Einführung in das Thema: Bibel, Alltag und Beziehung
Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und auch schwierige Fragen von Nichtchristen zu beantworten.
Jeden Beitrag verschenke ich mit Übersichten, biblischen Entscheidungshilfen, kompletten Hörbüchern und sogar Onlinekursen. Das alles gibt es kostenlos auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.
Heute sind wir zu zweit. Meine liebe Frau und ich gestalten diesen Beitrag gemeinsam. Vielen, vielen Dank, meine Liebe, dass du dir heute Zeit dafür nimmst.
Der Grund dafür ist ganz konkret: Wir wollen auf einige Fragen eingehen, die viele von euch in den letzten Monaten per E-Mail, in Leserbriefen oder Kommentaren gestellt haben. Es geht um das Thema Kennenlernen, Dating, Beziehung und Verlobung als Christen.
Dieses Thema ist sehr sensibel, denn bei vielen Menschen liegen Verletzungen aus der Vergangenheit vor. Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht, waren in schwierigen Beziehungen oder auch in glücklichen, aber wurden dann verletzt. Außerdem spüren viele den Einfluss von äußeren Regeln und Vorgaben, oft auch aus der eigenen Gemeinde und manchmal in Form von Gesetzlichkeit.
Das wissen wir beide sehr gut, wir haben ja keine Tomaten auf den Augen. Über so ein wichtiges Thema zu sprechen, nehmen wir nicht auf die leichte Schulter.
Mir ist auch völlig klar, dass auf eurer Wunschliste noch viele andere Videothemen stehen. Ehrlich gesagt ist es für uns eine gewisse Überwindung, als Ehepaar über so ein emotionales Thema öffentlich zu sprechen.
Fakt ist aber, dass sich eure Leserbriefe und Kommentare zu diesen Beziehungsthemen in den letzten Monaten geradezu gestapelt haben. Deshalb haben wir gesagt: Okay, wir geben uns jetzt einen Ruck.
Warum? Weil wir denken, es ist besser, jetzt in dieser Phase einen unperfekten Beitrag zu machen, als auf perfekte Weise gar keinen.
Auch wenn wir beide schon offline häufiger zu diesen Themen gefragt wurden, ist das hier das erste Mal, dass wir zusammen und öffentlich darüber sprechen.
Erwarte bitte keine Vollständigkeit und keine Perfektion. Setzt die Messlatte ganz, ganz niedrig an – denkt an den Keller, noch tiefer!
Dabei wollen wir zusammenfassen, was wir beide gerne vorher gewusst hätten. Außerdem wollen wir berichten, was viele aus der Community sagen: Was hätten wir alle gerne früher über Kennenlernen, Dating, Beziehung und Verlobung als Christen gewusst?
Was wird in der christlichen Blase vielleicht zu einfach dargestellt? Was sind unangenehme Wahrheiten? Und worüber sollten wir vielleicht mehr sprechen?
Zur besseren Übersicht haben wir das Ganze in drei Teile gegliedert. Heute kommt Teil eins, in zwei Wochen Teil zwei und dann nochmal zwei Wochen später der letzte Teil.
Drückt gerne die Glocke unter diesem Video, damit ihr keinen Beitrag verpasst.
Wir wollen euch dabei bewusst zwei Perspektiven geben: einmal meine als Frau, die sicher etwas gefühlsbetonter ist, und dann Markus’ Perspektive. Ihn kennt ihr ja natürlich.
Grundsätze und Zielgruppe des Beitrags
Also, fünf kurze Dinge sind vorab ganz wichtig:
Erstens: Das Thema Gesetzlichkeit ist hier völlig fehl am Platz. Nach dem Motto: „Ja, du bist nur dann Christ, solange du xy machst, sonst bist du kein Christ“ – das ist völlig unbiblisch. Was wir auch nicht wollen, ist anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr Privatleben zu gestalten haben. Ganz bestimmt nicht.
Wir wollen aber auf einige Leserbriefe und Kommentare eingehen und auch unsere eigenen Erfahrungen, naja, ein Stück weit selbstkritisch beleuchten. Dabei möchten wir zeigen, wo und wie du vielleicht vermeidbaren Schmerz vermeiden kannst oder wie wir es zumindest auch hätten tun können.
