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Das Horn und das Perfekt

Jesu Leben und Lehre, Teil 32/697
19.04.2021Lukas 1,67-69
SERIE - Teil 32 / 697Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 32: Das Horn und das Perfekt

Die überraschende Namensgebung und das erste Wort des stummen Zacharias

Kommen wir zurück zu Elisabeth, Zacharias und dem kleinen Johannes. Vom Setting her befinden wir uns noch am Tag der Beschneidung. Die Nachbarn und die Verwandten sind anwesend, und es ist ein großer Freudentag.

Alles wirkt zunächst halbwegs normal, bis Elisabeth und kurz darauf Zacharias darauf bestehen, ihren Sohn Johannes zu nennen. Dann beginnt Zacharias plötzlich, nach Monaten des Schweigens, wieder zu sprechen.

Das, was er sagt, löst bei seinen Zuhörern Furcht, Nachdenken und Fragen aus. Was hat er gesagt?

In Lukas 1, Verse 67 und 68 heißt es: Zacharias, sein Vater, wurde mit dem Heiligen Geist erfüllt und sprach Weissagung: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat sein Volk angesehen und ihm Erlösung geschaffen.“

Gott ist ein Gott, der sein Volk angesehen und ihm Erlösung geschaffen hat. Das ist eine frohe Botschaft.

Aber über wen spricht Zacharias? Die naheliegende Antwort wäre: „Natürlich über seinen Sohn, über wen denn sonst?“

Das Bild des Horns als Symbol der Kraft und Rettung

Aber lesen wir weiter in Lukas 1, Vers 69: Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Haus Davids, seines Knechtes.

Dieser Begriff „Horn des Heils“ ist leider ziemlich unverständlich. Hörner sind in der Bibel ein Bild für Kraft. Das kommt wahrscheinlich daher, dass es viele starke Tiere mit Hörnern gab – man denke nur an einen Stier.

Hörner sind deshalb in der Bibel ein Symbol für Kraft, politische oder militärische Macht oder allgemein für Könige. Das ist etwas, was man sich merken muss. Denk einfach an einen Wikingerhelm.

Und ein Horn des Heils? Das ist ein Bild für jemanden mit Kraft, der Heil und Rettung bringt – also jemand, bei dem ich Zuflucht finde und der mir helfen kann.

So kann David von Gott singen, in 2. Samuel 22, Vers 3: Mein Gott ist mein Hort, bei dem ich mich berge, mein Schild. Und jetzt kommt: Das Horn meines Heils, meine Festung und meine Zuflucht, mein Retter; vor Gewalttat rettest du mich.

Zacharias formuliert, dass Gott uns ein Horn des Heils aufgerichtet hat im Haus Davids. Gott hat uns einen Retterkönig eingesetzt im Haus Davids.

Die Identität des Horns des Heils und die Herkunft von Johannes

Wer ist damit gemeint, über wen redet Zacharias?

Und wie gesagt, man würde natürlich erwarten, dass er hier über seinen Sohn redet. Aber das kann nicht sein. Warum nicht? Weil wir bereits wissen, dass Zacharias und Elisabeth beide Nachfahren Aarons sind. Sie stammen also aus dem Stamm Levi – nicht aus dem Stamm Juda, zu dem das Haus, also die Dynastie Davids, gehört.

Der kleine Johannes ist nicht das Horn des Heils. Zacharias spricht vielmehr nicht über seinen eigenen Sohn, sondern über den Sohn Marias. Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Haus Davids, seines Knechtes.

Das prophetische Perfekt und die Gewissheit der Verheißung

Etwas anderes fällt hier noch auf. Zacharias sagt, dass Gott uns ein Horn des Heils aufgerichtet hat. Wie kann das sein, wenn Jesus noch nicht einmal geboren war? Müsste er nicht sagen: Gott wird uns ein Horn des Heils aufrichten?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja, so müsste er formulieren, wenn er Deutsch sprechen würde. Aber das tat er nicht. Deshalb möchte ich euch jetzt kurz das sogenannte prophetische Perfekt vorstellen.

Man muss Grammatik nicht lieben, aber es ist wichtig zu verstehen, worum es geht. Wenn man das Alte Testament liest, und Zacharias sowie seine Zeitgenossen gehören noch in diese Epoche, dann haben wir es mit Menschen zu tun, die Aramäisch oder Hebräisch gesprochen haben. Das sind verwandte semitische Sprachen. Das Alte Testament ist fast vollständig auf Hebräisch geschrieben.

