Der wiederkommende Herr - eine Herausforderung zur Evangelisation am Beginn des 3.ten Jahrtausend
21.11.1999
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Der wiederkommende Herr als Maßstab für Evangelisation
Das Thema heißt: „Der wiederkommende Herr – eine Herausforderung zur Evangelisation am Beginn des dritten Jahrtausends“. Und damit will ich gleich, ohne lange Vorrede, da hineingehen.
Die Herausforderung zur Evangelisation ist nicht die Jahrtausendwende, sondern die Herausforderung zur Evangelisation ist der wiederkommende Herr. Die Sicht der Bibel ist klar. In Matthäus 24 lesen wir in dem Endzeitkapitel, wo Jesus die Zeichen der Zeit nennt, die dem Ende zuführen, als eines der Zeichen der sich vollendenden Geschichte: Es wird gepredigt werden, dies Evangelium vom Reich, in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, sagt Jesus, und dann wird das Ende kommen. Und im Paralleltext Markus 13,10 heißt es: Und das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.
Der Blick ist aufs Ende, auf die Vollendung der Geschichte, auf das Kommen des Herrn gerichtet. Und was sind die Zeichen, die dorthin führen? Es wird von den Kriegen und von Katastrophen geredet, von dem Ausreifen des Bösen in dieser Welt. Aber dann heißt es: Das Evangelium vom Reich muss und wird allen Nationen gepredigt werden, und dann wird das Ende kommen.
Der Missionstheologe Walter Freitag schrieb 1942, das ist schon ein paar Tage her, einen Aufsatz mit dem Thema Mission im Blick aufs Ende. Den habe ich wieder herausgekramt in der Vorbereitung zu diesem Nachmittag. Ich fand ihn außerordentlich interessant und will noch ein paarmal darauf zurückkommen.
In diesem Aufsatz schreibt er im Blick auf die Bibeltexte, die ich gerade zitierte, Matthäus 24, als Verkündigung des Evangeliums für alle Völker als Zeichen des Endes. Es heißt hier: Die Formulierung „Es wird gepredigt“ oder bei Markus „Es muss das Evangelium zuvor gepredigt werden“ mache die ganze, jetzt wörtlich, die ganze Schwere und Unverrückbarkeit göttlicher Willenssetzung erkennbar.
Zitat: Hier ist nicht von Menschen die Rede, hier handelt Gott. Mission ist das von ihm errichtete Zeichen der Endzeit. Gegen den Aufstand der Zerstörungsmächte, die Jesus ankündigt, Katastrophen, Kriege und so weiter, Verfolgung, setzt Gott als Zeichen der Vollendung die Verkündigung des Evangeliums für alle Völker. Und selbst die bösen Entwicklungen, dieses Ausreifen der Dämonien, selbst das muss noch ein positives Vorzeichen haben. Jesus nennt es: Es sind Anfang der Wehen, also die Geburtswehen des Kommens der neuen Welt Gottes.
Heute Morgen hat es in der Predigt ja sicherlich eine Rolle gespielt: Wer in der Hoffnung auf den kommenden Herrn lebt, wird zum Hoffnungsarbeiter. An der Erfüllung der aufgetragenen Arbeit erkennt man die Menschen, die auf den kommenden Herrn warten.
Jesus beschreibt, worin sich die Erwartung des Kommenden manifestiert, also Lukas 12, Matthäus 24: Wer ist nun der kluge und treue Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat? Jetzt heißt es bei Matthäus: damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe. Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun sieht.
Die Menschen, die Gott geschaffen hat und die er liebt, die sollen zur richtigen Zeit das Lebensnotwendige bekommen, die Speise bekommen. Das ist die erste Priorität in der Erwartung des kommenden Herrn. Jesus selbst ist das Lebensbrot. Also kann es nichts Wichtigeres geben in der Erwartung des kommenden Herrn, als den von Gott geliebten Menschen das, was sie zum Leben brauchen, auszuteilen. Und Jesus will uns bei der Arbeit finden, wenn er kommt. Nämlich bei der Arbeit, dass wir zur rechten Zeit den Menschen Gottes das Brot, die Speise, austeilen.
Es ist so interessant zu sehen, dass die wesentlichen Texte des Neuen Testaments, die zur Mission beauftragen und die Ausrüstung zur Mission beschreiben, alle im Zusammenhang mit dem kommenden Herrn zu verstehen sind. Apostelgeschichte 1: Bei der Himmelfahrt, auf die Frage der Jünger, ob Jesus das Reich jetzt in dieser Zeit aufrichtet, kommt als Antwort nicht eine Erklärung, wann das passieren wird, sondern: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein. Die Sendung ist die Antwort.
