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Lukas 19,11-27: "Reich Gottes : die anvertrauten Gaben Gottes klug einsetzen - Teil 2"

Lukas 19,11-19,2705.02.2012
Serie•Teil 41 / 53Lukas-Evangelium
Du hast nur ein Leben – und genau dafür wirst du einmal gefragt: Was hast du daraus gemacht? Die Zwischenzeit ist keine Wartehalle, sondern dein Auftrag.

Dank und Rückblick auf die unterbrochene Predigt

Ich wollte mich noch einmal ganz herzlich bei euch bedanken für das, was da vor vier Wochen passiert ist. Ihr erinnert euch: Es war viertel nach elf, und ich schaute auf die Uhr. Ich konnte nicht glauben, dass es schon viertel nach elf ist, weil ich gerade mit der Einleitung meiner Predigt fertig war. Wir haben dann spontan noch ein bisschen miteinander gebetet, um die Zeit zu überbrücken. Das war in meinen Augen sehr gut und passte auch sehr gut zu dem, was ich davor schon gesagt hatte.
Und trotzdem war es ein sehr merkwürdiges Gefühl, hier vorne zu stehen und zu sagen: Okay, ich bin auf Seite zwei von fünf meines Skripts, und die Zeit ist eigentlich rum. Also vielen herzlichen Dank, wie ihr da reagiert habt, auch danach. Viele sind noch einmal auf mich zugekommen und haben mir Mut gemacht. Ja, danke.
Jetzt mache ich genau an der Stelle weiter, ohne große Einleitung. Thema ist: Der Herr Jesus kommt wieder, er ist noch nicht da. Wie sollen wir uns in der Zeit dazwischen, in der Zwischenzeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Jesu Christi, verhalten? Das erste Kommen ist schon passiert, das liegt hinter uns. Das zweite liegt noch vor uns. Wie sollen wir uns da verhalten?
Der erste Punkt, da, wo ich letztes Mal auch abgebrochen bin, hat mit Gebet zu tun. Wenn der Herr Jesus wiederkommt, dann möchte er gerne unseren Glauben sehen. Und dieser Glaube zeigt sich daran, wie wir mit Not umgehen. Ob wir in Zeiten von Schwierigkeiten, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir sie uns vorstellen, wenn Hilfe nicht so schnell kommt, wie wir sie erwarten, ob uns das ins Gebet hineintreibt. Weil wir ganz grundsätzlich davon überzeugt sind, dass Gott es gut mit uns meint. Dass das Problem nicht bei ihm liegt. Auch nicht daran, dass er uns nicht lieben würde. Sondern es liegt irgendwo anders. Es mag da ein Problem geben, dass Gott nicht so schnell reagieren kann, wie er sich das selber auch wünscht. Aber es liegt nicht bei ihm, dieses Problem. Er ist grundsätzlich daran interessiert, dass wir so schnell, wie es irgendwie möglich ist, die Hilfe bekommen, die wir brauchen.
Kann ich das glauben? Und kann ich aus dieser Haltung heraus immer wieder zu Gott im Gebet gehen und ihm mit meinen Nöten im Vertrauen immer und immer wieder begegnen, bis er hört, bis die richtige Zeit da ist? Das war der eine Punkt. Das ist das, was Gott sehen möchte in unserem Leben, in dieser Zeit hier, wo er uns tatsächlich auch, so blöd das klingt, sagt, dass das keine einfache Zeit sein wird. Dass wir in eine Zeit hineingestoßen sind, wo Verfolgung und Not und Ablehnung und Versuchung und Prüfung der Alltag sind.
Ganz wichtiger erster Punkt. Jetzt komme ich zum Ende meiner Einleitung, Start vom Hauptteil. Jetzt kommen wir zu Lukas Kapitel 19. Es gibt einen zweiten Punkt, der für die Zwischenzeit von großem Interesse ist, und ich möchte mit euch lesen: eine Allegorie. Das ist ein Gleichnis mit mehreren Bezugspunkten. Üblicherweise hat man bei einem Gleichnis einen Bezugspunkt, man hat eine Sache, die man überträgt. Hier gibt es jetzt eine ganze Reihe, und dann spricht man von einer Allegorie.
Wir lesen Lukas 19,11-27. Bei mir überschrieben mit: Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden.
Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu. Er ist Jesus. Jesus fügte noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte. Wir haben darüber gesprochen: Die Jünger erwarten eigentlich, dass es jetzt richtig losgeht, dass das Reich Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit und politischen Pracht jetzt anbricht. Und der Herr Jesus muss diese Naherwartung ein Stück zurücknehmen. Er möchte ihnen ja eigentlich sagen, dass, bevor es dazu kommt, dass er als König regiert, vorher noch etwas ganz anderes passieren muss: ein Kreuz, ein Grab, eine Auferstehung, eine Himmelfahrt. Das muss alles vorherkommen. Und deswegen ein Gleichnis, um diese Erwartungshaltung, die im Raum liegt, wo Leute sagen: Jetzt muss es hier doch mal losgehen, ein Stück runterzuholen, wieder zu erden, auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen.