Es geht auch nicht darum, dass wir jetzt die Weisheit mit Löffeln gegessen hätten. Wenn man es nicht genau so macht, wie wir es denken, sündigt man nicht automatisch, kommt nicht in die Hölle und die Ehe ist auch nicht zum Scheitern verurteilt.
Zum Thema Ehe wollen wir jetzt nicht über unsere eigenen Erfahrungen sprechen. Wir sind ja selbst noch im ersten Ehejahr, und es wäre albern und irgendwo auch unseriös, wenn wir jetzt anderen Leuten Eheratschläge geben würden. Das wollen und können wir auch gar nicht.
Was wir zur Ehe aber sagen wollen, ist, was in der Bibel darüber steht, was wir denken, wie Gott sich das gedacht hat, und vor allem warum.
Zweitens: Der Beitrag ist nicht hauptsächlich an Leute gerichtet, die schon seit 40 Jahren verheiratet sind, fünf erwachsene Kinder haben und Enkelkinder. Sondern an Leute der heutigen Generation, an Menschen in deinem und meinem Alter, in ihren Zwanzigern oder Dreißigern, die gerade in einer Beziehung sind oder überlegen, ob sie aus dem Single-Dasein rausgehen und eine Beziehung eingehen sollen.
Drittens: Dieser Beitrag hier, wie auch die anderen, ist geprägt von der westlichen Kultur des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Deshalb benutzen wir Begriffe wie „Dating“, die in dieser Kultur üblich sind. Falls du in manchen asiatischen oder afrikanischen Kulturen lebst, wie es bei manchen Zuschauern der Fall ist, könnte also einiges nicht zutreffen.
Das ist logischerweise auch je nach Konfession anders. Je nachdem, welcher christlichen Glaubensrichtung du angehörst, kann es Unterschiede geben. Ebenso ist es in der Stadt, wo sich die ganze Belegschaft und die Nachbarn dreimal im Jahr wechseln, logischerweise anders als auf dem Land, wo man eine Dorfgemeinschaft hat und sich schon in der fünften Generation kennt. Das ist klar.
Deswegen haben wir versucht, hier verschiedene Stimmen aus der Community mit einfließen zu lassen.
Viertens, vorletzter Punkt: Der Beitrag hier ist offensichtlich an Christen gerichtet. Falls du nicht christlich bist, denken wir zwar, dass es große Vorteile hat, aber dir wird vermutlich vieles nicht sofort einleuchten, und manche Begründungen werden nicht unmittelbar Sinn ergeben.
Fünftens, letzter Punkt: Bei einigen Dingen haben wir Klarheit, entweder durch Gottes Wort, das uns Klarheit gibt, oder indem uns zum Beispiel eindeutige Statistiken vorliegen. Bei anderen Sachen wiederum ist es nur unsere persönliche Meinung. Diese beiden Dinge wollen wir auch wirklich deutlich voneinander trennen.
Wir wollen dir aber auch sagen, dass wir uns etwas dabei gedacht haben bei diesen Schlussfolgerungen. Das heißt, so läuft das ab: Wir sagen dir einfach mal unsere Gedanken, und du schaust, was du damit anfangen kannst.
Und damit genug der Vorrede. Markus würde jetzt sagen: „Vergiss nicht, die Glocke unter diesem Video zu drücken!“ Und lass uns starten!
Grundlegende Fragen zum Thema Beziehung und Ehe
Okay, also am Anfang war das Wort – und am Anfang steht die Frage: Muss ich mich als Christ überhaupt mit dem Thema Dating, Beziehung und all den Männer-Frau-Geschichten auseinandersetzen? Die Antwort darauf ist biblisch gesehen nein, musst du nicht.
Um das ganz deutlich zu sagen: Gott hat zwei Konzepte, wie ein erwachsenes Leben aus seiner Sicht aussehen kann. Das eine Konzept ist die heilige Ehe – also eine Ehe, die um Heiligkeit bemüht ist. Das andere Konzept ist das heilige Single-Sein – also ein Single-Dasein, das ebenfalls um Heiligkeit bemüht ist.
Das möchte ich noch einmal unterstreichen, denn das wissen viele Leute nicht mehr: Das Christentum ist die erste große Religion der damaligen Welt, die das Single-Sein an sich wertschätzt und als eigenständige Lebensform hochhält. Das ist unter den Weltreligionen ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Dieses Verständnis ist nach unserem Eindruck in der heutigen Zeit ein Stück weit verloren gegangen.
