Einleitende Gedanken
Der Tempel in Jerusalem war das Herzstück des geistlichen Lebens in Israel.
Bei der Einweihung des Tempels versprach Gott dem König Salomo, dass er
an diesem Ort in besonderer Weise gegenwärtig sein wird:
Er sagte zu Salomo: »Ich habe dein Gebet erhört. Ich habe diesen
Tempel, den du gebaut hast, erwählt und zu einer Stätte gemacht, an der
mein Name wohnt für alle Zeiten. Meine Augen sind stets auf dieses Haus
gerichtet, dort ist mein ganzes Herz euch zugewandt. (1. Könige 9, 3)Wie die Moslems heute in Richtung Mekka beten. Beteten die Juden in
Richtung Tempel, egal wo sie sich auf der Welt befanden, denn Salomo bat
Gott:
Wenn dein Volk in deinem Auftrag gegen Feinde in den Kampf zieht und
dabei in der Ferne zu dir betet, den Blick zu der Stadt gerichtet, die
du dir erwählt hast, und zu dem Haus, das ich deinem Namen gebaut habe,
dann höre sein Gebet im Himmel und verhilf ihm zu seinem Recht! (1.
Könige 8, 44-45)
Daniel ist ein Beispiel für diese Praxis.
Daniel hatte im Obergeschoss seines Hauses Fenster in Richtung
Jerusalem. Dreimal täglich kniete er dort nieder, um Gott zu preisen
und seine Bitten vor ihn zu bringen. (Daniel 6, 11)Der Tempel galt also als Zentrum, der Ort, an dem sich Gott niedergelassen
hatte. Wer die Geschichte Israels kennt, weiss aber, dass der Tempel, der
zur Zeit Jesu stand, nicht der erste war. Gott sagte Salomo nämlich auch,
dass er den Tempel verlassen werde, wenn Israel sich gegen ihn
versündigen würde. Er werde es sogar zulassen, dass der Tempel zerstört
würde. Das geschah dann auch. Der Tempel, der zur Zeit von Jesus in
Jerusalem stand, wurde von Herodes dem Grossen monumental ausgebaut.
Jesus anerkannte diesen Tempel, als Ort, wo seinem Vater besondere Ehre
erwiesen werden sollte.
Aber, wie wir in der Schriftlesung gehört haben, war es um diesen Tempel
nicht zum Besten bestellt. Das wollen wir nun etwas genauer ansehen.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Könige 8, 22 – 1. Könige 9, 9; Daniel
6, 11; Markus 11, 15-19; Lukas 19, 45-48; Johannes 2, 13-17 (Parallelberichte)
I. Leidenschaftlich für Gott
Jesus zog umjubelt in Jerusalem ein. Nicht auf einem Pferd, sondern auf
einem Esel.
Vor und hinter Jesus drängten sich die Menschen und riefen: "Gepriesen
sei der Sohn Davids! Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt!'
Gepriesen sei Gott in der Höhe!" Matthäus 21, 9.
Jerusalem war zum bersten voll, voller Menschen, so wie an einem Züri
Fäscht, denn es war die Zeit des Passahfestes. Aus allen Ländern reisten
die Juden nach Jerusalem, um hier dieses Fest zu feiern. Im Tempel
herrschte Hochbetrieb.
Die Verantwortlichen für die festlichen Gottesdienste und für das
Schlachten der zahlreichen Passahlämmer waren für den Ansturm der Massen
von Pilgern gerüstet. Als gute Organisatoren und geschäftstüchtige
Priester hatten sie dafür gesorgt, dass sich die Pilger alles, was sie
brauchten, bequem an Ort und Stelle kaufen konnten. Der Tempelplatz war
dazu hervorragend geeignet. Dort konnte man Rinder für Brand- oder
Dankopfer, Schafe für die täglichen Opfer, junge Lämmer für das festliche
Passamahl und Tauben für die Armen, die sich kein anderes Opfertier
leisten konnten, kaufen. Viele Pilger benutzen die Gelegenheit, gleich
die Tempelsteuer zu bezahlen. Die meisten besassen römische Münzen, auf
die das Bild des römischen Kaisers geprägt war. Die durfte man deswegen
nicht für die Bezahlung der Tempelsteuer verwenden. Deshalb benötigte man
auch Geldwechsler, die diese Münzen eintauschten und selbstverständlich
verdienten sie nicht schlecht dabei. Alle waren mit dieser Organisation
zufrieden. Die Pilger schätzten den angebotenen Service, die Händler und
Geldwechsler machten satten Gewinn und die Tempelbehörde kassierte
stattliche Provisionen.