Auch der Missionsbefehl Matthäus 28 ist im Zusammenhang des wiederkommenden Herrn zu verstehen. Denn ganz offensichtlich ist Matthäus 28 in enger Verbindung mit der Menschensohnvision aus Daniel 7,13-14 zu sehen: der mit den Wolken des Himmels kommende Menschensohn zum Weltgericht, als Weltherr kommend.
Matthäus 28 steht zuerst das Vollmachtswort: Siehe, mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Dann die Aufforderung zur Proklamation der Christusherrschaft: Mache zu Jüngern alle Völker, taufe sie in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und dann die Verheißung der Endvollendung.
Walter Freitag, der Missionstheologe, schreibt in dem eben zitierten Aufsatz, ich zitiere: Die Gemeinde steht nicht auf der Stelle, sie ist nicht nur zum Ausharren unter dem Trommelfeuer verurteilt, sie darf und soll vorgehen. Bei der Verkündigung des Evangeliums ist bei den Stellen, die vom Ende reden, nirgends nur von der Predigt die Rede, wie man so gerne einengend missversteht, also Sonntagspredigt, Gottesdienstpredigt, sondern, so sagt er, von fortschreitender Evangeliumsverkündigung.
Diese Sendung ist die einzige Antwort Jesu auf die Frage nach dem Wann, die heute so viele Gemüter bewegt, schrieb er 42, gibt es ja heute auch. Sie ist die Tat der Hoffnung, die den Blick aufs Ende nüchtern hält. Die fortschreitende Evangeliumsverkündigung, sagt er, also die Evangeliumsverkündigung an Menschen, die noch nicht glauben, die ihm noch nicht folgen, nennt er eine fortschreitende Evangeliumsverkündigung. Und das zu tun, sich dem zu verschreiben, ist, mit Fachworten Mission, Evangelisation umschrieben, sagt er, das ist die Tat der Hoffnung, die den Blick aufs Ende nüchtern hält.
Wobei das Zitat: Die Sicht der Bibel ist klar, der wiederkommende Herr ist die wichtigste Herausforderung zur Evangelisation, und das gilt umso mehr an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, als die Zahl 2000 eben ausschließlich wegen Jesus geschrieben wird und deshalb Christen und Nichtchristen an Jesus erinnert.
Das ist das Erste. Die Sicht der Bibel ist klar: Der wiederkommende Herr ist die Herausforderung zur Evangelisation.
Die Gegenwart der Gemeinde zwischen Hoffnung und Selbsttäuschung
Zweitens: Wie ist die Sicht der Christen heute?
Es gab seit dem letzten Jahrhundert immer wieder Christen, die meinten, die Wiederkunft Jesu nach Matthäus 24, Vers ... gewissermaßen erzwingen zu können. Wenn wir also die Weltmissionen vorantreiben und alle erreicht sind, dann kommt der Messias wieder. Auch wenn darin eine starke Motivation zur Mission lag, ist diese Ansicht genauso wenig akzeptabel wie die Meinung einiger frommer Juden, die glaubten, wenn der Sabbat einmal vollkommen gehalten würde, dann müsse der Messias wiederkommen. Wir können Gott nicht zwingen.
Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass das heute unser Problem ist. Überwiegend wollen Leute nicht ganz schnell das Evangelium überall verkünden, um die Wiederkunft Jesu herbeizuzwingen. Das Problem scheint heute vielmehr zu sein, dass die Gemeinde der Christen sich wie alle Zeitgenossen im Heute verliert. Wir möchten schließlich nicht in den Verdacht kommen, dass wir die Leute aufs Jenseits, auf den Himmel vertrösten. Deshalb versuchen wir, nachzuweisen, dass wir alles schon jetzt haben und alles im Glauben schon jetzt zu bieten haben.
Das entspricht durchaus den Erwartungen der Menschen heute. Sie wollen alles, aber jetzt. Indem wir uns darauf einlassen und so Kinder unserer Zeit sind und so vom Zeitgeist geprägt, setzen wir uns natürlich demselben Druck aus, dem alle heute ausgeliefert sind: Alles jetzt heißt alles jetzt oder nie. Die Erschöpfung durch die unvermeidliche Enttäuschung führt dann zwangsläufig zur Hoffnungslosigkeit, verbrannte, ausgebrannte Asche. Wer alles jetzt verspricht, programmiert seine Frustration.
In der Verkündigung spiegelt sich der Zustand der Gemeinde heute. Sie hat sich, wie alle Zeit, wie alles Volk, wie alle Menschen ringsherum, total aufs Heute konzentriert und verliert sich darin.
