Ich möchte Sie grüßen mit einem Wort aus einem Lied aus dem Alten Bund: Die
diesen HERRN aber liebhaben, müssen sein wie die Sonne aufgeht in ihrer
Pracht. Und wir wollen miteinander das Lied von der güldnen Sonne singen.
Nicht das, was wir kennen von Paul Gerhard, sondern das andere, das sie
auch kennen, das aber bisher in unserem Gesangbuch nicht drin war. Wir
singen also das Lied 444 alle fünf Verse.
Die güldene Sonne
bringt Leben und Wonne,
die Finsternis weicht.
Der Morgen sich zeiget,
die Röte aufsteiget,
der Monde verbleicht.
Nun sollen wir loben
den Höchsten dort oben,
dass er uns die Nacht
hat wollen behüten
vor Schrecken und Wüten
der höllischen Macht.
Kommt, lasset uns singen,
die Stimmen erschwingen
zu danken dem Herrn.
Ei, bittet und flehet,
dass er uns beistehet
und weiche nicht fern.
Es sei ihm ergeben
mein Leben und Streben,
mein Gehen und Stehn.
Er gebe mir Gaben
zu meinem Vorhaben,
laß richtig mich gehn.
In meinem Studieren
wird er mich wohl führen
und bleiben bei mir,
wird schärfen die Sinnen
zum meinem Beginnen
und öffnen die Tür.
Philipp von Zesen, 1619-1689
Lasst uns beten: Lieber Herr, wir freuen uns an der Schönheit deiner
Schöpfung, an der wunderbaren Macht deines Wirkens. Wie du das alles so
herrlich gestaltest und wie wir an diesem Morgen von deiner Güte überreich
beschenkt sind. Wenn wir aufstehen, wenn wir jeden Abschnitt unseres Lebens
neu ergreifen, da wollten wir nur, dass du, auch jetzt, dort wirkst, wo wir
unsere Sorgen und Ängste haben. Auch da, wo in unserem Leben so viel wüst
und zerstört ist von der Sünde. Wir wollen heute deine Macht erfahren, wir
du uns ganz neu rufst, weil du uns umgestalten und erneuern willst. Jetzt
gib doch, dass wir uns deinem Wirken ganz aussetzen. Wir wollen dir
begegnen, auf deine Stimme hören und deinem Wort gehorsam sein. Und wir
wollen jetzt bei dir ablegen, was uns belastet, das Unrecht, das Böse,
Schuld, die Sünde, in der wir stecken, dass du uns frei machst. Und wir
wollen in der Stille mit dir weiter reden. Wen du frei machst, der ist ganz
frei, richtig frei. Amen.
Jetzt haben wir heute keinen Chor, aber Sie sind ein Chor und deshalb
singen wir miteinander. Meine Frau erklärt es kurz. Lied Nr. 435, Dona
nobis pacem, singen wir miteinander, diesen dreistimmigen Kanon.
Und nun spricht zu uns Matthias Meyn, Architekt von Beruf. Einen schönen
Morgen zusammen. Es ist für mich eine schöne Gelegenheit hier einmal in den
Zeugenstand" treten zu können. Denn das Gleiche ist mir passiert vor
sechs, sieben Jahren, wie ich zum Glauben gekommen bin. Ich bin in einer
Familie aufgewachsen, die dem Glauben konventionell gegenüber steht. Wir
sind zu den Festtagen in die Kirche gegangen, zur Konfirmation zum
Beispiel. Wir hatten nie größere Bindungen an den Glauben, an Gott. Gebete
wurden vor Tisch gesprochen, aber nie mit einem größeren Inhalt, einer
größeren Rückbindung. Und so bin ich aufgewachsen, hab hier in Stuttgart
studiert und das Schöne war, ich konnte in England ein Auslandsstudium
machen. Und dort hab ich eine Frau kennen gelernt, eine ältere Dame, so
zwischen 50 und 60 Jahren alt. Ja gut, es gibt noch ältere, ich weiß. Ich
möchte das aber trotzdem nicht in dem Sinne korrigieren, weil das für mich
wichtig ist als junger Mann, dass ich Menschen erlebt habe, eben grade sie,
die einen Glauben auch in diesem Alter ganz vital und liebevoll und
ansteckend leben. Das war eigentlich für mich so das Ausschlaggebende, oder
eines dieser Bereiche, die mir sehr wichtig waren, weil ich davor eben
viele Menschen kennen gelernt habe, die verbittert waren, vor allem ältere.