Was sich da abspielte war ein riesiger Klamauk, ein pulsierender Jahrmarkt,
bei dem es um viel Geld ging.
Dieser ganze Rummel spielte sich auf dem Platz der Heiden ab (Bild). Als
Jesus in Jerusalem eingetroffen war, ging er natürlich in den Tempel, wie
er sich das gewohnt war. Er war über das Treiben schockiert:
Jesus ging in den Tempel und wies alle hinaus, die dort Handel trieben
oder etwas kauften. Er warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze
der Taubenverkäufer um Matthäus 21, 12.
Das war das einzige Mal, wo Jesus handgreiflich wurde. Hier wären seine
Worte untergegangen. Wenn er verstanden werden wollte, musste er handeln.
Er sagte dann klipp und klar, warum ihn diesen Rummel so erregte:
"Es heisst in der Schrift: 'Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein.'
Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!" Matthäus 21, 13.
Im Zentrum stand nicht mehr die Anbetung Gottes, sondern der Rummel ums
Geld. Der Tempel war zum Wahrenhaus verkommen. Gott wurde zur absoluten
Nebensache, obwohl sich im Tempel eigentlich alles um ihn drehen sollte.
Jesus machte hier deutlich, wie wichtig Gott die Anbetung ist. Er duldet es
nicht, wenn man ihn mit grosser Geschäftigkeit zur Seite schiebt. Was
Jesus hier tat, lehrt uns etwas ganz Wichtiges. Gott möchte, dass wir mit
ungeteilten Herzen zu ihm kommen. Er möchte, dass wir ihn mit derselben
Leidenschaft begegnen, die Jesus durch seinen handgreiflichen Einsatz
zeigte. Alles, was die Anbetung hindert, muss beseitigt werden, denn –wie
Jesus sagte – der Tempel ist ein Haus des Gebets.
Wichtig ist, dass wir das richtig verstehen, was Jesus damit meinte, denn
Gebet und Anbetung wird nicht so verstanden, wie wir das normalerweise
verstehen. Wir assoziieren mit diesen Worten, dass wir die Hände falten
oder Anbetungslieder singen. Das ist aber nur ein kleiner Teil der
Anbetung.
Bethaus heisst, dass in diesem Haus Gott das Thema ist. Alles, was in
diesem Haus geschieht, sollte mit ihm in Verbindung stehen. Als Jesus die
Händler raus warf, nahm er sich nicht zuerst Zeit zum Gebet, sondern er
heilte kranke Menschen. Das ist eben auch Anbetung, denn dadurch wird
Gott verehrt, seine Kraft und Barmherzigkeit finden Ausdruck. Wir wissen
auch, dass Jesus, wenn er in Jerusalem war, im Tempel lehrte:
Tagsüber lehrte Jesus im Tempel. Lukas 21, 37.
Später als Jesus bereits zum Vater zurückgegangen war, wurden die Apostel
eingesperrt, weil sie das Evangelium verkündigten. In der Nacht befreite
sie ein Engel und beauftragte sie:
"Geht in den Tempel, tretet vor das Volk und verkündet unerschrocken
die Botschaft, die der Herr gebracht hat und die zum Leben führt."
Apostelgeschichte 5, 20.
Bethaus ist also viel umfassender zu verstehen, als wir das im ersten
Moment verstehen. Bethaus heisst, dass alles, was geschieht zur Ehre
Gottes geschieht. Wenn im Bethaus verkündigt wird, ist das Anbetung, weil
Gottes Gedanken Respekt verschafft wird, weil sich Menschen mit der
Botschaft Gottes beschäftigen.
So gesehen, ist es interessant, was die Apostel über den Tempel Gottes
lehren. Seit dem Tod und der Auferstehung von Jesu ist nämlich nicht
mehr der Tempel in Jerusalem das Zentrum der Gegenwart Gottes. Das
Zentrum der Gegenwart Gottes sind wir, die Gemeinde. Paulus sagte den
Korinthern:
Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass Gottes Geist
in eurer Mitte wohnt? 1. Korinther 3, 16.