Er sprach nun: Ein hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen. Er berief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme. Seine Bürger aber hassten ihn und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns König sei. Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, da sagte er, man solle diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu ihm rufen, damit er erführe, was ein jeder erhandelt habe.
Der Erste aber kam herbei und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde hinzugewonnen. Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht. Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben. Und der Zweite kam und sagte: Herr, dein Pfund hat fünf Pfunde eingetragen. Er sprach aber auch zu diesem: Und du sei über fünf Städte.
Und ein anderer kam und sagte: Herr, siehe, hier ist ein Pfund, das ich in einem Schweißtuch verwahrt hielt. Denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist. Du nimmst, was du nicht hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. Er sprach zu ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht. Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe? Und warum hast du mein Geld nicht in eine Bank gegeben, und wenn ich kam, hätte ich es mit Zinsen eingefordert? Und er sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat. Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat ja schon zehn Pfunde. Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir.
Darum geht es heute. Ein bisschen gruselig am Ende, ich weiß. Und auch so mittendrin hat es seine Längen, wenn man das so vorliest. Ich denke, die einfachen Bezüge sind relativ klar. Der hochwohlgeborene Mann, der da weggeht, das ist der Herr Jesus. Er geht weg, er verlässt diese Erde, um ein Reich zu empfangen. Also: Das ist die Himmelfahrt. Er ist jetzt im Himmel, er hat das Reich empfangen, und er kommt wieder, um dieses Reich auf die Erde zu bringen.
Auf der Erde gibt es zwei Sorten von Menschen. Das sind einmal die Bürger, die ihn nicht wollen, später auch als Feinde bezeichnet. Das sind Menschen, die nicht glauben, die Jesus ablehnen, die sagen: So einen König und den schon gar nicht. Und dann gibt es die, die hier bezeichnet werden als die Knechte. Das sind die Gläubigen, das sind wir.
Mir geht es jetzt erst einmal um die Knechte. Die anderen sind mir so ein Stückchen egal. Mir geht es um die Frage: Was sind die Lektionen, die die Knechte lernen sollen aus diesem Gleichnis? Und eigentlich ist die Lektion ganz simpel. Der König hat zehn Pfunde und zehn Knechte. Zehn geteilt durch zehn ist eins. Jeder bekommt ein Pfund. Und dann geht es los. Du hast ein Pfund, und der König sagt: Ich möchte gerne, dass ihr handelt, bis ich wiederkomme.
Was ist dieses eine Pfund? Wer die Bibel ein bisschen kennt, weiß: Es gibt andere Gleichnisse, da haben Leute unterschiedliche Mengen von Pfunden, unterschiedliche Talente. Der eine so viel, der andere so viel. Hier in diesem Gleichnis geht es nur um das, was alle gleich haben. Also: Was hat jeder Gläubige gleich? Wenn ihr euch jetzt so gegenseitig mal anschaut, ihr seid ja durchaus unterschiedlich, unterschiedlich groß, unterschiedlich, na ja, also wir sind unterschiedlich: Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche. Aber was haben wir, wenn wir das jetzt versuchen zu füllen? Was haben wir alle gleich? Wo kann ich meinen Nachbarn anschauen, egal ob mein Nachbar die gleiche Haarfarbe hat, das gleiche Geschlecht hat, die gleiche Größe hat? Genau, da hat er genau das Gleiche.
Wo sind wir gleich? Die Antwort ist nicht schwer, oder? Wir haben alle genau dasselbe Startguthaben für das, was Leben nennt. Du hast genau so viel Leben wie der Nebenmann. Du hast eins, er auch. Du hast in gleicher Weise so viel Zeit wie dein Nebenmann. Es gibt diese 168 Stunden in der Woche, und wenn die rum sind, ist die Woche rum. Da kannst du machen, was du willst. Also ich wünschte mir immer am Ende, so gerade Sonntagfrüh, so zwei, drei Stunden mehr, wenn man in die letzte Phase der Predigtvorbereitung einsteigt, es noch einmal durchgeht und sich denkt: Mann, war die Nacht kurz. Da wäre das schön. Aber nein, wir haben alle die gleiche Zeit.
Wir haben alle eine Grundausstattung an Talenten. Die mag in sich ein bisschen unterschiedlich sein, aber hier sitzt keiner, der sagt: Ich bin unbegabt. Als Gott Talente verteilt hat, da saß ich in der Ecke und er hat mich nicht gesehen. Das stimmt nicht. Du bist begabt. Du bist jemand, der über ganz persönliche Chancen im Leben verfügt. Dinge, wo du sagst: Ich gehe durch diese Welt, ich treffe auf Menschen, ich habe Lebensumstände, die Gott mir gegeben hat. Und in diesen Lebensumständen gibt es Möglichkeiten. Das sind meine persönlichen Möglichkeiten. Aber das ist das, was du mit allen anderen Menschen identisch hast, weil die gehen auch durch diese Welt und haben in ihren Umständen ihre persönlichen Möglichkeiten, Gott zu dienen.
