Serie•Teil 7 / 25Hebräerbrief
Generierte Mitschrift
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Liebe Woche
Hebräerbrief, Vortrag Nummer sieben.
Hebräer 4,14-5,10.
Rückblick auf die bisherigen Vorträge
Ich schaue mal kurz im Hebräerbrief zurück. Siebter Vortrag, das heißt, wir haben schon sechs Vorträge hinter uns. Und das bedeutet, wir haben schon eine ganze Menge miteinander erarbeitet.
Sechs Punkte, die wir eigentlich jetzt aus dem Hebräerbrief schon wissen sollten:
Punkt Nummer eins: Jesus ist die absolute Nummer eins. Das ist Hebräer am Anfang, da geht einfach nichts dran vorbei. Alle Vergleiche, die wir bisher gesehen haben, Jesus toppt einfach alles und jeden.
Zweiter Punkt: Engel sind dienstbare Geister. Sie sind vielleicht auch Beherrscher dieser Welt, aber auch sie müssen Jesus anbeten, und sie reichen nicht. Obwohl wir sie total cool finden können, sie reichen nicht an seine Herrlichkeit und Ehre heran.
Drittens: Jesus verlässt den Platz im Himmel, um für Menschen zu leiden und sie durch seinen eigenen Tod aus der Macht des Teufels zu befreien. Er macht sich klein, aber Gott krönt ihn mit Ehre und Herrlichkeit.
Vierter Punkt: Mose, den hatten wir ganz kurz erwähnt. Mose war treu in seinem Dienst, Jesus auch treu, aber ihm überlegen, weil er Sohn und Schöpfer ist.
Fünfter Punkt: Jetzt wird es ein bisschen gefährlicher. Ihr erinnert euch an gestern, an diese zwei Vorträge, die sich um das Thema Verhärtung von Herzen drehten. Wenn wir nicht auf das Evangelium hören und unser Herz verhärten, dann werden wir nicht in Gottes Ruhe eingehen. Nur der Gläubige, der wirklich gläubig ist, der keine Spielchen spielt, der kommt bei Gott zur Ruhe.
Und dann sind wir stehen geblieben bei diesem vielleicht für euch ein bisschen überraschenden Gedanken: Gott hat uns als Gläubige dazu berufen, ich nenne das mal Geburtshelfer zu sein. Also wir dürfen Geschwistern helfen, gläubig zu werden, weil wir davon ausgehen, dass nicht jeder, der zur Gemeinde kommt, schon gläubig ist, schon in der Ruhe Gottes angekommen ist. Es ist unsere Aufgabe, dann hinzugehen und Leute zu fragen und zu sagen: Hey, ich habe da so ein ganz komisches Bauchgefühl bei dir. Ich glaube, du bist zwar immer hier und du nimmst die Gottesdienste mit, und man kann sich gut mit dir über alles unterhalten, über Weltpolitik und Hertha BSC, aber ich habe den Eindruck, in deinem Herzen bist du noch nicht durchgedrungen zu Gott.
Du findest das alles toll, aber sag mal: Bist du sicher, dass du den Heiligen Geist hast, dass du wirklich von neuem geboren bist, oder steckst du in so einer Zwischenlösung? Du bist noch nicht wirklich bei Gott, aber du bist auch nicht mehr so richtig ein Originalheide. Du bist so eine Zwischenlösung, äußerlich so ein bisschen christianisiert, aber im Herzen fehlt noch etwas. Lass mich dir helfen.
Das war so der letzte Gedanke gestern.
Der Übergang zum hohenpriesterlichen Thema
Heute machen wir weiter bei einem Thema, das schon Ende Kapitel 2 angesprochen wurde und das der Schreiber des Hebräerbriefes jetzt in Hebräer 4,14 fortsetzt.
Da heißt es, und das ist meine erste Bibelstelle, Hebräer 2,16. Hm, ich glaube, da habe ich mich vertippt. Gib mir mal den Vers danach.
Siebzehn.
Ja, das ist in meinem Skript falsch. Das werde ich gleich mal ändern. Also, Hebräer 2,17:
Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoher Priester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen.
Diesen Vers hatten wir schon. Gott muss Mensch werden, Jesus muss Mensch werden, um für uns Hoher Priester zu werden. Und dieser Gedanke vom hohepriesterlichen Dienst Jesu, der wird heute vorangetrieben. Der wird uns noch öfter beschäftigen. Auch wenn wir fertig sind, im nächsten Jahr, wenn wir weitermachen, ist das ein ganz großes Thema im Hebräerbrief.
Also, jetzt gehen wir dem ein bisschen nach und springen in unserem Thema, unserem Text von heute, Hebräer 4,14:
Da wir nun einen großen Hohen Priester haben, der durch den Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten.
Jesus ist unser großer Hoher Priester. Was das genau bedeutet, werden wir noch später besprechen. Aber ich will ein paar Schlagworte nennen.
Warum ist er ein großer Hoher Priester? Seine Größe kommt vor allem dadurch zum Ausdruck, dass er ohne Sünde ist. Jesus war sündlos. Es kommt dadurch zum Ausdruck, dass Gott ihn mit einem Eid, mit einem Schwur, einsetzt. Es kommt dadurch zum Ausdruck, dass er ein ewiges Priestertum besitzt, also dass es nie aufhören wird. Und dass er sein Opfer ein für allemal bringt, also nicht jedes Jahr, sondern ein für allemal opfert er.
Er bringt dieses Opfer in Verbindung nicht mit dem alten Bund, der am Berg Sinai geschlossen wurde, sondern in Verbindung mit einem neuen Bund. Er präsentiert sein Blut nicht in einem Tempel, sondern im himmlischen Heiligtum. Er ist wirklich eine ganz andere Qualität von Hohem Priester.
Der himmlische Hohepriester und das alttestamentliche Vorbild
Und Jesus ist unser hoher Priester, der durch die Himmel gegangen ist, wie das hier heißt. Da wir nun einen großen hohen Priester haben, der durch die Himmel gegangen ist.
Diese Formulierung, durch die Himmel gehen, meint jetzt nicht, dass er mit dem Flugzeug geflogen ist, logisch, sondern dass er in die Gegenwart Gottes eingetreten ist. Und wenn jemand so beschrieben wird, als jemand, der durch den Himmel geht, dann will man damit seine Erhabenheit zum Ausdruck bringen.
So, jetzt müssen wir einen Vergleich wagen. Er ist unser Hohepriester. Was will der eigentlich? Worum geht es dabei?
Und ich habe euch gestern ein Wort nahegebracht: Typos beziehungsweise Typologie. Wisst ihr noch, was das war? Ich habe gesagt, da gibt es Dinge im Alten Testament, die damals passiert sind. Das könnten Menschen sein oder Gegenstände oder Feste oder irgendetwas anderes. Und man merkt: Sie passieren im Alten Testament, aber eigentlich sind sie dazu da, um etwas vorzubereiten, was dann im Neuen Testament passiert. So wie ein Schatten zu einem Körper gehört.
So gehören bestimmte Dinge im Alten Testament zu ihrer Erfüllung im Neuen Testament. Das ist ein Typos im Alten Testament, der sich dann im Neuen Testament auf eine viel größere Weise erfüllt.