Beides ist total legitim: Single sein oder in der Ehe leben. Alles dazwischen ist jedoch nicht für die Dauer gedacht, sondern nur als temporärer Zustand. Das bedeutet auch nicht – und darauf gehen wir später noch ein – dass du automatisch den oder diejenige heiraten musst, die du datest. Entweder heiratest du sie oder ihn irgendwann, oder ihr beendet das Dating wieder.
Zum Thema Verheiratet sein noch einmal in aller Deutlichkeit: Es gibt nichts im Verheiratet-Sein, nichts in der Ehe – das sagen auch wir als Verheiratete –, das du unbedingt brauchst, um ein bedeutsames und fruchtbringendes Leben als Christ oder Christin zu führen. Das ist nicht so.
Single bleiben oder heiraten, beides ist vor Jesus absolut gleichwertig. Es ist biblisch gesehen absurd, auf Singles herabzuschauen und zu denken, dass da irgendwie etwas fehlt oder Singles nur unvollständige Christen zweiter Klasse wären – so, wie es manche von euch geschrieben haben, dass sie das in ihren Gemeinden so erleben.
Wie gesagt, vor zwei oder drei Wochen haben wir dazu einen extra Beitrag gemacht mit mehreren Belegen.
Vielleicht kennst du Hans-Peter Reuer? Er hat dazu einmal gesagt: „Es gibt kein Versprechen in der Bibel, dass wir in einer Partnerschaft landen und dass auch nur eine Partnerschaft erfüllt zu sein hätte.“
Die vier Phasen der Partnerschaft aus christlicher Sicht
Wir wollen dabei vier Phasen unterscheiden, über die ihr gesprochen habt und die wir auch tatsächlich als sinnvoll erachten. Zu jeder Phase möchten wir euch unsere Beobachtungen mitteilen und erläutern, was unserer Meinung nach in dieser Phase gesund wäre. Die vier Phasen sind: Kennenlernen und Dating, Beziehung, Verlobung und Ehe.
Wichtig ist uns zu betonen, dass das nicht bedeutet, dass jeder diese vier Phasen exakt durchlaufen muss. Das kann wirklich individuell unterschiedlich sein. Dennoch denken wir, dass jede dieser Phasen ihre guten und wertvollen Merkmale hat, die sie von den anderen Phasen unterscheiden.
Wir beginnen dabei von hinten, denn das Ziel bestimmt bekanntlich den Weg. Dabei werden wir auf Beobachtungen eingehen, die ich aus freikirchlicher Sicht gemacht habe, sowie Beobachtungen von Markus. Außerdem werden wir Nachrichten von euch in die einzelnen Bereiche einbauen.
Wie gesagt, ihr müsst das nicht alles bis ins Letzte überdenken. Wir sind jedoch der Meinung, dass da etwas dahintersteckt. Es gibt einen guten Grund, warum sehr viele langfristig glückliche und erfüllte Ehen nicht daraus entstanden sind, dass sich jemand Hals über Kopf in einen völlig Fremden verliebt hat oder irgendeinen beliebigen Menschen geheiratet hat. Das hat seinen Grund.
Mein Opa hat dazu gesagt: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“
Die Ehe als Lebensform und Ziel
Also, die Phase Ehe. Erst einmal ganz grundsätzlich: Du wurdest als Single geboren. Das klingt selbstverständlich, aber stell dir das einfach mal vor. Du wurdest als Single geboren und bist als Single aufgewachsen. Das heißt, das ist das Normale, so bist du auf die Welt gekommen. Menschlich gesehen ist das deine Standardeinstellung, das, wovon du ausgehst.
Die Frage ist jetzt, ob du diese Normalität, diese Standardeinstellung, früher oder später mal ändern möchtest. Wenn du nicht vorhast, Single zu bleiben, dann sollte aus biblisch-christlicher Sicht der Status, in den du langfristig wechseln möchtest, der der Ehe sein. Davor gibt es Phasen, die einen Übergang markieren.
Wenn du in einer Beziehung bist, dann sollte das nicht der Dauerzustand sein, sondern über kurz oder lang solltest du entscheiden: Will ich den oder diejenige heiraten oder nicht? Und genau das meinen wir kurz mit dem Ziel Ehe.
