Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 565: Wahre Jüngerschaft, Teil 4.
Herausforderung und Gefahr der Verwässerung des Evangeliums
Manchmal bezeichnen Christen meine Predigten als herausfordernd. Und ja, mir fehlt manchmal ein bisschen die Sensibilität im Umgang mit Menschen. Da bin ich noch am Lernen.
Oft denke ich jedoch auch: Eigentlich ist das, was ich gerade predige, nur das, was Jesus gesagt hat, mit anderen Worten. Dabei merke ich, wie wir als Christen in der Gefahr stehen, das lebendige Evangelium in eine religiöse Pflichterfüllung zu verwandeln. Es wird reduziert auf Regeln, Traditionen und äußerliche Frömmigkeit.
Ich spüre, dass eine Angst besteht, das Leben ganz an Jesus abzutreten. Vielleicht, weil wir uns tief im Innern doch beides wünschen: ein gutes Leben hier und die Ewigkeit. Eben nicht das Leben zu verlieren, sich selbst zu verleugnen und das Kreuz zu tragen – obwohl genau das die Worte sind, die der Herr Jesus verwendet hat.
Die Radikalität der Jüngerschaft verstehen
Und nirgends begegnet mir die Tendenz zur subtilen Umdeutung der Originalbotschaft stärker als beim Thema Jüngerschaft. Jesus als König, der mit meinem Leben wirklich machen darf, was er will, der von mir verlangen darf, was er will, der mir wegnehmen darf, was er will – wir müssen die Radikalität dieses Konzepts wirklich verstehen.
Wenn Jesus lediglich als Berater, Coach, Kummerkasten oder spiritueller Begleiter für ein ansonsten selbstbestimmtes Leben betrachtet wird, verfehlen wir den Kern des Evangeliums. Hinter solch einer Haltung verbirgt sich eine subtile und höchst gefährliche Form von Unglauben.
Dieser Unglaube wird besonders in Momenten sichtbar, die von Prüfung, Mangel oder Unverständnis geprägt sind.
Jüngerschaft als radikale Lebensentscheidung
Jüngerschaft ist kein Hobby und kein zusätzliches Extra, das man nach Belieben seinem Leben hinzufügen kann. Es ist kein kurzfristiger Trend oder eine Haltung, die man je nach Lebenssituation anpasst.
Jünger sein verlangt vielmehr ein radikales Umdenken und eine Neuausrichtung des gesamten Lebens auf Christus hin. Nachfolge fordert uns heraus, unsere Komfortzonen zu verlassen, unsere Prioritäten zu überdenken und unser Herz vollständig für Jesus zu öffnen.
Deshalb weist Jesus auch darauf hin, was es kostet, sein Jünger zu sein. In Lukas 14,33 heißt es: „So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein.“ Ich muss Jesus alles ausliefern, wenn ich in seine Fußspuren treten will. Dieses „Alles“ umfasst ganz stark mein Denken.
Deshalb fordert Paulus Christen dazu auf, ihr Denken erneuern zu lassen. Wenn Jesus Herr und König in meinem Leben wird, dann gehört ihm meine Zeit, mein Geld, meine Sexualität, mein Gedankenleben, meine Kraft, meine Kreativität und alles, was ich sonst noch habe. Und er kann damit machen, was er will.
Leid als Teil der Nachfolge
Und weil wir einem folgen, der für uns gelitten hat, hat Nachfolge auch für uns viel mit Leid zu tun.
Philipper 1,29: Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden.
Paulus spricht an anderer Stelle davon, dass wir als Christen im Lauf der Nachfolge zwei Dinge immer besser verstehen. Zum einen die Auferstehungskraft, die in uns wirkt. Was es heißt, einen Geist der Kraft in uns zu tragen, der uns stärkt – das ist die eine Sache.
Zum anderen geht es darum, eine weitere Sache immer besser zu verstehen: dass wir dazu berufen sind, mit Jesus eine Leidensgemeinschaft zu bilden. Beides ist Realität – die Kraft und das Leid – und beides gehört zusammen.
Beides will akzeptiert werden, bevor ich mich bekehre. Deshalb ist der Herr Jesus so bemüht, seine Zuhörer davon abzuhalten, sich vorschnell zu bekehren. Er möchte, dass sie die Kosten der Jüngerschaft überschlagen, bevor sie damit anfangen.
Die Kosten der Jüngerschaft bedenken
Schauen wir uns das erste Beispiel an: Lukas 14,28-30.
Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung hat. Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden.
Was ist das hier? Das ist ein Gleichnis, das ungläubige Menschen dazu bringen soll, vor der Bekehrung gut darüber nachzudenken, ob sie sich der Kosten der Jüngerschaft bewusst sind. Es geht um Reflexion. Es geht darum, dass man nicht einfach emotional auf das Evangelium reagiert.
Denke nach, bevor du Christ wirst.
Lukas 14,28: Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung hat.
Vorher überlegen: Kann ich mir den Turm leisten? Bin ich bereit, die Einschränkungen, die Folgen und die Prioritäten der Jüngerschaft auf mich zu nehmen?
Praktische Konsequenzen einer Bekehrung
Was bedeutet das konkret für den noch nicht Bekehrten?
Er sollte sich mit einem reifen Christen zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was es für ihn ganz praktisch heißt, als Christ zu leben. Dabei geht es darum, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf seine Beziehungen, sein Berufsleben, seinen Lebensstandard oder alternativ auf seinen Umgang mit sozialen Medien, Unterhaltung oder Suchtmitteln hat.
Es wäre hilfreich, wenn er eine Liste von Dingen anfertigt, die er sofort aufgeben und hinter sich lassen muss. Wichtig ist, dass er sich vor der Bekehrung die Konsequenzen dieses Schrittes bewusst macht.
Die Themen können so banal sein wie Lesen lernen oder Apps löschen. Sie können aber auch herausfordernd sein, zum Beispiel den Job wechseln, gestohlenes Gut zurückgeben, eine Therapie beginnen oder in eine gescheiterte Ehe investieren.
Ja, diese Veränderungen können sogar das ganze Leben betreffen. Zum Beispiel, wenn er nicht länger in seinem Beruf arbeiten kann oder wenn er eine Religion wie den Islam verlässt und als Murtad mit Verfolgung und Tod rechnen muss.
Lukas 14,28: Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung hat.
Erst das Nachdenken, dann die Bekehrung.
Die Realität der heutigen Evangelisation und der Aufruf zum Nachdenken
Ich bin mir bewusst, dass diese Worte Jesu kaum etwas mit der gemeindlichen Realität zu tun haben, wie wir sie heute im Bereich der Evangelisation erleben. Das Problem liegt jedoch bei uns, nicht bei Jesus. Er ist ganz klar.
Denk vorher nach, bevor du dich bekehrst. Vielleicht hast du keinen vollständigen Überblick über dein ganzes Leben, das kann sein. Trotzdem solltest du dich hinsetzen und darüber nachdenken, wozu du Ja sagst, wenn du Christ wirst. Versuche, die praktischen und ethischen Auswirkungen einer Bekehrung so gut wie möglich zu durchdenken.
Das ist wichtig, damit du später nicht als Narr dastehst. In Lukas 14,29-30 heißt es: "Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden."
Rückblick und Ermutigung zum Nachdenken
Was könntest du jetzt tun? Denke an deine eigene Bekehrung zurück. Was würdest du heute anders machen? Was war dir damals noch nicht klar?
Das war's für heute. Nutze die Episoden, um daraus einen Hauskreis zu gestalten. Es ist gar nicht schwer.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
