Einführung: Herausforderungen der heutigen Evangelisation
Willkommen, ich bin Markus, Gründer des überkonfessionellen Bibelfit-Dienstes. Um Christen in der Nachfolge zu stärken, erstellen wir kostenfreie Infomaterialien.
Zieh gern alles aus diesem Video heraus, was du kannst. Vor allem aber werden dir die Infomaterialien auf dieser Website helfen. Diese nehmen sich jeden Tag Menschen an, die neu im Glauben sind, aber auch tausende Menschen, die schon seit Jahrzehnten Jesus nachfolgen.
Das steht alles schon gratis für dich bereit. Dafür kannst du den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz danken – Menschen wie du und ich. Wer außerdem möchte, dass Videos wie dieses hier in unserem Land weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, sollte jetzt auf die Glocke drücken, die hier unten rechts unter diesem Video ist.
Vielen Dank an alle Unterstützer, ob mit der Glocke, mit Geld oder mit Gebet. Es macht einen echten Unterschied, und dieses Video ist für dich.
Kurz gesagt denke ich, wir als Christen in der westlichen Welt müssen unseren ganzen Ansatz überdenken, wie wir das Evangelium weitererzählen. Weißt du, in der Anfangszeit der Christenheit war es undenkbar, dass Christen wie heute leider häufig einfach mit dem gesellschaftlichen Mainstream mitschwimmen und dann hoffen, dass Leute sich irgendwie aus dem Blauen heraus bekehren.
Auch gibt es kein einziges Beispiel aus der frühen Christenheit, wo Christen – ich überspitze es jetzt – auf Verlorene zurennen und ihnen ins Gesicht brüllen: „Jesus liebt dich!“ Beides sind jetzt Überspitzungen, das ist mir klar, aber hinter beidem stecken reale Ansätze, die Gemeinden heutzutage so fahren.
Beides ist komplett unhistorisch, beides ist komplett unbiblisch, und beides funktioniert auch nicht.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es so viele Kirchen- und Gemeindeaustritte. Es gibt so viele Leute, die sogar christlich aufgewachsen sind, von der Kindheit an mit der Bibel umgeben, und die ihren Glauben jetzt dekonstruieren. Selbst in der evangelikalen Welt greifen Irrlehren um sich wie Waldbrände.
Im Kern ist all das ein schlechtes Führungszeugnis für uns – für unser Scheitern und für unser Versagen, das Evangelium weiterzusagen. So, wie viele von uns es bisher gemacht haben, funktioniert es nicht.
Deshalb bin ich immer auf der Suche nach funktionierenden Wegen, wie wir – und auch ich persönlich – es besser machen können. Nach Jahren der Suche habe ich dir letzten Sommer meinen eigenen besten Versuch gegeben, in einem Videobeitrag über die Zehn Gebote und die Lüge vom guten Menschen.
Dieser Beitrag hat anscheinend mehreren Zehntausenden Menschen hier weitergeholfen. Ich habe ihn dir hier unter diesem Video verlinkt.
Notwendigkeit eines gesunden Gegenakzents
So oder so tut es uns als Gemeinden in der westlichen Welt zurzeit gut, einen gesunden Gegenakzent zu entwickeln. Einen gesunden Gegenakzent zu dem unbiblischen Wohlstands- und Wohlführevangelium, von dem wir manchmal denken, die Gesellschaft würde es von uns verlangen.
Ein Mann, der in einer ähnlichen Situation stand, vor ähnlichen Herausforderungen, und vieles sehr klar gesehen hat, ist der Theologe und Pastor Jonathan Edwards. Nach vielen Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Evangelium schrieb er einen Text, den er mehrfach als Predigt vortrug. Diese Predigten hatten einen lebhaften Effekt auf die Menschen. Unter anderem führten sie dazu, dass viele ihr Leben ganz mit Jesus machten.
Bald darauf entstand eine wirkmächtige Erweckungsbewegung, in der genau diese Predigt weit verbreitet wurde und mächtig wirkte. Gott hat diese Predigt gebraucht. Allein deshalb lohnt es sich, dass wir – du und ich – jetzt einen Blick darauf werfen.
Ich habe die Predigt schon mehrfach gelesen und gehört und möchte sie nun mit dir teilen. Während du sie hörst, kannst du zwei Fragen im Hinterkopf behalten: Erstens, warum hat diese Predigt damals so eingeschlagen? Und zweitens, was könnten wir heute daraus mitnehmen?
Schreibe deine Gedanken dazu gerne in die Kommentare – ich freue mich darauf, sie zu lesen.
Kontext und Zielgruppe der Predigt
Zu dieser Predigt solltest du Folgendes wissen: Sie war von Edwards hauptsächlich an Menschen gerichtet, bei denen er nicht davon ausgeht, dass sie wirklich bekehrt sind. Er kann sich nicht darauf verlassen, dass sie es sind.
Das heißt, ähnlich wie in den meisten Kirchen und vielen Gemeinden heutzutage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sind unter den Zuhörern viele Menschen, die noch in ihren Sünden leben. Die meisten von ihnen haben kein ewiges Leben. Sie marschieren direkt auf die Hölle zu.
Diese Predigt ist intensiv und heftig, weil sie die Leute wachrütteln soll. Aber das macht Sinn. Es macht Sinn, sobald du verstanden hast, warum laut Bibel viele Menschen in die Hölle kommen und nur wenige in den Himmel.
Woran genau sich das unterscheidet – ob du in die Hölle oder in den Himmel kommst – habe ich dir hier in der biblischen Jenseitsübersicht genau aufgeführt. Nimm sie dir gerne mit. Das ist der erste Link hier unter diesem Video.
Die Übersicht ist komplett gratis. Schon tausende Menschen vor dir haben sie mitgenommen und arbeiten damit. Sie wird in Schulen, im Religionsunterricht, aber auch auf der Straße verwendet, um Leuten von Jesus weiterzuerzählen.
Nochmal: Das ist der erste Link hier unter dem Video.
Hinweis zur kritischen Auseinandersetzung mit der Predigt
Jetzt zur Predigt von Edwards. Ich sage nicht, dass du und ich jeden einzelnen Satz in dieser Predigt von Edwards blind unterschreiben und abnicken müssen.
Ich persönlich habe in der Predigt mindestens vier Detailaussagen gefunden, die letztlich dem biblischen Befund widersprechen. Ich freue mich, wie gesagt, darauf, deine Kommentare zu lesen, was du denkst, was von Edwards’ Aussagen biblisch gedeckt ist und was weniger.
Noch einmal: Fehlerfreiheit ist nicht der Punkt. Es geht nicht um Perfektion in den Details, sondern um die gesamte Aussage und die Einsichten darin. Ich denke, das lohnt sich zu hören.
