Serie•Teil 5 / 7E21 Regionalkonferenz Ost 2018
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und thematische Verortung
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und dafür, dass ihr bereit seid, das Seminar mitzumachen. Das Thema ist Jüngerschaft, oder auch das Ausbildungsprinzip der Bibel.
Die Konferenz geht ja dem Thema nach, wie das Wort entfesselt sein kann, wie es in der Gemeinde aktiv sein kann. Wir haben vorhin viel über Auslegungspredigt gehört, dass das ein zentraler Bestandteil ist. Ein anderer Bestandteil ist aber auch, das Wort in Einzelbeziehungen zu lehren. Und das hat mit dem Thema Jüngerschaft zu tun. Darum soll es heute gehen.
Ich würde aber zum Anfang noch einmal kurz beten. Ihr könnt sitzen bleiben, aber ich würde noch einmal unsere Zeit unter Gottes Hand stellen.
Herr, wir danken dir für dein heiliges Wort. Wir danken dir für die Macht deines Geistes, der durch dein Wort wirkt. Und wir danken dir, dass wir so eine Ermutigung bekommen haben, dass wir nur dein Wort sprechen lassen müssen, dass wir es ins Leben der Leute führen müssen und dass du dann am Wirken bist. Wir danken dir, dass wir uns auf dich zurückwerfen und verlassen können und dass du wunderbar in unserer Gemeinde und in unserem Leben wirken wirst. So bitten wir, dass du unser Herz jetzt öffnest, dass wir die Wahrheiten deines Wortes wahrnehmen und dass du uns ermutigst in dem Dienst und in der Nachfolge. Hilf uns, dass wir umsetzen, was wir in der Konferenz gehört haben, wo du uns angesprochen hast. Amen!
Ja, wir haben eine relativ lange Zeit. Ich habe es mir so vorgestellt, dass ich eine thematische Einleitung mache und dass es dann aber auch noch einmal Zeit zum Fragenstellen gibt. Theo und Katja, die die Konferenz mit organisiert haben, haben mir gesagt, dass es auch theoretischere Einheiten gab, in denen wir einfach die Theologie gehört haben, die notwendig ist für Jüngerschaft und für das Wort Gottes. Das soll jetzt eher eine praktischere Einheit sein. Von daher gibt es dann auch die Möglichkeit, noch einmal persönlich zu fragen.
Biblische und geschichtliche Wurzeln des Gedankens
Der Seminar basiert auf einem Artikel, den ich für das Themotius Magazin geschrieben habe. Dafür möchte ich noch einmal kurz Werbung machen. Das ist ein Magazin für junge Christen, in dem wir regelmässig Artikel aus reformierter, bibeltreuer Perspektive schreiben. Es erscheint einmal im Vierteljahr beim Bethanien Verlag. Dort haben wir auch einmal etwas über Jüngerschaft gemacht, und aus diesem Hintergrund ist auch dieses Thema entstanden.
Ein Schlüsselfers zum Thema Jüngerschaft ist der Vers 2. Timotheus 2,2. Damit möchte ich sozusagen anfangen und ihn ein wenig als Überschrift über diese Zeit nehmen. Das Wort Jüngerschaft wird dort zwar nicht direkt verwendet, aber der Gedanke, der dahintersteht, kommt dort vor. Paulus sagt zu seinem Schützling Timotheus in 2. Timotheus 2,2: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“
Also: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“ Da sieht man mehrere Generationen in diesem Vers. Paulus hat etwas an Timotheus gelehrt, und Timotheus soll es jetzt anderen Menschen lehren. Und diese sollen es wiederum anderen lehren. Wenn man genau hinschaut, sind es also eigentlich vier Generationen.
Das Besondere daran, und weshalb das mit Jüngerschaft zu tun hat, ist, dass hier nicht das Wort lehren verwendet wird, obwohl ich es gerade so gesagt habe, sondern das Wort anvertrauen. Das ist auch im Griechischen ein stärkeres Wort als lehren oder hat zumindest eine etwas andere Konnotation, weil anvertrauen eine sehr persönliche Form der Weitergabe ausdrückt. Es geht eben nicht nur darum, von der Kanzel Wahrheiten weiterzugeben, sondern wirklich persönlich ins Leben zu sprechen und das Leben zu teilen. Und das ist das, was mit dem etwas moderneren Wort Jüngerschaft gemeint ist. Jünger sein ist natürlich ein älteres Wort, aber Jüngerschaft bezeichnet diesen Gedanken, dass wir uns in der Gemeinde überlegen, wie wir das Wort Gottes wirklich intensiv in das Leben der Leute bringen.
Das ist, obwohl das Wort etwas neuer ist, kein neues Konzept. In der Frühkirche hiess das Katechese, wovon wir den Begriff Katechismus haben. In den ersten Jahrhunderten war es so, dass jemand, der zum Glauben gekommen war, meistens nicht sofort getauft wurde. Die Taufe war meistens zu Ostern, also einmal im Jahr. Bis dahin wurde man sozusagen ausgebildet. Man hiess dann ein Katechumene. Also jemand, der Katechese erfährt. Derjenige, der lehrt, ist der Katechet, und was gelehrt wurde, ist der Katechismus, also die Glaubensgrundlagen.
Das sollte dazu dienen, dass die Leute wirklich im Glauben gegründet sind, dass sie ein festes Fundament bekommen und dass sie, wenn sie ihr Leben Jesus gegeben haben, wirklich auch wissen, worum es im christlichen Glauben geht und was Jesus jetzt auch von ihnen erwartet. Was man alles über Gott und über das Leben mit ihm wissen kann. So war das zur Zeit der frühen Kirche, und eigentlich greift der Gedanke der Jüngerschaft das wieder auf.
Das ist aber eben nicht nur ein kirchengeschichtliches Thema, sondern, was ich im Hauptteil des Seminars zeigen möchte, auch ein biblisches Konzept. Denn das ist ja auch das Allerwichtigste: dass das Wort Gottes uns leitet und dass wir nur die Dinge tun, die im Wort Gottes gelehrt werden. Und da ist das Thema Jüngerschaft vom Alten Testament bis ins Neue Testament von grosser Bedeutung. Wir sehen immer wieder, dass es diese Lehrer-Schüler-Beziehungen gibt. Wir wissen das sicher von Jesus und seinen Jüngern, da ist es uns vor Augen. Aber das ist nicht der einzige Fall, sondern das zieht sich an mehreren Stellen durch die Bibel.
Mose und Josua als frühes Vorbild
Eine erste, sehr auffällige Stelle ist Mose und Josua. Mose war ja der große Prophet im Alten Testament, den Gott gebraucht hat, um das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Er war aber auch derjenige, der am Berg Sinai das Gesetz gegeben hat. Damit war er eine sehr grundlegende Figur für das ganze alttestamentliche Gottesvolk.