Was also ist dieses Ziel? Wir reden jetzt nicht aus unserer eigenen Erfahrung – das wäre ein bisschen albern. Stattdessen wollen wir darüber sprechen, was Gott dazu sagt. Wir Christen glauben, dass Gott die Bibel für alle Menschen, aller Zeiten und Kulturen geschrieben hat. Das, was im Neuen Testament über Ehe steht, ist von Gott auch für dich und mich, für jeden von uns gedacht.
Falls du jemanden kennst, der denkt, Ehe sollte etwas anderes sein als das, was im Neuen Testament steht, dann ist das vielleicht eine gute Gelegenheit, zu hinterfragen, welches Bild dieser Mensch von der Bibel und von Gott hat.
Ich selbst bin nicht christlich aufgewachsen und dachte früher, Ehe sei so: Es ist besser, erst mal zusammen zu sein als nicht, und irgendwann will man eine romantische Feier haben. Aber das ist nicht das, was im Christentum hauptsächlich mit Ehe gemeint ist. Es geht um etwas ganz anderes.
Was meint Gott grundsätzlich mit dem Begriff Ehe? Aus biblischer Sicht ist Ehe Gottes Idee, sein Konzept, seine Erfindung. Dazu stehen viele Dinge in Gottes Wort. Einer der entscheidenden Punkte ist folgender:
„Al ken, ja asav ish, eth aviv, wo eth imo, wo da wag be ishto, wo hayu levasar echad.“ Auf Deutsch: „Deswegen verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und bindet sich an seine Frau, und die beiden werden ein Fleisch.“
Das Spannende ist, dass im Deutschen „bindet sich an“ steht, im hebräischen Urtext aber das Wort „Dawak“ verwendet wird. Das bedeutet so viel wie „sie kleben zusammen“. Du kannst dir das auch vorstellen wie in der Metallverarbeitung, wenn zwei verschiedene Metalle miteinander verschmolzen werden zu einer neuen Legierung.
Jesus führt das später aus, dazu gleich. Zusammengefasst bedeutet Ehe im Christentum: Ein Mann und eine Frau in Liebe und Treue fürs ganze Leben. Ich kette mich an dich, du kettelst dich an mich, und das ist etwas Gutes.
Aber nicht nur das: Ehe ist ein Bund zu dritt. Eine christliche Ehe ist ein Bund zu dritt – mit deinem Ehepartner und mit Gott. Beide sind Bündnispartner. Eine christliche Ehe ist ein Schwur. Das heißt, du hast öffentlich einen Eid geleistet, vor der Gemeinde, vor der Familie und in der westlichen Welt auch vor dem Staat.
Du siehst also: Ehe im biblischen Christentum ist eine dauerhafte, lebensverändernde Entscheidung. Es ist eine verbindliche Zusage, dich dabei zu unterstützen, Jesus nachzufolgen. Und das nicht aus Sentimentalität, sondern aus Wahrheit und Verbindlichkeit – als eine Lebenseinstellung, Gott anzubeten, als Mensch, der mit dir verheiratet ist.
Ehe bedeutet Einssein mit Körper, Geist und Seele. Es heißt auch, sich gegenseitig unterzuordnen und den anderen höher zu schätzen als sich selbst.
Ich persönlich bin nicht katholisch, aber in der katholischen Theologie gibt es viele große Schätze und viel Weisheit. Zum Beispiel sagen unsere katholischen Freunde, dass Ehe ein Sakrament ist – also eine heilige Handlung, die etwas mit dir macht und dich verändert.
Man kann sich das so vorstellen, als wäre die Realität ein Schweizer Käse, und darin gibt es Luftbläschen der Heiligkeit. Eines dieser Luftbläschen ist die Ehe in der katholischen Theologie.
Aber du musst nicht unbedingt ein Gefühl empfinden, um verheiratet zu sein. Du musst dich nicht 24/7 verheiratet fühlen, um verheiratet zu sein. Und du hörst auch nicht auf, verheiratet zu sein, nur weil du dich gerade nicht so fühlst.
Ehe ist ein großes Ding und ändert alles, weil sie dich verändert.
Nach christlichem Verständnis ist Ehe ein besonderer Bund zwischen zwei Menschen – ein Bund in Liebe. Es ist ein Versprechen und ein Bund des Dienens. Aber Ehe ist nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern auch mit Gott. Ehe ist ein Bund zu dritt, der auf Gott ausgerichtet ist.