Also drückt auf diese Glocke hier unten rechts, und los geht's. Hier ist Jonathan Edwards mit „Die Sünde in den Händen eines zornigen Gottes“.
Die Sünde in den Händen eines zornigen Gottes
Gottes souveräne Macht über das Schicksal der Unbekehrten
Nichts kann die unbekehrten Menschen in irgendeinem Augenblick vor der Hölle bewahren als allein der Wille Gottes. Damit meine ich jenen souveränen, erhabenen Willen, der durch keine Verpflichtungen und durch keine Schwierigkeiten gehindert oder zurückgehalten wird – außer durch sich selbst.
Nichts anderes ist auch nur im Geringsten und in jeder Hinsicht an der Bewahrung der Unbekehrten in jeglichem Moment beteiligt. Die Wahrheit dieser Behauptung wird sich aufgrund der folgenden Überlegungen erweisen.
Erstens: Es fehlt Gott nicht an der Macht, die unbekehrten Menschen in einem beliebigen Moment in die Hölle zu stoßen. Die Kraft der Menschenhände ist dahin, wenn sich Gott erhebt. Die stärksten Menschen können ihm nicht widerstehen, und niemand kann sich aus seiner Hand befreien.
Gott kann nicht nur die unbekehrten Menschen in die Hölle stürzen, es fällt ihm dazu noch sehr leicht. Manchmal hat ein Fürst dieser Erde die größten Schwierigkeiten, einen Aufrührer zu unterwerfen, wenn es diesem gelungen ist, sich mit einem großen Anhang und damit mit einer gewissen Macht in einer Festung zu halten.
Anders bei Gott: Keine Festung bietet den geringsten Schutz gegen seine Macht. Mögen sich die Feinde Gottes die Hände reichen, mögen sie sich in großer Zahl verbünden und einander beistehen – sie werden im Nu zu Scherben zerbrochen. Sie gleichen einem Haufen leichter Spreu vor einem Wirbelwind oder einer Menge Dürrerstoppeln vor einem verzehrenden Feuer.
Es erscheint uns leicht, einen Wurm zu zertreten, der am Boden dahinkriecht, oder einen Faden durchzuschneiden oder entzweit zu brennen, an welchem etwas aufgehängt ist. Ebenso leicht fällt es Gott, seine Feinde in die Hölle zu werfen, wenn es ihm beliebt.
Wer sind wir denn eigentlich, dass wir glauben könnten, vor ihm zu stehen, vor dessen Schelten die Erde erzittert, vor dem die Felsen fallen?
Die Gerechtigkeit Gottes und das Gericht über die Gottlosen
Zweitens: Die Gottlosen verdienen es, in die Hölle geworfen zu werden. Die Gerechtigkeit Gottes steht dem keineswegs im Wege. Sie erhebt keinen Einspruch, wenn Gott seine Macht gebraucht, um Sünder in irgendeinem Augenblick zu verderben. Im Gegenteil, die Gerechtigkeit ruft laut nach einer schonungslosen Bestrafung ihrer Sünden.
Die göttliche Gerechtigkeit sagt von dem Baum, der Früchte wie diejenigen Sodoms hervorbringt: „Haue ihn ab, warum hindert er das Land?“ Das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit wird jeden Moment über ihren Häuptern geschwungen. Nur Gottes souveräne Gnade und sein erhabener Wille halten es noch vor dem vernichtenden Schlag zurück.
Drittens: Das Gerichtsurteil, die Verdammnis zur Hölle, ist schon gefällt. Die Sünder haben es nicht nur verdient, dorthin zu gelangen, sondern gegen sie steht auch der Rechtsspruch im Gesetz Gottes, jener ewige und unumstößliche Rechtsordnung, die Gott zwischen sich und der Menschheit aufgestellt hat. Schon deshalb sind die Sünder jetzt schon für die Hölle bestimmt.
Johannes 3,18: Wer nicht glaubt, der ist schon verdammt. Demnach gehört jeder unbekehrte Mensch jetzt schon der Hölle. Dort ist sein Platz, von dort her stammt er ja.
Johannes 8,23: Ihr seid von unten, und dorthin seid ihr schon unterwegs, nach dem Ort, den die Gerechtigkeit, das Wort Gottes und das Urteil eines unveränderlichen Gesetzes ihm zuweisen.
Der gegenwärtige Zorn Gottes über die Unbekehrten
- Auf den Unbekehrten lastet bereits jetzt derselbe Zorn Gottes, der sich dereinst in den Höllenqualen zeigen wird. Wenn sie nicht im nächsten Moment in die Hölle fahren, liegt das nicht daran, dass Gott, in dessen Macht sie fortwährend stehen, nicht schon jetzt gegen sie erzürnt wäre. Dieser Zorn ist ebenso groß wie gegenüber so vielen unglücklichen Geschöpfen, die jetzt in der Hölle gequält werden und dort den grimmigen Zorn Gottes erfahren und tragen müssen.
Ja, Gott zürnt den vielen noch mehr, die jetzt schon auf der Erde sind. Ohne Zweifel betrifft das sogar etliche, die vielleicht gerade diese Predigt hören und sich dennoch behaglich fühlen. Wenn Gott seine Hand noch zurückhält und sie nicht sofort dahin rafft, liegt das nicht daran, dass er nicht an ihrer Gottlosigkeit dächte oder sich darüber nicht entrüsten würde.
Gott ist kein Wesen wie sie selbst, obwohl sie sich vielleicht einbilden, er sei es. Gottes Zorn ist gegen sie entbrannt, ihre Verdammnis schlummert nicht. Der Abgrund ist zu ihrem Empfang bereit, das Feuer brennt schon, und der Ofen ist glühend heiß. Die Flammen wüten, das glitzernde Schwert ist geschliffen und gezückt, und der Abgrund unter ihnen sperrt sein Maul weit auf.
Der Teufel steht bereit, über sie herzufallen und sie als seine Beute zu ergreifen, sobald Gott es ihm erlauben wird. Sie gehören ihm, denn ihre Seelen sind schon in seinem Besitz und in seiner Gewalt. Die Heilige Schrift zeigt sie uns als seine Habe (Lukas 11). Die Dämonen beobachten sie und sind ihnen fortwährend nahe.
Zu ihrer Rechten warten sie auf ihre Opfer wie gierige Löwen, die ihre Beute schon vor sich sehen und es erwarten, sie zu bekommen. Aber vorläufig werden sie noch zurückgehalten. Wenn Gott die schützende Hand zurückzöge, würden die bösen Geister im nächsten Augenblick sich auf ihre Opfer stürzen.