Im Deutschen kennen wir unterschiedliche Zeitformen. Ich kann ausdrücken, wann eine Handlung stattfindet: ob sie jetzt in der Gegenwart geschieht, schon in der Vergangenheit stattgefunden hat oder erst noch in der Zukunft passieren wird. Dafür haben wir im Deutschen Zeitformen wie „ich sehe“, „ich sah“ und „ich werde sehen“ – unterschiedliche Formen für dasselbe Verb „sehen“. „Ich sah“ ist Vergangenheit, „ich sehe“ ist Gegenwart, und „ich werde sehen“ ist Zukunft. Das sind Zeitformen.

Nun gilt es, eine Sache zu verstehen: Im Hebräischen gibt es keine Zeitformen, wie wir sie kennen. Man spricht zwar auch im Hebräischen von zwei Zeitformen, aber dabei darf man eigentlich nicht an Zeit denken. Es gibt im Hebräischen nur das Perfekt und das Imperfekt. Mit dem hebräischen Perfekt beziehungsweise Imperfekt beschreibt man nicht, wann eine Handlung geschieht, sondern wie sie geschieht. Das „Wann“ erschließt sich stark aus dem Kontext, aus dem Zusammenhang.

Und jetzt kommen wir zum sogenannten prophetischen Perfekt.

Die Bedeutung des prophetischen Perfekts in biblischen Verheißungen

Propheten wie Zacharias oder zum Beispiel Jesaja verwenden im Hebräischen das Perfekt, um etwas zu beschreiben, das in der Zukunft ganz gewiss geschehen wird. Das Perfekt drückt also im Hebräischen eine zukünftige Handlung aus, die als absolut sicher gilt.

Ich gebe ein Beispiel anhand einer Prophetie über den Messias: Jesaja 53,4 lautet: "Jedoch unsere Leiden hat er getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen." Er hat sie getragen, er hat sie auf sich geladen. Im Deutschen klingt das nach Vergangenheit, eben Perfekt. Zum Beispiel: "Ich habe gefrühstückt." Das ist Perfekt, mit "ich habe". Im Deutschen drückt das Perfekt eine Handlung in der Vergangenheit aus.

Mit dem Satz "Ich habe gefrühstückt" kann ich in der deutschen Sprache nicht ausdrücken, dass ich frühstücken werde. Das ist nicht möglich. Im Hebräischen hingegen funktioniert das anders. Dort sagt das Perfekt nicht zwingend aus, dass etwas in der Vergangenheit passiert ist, sondern dass etwas garantiert passieren wird – sei es, dass es schon geschehen ist oder von Gott versprochen wurde und damit hundertprozentig sicher ist.

So verhält es sich auch bei Jesaja 53,4. Dort steht: "Er hat sie getragen und er hat sie auf sich geladen." Aber wann ist das geschehen? Wann hat der Messias unsere Leiden getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen? Das war zum Zeitpunkt, als Jesaja diese Prophezeiung sprach, noch nicht geschehen. Es sollte erst in der Zukunft passieren, nämlich dann, wenn Jesus seinen Lehrdienst in Galiläa beginnt.

Wir lesen dazu in Matthäus 8,16-17: "Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm, und er trieb die Geister aus mit seinem Wort und heilte alle Leidenden, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten."

Jesaja sagte: "Er hat sie getragen." Im Deutschen klingt das so, als wäre es bereits geschehen. Doch die Erfüllung der Prophezeiung lag damals noch in der Zukunft, nämlich im ersten Jahrhundert. Das ist das prophetische Perfekt.

Ein Prophet spricht im Perfekt, wenn er sagt: "Er hat sie getragen" oder "Er hat sie auf sich geladen." Dabei spricht er über die Zukunft – eine Zukunft, die völlig sicher ist.

Die Gewissheit der Ankunft des Retters im Haus Davids

Noch einmal Lukas 1, Vers 69: Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Haus Davids, seines Knechtes. Gott hatte seinen Retter geschickt.

Auch wenn das Kind zu der Zeit, als Zacharias, der Prophet und Priester, es feiert, erst ungefähr sieben Zentimeter lang ist und etwa dreißig Gramm wiegt – ein kleines Baby im Bauch von Maria –, hat Gott sein Horn des Heils aufgerichtet.

Niemand wird dieses Baby aufhalten, ein Mann und der Retter der Welt zu werden.

Der Retter als Zuflucht für alle Menschen

Gott hat uns ein Horn des Heils, einen Ort der Zuflucht, aufgerichtet. Zu diesem Ort kann jeder Mensch flüchten, der von seiner Sünde gerettet werden und ein Kind Gottes werden möchte.

Der Messias ist zwar noch ganz klein, aber Gott garantiert uns, dass die Verheißungen über ihn erfüllt werden. Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet.

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dem Skript und dem Link zum Vortrag über hebräische Zeitformen folgen und noch einmal darüber nachdenken. Grammatik ist gar nicht so schwer. Ich habe sie übrigens in der Schule auch nicht gemocht.

Das war's für heute. Wenn du die App noch nicht hast, besorge dir doch die Frogwords-App. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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