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Und führe uns nicht in Versuchung!

Matthäus 6,1301.04.1990
Wir sind nicht so stark, wie wir tun. Die eigentliche Frage: Wer bewahrt dich, wenn Versuchung, Angst und eigenes Versagen zuschlagen?

Einleitung zur letzten Bitte des Vaterunsers

Jetzt kommt heute das Ende unserer Predigtreihe. Und dann tut es mir leid, wie ich schon am letzten Sonntag angekündigt habe, dass wir uns nicht mehr Zeit genommen haben für das Vaterunser, das wir ja so oft beten. Dann merkt man erst, wie viele unnütze Worte man macht, denn jetzt fehlt ja der Lobpreis: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.
Da habe ich mich gefreut, dass der Chor, der eben gesungen hat, in der Anbetung Gottes, in der Freude an der großen Macht und an Gottes Wirken, darin sind wir ja bewahrt.
Aber auch heute hätte ich am liebsten das noch einmal auseinandergenommen, dass in Matthäus 6, wo in der Bergpredigt Jesus uns das Gebet gelehrt hat, wir heute die Bitte haben: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Herr, du musst uns bewahren! Amen!

Die unsichtbare Macht des Bösen

Es ist ja schon eindrucksvoll, was die Stasi in der DDR alles konnte. Ich traf in der letzten Woche einen Tiermediziner, der seit dem Jahr 1984 jede Woche weit über einhundert Exemplare der Zeitschrift Ideaspektrum in der DDR verteilte. Das war strikt verboten.
Der Mann erzählte, wie glücklich er war, dass er das so verborgen tun konnte. Kurz bevor der Umsturz in der DDR kam, wurde er jedoch einmal zum Verhör vorgeladen. Er kann bis heute noch nicht verstehen, wie es möglich war, dass man ihm plötzlich ein Foto vorlegte, auf dem er in dunkler Nachtstunde auf einer einsamen Straße einige Pakete mit dieser Zeitschrift in ein anderes Auto umlud.
Überall war Kontrolle, alles war überwacht.
Ein Mitarbeiter von Licht im Osten war auch lange Zeit so sicher und sagte, es ist einiges gut gegangen mit den Lieferungen russischer Bibeln über die DDR in die Sowjetunion. Er wurde dann immer mutiger und sagte: Ich kann doch nochmals hinübergehen. Und dann haben sie ihn am Berliner Übergang in ein Verhörzimmer gesetzt und angefangen, ihm auf den Kopf zuzusagen, wer er ist. Er arbeitet bei Licht im Osten.
Als er versuchte, sich herauszureden, haben sie ihm die Geburtstage seiner Kinder genannt. Und nicht nur das: Sie haben ihm detailliert alles beschrieben. Sie haben am dreizehnten November im Riesengebirge abends, nachts um viertel vor zwölf, einen Vervielfältigungsapparat im Pfarrhaus abgeladen. Er sagte: War niemand dabei? Die wussten alles.
Totale Kontrolle, dass es so etwas gibt, ja, das gibt es. Es ist unheimlich, wenn man von allen Seiten umgeben ist und es oft gar nicht weiß. Noch perfider als dieses System ist der Machtbereich des Bösen, in dem wir leben. Die Bibel spricht ganz einfach vom Teufel, vom Satan.
Jeder von uns ist von allen Seiten umgeben. Er kann sich wehren, wie er will, und er kann sagen: Ich glaube gar nicht, dass es den Teufel gibt, das ist doch nicht wichtig. Wir können uns lange in der Sicherheit wiegen und sagen: Ich bestimme mein Leben selbst, ich bin frei mit meinen Gedanken.
Doch diese Tyrannei ist so groß, und sie fängt schon bei den ersten Menschen an. Sie sind, Adam und Eva beide, voll reingefallen und folgten der Stimme der Einflüsterung des Versuchers. Gerade in unserer aufgeklärten Zeit wird wieder viel darauf gegeben und gesagt: Ja, glaubst du wirklich noch, dass es einen Teufel gibt? Wie wir uns den vorstellen? Das ist gar nicht so wichtig.
Er ist ein Meister der Tarnung. Nicht nur, dass er sich irgendwie mit einem lächerlichen Kostüm anzieht, sondern, so sagt ja die Bibel, er verkleidet sich am liebsten in einen Engel des Lichts. Und der Teufel macht seine schlimmsten Teufeleien in der Gemeinde, auch das sagt die Bibel, nicht in der Welt. Da kann er am leichtesten wirken, durch gläubige Leute.
Und Jesus nennt ihn, so wie er ihm die Maske vom Gesicht herunterzieht, den „Fürsten dieser Welt“.