Und bei dem Hohen Priester im Alten Testament, also ich springe jetzt ins Alte Testament, da, wo Gott dem Volk Israel die Gebote gibt am Berg Sinai und dieses gesamte System mit Opfern, Priestern und Geboten und allem einsetzt, da schauen wir uns jetzt nur den Hohen Priester an.
An dieser Stelle ist etwas ganz interessant. Das Alte Testament, das alttestamentliche Priestertum, allen voran der Hohe Priester am großen Versöhnungstag, ist ein Typos auf das, was Jesus am Kreuz tut. Da passiert etwas im Alten Testament, und es passiert in Vollendung am Kreuz.
Der Versöhnungstag als Bild für das Kreuz
Am grossen Versöhnungstag hat es vielleicht nicht jeder so vor Augen, was im Alten Testament steht: Am grossen Versöhnungstag sühnt der Hohe Priester die Sünde des Volkes. Und er tut das ganz wesentlich dadurch, dass er sich zwei Ziegenböcke nimmt.
Der eine Ziegenbock – wir kennen das ja, wir haben ja den Sündenbock, kennt ihr das ja? Wenn jemand zum Sündenbock gemacht wird, dann kommt das daher. Und wenn jemand in die Wüste geschickt wird, dann kommt das auch daher.
Also: Der Hohe Priester im Alten Testament schnappt sich zwei Ziegenböcke. Der eine wird geschlachtet, und sein Blut wird vom Hohen Priester ins Allerheiligste gebracht. Das Allerheiligste im Alten Testament ist der hinterste Raum vom Tempel oder von der Stiftshütte. Dort steht die Bundeslade, dort wohnt Gott, und dort darf man nur einmal im Jahr überhaupt hinein, nämlich am grossen Versöhnungstag.
Das ist der erste Ziegenbock: geschlachtet, und mit dem Blut geht der Hohe Priester ganz hinten hinein ins Allerheiligste.
Dann gibt es den zweiten Ziegenbock. Das heisst: Der Hohe Priester kommt wieder heraus, der zweite Ziegenbock wird ihm gebracht, er legt ihm die Hände auf und bekennt auf diesem Tier die Sünden des Volkes. Er legt quasi die Sünden des Volkes, indem er sie bekennt, auf dieses Tier. Und dann führt man dieses Tier in die Wüste, wo es stirbt.
Ich muss schmunzeln, weil diese Tiere manchmal zurückgekommen sind. Sie wollten ja nicht in der Wüste sterben. Das heisst, es gab dann später die Idee, sie nicht einfach nur in die Wüste zu führen, sondern sie über irgendeine Klippe zu werfen, damit sie auch wirklich tot sind. Aber ihr habt das verstanden.
Der eine Ziegenbock wird geschlachtet, und das Blut kommt ins Allerheiligste. Der zweite Ziegenbock: Da legt man die Hände drauf und sagt: Auf dir bekenne ich alle Sünden des Volkes. Das tut der Hohe Priester. Und dann geht es in die Wüste und weg.
Das war die Aufgabe des Hohenpriesters. Und diese ganze Prozedur weist auf Jesus hin. Er ist der Hohe Priester, und er ist gleichzeitig auch das Opfer, das der Hohe Priester bringt. Denn am Kreuz bringt er sich selbst als Opfer. Und er geht quasi mit seinem eigenen Blut als himmlischer Hohe Priester in das himmlische Heiligtum.
Auf Erden hätte der Herr Jesus überhaupt nicht in den Tempel gehen dürfen, denn das passte nicht. Er war kein Priester, er war aus dem falschen Stamm. Aber als himmlischer Hohe Priester darf er, wie wir es hier gelesen haben, durch die Himmel gehen.
Das heisst: Auf der Erde gibt es einen irdischen Tempel und einen irdischen Hohen Priester, der einen Ziegenbock opfert. Und wir merken: Aha, wenn Gott Sünde wegnehmen will, braucht es ein Opfer, es braucht einen Hohen Priester, und es braucht ein Heiligtum.
Jetzt kommt Jesus und sagt: Diese drei Funktionen, die wir da im Alten Testament immer gesehen haben und die immer jedes Jahr gelaufen sind, die erfülle ich ein für allemal am Kreuz. Ich bringe das Opfer, ich sterbe am Kreuz, und ich gehe selber als der Hohe Priester Gottes nicht in einen Tempel, sondern tatsächlich in den Himmel, dort, wo Gott wirklich wohnt.
Das Allerheiligste bildet ja nur den Thron Gottes ab. Und jetzt geht Jesus nicht zum Allerheiligsten, sondern er geht direkt dahin, wo Gott ist, und kommt dort, bildlich gesprochen, mit seinem Blut und sagt: Ich bringe dir das eine Opfer, das ein für allemal erfüllt, worauf jeder Versöhnungstag im Alten Testament hingewiesen hat, dass das einmal passieren würde.
So viel zu: Jesus ist durch die Himmel gegangen.
Das Festhalten am Bekenntnis und der Zugang zum Thron der Gnade
Die Aufforderung in diesem Text lautet: Weil wir einen so großen Hohenpriester haben, also weil es da jemanden gibt, der dieses Opfer für mich gebracht hat, der gesagt hat: Ich bin für dich, ich bin für dich gestorben, ich bin in den Himmel gegangen und ich bin immer noch für dich da, deshalb sollen wir das Bekenntnis festhalten.
Deswegen sollen wir das, was wir glauben und was wir vielleicht schon bei unserer Taufe formuliert haben, nicht wieder loslassen. Ich finde das sehr schön. Ich habe Martin heute mitgebracht. Martin hat sich am letzten Samstag taufen lassen, und wir haben heute kurz seine Taufe gefeiert, bevor wir hergefahren sind.
Und genau das ist es: Letzten Samstag stand er an einem See. Ich habe ihm drei Fragen gestellt. Ich habe ihm das apostolische Glaubensbekenntnis vorgelesen und ihn gefragt: Glaubst du das? Jo! Dann habe ich ihn gefragt: Hast du dein Leben wirklich dem Herrn Jesus gegeben? Jo! Und eine dritte Frage: Ist er wirklich Herr in deinem Leben? Ja! Und dann habe ich ihn getauft.
Heute habe ich ihm ein Bild geschenkt, auf dem man nur mich sieht. Er ist gar nicht auf dem Bild zu sehen. Meine Frau hat mich gefragt: Warum schenkst du ihm das Bild? Da sieht man von ihm gar nichts. Das Bild ist in dem Moment aufgenommen worden, in dem er unter Wasser ist. Und hier sagt er: Das ist das Entscheidende. Der ist gestorben, der will nicht mehr das alte Leben. Der ist gestorben und begraben mit Jesus. Und er hat dieses Bekenntnis abgelegt.
Und jetzt kommt der Text und sagt: Hey, halte das Bekenntnis fest. Wenn du so ein Bekenntnis vor Gott abgelegt hast, lass dich nie wieder davon abbringen. Das hast du doch durch die Taufe zum Ausdruck gebracht, dass du dieses alte Leben nicht mehr willst, dass du tot bist für das alte Leben und jetzt ein neues Leben leben willst.
Das macht umso mehr Sinn, denn wir haben einen Hohenpriester, der nicht Mitleid mit unseren Schwachheiten haben könnte, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Also wenn du denkst: Da ist Jesus im Himmel, kann ich mich dem wirklich anvertrauen? Es ist ja schön, dass er da oben ist und all das gemacht hat. Und jetzt kommt der Text: Ja, Jesus ist nicht nur dieser unfassbar große Hohepriester, sondern er ist auch unfassbar mitfühlend.