Die alte Schlange sperrt das Maul nach ihnen auf, und die Hölle hält den Schlund weit offen, um sie aufzufangen. Würde Gott es zulassen, wären sie im Nu verschlungen und verdorben.
Die höllische Natur der sündigen Seele
Sechstens: In den Seelen der Gottlosen herrschen jene höllischen, ererbten Anlagen, die sich ohne Gottes zurückhaltende Hand sofort zu Höllenflammen entzünden würden. Der Grund für die Qualen der Hölle liegt bereits im Wesen des unbekehrten Menschen. Es sind jene Anlagen, die ihn beherrschen und völlig in ihrer Gewalt halten – die Saaten des höllischen Feuers.
Diese Anlagen wirken sich mit aller Macht aus und sind ihrem Wesen nach äußerst leidenschaftlich. Wäre die zurückhaltende Hand Gottes nicht auch über ihnen, würden sie bald hervorbrechen. Sie würden aufflammen, so wie die Verderbtheit und Feindschaft der bereits verlorenen Seelen. Schon jetzt würden sie dieselben Qualen bereiten wie den Verlorenen.
In der Heiligen Schrift werden die Sünder mit dem sturmgepeitschten, aufgewühlten Meer verglichen (Jesaja 57). Vorläufig hält Gott ihre Bosheit noch zurück, wie die Wellen des aufgepeitschten Meeres, indem er sagt: „Bis hierhin sollst du kommen und nicht weiter“ (Hiob 38). Doch wenn Gott seine zähmende Gewalt zurückzöge, würde alles mit fortgerissen.
Die Sünde ist das Verderben und die Not der Seele. Sie ruiniert den Sünder. Wenn Gott ihr keinen Einhalt geböte, müsste sie die Seelen ganz und gar ins Unglück stürzen. Die Verderbtheit des menschlichen Herzens ist maßlos und grenzenlos in ihrer Leidenschaft.
Solange sündige Menschen noch leben, gleicht ihr Leben einem Feuer, das wegen Gottes Einhalt nicht um sich greifen kann. Würde es entfesselt, würde es die ganze Natur in Brand setzen. Da das menschliche Herz ein Fuhl der Sünde ist, würde die Sünde, sobald sie freigelassen wäre, die Seele sofort in einen heißen Backofen oder in einen mit Feuer und Schwefel gefüllten Schmelzofen verwandeln.
Die Unsicherheit des Lebens und die Gefahr des plötzlichen Todes
Dass keine Anzeichen für das Sterben sichtbar sind, bedeutet für den Sünder keineswegs eine vorläufige Sicherheit vor dem Tod. Er mag völlig gesund sein und keine Möglichkeit sehen, durch einen Unfall plötzlich aus dieser Welt scheiden zu müssen. Selbst in seinen äußersten Lebensumständen erkennt er keine Gefahr für sein Leben. Doch all das gewährt ihm keine Sicherheit.
Die vielfältigen und immer wiederkehrenden Erfahrungen auf dieser Welt zeigen vielmehr, dass der Mensch stets am äußersten Rand der Ewigkeit steht. Schon der nächste Schritt kann ihn in eine andere Welt führen. Zahllos und unvorhersehbar sind die unsichtbaren Umstände und Möglichkeiten eines plötzlichen Todes.
Die unbekehrten Menschen wandeln auf einer morschen Decke über dem Abgrund der Hölle. In dieser Decke gibt es unzählige schwache und dazu unsichtbare Stellen. Die Pfeile des Todes können ungesehen um die Mittagszeit daherfliegen, und selbst die schärfsten Augen können sie nicht wahrnehmen.
Gott hat so viele unerforschliche Mittel und Wege, die Sünder aus dieser Welt herauszunehmen und in die Hölle zu stoßen, dass nichts den Anschein erwecken könnte, dabei geschehe ein Wunder oder Gott weiche vom Weg der Vorhersehung ab.
Wenn ein Mensch ins Verderben stürzt, stehen all die verschiedenen Möglichkeiten seines Handelns ganz in seiner Macht und unter seinem Willen. Es kommt dabei nicht darauf an, welche Mittel und Wege im einzelnen Fall gebraucht oder in Betracht gezogen werden.
Die Nutzlosigkeit menschlicher Vorsicht und Bemühungen
Achtens: Jede Vorsicht und alle Sorgen, die den natürlichen Menschen beseelen, ebenso alle Sorgen seiner Mitmenschen bieten ihm nicht die geringste Sicherheit. Sowohl die göttliche Vorhersehung als auch die menschlichen Erfahrungen sprechen dagegen.
Da die dem Menschen eigene Klugheit ihm keine Sicherheit gewährt, ist dies klar und offenkundig. Wäre es anders, müsste man einen Unterschied zwischen den klugen, vorsorglichen Menschen und den anderen Weltleuten erkennen. Doch alle sind gleichermaßen der Gefahr eines frühen und unerwarteten Todes ausgesetzt. Die Tatsache ist: Wie stirbt der Kluge, wie der Narr (vgl. Prediger 2).
Neuntens: Alle Bemühungen und Maßnahmen, die sich Sünder ausdenken, um der Hölle zu entrinnen, helfen ihnen in keinem Augenblick, solange sie Christus ablehnen und damit Sünder bleiben. Fast jeder natürliche Mensch, der etwas von der Hölle vernimmt, bildet sich ein, dass er ihr entrinnen werde.
Er vertraut auf sich selbst zu seiner Sicherheit und schmeichelt sich in seinen Gedanken an das, was er schon geleistet hat, jetzt noch leistet und in Zukunft noch leisten wird. Jeder überlegt sich nach seinem eigenen Sinn, wie er der Verdammnis wohl entgehen könne. Er verlässt sich darauf, dass es ihm gelingen werde und dass seine Pläne nicht scheitern können.
Zwar hat er schon gehört, dass nur wenige der bis jetzt verstorbenen Menschen errettet wurden, dass also der weitaus größere Teil in die Hölle gelangt ist. Aber jeder stellt sich vor, dass seine Pläne und Maßnahmen eben besser seien als diejenigen der schon verlorenen Seelen.
Natürlich möchte er nicht an jenen Ort der ewigen Qual gelangen. Darum nimmt er sich vor, sein Möglichstes zu tun und sein Leben so zu ordnen, dass er noch ein gutes Ende nehmen müsse.
Doch diese törichten Menschenkinder täuschen sich selbst in ihren Plänen und in ihrem Vertrauen auf die eigene Kraft und Klugheit. Sie vertrauen ja nur einem Schatten. Jene vielen, die unter derselben Gnade gelebt hatten und jetzt tot sind, kamen nicht etwa deshalb in die Hölle, weil sie nicht so klug waren wie die jetzt noch Lebenden.
