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Die Heilung zweier Blinder – Teil 4

Jesu Leben und Lehre, Teil 662/693
09.01.2026
SERIE - Teil 662 / 693Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist

Episode 662: Die Heilung zweier Blinder, Teil vier

Der Beginn der Rettung: Vertrauen auf Jesus als Messias

Wir betrachten am Beispiel eines blinden Bettlers in Jericho, wie ein Mensch bei Gott Rettung findet. Alles beginnt damit, dass jemand etwas über Jesus weiß – genug, um ihm vertrauen zu können. So hält Bartimäus Jesus für den Messias, den Sohn Davids.

Im jüdischen Verständnis ist der Messias nicht nur ein König, sondern auch derjenige, der die Augen der Blinden öffnet. Jesaja 42,6-7 sagt: „Ich, der Herr, habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen, um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker herauszuführen und die in der Finsternis sitzen, aus dem Gefängnis zu befreien.“

In Jesaja 35,4-5 heißt es: „Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, da ist euer Gott. Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet.“

Vielleicht verstehen wir nun besser, warum Bartimäus ruft: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“ Er sieht in diesem Mann aus Nazareth den Messias und glaubt daran, dass der Messias blinde Bettler sehend machen kann.

Glaube als Fundament der Rettung

Errettung beginnt mit der inneren Überzeugung, dass Jesus mich retten kann. Meine Überzeugung fußt dabei auf dem, was ich verstanden habe. Oder anders ausgedrückt: Glaube braucht ein Fundament aus Wissen.

Dieses Wissen muss nicht umfassend sein. Es kann Lücken aufweisen, vielleicht sogar Fehler enthalten. Wir dürfen bei Bartimäus davon ausgehen, dass seine Vorstellung vom Messias typisch jüdisch und damit sehr politisch geprägt war. Zum Glück hat Gott kein Problem mit Wissenslücken; alle Erkenntnis ist Stückwerk. Trotzdem erwächst rettender Glaube aus meinem bruchstückhaften Wissen über Gott.

Erst wenn ich aufgrund meines Wissens davon überzeugt bin, dass ich Jesus brauche und dass Jesus mich retten kann, werde ich ihn auch darum bitten, mich zu erlösen.

Wissen ist auch deshalb wichtig, weil Rettung konkrete Folgen für mein Leben hat. Rettung ist immer eine Rettung hinein in das Reich Gottes und in die Gemeinschaft der Heiligen. Dies werden wir im Ansatz auch bei den blinden Bettlern in Jericho sehen. Sie bleiben nach ihrer Rettung nämlich nicht sitzen, sondern folgen Jesus nach.

Heilung und Nachfolge als Ausdruck der Rettung

 Matthäus 20,34: Jesus aber, innerlich bewegt, berührte ihre Augen. Sogleich wurden sie wieder sehend und folgten ihm nach.

 Markus 10,52: Jesus sprach zu ihm: „Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt.“ Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm auf dem Weg nach.

Heilung beziehungsweise Bekehrung ist also immer eine Hinwendung zur Nachfolge. Es bedeutet, heraus aus dem Machtbereich des Teufels und hinein unter die Herrschaft des Messiaskönigs zu treten.

Bartimäus kann dieses Prinzip natürlich nur veranschaulichen. Seine Heilung ist ein Bild für das, was in Vollendung noch vor den Jüngern und auch vor Bartimäus liegt.

Kritik an der Vorstellung der späten Bekehrung

Vor kurzem hat der Cartoonist Scott Adams in einem Interview seinen Wunsch geäußert, sich irgendwann kurz vor seinem Tod zu bekehren. Was ist von einem solchen Denken zu halten?

Er sagt: „Ich lebe jetzt mein Leben so, wie es mir gefällt, und dann auf dem Sterbebett werde ich Christ.“ Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich sehe hier einen Kategorienfehler. Glaube wird hier durch Berechnung ersetzt. Wer so denkt, geht eigentlich davon aus, dass nach dem Tod alles vorbei ist.

Weil er jedoch nicht sicher ist, ob seine christlichen Freunde vielleicht doch Recht haben könnten, nimmt er lieber im letzten Moment den Himmel noch mit. Man weiß ja nie.

Können Sie den Fehler in diesem Denken erkennen? Dabei ist das Argument an sich nicht schlecht. Es wird auch als Pascals Wette bezeichnet.