Du hast ein Leben. Es ist dein Leben. Und ich weiß nicht, ob du glücklich bist mit deinem Leben. Ich hoffe, dass ich dich am Ende von dem Gleichnis ein bisschen glücklicher machen kann, wenn du unglücklich bist. Aber vorneweg kann ich dir schon sagen: Du hast dieses einmalige Geschenk Leben gekriegt, und dieses eine Geschenk, um das geht es heute. Du bist du. Es gibt dieses Kinderlied: Das ist der Clou, du bist du. Und das ist ganz wichtig, weil dieses kleine bisschen, was du bist, das ist das eine Pfund, was Gott dir anvertraut hat.
Und ich bin immer traurig, wenn Christen anfangen, sein zu wollen wie ein anderer oder mit sich selber unglücklich sind, weil sie nicht sind wie, weil sie nicht das Talent von xy haben, das Aussehen von yz, was weiß ich, das Geld von ab, keine Ahnung. Ja, also wo ich mir sage: Nein, nein. Du hast das eine Pfund anvertraut, und dieses eine Pfund kannst du gut schauen, wenn du in den Spiegel schaust. Da siehst du dein Pfund. Bist du. So.
Und jetzt geht es darum, dass du mit diesem Pfund Leben etwas machst, was hier im Gleichnis heißt: Handelt damit, bis ich wiederkomme. Jetzt merken wir schon: Zwischenzeit. Die eine Seite ist die, dass wir beten sollen, die andere Seite ist die, dass wir rausgehen und etwas tun, dass wir handeln sollen.
Mir ist es ganz wichtig, das vorne dran zu stellen, dass jeder hier im Raum versteht: Du bist mit deinem Leben absolut wertvoll, du bist einmalig, du bist von Gott gewollt, und du bist wichtig. Darf ich das noch einmal sagen? Du bist wertvoll, einmalig, gewollt, wichtig. Nicht der andere ist es, sondern du bist das, ob du das glauben kannst oder nicht.
Gott hat sich wirklich was dabei gedacht, als er dich so das erste Mal dachte. Ich weiß nicht, wie das funktioniert bei Gott, ja, weil Gott ist ewig, und ich weiß nicht, ob er irgendwann mal was zum ersten Mal dachte und wie das überhaupt läuft, aber ich stelle es mir so aus einer menschlichen Perspektive vor: Das erste Mal denkt er, jetzt habe ich Julia da sitzen. Gott denkt das erste Mal an Julia. Und jetzt überlegt er sich: Was könnte ich alles da reinstecken? Wie könnte ich das kombinieren? Und er macht so einen ganz einmaligen Menschen, der ein einmaliges Leben führt mit einmaligen Chancen und Risiken. Aber es bleibt ihr ganz persönliches einmaliges Leben.
An anderer Stelle wird der Herr Jesus sagen, wir sind Salz und Licht. Der gleiche Gedanke. Wir sind mit unserem Leben Salz, etwas, was Würze ins Leben und in diese Welt hineinbringt. Wir sind Licht, wo eine Perspektive entsteht. Und da geht es jetzt nicht darum, Jens macht die Moderation, Jens ist Salz und Licht, und ich bin irgendwie nur so hm. Nein, nein, du bist Salz und Licht, du, wie du da sitzt, ob du das glauben kannst oder nicht.
An anderer Stelle sagt der Herr Jesus, dass Ströme lebendigen Wassers von uns ausgehen sollen. Wir sind wie Quellen, wo Menschen, die dürstig sind, hingehen können, trinken können. Und das betrifft nicht nur die drei, vier Evangelisten, von denen man mal schon gehört hat, oder Leute, die es dann in der Biografie auf dem Büchertisch schaffen, sondern du bist das. Du sollst diese Quelle sein, du kannst das mit deinem Leben sein.
Und an anderer Stelle schreibt der Apostel Paulus davon, dass wir Botschafter Gottes sind. Und ich schmunzle immer, wenn ich das lese, und habe dann immer so als Mann wahrscheinlich diese Autos vor Augen mit so einem CC-Schild, wo ich weiß, dass die überall parken dürfen, ohne abgeschleppt zu werden oder ohne dass sie, wenn sie abgeschleppt werden, was zahlen müssen. Und ich denke mir immer: Hätte ich auch gerne. Ja, und dann kommt mir dieses Bild: Ich bin Botschafter. Du bist in dieser Welt einfach mit einer Aufgabe. Und nicht irgendeiner Aufgabe, die irgendwann wieder vorbei ist, sondern mit der einen Aufgabe, die in Ewigkeit zählt.
Um mal hier im Bild zu bleiben, im Bild dieser Knechte: Wir sind bei Gott angestellt. Gott hat gesagt: Ich möchte nicht, dass du selbständig bist, ich möchte auch nicht, dass du dein eigener Chef bist für dein Leben, sondern du bist mein Knecht. Man könnte auch so übersetzen mit Sklave, nur Angestellter klingt ein bisschen netter, und wir können mehr damit anfangen. Er hat uns ein Leben seinem bestimmten Zweck anvertraut.