Ich komme noch einmal zurück auf Walter Freitag. Er schildert in seinem Aufsatz ein Gespräch mit Professor Hendrik Krämer, der damals noch Missionar auf Java gewesen ist. Es ging um die Frage: Welche Rolle spielt die Verkündigung des wiederkommenden Jesus in der Mission? Die erste Erkenntnis, die beide in diesem Gespräch gewannen, war: Der Fluss kann nicht höher sein als die Quelle. Wenn die Gemeinde nicht im Blick aufs Ende lebt, dann ist ihr Sendling auch nicht imstande, mit Vollmacht von diesem Ende zu zeugen. Sie sagte: Wenn das so ist, dass die christliche Gemeinde sich heute ins Heute verloren hat und eigentlich nicht in der Erwartung des kommenden Herrn lebt, dann haben ihre Gesandten, ihre Beauftragten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch nicht die Vollmacht, diesen kommenden Herrn zu verkündigen. Der Fluss ist nicht höher als die Quelle.
Es könnte ja sein, dass das auch heute unsere Not ist, dass in der Verkündigung eigentlich nichts anderes gesagt werden kann, als was die Gemeinde de facto lebt. Obwohl die Gemeinde sich so ans Heute verliert und aufs Heute verschworen hat, selbst religiös, selbst geistlich: Glaube heißt alles heute und alles jetzt. Da haben wir keine Vollmacht mehr, vom kommenden Herrn zu reden. Es klingt hohl. Dabei ist die Verkündigung des kommenden Herrn unbedingt nötig.
Ich zitiere noch einmal Walter Freitag. Er sagt: „Alles Heidentum lebt in der Vorstellung, dass Glück und Heil identisch ist oder dass der Erfolg der Beweis für das Heil ist.“ Diese Beschreibung von Walter Freitag, die er 1942 ausgesprochen hat, trifft ja ganz genau unsere Situation. Sie sagt nur, dass das heidnische Denken, also das Denken, das Glück und Heil gleichsetzt und Heil im Erfolg bewiesen sieht, heute unser Mental, unser Denken, prägt.
Eine Christenheit, die nicht mehr auf den kommenden Herrn und die Vollendung des Reiches Gottes wartet, verfällt diesem religiösen Kurzschluss, Glück und Heil zu identifizieren. Weil sie alles jetzt erwartet, unterscheidet sie nicht mehr Heil und Wohl, Heil und Glück. Sie unterscheidet sich damit nicht mehr von ihrer Umwelt und kann ihr deshalb nichts Rettendes sagen.
Die Erkenntnis, dass Gottes Herrschaft zwar angebrochen ist, wir aber noch nicht in der Vollendung leben, ist von lebenswichtiger Bedeutung. Wir können uns an den Geschenken Gottes heute schon freuen. Und wir nehmen die Belastungen, die uns zugemutet werden, in der Zuversicht an, dass es Gott gut mit uns meint und uns zu seinem großen Ziel bringen wird. Dann werden wir sein wie die Träumenden, jetzt aber sind wir auch im Leid getrost.
Walter Freitag erzählt folgende Geschichte: Eine Frau in Südafrika hat zwei Kinder. Sie kommt zum Glauben an Jesus Christus. Danach bekommt sie weitere zwei Kinder, die beide sterben. Die heidnische Großmutter macht ihr Vorhaltungen und sagt, das sei die Strafe dafür, die Strafe der Ahnen, dass sie von ihrem traditionellen Glauben abgefallen und Christin geworden sei. Die Frau antwortet: Kennst du nicht unsere Sitte? Felddiebstahl wird mit dem Tode bestraft. Aber wenn ein Freund an unserem Feld vorbeigeht und Hunger hat, dann kann er nehmen. Er muss nur eine deutliche Fußspur hinterlassen, damit wir wissen, es ist der Freund. Als ich Gott noch nicht kannte, hat er mir meine Kinder nicht genommen. Jetzt, wo ich ihn kenne, sage ich: Er ist mein Freund, er mag nehmen.
Welche enorme Bedeutung es hat, das Evangelium vom angebrochenen und in der Wiederkunft Jesu vollendeten Reich Gottes in aller Deutlichkeit zu verkündigen. Denn nur damit kann Leben bewältigt werden: dass ich jetzt die Gabe Gottes annehme, aber weiß, es ist noch nicht die Vollendung da.
Das ist das Zweite: Wie sehen die Christen das heute? Wie ist die Sicht der Christen heute im Blick auf den Wiederkommenden?