Und als junger Mensch ist es eigentlich besonders wichtig, weil man eben
Ziele sucht, nach Idealen strebt, dass man immer wieder Menschen trifft,
auch noch ältere, die dieses Ziel vor Augen haben, die eine Lebensfreude
haben, die ansteckt. Und das wünsche ich mir eben sehr stark auch für unser
Verhältnis hier in der Gemeinde und auch für das, was wir nach Außen tragen
in unserem Alltag, dass wir ansteckend sind. Also das ist hier auch ein
gewisser Appell von mir als Jüngerem an die ältere Generation, dass sie uns
das weitergeben in ihrem Alltag, in ihrem Leben, dass Christus lebendig
ist, dass es nichts auswendig Gelerntes ist, dass es keine Konvention ist
und dass sie das ansteckend leben, weil ich mich hab anstecken lassen. Und
ich habe zum ersten Mal dort in England angefangen zu fragen, was denn da
dahinter steckt. Und ich hab die Hände gefaltet und angefangen zu beten. Ja
und ich kann auch bis zum heutigen Tag bestätigen, dass ich es nicht bereut
habe. Gott lebt und prägt unser Leben. Ich lebe mit meiner Familie, mit
meiner Frau und zwei Kindern, wir erwarten jetzt ein drittes Kind im
Herbst, hier in Stuttgart Münster. Und ich möchte im Vergleich sagen, dass
ich keinen Tag missen möchte, den ich jetzt mit Gott leben darf, im
Vergleich dazu, wie mein Leben vorher war. Vielen Dank.
Uns interessiert jetzt noch: Was hat die Frau denn gemacht, dass es so
ansteckend war? Hat die Kuchen gebacken, oder was war das. Erzähl es uns
noch. Oder hat die einfach mit dir gesprochen und ging freundlich auf dich
zu? Das ist nämlich interessant. Also die eigentliche Verbindung kam daher:
Ich bin dort in England angekommen an einem ziemlich regnerischen Abend, es
war nichts vorbereitet, ich musste mir ein Quartier suchen. Die Professoren
dort hatten sich überhaupt nicht darum gekümmert. Und da bin ich zuerst
beim YMCA untergekommen und noch in der gleichen Nacht, also ich hab da im
Tanzsaal übernachtet, das war ganz witzig, hat mich einer von den
Mitarbeitern darauf angesprochen, dass er eine Frau kennt in der Nähe, die
Zimmer vermietet an Studenten. Im Nachhinein hat sie auch erklärt, dass es
immer ihre Absicht sei, nachdem sie gläubig geworden ist. Ja vielleicht hab
ich noch vergessen zu erwähnen, dass diese Frau damals auch erst zehn Jahre
lang gläubig war. Sie hatte ein sehr hartes Leben hinter sich. Eine sehr
schwierige Ehe, wo sie auch körperlich geschlagen wurde. Zudem hatte sie
einen Buckel, also ein Leben voller Schmerzen. Und sie hat bewusst ihr Haus
geöffnet, als sie Christus gefunden hat, oder umgekehrt. Und das war
eigentlich der Umstand. An dem Abend bin ich noch in ihr Haus gekommen und
durch lange Gespräche – ich war nur eine Woche dort, aber diese eine Woche
hat ausgereicht, eine tiefe Verbindung zu schaffen, durch Gespräche, durch
ihre Fröhlichkeit, durch ihr offenes Bekenntnis. Da hat sie nie einen Hehl
draus gemacht, von Anfang an. Das war eigentlich das Ausschlaggebende, dann
immer wieder diese Gespräche. Sie hat auch von sich erzählt, hat Zeugnis
gegeben von sich, von ihrem Leben, wie sie das wahrgenommen hat, wie sich
ihr Leben verändert hat durch Jesus. Sie war verbittert und wusste nicht
mehr ein noch aus. Sie hat sich scheiden lassen irgendwann und hat dann
irgendwie nur noch auf den Tod gewartet. Und da hat man richtig gespürt,
dass da eine Wende in ihrem Leben stattgefunden hatte. Ja, ist das jetzt
genug Antwort auf die Frage?
Ja, das macht uns Mut, weil manche meinen, sie müssen mit fremden Dingen
etwas tun. Aber sie müssen nur erzählen, so wie sie es erleben und
erfahren. Wir singen Meine Zeit steht in deinen Händen", Lied 628.
Ref: Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
- Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein. Ref.
- Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb nehmen mich gefangen, jagen mich. Herr ich rufe: Komm und mach mich frei! Führe du mich Schritt für Schritt. Ref.
- Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn, hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag, wo sie geblieben sind. Ref.
Unser heutiger Predigttext ist Lukas 16, 19-31. Es steht ungeheuer viel
drin in diesen Jesusgeschichten. Jesus hat ja hauptsächlich Geschichten
erzählt. Wir können das oft nur durch die Bilder fassen. Da steckt
ungeheuer viel drin, es wird schwierig sein, wir werden das auf weniges
heute beschränken. Und ich hoffe, dass am Ende Sie dann so sagen können:
Meine Zeit steht in deinen Händen, Herr.
Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares
Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer
mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren und begehrte,
sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch
die Hunde und leckten seine Geschwüre. Es begab sich aber, dass der Arme
starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche
aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er
seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in
seinem Schoß. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende
Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die
Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. Abraham aber sprach:
Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus
dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst
gepeinigt. Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft,
dass niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und
auch niemand von dort zu uns herüber. Da sprach er: So bitte ich dich,
Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf
Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der
Qual. Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie
hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den
Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören sie
Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen
lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde."