Die Herrschaft des Versuchers und die Schwäche des Menschen

Wie wir eben diese Schriftlesung hörten, da hält man ja den Atem an und sagt: Das kann doch dieser Teufel nicht wirklich sagen, als ob er Jesus die Weltherrschaft antragen könnte. Jesus ist doch der Herr der Welt. Nein, sichtbar! Und heute ist es Satan. Er kann sagen: Alle hören auf meine Stimme, alle. Die Mächtigen und die, die in den Slums wohnen, die Alten in den Altenheimen und die Schüler und die Kinder, alle, alle hören auf mich! Ich habe alle in meiner Hand, die Reiche dieser Welt, im Osten, im Westen, im Süden, im Norden, alle. Der Fürst dieser Welt. Und nur einer, nur einer hat es fertiggebracht, dass Satan von ihm weichen muss: Das war Jesus, der Gottessohn. Und er wich von ihm eine Zeit lang.
Es ist gut, dass wir uns über diese Machtverhältnisse einmal klar werden. Nur aus dieser Beherrschung durch die Macht des Bösen ist überhaupt erklärlich, dass es in unserem Leben so viel Neid, Streit, Hass und Zwietracht gibt. Wir wollen das ja alle nicht. Wir wollen ja alle lieb sein, wir wollen Gutes tun, wir wollen andere erquicken und zur Freude für andere leben. Und der Teufel bringt alles gegeneinander. Der Zerstörer, der Zerstörer, der Durcheinanderbringer ist das von Anfang an, der die gute Schöpfung durcheinanderwirbelt und gegeneinander aufhetzt.
Es ist heute so ein wunderbarer Frühlingssonntag, und wir freuen uns ja an diesem Tag. Vielleicht gehen Sie heute Mittag bei einem Spaziergang über die Höhen, und dann schauen Sie hinunter auf unser Stuttgart. Welch eine schöne Stadt, da liegst du nun im Sonnenglanz. Und der Teufel grinst und sagt: Ich habe alles in meiner Hand, die Geschäfte, die Menschen, die Familien, alles.
Ich möchte zuerst darüber predigen: So schwach sind wir, so schwach sind wir, wenn wir beten: Führe uns nicht in Versuchung. Dann ist das eine Bitte, weil wir um unsere Schwäche wissen. Das können eigentlich nur Leute mitbeten, die sagen: Wenn Gott nicht seine schützende Hand über mich hält, falle ich im nächsten Augenblick in die schlimmsten Verfehlungen.
Und manchmal, wenn wir uns erregen wollen über solche Missstände in der Welt und über so schlimme Verbrechen, die geschehen, dann wissen doch gläubige Leute: Nein, ich bin so schwach, das ist mein Herz. Wenn Gottes Güte mich nicht bewahrt, falle ich in die gleichen tiefen Abgründe hinein. So schwach bin ich.