Mut zur Verkündigung in der Erwartung des Kommenden
Lassen Sie mich als Drittes das Stichwort unter dieser Linie entfalten: Mut zur Evangelisation.
Der Blick auf den wiederkommenden Herrn nimmt uns die Verzagtheit, die heute auf vielen Gemeinden liegt. Manche machen ja den Eindruck, als arbeiteten sie auf einem untergehenden Schiff. Noch einmal Walter Freitag: Er sagt, der Blick aufs Ende gibt uns für unsere missionarische Arbeit etwas, was wir bezeichnen können als illusionslose Gewissheit. Wir täuschen uns also nicht über die Widerstände, über die Kämpfe, über die Niederlagen, die vor uns sind. Aber wir wissen: Unser Herr kommt. Der Erfolg ist gesichert, denn wir müssen den Erfolg nicht schaffen. Und weil wir ihn nicht schaffen müssen, sind wir nicht überfordert. Wir werden nicht dadurch legitimiert, dass wir es schaffen. Wir wissen, dass der Auferstandene kommt und dass er den neuen Himmel und die neue Erde schafft.
Weil wir aber so entlastet sind, dürfen wir gelassen an die Arbeit gehen. Wir können uns tatkräftig für Gottes Ziele einsetzen. Gott will alle. Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er hat ein großes Herz voller Liebe, und wir dürfen nicht engherziger denken und handeln.
Da mögen die Zeiten leichter oder schwerer sein für die einladende Verkündigung. Es mag Zeit oder Unzeit sein, wie Paulus im 2. Timotheusbrief 4 schreibt. Der Auftrag ist trotzdem klar: weitersagen.
Wir warten sehnlichst auf das Kommen des Herrn. Wir fragen: Warum lässt er auf sich warten? Die Antwort der Bibel ist klar, 2. Petrus 3: Der Herr verzögert die Verheißung nicht, wie manche es für eine Verzögerung halten, sondern er hat Geduld mit uns. Er will nicht, dass irgendeiner verloren geht, sondern dass jeder zur Umkehr kommt.
Keine Frage also, womit wir die Wartezeit füllen sollen. Weil der Herr uns Zeit einräumt, dürfen und können wir Menschen einladen: Lasst euch versöhnen mit Gott! Die Frage heißt nur: Werden wir die Zeit nutzen, die Gott uns schenkt?
Es wurde ja heute in dieser Veranstaltung schon erwähnt, dass es vor kurzem in Leipzig die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland gab. Und ich war schon bewegt zu lesen, dass dann, nur bei einer Enthaltung und ohne jede Gegenstimme, eine Kundgebung beschlossen wurde mit dem Thema: „Reden von Gott in der Welt. Der missionarische Auftrag der Kirche an der Schwelle zum dritten Jahrtausend“.
Wir lesen in dieser Kundgebung erstaunliche und erfreuliche Sätze. Ich will Ihnen die mal vorlesen. Einiges daraus ist ein langer Text, und er wird ja demnächst veröffentlicht. Ich empfehle Ihnen die sorgfältigste Beachtung. Da heißt es wörtlich: Von dieser Tagung der Synode geht das Signal aus: Die evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle. Sie gibt dabei einer Vielfalt von Wegen und Konzepten Raum. Ihr ist an der Kooperation und gegenseitigen Ergänzung dieser unterschiedlichen Wege und Konzepte gelegen.
Es hat eine Zeit gegeben, in der es den Anschein haben konnte, als seien das Glaubensthema und die missionarische Aufgabe das Markenzeichen nur einer einzelnen Strömung in unserer Kirche. Heute sagen wir gemeinsam: Weitergabe des Glaubens und Wachstum der Gemeinden sind unsere vordringliche Aufgabe. An dieser Stelle müssen die Kräfte konzentriert werden. Dabei gibt es keine Alleinvertretungsansprüche.
Oder weiter heißt es in dem Text: Wir stehen an der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Es ist dies ein Zeitpunkt, an dem überall in unseren Kirchen die Dringlichkeit der missionarischen Aufgaben neu erkannt und in den Vordergrund gerückt worden ist. Wir brauchen dafür alle Kompetenz und alle Kraft, die wir aufbieten können.
Ich weiß nicht, ob das schon das sogenannte prophetische Perfekt ist, also dass überall schon die Dringlichkeit der missionarischen Aufgabe neu erkannt und in den Vordergrund gerückt worden ist, oder ob das vielleicht noch heißen muss: hoffentlich wird. Aber hier diese Note im Perfekt, das die Propheten gebrauchen, in dem das Angekündigte schon als eingetreten beschrieben wird, wird das so formuliert.