Irgendwann stellt sich natürlich die Frage: Wer kommt eigentlich nach Mose? Wer wird sein Nachfolger? Das hat Gott nicht dem Zufall überlassen, sondern er hat relativ früh eingegriffen. Er sorgte dafür, dass jemand heranwächst, der in das Leben von Mose hineingeführt wird und ihn sozusagen irgendwann ablösen würde. Das war Josua.
Josua fällt uns zum ersten Mal in 2. Mose 17 auf. Dort gibt es eine Schlacht der Israeliten gegen die Amalekiter. Sie sind aus Ägypten ausgezogen und müssen nun gegen ein anderes Volk in den Krieg ziehen. In 2. Mose 17 wird Josua mit dem Befehl beauftragt, diese Schlacht zu führen, und er schafft das auch mit Gottes Hilfe erfolgreich.
Dann sehen wir ihn wieder in 2. Mose 24. Dort durfte er mit Mose allein den Berg Gottes, den Sinai, besteigen. Am Anfang waren noch einige der Priester und die Ältesten Israels mit dabei. Mose und Josua aber durften sogar noch weiter nach oben steigen, bis in die Gegenwart Gottes, wo Mose dann die ersten Steintafeln und die Gebote und Ordnungen für Israel empfing. Josua hatte also, ähnlich wie bei der Verklärung Jesu auf dem Berg, sozusagen eine Kontinuität. Er war einer der wenigen, die mit bis nach oben gehen durften.
Er war dann auch dabei, als Mose später in 2. Mose 32 wieder zurückkam und den Götzendienst des Volkes sah, wie sie das goldene Kalb als Ersatzgott angebetet hatten. Josua war unmittelbar dabei, als sie miteinander diskutierten, als Mose sagte: Ich höre eine Stimme, ich höre einen Lärm vom Volk. Er erlebte seinen Mentor mit und sah, wie dieser zornig wurde und wie er diese Krise meistern musste.
Das zieht sich eigentlich ab diesem Moment immer weiter. Josua begleitet seinen Mentor Mose zu jeder Zeit und erlebte unter seiner Leitung die innigsten Momente der Gemeinschaft mit Gott. Zum Beispiel möchte ich jetzt einen Vers aufschlagen: 2. Mose 33,11. Da bekommen wir einen Einblick, wie intensiv diese Gemeinschaft war.
2. Mose 33,11:
Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet. Dann kehrte er zum Lager zurück. Sein Diener Josua aber, der Sohn Nuns, ein Jüngling, wich nicht aus dem Inneren des Zeltes.
Damit ist die Stiftshütte gemeint. Dort hatte Gott eine ganz enge Begegnung, und da durfte kein anderer mit dabei sein, wo Gott unmittelbar präsent war, außer eben Josua. Und der blieb dann sogar noch länger und genoss diese Gegenwart Gottes weiter.
Josua hat sozusagen die Höhen und die Tiefen von Mose miterlebt. Er hat erlebt, wie Mose ganz persönlich mit Gott reden durfte. Er wurde aber auch Zeuge der schwersten Prüfungen und Herausforderungen, die Mose zu meistern hatte. Das goldene Kalb hatte ich schon erwähnt. Dann kam aber auch noch die Zeit, in der das Volk rebellierte, in 4. Mose 14,6, wo das Volk in offener Rebellion gegen Mose getreten ist.
Dort wird gesagt:
Mose und Aaron aber fielen auf ihr Angesicht vor der ganzen Versammlung der Gemeinde der Kinder Israel. Und Josua, der Sohn Nuns, und Kaleb, der Sohn Jefunnes, die auch das Land erkundet hatten, zerrissen ihre Kleider.
Der Kontext ist folgender: Mose sendet die Boten aus, Josua ist auch einer davon, Kaleb ebenfalls. Dann kommen sie zurück, und den Boten wird nicht geglaubt. Das Volk rebelliert gegen den Auftrag Gottes, in das verheißene Land zu gehen. Das war eigentlich die schwierigste Zeit für Mose, eine Zeit offener Rebellion. Am Ende stellte sich heraus, dass das Volk erst einmal vierzig Jahre in der Wüste wandern musste, weil es sich gegen Gott aufgelehnt hatte. Und Josua war mitten dabei und hat das miterlebt.
Die Beziehung zwischen den beiden war so eng, dass der Name Josua sogar auf Mose zurückgeht. Wir lesen das in 4. Mose 13,16. Mose war derjenige, der Josua überhaupt erst den Namen gegeben hat. Zuvor hieß er Hosea. 4. Mose 13,16 sagt:
Das sind die Namen der Männer, die Mose aussandte, um das Land zu erkunden. Hosea, den Sohn Nuns, nannte Mose Josua.
Vielen Dank.
Also Mose war während dieser Zeit in einer ganz engen Beziehung mit Josua. Josua war treu an der Seite von Mose, und am Ende wurde Mose von Gott beauftragt, Josua als seinen Nachfolger einzusetzen. Das lesen wir in 4. Mose 27,18.
Der Herr sagte zu Mose:
Nimm Josua zu dir, den Sohn Nuns, einen Mann, in dem der Geist ist, und lege deine Hand auf ihn. Stelle ihn vor den Priester Eleasar und vor die ganze Gemeinde und gebiete ihm vor ihren Augen. Lege von deiner Hoheit auf ihn, damit ihm die ganze Gemeinde der Kinder Israels gehorche.
Das war also der offizielle Befehl, dass Josua der Nachfolger von Mose werden sollte.
Ausbildung, Nachfolge und Übergabe von Verantwortung
Und jetzt aber noch einmal ein interessanter Vers: Wie wird denn dieses Lehren verstanden? Das war anscheinend eine sehr innige Beziehung zwischen Mose und Josua, in der sie den Dienst geteilt haben. Es war aber nicht nur so, dass sie einfach gemeinsam Israel angeführt haben, sondern es war auch eine Lehrbeziehung.
Und manche von uns wissen ja: Das Wort Jünger, das im Neuen Testament mit Jünger übersetzt wird, kommt von dem griechischen Wort für Schüler. Eigentlich heißt es Schüler. Und da sehen wir auch, dass im Alten Testament schon eine sehr ähnliche Beziehung bestand, dass Josua in gewisser Hinsicht auch ein Schüler von Mose war.
Da lesen wir in 5. Mose 3,21-28, wie Mose den Josua ausgebildet hat. Da sagt Mose: Und Josua gebot dir zu jener Zeit und sagte: Deine Augen haben alles gesehen, was der Herr, euer Gott, diesen zwei Königen getan hat. So wird der Herr allen Königreichen tun, wohin du ziehst. Fürchtet euch nicht vor ihnen, denn der Herr, euer Gott, ist es, der für euch kämpft.
Also da sagt Mose sozusagen, er ermutigt Josua und sagt: So hat Gott für euch eingegriffen. Und das soll er natürlich auch dem Volk ausdrücken. Aber es gilt natürlich auch für Josua, dass er sozusagen gefestigt und gegründet ist.
Und in Vers 28 lesen wir, da sagt Gott: Gebiete dem Josua, dass er getrost und unverzagt sei, denn er soll vor diesem Volk her über den Jordan ziehen, und er soll ihm das Land als Erbe austeilen, das du sehen wirst.