Anfechtung als Prüfung des Glaubens

Ich möchte es aber doch noch ein wenig erklären. In unseren Tagen gibt es ja viele, die immer wieder, auch gerade unter den Christen, sagen, man müsste eigentlich den sicheren Glauben etwas erschüttern. Und dann kommen sie und sagen, wir sollten uns mehr mit Zweifeln auseinandersetzen. Sie kommen und bohren und nagen und sagen: Das ist doch alles mit dem Glauben nicht so sicher, wie du tust. Wie kannst du denn überhaupt so sicher reden?
Ich glaube, da wollten wir ihm sagen: Du, bei uns ist das so sicher gar nicht. Wir sind angefochtene Leute. Es ist nicht mehr bekannt, dass alle gläubigen Christen sehr angefochten sind. Nicht die rationalen Zweifel, nicht die Gedankenspiele machen uns so viel Not, nicht die Überlegungen, wie das alles mit unserem Kopf zusammenkommt, sondern unsere größten Erschütterungen kommen doch durchs Leben.
Mir bricht als Ihr Seelsorger immer wieder schier das Herz, wenn ich mit Ihnen ein Stück der Last mittragen muss, die Gott Ihnen auferlegt. Sie wissen doch, dass ich kaum mit Ihnen an ein Grab treten kann. Der Schmerz ist doch so groß. Warum muss ich durch diese Not hindurch? Warum tragen wir noch einen Leib, der sterben muss? Das sind doch alles Anfechtungen. Wenn wir an den Krankenbetten stehen, fragen wir: Warum geschieht das jetzt? Anfechtungen, Versuchungen. Man fragt: Wo ist denn Gottes freundliche Hand mit mir? Dass wir Zweifel haben, ist doch selbstverständlich.
Aber am allerschwersten ist doch, wenn wir im Glauben lauter Niederlagen erleben. Da möchte einer seine Sucht besiegen, und er merkt, er kommt nicht los. Er ist gebunden, schlimmer als ein Tier. Und er betet und weint, und er kommt nicht los. Da möchte einer das Verhältnis und die Ehe neu ordnen, und er spürt: Es kommt über mich wie mit einer unheimlichen Macht. Was ist denn das? Sind wir wirklich so schwache Leute? Sind wir so schwach?
Wie konnte das eigentlich entstehen in unseren Tagen, dass so viele Menschen so stolz den Menschen rühmen und das, was Menschen können, und dann Leute sagen, sie bräuchten Jesus nicht? Kennen die ihr eigenes Herz so wenig? Ich brauche mit jedem Tag meines Glaubenslebens immer mehr Jesus, Bewahrung, und seinen Schutz und seinen Beistand. So schwach sind wir.
Da gab es vielleicht auch Tage in meinem Leben, wo ich meinte, ich könnte das nun mit eigener Kraft fertigbringen und ein neues Leben formen und ganz anders sein, als ich bisher war. Es dauert ja gar nicht lange, und dann fallen wir gleich wieder hin und liegen mitten im Dreck. So schwach sind wir.