Ich finde das so angenehm, so dieses Wissen: Gott gibt mir was. Gott hat mir so ein ganzes Leben anvertraut, diese Stunden und Tage und Monate und Jahre. Und jetzt kommt im Grunde seines Herzens ist der Herr Jesus ein knallharter Geschäftsmann, der einfach nur Profit machen will, so ein echter Broker, der sagt: Ich schicke euch in diese Welt, Klinken putzen, und ich möchte am Ende was haben. Das ist ein bisschen überzogen, das ist ja nur ein Gleichnis, aber so ganz falsch ist es nicht.
Jesus sitzt jetzt im Himmel und sagt: Ich habe euch hier auf der Erde, und ich habe euch ein Leben anvertraut. Und wir sehen uns wieder, und wenn wir uns wiedersehen, werde ich euch eine Frage stellen. Und damit ihr nicht überrascht seid, wenn die Frage kommt, sage ich euch das vorher. Das ist wie bei einer guten Lehrerin, die sagt: Also nicht, dass alle überrascht sind, dass wir nächste Woche einen Test schreiben. Ich sage ja schon mal, am Mittwoch schreiben wir einen Vokabeltest. Und ein kluger Schüler weiß, wenn eine Lehrerin sagt, am Mittwoch schreibe ich einen Vokabeltest, dass er sich wenigstens am Dienstagabend noch einmal hinsetzt und die Vokabeln wiederholt.
Und der Herr Jesus ist ein kluger Lehrer. Er sagt: Wenn ich wiederkomme, da gibt es eine Frage. Diese Frage wird lauten: Was hast du aus dem gemacht, was ich dir anvertraut habe? Ganz simpel. Du hattest da was: ein Pfund, ein Leben, ein Set an Zeit, Geld und Talent, das habe ich dir gegeben. Was hast du bitte damit gemacht?
Und als ich das in mein Skript reingeschrieben habe und heute Morgen noch einmal durchgegangen bin, da dachte ich mir, weil ich gestern Jugendstunde hatte, da dachte ich mir: Es ist ein Riesenunterschied, ob diese Frage in einer Jugendstunde gestellt wird oder in einem Gottesdienst. In einer Jugendstunde, und ich weiß noch, die Frage ist ja kein Gleichnis, was man das erste Mal liest, aber in einer Jugendstunde ist es oft so, da ist die Kraft da, die stehen im Saft, ja. Wenn so eine Bande Jugendlicher für Gott etwas erreichen will, dann bricht die einfach wie so eine Herde Hengste, die da einfach losgeht. So Jugendliche: Ja, ein Leben, kein Problem. Klar, die haben ja noch keine Kinder, die müssen noch keine Miete zahlen, die müssen sich noch keine Sorgen um ihren Job machen, die haben auch in dem Sinne noch nicht so viel Rückenschmerzen, und die Zähne sind auch so im Großen und Ganzen noch alle da. Kann man verstehen, dass sie sagen: Go, ja. Und dann am besten noch mit so ein bisschen Metal im Ohr, da geht das noch ein bisschen schneller.
So, aber dann dachte ich mir: Wie ist das, wenn man sich die Frage so Mitte vierzig noch einmal stellt? Dieses: Was machst du eigentlich aus dem, was ich dir anvertraut habe? Versteht ihr, wenn ich vor dem Leben stehe? Das ist alles so easy, das ist alles so nett. Aber was ist, wenn die Hälfte rum ist? Was ist, wenn du die wesentlichen Lebensentscheidungen gefällt hast? Was ist, wenn du im Beruf stehst, Häuschen, Wohnung hast, ein paar Kinder, dies und das? Wie kommt diese Frage dann an? Die Frage: Bist du heute einer, der, wenn Jesus dir begegnen würde und dich fragen würde: Was hast du aus deinem Leben gemacht?, wie sieht es wirklich aus? Der dann noch sagen kann: Ja klar, ich bin gut unterwegs. Oder ist dieser Gedanke so langsam unter so einem Berg an Alltag verschüttet worden?
Das ist übrigens für euch Jugendliche das Problem. Der Alltag kommt. Der ganz normale Lebenswahnsinn wird kommen, und er wird die Begeisterung, die ihr habt für Jesus, und diese Radikalität, für ihn leben zu wollen, er wird es versuchen, unter Sorgen und unter Spaßgesellschaft immer mehr zu erdrücken. Und wir Älteren müssen uns diese Frage stellen: Hat das stattgefunden? Sind unsere Herzen hier an der Erde festgeklebt worden, vielleicht von Sorgen, vielleicht von unnötigem Besitz, vielleicht von zu viel Vergnügungssucht in unserem Leben, von ein bisschen Habgier hier, von ein bisschen Mangel an Gebet dort, all das, was uns so hier runterzieht, wo man hier auf dem Boden klebt, wo man den Eindruck hat, man ist ein Stück Metall und unter einem geht so ein Magnet an, so ein Elektromagnet, und plötzlich zieht es einen runter, und man möchte eigentlich nach oben, aber man merkt, man kriegt gar nicht so die Flügel auseinander und kann gar nicht mehr so richtig Gott entgegenfliegen.