Später schrieb er, dass sogar jeder einzelne Christ ein Tempel Gottes ist,
der Ort, wo Gott wohnt:
Habt ihr denn vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen
Geistes ist? Der Geist, den Gott euch gegeben hat, wohnt in euch, und
ihr gehört nicht mehr euch selbst. 1. Korinther 6, 19.
Das heisst doch nichts anderes, als alles, was wir tun, zur Ehre Gottes
geschehen soll. Wenn wir Tempel Gottes sind, dann sind wir Bethäuser und
zwar eben in diesem Sinn, dass in unserem Handeln Gott im Zentrum steht.
Aber wie der Tempel in Jerusalem, kann unser Tempel überstellt sein. Er
kann so überladen sein, dass Gott gar nicht mehr wirklich Platz hat. So
musste Paulus die Korinther ermahnen:
Haben Götzenbilder etwas im Tempel Gottes zu suchen? Und das sind wir
doch: der Tempel des lebendigen Gottes! Denn Gott hat gesagt: »Ich will
bei ihnen wohnen und mitten unter ihnen leben. Ich will ihr Gott sein,
und sie sollen mein Volk sein.« (2. Korinther 6, 16)Gott möchte, dass wir ihm leidenschaftlich hingegeben sind. Er möchte, dass
wir alles ausräumen, dass unsere Verhältnis zu ihm trübt.
Was würde Jesus wohl bei Dir rausschmeissen, wenn er Deinen Tempel betritt?
Würde er vielleicht Deinen Terminplan rauswerfen, weil er Dir keine Zeit
mehr zur Besinnung lässt?
Würde er Deine Filmsammlung rauswerfen, weil Du nichts mehr anderes tun
kannst, als einen Film nach dem anderen anzusehen?
Würde er Deinen Internetanschluss rauswerfen, weil Du ständig auf Sex- und
Pornoseiten rumsurfst?
Würde Jesus Dein Aktienpaket rauswerfen, weil Du Dich nur noch und
leidenschaftlich mit den Aktienkursen beschäftigst?
Würde er Deine Freundin rauswerfen, mit der Du Deine Frau betrügst?
Was würde Jesus rauswerfen, was Dich von der leidenschaftlichen Hingabe
fernhält?
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Könige 8, 44; Jesaja 56, 7; Jeremia
7, 11; Habakuk 2, 20; Sacharja 14, 21; Maleachi 3, 1-5; Matthäus 21,
9+23; Lukas 21, 37; Johannes 7, 14; Apostelgeschichte 5, 20+42; 1.
Korinther 3, 26; 1. Korinther 6, 19; 2. Korinther 6, 16; Epheser 2, 21-
22; Hebräer 6, 19
II. Leidenschaftlich gegen Gott
Nachdem Jesus die Händler rausgeschmissen hatte, heilte er Menschen:
Während er im Tempel war, kamen Blinde und Lahme zu ihm, und er heilte
sie. Matthäus 21, 14.
Wie wunderbar und faszinierend muss das gewesen sein. Menschen, die sich
z.T. schon seit Jahren im Tempel aufhielten und blind und lahm waren,
können plötzlich sehen und sich wieder frei bewegen. Man müsste denken,
dass das die hartgesottenen Gegner von Jesus hätte erweichen müssen.
Sogar die Kinder jubelten und riefen:
"Gepriesen sei der Sohn Davids!" Matthäus 21, 15.
Aber eben, die hartgesottenen Gegner von Jesus konnte das nicht erweichen.
Es geschah etwas ganz Eigenartiges:
Aber die Wunder, die er tat, und der Jubel der Kinder, die im Tempel
riefen: "Gepriesen sei der Sohn Davids!", erregten den Unwillen der
führenden Priester und der Schriftgelehrten. Matthäus 21, 15.
Die Priester und Schriftgelehrten ärgerten sich offensichtlich nicht daran,
dass Jesus den Tempel räumte. Sie ärgerten sich darüber, dass Jesus im
Tempel Menschen heilte und dass ihn die Kinder als Messias priesen, als
den Sohn Gottes.