Wenn man darüber nachdenkt, beginnt die Bibel mit einer Hochzeit und endet mit einer Hochzeit. Die Ehe ist eines der wenigen Dinge, die uns Menschen aus dem Paradies geblieben sind. Und Gott segnet das.
Er sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Das trifft auch auf die Ehe zu.
Eine gute Ehe kann aus dir einen besseren Menschen machen – auf eine Weise, wie du es alleine nicht schaffen könntest. Gleichzeitig kann eine gute Ehe dich auch näher zu Gott bringen.
Eine Ehe gilt nach christlichem Verständnis fürs ganze Leben, also so lange, wie beide leben.
Das heißt, ab dem Moment, in dem ihr verheiratet seid, seid ihr Familie. Zwar nicht per Geburt, aber vergleichbar mit einer Adoption. In dem Moment der Adoption gehört das Kind dazu – basta.
Nur dass das Kind nach achtzehn Jahren auszieht, der Ehepartner bleibt hoffentlich dreimal so lange. Das heißt, das Kind trägst du bis zum Schulabschluss, aber den Ehepartner trägst du im Zweifelsfall bis ins Grab.
Ausblick auf weitere Beiträge und Beobachtungen zur Ehe
Wir haben in diesem Jahr noch einen Gastbeitrag von einem renommierten christlichen Eheberater geplant. Er wird viel ausführlicher und detaillierter auf das Thema eingehen und dabei seine Erfahrungen aus der Beratungspraxis teilen. Wenn ihr die Glocke unter diesem Video aktiviert, werdet ihr benachrichtigt, sobald der Beitrag erscheint. Darauf freue ich mich sehr, denn es wird eines der Highlights dieses Jahres.
Was sind nun eure und unsere Beobachtungen zu dem, was im christlichen Kontext – ja, in der christlichen Bubble – zum Thema Ehe gesagt, praktiziert und manchmal gelehrt wird?
In meiner Jugendzeit gab es zum Beispiel viele Paare, die sehr jung geheiratet haben, meist zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Das war immer mein Vorbild, und ich war eine Verfechterin des frühen Heiratens. Obwohl ich das mittlerweile etwas reflektierter sehe, finde ich es immer noch gut, wenn man sich entscheidet zu heiraten, auch wenn man jung ist. Ich weiß, dass wir beide das ein wenig unterschiedlich sehen.
Zweitens gibt es unter Christen die starke Überzeugung, dass Ehe eine Entscheidung ist. Ich beobachte, dass es in gewisser Weise die Haltung gibt: "You can always make it work." Das heißt, wenn du nur genügend Arbeit hineinsteckst, wird es funktionieren – ein Stück weit egal mit wem. Allerdings wird das häufig unter der Bedingung gesehen, dass der Partner christlich ist.
Daran anschließend dachte ich eine Zeit lang, dass mein zukünftiger Ehemann einfach zu meinem Leben dazukommen würde und sich meine Zielsetzungen, wie ich mein Leben lebe und wo ich es leben möchte, dadurch nicht ändern würden. Das führt wieder zu der Annahme, dass es vielleicht gar nicht so wichtig ist, wer der Partner konkret ist.
Viertens das Thema nichtchristlicher Partner: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir als Teenager zwar wussten, dass es besser ist, wenn der Partner Christ ist. Dennoch hatten wir unter uns schon den Gedanken im Kopf, dass sich der Partner ja auch bekehren könnte. Uns war klar, dass der Partner in der Ehe christlich sein sollte. Dennoch haben wir uns stark auf die Hoffnung gestützt, dass sich das innerhalb der Beziehung noch ändern kann und dass es deshalb nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium für eine Beziehung sein muss.
Fünftens ist da noch ein Punkt, der mir am Anfang eher in weltlichen, nichtchristlichen Zusammenhängen begegnet ist, inzwischen aber auch mehr unter Christen: Jemand hat mir vor kurzem anonym erzählt: "Warum soll ich denn heiraten? Ich muss doch nicht heiraten für Sex. Wir leben doch schon zusammen, wir haben einen Sohn, und nur wegen eines Stücks Papier und Steuervorteilen zu heiraten, ist doch dumm."