Pascals Wette: Chancen und Grenzen

Pascals Wette besagt vereinfacht: Wenn Gott existiert und ich glaube, gewinne ich alles. Wenn er nicht existiert und ich glaube, verliere ich wenig. Glaube ich aber nicht und Gott existiert, verliere ich alles.

Rein rechnerisch ist es also vernünftiger, an Gott zu glauben. Als ein apologetisches Minimalargument ist Pascals Wette durchaus legitim. Sie zeigt, dass Unglaube kein rational neutraler Zustand ist, sondern ebenfalls ein Risiko beinhaltet.

Trotzdem ist Vorsicht geboten! Pascals Wette ist nur ein pragmatisches Modell, um eine Entscheidung zu treffen. Sie stellt eine Kosten-Nutzen-Abwägung dar und hat nichts mit innerer Überzeugung zu tun.

Hier fehlen Aspekte wie die Faszination für Jesus, das Verständnis für die eigene Blindheit oder der aufrichtige Wunsch, gerettet zu werden.

Die Grenzen eines rein pragmatischen Glaubens

Wer sagt: „Ich glaube später mal, vorsichtshalber“, setzt zwei Dinge voraus.

Erstens geht er davon aus, dass Glaube jederzeit abrufbar ist. Etwas, worüber ich beliebig verfügen kann – unabhängig von meiner Herzenshaltung, meinem Wissen oder der Überführung meines Gewissens durch den Heiligen Geist.

Bekehrung ist jedoch viel mehr als eine bloße Willensentscheidung. Eine Bekehrung mag aus einem Satz bestehen, wie „Gott, sei mir dem Sünder gnädig“, und gleichzeitig ist sie so komplex, wie der Mensch selbst komplex ist. Sie braucht Überzeugung, Vertrauen und Sehnsucht.

Zudem ist sie ein geistlicher Prozess, den der Mensch nicht vollständig kontrolliert. Deshalb kann es im Leben eines Menschen, noch vor seinem Tod, auch ein zu spät geben.

Zweitens setzt er voraus, dass Jesus nur ein Notfallplan ist, aber nicht Herr seines Lebens. Die Ewigkeit ist jedoch für diejenigen, die Gott lieben – nicht für solche, die sich nicht um ihn scheren und sich nur im letzten Moment an ihn erinnern.

Die Gefahr, Jesus als Notlösung zu sehen

Vielleicht habt ihr auch eine Saugglocke zu Hause, so einen Nöllepömpel, den man nur rauskramt, wenn der Abfluss verstopft ist. Ansonsten darf er in irgendeiner Kellerecke vor sich hingammeln.

Wer sich auf dem Sterbebett bekehren will, macht Jesus zu so einem Pömpel. Uninteressant, bis es ans Sterben geht. Meine Meinung? Das wird so gut wie nie funktionieren.

Merkt ihr, der Schritt des Glaubens wird hier mit einer Unterschrift unter eine Versicherungspolice für den Himmel gleichgesetzt. Glaube wird funktionalisiert und instrumentalisiert.

Pascals Wette kann zum Nachdenken anstoßen, das will ich gerne glauben. Sie kann auf vereinfachte Weise zeigen, dass der christliche Glaube rational verantwortbar ist. Sie kann aber keinen rettenden Glauben hervorbringen.

Der entsteht, soweit ich das sehe, aus der Einsicht in die eigene Hilfsbedürftigkeit und aus der Beschäftigung mit der Person Jesu.

Glaube als Herzensanliegen und existenzielle Hingabe

Warum dieser Exkurs zu Scott Adams und der pascalschen Wette?

Weil ich zeigen möchte, dass Glaube kein bloßer Deal ist, sondern ein Herzensanliegen. Der Moment der Bekehrung ist kein Augenblick der größten Berechnung, sondern existenzielle Hingabe an einen Gott, der für mich gestorben und auferstanden ist.

So formuliert es Paulus folgerichtig in Römer 10,9: Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden.

Abschluss und Segenswünsche

Was könntest du jetzt tun? Bete deine Gebetsliste für Ungläubige durch, die du gestern erstellt hast. Erweitere sie um ein oder zwei Personen. Das war es für heute.

Suchst du moderne Literatur, um Glaubensfragen zu beantworten? Dann schau doch einmal beim Verlag Tenet im Internet unter tenet.eu vorbei. Und nein, ich erhalte keine Provision.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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