Und unerhört, weil das ja mit der Taufe immer irgendwie zusammenhängt, so wissen Sie, wenn es um Evangelisation geht, dann sagen ja viele in unserer Kirche: Was wollt der eigentlich, sind doch alle schon getauft. Erstaunliches Wort. Mit der Taufe ist die christliche Wahrheit persönlich geworden. Aber dies wird nur wirksam, wenn beim Getauften der eigene, von Eltern und Paten nicht vertretbare Glaube geweckt wird. Zitat: Wenn der Glaube nicht zur Taufe kommt, ist die Taufe nichts nütze. Martin Luther.
Gerade eine Kirche, die vorrangig die Kindertaufe praktiziert, ist dazu verpflichtet, zum persönlichen Glauben hinzuführen, sagt die Kundgebung. Das ist doch was! Ich zitiere immer noch nicht meine Worte. Zitat: Die Menschen haben die Kirche massenhaft verlassen, sie sind aber nur als einzelne zurückzugewinnen.
Und dann werden die freien Werke und Verbände und Initiativen gewürdigt, Zitat: die schon über Jahrzehnte unermüdlich und phantasievoll auf dem Feld des missionarischen Handelns tätig sind, Hilfestellung anbieten und Anregungen geben, zum Beispiel für Bibelwochen, Besuchsdienst, Hauskreisarbeit oder Glaubensseminare.
Dringend benötigt werden Impulse in der missionarischen Ausbildung, nicht nur an den besonderen Ausbildungsstätten, sondern vor allem in der Aus- und Fortbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer an den theologischen Fakultäten, Predigerseminaren und Pastoralkollegs, steht hier.
Ich dachte, ich sollte das hier bei einer solchen Versammlung sagen und hoffen, dass die Bengel das in Großdruck auch für alte Augen lesbar an der Fakultät zu Tübingen herumtragen. Denn das ist natürlich die berufende Fakultät, denn einer ihrer führenden Köpfe, Professor Jüngel, hat alles eingestielt auf der EKD-Synode mit einem fulminanten, großartigen Vortrag, der einer biblischen Klarheit zum Thema Mission und Evangelisation überhaupt nichts zu wünschen übrig ließ.
Er hat in seinem einführenden Vortrag auf der Synode davon gesprochen, dass Mission und Evangelisation eine ganz elementare Eigenart und eine konstitutive Grundstruktur der christlichen Kirche sei. Und er schloss seine Rede unter Bezug auf Luthers 95 Thesen mit der Aufforderung, dass der wahre Schatz der Kirche, wurde schon mal genannt heute, nämlich das hochheilige Evangelium, von der Kirche auf jede denkbare Weise in die Öffentlichkeit gebracht werden muss. Und das heißt für die evangelische Kirche in Deutschland nun einmal zuerst und vor allem in die deutsche religiös ausgehungerte Öffentlichkeit.
Je ärmer, je geistlich ärmer sie ist, umso mehr hat die Welt ein heiliges Recht. Sie hat einen ihr selbst zwar unbewussten, aber unabweisbaren Anspruch auf den wahren Schatz der Kirche. Und das liegt ja offen zutage, dass die deutsche Christenheit vor einer missionarischen Herausforderung steht, wie sie größer kaum gedacht werden kann. Das war Professor Jüngel.
Es hat mich sehr beeindruckt, an dem Tag, an dem ich an der Synode teilnahm, dass der Berliner Bischof Professor Huber die Synodalen ermahnte, in der Aussprache mit einem Zitat von Augustinus: In dir muss brennen, was in anderen zünden soll. In dir muss brennen, was in anderen zünden soll. Es geht nicht nur um theologische Erkenntnisse und Papiere, die Richtigkeiten jetzt verbreiten, sondern in dir muss brennen, was in anderen zünden soll.
Ich sage, dass ich als Evangelist ungeheuer dankbar bin, dass solche klaren Worte von der EKD-Synode zu hören sind. Jetzt können wir nur hoffen und beten, dass es nicht nur bei Worten und Papieren bleibt, sondern dass die Liebe zu Jesus und zu den Verlorenen wirklich in den Herzen brennt und den Worten Taten folgen.
Also, das ist das, was uns heute beschäftigt. Der wiederkommende Herr ist die entscheidende Herausforderung zur Evangelisation. Die Gemeinde muss diese Sicht auf den wiederkommenden Herrn neu gewinnen, damit sich das in der Verkündigung auch autorisiert widerspiegelt. Die Erwartung des wiederkommenden Herrn macht Mut zur Evangelisation.