Und deswegen dieses Gleichnis: Es ist eigentlich für ältere Leute geschrieben, die schon Entscheidungen getroffen haben, die sich die Frage stellen müssen, habe ich die Entscheidungen richtig getroffen? Und ich glaube, das Gleichnis ist da, dass wir uns konkret fragen lassen: Wie sieht es in meinem Leben aus? Was habe ich gemacht? Was mache ich mit meinem Leben? Wofür lebe ich wirklich? Wenn ich so auf die letzten fünf bis zehn Jahre zurückschaue: Was waren in meinem Leben die Prioritäten? War ich da fleißig für Gott unterwegs oder war ich doch vielleicht eher so ein Stückchen, ich will nicht sagen faul, aber doch: ja, nicht so voll dabei? Habe ich mich an der Stelle eher intelligent angestellt, für Gott unterwegs zu sein, oder eher nicht so intelligent?
Und bitte, man darf Fehler machen. Nur man muss irgendwann, wenn man Fehler macht, auch mal sagen: Es sind Fehler. Und sie auch mal hinter sich lassen. Auch mal sagen: Okay, wenn es ein Fehler war, muss ich halt neu durchstarten, dann brauche ich den nicht immer den Rest meines Lebens machen. Habe ich in den letzten fünf bis zehn Jahren nachgedacht über das, was ich lebe, oder habe ich einfach nur das gemacht, was mir in den Sinn kam? Bin ich einfach nur so hinterher gelaufen, wie man halt lebt, oder habe ich die einzelnen Schritte meines Lebens, und das fängt mit der Berufswahl an, mit der Wahl des Ehepartners, mit der Wahl des Wohnorts, auch mit der Frage, wie ich mich in Gemeinde oder in Gesellschaft engagiere, bin ich da jemand gewesen, der wirklich gebetet hat, Gott gefragt hat? Oder der, der das getan hat, was man halt tut oder was alle tun?
Wenn Jesus wiederkommt, dann wird er nicht fragen: Hast du so gelebt, wie alle anderen gelebt haben? Sondern: Was hast du mit dem gemacht, was ich dir anvertraut habe? Versteht ihr, es ist dieses: Er nimmt ein Pfund und er gibt dieses eine Pfund weiter. Zack, es ist nur ein Pfund, was er weitergibt. Es ist nicht: Ja, der hat ja was an. Nein, es geht nicht um das, was ich habe, um mein persönliches kleines Pfund, wo Jesus auch, ja, er fragt dich nicht: Warst du so effektiv wie xy? Völlig egal. Du musst nicht sein wie der andere, du musst dich nicht vergleichen mit dem anderen, du musst nicht neidisch sein auf den anderen, du musst nicht glauben, dass du das Leben von einem anderen leben musst. Darum geht es nicht. Du hast dein Pfund. Und dieses eine kleine Pfund, das ist deins. Und da möchte der Herr Jesus gerne wissen: Was hast du aus diesem einen Pfund gemacht? So einfach ist Christsein. Für dieses eine Pfund sind wir verantwortlich. Das ist die erste Lektion aus dem Gleichnis.
Es gibt eine zweite Lektion. Die Leute kommen wieder, Jesus fragt sie das, und dann belohnt er sie. Die zweite Lektion ist: Wenn wir im Geringsten treu sind, dann bekommen wir dafür von Gott Verantwortung. Wenn ich das Gleichnis hier richtig verstehe, dann geht es, wenn der Herr Jesus wiederkommt, hier nicht ums Jüngste Gericht und um die Ewigkeit, sondern es geht um das, was die Bibel an anderer Stelle das Tausendjährige Reich nennt. Wenn die Knechte, die hier belohnt werden, Städte bekommen, dann bekommen sie Verantwortung von Gott in der Zeit, in der Jesus auf der Erde herrscht. Ob es dann immer genau Städte sind, weiß ich nicht, ich denke, es ist ein Bild. Aber es geht darum, dass, wenn Jesus wiederkommt und seine Herrschaft sichtbar aufrichten wird, denn das ist ja der Gedanke, der den Jüngern schon durch den Kopf spukt, dann wird er denen, die gute Knechte sind, an dieser Herrschaft Anteil geben.
Wenn du dein Pfund, dein Leben, richtig eingesetzt hast, dann bist du jemand, der sich qualifiziert hat für die Zeit, wo Jesus wiederkommt und seine Herrschaft aufrichtet. Und wie ich das sage, stelle ich mir die Frage: Wer ist bitteschön der böse Knecht? Habt ihr euch das auch gefragt? Wer ist bitteschön der böse Knecht? Es ist deshalb interessant, weil es gibt ein ähnliches Gleichnis in Matthäus 25, da wird auch ein böser Knecht genommen und in die äußerste Finsternis geworfen, sprich in die Hölle. Das ist hier nicht der Fall. Der hier, dieser böse Knecht, der gehört auch nicht zu den Feinden. Er ist eigentlich einer, der auf der Seite Jesu steht. Aber es ist so ein ganz merkwürdiger.
