Serie•Teil 7 / 7Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen
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Einleitung und anschaulicher Auftakt
Heute nun kommen wir zum letzten Teil dieser Serie: göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen.
Der neue Firmenchef, der für seinen harten und rücksichtslosen Führungsstil bekannt ist, läuft an einem seiner ersten Arbeitstage gegen Mittag am Empfang seiner Firma vorbei. Er sieht dort einen Mann im Türrahmen stehen, der sich nicht bewegt und ihm keinen besonderen Respekt erweist. Verärgert fragt er diesen scheinbaren Nichtsnutz, wie viel er denn im Monat verdiene.
Der Mann ist zunächst etwas erschrocken über die Unfreundlichkeit dieses Mannes und über die Frage, was ihn das eigentlich angeht. Trotzdem bleibt er freundlich und sagt: 1500 Franken. Wieso wollen Sie das wissen?
Ohne den Mann eines Blickes zu würdigen, zückt der Chef sein Scheckbuch. Das gab es früher noch; viele wissen gar nicht mehr, was ein Scheckbuch ist. Das sind Zettel, auf die man einen Betrag schreiben kann, den man dann auf der Bank einlösen kann. Er zückt also sein Scheckbuch und schreibt einen Scheck über 3000 Franken.
Jetzt will er nämlich für jeden Mitarbeiter in dieser Firma ein Beispiel statuieren. Denn er weiß, was er jetzt tun wird. Das wird wie ein Lauffeuer durch die ganze Firma gehen, und dann werden die Leute wissen, wie er führt und worauf er achten wird.
Also wendet er sich diesem Mann zu, der immer noch untätig im Türrahmen lehnt, drückt ihm den Scheck in die Hand und brüllt: So, hier haben Sie das Geld für die nächsten zwei Monate, und jetzt verschwinden Sie. Ich will Sie nie mehr sehen.
Der Mann nimmt das Geld und geht. Der Chef ist ein bisschen stolz, dass er schon in seinen ersten Arbeitstagen für alle zeigen konnte, wie er in Zukunft arbeiten und wirken wird, und dass er es nicht dulden wird, dass irgendein Mitarbeiter untätig herumsteht und ihm keinen Respekt erweist.
Nun wollte er doch noch wissen, was dieser Mann eigentlich für eine Aufgabe in der Firma hatte. Er fragte die Dame am Empfang, die etwas schockiert wirkte, welche Aufgabe denn dieser Faulpelz gehabt hätte.
Etwas verlegen antwortete sie: Das war der Pizza-Kurier.
Führung zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Mitarbeiter zu führen, ist eine der schwierigsten Aufgaben in einer Firma. Menschen haben Gefühle, sind verletzlich, haben verschiedene Charaktere, Fähigkeiten und Eigenheiten. Sie unterliegen Stimmungsschwankungen, werden krank und wollen sogar Ferien machen.
Maschinen hingegen sind viel einfacher. Sie verlangen keine Ferien, Stimmungsschwankungen kennen sie nicht. Ist etwas defekt, kann man sie reparieren. Und wenn sie repariert sind, arbeiten sie fleissig weiter, und wenn es sein muss, 24 Stunden am Tag.
Doch in den meisten Firmen sind nicht die Maschinen, sondern die Menschen die wichtigste Ressource für den Erfolg. Selbst wenn eine Maschine den grössten Teil der Arbeit tut, braucht es Menschen, die sie bedienen und dafür sorgen, dass alles einwandfrei läuft.
Gute Personalführung ist für den Erfolg einer Firma entscheidend. Denn wenn die Mitarbeiter mit der Art der Personalführung nicht zufrieden sind, werden sie sich langsam anders orientieren und nach einem alternativen Arbeitsplatz suchen. Hohe Fluktuation in einer Firma kostet viel Kraft und viel Geld, und viel Wissen geht verloren.
Ich finde es immer toll, wenn man Firmen oder Betriebe sieht, in denen Jahre später immer noch dieselben Mitarbeiter arbeiten. Da kann man davon ausgehen, dass sie offensichtlich ein gutes Arbeitsklima haben. Da kann man leben, da kann man wirken. Hingegen dort, wo dauernd Leute gehen und kommen, stimmt meistens etwas nicht.