Es gibt ja eine Torschlusspanik. Das ist die Angst, man könne im Leben
etwas versäumen von der Freude, wir würden irgendwas verpassen vom Schönen.
Diese Panik kommt ja meist, wenn man sich bewusst macht, dass man älter
wird oder der Tod nahe kommt. Und dann kommt der Schreck, ich hab nicht
alles ausgekostet, was diese Welt bieten kann. Mancher bringt das so weit,
dass er über alle Stränge schlägt und sagt: Komm, ist doch ganz egal,
Hauptsache ich habe Vergnügen, ich habe Freude. Und wenn man so voller
Lebenslust dahinlebt, dann kann es ja passieren, dass man das Wichtigste im
Leben versäumt. Ist ja eigentlich ein Widerspruch. Man will das Leben, das
Wichtigste im Leben, und verpasst es gerade in seinem gierigen
Lebenshunger. Ich habe ein kleines Problem heute Morgen, ich habe einfach
den Eindruck, bei uns ist das leichtfertig, dass, wenn wir diese
Geschichten hören, wir sie einordnen: Aha, ein reicher Mann. Wir sind ja
von Grund auf so sozial, dass jeder von uns die Reichen beneidet. Ob sie
christlich sozial sind oder sozial demokratisch oder radikal sozialistisch,
alle beneiden die Reichen und sagen: Ich könnte deren Geld auch noch
gebrauchen. Wir sind gierig nach Reichtum und haben so eine Art, die
Reichen zu verurteilen. Und das macht ja Jesus nicht. Jesus hat nie auf die
Reichen gehetzt, Jesus hat auch den Reichtum nie madig gemacht. Er hat sich
sogar mit Reichen an einen Tisch gesetzt und hat ganz unkompliziert mit
Reichen wie mit Armen gesprochen. Bei Jesus gibt es keine ideologische
Frage. Und diese Geschichte geht jetzt nicht gegen die Reichen, sonst
hätten sie es gerade missverstanden, sondern es geht um die Frage: Was ist
das Wichtigste im Leben? Wie kommt man an das dran, was eigentlich unser
Leben erfüllt, reich und schön macht?
Und da möchte ich zuerst Halt machen bei der Frage: Wie sieht das aus der
Perspektive Gottes aus? Kennen Sie Gregor Alexandrowitsch Potemkin? Das war
der Geliebte der großen Kaiserin Katharina II. von Russland. Er hat von den
Türken die Nordküste des Schwarzen Meeres erobert, als ein erfolgreicher
General und er hat dann sein Schätzchen, die Kaiserin, gerne in der Kutsche
durchs Land geführt, durch diese Weite der Krim und hat gesagt: Guck mal,
Liebste, das ist doch ein herrliches Land. Und dann hat er, damit das
imposanter aussieht, Dörfer errichtet, jene Potemkinschen Dörfer. Die waren
nur aus Stangen und Pappe gebastelte Häuser. Aus der Ferne sah das ganz
stattlich aus und es hat auch den Zweck erfüllt, die Kaiserin war höchst
begeistert. Aber beim nächsten Regen ist alles in sich zusammen gefallen,
Potemkinsche Dörfer. Und das gibt es ja oft im Leben, dass vieles nach
außen großartig aussieht, für uns ganz toll wirkt, Lebensziele, für die man
sich begeistern kann. Aber von der Rückseite betrachtet, aus der
Perspektive Gottes, was ist eigentlich dahinter?
Und da muss man genau dahinter blicken, nämlich: Was bleibt im Sterben? Und
das erzählt Jesus zuerst mal. Also keine ideologische Frage: Arm oder
Reich? Auch keine soziale Frage: Wie kann man den Reichtum der Welt besser
verteilen? Sondern: Was hast du von deinen Gütern? Und jetzt passen Sie mal
auf. Jesus ist doch der Meinung, wir sind die Reichen. Sie schöpfen doch
aus dem Vollen. Oder nicht? Hat jemand von Ihnen ein Hungerproblem? Wir
haben doch die Überfülle. Und wissen Sie, das mit den Purpurkleidern, wenn
ich meine Bluejeans im Urlaub anziehe, das ist noch schöner als Purpur.
Hach, da fühle ich mich erst so richtig wohl. Also, wir haben es doch. Ist
doch ganz wunderbar, wie wir versorgt sind. Wir sind doch die Reichen.
Also, dass wir das wir jetzt nicht falsch rum reden, wir haben alles. Aber
was bleibt eigentlich übrig? Und auch herrlich und in Freuden. Also heute
Morgen, das habe ich genossen, Frühstück und Sonnenschein und Duschen. Und
heute Mittag ein Spaziergang und genießen, liebe Menschen treffen. Das ist
doch herrlich. Ich lebe herrlich und in Freuden. Hoffentlich tun Sie es
auch. Ich genieße mein Leben. Also Jesus redet doch von uns. Und was bleibt
von all dem, wenn wir sterben?
