Herzlich willkommen zur Jugendmissionskonferenz in dieser ganz neuen Form. Ich freue mich, dass ihr zuschaut.
Mein Name ist Rainer Hohlweger. Ich bin Gemeindepfarrer in Öschelbon, verheiratet und wir haben drei Kinder. Seit ich Pfarrer bin, feiere ich jede Woche Gottesdienst, manchmal auch mehrmals.
Einführung in das Thema Gottesdienst und Nachfolge
Das Thema, in das ich euch heute mitnehmen möchte, lautet „Immer Gottesdienst. Was bringt es mir, wenn er alles will?“
Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden fragen mich oft zu Beginn des Konfirmandenunterrichts: „Herr Pfarrer, wie oft müssen wir eigentlich in den Gottesdienst?“
Sie bekommen von uns ein kleines Heft, in das sie eintragen können, wie oft sie im Gottesdienst waren. Manche denken dann: „Oh Mann, jetzt ein ganzes Jahr jeden Sonntag in die Kirche.“ Ist das wirklich so, wenn es um den Gottesdienst geht?
Im Lauf der Jahre ist mir ein Text besonders wichtig geworden. Diesen Text möchte ich heute mit euch anschauen und gemeinsam darüber nachdenken.
Wenn ihr eine Bibel griffbereit habt, könnt ihr gerne das Video oder den Podcast anhalten und in Römer 12,1-2 selbst lesen. Macht euch erst einmal Gedanken dazu. Was sagt die Bibel? Was sagt Paulus, wie wir Gott dienen sollen?
Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom: „Liebe Geschwister, bei der Barmherzigkeit Gottes bitte ich euch, stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung. Es soll wie ein lebendiges und heiliges Opfer sein, das ihm gefällt. Das wäre für euch die vernünftige Art, Gott zu dienen. Und passt euch nicht dieser Zeit an, sondern gebraucht vielmehr euren Verstand in einer neuen Weise und lasst euch dadurch verwandeln. Dann könnt ihr beurteilen, was der Wille Gottes ist, ob etwas gut ist, ob es Gott gefällt und ob es vollkommen ist.“
Herr, segne dein Wort an uns. Amen.
Ganzheitliche Nachfolge als Lebensstil
Paulus stellt hier klar: Wenn wir davon sprechen, Gott zu dienen, dann geht es ums Ganze. Es geht nicht nur um ein bisschen Gottesdienst. Es geht auch nicht nur um die eine oder zwei Stunden am Sonntag, in denen wir uns treffen. Sondern es geht um ein ganzes Leben, um den ganzen Willen Gottes.
Es geht darum, womit und wozu ich Gott diene, um das Ziel des Gottesdienstes. Oder wie Paulus hier sagt: Es geht darum, wie ich zu dem komme, was in Gottes Augen gut, schön und vollkommen ist.
Immer Gottesdienst bedeutet bei Paulus immer Nachfolge, immer Jüngerschaft.
Ich weiß nicht, wie in deiner Gemeinde Gottesdienst gefeiert wird und ob du dort gerne hingehst oder eher sagst: „Ah, na ja, ist jetzt eher nicht so meins.“ Auch zur Zeit von Paulus gab es viele Diskussionen darüber, wie eigentlich ein Gottesdienst gefeiert wird.
Wer darf predigen? Welche Lieder singen wir? Worüber reden wir? Wann treffen wir uns?
Damals war zum Beispiel die große Frage: Treffen wir uns wie in der Synagoge am Freitagabend zum Beginn des Sabbats? Oder treffen wir uns am Sonntag, am ersten Tag der Woche, dem Tag der Auferstehung von Jesus?
Wer darf zum Abendmahl? Wer darf getauft werden? In welcher Sprache feiern wir Gottesdienst? Brauchen wir eine Übersetzung für die Gäste? Und wie lange dauert der Gottesdienst?
Auch damals waren das Fragen, über die sich ganze Gemeinden spalten konnten. Und...
Missionarische Perspektive auf Gottesdienst
Hier merkt man, dass Paulus mit Leib und Seele Missionar ist – oder auf Griechisch eben Apostel, ein Gesandter. Auf dem Missionsfeld werden viele solcher Fragen nachgehangen.