Zu den genannten Punkten wollen wir nun Stellung nehmen. Wir teilen, was wir denken, und beziehen auch einige von euch mit ein, die geschrieben haben, was eine gesunde und weise Ergänzung zu diesen Themen sein könnte.
Reflexion zum Thema Jungheiraten
Zum Thema Jungheiraten fange ich mal an.
Es gibt dieses Gerücht, das ich schon in vielen Foren gelesen habe, in Social-Media-Beiträgen immer wieder sehe, zum Beispiel auf Instagram: Angeblich wurden in der Bibel alle Menschen schon im Alter von dreizehn Jahren verheiratet. So in etwa heißt es oft.
Dazu muss ich jetzt einfach mal ganz klipp und klar sagen: Es tut mir leid, so drastisch zu sein, aber als jemand, der am Institut für Altertumswissenschaften studiert hat, müssen wir festhalten: Das ist historisch nachweislich falsch. Kein Archäologie-Professor in diesem Land wird dir bestätigen, dass die ersten Christen, die damals in Antiochien oder Ephesus lebten, zu Tausenden ihre minderjährigen Töchter verheiratet haben.
Warum das historisch so ist, erklären wir später in einem separaten Video. Drückt gern die Glocke, dann wird dir das Ganze auch angezeigt.
Ich habe ja schon gesagt, dass ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass man auch jung heiraten kann und dass das gut funktionieren kann. Aber woran ich nicht gedacht habe, ist Folgendes: Wenn ich an frühere Generationen wie meine Eltern oder Großeltern denke, die auch jung geheiratet haben, sollte man vielleicht nicht unbedingt das Alter vergleichen. Vielmehr sollte man die Lebensphase vergleichen.
Nehmen wir mal das Beispiel deiner Eltern. Sie haben beide mit 19 oder 20 Jahren geheiratet, haben dann ein Haus gekauft und sind eingezogen. Zu diesem Zeitpunkt standen sie schon voll im Job, hatten ein sicheres Einkommen, waren schuldenfrei und finanziell eigenständig mit sicheren Arbeitsverträgen.
Wenn man nun nicht das Alter, sondern die Lebenssituation betrachtet, wird der Unterschied deutlich.
Überlegt mal, wie das heute wäre. Ich zum Beispiel war 25 Jahre alt, als ich meinen ersten Vollzeitjob hatte. Überlegt einfach mal, wie das bei Menschen in unserem Alter heute ist. Aus meiner Erfahrung als Personalchef kann ich sagen: Heutzutage machen die meisten Schüler Abitur, und das wird häufig auch erwartet. Das bedeutet, die Leute sind zwischen 18 und 19 Jahren, wenn sie zum ersten Mal die Schule verlassen.
Dann kommt vielleicht noch der Wehrdienst oder Zivildienst, falls der wieder eingeführt wird. Danach macht man seinen Bachelor, der drei Jahre dauert, häufig einen Master, weil man oft einen Master braucht, um sich überhaupt auf viele Berufe bewerben zu können. Oft ist auch ein Auslandssemester erforderlich, um sich auf mehrere Jobs bewerben zu können.
So kommt man automatisch, wie ich damals, auf ein Alter von 25 oder 26 Jahren, bevor man überhaupt den ersten richtigen Job hat. Dann arbeitet man zwei bis drei Jahre in Vollzeit und beginnt vielleicht erst danach, seine Schulden aus dem Studium zurückzuzahlen, etwa BAföG und Ähnliches.
Erst mit 27 oder 28 Jahren ist man dann in der Lebenssituation, in der deine Eltern mit 19 oder 20 Jahren waren: schuldenfrei, finanziell eigenständig und mit sicheren Arbeitsverträgen. Erst dann kann man überhaupt ein Haus kaufen oder eine Familie finanzieren.
Warum das heute so ist und warum das auch mit dem heutigen Banken- und Wirtschaftssystem zu tun hat, darauf gehen wir im dritten und letzten Teil dieser Reihe ein. Drückt gern die Glocke unter diesem Video, dann wird euch das Ganze auch angezeigt.
Gedanken zur Entscheidung für den Partner
Zum Thema „Ehe ist eine Entscheidung“ ist es nicht so entscheidend, welcher Partner am Ende geheiratet wird. Was könnte man dazu noch ergänzen?