Ludwig Hofacker hat eine ganz tolle Predigt hier gehalten. Da hat er jedem
ins Gewissen geredet: Du, dein Sterben kommt. Bist du dir dessen bewusst?
Da sind Leute über diese Straße gelaufen, die haben dem Tod Hohn gesprochen
und sie wurden alle eingeholt. Ich will das heute nicht tun, ich denke es
genügt, dass sie wissen, was die Realität des Sterbens ist. Das ist ein
fixes Datum. Am Ende des Jahres werden unsere Reihen schon gelichtet sein.
Einige von uns werden in der Ewigkeit sein, vor dem Thron Gottes, oder in
der Hölle. Und wenn wir noch mal 10 oder 20 Jahre zulegen, ich weiß nicht,
ist dann überhaupt noch die Hälfte da? Sind wir uns dessen bewusst? Wir
müssen doch einmal fragen: Was ist mein Leben? Und sehen Sie, da war die
Torheit dieses reichen Mannes, dass er gar nicht fragt: Was kommt dann
eigentlich, wenn ich sterbe? Man behauptet ja immer und sagt, der Tod sei
der Gleichmacher. Haben Sie sicher auch schon gehört. Im Tod sind alle
gleich. Stimmt ja gar nicht. Die Menschen sind nach dem Tod ganz
verschieden, der eine wird erhöht und der andere erniedrigt. Gucken Sie
sich den reichen Mann und den armen Lazarus an. Wie kann man so einen
Unsinn erzählen, mit dem Tod sind alle gleich gemacht?
Und das Erschütternde ist, der reiche Mann, der herrlich und in Freuden
lebte, ist plötzlich ein ganz armer Tropf. So ein armer Schlucker, dass er
nichts mehr zum schlucken hat und schreit: Wenn ich nur einen Tropfen
kriege, einen feuchten Finger in meinen Mund. Also ich weiß nicht, was Sie
von mir halten, von dem was ich predige, aber das ist ja Jesu Wort. Er
sagt, diese Qual ist Realität. Und dieser reiche Mann hat plötzlich nichts
vom Leben. Er hat nicht eine Stunde dran gedacht, um das irgendwie zu
ordnen, was dann überhaupt kommt über sein Leben. Und dann ist interessant,
er hat ja gar keinen Namen, dieser reiche Mann. Der ist ja namenlos. Warum
hat er denn keinen Namen? Weil Gott ihn nicht kennt. Er hat nie nach Gott
gefragt. Ernsthaft, sein Name steht nicht im Buch des Lebens. Diese
Formulierung wird ja oft in der Bibel gebraucht. Ganz am Ende der
Offenbarung heißt es, wo unser Name nicht im Buch des Lebens steht, wird
unser Teil sein im feurigen Pfuhl. Das zieht sich durch die ganze Bibel
hindurch. Ist Ihr Name ins Buch des Lebens eingeschrieben? Die wichtigste
Sorge, die man in diesem Leben haben kann.
Und jetzt gucken wir uns mal den Lazarus an. Die Armut des Lazarus wird
nicht verklärt, das war furchtbar. Jetzt muss ich den Hundeliebhabern ein
wenig weh tun, ich hab ja Hunde auch lieb, aber in der Bibel ist es so und
auch in der dritten Welt, Hunde sind Ungeziefer. In der Bibel gibt es,
soweit ich weiß, überhaupt nirgendwo eine positive Stelle vom Hund. Das ist
wie die Ratten. Also das ist nicht meine Position, jetzt vergessen Sie es,
dass Sie da nicht hängen bleiben, bloß dass die die Wunden lecken, das war
unangenehm und was die für Bakterien haben, nicht nur Läuse im Fell. Das
war schrecklich. Hunde wurden nicht im Haus gehalten, das waren wild
lebende Tiere, und die kamen und leckten diese Wunden ab von diesem armen
Lazarus. Und das war schrecklich. Er hatte überhaupt nichts Schönes in der
Welt. Die Leute sagten: Ach, der Arme!, weil er bettelnd dasaß. Aber er hat
einen Namen und dieser Name ist nicht bloß Schall und Rauch. Sein Name
heißt übersetzt Gotthilf. Das war für diesen Mann ein Programm.