Du kannst zu ihm kommen. Er weiß, wie es dir geht. Er kennt dein Menschsein. Er weiß um die Schwachheiten, mit denen wir es in unserem Leben zu tun haben. Er weiß, was es heißt, versucht zu werden. Jesus war Mensch wie wir, bis auf die Sünde. Die Qualität seiner Versuchung war echt, das war ganz persönlich. Das ist vielleicht anders, als wie du versucht wirst.
Ich gebe zu, ich bin noch nie vom Teufel versucht worden, Steine in Brot zu verwandeln, okay? Das ist noch nie passiert. Und der Teufel hat mich auch noch nie versucht, vom Kreuz herabzusteigen. Auch das ist noch nie passiert. Das war speziell für Jesus, aber es war echt. Du wirst auf deine Weise versucht, er wurde auf seine Weise versucht. Und ich glaube, er hatte es nicht leichter als wir. Ich glaube, er hatte es sogar schwerer, weil er auf der einen Seite Gott unglaublich nahe war und weil er im Fokus dämonischer Mächte stand. Er stand quasi auf der teuflischen Abschussliste, da stand er ganz oben. Wenn wir den kriegen, haben wir alles geschafft.
Und ich glaube, dass der Herr Jesus die ganze Zeit wusste, was auf dem Spiel stand, wenn er versagt, was das für diese Welt bedeutet. Und weil er ein solcher Hohepriester ist, der unsere Schwachheiten kennt, der in gleicher Weise versucht worden ist wie wir, aber ohne Sünde, deshalb heißt es in Vers 16: Lasst uns, weil wir so jemanden im Himmel haben, der uns kennt und so unfassbar für uns ist, nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.
Wir dürfen, und für mich ist das ein absoluter Wahnsinnsvers. Lernt ihn auswendig, ich kann es nicht anders sagen: Lernt ihn einfach auswendig. Wer bin ich, dass ich Gott nahen darf? Wer bin ich, dass ich mit Freimütigkeit, völlig ohne Angst, zu Gottes Thron hintreten und ihm mit meinen Gebeten, mit meinem Flehen, meine Anliegen bringen darf? Wer bin ich, dass ich das darf? Ihr kennt doch dieses Lied: Who am I? Ich finde das super, es spricht mir zutiefst aus der Seele. Wer bin ich, dass ich das darf?
Dann sagt mir dieser Vers, dass wir als Kinder Gottes beständig zu ihm kommen dürfen. Die Herausforderung unseres Lebens besteht nicht darin, dass wir Gott überzeugen müssten, ob er uns auch mal eine Audienz gewährt. Die Herausforderung besteht darin, dass wir die Erlaubnis, die wir haben, nämlich ständig zu ihm zu kommen, nutzen. Und wir brauchen keine Angst haben. Bei unserem Vater im Himmel finden wir Barmherzigkeit und Gnade.
Das sind zwei wunderschöne Begriffe. Barmherzigkeit: Er will uns trösten, er will mitweinen. Und ich weiß noch, wie mich das schon als junger Mensch begeistert hat. Da war ich eigentlich noch nicht bekehrt, aber mich hat diese Idee von Gottes Barmherzigkeit im Kindergottesdienst der evangelischen Kirche mitbekommen. Und das hat mich durch meine durchaus nicht einfache Jugend getragen, dieses Wissen: Da ist einer, der für mich ist, der mich trösten kann, der mitweinen will, der mir aufhelfen will. Das ist Barmherzigkeit, wenn einer, der stark ist, sich um einen kümmert, der schwach ist.
Und dann Gnade, so ein anderer Begriff: Gott will uns beschenken. Gott wartet darauf, dass er uns beschenken kann. Er will uns unterstützen, an unserer Seite kämpfen. Und ich mache das selten, aber lasst mich euch mal ein altes Lied zitieren, das ihr alle kennt, Strophe zwei: Welch ein Freund ist unser Jesus. Da heißt es: Wenn des Feindes Macht uns drohet und manch Sturm sich um uns regt oder rings um uns weht, brauchen wir uns nicht zu fürchten. Stehen wir gläubig im Gebet, da erweist sich Jesu Treue, wie er uns zur Seite steht, als ein mächtiger Retter, der erhört ein ernst Gebet. Hammer, oder?
Ich darf vor Gottes Thron, und da heißt es im Text: Für mich steht rechtzeitige Hilfe bereit. Gott weiß genau, was ich brauche, wann ich es brauche. Und wenn ich das möchte, darf ich in jedem Moment mit jedem Anliegen einfach zu Gott hingehen und sagen: Ich habe mal wieder ein Problem. Du siehst, was hier Sache ist, bitte hilf mir.
Das Einzige, was wir tun müssen, ist, wir müssen unser Privileg, beten zu dürfen, unser Privileg, vor dem Thron Gottes erscheinen zu dürfen, ausspielen, wie so eine Trumpfkarte. Das ist so, wie wenn man ein Spiel mit Trümpfen macht und nur Trümpfe auf der Hand hat. So ist das. Das ist unser Privileg, wir müssen es nur tun.
Und ich würde dich gerne fragen: Tust du das? Das bietet sich ja hier an. Oder anders ausgedrückt: Gibt es in deinem Leben diesen kindlichen Reflex, dass du mit jeder Not und jeder Sorge sofort zu deinem Vater im Himmel rennst und sagst: Hey, ich habe ein Problem?
Also, ich habe so einen kleinen Enkel, Lukas. Ihr merkt schon, als Opa bringt man jetzt öfter Enkelbeispiele. Tut mir leid. Früher habe ich meine Kinder als Beispiele verbraten, dann wurden sie Teenager und haben gesagt, das wollen wir nicht mehr. Dann gab es eine Weile Funkstille, und jetzt gibt es Enkelbeispiele, bevor der dann auch sagt: Das will ich nicht mehr.
Aber ich habe so einen kleinen Enkel, Lukas, 14 Monate. Lukas tobt durch unsere Wohnung. Und irgendwann macht er etwas kaputt oder so. Er denkt zumindest, ja, er macht es eigentlich schon kaputt, aber nicht so schlimm kaputt. Und dann sitzt er da, hält das Teil, das er sich runtergerissen hat, in der Hand und schaut Oma an. Und du merkst: Er weiß, da ist irgendetwas schiefgelaufen in seinem kleinen Leben. Er weiß jetzt nicht mehr, was er machen soll, aber eins ist richtig: Oma anschauen. Oma rettet ihn. Oma ist jetzt da und muss helfen.
Das ist so ein ganz kindlicher Reflex: Hier ist das nicht in Ordnung, Oma! Und das ist der Reflex, zu dem uns dieser Vers einlädt. Da stimmt etwas in meinem Leben nicht, ich habe eine Not oder ich habe eine Sorge. Vater im Himmel, hier bin ich.
Oder wie ich an anderer Stelle gerne zu Philipper 4,6-7 sage: Sorgen sind Chefsache. Wenn du deine Sorgen für dich behältst, bist du eigentlich ein Dieb, die gehören dir gar nicht. Gib sie dahin, wo sie hingehören. Wir haben einen Hohenpriester vor Gott, einen, der uns vertritt und unsere Schwachheiten kennt.