Im ersten Teil stimmen wir voll zu: Ehe ist eine Entscheidung. Wir sind beide überzeugt davon, dass Ehe nicht nur ein Gefühl ist, sondern vor allem eine bewusste Entscheidung.
Gleichzeitig ist es aber auch legitim, bei der Partnerwahl wählerisch zu sein. Es ist völlig in Ordnung, zu sagen: „Ich kann mir nicht vorstellen, diese Person als Ehemann oder Ehefrau zu haben.“ Die Frage ist doch: Warum sollte man sich das Leben unnötig schwer machen, indem man sagt, man brauche jetzt unbedingt einen Partner, obwohl man ehrlich weiß, dass es nicht passt?
Das ist der entscheidende Punkt. Man muss sich immer wieder bewusst machen: Man muss nicht heiraten. Man muss nicht unbedingt in einer Partnerschaft sein.
Wie bereits erwähnt, ist es nach neutestamentlicher Vorstellung absolut in Ordnung, Single zu sein – vorausgesetzt, man bemüht sich um Heiligkeit.
Herausforderungen bei nichtchristlichen Partnern
Ja, der nächste Punkt: Der Partner, der nichtchristliche Partner, kann sich ja noch bekehren. Was würde ich dazu sagen?
Puh, ja, dazu habe ich schon einiges gesagt. Das ist ein ganz, ganz schwieriges Thema. Letztes Jahr habe ich dazu sogar ein eigenes Video gemacht. Drücke einfach auf die Glocke, dann wird dir das angezeigt. Hier aber noch ein paar Punkte, weißt du.
Das will keiner so gern hören, aber es gibt unterschiedliche Statistiken darüber, wie wahrscheinlich eine ehrliche Bekehrung von einem nichtchristlichen Partner am Ende wirklich ist. Aus der Community, also aus dem, was ich in den letzten Jahren gelesen habe – in Leserbriefen, Kommentaren und auch Umfragen auf Instagram und YouTube – haben deutlich mehr Leute erlebt, dass eine Beziehung mit Nichtchristen dazu führt, dass die Partner selbst vom Glauben abrücken. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber mein Eindruck ist ein anderer.
Das nächste Problem ist ganz praktisch betrachtet: Wenn jemand das biblische Christentum nicht für sinnvoll hält, warum sollte er dann auf dem Weg zur Ehe nach neutestamentlichen Grundsätzen daten wollen? Und neutestamentliche Grundsätze sind – da gehen wir nochmal drauf ein – teilweise ganz anders, als man das weltlich handhabt. Das macht auch rein logisch kaum Sinn. Warum sollte ich, wenn ich zum Beispiel den Hinduismus für nicht sinnvoll halte, nach hinduistischen Maßstäben daten wollen?
Das ist schwierig. Dann ist ja auch die Frage, wie sehr mein Herz wirklich dabei ist. Im Gegenteil haben viele von euch berichtet, dass das früher oder später zu Ächtung führt und in vielen Fällen zu kaum lösbaren Konflikten.
Nur mal ein paar oberflächliche Beispiele: Es ist gerade finanziell eng, es gibt Kurzarbeit, Inflation, alles wird teurer usw. Du sagst, du willst den Zehnten geben, und dein Ehemann oder deine Ehefrau, die nicht christlich ist, denkt sich: „Hm, den Zehnten geben für Gott, an den ich nicht glaube? Ich weiß nicht, das Geld könnten wir auch für etwas anderes verwenden.“ Das kann ich auch verstehen.
Oder bei der Kindererziehung: Das wird ein Spaß. Du willst in den Gottesdienst gehen, dein Partner will lieber einen Ausflug machen. Das sind nur harmlose Beispiele.
Der entscheidende Punkt, an den aber zu wenige Leute denken und der meiner Erfahrung nach zu wenig thematisiert wird, ist Folgendes: Gott ist in der Bibel ganz und gar gegen eine Beziehung zwischen einem Gläubigen und einem Nichtgläubigen. Und das steht nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen Testament.
Dazu nur ein Gedankenanstoss: Die Sorge um die Rettung des Anderen. Im biblischen Christentum geht es doch darum, dass du und ich beim Jüngsten Gericht freigesprochen werden können von unseren Verbrechen gegen die heiligen Gesetze. Wir können freigesprochen werden von der Verantwortung für alles Leid, alle Ungerechtigkeit und alle Unheiligkeit, die wir in die Welt gebracht haben. Diesen Freispruch brauchen wir als Sünder.