Und merkwürdig an diesem Typen: Der, der hier so sein, ich habe jetzt kein Taschentuch dabei, ja, ich bin auch nicht mehr so der Taschentuchtyp, ich bin eher so der Tempo-Typ, also, aber ihr wisst noch, wie so diese Taschentücher aussehen, ja, hat jemand ein Taschentuch dabei? Hä, wo? Nein, kein Tempo, also gut, ich meine, ja, genau, also gut, das brauche ich mal, das brauchen wir, danke, danke, danke, danke, danke, ja, fantastisch, ja, also, der denkt sich Folgendes: Ich habe, ja, ich nehme mal das Pfund, ja, und stecke es mir in die Tasche, schau, und dann warte ich. Und dann kommt der König wieder und sagt: Sag mal, wo ist mein Pfund? Der sagt: Haha, hier, schau, hier ist es, hier ist es, ja, alles noch da, schau, nichts verloren gegangen.
Und der König sagt nicht: Wow, schön, ja, wenigstens hast du nichts verloren. Sondern er ist unzufrieden. Er sagt: Du bist ein böser Knecht. Du bist ein böser Knecht. Ich habe dir ein Leben, ich habe dir ein Pfund anvertraut, und du gibst mir genau das zurück, was ich dir gegeben habe. So war das nicht gedacht. So war das einfach nicht gedacht.
Und das Verrückte an dem ist: Der sagt dann nicht: Stimmt, du hast Recht, das ist irgendwie schiefgelaufen, mein Leben. Der sagt: Nee, nee, das war schon völlig richtig, weil ich kenne dich. Du bist so ein strenger Herr, wenn man dir so den kleinen Finger reicht, dann reißt er einem die ganze Hand aus. Und ihr merkt, wenn ihr das lest, er hat ein ganz komisches Konzept von dem König. Das ist ein Konzept, das irgendwie überhaupt nicht passt. Da ist jemand, der auf der einen Seite zu Gott gehört und auf der anderen Seite, obwohl er ein Knecht Gottes ist, von Gott denkt, dass Gott ein strenger, böser, harter ist, der immer nur fordert und der nie wirklich zufrieden ist.
Ich habe mir die Frage gestellt: Wenn der schon, ich glaube auch, dass er gläubig ist, dieser Knecht hier, auf seine Weise, er ist wirklich Knecht, ich habe mir die Frage gestellt: Kann es solche Gläubigen geben, die von Jesus denken, dass er immer nur fordert und nie etwas investiert? Gibt es Leute, die das über Jesus glauben und gläubig sind? Müsste man als Gläubiger nicht Gottes Liebe verstanden haben am Kreuz? Und eigentlich schon. Eigentlich müsste man das so verstanden haben.
Und als ich so darüber nachdachte, dachte ich: Na ja, vielleicht bin ich jetzt zu eng an dem Gleichnis. Das Gleichnis beschreibt den Knecht als einen, der so über Gott denkt. Vielleicht können wir das allgemeiner fassen. Vielleicht ist es so, dass Menschen, die ihr Leben nicht, oder Gläubige, die ihr Leben nicht für Jesus einsetzen, einfach grundsätzlich eine falsche Vorstellung von Gott haben. Vielleicht sind wir nicht die Typen wie hier der Knecht, der sagt: Du bist immer nur so ein strenger Tyrann. Vielleicht ist es bei uns so, dass wir auch die falsche Vorstellung haben, Gott meint es gar nicht gut mit uns. Wir sehen in Gott nicht den Tyrannen, der immer nur haben will. Aber wir sehen in ihm jemanden, der es nur so halb gut mit uns meint.
Also wenn man sein Leben nicht für Gott einsetzt, wenn man ihm quasi ja eigentlich nichts mit seinem Leben macht, dann muss das eigentlich damit zu tun haben, dass meine Vorstellung von Gott nicht stimmt. Ich würde dich gerne fragen: Wie denkst du über Gott? Also die eine Frage ist die: Wie sehr setzt du dein Leben ein für die Ziele Gottes? Die andere Frage: Wenn du merkst, ich bin da eigentlich eher so ein bisschen gehemmt, ich tue mir da schwer, so alles auf die Karte Gott zu setzen, ich habe da manches Mal so ein Stückchen noch was für mich, wo liegt denn der Denkfehler? Ist es so, dass du vielleicht glaubst, dass Gott es nicht gut mit dir meint, wenn er sagt: Ich möchte dein ganzes Leben haben?
Ist es so, dass du sagst: Nein, mein ganzes Leben ist mir Gott nicht wert? So ein halbes Leben schon. Ja, das fängt dann an, man gibt ihm den Sonntagvormittag so als ersten Schritt, und dann kommt vielleicht noch einmal ein Sonntagnachmittag dazu und vielleicht auch noch einmal Montagfrüh, wenn man ein bisschen betet. Aber so ein ganzes Leben, so ein ganzes Leben, Gott soll mein ganzes Leben wert sein? Ich glaube, dass viele Christen glauben, dass es besser ist, Gott das ganze Leben nicht anzuvertrauen. Sie würden das nicht so sagen, aber sie leben so.