Auch sie hatten geglaubt, ihr Bestes getan zu haben, um dem Verderben zu entrinnen. Wenn wir mit ihnen reden und sie eine nach der anderen fragen könnten, ob sie in ihrem Leben je erwartet hätten, einmal in dieses Elend der Hölle zu geraten, von dem sie ja gehört hatten, so würde jeder antworten: Nein.
Ich hatte ja nie die Absicht, hierher zu kommen. Ich hatte nach meiner Meinung alle Vorsorge getroffen. Ich hoffte, ich hätte alles gut vorbedacht, und meine Pläne müssten gelingen. Ich hatte mir vorgenommen, stets das Ende zu bedenken.
Aber der Tod kam so unerwartet, dass ich auf diesen Moment und auf diese Art und Weise nicht gefasst war. Er kam wie ein Dieb. Der Tod hat mich überlistet. Gottes Zorn war zu schnell für mich.
Oh, diese verfluchte Torheit! Ich hatte mir selbst etwas vorgespielt. Ich hatte mir selbst gefallen in leeren Träumen von meinem Tun im zukünftigen Leben, als ich sagte: „Friede und Sicherheit!“ Und da brach das Verderben über mich herein.
Gottes Verpflichtungen und die Gnade für die Unbekehrten
Gott hat sich durch keine Verheißung verpflichtet, den unbekehrten Menschen auch nur einen Augenblick vor der Hölle zu bewahren. Außerhalb des Gnadenbundes in Christus, in dem alle Verheißungen Ja und Amen sind, hat er weder das ewige Leben noch die Erlösung oder die Bewahrung vor dem ewigen Tod zugesagt.
Die Unbekehrten haben kein Anrecht auf seine Verheißungen, da sie nicht Kinder jenes Gnadenbundes sind. Sie glauben nicht an jene Verheißungen und haben deshalb auch kein Interesse an dem Mittler des Bundes.
Manche behaupten, dass die Verheißungen doch demjenigen Menschen gelten, der ernsthaft sucht und anklopft. Es ist jedoch klar und offensichtlich, dass alle religiösen Bemühungen und alle Gebete des unbekehrten Menschen Gott nicht verpflichten, ihn auch nur einen Moment vor dem Verderben zu bewahren, bevor er an Christus glaubt.
So hält Gott die natürlichen Menschen in seinen Händen über dem Abgrund der Hölle. Sie haben die brennende Hölle verdient und sind bereits dazu verurteilt. Sie haben Gott auf furchtbare Weise herausgefordert. Sein Zorn gegen sie ist so heftig wie gegen diejenigen, die jetzt schon die Vollziehung seines Gerichts erdulden müssen. Sie haben nichts getan, um diesen Zorn zu besänftigen oder zu beseitigen.
Gott ist also nicht durch die geringste Verpflichtung gebunden, sie auch nur einen Moment in Schutz zu nehmen. Der Teufel wartet auf sie, die Hölle sperrt ihren Rachen auf gegen sie, die Flammen umzüngeln sie und möchten sie gern erfassen und verschlingen. Das in ihrem Herzen nur glimmende Feuer ringt danach, auszubrechen.
Sie haben kein Anrecht auf einen Vermittler. Nichts in ihrem Bereich kann ihnen irgendeine Sicherheit bieten. Kurz gesagt, sie haben keinen Ort der Zuflucht, nichts, woran sie sich halten könnten.
Was sie in jenem Augenblick noch bewahrt, ist nur der erhabene Wille Gottes, die unverbindliche, an keine Verpflichtung gebundene Langmut des erzürnten Gottes.
Folgerungen
Ermahnung und Warnung an die Unbekehrten
Möchten doch erweckte, aber noch nicht bekehrte Menschen durch diese Tatsachen sich überzeugen lassen, in welch großer Gefahr sie schweben. Was du hier vernommen hast, trifft für jeden zu, der noch nicht in Christus ist.
Jene Welt des Jammers, der See aus brennendem Schwefel, ist auch unter dir ausgebreitet. Sieh den schrecklichen Abgrund mit den glühenden Flammen des göttlichen Zorns, den weit geöffneten Schlund der Hölle. Du hast nichts Sicheres unter deinen Füßen, nichts, das dich halten könnte. Zwischen dir und der Hölle ist nichts als Luft. Nur die Kraft Gottes und sein Wille können dich beschützen.
Wahrscheinlich siehst du das alles noch nicht ein. Du glaubst, du seist sicher vor der Hölle, aber siehst du nicht Gottes Hand in all dem? Du schaust auf alles andere: auf das Wohlbefinden deines Körpers, auf deine Sorgen um dein Leben und auf die Mittel, die du zu deiner Bewahrung gebrauchen willst. Aber all das bedeutet in Wirklichkeit nichts, wenn Gott seine Hand von dir zurückzieht.
Es wird ebenso wenig deinen Fall aufhalten wie die Luft, in der du schwebst. Deine Sündhaftigkeit macht dich sozusagen so schwer wie Blei, sodass sie dich mit ihrem gewaltigen Gewicht und ihrem starken Druck zur Hölle treiben wird. Wenn Gott dich fallen ließe, würdest du den Boden unter dir verlieren, nur hinunter sinken und dem bodenlosen Abgrund untertauchen.
Deine Gesundheit, deine Sorgfalt und deine Vorsicht, deine besten Maßnahmen und deine eigene Gerechtigkeit wären nicht imstande, dich zu halten und vor der Hölle zu bewahren. So wenig wie ein Spinngewebe einen stürzenden Felsen aufhalten könnte. Ohne den erhabenen Willen Gottes würde dich die Erde keinen Moment länger tragen, denn du bist ihr eine Last.
Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt deinetwegen. Die Geschöpfe sind nicht aus freiem Willen unter deiner Verderbtheit verknächtet. Die Sonne scheint nur gezwungen über dir, da du mit ihrem Licht der Sünde und dem Satan dienst. Die Erde gibt ihren Ertrag nur ungern her, damit du deinen Lüsten frönst. Sie ist auch keine Bühne, auf der deine Sündhaftigkeit ein Schauspiel geben soll.
Die Luft, die du einatmest, dient nur widerwillig dazu, deine Lebensflamme zu unterhalten, während du dein Leben im Dienst der Feinde Gottes verbringst. Gottes Schöpfungen sind gut. Sie sind aber für den Menschen da, damit er sie im Dienste des Schöpfers gebrauche. Sie möchten nicht einem anderen Zweck dienen und stöhnen deshalb, wenn sie missbraucht werden für Zwecke, die ihrer Natur und ihrer Bestimmung widersprechen.
