Einführung in das Thema: Machtstreben unter den Jüngern
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 655: Herrschen oder Dienen? Teil 4
Wir betrachten gerade die Reaktion der übrigen Jünger, als sie mitbekommen, dass Jakobus und Johannes sich die besten Plätze im Reich Gottes sichern wollen.
In Matthäus 20,24 heißt es: „Und als die Zehn es hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder.“
Wir wissen bereits, dass Jakobus und Johannes damit keinen Erfolg haben. Der Vater im Himmel behält es sich vor, allein diese Plätze zu vergeben. Auch der Sohn kann daran nichts ändern.
Doch trotz alledem nutzt der Herr Jesus das Ansinnen von Jakobus und Johannes, um seinen Jüngern eine andere, wirklich wichtige Lektion zu vermitteln. Diese steht in engem Zusammenhang mit dem Wunsch nach den besten Plätzen im Reich Gottes.
Wenn Jesus seine ganze Jüngerschar ruft, um mit ihnen darüber zu sprechen, was einen wirklich Großen im Reich der Himmel auszeichnet, dann tut er das, weil nicht nur Jakobus und Johannes in ihrem Herzen den Wunsch nach Status und Einfluss tragen.
Die wahre Bedeutung von Größe im Reich Gottes
Markus 10, Verse 42-44: Und Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass die, welche als Regenten der Nationen gelten, sie beherrschen und ihre große Gewalt gegen sie ausüben. So aber ist es nicht unter euch. Wer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer von euch der Erste sein will, soll aller Sklave sein.
Worum geht es Jesus hier? Er nimmt sich die Leute vor, die als Regenten gelten und großen Einfluss besitzen. Er kann davon ausgehen, dass seine Jünger wissen, wie ein typischer Kaiser oder Statthalter seine Macht ausübt – eben nicht in Demut und Zurückhaltung. Es ist völlig normal, dass solche Leute ihre Untertanen beherrschen und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Das war bekannt und üblich.
Natürlich hat Jesus kein Problem mit Autorität an sich. In einem Staat muss es Menschen geben, die Gesetze erlassen, Recht sprechen und das Recht durchsetzen. Paulus kann davon sprechen, dass staatliche Ordnung als Konzept von Gott verordnet ist. Gott hat keine Sympathie für Anarchie, aber natürlich auch keine für menschenverachtende Tyrannei.
Machtmissbrauch und das Gegenmodell im Reich Gottes
Aber kommen wir zurück. Der Herr Jesus ist nicht naiv. Er weiß, dass überall dort, wo man Menschen Macht gibt, auch Machtmissbrauch vorkommt. Das ist leider normal.
Aber genau das darf und soll unter Christen nicht so sein. In der Ekklesia des Messias sind die Großen die Diener, und die Ersten sind die Sklaven. Jesus aber rief sie heran und sprach: „Ihr wisst, dass die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie ausüben. Unter euch wird es nicht so sein. Wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein. Und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein.“
Jesus ist hier ganz klar: Unter euch wird es nicht so sein. Mag es in der Welt normal sein, dass die Mächtigen die Normlosen beherrschen und ausbeuten – unter euch wird es nicht so sein.
Ehrgeiz im christlichen Leben: Erlaubt und erwünscht
Und nun wird es spannend. Der Herr Jesus hat nämlich kein Problem damit, dass jemand groß werden oder der Erste sein will. Wir dürfen unser Christsein ernst nehmen und ambitioniert leben. Das ist keine Sünde, sondern im Idealfall vielmehr ein Ausdruck von Leidenschaft und Hingabe.
Paulus kann später schreiben: „Das Wort ist gewiss, wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk“ (1. Timotheus 3,1). Merkt ihr, hier steht „trachtet“. Hier werden Männer beschrieben, die sich vornehmen, Älteste zu werden, und Paulus findet das klasse.
Das heißt, wer ein Macher ist, der darf sich gern gemäß seiner Berufung danach ausstrecken, mehr Verantwortung zu übernehmen. Ehrgeiz ist nichts, was Gott verurteilt. Wir sollten uns wahrscheinlich eher Sorgen machen, wenn uns in geistlichen Dingen der Ehrgeiz fehlt.
Die Bibel betont, dass wir uns als Athleten und Krieger verstehen sollen. „Im Fleiß nicht säumig, brennend im Geist, dem Herrn dienend“, schreibt Paulus in Römer 12,11. Ehrgeiz ist etwas Gutes.
Der Weg zu wahrer Größe: Dienen und Hingabe
Allerdings muss der Ehrgeizige auch verstehen, wie man im Reich Gottes groß wird. Eifer ohne Erkenntnis tut keinem gut.
Wie wird man also groß? Wenn jemand unter euch groß werden will, soll er euer Diener sein. Diener, Diakonos – bitte nicht falsch verstehen: Das ist kein Titel, wie man heute das Wort „Diakon“ in Gemeinden verwendet, sondern eine Funktionsbezeichnung. Ein Diener ist jemand, der sich aktiv um die Bedürfnisse anderer kümmert.
Der Weg nach oben ist also der Weg des Dienens, des Helfens und des Unterstützens. Wer sich danach ausstreckt, im Reich Gottes etwas darzustellen – und wie gesagt, die Sehnsucht als solche ist keine Sünde – wer sich danach sehnt, mehr als ein normales Gemeindeglied zu sein, der darf sich profilieren, und zwar im Dienen.
Diese Bereitschaft zum Dienen ist deshalb auch die grundlegende Voraussetzung für jede Berufung in einem Gemeindedienst.
Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter. Er sagt: Wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein. Sklave, Doulos, damit ist ein Mensch ohne eigene Agenda gemeint, jemand, der vollständig dem Wohl der anderen verpflichtet ist.
Jesus als das höchste Vorbild für dienende Größe
Und dabei orientiert sich der Doulos am Vorbild des Herrn Jesus.
Matthäus 20,28: "So ist der Sohn des Menschen nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben."
Ambitionen sind erlaubt, sogar notwendig. Aber sie müssen sich an der absoluten Nummer eins orientieren – und das ist Jesus. Wer wissen will, wie sich ein wahrhaft Großer, ja der König der Könige und Herr der Herren verhält, der schaue bitte zum Kreuz.
So sieht wahre Größe aus: Größe, die das eigene Leben als Lösegeld für viele gibt.
Markus 10,45: "Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben."
Im Reich Gottes wird Größe nicht durch Titel oder Macht definiert, sondern durch Opferbereitschaft. Jesus selbst ist darin seinen Jüngern das größte Vorbild. Er verlangt nichts, was er nicht selbst zu tun bereit ist.
Fazit: Ehrgeiz mit dienender Haltung verbinden
Das heißt, Jakobus und Johannes dürfen sich nach den ersten Plätzen rechts und links vom Thron ausstrecken. Jesus verbietet es ihnen nicht. Jeder darf das. Gott hat kein Problem mit gesundem Ehrgeiz. Er ist ein Gott, der seine Kinder gern für ihre Hingabe belohnen möchte.
Wir müssen uns nur darüber im Klaren sein, dass die guten Plätze denen zustehen, die bereit sind zu leiden und ihr eigenes Leben in andere zu investieren. Wenn wir das verstanden haben, dürfen wir Vollgas geben und dem Herrn Jesus nacheifern.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie sehr dein eigenes Leben davon geprägt ist, dass du anderen dienst. Solltest du da vielleicht etwas ändern?
Das war's für heute. Wenn du magst, erzähle doch einer Person von Frogwords oder dem Podcast. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