Was hält uns ab, mit diesem Rückhalt beständig zu beten und zu bitten, bis Gott hört? Was eigentlich? Wir haben alles Verständnis und alle Unterstützung im Himmel, die es nur gibt. Es liegt jetzt an uns, dass wir den Himmel mit unseren Bitten im Namen Jesu bestürmen. Das ist unser Job.
Was ein Hohepriester tut
Und vielleicht hat der Autor noch Angst, dass die Leser das Thema Jesus als hoher Priester noch nicht ganz verstanden haben. Jedenfalls macht er an dieser Stelle weiter und erklärt uns, was so ein hoher Priester ist und wozu er da ist.
1. Korinther 5,1 Denn jeder aus Menschen genommene hohe Priester – das gilt jetzt also für jeden – wird für Menschen eingesetzt im Blick auf das Verhältnis zu Gott. Also: Ein hoher Priester hat den Auftrag, Menschen im Blick auf Gott zu vertreten, dort, wo Menschen Sünden haben. Das geht weiter, damit er sowohl Gaben als auch Schlachtopfer für Sünden darbringe. Jeder hohe Priester bringt Gaben und Opfer für andere Menschen vor Gott dar, um deren Sünden zu tilgen. Das ist so etwas wie eine Jobbeschreibung. Jetzt weiß ich, wozu ein hoher Priester da ist. Hohe Priester haben die Aufgabe, irgendwie das mit den Sünden zu managen. Gut.
Vers 2: Und wir reden jetzt noch über jeden hohen Priester, wobei er Nachsicht zu haben vermag mit den Unwissenden und Irrenden, da er auch selbst mit Schwachheit behaftet ist. Der hohe Priester, der für andere und für die Sünden anderer Opfer bringt, merkt natürlich auch immer, dass er selbst nicht alles richtig macht. Und deswegen kann ein hoher Priester verständnisvoll mit Sündern umgehen, weil er weiß, wie schwer es ist, nicht zu sündigen.
Wenn man jetzt den hohen Priester, also diesen allgemeinen hohen Priester, mit dem Herrn Jesus vergleicht, gibt es einen kleinen Unterschied, auf den ich hinweisen möchte. Der menschliche hohe Priester weiß um Versuchung und er weiß um eigene geistliche Niederlagen. Das heißt, sein Mitgefühl resultiert daraus, dass er selbst seine Schwäche erlebt hat, dass er selbst gesündigt hat. Das Mitgefühl Jesu als hoher Priester resultiert nicht daraus, dass er selbst gesündigt hat, sondern das Mitgefühl Jesu resultiert daraus, dass er selbst Versuchung erlebt hat, aber ohne Sünde. Jesus weiß, wie schwer es ist, zu widerstehen, und obwohl er immer widerstanden hat, weiß er trotzdem, wie schwer das ist. Und er kann, wenn wir das nicht immer geschafft haben, mitfühlend sein, barmherzig sein und sich vorstellen, was da in unserem Leben passiert ist.
Sünde, Verirrung und die Frage nach dem Herzen
Jetzt heißt es hier im Text: wobei er Nachsicht zu haben vermag mit den Unwissenden und Irrenden.
Dazu möchte ich etwas ganz Grundsätzliches sagen: Die Unwissenden und die Irrenden, das sind die Sünder. Das sind Sünder, die aus Unwissenheit oder aus Versehen gesündigt haben.
Wenn ihr das Alte Testament einmal sehr aufmerksam lest, dann werdet ihr Folgendes Interessante feststellen: Die Sündopfer im Alten Testament waren nur für Sünden, die aus Versehen geschehen waren. Dabei muss man aufpassen: Aus Versehen bedeutet nicht, wie wir vielleicht den Begriff verwenden, aus Versehen, ich habe das gar nicht gemerkt. Also manche dieser Sünden konnte man nicht tun, ohne sie zu merken. Aber aus Versehen, oder an anderer Stelle heißt es, ohne sie zu erkennen, ist das Gegenteil von Sünde mit erhobener Hand.
Es spielt im Alten Testament eine ganz große Rolle, warum ich Gottes Gebote übertrete. Und es gibt da zwei Optionen. Das eine ist: Ich übertrete Gottes Gebote ganz bewusst, weil ich gegen Gott eingestellt bin. Ich bin der, der gegen ihn rebelliert. Ich will mit ihm nichts zu tun haben, und ganz bewusst tue ich jetzt die Dinge, die er verboten hat. Das ist der Rebell, das ist die Sünde mit erhobener Hand.
Ich bin eigentlich in meinem Herzen gegen Gott, komme hier aber nicht raus. Denn wir sind alles Israeliten, und wo soll ich denn hingehen? Ich bin hier in der Wüste gefangen. Blöd, aber hey, jetzt muss ich hier bleiben. Ich will eigentlich was anderes. Ich bin im Jugendclub, ich bin in der Jugendstunde, will eigentlich mit dem Ganzen nichts zu tun haben, aber was soll ich machen? Die ganzen Leute, sonst mag mich keiner. Jetzt hänge ich da mittendrin fest und habe in meinem Herzen diese Rebellion. Und dann sündige ich dagegen ganz bewusst, habe keinen Bock auf Gott. Das ist die Sünde mit erhobener Hand.
Die kann im Alten Testament nicht vergeben werden. Die wird auch durch den großen Versöhnungstag nicht vergeben. Auf die steht genau genommen die Todesstrafe. Vergeben kann nur Sünde werden im Alten Testament, die ich tue, eigentlich gegen meine innerste Überzeugung. Ich will eigentlich mit Gott leben, aber da gibt es diese zweite Kraft in mir, die Lust zur Sünde. Und da gibt es diesen Widerstreit. Auf der einen Seite will ich mit Gott sein, aber da gibt es diese Lust zum Sündigen, und die packt mich. Und ich lasse mich verführen, und plötzlich tue ich etwas, was ich eigentlich doch nicht tun will. Aber ich tue es dann irgendwie auch bewusst, aber eigentlich nicht aus echter Überzeugung.
Jeder von euch, der gläubig ist, sollte wissen, wovon ich rede. Das ist das, was in uns passiert. Und diese Sünde, die eben nicht Ausdruck ist meines rebellischen Herzens, sondern meiner moralischen Verirrung, die ich als Mensch erst einmal nicht ändern kann, Römer 7: Ich weiß das Gute und tue es nicht, und in dem Moment, wo ich es tue, ärgere ich mich schon wieder und denke: Warum schon wieder? Das ist die Sünde, wo das Alte Testament sagt: die aus Versehen geschieht, ohne sie zu erkennen.
Das ist, wie gesagt, eine merkwürdige Formulierung, aber damit ihr mal wisst, worum es dabei geht: eine Sünde, die mich nicht wirklich in meinem Innersten darstellt. Und für solche Sünden waren die Opfer des Alten Testaments. Die konnten vergeben werden durch diese Tiere.
Vers 3: Und um ihretwillen, also wegen dieser Unwissenden und Irrenden, nicht wegen der Rebellen, und um ihretwillen muss er, das ist der Hohe Priester, wie für das Volk so auch für sich selbst der Sünden wegen opfern.
Man kann jetzt an den großen Versöhnungstag denken. Das ist nämlich so: Ich hatte vorhin gesagt, was nimmt der Hohe Priester am großen Versöhnungstag? Was opfert er? Zwei Ziegenböcke. Bevor er die opfern darf, muss er für sich selber erst einmal einen Jungstier opfern. Also er opfert erst für seine eigenen Sünden, und dann, wenn er rein ist, tritt er vor Gott und sagt: Jetzt opfere ich für das Volk die zwei Ziegenböcke.