Ist doch ganz klar, wenn Jesus diese Geschichte erzählt, dass er darauf den
Wert legt. Nicht alle Armen setzen ihr Vertrauen auf Gott. Viele Arme
setzen ihr Vertrauen auf die Fäuste und auf die Revolution, wenn sie den
Reichen die Häuser plündern. Denen ihr Herz hängt auch nur an irdischen
Gütern. Aber es gibt eine Verheißung in der Feldrede Jesus: Selig seid ihr
Armen, denn das Reich Gottes ist euer. Und ich kenne viele Lazarusse, auch
in unserer Gemeinde, auf dem Leidenslager, die ganz fest das Heil ergriffen
haben und die eine Sehnsucht haben nach dem Reich Gottes. Wenn mir gleich
Leib und Seele verschmachten, das ist ganz egal, du bist doch Gott,
allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Es stimmt ja gar nicht, was
man immer wieder erzählt, also dass die Sehnsucht nach dem Himmel, das
Schielen nach dem Himmel, wie es die Marxisten gesagt haben, uns
lebensuntüchtig macht. Wenn wir vom Himmel reden, von der ewigen Hoffnung
der Christen, hätte das einen reichen Mann wohl auch noch lebenstüchtig
gemacht und uns auch. Das macht lebenstüchtig, realistisch, dass wir unsere
Chancen einkalkulieren, was vor uns steht, ob ich das ergreife heute, was
nötig ist, dass ich die Dinge meines Lebens richtig einordnen kann. Und
erst recht bei dem armen Lazarus.
Was wollen Sie denn im Ernst einem solch armen Mann sonst noch sagen, als
Jesus kennt dich und holt dich heim in seinen Frieden. Und wir warten auf
einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung. Noch eine
kleine Zeit, dann ist es gewonnen, dann ist der ganze Streit in nichts
zerronnen, dann will ich mich laben an Lebensbächen und ewig, ewiglich mit
Jesus sprechen. Das ist ja das Beste, was wir haben, dass wir Menschen
trösten können mit einer großen Hoffnung. Und gerade wer von Gott mit
vielen Gaben beschenkt ist, wie wir, der herrlich und in Freuden lebt, der
tut gut daran, seine Freuden im Licht der Ewigkeit zu leben. Wenn Sie essen
und trinken, wenn Sie mit Freunden zusammen sind und sich dessen gerade
bewusst machen, ich bin nicht einer, der es in der Lebensgier sich noch
unter den Nagel reißen muss, sondern ich darf mich freuen vor der großen
Ewigkeit Gottes, die mir offen steht. Also das war mein erster Punkt, wie
Gott unser Leben einschätzt. Das ist einmal wichtig, aus der Perspektive
Gottes unser Leben zu betrachten.
Das zweite, was ich rausgreifen will, aus dem vielen was da drin steht,
ist, dass es ein furchtbares Zuspät gibt. Es gibt ein furchtbares Zuspät.
Damit sie den reichen Mann richtig beurteilen: Es steht nicht da, dass
dieser reiche Mann ein schlechter Kerl war. Das dichten Sie rein. Kein Wort
davon. Das mag vielleicht einem ideologischen Bild entsprechen, aber es ist
ganz bestimmt nicht wahr in den Augen Gottes. Dieser reiche Mann war ein
sehr sozialer Mensch. Wer von Ihnen hätte es ertragen, dass da in seiner
Garageneinfahrt Tag und Nacht so ein Bettler liegt mit seinen Schwären. Sie
hätten höchstens gesagt, der gehört doch woanders hin. Wenn meine Gäste zur
Party kommen, das sieht ja schrecklich aus. Aber der reiche Mann war sozial
und war auch barmherzig und ich bin davon überzeugt, dass er auch immer
wieder seine Diener losgeschickt hat, um ihm einen Happen hinzuwerfen. Und
vielleicht hat er ihm sogar noch ein gutes Trinkgeld gegeben.
Es steht übrigens auch nicht dort, dass er nicht an Gott geglaubt hat. Es
steht sogar da, dass sie da zu Hause eine Bibel hatten. Er und seine fünf
Brüder, die hatten das Wort Gottes im Regal stehen. Stellen Sie sich das
mal vor. Er war sogar so weit gläubig, dass er als guter Jude Abraham als
Vater Abraham bezeichnet hat. Er fühlt sich als Glied des Gottesvolkes. Ich
kann Ihnen sagen, dass war eine festliche Beerdigung. Der Pfarrer hat ihn
gelobt, wie es nur geht. Das war ein treuer Mann und er hat treu die
Gemeinde unterstützt und so. Gut, alles gut. Und die Leute sagten bei der
Beerdigung: Ist eigentlich schön, so ein plötzlicher Tod, so ein
Herzschlag. Da fühlt man gar nichts vom Leiden. Er hat ja gar nicht leiden
müssen. Ist ja uns immer das Wichtigste. Und viele sagten dann auch, wie
sie nach der Beerdigung nach Hause gehen: Jetzt geht es ihm gut. Ich habe
das oft gehört bei Trauergesprächen: Jetzt geht's der Oma gut. Aber wissen
Sie, da muss ich ja den Mund halten. Ich bin ein feiger Hund. Ich müsste ja
immer sagen: Wissen Sie es sicher? Dem reichen Mann ging es auf jeden Fall
gar nicht gut, obwohl die Leute sagten: Jetzt geht es ihm gut, jetzt ist er
erlöst. Er war überhaupt nicht erlöst.