Lassen Sie mich noch zwei inhaltliche Gesichtspunkte hinzufügen, die deutlich machen, was es noch beinhaltet, wenn wir von Evangelisation im Blick oder in der Erwartung auf den wiederkommenden Herrn sprechen.
Der kommende Richter und die Verantwortung des Menschen
Das vierte also: Wir kündigen den kommenden Herrn als den Richter der Welt an. Das ist das heiße Eisen. Ich habe auch den Eindruck, dass das in der Diskussion auf der EKD weitgehend ausgeklammert war. Das heiße Eisen war: Man darf den Leuten doch nicht mit der Verkündigung des Gerichts Angst machen. Davon werden sie seelisch krank. Wollen wir etwa die Leute mit dem Höllenhund in den Himmel treiben? Und außerdem: Die Leute lassen sich ja gar keine Angst machen. Wer nicht an Gottes Existenz glaubt, den kann man auch nicht mit dem Gericht Gottes erschrecken.
Dabei ist die Frage ganz schlicht und einfach: Wird Jesus am Ende der Welt Gericht halten oder nicht? Jesus hat ganz unmissverständlich davon geredet. Er hat sich selbst immer wieder als den Menschensohn bezeichnet, nach Daniel 7,13 als den Weltherrn und kommenden Weltrichter, der mit den Wolken des Himmels kommen wird, die Toten auferweckt und die Menschen richtet. Dieses Gericht wird einen doppelten Ausgang haben: eine ewige Gemeinschaft mit Gott oder die Verurteilung zu ewiger Trennung von Gott.
Ich erschrecke manchmal darüber, wie sehr ich geneigt bin, das Gericht Gottes in meiner Verkündigung zu verschweigen. Zur Rechtfertigung dieser Unterlassung bieten sich mir theologische und psychologische Argumente zu Dutzenden an. In Wirklichkeit aber habe ich nur einen Grund: Ich bin zu feige, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Aber sie müssen sie hören, weil sie ihnen guttut.
Es ist aus mehreren Gründen nötig, auch das Gericht anzukündigen. Ich nenne nur vier Gründe.
Zuerst einmal, weil es kommt. So wahr Jesus auferstanden ist von den Toten, so gewiss kommt auch das Gericht. Also müssen wir es um der Menschen willen und um der Wahrheit willen bezeugen. Es hilft niemandem, wenn wir ihm unbequeme Dinge verschweigen, auf die er dann unvorbereitet stößt.
Und zweitens sollten wir vom Endgericht sprechen, weil es die Menschenwürde schützt. Gott ehrt den Menschen dadurch, dass er zu ihm spricht, den Menschen seines Wortes würdigt und der Mensch auf Gottes Wort antworten darf. Dadurch gibt Gott dem Menschen Verantwortung. Diese Verantwortlichkeit, die Möglichkeit und Fähigkeit, Gott Antwort geben zu können, ist die einzigartige Würde des Menschen. Sie und sie allein unterscheidet ihn von allen anderen Geschöpfen.
In der sogenannten Gesellschaft der Schuldlosen, wie der Politikwissenschaftler Iring Fetscher unsere Gesellschaft genannt hat, ist niemand an irgendetwas wirklich schuld. Es waren immer die Umweltbedingungen beziehungsweise die Gesellschaft, wer auch immer das sein mag. Diese Entschuldigung erscheint auf den ersten Blick hilfreich, weil entlastend, aber tatsächlich raubt sie dem Menschen die Würde. Ein Mensch, der nicht mehr verantwortlich ist, wird nicht mehr ernst genommen. Er wird für unzurechnungsfähig erklärt, er verliert seine Menschenwürde. Der Letzte, der die Menschenwürde schützt, ist Gott, der uns würdigt, ihm Antwort zu geben im Gericht. Er nimmt uns in unserer Verantwortung ernst.
Und drittens sollten wir diese Botschaft nicht verschweigen, weil es entlastend ist, zu wissen, dass Gott das letzte Urteil der Weltgeschichte sprechen wird. Ohne dieses Gericht gäbe es keine Grenze der Selbstherrlichkeit des Menschen, es sei denn die Selbstzerstörung des Menschen und die Zerstörung der Welt. Wir müssen also uns nicht selbst rächen. Wir müssen uns nicht in den mörderischen Kreislauf von Hass und Vergeltung hineinreißen lassen. Wir dürfen uns und unserer Sache dem Richter überlassen. Er ist der Richter.