Es ist unfassbar wie blind religiöse Menschen sein können. Es ist
beängstigend, wie leidenschaftlich man gegen Gott sein kann, obwohl sie
meinten, sie würden Gott dienen.
Die Priester und Schriftgelehrten hätten schon bei der Tempelräumung
nachdenklich werden müssen. Sie wussten, dass im Psalm 69 stand:
Die Liebe zu deinem Haus - sie verzehrt mich wie ein Feuer. Die
Schmähungen, mit denen man dich lästert, sie treffen mich. (Psalm 69,
10)
Noch nie hatten sie erlebt, dass jemand mit solcher Leidenschaft für
Ordnung im Tempel sorgte. Aber zudem mussten sie gesehen haben, wie Jesus
Blinde und Lahme heilte. Auch hier mussten sie vom AT klar erkennen, das
müsste der Messias sein. Schliesslich antwortete Jesus den Jüngern von
Johannes dem Täufer, als er ihn fragen liess, ob er der Messias sei:
Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören,
Tote werden auferweckt, und den Armen wird Gottes gute Botschaft
verkündet." Lukas 7, 22.
Dazu riefen es die Kinder, sie jubelten Jesus zu und bezeugten ihn als den
Sohn Davids, also als den Messias.
Berücksichtigt man diese verschiedenen Aspekte, so hätte sie das sehr
nachdenklich stimmen müssen. Es war eigentlich offensichtlich, dass Jesus
der Messias ist. Aber sie waren so was von blind, sie waren so
leidenschaftlich gegen Gott, dass sie nichts Besseres wussten, als Jesus
anzugreifen. Abschätzig riefen sie:
"Hörst du eigentlich, was die da rufen?" Matthäus 21, 16.
Sie störten sich daran, dass Jesus als Sohn David verehrt wurde. In ihren
Augen durfte Jesus nicht der Messias sein. Sie wollten einen anderen Sohn
Davids, sie hatten andere Vorstellungen. Jesus war um eine Antwort nicht
verlegen.
Habt ihr das Wort nie gelesen: "Unmündigen und kleinen Kindern hast du
dein Lob in den Mund gelegt'?" Matthäus 21, 16.
Jesus konnte den Tempel verlassen, ohne dass sie ihm etwas antun konnten –
noch war es nicht so weit. Ihre Stunde würde bald kommen, aber jetzt
konnten sie noch nicht ausführen, was in ihren Herzen längst beschlossen
war.
Leider sind bis heute sehr viele Menschen leidenschaftlich gegen Gott. Sie
sind zwar religiös, sie meinen sie würden Gott dienen, so wie Paulus
meinte, er würde für Gott eifern als er die Christen verfolgte, aber in
Wirklichkeit kämpfte er leidenschaftlich gegen Gott.
Er war verblendet, bis ihm Jesus die Augen und das Herz öffnete. Möge Gott
schenken, dass noch viele leidenschaftliche Gegner Gottes, zu
leidenschaftlichen Nachfolger werden. Paulus ist das Beispiel dafür, dass
Gott nichts unmöglich ist.
Jesus ging nach Betanien, wo er mit seinen Jüngern das Passah feierte,
bevor er dann auf Golgatha hingerichtet wurde.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Psalm 8, 3; Psalm 69, 10; Lukas 7, 22;
1.Timotheus 1, 12-16
Schlussgedanke
Bei Jesus sehen wir, was es heisst, leidenschaftlich für Gott zu sein. Er
scheute sich nicht, handgreiflich zu werden, auch wenn das hätte
missverstanden werden können.
Jesus macht uns dadurch deutlich, wie wichtig es ihm ist, dass seinem Vater
ungehindert und mit ungeteiltem Herzen gedient wird.
Für uns bleibt die Frage: Was würde Jesus in unserem Leben hinauswerfen?
Paulus schrieb:
Habt ihr denn vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen
Geistes ist? Der Geist, den Gott euch gegeben hat, wohnt in euch, und
ihr gehört nicht mehr euch selbst. 1. Korinther 6, 19.
Gott hat euch als sein Eigentum erworben; denkt an den Preis, den er
dafür gezahlt hat! Darum geht mit eurem Körper so um, dass es Gott Ehre
macht! 1. Korinther 6, 20.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Korinther 3, 17; Korinther 6, 19-20
Amen