Bis heute ist es so, ob ich evangelisch oder katholisch bin, aus einer Freikirche oder der Landeskirche komme, ob ich beim Beten die Hände falte oder hebe. Wenn ich auf dem Missionsfeld stehe – und zwar egal, ob das im Ausland ist oder hier bei uns in Deutschland – wenn es darum geht, Menschen zu Jesus einzuladen, dann zählt eigentlich nur eines: Wer ist Jesus für mich, und wie diene ich ihm richtig? Was heißt Nachfolge?
Deshalb geht Paulus beim Thema Gottesdienst an dieser Stelle auch nicht auf die ganzen Detailfragen ein. Gottesdienst ist mehr als das. Es geht darum, wen wir feiern und wozu wir feiern.
Diese Art von Gottesdienst hat für Paulus mit Opfer zu tun, aber eben auch mit Gehorsam und mit Hingabe.
Gottesdienst als Opfer und Hingabe
Zunächst zum Opfer: Paulus knüpft hier an die Vorstellungen an, die in der ganzen Antike verbreitet waren. Er sagt, Gottesdienst zu feiern bedeutet zunächst, loszulassen und ein Opfer zu bringen. Damit konnten damals alle etwas anfangen, denn Gottesdienst ohne Opfer war schlicht und einfach nicht vorstellbar.
Der Tempel in Jerusalem stand noch, und in jedem Tempel im Mittelmeerraum und darüber hinaus gab es Altäre, auf denen Menschen ihre Opfer darbrachten. Paulus betont, dass auch in der Nachfolge von Jesus, also in seinem Gottesdienst, Opfer eine Rolle spielen. Allerdings bringen wir keine Tiere um und töten niemanden. Stattdessen sind wir selbst ein heiliges und lebendiges Opfer.
Er erklärt damit: Sei bereit, dein Leben loszulassen und dich ganz für Jesus einzusetzen. Paulus schreibt das nicht, weil er es sich ausgedacht hat, sondern weil es Jesus selbst seinen Jüngern eingeprägt hat. Jesus hat ihnen und uns gesagt: Wer mit mir kommen will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen.
Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert, weil er an mich glaubt, der wird es retten.
Lebenspläne und Herausforderungen im Licht der Nachfolge
Es klingt sehr hart, und ich weiß nicht, was du mit deinem Leben noch alles vorhast. Wenn ich meine Schülerinnen und Schüler frage: „Und was denkt ihr, wie euer Leben in zwanzig, fünfundzwanzig, dreißig Jahren aussehen wird?“, dann antworten viele, dass sie zuerst einen guten Beruf erlernen möchten, in dem sie genug verdienen.
Die meisten sagen, sie möchten eine Familie gründen, idealerweise mit zwei Kindern – am besten ein Junge und ein Mädchen. Danach möchten sie ein Haus bauen, reisen und etwas von der Welt sehen. Sie wollen mit Freunden etwas erleben und ins Stadion gehen.
Aber Gottesdienst? Na ja, okay, vielleicht an Heiligabend oder ab und zu mal. Das letzte Mal war oft bei der Konfirmation, dann wieder bei der eigenen Hochzeit. Später, wenn die eigenen Kinder da sind, klar, auch bei der Taufe und bei der Beerdigung vom Opa. Das ist so der Klassiker, den ich zu hören bekomme. Vielleicht seid ihr selbst auch gar nicht so weit davon entfernt.
Wenn ihr euch aber ehrlich umseht, merkt ihr: Bei manchen klappt das vielleicht, vor allem wenn sie diszipliniert sind und ihren Plan durchziehen. Aber gerade jetzt, in Zeiten von Corona, bröckeln viele Pläne, die sie sich so gut zurechtgelegt hatten. Diese Pläne gehen nicht auf. Jede Woche ist voll von Überraschungen, und man weiß nicht, was als Nächstes noch um die Ecke kommt.
Als Gemeindepfarrer erlebe ich das oft: Vor Corona war es für viele Familien schon so. Zubrochene Lebensträume, weil plötzlich die Diagnose Krebs im Raum steht und alles über den Haufen geworfen wird. Ein anderer steht ohne Job da, weil die Firma ihn nicht mehr braucht. Das war es mit dem schönen Plan.