Paulus und die Verantwortung der Vorgesetzten
Nun, Paulus sagt zum Schluss dieses Abschieds, den wir in dieser Serie betrachtet haben, noch etwas zu den Leuten, die Untergebene hatten. Damals waren diese Untergebenen ihr persönliches Eigentum. Sie konnten über sie verfügen und sie sogar verkaufen, diese Sklaven. Ein etwas anderes Verhältnis haben wir letzten Sonntag angeschaut. Doch was Paulus den Herren in der damaligen Welt sagte, das gilt auch heute für uns, für Menschen, die andere führen und für andere Verantwortung haben.
Paulus sagt: Ihr Herren, behandelt eure Sklaven nach denselben Grundsätzen. Versucht nicht, sie mit Drohungen einzuschüchtern. Denkt daran, dass es einen gibt, der sowohl ihr Herr ist als auch euer Herr. Er ist im Himmel, und er ist ein unbestechlicher Richter.
Paulus nimmt Bezug auf das, was er bereits den Sklaven gesagt hatte, was wir letzten Sonntag miteinander angeschaut haben. Übrigens könnt ihr die ganze Reihe auf unserer Webseite herunterladen oder später dann auf sermononline.de auch die Manuskripte, die ausgeschriebene Predigt. Und es ist so: Wenn ihr die Predigt von hinten vom Tisch nehmt, dann hat sie darin noch mehr Fehler, als wenn ihr sie downloadet. Wenn ich Sie dann nochmals ein letztes Mal korrigiere, wenn ich sie dann hochlade, hat sie doch einige Fehler. Aber das wird euch auffallen. Aber man muss damit leben können. Aber das ist dann die Möglichkeit: Ihr könnt also alles downloaden.
Er sagt nun genau: Das, was ich für die Sklaven niedergeschrieben habe, was ich vorher eben gesagt habe, gilt genauso für die Herren. Ihr Herren, behandelt eure Sklaven nach denselben Grundsätzen. Es gibt keinen Unterschied, er wiederholt sie einfach nicht alle.
Arbeit als Gottesdienst und die innere Haltung
Der Kern dessen, was Paulus den Sklaven sagt, ist, dass sie ihre Arbeit für Jesus tun sollen. Letztlich sind sie für ihr Verhalten gegenüber ihrem Vorgesetzten Gott gegenüber verantwortlich. Ihre Arbeit ist im Grunde eine Form des Gottesdienstes. Wer arbeitet, dient auch Gott.
Die Bibel kennt nicht zwei Welten. Es gibt nicht einerseits den Gottesdienst am Sonntagmorgen, in dem die frommen, braven Christen zusammenkommen, und andererseits die Arbeitswelt, die mit meinem Glauben eigentlich nichts zu tun hat. Das ist eine falsche Sicht. Auch die Arbeit ist ein Gottesdienst. Ihr könnt gern die Predigt vom letzten Sonntag nachhören, dort erkläre ich das noch ausführlicher.
So fasst es Paulus zusammen: Diese Aufgabe, die auch die Vorgesetzten betrifft, erfüllt eure Aufgabe bereitwillig und mit Freude, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn.
Die Vorgesetzten sollen sich dessen bewusst sein, dass das auch für sie gilt. Sie sind Gott gegenüber verantwortlich, wie sie sich gegenüber ihren Untergebenen verhalten. Sie sollen ihre Untergebenen so behandeln, als würden sie Jesus dienen.
Vorgesetzte sollen sich nicht nur auf die Gewinnmaximierung konzentrieren oder darauf schauen, dass sie möglichst schnell auf Kosten anderer befördert werden. Nein, zuerst sollen sie das, was sie tun, für Gott tun. Sie sollen ihre Arbeit so anpacken, dass sich Gott darüber freuen kann. So bekommen auch Vorgesetzte einen Lohn, der sich im Himmel aufhäuft und auf sie wartet, wenn sie dort ankommen.
Denn Paulus schreibt: Ihr wisst, und das ist die Schnittstelle zu dem Text, den wir heute anschauen, ihr wisst: „Was ein jeder Gutes tut, das wird er vom Herrn empfangen, er sei Sklave oder Freier.“ Also ein Herr, der Sklaven hat, oder überhaupt jemand, der frei ist.
So gelten die Grundprinzipien, die Paulus den Sklaven sagt, vollumfänglich auch für die Herren. Doch Paulus ergänzt noch einen Gedanken, der von den Vorgesetzten besonders beachtet werden sollte.
