen ist es wirklich, die Bibel zu den Menschen zu bringen. Wir freuen uns über jede und jeden, der eine Bibel zur Hand nimmt, darin liest, andere darauf aufmerksam macht und anderen auch ein Stück Bibel zugänglich macht und dort aktiv wird.

Irgendwann werden dann auch unsere Angebote mit dazukommen. Man wird sie nutzen oder auf andere Weise unterstützen. Wenn nicht, hätten wir etwas falsch gemacht. Unser Anliegen ist also, dass Menschen zur Bibel greifen.

Wenn das geschieht und man andere dabei unterstützen möchte, kann man sie vielleicht auf unsere Angebote aufmerksam machen oder auch etwas spenden. Aber ich glaube, das Wichtigste, unser Ziel ist es immer, dass Menschen die Bibel in die Hand nehmen und sich von der Botschaft der Bibel berühren lassen.

Wo das geschieht, sind wir froh und dankbar. Wir sehen uns ermutigt und unterstützt. Da sind wir uns tausendprozentig einig.

Vielen Dank, Christoph Rösel, für das Gespräch.