Ein junges Mädchen wird schwanger und weiß, dass sie den Vater mit Sicherheit nicht heiraten wird. Aber sie zieht das durch, auch wenn es ganz anders ist, als sie sich das vorgestellt hat.
Paulus sagt: „Bringt euer Leben als ein heiliges und lebendiges Opfer dar.“ Aber manche haben den Eindruck: „Hey, ich bin selbst das Opfer – vom Schicksal, vom Leben, sogar von Gott.“
Eurer Generation stehen wahrscheinlich so viele Möglichkeiten offen wie nie zuvor. Aber zu diesen Möglichkeiten gehört eben auch, ganz schnell auf der Schattenseite zu landen – schneller, als einem lieb ist.
Internet und Technik verändern das Gesicht der Welt schneller, als wir uns umschauen können. Doch nur wenige können daraus Nutzen ziehen, andere stehen plötzlich ohne Job da. Und diese fragen Gott: „Warum nimmst du mir das alles? Warum schlägst du mir mein Lebensglück aus der Hand? Was willst du eigentlich von mir?“
Es tut weh, wenn Gott einem etwas nimmt, von dem man meint, es stehe einem zu, das man sich verdient hat: das kleine Lebensglück, die Gesundheit, das Häuschen mit Garten. Aber das Leben ist anders.
Jesus warnt uns vor Kriegen, vor Seuchen, vor Hungersnöten. Und so schön wie vor Corona hatte es vermutlich kaum jemand vor uns auf diesem Planeten. Wie es danach aussehen wird, weiß keiner von uns. Was noch alles kommt, ist ungewiss.
Loslassen und Vertrauen auf Gottes Plan
Und jetzt kommt Paulus und sagt: Gib deinen Plan freiwillig her, sei bereit, loszulassen, stell dein Leben Gott zur Verfügung und warte ab, was er daraus macht. Paulus erinnert an anderer Stelle daran: Was hast du denn eigentlich, das Gott dir nicht vorher schon geschenkt hat? Denn Gott wird nichts von dir verlangen, was er nicht vorher in dein Leben hineingelegt hat.
Er ist es, der dir eigentlich alles geschenkt hat. Wir sind nicht die Besitzer, sondern nur Verwalter. Paulus erinnert uns daran, dass unser Leben uns auch nicht selbst gehört. Für jeden von uns kommt der Tag, an dem Gott alles, was er uns gegeben hat, auch wieder zurücknimmt – selbst bei denen, bei denen sich alle Träume erfüllt haben.
Das heißt: Als John Rockefeller starb, der erste Milliardär der Weltgeschichte, fragte jemand den Testamentsvollstrecker neugierig und im Vertrauen: Wie viel hat er nun hinterlassen? Der Verwalter antwortete: Alles. Er hat alles hinterlassen. Selbst der reichste Mann nimmt nichts mit.
Wenn du darüber nachdenkst, auf einen Einsatz zu gehen oder in den hauptamtlichen Dienst als Missionar, wirst du mit Sicherheit in der Regel keine Reichtümer erwarten können. Außerdem wirst du dich von manchem Lebenstraum verabschieden müssen – gewollt oder ungewollt.
Jim Elliott war ein Missionar, der 1956 bei einem Einsatz in Ecuador ums Leben kam. Er wurde von Indianern getötet, denen er eigentlich von der Liebe Gottes und von Jesus erzählen wollte. Er verlor sein Leben, aber hinterließ uns einen Satz, der mich und viele andere tief bewegt: „Der ist kein Tor, der hingibt, was er nicht behalten kann, um das zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“
Nochmal: Der ist kein Tor, kein Narr, kein Dummkopf, der hergibt, was er sowieso nicht behalten kann, um das zu bekommen, was ihm niemand nehmen kann – auch nicht der Tod. Jim Elliott hat verstanden, was Jesus seinen Jüngern immer wieder beigebracht hat.
Leben, Tod und Versöhnung als Kern der Nachfolge
Krankheit und selbst der Tod sind nicht das Schlimmste, was dir passieren kann. Wir alle sterben, und wir haben nur sehr begrenzt Einfluss darauf, wie gesund wir sind – und das gilt nicht nur in Zeiten von Corona.