Macht, Respekt und die Gefahr des Missbrauchs
Mächtige, erfolgreiche und reiche Menschen neigen nämlich dazu, sich umso wichtiger zu nehmen, je mächtiger sie sind. Sie geben sich oft der Illusion hin, dass die Welt ihnen zu Füßen liege und sie sich von den normalen Menschen abheben. Das kann sogar so sein.
Es ist interessant: Ich habe einmal ein Interview von Roger Federer gehört. Er wurde gefragt, was er an der Schweiz schätzt. Das war ganz interessant. Er sagte, dass es in einem anderen Land so sei: Wenn er dort in ein Restaurant komme und man ihn als Federer, als Tennistar, erkenne, dann werde einfach das Restaurant oder der Tisch, den er wolle, geräumt, egal wer dort sitze. Dann werde Platz für ihn gemacht.
Wenn er dagegen in der Schweiz in ein Restaurant komme und frage, ob noch ein Tisch frei sei, dann schaue man nach und sage: Nein, leider ist keiner frei. Egal, welchen Namen er habe, dann müsse er gehen oder sich früher anmelden.
So leben oft Menschen, die erfolgreich sind. Sie glauben der Illusion, dass sie mehr seien als die anderen, weil die Leute sich oft vor ihnen ducken. Sie empfinden es als selbstverständlich, dass Menschen ihnen gegenüber unterwürfig auftreten. Ihr Ego wächst und wächst und wächst.
Das kann zu respektlosem Verhalten gegenüber Untergebenen führen, und das will Paulus mit seiner Bemerkung unterbinden. Er warnt: Versucht nicht, eure Sklaven mit Drohungen einzuschüchtern. Verhaltet euch nicht wie Unmenschen.
Wer seine Mitarbeiter bedroht und einschüchtert, der missachtet, genauer gesagt: der missbraucht seine eigene Machtstellung. Seine Untergebenen, selbst wenn es Sklaven sind, haben auch als Menschen Respekt zu erweisen.
Das ist übrigens keine neue Idee von Paulus. Schon Hiob, einer der Urväter, wusste, dass ein gottesfürchtiger Mensch seine Untergebenen mit Anstand behandeln sollte. So sagte er seinen Freunden, die ihn verurteilten: Wenn einer meiner Knechte sich beklagte, wenn eine Magd sich über mich beschwerte, habe ich zu keiner Zeit ihr Recht missachtet.
Wie könnte ich sonst vor Gottes Augen treten und mich verteidigen, wenn er mich prüfte? Hiob behandelte seine Sklaven respektvoll. Wenn sich einer beklagte, nahm er diese Klage ernst. Wie sonst hätte er vor Gottes Angesicht treten können? Das war ihm klar.
Das ist also nichts Neues, wenn Paulus hier den Herren sagt, er rufe ihnen praktisch nur noch in Erinnerung, was sich gehört.
Das Versetzungsprinzip und die goldene Regel
Natürlich bedeutet das nicht, dass Angestellte und Mitarbeiter sich alles erlauben dürfen und keine disziplinarischen Massnahmen ergriffen werden können. Wenn das nötig ist, kann man das tun. Aber wenn das geschieht, dann soll es mit dem nötigen Respekt geschehen. Und zwar nicht erst dann, wenn man die Massnahme ergreift, sondern der Respekt beginnt schon ein wenig früher.
Wer Menschen führt, weiss, dass diese Aufgabe sehr schwierige und komplexe Entscheidungen erfordern kann. Dabei ist nicht immer klar, welche Entscheidung nun wirklich richtig ist. Es gibt viele solche Dinge. Das ist in unserem Leben nicht einfach schwarz-weiss. Und deshalb stellt sich die Frage, wie wir als Christen erkennen können, welche Entscheidung Gott gefallen würde. Darum geht es schlussendlich.
Und da gibt es ein hilfreiches Prinzip, ein sehr altes Prinzip: das Versetzungsprinzip. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich meine mit dem Versetzungsprinzip nicht, dass ich den Mitarbeiter irgendwo anders hin versetze, damit ich nichts mehr mit ihm zu tun habe. Das hat mein Kompaniekommandant mit mir gemacht. Der konnte mich nicht ausstehen. Und jedes Mal, wenn ich in den WK musste, dann musste ich in eine andere Kompanie in den WK, weil der nicht wollte, dass ich bei ihm bin. Der hat mich sozusagen versetzt, weil er mich nicht sehen wollte. Nebenbei bemerkt: Ich ihn auch nicht. Ich habe in jedem WK gehofft: Hoffentlich bin ich wieder in der anderen Kompanie. Ich habe einige Erfahrungen mit ihm gemacht, aber die lasse ich jetzt weg, sonst würde das zu lange dauern.