Also den Dienst von Josua an Josua kann man mit Gebieten, Stärken und Festigen beschreiben. Und dann am Ende vom fünften Mose lesen wir noch einmal so eine Zusammenfassung, was Gott getan hat, also wie dieser Dienst geplant war, und zwar in 5. Mose 31,3.7.8.23. Also wir sehen, dass es eigentlich relativ oft vorkommt in den Büchern, dass immer wieder etwas von Mose und Josua gesagt wird. Noch einmal 5. Mose 31,3.7.8.23:
Der Herr, dein Gott, wird selbst vor dir hergehen. Er selber wird diese Völker vor dir her vernichten, sodass du ihr Land einnehmen kannst. Josua, der soll vor dir hinübergehen, wie der Herr geredet hat.
Vers 7: Und Mose rief Josua und sagte vor den Augen von ganz Israel zu ihm: Sei getrost und unverzagt, denn du wirst dieses Volk in das Land bringen, das der Herr ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen. Der Herr, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und die Hand nicht abziehen und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht.
Und noch Vers 23: Und er befahl Josua, dem Sohn Nuns, und sagte: Sei getrost und unverzagt, denn du sollst die Kinder Israel in das Land führen, das ich ihnen zugeschworen habe, und ich will mit dir sein.
Und das Ergebnis dieses Jüngerschaftsprozesses: Ganz am Ende lesen wir dann in 5. Mose 34,9: Josua aber, der Sohn Nuns, wurde mit dem Geist der Weisheit erfüllt, denn Mose hatte seine Hände auf ihn gelegt, und die Kinder Israel gehorchten ihm und taten, wie der Herr es dem Mose geboten hatte.
Also wenn man das mal alles zusammenfasst, das waren jetzt mehrere Verse, aber die Aussagen zeigen: Da ist etwas langsam angefangen. Es ist eine Beziehung gestartet zwischen Mose und Josua, die Gott auch irgendwie initiiert hat. Josua ist Mose gefolgt. Da war Mose noch im Mittelpunkt des Dienstes, hat seine Höhen und Tiefen erlebt, seine Stärken, vielleicht auch seine Schwächen, seine Beziehung mit Gott und den Widerstand des Volkes. Josua konnte sicherlich auch viel abschauen. Mose hat ihn gelehrt und ausgerüstet, und am Ende war Josua dann bereit, den Dienst selbst zu übernehmen.
Im Englischen gibt es dafür den Ausdruck: „model, assist, watch and leave“. Also man macht etwas vor, wo man erst einmal selbst etwas macht, und der andere schaut zunächst zu. Dann macht der andere das schon, und man unterstützt ihn dabei. Dann schaut man zu, wie der andere es macht, und am Ende zieht man sich zurück und lässt den anderen das Werk übernehmen. Das ist so ein bisschen der Prozess, den wir hier sehen.
Weitere alttestamentliche Beispiele
Das ist schon mal erstaunlich. Eine Form von Jüngerschaft, die wir hier im Alten Testament sehen, war sehr, sehr intensiv. Wenn wir das anschauen, kann sie uns auch sehr daran erinnern, wie Jesus seine Jünger ausbildete.
Eine sehr ähnliche, sehr persönliche Art und Weise, Jüngerschaft zu betreiben, sehen wir dann bei den Propheten Elija und Elisa. Vielleicht kennt ihr diese Geschichte: Elija war sehr mutig gewesen, hatte sich zurückgezogen und musste auch zum Berg Gottes, zum Sinai, zum Berg Horeb. Da sagt ihm Gott, er soll Elisa als seinen Nachfolger salben. 1. Könige 19,16.
Dann macht es Elija auch. Er kommt zu Elisa, und dann wird uns gesagt, dass Elisa gerade dabei war, mit den Rindern zu pflügen. Er folgt dann Elija nach, und daraus entsteht auch so eine ganz persönliche Beziehung zwischen den beiden.
Auch diese Beziehung ist gekennzeichnet dadurch, dass Elisa als Nachfolger alles Mögliche miterlebt hat, was Elija gemacht hat. Er durfte sehen, wie er den bösen König Ahab zurechtwies. 1. Könige 21,17-29. Er sah auch, wie er sich dem König Ahasja entgegenstellte, als dieser nicht beim Herrn Hilfe suchte, sondern beim falschen Gott.
Er sah, wie Gott wunderbar für den Propheten Elija eingegriffen hat, als dieser festgenommen werden sollte. Ihr kennt vielleicht die Geschichte, in der diese Schar von 50 Soldaten kommt und von Feuer verzehrt wird. Auch da war Elisa dabei.
Elisa war Zeuge, wie Elija dem Herrn gefolgt ist, als der Herr gesagt hat: Jetzt geh mit dem dritten Hauptmann mit. Also hat er auch gesehen, wie Elija dem Herrn folgt. Und natürlich war auch diese ganz besondere Begegnung dabei, diese Begebenheit, als Elija sozusagen mit diesem feurigen Wagen in den Himmel aufgenommen wird. Da war Elisa auch dabei.
Und seine Treue bewies sich genau in dem Moment, als Elija sagt: Bitte, was ich dir geben soll. Und er bittet sich nichts Größeres als einen zweifachen Anteil dieses Prophetengeistes. Er sagt: Gib mir einen zweifachen Anteil von deinem Geist.
Also diese Treue ist auch da ein Muster. Diese persönliche Beziehung, das persönliche Unterweisen, das Abschauen, das Lernen, das Erleben, wie das Leben von jemandem war, mit allen Höhen und Tiefen, und dann das Übergeben von Verantwortung am Ende.
Und sehr ähnlich sehen wir das natürlich bei Jesus und seinen Jüngern auch. Da ist ein Schlüsselvers, und ich könnte jetzt natürlich die ganzen Evangelien zitieren, aber ein Schlüsselvers ist Markus 3,14. Dort wird gesagt:
Berufung der zwölf Jünger, und er bestimmte zwölf, bei ihm zu sein, damit er sie aussende, um zu predigen.
Und das Schlüsselwort hier ist eben, dass er zwölf bestimmte, damit sie bei ihm seien. Jesus hat also nicht einfach nur gelehrt. Er hat die Menge gelehrt, er hat die Bergpredigt gehalten, aber er hat eben auch zwölf bestimmt, dass sie bei ihm seien. Dass sie intensive Zeit mit ihm verbringen. Dass sie sein Leben teilen.
Wir wissen, dass das dazu geführt hat, dass die Zwölf irgendwann seine Nachfolger wurden. Nicht im Sinne, dass sie ihn ersetzen. Der Heilige Geist ist der, der anstelle von Jesus jetzt unter uns ist. Aber sie haben sozusagen die Gründung der Gemeinde dann weiterverfolgt.