Und das ist ja mal wichtig, dass wir uns klar darüber werden. Wir haben
auch schon oft darüber diskutiert: Gibt's wirklich eine Hölle? Ja, Jesus
Wort sagt, dass es das gibt. Es gibt eine Hölle, es gibt eine bodenlose
Verdammnis, aus der es keine Rettung gibt. Und dieser reiche Mann ist nicht
wegen seines Geldes da drin, sondern weil ihn Gott nicht heraus errettet
hat. Das ist der Grund. Er hat keine Errettung und keine Erlösung
ergriffen. Er kannte Gott vom Hörensagen, er hat so manches mitgebetet,
mitgesprochen, vielleicht sogar ein Glaubensbekenntnis, aber er hatte
seinen Namen nicht ins Lebensbuch einschreiben lassen. Und da steht etwas,
in dem was Jesus beschreibt, von großer Peinigung, –ich will das gar nicht
ausmalen, ich will's gar nicht mit lauter Stimme sagen – es steht gar
nichts weiter da, als von Schmerzen, von einer riesigen Sehnsucht nach
Befriedigung seiner Sehnsüchte und Wünsche und er bekommt sie nicht. Mir
war es für mein Leben genug, dass ich bei einer Evangelisation einen
bekannten Evangelisten nur zu dem Thema hörte, als er sagte, es gibt ja
Leute, die wollen darüber diskutieren, ob es eine Hölle gibt. Er sagte nur:
Wir können es abwarten. Und ich habe ihnen gesagt, dass es eine Hölle gibt.
Und sie wissen, dass es ein Zuspät gibt!
So macht es die Bibel und Gottes Wort ist die Wahrheit. Und was hat
Lazarus? Lazarus hat Erbarmen. Das ist ganz wichtig. Lazarus wird nicht
selig, weil er arm war. Das gibt's nicht in der Bibel. Aber in seiner Armut
hat er das Heil ergriffen. Wie arm dieser reiche Mann plötzlich ist, er
wimmert um Gnade, er schreit ganz erbärmlich: Hilf doch Abraham. Halt mal,
das ist die falsche Adresse, Abraham kann nicht retten, sondern nur Jesus
kann retten. Nur Jesus kann frei machen, nur Jesus kann eine ewige Erlösung
geben. Ich muss immer sagen, dass mich das ganz tief bedrückt und schaudern
macht, wenn das im Evangelium so drin steht. Und darüber müssen wir reden.
Und damit müssen Sie sich auseinander setzen. Es gibt ein furchtbares
Zuspät. Und mit meiner Todesstunde kann ich meine Entscheidung nicht mehr
gut machen.
Darum das Letzte noch. Noch ist es Zeit. Das bewegt ja den reichen Mann.
Daran sehen Sie auch, wie sozial er war, wie er an seine Brüder denkt. Ist
ja schon ein guter Zug an seinem Charakter. Viele Leute sagen: Ist doch mir
wurscht, was aus meinen Brüdern wird. Er sagt: Wenn ich schon umkomme,
meine Brüder dürfen nicht umkommen. Das ist ein gutes Verhalten. Ein
sittlich sehr hochstehender Mensch war der reiche Mann. Und er bittet, dass
doch jemand kommt und sich an die Brüder wendet. Ich habe dieser Tage
wieder gehört, es war glaub ich im Radio, da wurde dieser Satz wieder
gesagt: Jeder Mensch ist für sich selber verantwortlich. Das ist ja für
unsere ganze Zeit heute kennzeichnend. Das ist ja so ein Quatsch. Natürlich
bin ich für mich selber verantwortlich, aber ich bin ja mir selber
gegenüber höchst korrupt. Ich bin ja unfähig mir selber gegenüber. Ich
leugne ja bei mir selber alles, was ich eigentlich erkennen müsste. Deshalb
ist unsere Zeit so verlogen, so unecht, weil man sagt, du musst ja bloß dir
selber Rechenschaft abgeben, du musst in den Spiegel schauen und gut. Das
hat der reiche Mann auch gemacht und hat sich gefragt und sich gedacht, ist
doch alles okay. Aber ich muss mich vor Gott verantworten. Das leugnet
unsere Gesellschaft heute. Wir müssen uns vor dem heiligen, ewigen Gott
verantworten.