Berufung, Ordnung und die Linie von Aaron zu Melchisedek
Vers 4: Und niemand nimmt sich selbst die Ehre oder Würde, sondern er wird von Gott berufen, wie auch Aaron.
Also: Ein hoher Priester ist jemand, den Gott beruft. Das sieht man gut an den Vorbildern im Alten Testament. Der erste hohe Priester war der Bruder von Mose, Aaron. Und er hatte etwas, was eigentlich jeder hohe Priester braucht: eine göttliche Berufung.
Jetzt würde man sagen: Ja, aber das passiert doch trotzdem. Es war doch gerade zur Zeit Jesu gang und gäbe, dass das Amt des Hohen Priesters ein politisches Amt war, das man so ein bisschen nach Vitamin B und persönlicher Zahlungskraft bekommen konnte. Wenn ich die richtigen Leute kannte und die richtigen geschmiert habe, dann bin ich auch mal Hohepriester geworden. Oder sie sind auch schon mal von den Römern abgesetzt worden, wenn die Römer dachten, der passt uns nicht mehr.
Was ist denn damit? Die sind doch nicht von Gott eingesetzt. Stimmt. Nur: Die Hohen Priester, die sich selbst dazu machen, diese Form von Hohepriesterschaft, die gilt vor Gott nichts. Und allein darum geht es dem Autor hier. Welche Art von Hohepriester gilt etwas? Na ja, es sind nur die, die auch tatsächlich von Gott eingesetzt werden.
Und an dieser Stelle hat Jesus natürlich einen großen Vorteil. Denn wir wissen schon, dass das Alte Testament an vielen Stellen immer wieder davon spricht, dass Gott ihn eingesetzt hat. Oder wir kennen Psalm 2, Vers 7; das wird gleich wieder zitiert in Vers 5.
So hat auch der Christus sich nicht selbst verherrlicht, um Hohepriester zu werden, sondern der, welcher zu ihm gesagt hat – und das Zitat kennen wir schon aus Psalm 2, Vers 7: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.
Der Vater hat ihn eingesetzt. Und wir merken hier in dem Vers: Da geht es um hohe Priesterschaft. Und dann wird wieder formuliert: Mein Sohn bist du. Jesu Sohnschaft auf der einen Seite, diese ganz besondere Nähe zum Vater, und sein Priesteramt gehören ganz eng zusammen. Sie bilden die Eckpfeiler der Christologie nach dem Hebräerbrief. Christologie, das ist die Lehre von Christus, das, was ich von Jesus verstanden haben muss, um gerettet zu werden.
Am Anfang des Briefes steht sehr stark die Sohnschaft im Vordergrund. Jesus ist der Sohn Gottes. Und jetzt tritt ein zweiter Schwerpunkt hinzu, nämlich dieser hohe priesterliche Dienst. Der Vater selbst – das will Psalm 2, Vers 7 sagen – hat den Sohn zum Hohen Priester eingesetzt.
Und jetzt kann einer sagen, der so ein bisschen die Bibel kennt: Das geht doch eigentlich nicht. Das geht doch gar nicht! Hohe Priester mussten doch Nachfahren von Aaron sein. Hohe Priester mussten doch aus dem Stamm Levi sein. Wie geht denn das?
Aus welchem Stamm ist denn Jesus? Juda. Woher weißt du das? Weil es im Geschlechtsregister steht. Ja, er muss der Messias muss ein Nachfahre Davids sein, und David ist aus dem Stamm Juda. Also ist Jesus halt auch aus dem Stamm Juda. Wie passt das?
Und jetzt löst sich hier das erste Mal schon diese Frage gleich auf in Vers 6, wie er auch an anderer Stelle sagt, in Psalm 110, Vers 4: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.
Jetzt merkt ihr, wie tief die Jungs echt im Alten Testament drinstecken, oder? Einfach mal so ein Vers hingeworfen und alles ist gut. Einfach so Psalm 110, Vers 4, und alles ist richtig. Also, ich lasse das hier mal so stehen. Kapitel 7 wird sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigen.
Ich mache es mal ganz, ganz kurz heute nur, damit wir zumindest nicht rausgehen und nur Bahnhof verstehen. Es gibt im Alten Testament zwei Priesterordnungen. Zwei Gruppen von Leuten, die Priester sind. Und zwar gibt es auf der einen Seite Aaron und sein Team, das aronitische Priesterteam, die aronitische Priesterordnung. Die wird im Alten Bund am Berg Sinai gleich mit installiert.
Daneben gibt es eine zweite Priesterordnung, die gar nicht so deutlich in Erscheinung tritt. Das ist die Priesterordnung Melchisedeks. Jetzt ganz wichtig: Beide Ordnungen dienen demselben Gott, also beide dienen dem Gott, der im Alten Testament sich mit dem Namen Jahwe oder JHWH zu erkennen gibt. Die Ordnung von Melchisedek ist älter, ehrwürdiger und ewig.
Und Jesus wird jetzt ein Priester nicht nach der Ordnung von Aaron, nicht nach der Ordnung, die im Alten Bund eingesetzt wurde, sondern nach einer viel älteren Priesterordnung, die es schon lange vorher gab, nämlich der Ordnung Melchisedeks. Und in dieser Ordnung war es egal, aus welchem Stamm man stammte. Wichtig war nur, dass man König von Jerusalem war. Du konntest in dieser Ordnung nur Priester sein, wenn du König von Jerusalem warst.
Und ich hoffe, ihr erinnert euch daran: Das haben wir schon gesehen. Durch Kreuz und Auferstehung wird Jesus zum König aller Könige, und er setzt sich auf den Thron seines Vaters David und tritt eine ewige Herrschaft an. Er ist also mehr als qualifiziert, ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks zu sein.
So, das ganz kurz. Wir werden das, wenn wir Kapitel 7 besprechen, noch einmal im Detail anschauen. Aber damit ihr das schon mal gehört habt und damit nicht jemand denkt: Hä, der kann doch gar nicht? Doch, kann er. Aber eben nicht in der Priesterordnung des Aaron, sondern in der Priesterordnung des Melchisedeks. Zwei unterschiedliche Teams, und er spielt in dem älteren, ehrwürdigeren und ewigen.
Gebet, Gottesfurcht und das Lernen des Gehorsams
Aber es sind nicht nur formale Dinge, die Jesus als hohen Priester qualifizieren. Es ist vielmehr sein Charakter. Jesu Leben und Dienst waren von Gebet und Gottesfurcht geprägt. Wenn Jesus Not hatte, dann war seine erste Anlaufstelle Gott. Und Jesus wollte in seinem Leben nie mehr als seinem Vater im Himmel gefallen.
Da heißt es in Kapitel 5, Vers 7. Mich beeindruckt der Vers immer. Ich habe ihn schon vor Jahren auswendig gelernt, weil ich dachte: Ehrlich, boah, das war mir gar nicht so klar. Da heißt es, dass Jesus in den Tagen seines Fleisches, als er Mensch war auf der Erde, vor Kreuz und Auferstehung, sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht hat, der ihn aus dem Tod retten kann, und um seiner Gottesfurcht willen erhört worden ist.