Jesus hat sie persönlich gelehrt. Das sehen wir auch bei den Gleichnissen, dass er manche Gleichnisse persönlich noch einmal für die Jünger ausgelegt hat. Dass er sie zu manchen Sachen mitgenommen hat, wo kein anderer mit dabei sein durfte als nur die Jünger, und manchmal auch nur von den Jüngern bestimmte Leute. Und er hat für sie gebetet und hat sie auf kleinere oder größere Missionen ausgesandt, zum Beispiel in Lukas 10, die Aussendung der Siebzig oder Zweiundsiebzig.
Das waren so Missionen, wo Jesus seine Jünger schon mal trainiert hat, damit sie einzelne kleine Aufgaben übernehmen. Das gipfelt natürlich irgendwann darin, dass er sagt: Geht in alle Welt hinaus und macht zu Jüngern alle Völker.
Ein Thema im Alten Testament, das ich noch übersprungen habe und das man auch noch einmal erwähnen könnte, ist die Weisheitsliteratur im Alten Testament. Eigentlich ist die Weisheitsliteratur, zum Beispiel die Sprüche, wenn man sie liest, auch von einem Lehrer an seinen Schüler geschrieben. Also auch das ist eigentlich ein Jüngerschaftskontext, wo es darum geht, dass ein älterer Mann einen jüngeren Mann unterweist. Und per Übertragung sind da natürlich auch Frauen angesprochen. Es geht um so eine intensive Ausbildung.
Die Weisheitsliteratur ist eben auch so ein Gedanke im Alten Testament, dass wir persönliche Unterweisung brauchen.
Paulus als Vorbild für persönliche Begleitung
Also, ich hoffe, das hat euch so ein bisschen eine Einführung gegeben, wie stark das Thema in der Bibel verwurzelt ist.
Aber bei dem, wo ich es natürlich jetzt am meisten zeigen will, ist der Apostel Paulus. Denn das ist so ein bisschen das, was dann für uns als Gemeinde natürlich auch als Vorbild gegeben wird. Paulus sagt ganz deutlich: Ahmt mich nach, so wie ich Christus nachahme.
Bei Paulus sehen wir, dass er gepredigt hat, dass er evangelistisch unterwegs war und dass er in den Synagogen gepredigt hat. Aber was erstaunlich ist und was wir leicht übersehen, ist, dass sich bei Paulus dieser Jüngerschaftsgedanke eben auch wieder sehr, sehr intensiv findet. Er hatte einzelne Leute, in die er intensiv investiert hat.
Da gibt es den Timotheus, da gibt es den Titus, da gibt es einen Tychikus, da gibt es einen Epaphroditus. Also einzelne Leute, die in den Briefen auftauchen und die wir vielleicht leicht übersehen. Sosthenes, manche von denen haben sogar die Briefe aufgeschrieben. Sie waren sein Sekretär, also wo Paulus das diktiert hat. Manche waren auf Missionen ausgesandt, wo Paulus sie ausgesandt hat, um die Briefe zu überbringen, die er geschrieben hat. Und manche haben dann sogar Gemeinden übernommen, die er gegründet hat. Also Ephesus zum Beispiel: Timotheus ist irgendwann nach Ephesus gekommen und hat die Gemeinde dort übernommen.
An Timotheus möchte ich dieses Jüngerschaftsprinzip noch einmal ein bisschen erläutern. Vielleicht ist er sogar durch Paulus zum Glauben gekommen. Paulus nennt ihn zum Beispiel in 1. Timotheus 1,2 „mein echtes Kind im Glauben“. Ich denke, das drückt eine intensive Beziehung aus. Es kann aber auch sein, dass Paulus mit eine sehr, sehr große Rolle gespielt hat, dass Timotheus überhaupt zum Glauben gekommen ist.
In Apostelgeschichte 16,1-3 sehen wir, wie er ihn dann beruft, mit Paulus unterwegs zu sein auf seinen Missionsreisen. Er wird sogar beschnitten und hat seit diesem Punkt eigentlich das ganze Leben von Paulus intensiv mitverfolgt. Und zwar so intensiv, dass Paulus am Ende zu Timotheus sagen konnte, in 2. Timotheus 3: „Du aber bist mir nachgefolgt in der Lehre, in der Lebensführung, im Vorsatz, im Glauben, in der Langmut, in der Liebe, im standhaften Ausharren, in den Verfolgungen, in den Leiden.“ Also eine ganz intensive Verbindung hatten die beiden.
Paulus hat ihn ermutigt, seine Gnadengaben nicht zu vernachlässigen. Er hat in 1. Timotheus 4,14 gesagt: Vernachlässige nicht die Gabe Gottes in dir. Paulus hat angetrieben und ermutigt. Er hat ihn auch ermahnt, sich nicht zu schämen des Zeugnisses von unserem Herrn, 2. Timotheus 1,8, und hat ihn ermutigt, das Wort immer treu zu verkünden, 2. Timotheus 4,2: Predige das Wort, steh dazu, zur Zeit oder zur Unzeit, richte deinen Dienst völlig aus.
Timotheus konnte ihn dann sogar selbst vertreten. Also an manchen Punkten wurde Timotheus anstelle von Paulus eingesetzt. Paulus schickt den Timotheus aus, zum Beispiel nach Korinth, wo Timotheus sogar für Paulus agieren durfte.
Und dann steht als Gipfel sozusagen dieser Jüngerschaftsbeziehung 2. Timotheus 2,2: Was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.
Praktische Umsetzung in der Gemeinde
Das heißt: Wenn wir diese Einblicke in das Thema Jüngerschaft gesehen haben, sollte uns das vielleicht zum Nachdenken bringen und uns auch verwundern lassen, warum das bei uns vielfach in den Gemeinden einen so geringen Stellenwert hat, auch in der Art und Weise, wie wir Pastoren ausbilden.
Oft ist doch die Erwartung, dass es ausreicht, wenn Leute einfach zum Gottesdienst kommen, vielleicht noch einen Hauskreis besuchen. Das sind dann schon die Treuen, die Hauskreise oder Kleingruppen besuchen. Und jemand, der stärker in den christlichen Dienst gehen will, der soll dann eben auf eine Bibelschule gehen.
Was wir aber total vernachlässigen, ist dieses durch die ganze Bibel ziehende Thema der Jüngerschaft. Es reicht eben nicht aus, nur das Wort Gottes von vorne, von der Kanzel, zu predigen. Es ist auch nötig, das Wort Gottes einzeln und intensiv in das Leben der Menschen zu bringen.
Paulus hat sich einmal zu diesem Ziel bekannt und gesagt in 1. Korinther 1,28: Wir wollen jeden Menschen ermahnen, jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen. Er war also nicht zufrieden damit, dass er nur allgemeine Gottesdienste und Predigten hält und dass dann sozusagen manche vielleicht irgendwann ernste Schritte mit Jesus gehen, andere aber einfach Christen bleiben, die regelmäßig zur Gemeinde kommen, ohne wirklich im Glauben zu wachsen.