Und viertens: Nur weil der Richter ein letztes, maßgebendes Urteil sprechen wird, gibt es in der schier unendlichen Fülle der Wahlmöglichkeiten unserer Welt Maßstäbe zur Unterscheidung. In der sogenannten Multioptionsgesellschaft, in der also eine unermessliche Fülle von Wahlmöglichkeiten vor uns ist und jeder als Einzelner entscheiden muss, welche Wahl er treffen will, damit sein Leben gelingt, und doch nicht wissen kann, ob er damit nicht die entscheidenden Möglichkeiten ausklammert und verpasst: Wer gibt uns einen Maßstab, um zu wählen? In der Multioptionsgesellschaft kann man ohne Ziel und ohne daraus ableitbare Maßstäbe nicht überleben. Es ist eine Wohltat, zu verkünden, dass Gott die letzten Maßstäbe in dieser Welt setzt und dass von dort aus ein Orientierungssystem für unser Leben in der Gegenwart gewonnen wird.
Also deshalb: Wenn wir den kommenden Herrn verkündigen und Evangelisation in Erwartung des wiederkommenden Herrn betreiben, kündigen wir auch den Richter an.
Hoffnung, Zeit und die ungeteilte Gestalt Jesu
Und letztens will ich noch sagen: Begründete Hoffnung ist überlebenswichtig. Der Bundespräsident Johannes Rau redet ja jetzt immer wieder davon, dass wir Zuversicht brauchen und dass es in unserem Land an Zuversicht fehlt.
Die jetzt lebende Generation, Alte und Junge, hat offensichtlich hoffnungslos Spaß. Auf ihren Klamotten trägt sie den Satz des lateinischen Dichters Horaz: Carpe diem, genieße den Tag. Die Fortsetzung lautet: quam minimum credula postero, und erwarte möglichst wenig von der Zukunft. So Horaz: Genieße den Tag und erwarte möglichst wenig von der Zukunft.
Wir zelebrieren ja tausend Spektakel und haben keine begeisternde Zukunftshoffnung. Zukunft ist heute kein wirklich bewegendes Thema. Es muss heutzutage wegen des Millenniums ein Thema sein, aber das wird pflichtgemäß abgehandelt wie ein Aufsatz bei einer Deutschklausur in der Schule. Weltzeit fällt für uns Heutige zusammen mit Lebenszeit. Soweit wir in der überschaubaren Zeit unseres Lebens betroffen sind, sind wir am Zukünftigen interessiert, aber wir haben keine Ewigkeit.
Jetzt nun die Reaktion auf diese Tatsache, dass Weltzeit zusammenfällt mit Lebenszeit: Die Reaktionen darauf sind je nach Menschentyp und Lage verschieden. Die einen tauchen genussüchtig ab. Die anderen leben in stumpfer Lähmung und Gedankenlosigkeit. Andere werden in panische Hektik getrieben. Und alles in allem herrscht als Grundeinstellung die Vogel-Strauß-Politik: Kopf in den Sand.
Wenn je eine Menschengeneration den auferstandenen Jesus nicht nur zur Rettung im Gericht Gottes, sondern auch zum Überleben auf der Erde gebraucht hat, dann ist es die heutige. Paulus ermutigt die Korinther. Darum sagt er im letzten Satz des 1. Korinther 15: Darum, weil Jesus auferstanden ist und zur Auferweckung der Toten wiederkommen wird, darum seid fest und unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr ja wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Nicht vergeblich, non frustra, not in vain.
Es gibt nichts Tröstlicheres und Größeres, was über einem Leben gesagt werden kann. Erlebendes kleine Puzzleteilchen unseres Lebens, das Bruchstück in der Getrostheit, dass der auferstandene und wiederkommende Herr das ganze Bild zusammenfügt und dass das kleine Teilchen unseres Lebens mit hineinpasst und Sinn macht.
Heute sehen wir oft nur, dass ein Berg von kleinen Puzzleteilchen durcheinanderliegt. Viele haben deshalb überhaupt darauf verzichtet, nach dem sinnvollen Zusammenhang für ihr Leben zu fragen. Sie haben sogar Angst, solche Fragen zu stellen, weil sie fürchten, dass sie wieder einmal schmerzlich enttäuscht werden und dass man das nicht wiederholt durchsteht.
Also ist unsere Aufgabe dringend wie nie zuvor, Menschen von heute liebevoll und deutlich von Jesus zu erzählen. Wir können nichts Besseres für die Menschen unserer Zeit tun. Sie sehnen sich nach einer begründeten Hoffnung.