Aber eben: Das Versetzungsprinzip, von dem ich spreche, funktioniert ganz anders. Es geht darum, dass ich mich als Vorgesetzter in die Situation meines Mitarbeiters versetze, den ich führen muss. Wir sollten es uns zur Gewohnheit machen, dass wir bei Entscheidungen, die wir für andere treffen müssen, überlegen, was das für die betreffende Person bedeuten wird und welche Auswirkungen das auf sie haben wird. Ich könnte mich fragen: Wie würde ich reagieren, wenn ich diese Anweisungen halten und befolgen müsste? Was wäre meine Reaktion?
Es ist ja auch so in den Hierarchien. Entschuldigung, heute bin ich wieder mal militärlastig, hier geht es ja immer so, oder? Da ist der Hauptmann, der Offizier, der Korporal und dann die Truppe. Und dann geht die Befehlslinie so: Der Hauptmann sagt dem Leutnant einen unangenehmen Befehl, der Leutnant sagt ihn dem Korporal, und der Korporal ist der arme Kerl, der es seinen Leuten sagen muss. Und alle anderen sind drin, sind alle diskret und schauen nett in die Welt, und der arme Korporal muss die schlechte Botschaft überbringen. So funktioniert das oft.
Nun, wer ernsthaft möchte, dass er sich in die Situation seiner Mitarbeiter versetzen kann, der muss ihren Arbeitsplatz und ihr Arbeitsumfeld kennen. Er muss auch über die Fähigkeiten eines Mitarbeiters Kenntnis haben. Er muss halt mal in die Büros gehen oder in die Fabrikhalle. Er muss sie mal begrüssen. Er muss sie mal fragen: Wie geht’s? Er muss Bescheid wissen.
Er ist ein bisschen wie ein Dirigent, der jedes Instrument kennt und die Bandbreite eines Instruments, der die Fähigkeiten der Musiker kennt und genau weiss, welcher Musiker mit welchem Instrument wann den Einsatz geben kann. Wer spielt die erste Geige, wer spielt die zweite Geige? Und so erreicht er, dass es ein Konzert gibt, das für den Hörer ein Genuss ist, weil er seine Leute kennt und weil er die Instrumente kennt.
Jedenfalls wird es sich lohnen, wenn sich ein Vorgesetzter diese Mühe macht. Denn zufriedene Mitarbeiter sind leistungsstärker und effizienter als unzufriedene. Mitarbeiter, die sich von ihren Vorgesetzten ernst genommen und respektiert fühlen, werden eher bereit sein, schwierige Entscheidungen zu ertragen.
Und ein Vorgesetzter sollte darauf achten, dass er nicht sein eigenes Arbeitstempo zum Massstab nimmt. Nicht jeder Mensch kann gleich hohe Leistungen erbringen. Und meistens, das muss man sich dann auch in Erinnerung rufen, verdienen auch die Mitarbeiter, die aus Sicht des Chefs weniger arbeiten, auch wesentlich weniger.
Ich arbeitete einmal unter einem Chef, der betonte, er würde 90 Stunden in der Woche arbeiten. Das erzeugte in mir natürlich einen unglaublich hohen Druck: Der Chef arbeitet 90 Stunden. Doch im Gegensatz zu mir konnte er seine Zeit völlig frei einteilen. Er war nicht an ein Büro gebunden, nicht an ein Haus. Mitten am Tag konnte er einen Witterparkour machen. Das hat er auch oft gemacht. Ich weiss nicht, ob er das zur Arbeitszeit gezählt hat oder nicht. Ich kenne seine Rechnung nicht.
Aber ich arbeitete im Büro. Ich sass dort. Ich konnte nicht einfach weg. Ich musste bereit sein, das zu tun, was zu tun gab, und wenn etwas reinkam, es erledigen. Ich hatte diese Freiheit nicht.
Wir sehen: Dieses Versetzungsprinzip ist komplex. Denn man muss die Situation des Mitarbeiters verstehen und darf sich selbst nicht zum Massstab nehmen.