Nein, sein Ziel war es, jeden Menschen zur Mannesreife, wie es in Epheser 4 heißt, in Christus zu führen. Das hat ihn bewegt. Deshalb konnte er sagen: Ich habe nicht nur von vorne gepredigt. In Ephesus sagt er zum Beispiel in Apostelgeschichte 20, dass er von Haus zu Haus gegangen ist und jeden von ihnen ermahnt hat. Er hat persönliche Jüngerschaft vorgemacht.
Er hat einmal gesagt in Philipper 4,9: Was ihr von mir gelernt, empfangen, gehört und gesehen habt, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein. Sein Dienst war also weit größer als nur: Ich predige euch etwas. Es ging auch darum, was sie an ihm gesehen hatten, was sie von ihm empfangen hatten, also wie sie von ihm intensiv ausgebildet worden waren.
Und da soll jetzt die Brücke geschlagen werden: Wie können wir das praktisch in unserer Gemeinde machen? Das war jetzt die biblische Grundlage, und jetzt möchte ich noch ein bisschen zu der praktischen Umsetzung kommen. Wie kann das aussehen?
Traditionell hat es so ausgesehen. Ich hatte es ja vorhin mit Katechismus beschrieben: Katechese. Die Gemeinden in der Kirchengeschichte haben schon immer mit Glaubensbekenntnissen gearbeitet. Das früheste, was wir kennen, ist das apostolische Glaubensbekenntnis. Das ist zwar nicht so umfassend, aber es enthält die zentralen Aussagen der Bibel und des Evangeliums.
Es war so, dass, wenn jemand zum Glauben gekommen ist, er in einer Gruppe oder vielleicht auch eins zu eins mit einem Katecheten dieses Glaubensbekenntnis durchgegangen ist und es zum Teil auswendig lernen musste. Übrigens ist das heute auch noch üblich. Ich musste damals zu meiner Konfirmation auch einige Inhalte auswendig lernen. Also, da haben wir noch eine Erinnerung daran.
So war es auch zur Zeit der Reformation. Zur Reformationszeit gab es dann umfangreichere Glaubensbekenntnisse, weil auch mehrere Punkte strittig gewesen waren, die durch so ein Glaubensbekenntnis klargestellt werden sollten. Da war zum Beispiel der Heidelberger Katechismus ein zentrales Lehrmittel gewesen. Er war weit verbreitet, und man ist diesen Katechismus in der Familie durchgegangen. Man hat am Esstisch die Fragen besprochen und die Kinder dazu ermutigt, die einzelnen Fragen und Antworten auswendig zu lernen. Das hat man auch in der Gemeinde gemacht, sozusagen als Teil des Gottesdienstes oder als Extraveranstaltung oder eben auch eins zu eins. Diese einzelnen Fragen und Antworten wurden auswendig gelernt, und man hat anhand dieser zentralen Fragen, die die biblische Lehre erklären, Leute ausgebildet und trainiert.
Man muss es jetzt vielleicht nicht anhand eines Katechismus machen, obwohl wir das in unserer Gemeinde auch machen. Aber was man eben machen kann, ist, dass man sich einzeln mit Leuten trifft. Das Tolle an so einem Jüngerschaftsdienst ist, dass das jedem von uns offensteht. Da muss man nicht Pastor oder Ältester sein. Man kann dann einen ganz tollen Dienst in der Gemeinde haben, selbst wenn die Gemeinde vielleicht auch gar nicht so gesund ist.
Wir hatten ja heute über das Buch Neun Merkmale einer gesunden Gemeinde gesprochen. Und sicherlich werden einige von uns sagen: Ich komme nicht aus so einer gesunden Gemeinde, und ich habe jetzt auch nicht Einfluss auf das, was der Pastor predigt. Aber mit diesem Jüngerschaftskonzept kann ich trotzdem viel Gutes bewirken.
Ich war selbst lange Zeit in einer Gemeinde, die nicht so gut war. Aber ich habe mein Leben in einzelne Leute in der Gemeinde investiert, und die sind dann trotzdem im Glauben gewachsen. Dadurch ist trotzdem unheimlich viel entstanden, und ich konnte in so einer teilweise ungesunden Gemeinde trotzdem Jünger hervorbringen.
Jüngerschaft basiert einfach auf dieser persönlichen Arbeit, die man machen kann. Da muss man sich jetzt nicht wahnsinnig etwas Kompliziertes vorstellen. Das kann anfangen, indem ich einfach jemanden frage, ob man sich regelmäßig zum Beten treffen möchte. Allein das kann schon ein Segen sein für Leute, die vielleicht auch gerade mit Problemen zu kämpfen haben. Dann tauchen sie nicht nur allgemein mal in der Gemeinde, in der Gebetsstunde, auf, sondern sie haben jemanden, der regelmäßig für sie betet und der auch regelmäßig mit ihnen betet.
Und selbst das Beten lernt man am besten, wenn man jemand anderen beten hört. Wenn ich mit jemandem zusammen bete, dann lerne ich viel darüber, wie die Beziehung mit Gott von der Person ist. Das ist der einfachste Weg, dass ich Leute in der Gemeinde frage: Hättest du Lust, dass wir uns ab und zu mal treffen? Für mich ist es meistens gut, wenn wir uns einmal pro Woche oder einmal alle zwei Wochen zum Beten treffen. Das ist der einfachste Startpunkt.
Dann kann man aber natürlich noch mehr machen. Man kann gemeinsam die Bibel studieren. Das wäre dann der nächste Schritt: dass man sich ein Buch der Bibel nimmt, zum Beispiel den 1. Korintherbrief oder, wenn es ein bisschen mehr evangelistisch oder grundlegend sein soll, das Johannesevangelium, und dass man Schritt für Schritt durch dieses Buch geht und es gemeinsam studiert.
Meistens sehen die Treffen dann so aus, dass man am Anfang betet, dass man dann eine thematische Zeit hat, aber auch noch einmal eine Zeit zum persönlichen Austausch, und dann am Schluss gemeinsam füreinander betet. Mehr muss es dann eigentlich schon nicht sein. Aber das hat eine unheimliche Kraft, Leute weiterzubringen und zu einer Reife in Christus zu führen.
Konkrete Formen, Auswahl und Grenzen
Im Alten Testament wurde einmal gesagt: So wie Eisen Eisen schärft, so schärft ein Mann den anderen. Sprüche 27,17. Jüngerschaft ist also ein Stück weit dieses Aneinander-Schärfen.
Im Englischen hat mir jemand einmal gesagt, Jüngerschaft sei ein brain to pick, also jemand, von dem ich lernen kann. Außerdem ein shoulder to cry on, also jemand, bei dem ich Trost finde und vielleicht auch Ermutigung. Und schließlich auch a kick in the pants, also jemand, der mich antreibt und mich auch einmal ermahnt, so wie Paulus es gemacht hat: Vernachlässige nicht die Gabe, die Gott dir gegeben hat.