Die Gestalten des Glaubens in der Prüfung

Man muss in der Bibel lesen, um zu sehen, wie all die großen Frauen und Männer des Glaubens angefochten waren. Warum lässt Gott sie denn immer in Versuchungen hineingehen? In diesen Tagen hatten wir in der Bibellese, wenn man die allgemeine fortlaufende Bibellese hat, diesen Abschnitt aus 5. Mose 8, wo Gott seinem Volk in der Wüste sagt: Ich habe dich in diese Versuchungen hineingestellt, damit offenbar würde, was in deinem Herzen ist. Was ist denn da drin? Groll gegen Gott, Aufruhr, Feindschaft, Widerspruch.
Ich sehe den alten Abraham vor mir. Endlich hat Gott sein Wort wahrgemacht. Es war ja der Weg Gottes, als er ihn hinausführte in das fremde Land: Ich will dir Nachkommen verschaffen. Aber da waren keine Nachkommen. Und endlich, endlich, nach vielen bangen Zweifeln, hat er seinen Sohn Isaak. Und dann sagt Gott zu ihm: Geh hinauf auf den Berg Moria und gib den Sohn wieder her. Herr, das kannst doch du nicht. Damit offenbar würde, was in deinem Herzen ist. So schwach sind wir. Und Abraham versteht nichts von dem, was da geschieht, und ihm zerbricht das Herz, als dieser Junge neben ihm herläuft und sagt: Mein Vater, wo ist denn das Opfertier? Gott wird sich ersehen ein Opfer, mehr kann er nicht sagen.
Kann Gott denn so furchtbar sein, dass er Menschen in diese Proben hineinschickt? Das tut Gott. Sie werden sich erinnern, für welche Wegstrecke ihres Lebens. Da ist Hiob, ein mutiger Glaubensmensch, aber da kommen gleich ein paar Hiobsbotschaften miteinander. Nicht nur, dass sein Besitz völlig kaputtging in den Katastrophen, sondern seine Kinder kamen um. Aber das alles wäre ja vielleicht noch zu ertragen gewesen, wenn seine Frau zu ihm gestanden wäre, wenn er mit ihr hätte beten können. Aber die sagt schließlich: Was hast du jetzt eigentlich von deinem Glauben? Das ist das Bitterste. Sie höhnt, sie spottet, und er sitzt in der Asche und kratzt seine Haut mit einer Scherbe.
Anfechtungen, Versuchungen. Herr, führe uns nicht in Versuchung, so beten wir, wenn wir sagen: Da stehe ich nicht durch, wenn du mit mir auch so umgehst, lieber Herr. Dann hält mein Glaube nicht.
Jetzt in diesen Passionstagen erinnern wir uns wieder an einen Mann, den wir bewundern wegen seiner Tatkraft, wegen seines Mutes. Aber er steht in einer Hausecke und weint. Er weint über sein Versagen, über seine Untreue, das ist Petrus. Er hat versagt in der Stunde, wo Gott ihn brauchen wollte, und er hat nicht durchgehalten.
Wenn die Zerreißproben über uns kommen und wir wirklich getestet werden, was hält denn dann bei uns noch durch? Wie kann man denn da bestehen? Da ist keine Kraft in uns. Wie sagt Jesus: Der Satan hat euch begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen. Haben Sie es noch einmal gesehen? Ich habe es nur in Afrika sehen können, wo der heiße Wüstenwind, der Harmattan, herbläst. Dann haben Sie beim Dreschen das gedroschene Gut hochgeworfen, und der heiße Wüstenwind hat die Spreu weggeweht. Die war unnütz, die war zu nichts brauchbar, nur die Körner waren wichtig.
Und wenn Gott uns so in die Prüfung hineinnimmt und das Echte, das Bewährte, die Frucht prüfen will, was bleibt denn an meinem Glauben da noch übrig? Was habe ich denn da noch? Führe uns nicht in Versuchung. Ich habe so Angst, es könnte bei mir alles Spreu sein.