Ich weiß nicht genau, woran der Autor denkt. Die bekannteste Episode dürfte sicherlich der Garten Gethsemane sein. Mir bedeutet der Text viel, weil er mir zeigt: Jesus ist nicht der geistliche Überflieger, weißt du, so der Eins-Nuller-Schüler, der nie lernen muss und dem irgendwie immer alles zufliegt. Das Geheimnis seines Überwinderlebens lag in seinem Umgang mit Gott.
Sein geistliches Leben war von, was steht hier, Bitten, Flehen, Geschrei, Tränen geprägt. Alles Begriffe für ein sehr intensives Gebetsleben. Davon war sein geistliches Leben geprägt. Jesus war ein Beter.
Und gerade dann, wenn es viel zu tun gab, wenn es eigentlich zu viel zu tun gab, wenn die Not sich vor der Haustür gestapelt hat, weil noch mehr Leute eine Predigt, eine Heilung oder einen Exorzismus brauchten, genau in diesen Momenten, wo wir, denke ich, alle dazu neigen zu sagen: Ich habe so viel zu tun, jetzt habe ich keine Zeit mehr zu beten, drehte Herr Jesus das genau um.
Nach einem Abend, an dem wirklich ein ganzes Dorf geheilt wurde, bis spät in die Nacht Action war, heißt es in Markus 1,35, und ich kann mir das so richtig vorstellen aus der Sicht der Jünger: Und früh morgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort.
Könnt ihr euch das vorstellen, wie das den Jüngern ging? Alle sind fertig von dem Tag davor, endlich Ruhe, endlich einschlafen, ja. Und dann, die Sonne ist noch gar nicht aufgegangen, du denkst dir: Mann, jetzt lass uns doch wenigstens einmal ausschlafen, ja. Dann hörst du schon in der Ecke Rumoren, da, wo Jesus geschlafen hat. Du denkst dir: Mann, ist es früh, ja. Und er packt seine Sachen, und du merkst, er nimmt wieder alles mit, was er zum Beten braucht, und er zieht davon und wird jetzt erst mal ein, zwei Stunden nicht gesehen. Warum? Weil er beten muss.
Das wussten die schon. Die wussten schon, wenn es in der Ecke kramt, dass wieder Jesus ist, der zieht los. Das ist Jesus. Wenn viel los ist, na ja, dann stehe ich halt auf, als es noch sehr dunkel war, dann stehe ich halt eine Stunde früher auf, ist okay. Hauptsache, ich habe meine Zeit mit dem Herrn.
Ich weiß nicht, ob euch das motiviert, aber ich wüsste echt nichts in meinem Leben, was mich mehr motivieren soll als das Vorbild Jesu. Also ich kann euch nur den Tipp geben und mir selber: Lasst uns diese Dummheit, die wir öfter mal begehen, wenn wir zu viel zu tun haben, weniger zu beten, einfach lernen aufzugeben. Nicht mehr tun! Lasst uns, wenn richtig viel zu tun ist, eine Stunde früher aufstehen! Wir brauchen Gebet mehr als Schlaf, zumindest ist es das, was ich aus diesem Text herauslese.
Und wir brauchen flehentliches, bittendes Gebet mit Tränen und Schreien, wo wir wirklich auf den Knien liegen und sagen: Ich will dich verherrlichen, Gott, und ich will, dass du dich durch mich hindurch verherrlichst. Und hier ist mein Problem und da ist meine Not, und ich weiß, dass ich es ohne dich nicht schaffe. Bitte hilf mir. Das ist Jesus.
Und dann ein Vers, der mich wieder baff macht: Vers 8, Hebräer 5,8. Da heißt es über Jesus: Und er lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam.
Jesus kommt nicht als ein allwissendes, allmächtiges Superbaby zur Welt, sondern als ganz normaler Mensch. Ja, Jesus hat keine Sünde getan. Das heißt, er lernt Gehorsam nicht wie wir Gehorsam lernen. Wir lernen Gehorsam oft als Gegenentwurf zur Sünde. Ich mache etwas Falsches, kriege eins auf den Bobbo, und jetzt weiß ich: Das mache ich nicht mehr. So hat er nicht gelernt. Er hat nicht Gehorsam gelernt, indem er sündigen musste. Aber, und das ist wichtig: Gehorsam ist keine theoretische Größe im Sinne von: Ich bin gehorsam. Gehorsam ist etwas, was man leben muss. Und um gehorsam zu werden, muss ich Gehorsam trainieren. Ich muss mir das angewöhnen, dass ich gern und ganz und gleich Gottes Willen tue. Ich muss das trainieren.
Ich bin mir sicher, der Herr Jesus lernte, obwohl er Sohn war. Er hat dieses Privileg, Sohn Gottes zu sein, und trotzdem an dem zu leiden, wo er in Schwierigkeiten reinkommt, in Versuchungen kommt, wo er widerstehen muss, ganz platt widerstehen muss. Und jeder kann sich da seine persönlichen Sünden nehmen und kann sagen: Boah ja, stimmt, es wird dem Herrn Jesus irgendwie auch so ähnlich gegangen sein. Vielleicht hat er auch mal einen Tag gehabt, an dem es ihm schwerer fiel, wenn wieder jemand kommt, der ihn mit einer blöden Bemerkung disst, cool zu bleiben und zu sagen: Nee, ich schlage jetzt nicht verbal zurück. Oder was auch immer deine persönliche Not ist, er hat es geschafft. Er hat Gehorsam gelernt.
Und es war gut, denn Vers 9 sagt: Und vollendet ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden. Die, die jetzt schon die ganzen Abende dabei sind, erinnert euch noch mal an das, was ich sagte zu Hebräer 2,10: Jesus wurde vollendet, weil er durch seinen Umgang mit Leid zu einem perfekten Hohen Priester wurde. In dem Maß, wie er litt und der Versuchung widerstanden hat, konnte er barmherzig sein und hat er bewiesen, dass er treu ist.
Und hier, glaube ich, geht das sogar noch einen Schritt weiter: Vollendet ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden. Ich glaube, hier schwingt mit, dass er mehr ist als nur der perfekte hohe Priester, sondern er ist das perfekte Opfer, der zu Rechten des Vaters erhöhte Herr. Jesus ist durch sein Leben unser Mittler geworden, unser Passalam geworden und unser König, all das, was wir brauchen für unsere ewige Errettung. Und all das haben wir in ihm.
Wir haben in ihm jemanden, der vor Gott für uns erscheint. Wir haben in ihm jemanden, der für unsere Sünde gestorben ist. Und wir haben jemanden, der sich hinstellt und sagt: Steh auf, komm, folge mir nach. Und diese Dinge brauchen wir, und die haben wir in ihm.
Und dann heißt es hier, dass er allen denen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden ist. Wer wird gerettet? Die, die ihm gehorchen. Und ich finde, das ist so eine innere Logik, dass die Errettung eines Menschen ihre Grundlage im Gehorsam des Retters findet und nur denen zugänglich ist, die selbst gehorsam leben.
Also wir können gerettet werden, weil Jesus gehorsam war, weil er den Gehorsam gelernt hat, und gleichzeitig sagt er: Wenn du gerettet werden möchtest, dann möchte ich, dass du mir nachfolgst und genauso wie ich gehorsam war, selber auch gehorsam bist. Und wir haben das bei der Wüstengeneration gesehen: Errettung und Ungehorsam, das sind so Dinge, die schließen sich aus, die stoßen sich ab, das geht nicht.