Jesus hat das im Prinzip auch so gemacht. Er hat seinen Jüngern Dienstmöglichkeiten gegeben. Wenn ich zum Beispiel bei mir in der Gemeinde schaue, wer einmal eine Predigt übernimmt, dann sind das sehr oft Leute, in die ich selbst investiert habe. Irgendwann habe ich dann gesagt: Überleg dir doch mal, ob du nicht bei uns unter der Woche, wir haben auch einen Gottesdienst, einmal eine Predigt übernimmst. Dann haben wir das intensiv vorbereitet, nachgesprochen, und ich habe die Person dabei unterstützt.
Deswegen haben wir in der Gemeinde auch nicht so sehr das Problem, dass es keine Leiter gibt. Denn wirklich so gut wie jeder in der Gemeinde macht Jüngerschaft mit jemand anderem. Ich selbst mache es mit drei oder vier Leuten, mit denen ich mich unter der Woche treffe. Und daraus bildet sich eine richtige Gruppe von Leuten, die einfach treu sind, ausgebildet sind, trainiert wurden und in der Gemeinde auch Verantwortung übernehmen. Diesen Leuten kann man gut und gern Aufgaben anvertrauen.
Vielleicht noch etwas, das man sich merken kann: Es gibt ein englisches Akronym, wenn man sich fragt, mit wem man Jüngerschaft machen kann. Also: Nach wem sollte ich Ausschau halten? Da hat es sich bewährt, nach „fetten Leuten“ Ausschau zu halten, also auf Englisch F A T. Oder dafür zu beten.
F steht für faithful, also treu. Das ist das, was wir bei Josua gesehen haben, und das ist das, was wir bei Timotheus gesehen haben. Das sind Leute, die treu sind. Wenn man ihnen eine Aufgabe gibt oder sagt, dass man sich regelmäßig treffen will, dann machen sie das auch und setzen das um, was man gemeinsam bespricht. Faithful, treu.
Der zweite Buchstabe ist A, available, also verfügbar. Es müssen auch Leute sein, die einfach die Zeit mitbringen für so eine intensive Beziehung.
Und das letzte Wort ist teachable, also lehrbar. Das mache ich regelmäßig in meiner Gebetszeit, dass ich Gott bitte, mir solche Leute zu schenken, die faithful, available und teachable sind, und in die ich mich investieren kann.
Manchmal ist es auch so, dass jemand nur zwei von diesen Dingen erfüllt. Vielleicht ist er erst einmal noch nicht so lehrbar, sind wir ja irgendwo alle. Dann muss man die Beziehung erst einmal initiieren und vielleicht auch erste Dinge kommunizieren. Und dann wächst auch eine Vertrauensbeziehung, in der man vielleicht irgendwann noch mehr lernen kann.
Ich möchte euch ermutigen: Wenn ihr das vielleicht noch gar nicht gemacht habt, fangt klein an. Man muss jetzt nicht gleich mit vier oder fünf Leuten in der Gemeinde anfangen. Das ist vielleicht ein bisschen viel. Aber man kann Gott bitten: Zeig mir doch eine Person in der Gemeinde, mit der ich mich regelmäßig treffen kann. Und vielleicht fange ich ganz einfach an, gemeinsam zu beten.
Der nächste Schritt wäre dann, zusammen die Bibel zu studieren. Vielleicht dann auch einmal gemeinsam Dienst zu tun. Jesus hat die Jünger ausgesandt, Paulus hat Timotheus ausgesandt. Also kann man sich vielleicht auch überlegen, wie man irgendwann gemeinsame missionarische Projekte machen kann.
Ich habe zum Beispiel neulich jemanden mit in ein Missionsland genommen, in dem ich selbst als Missionar war. Die Person hatte davor noch gar nichts mit Mission zu tun. Aber ich wollte ihr sozusagen die Augen öffnen, was dort vielleicht möglich ist und wo Gott noch in der Welt wirkt. Das sind Möglichkeiten, die man hat, wenn man sich eins zu eins mit jemandem trifft. Und während der Zeit, in der wir dort waren, konnten wir natürlich ganz intensiv über geistliche Themen sprechen, über Fragen, die er hatte, und vielleicht auch über Sorgen, die mit einem Missionseinsatz zu tun haben.
Und nur noch ganz langfristig gesagt: Wenn ihr so einen Dienst macht, dann ist das etwas, was euer Leben auch ganz langfristig bereichern wird. Ich mache jetzt seit vielleicht 15 Jahren Jüngerschaft mit einzelnen Personen, und mittlerweile gibt es in ganz Deutschland verteilt Leute, entweder mit denen ich Jüngerschaft gemacht habe und die dann irgendwann aus unserer Gemeinde irgendwo anders hingegangen sind. Aber man ist einfach immer noch sehr treu verbunden. Man teilt viele Dinge, mehr als nur das, was man teilen würde, wenn sie einfach nur Teil unserer Gemeinde gewesen wären. Da ist eine echte Verbundenheit und auch eine Gemeinsamkeit im Evangelium.
Es gibt aber auch Leute, die das, was sie bei uns gelernt haben, dann in andere investiert haben. Und so hat sich eine richtige Kette gebildet, wie bei Paulus, der sagt: Vier Generationen. Was du von mir gehört hast, das befiehl anderen an, die wiederum tüchtig sein werden, andere zu lehren.
Im Englischen sagt man dann manchmal, man habe a fraction of the action, also einen Anteil an dem, was andere tun. Und wenn ich merke, dass jemand aufs Missionsfeld geht oder jemand in seiner Gemeinde einfach einen treuen Dienst tut, muss das ja nicht immer Mission sein, dann baut mich das auch auf und gibt mir Freude. Ich sehe dann, wie sozusagen positive Dinge bewegt wurden. Und ich habe einen Teil davon, einen ganz kleinen Teil, weil ich irgendwann einmal Teil der Kette war, die Gott gebraucht hat, um in das Leben von jemandem zu wirken.
Also, das wäre jetzt so ein kleiner Anstoß zu dem Thema.
Literaturhinweise, Fragerunde und Schluss
Wer sich davon angesprochen gefühlt hat, dem möchte ich zwei Bücher empfehlen. Dann haben wir noch einmal eine kurze Fragerunde.
Es gibt glücklicherweise mittlerweile auch ein paar deutsche Bücher dazu. Das gab es lange Zeit nicht. Und zwar gibt es von diesen Merkmalen der gesunden Gemeinde auch ein Merkmal Jüngerschaft, Wachstum durch Jüngerschaft. Es gibt dieses Einleitungsbuch von Mark Dever über diese neuen Merkmale, und mittlerweile gibt es eben zu jedem Merkmal auch ein extra Buch. Da gibt es das Buch Wachstum durch Jüngerschaft. Darin werden die Konzepte noch einmal erklärt. Es gibt hier vorne ein paar Exemplare, also wer das gerne möchte.