Und dann sollten wir uns klar machen, dass wir abschließend sagen, dass Jesus unteilbar ist. Er ist ja nicht wie eine Wurst, die man in Stücke schneiden kann und dann die unterschiedlichen Teile verteilt oder verkauft. An Kunden darf es etwas mehr oder etwas weniger sein. Er ist vom Vater aus der Ewigkeit gekommen, er ist ganz und gar Mensch geworden, er hat gelitten und wurde gekreuzigt, er ist auferstanden und erhöht, sitzt zur Rechten Gottes und wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten.
Es macht keinen Sinn, den wiederkommenden Jesus auszublenden. Der Rest, der dann bleibt, wäre nicht mehr Jesus. Angesichts eines Datums, wie wir es mit dem Beginn des Jahres zweitausend vor uns haben, ist es gut, sich an das Wort zu erinnern, mit dem sich Jesus am Anfang der Offenbarung des Johannes vorstellt: Fürchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Jesus hat uns in dieser Zeit Möglichkeiten gegeben wie nie zuvor: offene Grenzen und politische Freiheit in Europa wie nie zuvor in den letzten zweitausend Jahren. Manche merken das überhaupt nicht. Die Zeit, in der einzelne wirklich antworten dürfen auf das Evangelium und frei sind, ist von den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen her in den 2000 Jahren der Geschichte, die hinter uns liegen, eigentlich nie der Fall gewesen. Die Regierungen haben bestimmt, was die Untertanen zu glauben hatten, und wer sich dem nicht beugte, der musste das Land verlassen. Wenn es ihm gut ging, wurde er nur vertrieben. Oft war Schlimmeres dran.
Es ist eine atemberaubende Zeit, in welchem Maß wir in Europa heute zum ersten Mal die Freiheit haben, das Evangelium zu sagen, den Einzelnen zu sagen und sie zur Umkehr zu rufen. Wir haben Kommunikationsmittel, von denen unsere Eltern nicht träumen konnten. Dazu haben wir einen persönlichen Reichtum heute wie nie zuvor, einen Reichtum, den wir für den Dienst für Gottes geliebte Menschen einsetzen können.
Der Herr hat uns im kommenden Jahr 2000 Türen in eine weite Öffentlichkeit in Europa gesetzt. Das ist beschämend, und ich kann es doch gar nicht glauben. Es sind jetzt über 1000 Veranstaltungsorte, die sich bei ProChrist 2000 im März nächsten Jahres beteiligen werden: in Deutschland 800, dann in Frankreich und in Polen, in Tschechien, in der Slowakei, in Ungarn, in Österreich, in der Schweiz, in Bosnien, in Kroatien, in Italien, in Luxemburg. 3000 Gemeinden sind es bisher, und die Zahl wächst.
Wir sprachen über den Pavillon der Hoffnung auf der Weltausstellung. Wissen Sie, dass die fünf Monate, die die Weltausstellung dauern wird, vom 1. Juni bis zum 31. Oktober des Jahres 2000, exakt 153 Tage sind? Als ob Jesus uns noch einmal erinnern wollte an jenen Fischzug mit den 153 großen Fischen, Johannes 21. Und die 153 waren in der alten Zeit die Symbolzahl für die Vollzahl der Völker. Als ob Gott Humor hätte und sagt: So ein Zeichen für euch. Und als Hinweis: Werft die Netze aus.
Dauert dieses Ereignis, wo ich die 190 Nationen nach Deutschland führe, damit ihr ihnen sagt, dass die Hoffnung nicht in Geld lebt, weder in D-Mark noch in Euro, auch nicht in irgendwelchen selbstgebastelten Heilslehren und Lebenshilfeangeboten, sondern in dem einen Namen, dem gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Herrn Jesus.
Wir dürfen von diesem Pavillon der Hoffnung Menschen das sagen. Ich bitte Sie: Beten Sie mit. Schicken Sie die jungen Erwachsenen als Lebendige. Ermutigen Sie sich, dass sie kommen und Zeugen der Hoffnung sind, und opfern Sie mit. Gott hat einen riesigen Preis. Nichts kann uns zu teuer sein in dieser Welt, um einer Welt, die sich sehnt nach Leben, zu sagen, wer alleine das Leben ist.
Werft die Netze aus, sagt: Wir reagieren ängstlich und frustriert wie die Jünger damals und sagen: Herr, wir haben die ganze Nacht gefischt, es war doch kaum was drin in den Netzen. Immer diese Heißmacherei. Werft die Netze aus, sagt der Herr.
Was gilt nun, unsere Verzagtheit oder das Wort des lebendigen Herrn, der das letzte Wort der Weltgeschichte sprechen wird? Worauf warten wir?