Ich ärgere oft ältere Geschwister. Karl, nicht böse sein, aber ich ärgere sie trotzdem gerne. Bin so in Gemeinden, und dann wird so ein bisschen rumgejammert: Ach, was wäre denn, wenn hier noch ein bisschen was weitergehen würde. Und ich sage dann meistens so Sachen wie: Wenn drei oder vier von euch ihr Haus verkaufen würden und das Geld in Mission stecken würden, dass hier ein paar neue Leute bezahlt würden, würde das hier in der Gemeinde auch wieder vorangehen. Ich schaue mich dann immer ein bisschen ungläubig an, wie jemand auf den Gedanken kommt, dass man Häuser verkaufen könnte für eine Mission. Immobilien, ich bitte ja, unbeweglich heißt das, das gibt man doch nicht mehr her, das hält man doch bitteschön fest.
Und ich denke mir: Schade. Wie viele Gemeinden könnten sich sofort weiterentwickeln, wenn fünf oder zehn Prozent der Geschwister bereit wären, auf ihren Besitz, auf ihre Habgier zu verzichten? Und das sind diese unangenehmen Fragen. Ich habe jetzt nicht euren Blick, ich habe wirklich an ganz andere Leute gedacht, ich habe nichts an ganz anderen. Aber wenn der Herr Jesus wiederkommt, dann wird er nicht fragen: Sag mal, wie viele Immobilien hast du denn? Sondern er wird fragen: Was hast du mit dem angestellt, was ich dir anvertraut habe? Hast du es in meinem Sinn eingesetzt, da, wo du standest? Und wenn du es nicht tust, woran liegt das? Liegt das daran, dass du nicht glaubst, dass Gott es wert ist? Hältst du seine Ziele für veraltet? Bist du jemand, der glaubt, dass er es nicht gut meint mit dir? Hältst du ihn auch für so einen strengen Kerl, der immer nur drückt, der immer nur draufschlägt, wie in so einem Galeerenschiff, ja, so hinten der dicke Nägel, da bum bum bum bum bum? Ist das ein Bild von Gott?
Denn wenn es so ist, dann ist es konsequent, so zu leben wie der Knecht, der ein Pfund nimmt und vergräbt. Dann ist es konsequent. Aber wenn du sagst: Nein, Gott ist mein Vater im Himmel, der es nur gut mit mir meint, und das bisschen Leben hier ihm zu geben, ihm, ich sage mal wieder, rückzuinvestieren in seinem Sinn, das ist das einzig Logische, was man machen kann. Wenn mir jemand Leben schenkt im Überfluss, wenn jemand mir meine Sünde vergibt, wenn jemand mich befreit zu ewigem Leben, Mann, dann will ich doch wenigstens ein klein bisschen Danke sagen. Dann will ich doch nicht mein Leben gewinnen, sondern dann will ich doch mein Leben verlieren um Jesu willen. Dann möchte ich doch, wenn ich Jesus begegne, nicht, dass er sich schämt, sondern dass er sagt: Meine Frau, mein Mann, top!
Und das, was der Knecht verliert, der böse Knecht, weil er es falsch investiert, das ist seine Vergangenheit. Das Pfund, was er hatte, wird ihm weggenommen, und es wird dem anderen gegeben, der schon zehn Pfunde hat. Und dann gibt es diesen Aufschrei: Das kann man doch nicht machen. Und Jesus sagt: Doch, das kann ich machen. Wenn du in diesem Leben dein Leben falsch investierst, dann verlierst du genau das, was du festhalten wolltest. Du verlierst dein Leben.
Noch einmal Vers 26: Ich sage euch, jedem, der da hat, wird gegeben werden, und von dem, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. Wenn dieses Leben sich nicht entfaltet zur Ehre Gottes, dann werden wir diesen kümmerlichen Rest, den wir versuchen festzuhalten, diesen Rest an Talent, Zeit, Geld, keine Ahnung, wir werden das auch noch verlieren. Und die Bibel ist da ziemlich klar. Sie spricht davon, dass es einen Unterschied macht, wie man ins Reich Gottes kommt. 2. Petrus 1,11: Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.
Es wird etwas reichlich gewährt. Es gibt zwei Arten von Eingang ins Reich Gottes. Wenn wir Gott begegnen, es kann reichlich sein, pompös, das ist prunkvoll, da freut man sich, wenn wir kommen. Oder aber es gibt dieses sich durch den Hintereingang ins Reich Gottes reinschleichen. Und die Frage, wie wir dort ankommen, hängt einzig und allein davon ab, was wir aus dem machen, was Gott uns anvertraut hat. Nicht ob wir so sind wie xy, sondern was du mit deinem Leben, in den Grenzen, die dein Leben aufweist, was du da angestellt hast. Das ist der Punkt.
Also, das Gleichnis lehrt uns zwei Sachen. Erstens: Jeder von uns hat ein Pfund, und er ist dafür verantwortlich. Und zweitens: Unsere Rolle im zukünftigen Reich Gottes, wie wir das erleben werden, dieses Zusammensein mit Jesus, das hängt davon ab, dass wir jetzt treu mit den Ressourcen umgehen, die Gott uns anvertraut hat.