Und es gibt noch ein interessantes Buch, auch vom Bethanien Verlag. Das nennt sich Das Spalier und der Weinstock. Spalier ist sozusagen das Gerüst, auf dem Wein wächst. Und der Gedanke bei dem Buch ist, wie man Jüngerschaft in der Gemeinde integrieren kann. Wie man wegkommt, vielleicht nicht wegkommen, das ist falsch gesagt, aber wie man neben einem treuen Dienst von der Kanzel aus auch noch einen treuen Dienst sozusagen unter den Leuten, einen treuen Jüngerschaftsdienst in der Gemeinde etabliert. Es hat sehr, sehr viele praktische Gedanken, wie man es in der Gemeinde anwenden kann. Ja, es ist einfach eine tolle Ressource.
Also beides gibt es beim Bethanien Verlag, und beides gibt es auch hier vorne zu kaufen, wenn ihr da Interesse habt.
Ich mache sehr viel eins zu eins, weil sich herausgestellt hat, dass es doch am intensivsten ist. Zum Teil mache ich auch mal zwei oder drei, aber meistens nicht mehr als drei. Dann hat es Kleingruppenformat, und dann hat es auch seinen Wert, aber dann wird es weniger persönlich. Im Moment ist das Maximum, was ich mache, sozusagen mit zwei, sodass wir insgesamt drei sind.
Wie lange das dauert, ist sehr, sehr unterschiedlich. Wir gründen Gemeinde in Ostdeutschland. Da dauert alles relativ lang. Es dauert lange, bis jemand zum Glauben kommt. Es braucht aber auch lange, bis jemand treu im Glauben wird, also zum Teil Jahre. Es ist aber schon so, dass man relativ schnell trotzdem Fortschritte sehen kann. Dass jemand anfängt, wirklich in der Bibel zu studieren, zu beten, auch mal selber nichtchristliche Freunde einzuladen und da aktiver ist. Das kann man relativ schnell sehen.
Aber der Punkt, dass dann jemand sozusagen selbst anfängt zu lehren und selbst Jüngerschaft zu machen, das ist meistens ein Schritt, der, würde ich schon sagen, bis zu einem Jahr dauern kann. Ja, aber dann potenziert sich das ja irgendwann. Dann habe ich wieder ein bisschen Freiraum, mich mit jemand anderem zu treffen, und dann sind wir sozusagen nicht mehr zwei, sondern vier.
Das ist auch sehr unterschiedlich. Ich arbeite sehr gerne mit dem Johannesevangelium mit Leuten, die neu zum Glauben gekommen sind. Wir haben auch einen Moslem, der jetzt neu zum Glauben gekommen ist. Da habe ich das Matthäusevangelium genommen, weil es da sehr viel auch die Verbindung zum Alten Testament gibt, wo man einzelne Konzepte erklären kann.
Ich habe auch schon eine Dogmatik durchgemacht oder angefangen, nicht ganz, aber sozusagen immer mal Ausschnitte aus einer Dogmatik. Einfach ein Thema: Gottes Heiligkeit, Gottes Souveränität. Sozusagen jede Woche so ein Thema besprochen. Also es ist ein bisschen unterschiedlich. Manchmal auch ein Heft zum Ausfüllen. Jetzt im Moment studiere ich mit jemandem 1. Korinther, und dann benutzen wir so ein Heft, wo man ein paar Fragen dazu beantwortet. Das hängt ein bisschen von der Person ab. Das ist auch der Vorteil von Jüngerschaft, dass man eben auch sehr individuell gucken kann: Wo ist jemand? Was braucht jemand?
Manchmal lese ich auch ein Buch mit jemandem zusammen, wenn das gerade dran ist. Manchmal geht es auch um Beziehungsfragen. Wenn jemand in jemanden verliebt ist, kann man sich auch für eine Zeit lang spontan auf Eheberatung einstellen. Das ist auch ein Teil davon.
Ja, ich habe jetzt auch mal ausgetestet, dass man wirklich in einer halben Stunde auch schon etwas machen kann. Meistens, wenn die Zeit da ist, versuche ich, dass die Treffen eineinhalb Stunden dauern. Aber es gibt Leute, die von der Arbeit her einfach nicht mehr Zeit haben, und ich habe es probiert, und es geht auch, innerhalb einer halben Stunde schon einiges zu machen. Da hat man eine gewisse Zeit, über persönliche Dinge zu reden, zumindest füreinander zu beten und auch eine kurze thematische Einheit zu machen. Das geht. Und mit der Zeit kann oder muss ich mich natürlich anpassen. Manchmal kann man auch etwas sehr früh machen oder später am Abend, je nachdem, wann die Leute können.
Ich hätte eine Frage: Machst du es nur mit anderen Männern?
Ja, also das hat sich bewährt, weil es eben doch sehr persönlich ist. Ich würde es persönlich empfehlen, dass man nur mit Leuten mit dem gleichen Geschlecht arbeitet, weil man sich ja dann auch in einem persönlichen Rahmen trifft. Man redet auch über persönliche Dinge, und das ist für mich auch ein Schutz. Ich habe sowieso den Schutz, oder ich versuche, mich sozusagen nicht allein mit Frauen zu treffen. Also jetzt mal unabhängig vom Thema Jüngerschaft, und da gehört das natürlich dazu. Persönlich würde ich das empfehlen. Das heißt nicht, dass es nicht auch mal Ausnahmen geben kann, aber ich denke, die Regel sollte es sein, mit dem gleichen Geschlecht.
Ja, dann danke ich euch für eure Aufmerksamkeit. Wie gesagt, schaut noch einmal in die Bücher rein, die geben noch ein paar Tipps. Sonst könnt ihr mich auch noch einmal persönlich ansprechen. Und denkt nicht, dass es jetzt wahnsinnig kompliziert sein muss. Man kann natürlich mehr machen. Ich habe gesagt, ich habe auch mal eine Dogmatik gemacht. Es gibt den Haniel, einen Theologenfreund von mir, der liest dann manchmal auch theologische Bücher mit seinen Leuten und macht fast so eine Art private Bibelschule. Aber das muss man sozusagen nicht machen. Es reicht schon, und es hilft vielen, wenn man jemanden hat, mit dem man sich regelmäßig zum Beten trifft. Und allein daraus kann schon einiges erwachsen.
Und was Herr Paulus auch gesagt hat: Vieles ist mehr abgeschaut als gelernt. Wenn Sie sehen, wie ich mit Leuten über Jesus rede und wie ich mich auch mal auf die Straße stelle und sozusagen das aushalte, dass Leute kritisch ablehnen, wenn man ihnen ein Traktat oder ein Neues Testament hinhält, oder wenn sie sehen, wie ich mit meinen Problemen umgehe oder manchmal auch Schwächen und Probleme habe, dann lernt man unheimlich viel. Da muss man noch nicht einmal seinen Mund aufmachen, und trotzdem ist man schon irgendwie ein guter Einfluss für Leute. Also denkt nicht, dass es zu kompliziert ist.
Ich hätte noch zwei Fragen. Was waren für dich die größten Herausforderungen bei Jüngerschaft?