Krank zu sein ist nicht das Schlimmste, und auch zu sterben ist es nicht. Das Schlimmste, sagt die Bibel, ist ein unversöhntes Leben – ein Leben, das im Streit liegt, in Feindschaft mit dir selbst, mit deinem Nächsten und mit Gott.
Ein Mensch, der nicht mehr weiß, wer sein himmlischer Vater ist, wer ihn geschaffen hat und wozu, wer der Sohn ist, der ihn erlöst hat, und wer der Heilige Geist ist, der ihn verändern und neu schaffen will, lebt verloren. Die Bibel sagt: Wer das nicht weiß und nicht erfährt, der hat ein verlorenes Leben.
Was nützt es dir, wenn du die ganze Welt gewinnst und doch Schaden nimmst an deiner Seele? Jesus hat sein Leben als Opfer gegeben, damit wir Frieden finden. Damit unsere beschädigte Seele, unser verletztes Herz wieder ganz wird und bei ihm Heilung erfährt.
Um diesen Frieden zu finden, um die Hände und den Kopf frei zu bekommen für das, was Gott für uns will, müssen wir zuerst loslassen. Und das gilt nicht nur für eine zukünftige Missionarin oder einen Pfarrer, sondern für alle, die Jesus nachfolgen möchten.
Das betrifft die Gaben, die Gott uns geschenkt hat, das Loslassen, es betrifft die Lebenspläne und das, was wir zunächst einmal wollen.
Verstand und Hingabe in der Nachfolge
Paulus macht ebenfalls ganz klar: Gott will kein Kadavergehorsam sein, kein Todesopfer, kein blindes Abnicken, das auf Kommando über jedes fromme Stöckchen springt, das ihm hingehalten wird.
Gott ist nicht der Vater, der sagt: Solange du deine Füße unter meinem Tisch trägst, tust du gefälligst, was ich will. Vielmehr will er, dass wir zuhören, hinhören und auf ihn hören – von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserem Verstand. So sollen wir verstehen, wer er ist und was er für uns getan hat, auch wenn wir das wahrscheinlich nur ansatzweise begreifen können.
Paulus sagt: Gebraucht euren Verstand, aber eben in einer neuen Weise. Das heißt, überlegt euch gut, was ihr wollt und warum ihr es wollt. Nachfolger Jesu schalten ihren Verstand nicht aus, sondern sie stellen ihn in ein neues Licht. Dieses Licht ist zuerst und vor allem das Licht der Bibel.
Meine eigenen Erfahrungen, das, was ich denke, das, was ich will, das, was ich fühle, halte ich in das Licht der Menschen, die Gott bereits kennen, mit denen er gesprochen hat und die von ihm geprägt wurden. Ich bilde mir ein Urteil anhand des Wortes Gottes, das ich verstehen und lesen will, um es zu begreifen.
Innerhalb der Bibel sind es vor allem die Worte Jesu, die mir vor allem anderen Leitfaden und Anleitung sind. In seinem Licht lese ich die Bibel – er ist die Mitte, und sein Geist ist es, von dem ich mich erfüllen lassen will.
Wenn ihr noch keine regelmäßigen Bibelleser seid, dann sage ich euch: Lest vor allem immer wieder die Evangelien. Fangt dort an und arbeitet euch von dort aus weiter!
Praktische Nachfolge durch Hören und Tun
Gottesdienst und Nachfolge haben viel mit dem Hören und Zuhören zu tun. Es geht darum, hinzuhören, was der Wille Gottes ist, und zuzuhören, wie Menschen vom Königreich der Himmel berichten. Dabei lernen wir, die verschiedenen Geister zu unterscheiden: Was kommt aus dem Geist Gottes? Was ist gut, schön und vollkommen? Und was sind andere Geister, andere Ideen und Kräfte? Was ist böse, was baut mich auf, und was zerstört mich?
Wenn ihr euch überlegt, was ihr mit eurem Leben anfangen sollt, dann ist die entscheidende Frage: Wer darf mich prägen? Zu wem gehöre ich und auf wen höre ich? Wer zu Jesus gehört, der hört auf ihn.