Ich möchte euch zum Schluss Anteil geben an etwas. Ja, das ist mein Lieblingsautor neben der Bibel. Ich weiß nicht, ob ihr ihn kennt: Stefan Zweig hat auch geschrieben Sternstunden der Menschheit. Ich habe den da manchmal auf dem Klo liegen, ihr wisst ja, dass ich manchmal so Klolektüre habe. Ich lese gerade diesen Roman Rausch der Verwandlung. Es ist ein Buch, was mich sehr zu Tränen rührt, und ich möchte euch eine Seite daraus vorlesen.
Da geht es um eine arme Postangestellte irgendwo in der Nähe von Wien auf einem winzigen Kaff, die die Chance bekommt, von ihrer steinreichen, nach Amerika ausgewanderten Tante für 14 Tage in ein Schweizer Luxushotel eingeladen zu werden. Sie kommt da bettelarm an, bekommt eine neue Frisur, neue Kleidung, neuen Schmuck, lernt diese reichen Leute kennen, und sie geht in diesem Ambiente auf. Und sie kann das gar nicht fassen, was da aus ihr wird in dieser neuen Umgebung. Ich möchte euch eine Seite vorlesen:
Wer bin ich denn, was finden sie alle an mir? Mit immer wieder neuem Erstaunen fragt sie sich die Überraschte Tag für Tag. Jeden Tag drängen neue andere Zeichen der Aufmerksamkeit an sie heran. Kaum sie erwacht, bringt das Mädchen schon Blumen ins Zimmer von Lord Elkins, einem älteren Herrn, der sie ein bisschen mag. Gestern hat ihr die Tante eine Ledertasche geschenkt und eine entzückende kleine goldene Armbanduhr. Die fremden schlesischen Gutsbesitzer Tränkwitz haben sie eingeladen auf ihr Gut. Der kleine Amerikaner hat ihr ein goldenes kleines Taschenfeuerzeug, das sie so sehr bewundert hat, heimlich in die Ledertasche geschoben. Herzlicher als die eigene Schwester ist das kleine Mannheimer Mädel zu ihr, nachts bringt sie noch Schokoladenbonbons herauf, und sie plaudern bis Mitternacht. Der Ingenieur tanzt fast ausschließlich mit ihr, und jeden Tag wirbeln neue Menschen zu, und alle sind lieb und respektvoll und herzlich zu ihr. Nur zeigen muss sie sich in der Halle und im Hotel, und schon ist jemand da, sie einzuladen, ins Auto, in die Bar, zum Tanz, zu irgendeinem Spaß und Spiel. Nicht einen Augenblick lässt man sie allein, nicht eine Stunde ihr langweilig und leer. Und immer wieder fragt sie sich erstaunt: Wer bin ich? Wer bin ich denn? Jahrelang sind die Menschen auf der Straße an mir vorbeigegangen und keiner hat auf mein Gesicht geachtet, jahrelang sitze ich jetzt dort im Dorf, keiner hat mir was geschenkt und nach mir gefragt. Ist es, weil die Menschen dort alle so arm sind? Macht die Armut der Menschen so müde und misstrauisch, oder ist plötzlich etwas in mir da, was immer schon da war und doch nicht da war, das nur noch nicht heraus konnte? War ich vielleicht wirklich schöner, als ich wagte zu sein, und klüger und anziehender und habe nur den Mut nicht gehabt, es zu glauben? Wer bin ich, wer bin ich eigentlich?
Diese Frage möchte ich dir stellen: Wer bist du? Welches Juwel liegt in dir verborgen? Welche Begabung wartet in dir darauf, dass sie ans Licht kommt? Und ich möchte dir mit diesem Gleichnis jetzt nicht so mit erhobenem Zeigefinger begegnen, sondern ich möchte, dass du verstehst: Gott ist derjenige, der dich einlädt, dass deine Persönlichkeit unter seiner Führung und in seiner Kraft zur Entfaltung kommt.
Man kann Lukas 19 lesen und sagen: Mach was aus deinem Leben, ja, go, go, go. Man kann es aber auch positiv sehen, und das wünsche ich mir: Gott hat dich gemacht. Gott hat dir ein Pfund anvertraut. Du bist wertvoll, du bist einmalig, du bist wichtig, du bist jemand, selbst wenn du das im Moment vielleicht nicht glauben kannst. Aus der ewigen göttlichen Perspektive bist du das. Und du bekommst von Gott die Chance, ein Leben zu leben, das am Ende, egal wo du gestartet bist, den Applaus des Himmels, die Begeisterung Gottes, nach sich zieht.
Und das ist unsere, wenn wir uns die Frage stellen, was müssen wir in dieser Zwischenzeit tun? Das ist unsere Verantwortung. Und deswegen: Wer bist du? Was wartet da noch, dass es zur Entfaltung kommt? Und ich möchte dir Mut machen, über diese Frage nachzudenken, sie vor Gott zu bewegen, nicht schnell darüber hinwegzugehen und da, wo du selber sagst: Boah, ich muss was ändern, so kann es nicht weitergehen, diese Chance zu ergreifen, die Gott uns gibt, jeden Tag Buße zu tun und ein neues Leben, die Weichen zu stellen zu einem neuen Leben. Amen.

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