Die größte Herausforderung ist, dass man sich in gewisser Hinsicht auch ein bisschen mehr verletzbar macht. Denn je intensiver man mit Leuten arbeitet, desto mehr Herzblut ist man auch dabei, was aus der Person wird. Und desto mehr nimmt es einen natürlich auch mit, wenn man dann merkt, irgendwann macht ja jemand eine nicht so tolle Entscheidung. Ich habe einige Leute, die mal wie so eine Rakete gestartet sind und auch sogar Missionar werden wollten, Treue für Jesus gelebt haben. Und dann war es oft eine Beziehung, aber es gibt auch manchmal andere Sachen, wo es dann einfach eine schlechte Wendung genommen hat in ihrem Leben. Das hat mich meistens sehr mitgenommen, weil man eben auch mit den Leuten mitfiebert. Und da macht man sich natürlich auch ein bisschen verletzbarer insgesamt.
Gibt es irgendwelche Fehler, die du gemacht hast, was du daraus gelernt hast, was du anders machen würdest oder uns raten würdest, nicht zu machen?
Ich bin vielleicht ein bisschen individueller geworden. Das liegt aber auch an unserem ostdeutschen Kontext. Am Anfang hatte ich meine Programme. Es gibt ja auch einige Bücher im Englischen, sozusagen da gibt es schon feste Dinge, die man mit Jüngern machen kann. Und das habe ich am Anfang viel gemacht, dass ich mich an diesen festen Materialien langgehangelt habe. Da habe ich mit der Zeit eben gelernt: Das ist sehr individuell. Die Leute wachsen ganz unterschiedlich, es gibt unterschiedliche Herausforderungen, und jetzt mache ich meistens mit jedem etwas anderes. Ja, das ist ein bisschen persönlicher geworden.
Auch das ist ein bisschen unterschiedlich. Manchmal hilft es, gerade wenn Leute sehr beschäftigt sind, dass man jetzt nicht sagt: Wir fangen an, uns zu treffen, und das kann jetzt bis immer gehen. Es hat auch manchmal geholfen zu sagen: Lass uns mal für ein halbes Jahr treffen. Dann wissen beide, das hat eine gewisse Grenze, und dann fühlt man sich auch nicht schlecht, wenn man jetzt sagt: Jetzt hören wir wieder auf. Weil es entweder nicht so gut geklappt hat oder weil vielleicht auch der andere nicht so viel Zeit hat, dass er jetzt sagen kann: Ich kann mich für immer treffen. Also das kann man durchaus machen, dass man sagt, wir studieren mal dieses Buch zusammen oder wir treffen uns für eine gewisse Zeit.
Mit den meisten aus der Gemeinde, mit denen ich es mache, wo ich jetzt involviert bin, geht es meistens relativ lang. Aber es gibt dann auch mal Momente, wo ich auch jemanden an andere abgebe, also wo ich sage, an einen meiner Ältesten, und sage: Wäre es okay, wenn du jetzt mal weiter dich mit dem triffst? Weil es gibt jetzt jemanden Neuen in der Gemeinde, und zu dem passe ich ganz gut, weil der auch irgendwie relativ ähnlich tickt. So dass ich dann versuche, mich mit jemand anderem zu treffen.
Es gibt auch mal den Fall, wo man einfach merkt, jemand ist nicht mehr so richtig lernbereit. Wo man vielleicht dann auch sagt, es macht vielleicht nicht mehr so Sinn, sich so regelmäßig zu treffen. Also meistens ist es nicht so, dass ich dann gar nicht mehr verfügbar bin, aber dass ich sage: Lass uns vielleicht mal alle zwei Wochen oder einfach ab und zu mal beten, wenn ich merke, es ist auch nicht mehr so das Interesse da. Dann hat man manchmal vielleicht auch die Scham, zu sagen: Ich habe kein Interesse mehr oder so. Manchmal frage ich halt auch: Macht es noch Sinn? Oder so. Also das kann man machen.
Nee, ich denke, es ist günstig. Also im Idealfall, wir leben aber nicht im Idealfall, aber im Idealfall wäre es schön, wenn jeder von uns jemanden als Mentor hätte, wenn jeder von uns einen Mitstreiter hätte, wenigstens einen, wo man sozusagen auf einer partnerschaftlichen Ebene gemeinsam beten und sich austauschen kann, vielleicht auch Rechenschaft machen kann, und wenigstens einen hätte, in den man investiert. Das wäre der Idealfall. Der ist nicht immer so, aber ich finde das sehr gut, wenn es auch diese Mitstreiter gibt.
Also ich habe auch Leute, zum Beispiel den Ältesten in unserer Gemeinde. Das war mal ein Jünger gewesen, mit dem habe ich mich lange getroffen. Aber der ist mittlerweile so weit, dass wir auf einer Ebene sind. Also das ist jetzt eher eine Rechenschaftsbasis. Da beten wir zusammen und fragen, wie es in unseren Ehen läuft und so. Und da ist es aber jetzt nicht so, dass ich jetzt unbedingt etwas lehre, sondern wir ermutigen uns gegenseitig.
Ja, dann möchte ich euch Mut machen, das vielleicht anzugehen. Und er sagt das jetzt nicht, weil ich nur das Seminar mache. Es ist einfach langfristig wirklich etwas Freudebringendes, wenn man sieht, ich meine, einige von denen, mit denen ich Jüngerschaft mache, sind jetzt bei der Konferenz, und da freue ich mich einfach sozusagen zu sehen, was aus denen geworden ist und dass sie weiter an Jesus dranbleiben. Und die Freude wünsche ich euch halt auch, dass ihr sozusagen so ein bisschen den Ball seht, wie der sich immer weiter rollt und wie Gottes Reich gebaut wird.
Dann würde ich zum Abschluss noch einmal beten, und dann haben wir vielleicht eine etwas längere Pause. Das ist auch nicht schlimm.
Herr, wir danken dir, dass du uns gebrauchen willst, dass du uns Gnadengaben gegeben hast, dass du uns als Gemeinde zusammengestellt hast, dass du den Leib geschaffen hast, wo wir füreinander da sein sollen. Herr, du hast gesagt, dass wir nicht die Versammlung vernachlässigen sollen. Du hast aber auch gesagt, wir sollen uns jeden Tag ermahnen, solange es heute heißt, damit nicht jemand verstockt werde durch den Betrug der Sünde. Und dieses jeden Tag Ermahnen, dieses gegenseitige Stärken, Herr, das wünsche ich mir, dass du uns die Kraft dazu gibst, dass du uns Augen öffnest für Leute, die du vorbereitet hast, für jemanden, der vielleicht treu ist, also treu verfügbar und lehrbar ist, und Herr, dass du uns gebrauchst, um Leute zuzurüsten, dass wir wirklich zur vollkommenen Mannesreife in Christus kommen, dass wir dir Ehre bringen in unserem Leben und dass wir auch andere lehren, die dann wiederum andere lehren können und dadurch in Deutschland ein Stück weit eine Erneuerung erfahren können und eine Stärkung in unseren Gemeinden. In Jesu Namen, Amen.