Die Welt würde dich ausspeien ohne die allmächtige Hand Gottes, der sie auf Hoffnung hin unterworfen hat. Die mit einem fürchterlichen Sturm und mit donnergeladenen schwarzen Wolken hängen über deinem Kopf und würden sich sofort über dir entladen, wenn nicht Gottes Hand sie zurückhielte.
Der erhabene Wille Gottes hält den rauen Wind auf, sonst würde er wütend daherbrausen. Dann käme dein Verderben wie ein Wirbelwind, und du wärst gleich der Spreu auf der Dreschtenne im Sommer. Der Zorn Gottes gleicht den großen Wassern, die vorläufig noch eingedämmt sind, aber stets zunehmen und immer höher steigen, bis sie losgelassen werden.
Je länger der Strom eingedämmt bleibt, umso schneller und mächtiger ist sein Lauf, wenn er einmal freigelassen wird. Das Urteil wegen deiner Missetaten ist zwar bis anhin noch nicht vollstreckt worden, die Fluten der Vergeltung sind noch aufgespeichert. Aber inzwischen schwillt deine Schuld beständig an. Von Tag zu Tag häufst du weiter Zorn auf.
Die Wasser steigen beständig und werden immer stärker. Der Wille Gottes hält sie gegen ihren eigenen Willen noch zurück. Sie drücken schwer und möchten durchbrechen. Wenn Gott seine Hand vom Schleusentor zurückzöge, so würde es sich plötzlich öffnen, und die feurigen Fluten des grimmenden Gotteszorns würden mit einer Wut hervorstürzen, die man sich gar nicht vorstellen kann.
Sie kämen über dich mit gewaltiger Wucht. Und wenn deine Kraft zehntausendmal größer wäre, als sie es tatsächlich ist, ja zehntausendmal größer als diejenigen des frechsten und stärksten Teufels, so wäre sie nicht imstande, dieser Flut zu widerstehen oder sie zu ertragen.
Gottes Hand hält den Bogen gespannt, der Pfeil ist an die Sehne gelegt, die Gerechtigkeit zielt auf dein Herz. Nichts als der Wille Gottes, eines Zornes Gottes, der an keine Verheißung oder Verpflichtung gebunden ist, hält den Pfeil zurück.
Ihr alle, die ihr die große Wandlung des Herzens noch nicht erlebt habt, welche die gewaltige Kraft des Geistes Gottes in euren Seelen zu bewirken vermag, ihr alle, die ihr also noch nicht zum zweiten Mal geboren und damit zu neuen Geschöpfen geschaffen seid, die ihr also noch tot seid in euren Sünden und noch nicht in das neue, bisher noch unbekannte Licht und Leben emporgehoben wurdet, ihr alle seid noch in den Händen eines zornigen Gottes.
Euer Lebenswandel mag sich in vielen Beziehungen noch so sehr gebessert haben, ihr mögt religiöse Neigungen haben und in euren Familien wie im Kämmerlein und im Hause Gottes eine gewisse Form der Religion pflegen. Es ist dennoch nur sein bloßer Wille, der euch in diesem Moment davor bewahrt, vom ewigen Verderben verschlungen zu werden.
Ihr mögt euch noch so sehr gegen diese Wahrheit sträuben, die ihr hier vernehmt. Bald werdet ihr dennoch davon überzeugt sein. Diejenigen, die euch in diesem Zustand vorausgegangen sind, sehen es nun ein, wie es in Wahrheit um sie bestellt war.
Das Verderben kam plötzlich über die meisten von ihnen, da sie noch nichts ahnten und sagten: Friede und Sicherheit. Erst jetzt erkennen sie, dass all das, wovon sie sich den Frieden und die Sicherheit versprachen, nichts war als dünne Luft und leerer Schein.
Gott, der euch noch über dem Abgrund der Hölle hält. Gerade so, wie etwa eine Spinne oder ein abscheuliches Insekt über dem Feuer gehalten wird, dieser Gott verabscheut euch und ist schrecklich erzürnt. Sein Zorn gegen euch brennt wie Feuer.
Er betrachtet euch als Leute, die nichts anderes verdient haben als in den feurigen Pfuhl geworfen zu werden. Seine Augen sind zu rein, als dass sie euren Anblick ertragen könnten. Ihr seid in seinen Augen zehntausendmal scheußlicher als die garstigste Giftschlange in den Unserigen.
Ihr habt ihn unendlich tiefer beleidigt als irgendein widerspenziger Rebell seinen Herrscher. Und trotz alledem bewahrt euch seine Hand noch jeden Moment vor dem Sturz ins Feuer.
Nur dieser Bewahrung in seinen Händen hast du es zu verdanken, wenn du in der letzten Nacht noch nicht zur Hölle gefahren bist, wenn du heute Morgen noch auf dieser Welt erwachen durftest, nachdem du gestern Abend die Augen zum Schlaf geschlossen hattest.
Und wenn du, seit du heute Morgen aufgestanden bist, noch nicht zur Hölle gefahren bist, so liegt es einzig und allein daran, dass Gott dich noch gehalten hat. Nichts als sein Erbarmen erlaubt dir, jetzt diese Predigt zu hören.
Es gibt auch keinen anderen Grund dafür, dass du nicht gerade in diesem Moment in die Hölle gerätst, o Sünder. Bedenke doch die schreckliche Gefahr, in der du schwebst.
Gottes Hände halten dich immer noch über dem großen Feuerofen seines Zorns, über dem weiten und bodenlosen Schlund, der mit Feuer gefüllt ist. Sein Zorn, den du herausgefordert hast, ist gegen dich ebenso heftig entbrannt wie gegen die vielen Sünder, die schon in der Hölle sind.
Du hängst an einem dünnen Faden, um den die Flammen des göttlichen Zorns züngeln, in jedem Moment bereit, ihn in zwei zu brennen. Dann hast du keinen Anspruch mehr auf einen Mittler, dann hast du nichts mehr, woran du dich zu deiner Errettung halten könntest.
Nichts kann dich von den Flammen des Zorns festhalten, nichts in dir selbst, nichts von dem, was du getan hast oder tun kannst, wird Gott dazu bewegen, dich nur einen Augenblick zu verschonen.
Die unermessliche Macht und der Zorn Gottes
Und nun bedenke noch im Besonderen erstens, wessen Zorn es ist. Es ist der Zorn Gottes, des Unendlichen. Wäre es nur der Zorn eines Menschen, selbst des mächtigsten Herrschers, so hätte er verhältnismäßig wenig zu bedeuten.