Vielleicht eine Stelle dazu aus Epheser 5, Vers 5. Und es gibt mehrere solche Stellen im Neuen Testament, die alle dasselbe sagen, dass man sich bitte, bitte, bitte nicht täuscht. Wenn sich grobe Sünde in deinem Leben findet und du denkst, du bist direkt auf dem Weg in den Himmel, vergiss es, egal, was man dir auch einredet. Gib mir mal bitte Vers 5 und Vers 6 noch.
Da heißt es: Denn dies sollt ihr wissen und erkennen. Und jetzt werden einfach drei grobe Sünden aufgezählt, und man könnte mehr aufzählen. Mir geht es nur darum, dass ihr seht, wie krass das Neue Testament Ungehorsam und das Verlorengehen zusammenschweißt. Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger ist, ein Götzendiener, der ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.
Wenn jemand sich hinstellt und sagt: Ich bin Christ, ja, da gibt es so ein paar Sachen in meinem Leben, was weiß ich, Unzucht, das ist Sex außerhalb einer Ehe von Mann und Frau. Ja, ich habe da schon so ein bisschen andere Einstellungen, das hat man früher so gedacht. Ja, mag sein. Aber der Text sagt: Wenn du an so einer groben Sünde festhältst, dann bitte mach dir nichts vor.
Ja, aber ich habe da einen Vortrag gehört von irgendeinem Professor, Doktor sowieso, der hat gesagt, früher war das so und heute ist das alles ganz anders. Heute darf man das, früher war das verboten. Aber du musst verstehen, das ist die Antike, und jetzt leben wir in der Moderne, und da ist so ein Fluss drin, und da fließt so alles mit, und da fließt halt auch alles weiter. Und früher, die waren so ein bisschen eng, heute sind wir weit, und man muss sich immer so an der Gesellschaft orientieren, die um einen herum ist. Und früher waren die halt so eng, da durfte man das nicht. Heute sind wir weit, da darf man das halt.
Niemand verführe euch mit leeren Worten. Glaubt niemandem nur deshalb, weil er ein, zwei oder drei Titel hat. Glaubt auch mir nicht, wenn ich dir nicht einen guten Bibelfers gebe. Ganz einfach.
Und hier steht: Wenn du grobe Sünde in deinem Leben hast und du denkst, du kommst in den Himmel, just forget it, wird nicht funktionieren. Du kannst es ja mal darauf ankommen lassen, du verspielst nur dein Leben. Das ist so ein Spiel gegen die Bank, du gewinnst definitiv nicht. So, das zu Epheser 5,5 und 6.
Wir machen weiter im Hebräerbrief, Kapitel 5, die Verse 10 und 11. Da heißt es, also nochmals Vers 9 lese ich mit vor: Und vollendet ist er allen, Urheber ewigen Heils geworden, Vers 10, von Gott begrüßt, und zwar nach der Himmelfahrt als hoher Priester nach der Ordnung Melchisedeks. Darüber haben wir viel zu sagen. Das werden wir noch merken, wenn wir nächstes Jahr im Hebräerbrief weitermachen. Das ist wirklich ein großes Thema: Jesus, der hohe Priester.
Es ist auch, das habe ich schon gesagt, aber ich will es wiederholen, der wichtigste Beitrag des Hebräerbriefes zur Theologie des Neuen Testaments. Also wenn wir den Hebräerbrief mal rausstreichen, würde uns dieser Aspekt von Jesus fehlen. Denn sonst taucht das im Neuen Testament bestenfalls angerissen mal kurz auf, aber so richtig fett und tief, dass Jesus unser hoher Priester ist. Und diese ganzen Analogien zum Alten Testament, das macht nur der Hebräerbrief. Aber wie gesagt, später mehr.
Vers 11: Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid.
Das ist nun mal das Problem, mit dem der Autor konfrontiert wird: die Trägheit seiner Zuhörer. Also, sie sind faul und ignorant, wenn es um wichtige geistliche Themen geht. Sie sind keine geübten Zuhörer, und sie halten das, was sie haben, nicht fest. Das ist umso dramatischer, dass er das schreiben muss, als wir im Hebräerbrief gesehen haben, dass das Hören auf Gottes Wort sich für Gläubige als ganz besonders wichtig herausstellt.
Wenn ich merke, dass im Leben eines Christen, und ich mache gerne mit Anführung so ein Schlusszeichen, dass sich im Leben eines Christen Unlust und Widerwille und so ein bisschen Schwerfälligkeit im Umgang mit der Bibel oder mit Lehre einstellt, dann wird es mir immer so ein Stück anders. Wisst ihr, man wird Christ dadurch, dass man auf Gottes Wort hört und ihm gehorcht. Und wenn dann jemand am Anfang seines Glaubenslebens das tut und sagt: Hey, ich habe in der Bibel gelesen und ich habe mir die Predigt angehört, und dann eine Weile mit Gott lebt und dann einfach wieder aufhört, auf Gott zu hören, dann muss man sich ehrlich fragen: Was ist eigentlich los? Da muss man sich die Frage stellen: Wo kommt dieser innere geistliche Widerstand denn her? Warum gehst du denn so belanglos mit Gottes Wort um?
Als wir gemeinsam das Lukasevangelium betrachtet haben, da gab es in Lukas 8,18 nach dem Sämannsgleichnis einen Vers. Jesus sagt: Seht nun genau zu, wie ihr hört. Also man kann auf eine kluge Weise hören, man kann auf eine kluge Weise in so einer Bibelrunde hier sitzen und zuhören oder auf eine Weise, die unklug ist. Seht nun genau zu, wie ihr hört, denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden.
Es gibt im geistlichen Leben keinen Stillstand. Wer sich mit dem Wort Gottes beschäftigt, wer gute Predigten hört, wer über Bibelverse meditiert, das kann man zum Beispiel machen, wenn man sie auswendig lernt, der bekommt tatsächlich immer mehr Einsicht. Das sind wie so Punkte, und jeder Punkt verbindet sich dann mit anderen Punkten, und das Bild von dem, was Gott gesagt hat, wird immer feiner. Und die Bibel sagt, wer das tut, so ein Leben wird erfolgreich sein.
Ich will euch nur an Psalm 1 erinnern: Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz, und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Und dann heißt es, er ist wie ein Baum gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht verwelkt; alles, was er tut, gelingt ihm.
Ich sinne nach über Gottes Wort, und Gott verspricht mir Erfolg in meinem Leben. Und ich könnte euch andere Stellen, die genau das Gleiche sagen, jetzt auch noch bringen, aber ich glaube, eine reicht. Das Dumme ist, das Gegenteil gilt auch. Wer sich nicht darum kümmert, was er hört, wer Predigten nicht nacharbeitet, wer Bibelwochen verpasst, vielleicht nur sporadisch mal in der Bibel liest, wer das für mich das größte Drama ist, wer den Bibelvers, der ihn anspricht, wo man richtig den Eindruck hat: Jetzt spricht durch diesen Vers der Geist Gottes zu mir, wer diesen Vers sich nicht merkt, ihn nicht aufschreibt, ihn nicht auswendig lernt, um darüber nachzudenken, wenn schon Gott mich mit einem Vers anspricht, hallo, wer das nicht tut, und das ist das, was Jesus sagt, der wird am Ende mit leeren Händen dastehen.