Die Würde des Menschen vor Gott
Übrigens wurde dieses Versetzungsprinzip von Jesus gefordert. Wir kennen es als die goldene Regel: Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern, genau das Versetzungsprinzip.
Wir sollen die Menschen so behandeln, wie wir selber behandelt werden wollen. Und zwar dann, wenn ich an diesem Bürotisch sitze, und nicht nur, wenn ich im Chefbüro sitze. Ich soll denjenigen, der am Bürotisch sitzt oder an der Maschine arbeitet, so behandeln, wie ich selbst behandelt werden wollte, wenn ich an dieser Maschine stehen würde. Das ist das Versetzungsprinzip, das ist die goldene Regel.
Natürlich betrifft das vor allem die Art und Weise, wie man einer Person begegnet. Schwierige Entscheidungen, wie zum Beispiel eine Kündigung, sind für eine Firma oft unumgänglich. Man kann in diesem Zusammenhang also nicht sagen, dass man von diesem Prinzip her nie einen Mitarbeiter kündigen dürfe; das ist ein ganz anderes Thema. Es geht um die Haltung.
Paulus sagt nun in aller Dringlichkeit, warum diese Herren ihre Sklaven respektvoll behandeln sollen. Denkt daran, dass es einen gibt, der sowohl euer Herr ist als auch ihr Herr. Das ist fast auch ein bisschen eine Drohung. Aber es ist nun einmal so.
Paulus spricht hier nicht nur von den Sklaven, die Christen sind. Jeder Sklave, jeder Mitarbeiter ist ein Geschöpf Gottes und verdient es, als solches respektiert zu werden. Paulus spricht also von Menschenwürde. Jeder Mensch hat Würde dadurch, dass er ein Geschöpf Gottes ist.
Elihu sagte einmal zu Hiob: Gott nimmt keine Rücksicht auf die Fürsten, zieht keinen Reichen einem Armen vor, denn alle sind Geschöpfe seiner Hände. Die Unterschiede, die wir machen, kennt Gott nicht. Es beeindruckt ihn nicht, wenn jemand reich ist. Es beeindruckt ihn nicht, wenn jemand viele Mitarbeiter führt. Mächtige Menschen mögen uns beeindrucken, aber nicht Gott.
Mose sagte schon den Israeliten: Der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige, der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk annimmt. Gott ist absolut unbestechlich. Wenn es jemanden gibt, der unbestechlich ist, dann ist es garantiert Gott. Er lässt sich durch nichts und niemanden beeindrucken, außer durch Verhaltensweisen, die ihm Ehre erweisen, aber nicht durch diese Dinge, die uns beeindrucken.
Und diese Ehre erweisen wir Gott gegenüber, wenn wir die Würde des Menschen nicht antasten und den Menschen Respekt erweisen, einfach deshalb, weil sie Geschöpfe Gottes sind, egal welcher Nation sie angehören, egal welchen Beruf sie ausüben.
Paulus führt den mächtigen Herren vor Augen, dass sie nicht tun und lassen können, was ihnen möglich wäre, weil diese Sklaven ihr persönlicher Besitz sind oder, heute, weil die Mitarbeiter vom Vorgesetzten abhängig sind. Man soll diese Macht nicht missbrauchen. Sie werden für ihr Verhalten Rechenschaft ablegen müssen. Denkt daran: Gott ist im Himmel, und er ist ein unbestechlicher Richter. Er wird euer Verhalten beurteilen, und wenn ihr eure Sklaven unmenschlich behandelt habt, dann wird er euch zur Rechenschaft ziehen. Seid euch dessen bewusst.
Im Grundtext heißt es eigentlich: Bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Das ist eine Aussage, die sich eigentlich durch die ganze Schrift hindurchzieht, durch die ganze Bibel.
Damit ist gemeint, dass sich Gott weder durch das Äußerscheinungsbild noch durch die soziale Stellung eines Menschen beeindrucken lässt. Ob ein Bettler, ein einfacher Arbeiter, ein Arzt, ein bekannter Schauspieler oder Sänger oder wer auch immer vor ihm steht, er wird jeden Menschen gleich betrachten. Bei Gott gilt eben das Gleichstellungsprinzip hundertprozentig.
Schlussgedanke und Gebet
Wir sind am Ende unserer Serie „Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen“ angekommen.