Man fürchtet sich zwar sehr vor dem Zorn der Könige, besonders der unumschränkt regierenden Monarchen, die ganz willkürlich über das Eigentum, ja über das Leben ihrer Untertanen gebieten. Sprüche 20 sagt: „Des Königs Schrecken ist wie das Knurren eines jungen Löwen. Wer ihn gegen sich aufbringt, verwirkt sein Leben.“ Der Untertan eines despotischen Fürsten, der diesen in Wut bringt, steht in Gefahr, die schwersten Qualen zu erleiden, welche ein Mensch nur erfinden und in seiner Macht auferlegen kann.
Aber die größten Machthaber dieser Erde sind in ihrer höchsten Majestät und Gewalt, in ihrem höchsten Schrecken, nur schwache, verächtliche Würmer im Staub, wenn man sie mit dem großen, allmächtigen Schöpfer und König des Himmels und der Erde vergleicht. In ihrer höchsten Wut können sie nur wenig ausrichten, wenn sich ihre Raserei austobt.
Vor Gott sind alle Könige der Erde wie Heuschrecken, ja, sie sind weniger als nichts. Ihre Gunst und ihr Hass sind gleich verächtlich. Der Zorn des großen Königs der Könige übersteigt den ihrigen ebenso weit, wie seine Majestät über die ihrigen erhaben ist.
Lukas 12 sagt: „Ich sage euch aber meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, danach aber nichts weiter zu tun vermögen. Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen. Ja, sage ich euch, diesen fürchtet.“
Zweitens: Dem Grimm seines Zornes seid ihr nicht preisgegeben. Die Heilige Schrift spricht oft von seinem heftigen Zorn. Jesaja 59 sagt: „Nach den Taten wird er vergelten, Grimm seinen Widersachern.“ Jesaja 66: „Denn siehe, der Herr wird kommen im Feuer, und seine Wagen sind wie ein Wetter, so dass er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen.“ Und so finden wir noch an vielen anderen Stellen ähnliche Aussagen, zum Beispiel in Offenbarung 19 von der Kälte des Weines des Grimmes Gottes des Allmächtigen.
Diese Worte sind äußerst schrecklich. Wenn nur gesagt würde: „Der Zorn Gottes“, so würden diese Worte schon etwas Furchtbares enthalten. Es heißt aber der grimmige Zorn Gottes, die unerbittliche Heftigkeit Gottes, der Grimm des Herrn. Oh, wie schrecklich muss das sein! Wer kann fassen und ausdrücken, was solche Ausdrücke besagen?
Es heißt aber auch: der Grimm und Zorn des allmächtigen Gottes. Damit soll wohl seine Allgewalt auch in den vom Grimm seines Zornes auferlegten Vergeltungen offenbar werden, in denen seine Allmacht zur unerbittlichen Heftigkeit gereizt und durch die Strafe ausgeübt wird, wie etwa die Menschen ihre Kraft in einem grimmigen Zorn gebrauchen.
Oh, was werden die Folgen sein! Was soll aus dem armen Wurm werden, der all das erleiden muss? Wessen Hände sind stark genug, dieses Urteil abzuwenden, und wessen Herz vermag es, all das zu ertragen? In welch unaussprechliche und unfassbare Tiefe des Elends muss das arme Geschöpf versinken, das dem allen ausgeliefert wird?
Bedenke, der du noch nicht wiedergeboren bist: Wenn Gott seinen grimmigen Zorn ausüben wird, so heißt das, dass er ihn ohne Erbarmen auferlegt. Wenn er deine unbeschreibliche Not und deine Qualen sieht, die weit über deine Kräfte gehen, wenn er sieht, wie deine Seele zermalmt wird und in unendlicher Dunkelheit versinkt, so wird er kein Mitleid mit ihr haben.
Er wird von der Ausübung seines Zornes nicht ablassen, noch den Druck seiner Hand im Geringsten erleichtern. Er kennt keine Mäßigung und keine Gnade. Gott wird seinen rauen Wind nicht aufhalten und auf dein Wohlergehen keine Rücksicht nehmen. Er wird höchstens davor sorgen, dass du nicht mehr zu erdulden hast, als es die strenge Gerechtigkeit erfordert, aber nichts soll deshalb zurückgehalten werden, weil du es nicht aushalten kannst.
Hesekiel 8 sagt: „So will ich auch handeln in meinem Grimm, mein Auge soll nicht schonen, und ich werde mich nicht erbarmen. Und rufen sie auch vor meinen Ohren mit lauter Stimme, so werde ich sie doch nicht hören.“
Jetzt ist noch die Zeit, da Gott geneigt ist, sich deiner zu erbarmen. Jetzt ist noch der Tag der Gnade. Jetzt darfst du noch schreien, mit einiger Zuversicht Gnade zu erlangen. Aber wenn dereinst die Zeit der Gnade vorüber ist, so werden deine höchst kläglichen und schmerzlichen Schreie umsonst sein.
Du bist gänzlich verloren, von Gott verworfen, ohne die geringste Schonung. Gott hat weiter nichts mehr mit dir zu tun, als dass er dich dein Elend erdulden lässt. Dein Leben hat keinen anderen Zweck, kein anderes Ziel mehr, denn du bist ein Gefäß des Zorns, nur noch zum Verderben tauglich, nur noch dazu da, bis zum Rand mit dem göttlichen Zorn gefüllt zu werden.
Gott ist vom Erbarmen so weit entfernt, dass er, wenn du zu ihm schreien wirst, nur noch lachen und spotten wird, wie es in Sprüche 1 heißt: „Weil ich gerufen und ihr euch geweigert habt, meine Hand ausgestreckt und niemand aufgemerkt hat, so werde ich bei eurem Unlück lachen, werde spotten, wenn euer Schrecken kommt wie ein Unwetter und euer Unglück hereinbricht wie ein Sturm, wenn Bedrängnis und Angst über euch kommen. Dann werden sie zu mir rufen, und ich werde nicht antworten; sie werden mich eifrig suchen und mich nicht finden. Darum, dass sie Erkenntnis gehasst und die Furcht des Herrn nicht erwählt, nicht eingewilligt haben in meinen Rat, verschmäht all meine Zucht. Und sie werden essen von der Frucht ihres Weges und von ihren Ratschlägen sich sättigen, denn ihre Abtrünnigkeit bringt die Einfältigen um, und die Sorglosigkeit richtet die Toren zugrunde.“
Wie schrecklich sind diese Worte des großen Gottes! Jesaja 63 sagt: „Ich habe die Kälte allein getreten, und von den Völkern war niemand bei mir; und ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimm, und der Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand.“
Es ist wohl unmöglich, Worte zu finden, welche diese drei Tatsachen der Verachtung, des Hasses und der grimmigen Entrüstung noch stärker offenbaren. Du magst noch so laut zu Gott schreien, er möge sich deiner erbarmen, er ist so weit davon entfernt, dich in deinem traurigen Falle zu bemitleiden oder dir die geringste Belohnung oder Gunst zu erweisen, dass er dich stattdessen unter seinen Füßen zertreten wird.