Es ist eine wirklich schlimme Sache, wenn Christen im Hören träge geworden sind. Und die Hebräerbrief-Empfänger, die sind das. Vers 12: Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind, und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise.
Reife, Unterscheidungsvermögen und der Schlussgedanke
Grausames Urteil über eine Gemeinde, grausames Urteil! Sie sind schon so lange gläubig, dass sie eigentlich Lehrer sein könnten. Aber statt Lehrer zu sein, haben sie das Einmaleins des Glaubens, die anfänglichen Gründe der Aussprüche Gottes, vergessen.
Sie sind nicht nur nicht gewachsen, sondern sie haben sogar vergessen, was sie einmal wussten. Ist das irre? Babys statt Lehrer! Ihnen ist genau das genommen worden, was sie meinten zu haben.
Wenn du dich mit denen unterhalten hättest, hätten sie tausend Gründe genannt, warum es nicht so wichtig ist, in der Bibel zu lesen. Ja, blblblblblblblbl, und warum man trotzdem ein guter Christ sein kann, auch wenn man sich nicht so viel mit dem Wort Gottes beschäftigt, okay?
Das Dumme ist: Wenn du ihr Leben anschaust, wenn du sie erlebst, stellst du fest, es gibt keinen Stillstand im geistlichen Leben. Entweder wächst du oder du schrumpfst. Und irgendwann bist du ausgeschrumpft, dann bist du wieder Baby, dann stehst du wieder da, wo du am Anfang standest. Dann muss man dir das Einmaleins wieder erklären.
Wenn es hier heißt: Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, dann ist damit nicht die Geistesgabe des Lehrers gemeint, okay? Also, es gibt eine geistliche Gabe des Lehrers. Hier ist nicht die Gnadengabe gemeint, sondern ein Stand, den jeder Gläubige erreichen kann, so wie es im 2. Timotheusbrief heißt, dass wir alle lehrfähig werden sollen.
Gott erwartet von jedem Gläubigen, dass er seine Bibel kennt und mit der Bibel in der Hand anderen erklären kann, was die Bibel sagt. Nicht in dem Detail und in der Tiefe, wie ich das hier mache. Bitte jetzt nicht erschrecken: Muss ich dann auch so wie Jörgen? Nein, das müsst ihr nicht, denn das ist mein Ding.
Aber so diese einfachen Dinge: Da kommt einer und sagt, zu dem Thema, und das ist jetzt nicht so ein fancy Ding irgendwo am Rand, was bedeutet der zweite Reiter von den apokalyptischen Reitern, sondern das ist irgendwie so etwas ganz Praktisches. Was sagt die Bibel zum Thema Gebet? Was sagt die Bibel zum Thema Umgang mit Geld? Was sagt die Bibel dazu, wie ich mit meinen Haustieren umgehen soll?
Und dann erwartet Gott, dass wir irgendwie in der Lage sind, nicht so: stotter, stotter, stotter, ich muss mal Google fragen. Obwohl, im Netz gibt es viele Antworten, das gebe ich zu. Aber eigentlich erwartet Gott, dass wir unsere Bibel kennen. So ungefähr: Hey, da habe ich schon mal was gelesen, in die und die Richtung geht es. Und vielleicht müssen wir uns dann noch einmal zu Hause hinsetzen und etwas nacharbeiten, aber dieses: Weiß ich auch nicht, das ist definitiv die falsche Antwort.
Vers 13: Denn jeder, der noch Milch genießt – also wir sind bei den geistlichen Babys hier – ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger. So vergebt mir, ich werde an dieser Stelle ausnahmsweise mal meinen Elberfelder Text ein klein bisschen ändern. Das mache ich selten, weil ich finde, die Elberfelder ist eigentlich gut, aber hier möchte ich einen anderen Schwerpunkt setzen.
Man könnte nämlich anders übersetzen. Statt mit richtiger Rede unkundig könnte man übersetzen: mit der Lehre von der Gerechtigkeit nicht vertraut. Beide Übersetzungen sind möglich, ich will nur den Schwerpunkt verschieben. Dann heißt der Vers: Denn jeder, der noch Milch genießt, ist mit der Lehre von der Gerechtigkeit nicht vertraut, denn er ist ein Unmündiger.
Der Text sagt dann: Ein Babychrist hat kein geistliches Unterscheidungsvermögen. Er weiß nicht, was gut und böse ist, er ist ein Unmündiger. Ein Kind kann nicht reden, und so kann ein Babychrist Recht und Unrecht nicht voneinander unterscheiden.
Vers 14: Die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung – Gewöhnung hat etwas mit Übung zu tun – geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen.
Auch hier den Begriff Erwachsene bitte bildhaft verstehen. Ein Erwachsener ist hier ein reifer Gläubiger, der als geistlicher Lehrer anderen beibringen kann, wie man gerecht lebt, weil er Gut und Böse auseinanderhalten kann. Weil er eben nicht nur die Milch, also das Einmaleins des Glaubens, gerade so verstanden hat, sondern weil er sich auch in diesen etwas schwierigeren Themen auskennt. Vielleicht nicht in den superschweren, aber in den etwas schwierigeren Themen, wie dem hohepriesterlichen Dienst Christi, und zwar einem hohepriesterlichen Dienst nach der Ordnung Melchisedeks, denn darum geht es ja, da kommen wir ja her.
Weil er sich darin auch ein bisschen auskennt. Du bist dann ein reifer Christ nach dem Hebräerbrief. Wenn ich dich frage: Komm mal hier vor, erklär doch mal, wie ist denn das mit dem Priesterdienst Jesu nach der Ordnung Melchisedeks? Und du sagst: Klar, kann ich machen. Das ist ein reifer Christ, der die Dinge, die Christus betreffen, wirklich auch ein Stück weit verstanden hat.
Und wenn du sagst, das ist noch nicht so bei mir, da hätte ich jetzt vorhin schon ein bisschen geschluckt, wenn du mich vorgeholt hättest. Okay, ihr seid ja hier. Ja, es braucht, sagt der Text, um ein erwachsener Christ zu werden, Gewöhnung. Es braucht Übung. Es braucht durch Training ein erworbenes Gespür für Gerechtigkeit und Wahrheit.
Denn das ist das, was einen reifen Christen auch ausmacht: der eine klare Vorstellung davon hat, was gut und was böse ist. Er weiß, wo diese Trennlinie verläuft.
Und deshalb, weil das hier so steht, ein letzter Gedanke oder ein letztes Wort: Ich freue mich über euch, die ihr heute hier seid. Ich freue mich richtig darüber, dass ihr da seid, weil jeder, der hier zuhört, auch am Telefon oder später dann auf der CD oder wie auch immer, der bekundet, dass er ein Interesse an Gottes Wort hat.
Und egal, wo ihr jetzt steht, egal, ob ihr jahrelange Bibelleser seid und für euch diese Sache mit Melchisedek so ein Ding war: Ach stimmt, das habe ich auch schon mal gehört, ach gut, dass das noch einmal gesagt wird, ja stimmt. Oder ob du so ein geistliches Greenhorn bist, vielleicht gerade so auf der Stufe zur Bekehrung oder kurz dahinter, hast gerade angefangen, deine erste Bibel zu lesen – das spielt keine Rolle.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei euch bedanken dafür, dass ich euch und eurem Wissensdurst dienen darf. Amen!
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