Was im Glauben trägt

Darum mein zweiter Punkt: Was steht denn fest? Was ist sicher? Was ist gewiss?
Wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark. Weil wir dauernd in jeder Lage von Versuchungen bedroht sind, ist es so wichtig, dass ich fest im Glauben stehe. Wie kann ich denn feststehen?
Wacht, seid männlich. Wenn Männer weinend über ihr Versagen dastehen und bekennen müssen, dass auch sie nicht durchhalten können in der Treue, was hält denn dann?
Jetzt müssen wir noch einmal die Gestalten des Glaubens ansehen. Dieser Abraham, Kierkegaard, der große Philosoph, sagt: Abraham, du bist in einhundertdreißig Jahren nicht weitergekommen als bis zum Glauben. Er kann bloß einfach sagen: Du vergibst meine Schuld, du nimmst mich an.
Und Sie kommen auch nicht und nie weiter als Abraham. Und wenn Sie mit Sorgen und mit Grübeln das Unlösbare ihres Lebens lösen wollen, Sie werden es nicht schaffen. Sie können es nur in die Hand Gottes legen.
Er wusste aufs Allergewisseste, heißt dann im Neuen Testament, dass Gott ihm auch aus Steinen Kinder erwecken kann. Wie Gott seine Pläne hinausführt, das wissen wir nicht, aber Gott steht zu seinem Wort. Und das glaubt Abraham felsenfest.
Und ein Hiob, als die Frau ihn verhöhnt und spottet, dann ruft er gerade mitten in dieser Teststrecke, in dieser schrecklichen Versuchung: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er sich aus dem Staub erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen, so werde ich doch Gott sehen.
Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz.
Ich kann in diesen schweren Stunden, in die Gott uns hineinführt und die sein müssen, wo der Teufel uns ganz in seiner Gewalt hat, keine andere Ruhe und keinen Frieden finden, als dass ich auf Jesus blicke. Er kann der Macht Satans widerstehen, er kann mich bergen und mir seinen Frieden geben.
Er hat auch einen Petrus nach dieser Verleugnung wieder zu sich genommen, und Jesus sagt: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Glauben ist das einzige, was durchhält. Das ist stärker als alles, was wir immer wieder an uns als Beweis und Stütze unseres Glaubens vermuten.
Darum sagt die Bibel: Wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark. Männlich kann ich doch nur sein, mutig, entschlossen, durch Glauben, indem ich das Wort Gottes höre und ihm vertraue und weiß, er wird mich bewahren, gerade auch in den Versuchungen meines Lebens.