Er weiß zwar, dass du die Schwere seiner Allgewalt, mit der er auf dich tritt, nicht ertragen kannst. Dennoch nimmt er keine Rücksicht, sondern wird dich unter seinen Füßen zermalmen, so dass dein Blut herausspritzt und sein Kleid besprengt und ganz befleckt wird.
Er wird dich nicht nur hassen, sondern auch aufs Äußerste verachten. Keinen Platz hält er für geeigneter für dich als den unter seinen Füßen, damit er auf dir herumtrete wie auf dem Straßenkohl.
Gottes Zorn als Ausdruck seiner Gerechtigkeit und Majestät
Drittens will dir Gott das Elend, dem du preisgegeben bist, als Strafe auferlegen, um dir seinen Zorn deutlich zu zeigen. Es liegt ihm sehr am Herzen, den Engeln und den Menschen sowohl seine unendliche Liebe als auch seinen schrecklichen Zorn zu offenbaren.
Die Könige dieser Erde sind manchmal geneigt, an denen, die sie herausfordern, ihren Zorn in fürchterlichen Strafen auszulassen. Nebukadnezar, der mächtige und stolze Herrscher über das babylonische Reich, wollte seinen Zorn gegen Sadrach, Mesach und Abednego beweisen, die ihn wütend gemacht hatten. Er gab den Befehl, dass der feurige Ofen noch zehnmal heißer gemacht werde als sonst. Damit hatte menschliches Vermögen jedenfalls den höchsten Grad des Krimis erreicht.
Ebenso sehr will der große Gott in den furchtbaren Leiden seiner Feinde seinen Zorn zeigen und seine schreckliche Majestät sowie seine gewaltige Macht verherrlichen.
Was aber, wenn Gott willens ist, seinen Zorn zu erzeigen und seine Macht kundzutun, und dabei mit vieler Langmut die Gefäße seines Zorns erträgt, die zum Verderben bereitet sind? Da er nun entschlossen ist, sein Vorhaben durchzuführen, nämlich zu erweisen, wie schrecklich der reine, ungehemmte Zorn und der Grimm des Herrn sind, wird er es auch mit voller Wirkung tun. Es wird sich etwas erfüllen in seinem Geschehen, das schon für einen bloßen Augenzeugen schrecklich sein muss.
Wenn der große und erzürnte Gott sich erhoben hat und seine schreckliche Vergeltung am armen Sünder übt, wenn dann der Unlückliche die unermessliche Wucht seiner Entrüstung tatsächlich erdulden muss, wird Gott das ganze Weltall zusammenrufen, damit es seine ehrfurchtgebietende Majestät und seine gewaltige Macht sehen kann, wie sie sich nun an diesem Sünder erweisen.
Jesaja sagt: „Wie abgehauene Dornen, die im Feuer verbrannt werden, hört ihr, die ihr noch fern seid, was ich getan habe, und ihr, die ihr nahe seid, erkennt meine Macht. Die Sünder in Zion sind erschrocken, und Beben hat die Heule ergriffen. Wer von uns kann weilen bei ewigem Gluten?“ (Jesaja 33,12-14).
So wird es auch euch ergehen, die ihr noch nicht bekehrt seid und in diesem Zustand verbleibt. Die unendliche Macht und Majestät, die Schrecklichkeit des allmächtigen Gottes, wird gerade in der unermesslichen Kraft eurer Qualen zur Verherrlichung gelangen.
Ihr werdet in der Gegenwart der heiligen Engel und des Lammes gepeinigt werden. Wenn ihr in dieser Lage seid, werden die glorreichen Himmelsbewohner hervortreten und dieses fürchterliche Schauspiel betrachten, damit sie sehen können, was der grimmige Zorn des Allmächtigen vermag. Haben sie es gesehen, werden sie niederfallen und seine große Macht und Majestät anbeten.
Und ich hörte den Engel sagen: „Herr, du bist gerecht, der da ist und der da war und heilig, dass du solches geurteilt hast. Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht.“ (Offenbarung 16,5-7).
Die Ewigkeit der Strafe
Viertens: Es ist der ewige Zorn. Wäre es nicht schon schrecklich, diesen Zorn nur einen Moment erleiden zu müssen? Ihr müsst ihn aber in alle Ewigkeit erdulden. Dieses äußerst schreckliche Elend hat niemals ein Ende.
Wenn ihr in die Zukunft schaut, so werdet ihr auf immer eine lange, endlose Dauer vor euch sehen, die eure Gedanken verschlingt, sodass eure Seelen in Entsetzen geraten. Ihr werdet jede Hoffnung auf Errettung aufgeben und niemals zur Ruhe kommen. Auch wird nicht die geringste Milderung eintreten. Ihr werdet die Gewissheit bekommen, dass ihr euch durch lange Zeiten hindurch, ja während Millionen von Millionen von Zeitaltern, in vergeblichen Ringen im Kampf mit dieser erbarmungslosen Vergeltung fortwährend erschöpfen müsst.
Wenn das vorüber ist, wenn ihr tatsächlich viele Zeitalter auf diese Weise verbracht habt, so werdet ihr erst erkennen, dass all das nur ein Augenblick war im Vergleich zu dem, was noch kommen wird. So wird also eure Strafe ohne Ende sein.
Dass sich der Zustand einer solchen Seele ausdrücken ließe, alles, was wir überhaupt darüber sagen können, gibt doch nur eine sehr schwache, blasse Vorstellung. Die Wirklichkeit lässt sich nicht ausdenken und nicht ausdrücken. Denn wer kennt die Macht des Zornes Gottes? Wie fürchterlich ist die Lage derer, die täglich und stündlich in der Gefahr dieses großen Zornes und dieses immerwährenden Jammers stehen!
So steht es aber mit jeder Seele, die nicht wiedergeboren ist. Sie mag sonst noch so tugendhaft und streng gegenüber sich selbst sein, noch so ehrbar und religiös. Oh, dass ihr das doch bedenken möchtet, ihr Jungen und ihr Alten!