Ein Gedanke hat sich aus diesem Abschnitt im Epheserbrief, den wir angeschaut haben, in meinen Augen durchgezogen: Wir sollen darauf achten, dass durch unser Verhalten das Evangelium nicht in Verruf kommt. An unserem Verhalten soll ablesbar sein, dass wir einen gnädigen, barmherzigen und liebenden Gott haben. Wir sollen als Christen so leben, dass Menschen auf Jesus aufmerksam werden können.
Das ist natürlich nicht immer möglich, weil die Botschaft des Evangeliums Menschen verärgern kann. Jesus selbst sagte, dass wir als Christen verfolgt werden können, weil Menschen sich über die Botschaft des Evangeliums ärgern werden. Also nicht, weil sie finden, wir seien tolle Menschen, sondern weil sie finden, wir seien stur, penetrant oder was auch immer, weil wir an Jesus festhalten. Wir werden also Verfolgung, Missachtung und Demütigung erleiden müssen.
Jedoch sollen sich die Menschen nicht zuerst an unserem Verhalten stören können. Deshalb sagt Paulus, der selbst viel Verfolgung erleiden musste und von vielen verleumdet wurde: Wenn es möglich ist, lebt, soweit es an euch liegt, mit allen Menschen in Frieden.
Das ist der Fokus. Ihr müsst also nicht unanständig sein oder euch so benehmen, dass alle sauer auf euch sind und dann einfach sagen: Es ist halt, weil wir Christen sind. Ihr müsst schon unterscheiden, ob es einfach daran liegt, dass ihr euch unanständig benommen habt und die Leute deshalb auf euch losgehen, oder ob sie auch deshalb gegen euch vorgehen, weil sie es nicht ertragen, dass wir Jesus als den einzig wahren Gott sehen, ihm vertrauen und es dann auch noch wagen, das zu sagen.
Wenn es möglich ist, so viel an uns liegt, aber das ist nicht immer möglich. Und das ist auch nicht das höchste Ziel des Paulus. Das höchste Ziel des Paulus war vielmehr, dass möglichst viele Menschen zu Jesus finden, damit sie das ewige Leben bekommen. Dafür lebte Paulus.
Und wie radikal er das lebte, schreibt er den Korinthern so: Ich bin frei und keinem Menschen gegenüber zu irgendetwas verpflichtet. Und doch habe ich mich zum Sklaven aller gemacht, um möglichst viele für Christus zu gewinnen. Ich habe mich deshalb selbst gedemütigt. Es ging mir nicht um meine Selbstverwirklichung, was heute ganz wichtig ist: dass ich mich verwirkliche, dass ich ich selbst bin. Nein, es ging ihm darum, dass die anderen Jesus kennenlernen.
Dafür hat er sich zum Sklaven gemacht. Dafür war er bereit, sich zu verändern. Dafür war er bereit, sich auf andere einzulassen, genauso wie das unsere Missionare in den Ländern tun. Sie sind bereit, die Kultur kennenzulernen und sich in die Kultur zu integrieren, damit sie Zugang zu den Menschen finden.
Das war Paulus bereit zu tun. Für dieses Ziel war er auch bereit, Unannehmlichkeiten zu ertragen. Und er war bereit, obwohl er frei war, sich für dieses Ziel zum Sklaven zu machen.
Ich bete mit uns.
Vater, ich möchte dir danken für das Beispiel, das uns Paulus gegeben hat, gerade in diesem Abschnitt. Auch wenn er es nicht immer direkt gesagt hat, so zeigt es doch, dass es ihm ein Anliegen war, dass wir als Christen wohl anders leben und die ganz wichtigen Prinzipien befolgen. Aber es ging auch darum, dass wir als Christen in der Gesellschaft nicht Anstoß erregen, nicht dass das Evangelium in Verruf kommen könnte, sodass die Möglichkeit besteht, dass Menschen hellhörig werden und vielleicht Jesus nachfolgen.
Ich schenke, dass wir als Gemeinde und auch in unserem persönlichen Leben das unterscheiden können: wo es an uns liegt, dass Friede gehalten wird, damit wir uns so verhalten, dass andere nicht Anstoß nehmen am Evangelium, aber dass wir auch bereit sind, dort, wo sie am Evangelium Anstoß nehmen, das zu ertragen.
Er lasse uns lernen, auch von Paulus, der sich zum Sklaven aller gemacht hat, weil er wollte, dass Menschen gerettet werden. Amen.