Die letzte Bewahrung und der Frieden in Christus

Und es steht im Neuen Testament viel von den schweren letzten Versuchungen, die über diesen Erdkreis kommen. In der letzten schweren Stunde, wenn die Herrschaft des Antichristen die ganze Welt umspannt und es Christen nicht mehr erlaubt ist, von Sünde und Erlösung zu reden, dann heißt es: Siehe, ich will dich bewahren in der Stunde der Versuchung.
Das darf ich wissen, dass er, der Herr, größer ist als alle Macht der Finsternis. Und ich brauche mich nicht zu sorgen, wie das gehen soll. Leider steht dieser Liedvers und dieses Lied nicht in unserem Gesangbuch, das doch unseren Glauben so einfach zusammenhält:
Stark ist meines Jesu Hand, und er wird mich ewig fassen, hat zu viel an mich gewandt, um mich wieder loszulassen. Mein Erbarmer lässt mich nicht, dies ist meine Zuversicht, seiner Hand entreißt mich nichts, und ich darf ganz unbesorgt sein.
Darum sorgen wir uns auch nicht vor schweren Wegstrecken, in die uns unser Herr hineinführt. Es ist eine leidende und eine zerbrochene Welt, in der wir leben. Und wir haben Teil an den Nöten dieser Welt. Aber wir können im Frieden sein, in großem Frieden, weil der Herr uns hält.
Jetzt noch ein Letztes: der kritische Punkt, um den alles geht. Wo ist denn eigentlich der Punkt, wo man standfest sein muss? Heute werden ja in der Technik immer wieder Geräte getestet. Wie lange kann man die auf Hochleistung gebrauchen, bis sie zerbrechen? Wo ist der kritische Punkt? Wie lange hält das eigentlich? Wie stark kann man einen Menschen belasten?
Wenn man das bei den Versuchungen ausprobieren wollte, der kritische Punkt, der ist schnell erreicht bei uns allen. Sie kennen sicher sich selbst auch sehr gut, je länger Sie im Glauben stehen. Früher, als wir jung waren, da meinten wir, wir wären so stark. Je älter wir werden, und das mögen die Jungen auch verstehen, wenn wir sie manchmal vor Irrwegen, die uns im Leben so schwer geworden sind, zurückhalten wollten: Wir sind alle sehr versuchlich, wir sind korrupt, der Teufel weiß, wie er uns herumkriegt.
Ja, wo liegt denn da der Punkt? Wo ist denn einer anfällig? Es mag ganz verschieden sein, mag von unserem Naturell abhängig sein. Der eine auf dem einen Feld mehr als der andere. Erstaunlich ist, dass uns alles zur Versuchung werden kann. Diese schöne Welt, die doch Gott geschaffen hat, die ist doch nicht sündig. Sie kann uns aber zur Sünde werden, sie kann uns zur Versuchung werden. Dass ein Stück Brot ist doch gut, eine Gabe Gottes, zur Versuchung werden kann, das hat uns Jesus gezeigt. Ein Stückchen Brot, was ist daran böse, wenn ich es nicht mit Danksagung aus der Hand Gottes nehme?
Wir werden immer mehr merken, dass alles, was ich nicht aus der Hand meines Herrn nehme, mir schädlich ist. Und so werde ich jetzt ganz anders denken über diesem Gebet: Führe uns nicht in Versuchung. Ich möchte alles im Lobpreis und im Dank aus der Hand Gottes nehmen. Ich will mich leiten lassen von deinem Wort, Herr!
Und gerade wenn ich hinausblicke in die schöne Welt und all das sehe, was mich umgibt, die Menschen sehe, ja, das Lied, das wir eben gesungen haben, das ist gut: Herr, habe Acht auf mich. Ich bin manchmal so unerfahren, ich bin manchmal so dumm, dass ich gar nicht merke, wie das mir gefährlich wird, wie der Hochmut sich bei mir einschleicht, wie stolz ich werde, wie eigenmächtig ich immer nur meine eigenen Wünsche habe, wie simpel ich von Begierden und Lust verführt werde und schon das vergesse, was ich eigentlich Gott dienen wollte.
Es kann mir alles zur Versuchung werden. Ich kann jetzt nicht aus der Angst leben, so möchte ich sie auch nicht entlassen. Im Gegenteil: In der Bibel steht etwas ganz anderes, dass Jesus gekommen ist, dass er in das Haus des Starken einbreche. Das soll das Letzte sein. Das ist der kritische Punkt. Er will die Macht Satans ihm aus der Hand reißen, dazu gebraucht er sie. Er wird den Satan unter eure Füße treten, in Kürze, das ist eine Zusage.
Sie dürfen in diese Welt hineingehen und nicht sagen: Hinter jedem Busch sitzt der Böse. Sie dürfen hineingehen und sagen, wie es Martin Luther gesagt hat: Und wenn es in Worms so viel Teufel gäbe wie Dachziegel, ich will hinein. Das Glauben nicht, weil ich so stark bin, sondern weil der Herr treu ist, weil ich unter dem Segen Jesu stehe, weil er mich bewahrt und weil wir immer wieder sagen: Sein Blut macht mich rein. Ich weiß, dass der Teufel auch nicht wieder über die alten Übertretungen und Sünden meines Lebens so einen Hebel hat, wo er mich aus dem Frieden herauswerfen kann.
Und wenn die Welt voll Teufel wäre und wollte mich gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr. Ich habe gedacht, eigentlich hätten wir den Vers jetzt singen müssen. Dass wir am Ende nicht vom Teufel und von den Dämonen reden, die gibt es. Lesen Sie mal in den Zeitungen, was heute alles möglich ist in unserer Welt. Wir leben in einem Jahrhundert, wo schon so unaussprechlich dämonisch-teuflisches Geschehen ist, dass man es nicht verstehen kann. Und das, was sich in unseren Häusern abspielt, ist nicht besser.
Und wenn die Welt voll Teufel wäre und uns gar verschlingen wollte, wir gehen in diese Welt hinein als Boten Jesu, die das Königreich Jesu ausbreiten, die ihm dienen, die gebraucht werden, die nicht Angst haben vor der Macht der Finsternis, sondern die sagen: Er wird mich bewahren, ich stehe unter seinem großen Schutz. Und unter seiner Führung und unter seiner Leitung gehe ich im Frieden dieses Herrn. Amen.