Auf ihn zu hören heißt aber nicht nur, die Bibel zu lesen, sondern auch das zu leben, was er sagt. Es bedeutet, auszuprobieren, ob das trägt. Jesus lebt uns das ausdrücklich vor: „Wer meine Rede hört und tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut“, und ebenso einer klugen Frau.
Die Nachfolge, von der Jesus spricht, ist eine sehr praktische Sache. Vielleicht macht der eine oder die andere von euch Sport oder spielt ein Instrument. Um darin richtig gut zu werden, braucht es vieles: Opfer und vor allem Übung, Übung, Übung. Stunden, die man mit Training verbringt. Und es ist großartig, wenn man einen guten Trainer oder eine gute Trainerin hat, die zeigen, wie es geht, die Hilfestellung geben und einem zur Seite stehen.
Doch Opfer zu bringen und zu trainieren, zu üben, das ist nur das eine. Das Wesentliche ist die Hingabe. Wer mit Hingabe trainiert oder musiziert, für den ist alles, was er investiert, nicht nur ein Opfer oder stures Gehorchen. Er liebt es, sich zu bewegen und mit dem Instrument umzugehen. Ihm fehlt etwas, wenn er nicht spielen kann. Er opfert seine Zeit und Kraft mit einer Leidenschaft, die fasziniert. So wird er ein Meister, manche sogar Weltmeister.
Beten, mit anderen Christen feiern, in der Bibel lesen – für manche ist das ein Opfer. Aber wenn wir lernen, es mit Hingabe zu tun, entdecken wir den wahren Schatz, der darin liegt. Und wie diese Hingabe mich verändert. Und...
Ermutigung zur gelebten Hingabe im Alltag
Ich kann euch nur ermutigen: Nutzt diese Zeit, gerade jetzt während Corona, wenn ihr vielleicht nicht ins Ausland reisen könnt, wie ihr es geplant habt. Nutzt die Zeit dort, wo ihr gerade seid, um Hingabe zu üben. Probiert aus, was passiert, wenn ihr dieses Lebenswort auspackt und lebt.
Das Vaterunser, das Jesus seine Jünger beten lehrt, ist so etwas wie ein Leitfaden für ein Leben in Hingabe. Allein deshalb gehört es für mich zu jedem Gottesdienst dazu. Es ist wichtig, das Vaterunser nicht nur herunterzuleiern, sondern ganz bewusst zu sprechen – und noch viel mehr: es auch zu leben. Es zu trainieren und zu üben als Wort von Jesus, das in mein Leben hineinkommen will und es ausfüllen möchte. Es ist sein Trainingsprogramm für meinen Gottesdienst.
Geheiligt werde dein Reich, dein Wille geschehe. Wenn ihr das betet, sprecht und lebt, merkt ihr: In diesem Programm der Hingabe spricht Jesus mindestens genauso sehr von dem, was wir tun sollen und wo er will, dass wir mitmachen, wie von dem, was Gott für uns tut. Denn Gottesdienst meint immer beides: nicht nur Gott zu dienen und mich hinzugeben, sondern in dieser Hingabe zu erleben, was Gott für mich tut und wer er für mich ist, wenn wir ihn bitten.
Unser tägliches Brot gib uns heute, vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigen, und erlöse uns von dem Bösen. Fangt klein an, wenn ihr versucht, das Vaterunser zu leben. Aber fangt an! Wartet nicht, bis ihr irgendwo im Einsatz seid oder in der Mitarbeiterschaft steht. Denkt nicht, ihr müsst erst geistig reich genug sein, um es auszuprobieren und zu leben. Beginnt dort, wo ihr jetzt seid, mit den Gedanken, die ihr über die Menschen habt, die an eurer Seite sind: eure Eltern, Geschwister, Lehrer, Mitschülerinnen und Mitschüler, Kolleginnen und Kollegen.
Fragt euch: Wie schaue ich auf sie? Was sagt Jesus? Bin ich barmherzig, geduldig und gnädig mit den anderen und mit mir selbst? Probiert es aus und dann seht und staunt, wie ein solcher Gottesdienst euch verändern und prägen kann. Wie schön ein solcher Gottesdienst sein kann, dass ihr gar nicht mehr anders wollt, als so zu leben und ein solches Leben zu führen.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