Ich befürchte, dass viele, welche gerade jetzt diese Worte hören oder nachhören werden, die das Evangelium schon gehört haben, tatsächlich noch diesem endlosen Verderben anheimfallen können. Wir wissen nicht, wer sie sind und was für Gedanken sie nun bewegen. Vielleicht sind sie noch ganz sorglos und vernehmen all das ohne große Beunruhigung. Sie bilden sich vielleicht ein, sie gehören nicht zu diesen Leuten und sind der festen Hoffnung, dass sie der Strafe entrinnen werden.
Wenn wir jemanden wüssten, der so denkt und dennoch jenem Elend preisgegeben wäre, wie schrecklich wäre es, nur daran zu denken! Wenn wir ihn uns vorstellen, was für ein furchtbarer Anblick wäre das! Und wäre es nur einer, was für ein jammervolles und bitteres Wehklagen müsste jeder Christ über ihn erheben! Aber ach: Nicht nur einer, sondern gar viele werden es wahrscheinlich sein, die erst in der Hölle sich an diese furchtbar ernsten Ermahnungen erinnern werden.
Einige mögen schon bald dort sein, vielleicht bevor dieses Jahr zu Ende geht. Und es wäre kein Wunder, wenn einige Hörer, die sich jetzt gesund und heiter und sicher fühlen, schon vor dem nächsten Morgen dorthin gelangen. Diejenigen von euch, die endgültig in ihrem angeborenen Zustand beharren und noch am längsten vor der Hölle bewahrt bleiben, werden dennoch innerhalb kurzer Zeit dort sein. Eure Verdammnis schlummert nicht, sie wird schnell und mit aller Wahrscheinlichkeit ganz plötzlich über euch kommen.
Ihr habt allen Grund, euch zu verwundern, dass ihr nicht schon in der Hölle seid. So ist es ohne Zweifel schon einigen ergangen, die ihr persönlich gekannt habt. Sie haben die Hölle keineswegs eher verdient als ihr, und es hatte allen Anschein, sie müssten jetzt noch unter den Lebenden sein wie ihr. Aber für sie ist alle Hoffnung dahin, sie schreien in höchster Not und Verzweiflung. Ihr aber seid noch am Leben, wohl versehen mit Bibeln und Sonntagen, mit Dienern am Wort, und habt noch die Möglichkeit, Errettung zu erlangen.
Was gäben jene armen, hoffnungslosen Seelen in ihrer Verdammnis für die Gelegenheit eines einzigen Tages, die euch noch fortwährend offensteht! Jetzt habt ihr noch die nicht wiederkehrende Möglichkeit, einen Tag, da Christus das Tor der Gnade weit geöffnet hält. Dort steht er und ruft mit lauter Stimme diesen Tag aus für die armen Sünder.
Viele strömen ihm zu und drängen sich ins Reich Gottes. Täglich kommen viele aus Ost und West, aus Nord und Süd. Viele, die eben noch in der gleichen elenden Lage waren, wie ihr es noch seid, sind jetzt glücklich. Ihr Herz ist voll Liebe zu ihm, der sie geliebt und in seinem Blute gewaschen hat von ihren Sünden. Sie freuen sich in der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Und wie schrecklich ist es, an jenem Tage zurückbleiben zu müssen, zu sehen, wie so viele andere ein Fest feiern, während ihr im Verderben schmachtet! Diese große Freude zu sehen und den Gesang der jubelnden Herzen zu hören, während ihr allen Grund habt, vor Herzeleid zu trauern und vor Qual des Geistes zu heulen. Wie könnt ihr in eurer Lage nur einen Moment ruhig bleiben?
Sind eure Seelen nicht ebenso kostbar wie diejenigen, die jetzt von Tag zu Tag Christus zuströmen? Sind nicht viele unter euch, die schon lange auf dieser Erde gelebt haben und dennoch bis auf den heutigen Tag nicht wiedergeboren und immer noch dem himmlischen Bürgerrecht entfremdet sind, die in ihrem ganzen Leben noch nichts getan haben außer der Häufung des Zorns auf den Tag der Vergeltung? O ihr armen Menschen! Eure Lage ist in besonderer Weise außerordentlich gefährlich. Eure Schuld und Herzensverhärtung sind gewaltig groß.
Seht ihr nicht, wie Leute eures Alters meistens von der Gnade Gottes übergegangen und aufgegeben werden? Ihr hättet es besonders nötig, aus eurem Schlafe gehörig zu erwachen. Ihr werdet den Grimm und den Zorn des unendlichen Gottes nicht ertragen, ihr jungen Männer und Frauen!
Wollt ihr diese kostbare Zeit versäumen, die ihr noch genießt, wenn so viele eures Alters auf alle Eitelkeiten der Jugend verzichten und Jesus zuströmen? Ihr habt noch eine besondere Gelegenheit. Wenn ihr sie aber nicht ausnutzt, so wird es euch ergehen wie all den jungen Leuten, die die kostbaren Tage der Jugend in der Sünde verbrachten und jetzt in eine schreckliche Verhärtung und Verblendung geraten sind.
Und ihr Kinder, die ihr noch nicht bekehrt seid: Wisst ihr nicht, dass ihr auf dem Weg zur Hölle seid, um dort den schrecklichen Zorn dieses Gottes zu erleiden, der euch Tag und Nacht zürnt? Wollt ihr euch damit zufrieden geben, Kinder des Teufels zu sein, während so viele Kinder im Land herum bekehrt sind und geheiligte und glückliche Kinder des Königs der Könige werden?
Jeder, der noch außerhalb Christi steht und über dem Abgrund der Hölle schwebt – seien es alte Männer und Frauen, Leute mittleren Alters oder Kinder – möge auf den lauten Ruf Gottes und seiner Vorsehung horchen!
Dieses wohlgefällige Jahr des Herrn, ein Tag der großen Gnade für die einen, wird ebenso sehr ein Tag der besonderen Vergeltung für die anderen sein. Die Herzen der Menschen verhärten sich, und ihre Schuld wächst rasch an in dieser Zeit, da sie ihr Seelenheil versäumen. Noch nie hat es eine Zeit gegeben, da so viel Hilfe angeboten wurde für die Rettung der Seelen.
Und wenn ihr sie verschmäht, so werdet ihr dereinst den Tag eurer Geburt verfluchen. Auch jetzt noch gelten ohne Zweifel die Worte Johannes des Täufers: Die Axt ist an die Wurzel der Bäume gelegt, und jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
So möge denn jeder, der noch außerhalb Christi steht, jetzt aufwachen und vor dem kommenden Zorn fliehen! Der Zorn des allmächtigen Gottes ist ohne Zweifel über jeden nicht wiedergeborenen Sünder verhängt. Jeder möge aus Sodom fliehen! Deshalb eile und rette deine Seele!