Und dieser reiche Mann hat eine Verantwortung für seine Brüder. Das ist
auch etwas Schönes. Ich verstehe, dass viele Leute heute ganz empfindlich
reagieren, wenn man von Mission und Evangelisation spricht, weil sie sagen,
das ist doch aufdringlich, missionarisch zu sein und so. Ja, das sind
Leute, die wach geworden sind in ihrem Gewissen und wissen, es gibt eine
Verdammnis und darum wollen sie ihre Freunde retten. Dem reichen Mann kommt
in den Sinn: Da muss ich doch irgendwas tun. Und er stellt sich vor, wenn
ein Toter käme, das müsste doch eine enorme Sache sein. Nun wissen Sie ja,
wie das ist. Ich hab das auch von Leuten schon gehört: Wenn ein Toter da
vom Parkfriedhof runterlaufen würde, im Leichenhemd und lebendig, dann
würde ich auch glauben. Aber es ist ja einer aus den Toten gekommen und die
Menschen glauben immer noch nicht. Und Jesus sagt, es nützt nichts mit
irgendwelchen Spektakeln das Wort zu begleiten, sie haben das Wort. Und
obwohl es da nur um Mose und die Propheten geht, um den Alten Bund. Und
nicht um das Neue Testament, die wissen doch wirklich alles, wirklich
alles. Sie wissen es, Sie haben es im Kopf. Ja, an was fehlt's denn? Sie
wissen doch, dass zum Glauben genau so dazugehört, zum Vertrauen, das
Gehorchen. Und wenn Sie zu Gott nur ein Vertrauen haben und Sie setzen sein
Wort nicht in die Tat um, dann betrügen Sie sich selbst ums Beste, wie der
reiche Mann. Und wenn Sie heute anfangen zur Buße, zur Umkehr, zur
Bekehrung und sagen: Jetzt möchte ich mal mein Leben auf den richtigen
Grund stellen, dann heißt das ja, ich möchte jede Stunde meines Lebens im
Licht der Ewigkeit leben.
Was heißt das jetzt ganz konkret? Das heißt doch ganz konkret einfach: Ich
möchte Liebe üben! Hm, seien Sie nicht überrascht. Der reiche Mann hätte
das ja an dem Lazarus mal studieren können. Stattdessen ging er immer
vorbei. Wenn er mit seiner Kutsche vorbei fuhr, dachte er: Armer Tropf.
Statt dass er gemerkt hat, der hat mehr, als ich hab. Wenn jemand Gott den
Herrn hat, hat er mehr als alles andere. Vor zwei Wochen hat mich ein 95-
jähriger in einem Vorort Stuttgarts – er stammt nicht aus unserer Gemeinde
– um einen Besuch gebeten. Ein fröhlicher Mann, er hört nicht mehr richtig,
aber ein fröhlicher Christ. Und da sprachen wir ein wenig – es war noch ein
Begleiter dabei – über sein Leben. Seine Frau starb vor drei Jahren und er
erzählte, dass sie davor drei Jahre lang sehr schwer krank und bettlägerig
war. Und er hat sie gepflegt, ganz allein, in seinem Alter von 89-92
Jahren. Und wir natürlich erstorben vor Ehrfurcht: Na, das ist doch schwer.
Wie schwer? und da strahlt er. Es war die schönste Zeit unserer ganzen Ehe.
Frag ich: Ja warum? Ist doch nicht schön, Töpfe lehren und füttern und Bett
frisch beziehen und so. Und da sagt er: 1. Korinther 13, die Liebe.
Merken wir, dass wir herrlich und in Freuden an dem wichtigsten vorüber
gehen, an den täglichen Aufgaben, die uns Gott vor die Füße legt. Mit Gott
leben, nicht irgendwelche Träume vom Leben haben. Heute das Leben
ergreifen, Sie mit Ihren Schwierigkeiten. Es interessiert uns ja bei dieser
Geschichte noch: Wie ging die aus? Was wurde aus den Brüdern? Da bricht die
Geschichte ja irgendwie ab. Haben die doch noch Buße getan oder gingen die
auch verloren? Wie eine Geschichte abreißt, weil es plötzlich um uns geht.
Hast du es ergriffen bei dir, was Leben ist? Bist du im Gespräch mit dem
lebendigen Gott über jeden Abschnitt deines Lebens? Lebst du herrlich und
in Freuden? Ja hoffentlich, aber in der Realität deines Lebens, nicht auf
der Flucht, in der Lebensgier.
Ich muss Ihnen noch eine Geschichte erzählen, bei der Hofackerkonferenz,
auf der schönen Wiese, beim Hamburger. Da kam eine Frau in schwarzer
Kleidung, ich hab sie nachher extra mit den jungen Leuten in Verbindung
gebracht, aus dem Filstal und sagt zu mir: Ich muss Sie nachher unbedingt
sprechen. Mein Enkel von acht Jahren ist an Krebs gestorben. Sie müssen
wissen, das bringt mich schier um, wenn ich so etwas höre, der Schmerz von
Menschen. Sagt sie: Nicht heulen, ich habe ihm noch den Heiland groß machen
können. Und dann erzählt sie, dass sie ihr ganzes Leben nicht nach Gott
gefragt hat, aber in diesem großen Schmerz, als ihr Enkel so krank lag, in
einer Kirche in Stuttgart, nicht in unserer Kirche, eine uralte Kassette
von Wilhelm Busch zugesteckt bekam aus dem Jahr 1966. Und da ist sie zum
Glauben gekommen über dieser uralten Botschaft. Und dann sagt sie: Ich habe
angefangen mit diesem Kind darüber zu reden, was das Wichtigste im Leben
ist. Und das man heimgehen darf in den Frieden Gottes.
Können Sie es jetzt verstehen, an dem anderen Lazarus einmal, was das ist,
dass ist nicht bloß um reich oder arm geht? Sondern an dem, der ein ganz
kurzes Leben bloß hat und doch das Wichtigste darin entdeckt. Und dann sagt
sie: Ich erzähle Ihnen doch bloß die ganze Geschichte, weil Sie beten
sollen. Die Mutter von dem Kind, die kann nicht glauben. Und ich habe ihr
jetzt Jesus unser Schicksal geschenkt, dieses Buch, aber da sagt sie: Ich
halte nichts von den Predigern, die sind ja alle unehrlich und Heuchler.
Und dann sagt sie, diese aus dem Filstal: Ich hab meiner Tochter gesagt,
das ist ein ehrlicher Mann, der hat auch zwei Kinder verloren. Und das
musst du ergreifen, sonst ist alles umsonst.
Haben Sie begriffen, worum es geht beim reichen Mann und dem armen Lazarus?
Ob man das Leben ergreift. Egal ob Sie reich oder arm sind. Abraham war
reich und Daniel war reich und der David. Ob Sie reich oder arm sind, Sie
müssen alles wieder hergeben. Aber alles was Sie haben, sollen Sie mit Gott
leben, unter seinen Gehorsam stellen. Und dann, dann erst richtig, herrlich
und in Freuden leben, unbegrenzt, heute und in alle Ewigkeit. Amen
Nun singen wir: Ich habe nun den Grund gefunden. Wir singen die Verse 1-3
und 6
1) Ich habe nun den Grund gefunden,
der meinen Anker ewig hält;
wo anders als in Jesu Wunden?
Da lag er vor der Zeit der Welt,
der Grund, der unbeweglich steht,
wenn Erd und Himmel untergeht.
2) Es ist das ewige Erbarmen,
das alles Denken übersteigt;
es sind die offnen Liebesarme
des, der sich zu den Sündern neigt,
dem allemal das Herze bricht,
wir kommen oder kommen nicht.
3) Wir sollen nicht verloren werden,
Gott will, uns soll geholfen sein;
deswegen kam der Sohn auf Erden
und nahm hernach den Himmel ein,
deswegen klopft er für und für
so stark an unsers Herzens Tür.
4) O Abgrund, welcher alle Sünden
durch Christi Tod verschlungen hat!
Das heißt die Wunde recht verbinden,
da findet kein Verdammen statt,
weil Christi Blut beständig schreit:
Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!
5) Darein will ich mich gläubig senken,
dem will ich mich getrost vertraun
und, wenn mich meine Sünden kränken,
nur bald nach Gottes Herzen schaun;
da findet sich zu aller Zeit
unendliche Barmherzigkeit.
6) Wird alles andre weggerissen,
was Seel und Leib erquicken kann,
darf ich von keinem Troste wissen
und scheine völlig ausgetan,
ist die Errettung noch so weit:
mir bleibet doch Barmherzigkeit.
7) Bei diesem Grunde will ich bleiben,
solange mich die Erde trägt;
das will ich denken, tun und treiben,
solange sich ein Glied bewegt;
so sing ich einstens höchst erfreut:
o Abgrund der Barmherzigkeit!
Wir wollen beten:
Unser Herr Jesus Christus, für dein so großes, grenzenloses Erbarmen wollen
wir dir danken, für dein Rufen, für dein Einladen, für dein Nachgehen. Wie
oft bist du vor uns gestanden als der Gekreuzigte und du hast so deine
Liebe so sichtbar dokumentiert. Vielen Dank, dass deine Gnade rettet, auch
in Tagen der Verzweiflung, der Angst, der Einsamkeit und der Armut und auch
im Sterben. Und dass deine Hand uns umso fester fasst, wo wir dir gehören,
wo wir dein eigen sind. Herr, bewahre uns davor, dass unsere Herzen an
anderen Dingen hängen, an den sichtbaren Dingen, am Reichtum, an der
Gesundheit, an Menschen. Löse uns und mach uns ganz fest im Glauben an
dich. Vielen Dank, lieber Herr, dass du dies auch heute wieder anbietest,
grenzenlos und dass wir diesen Ruf weitertragen dürfen. Nicht nur zu
unseren Brüdern und Schwestern, sondern in die ganze Welt hinein. Erbarme
dich unseres Volkes, unserer Stadt; gib du ein Aufmerken auf deine
Einladungsbotschaft. Wir wollen treue Zeugen sein, wahrhaftige Zeugen,
ehrliche Zeugen, weil du selbst es uns so ehrlich bezeugst, um was es geht,
um Rettung im Leben und im Sterben. So gib doch, dass keiner von uns
zurückbleibt und verloren geht, dass keiner von uns jetzt aufgibt und
abhängt. Drum segne auch alle Gruppen und Hauskreise in unserer Gemeinde.
Und gib du unseren Worten, die wir reden, Nachdruck.
Lasst uns gemeinsam beten: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein
Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf
Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in
Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und
die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