Wenn ich jetzt aber nicht wirklich, steinauf, beinauf und felsenfest weiß, dass der Mensch, der mir im Leben am nächsten ist, beim Jüngsten Gericht freigesprochen wird, sondern sich für seine eigenen sündigen Taten verantworten muss – die er genauso hat wie ich – und ich ernsthaft die Sorge habe, dass dieser Mensch in die Hölle kommt, glaubst du nicht, dass das etwas mit dir macht?
Das ist ein schwieriges Thema. Wie gesagt, wir haben das Video dazu hier verlinkt. Überleg dir das wirklich gut.
Die Bedeutung gemeinsamer Lebensgestaltung in der Ehe
Was denken wir über den anderen Punkt nach, nach dem Motto: Ich heirate, ich date, und mein Partner kommt einfach dazu. Es wird sich ja nicht viel ändern, und in dem Sinne ist es egal, welcher Partner es ist. Das habe ich mittlerweile etwas mehr durchdacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es sogar wirklich fatal sein kann, wenn man denkt, der Partner komme einfach nur dazu.
Natürlich bleiben ja beide Individuen, die unterschiedliche Wünsche, Hobbys und Interessen haben dürfen. Das ist auch gut so. Aber ihr schreibt nicht einfach ein neues Kapitel einer schon bestehenden Familiengeschichte fort, sondern ihr schreibt ein komplett eigenes, neues Buch.
Dieses Buch kann vielleicht auch Teil einer bestehenden Buchreihe sein, also in der Familiengeschichte. Ja, und definitiv auch mit wiederkehrenden Charakteren, mit Verwandten, die auch in tragenden Nebenrollen auftreten. Alles gut, aber es ist trotzdem etwas Neues und ein eigenes Buch – kein Kapitel, sondern ein Buch.
Das bedeutet, dass du keineswegs automatisch davon ausgehen kannst, einfach so weiterzuleben, wie du es bisher gemacht hast oder wie du es vielleicht von deinem Zuhause kennst. Denn was ist, wenn dein Partner das auch so macht? Er kommt aus einem anderen Hintergrund, mit eigenen Zielsetzungen und Vorstellungen für sein Leben.
In der Ehe bildet ihr selbst die neue Kernfamilie. Was deine Prägungen sind und was ihr in der Familie schon immer so gemacht habt, darf zwar im gegenseitigen Einvernehmen gern so übernommen werden. Aber es zählt nicht mehr als alleiniges Argument. Was zählt, ist, was du und dein Ehepartner euch gemeinsam wünschen – für eure Ehe, für eure Familie.
Das heißt, es ist umso wichtiger, dass eure Vorstellungen in den großen Dingen übereinstimmen. Darauf kommen wir auch nachher noch einmal zurück. Denn im Extremfall, wenn eure Vorstellungen überhaupt nicht zusammenpassen und jeder einfach so weiterlebt, wie er es bisher gemacht hat oder von seiner Familie kennt, dann lebst du – überspitzt formuliert – eine Ehe mit deinem Single-Dasein oder mit deiner Familie, aber nicht mit deinem Mann oder deiner Frau.
Autsch, lass dir das mal auf der Zunge zergehen!
Deshalb heißt es ja ganz am Anfang der Bibel: „Darum verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter und bindet sich an seine Frau.“ Das bedeutet eben auch, dass man seine eigenen Prägungen ein Stück weit neu bewerten muss und vielleicht auch überlegen sollte, ob es einem das wert ist oder ob man sie verlassen will.
Kritik an der Motivation zur Heirat
Warum sollte ich überhaupt heiraten – nur für ein Stück Papier? Oder sollte ich einfach nur wegen der Steuervorteile heiraten? Was könnte man dazu noch sagen?
Zunächst einmal finde ich es problematisch, wenn wir sagen „Heiraten für oder um...“, also wenn wir denken, die Ehe müsse uns etwas geben. Sie müsse sich für uns lohnen, damit wir uns dafür entscheiden. Um das klarzustellen: Ja, es stimmt, du musst dich nicht dafür entscheiden zu heiraten. Du darfst auch Single bleiben.
Aber wenn du in einer Partnerschaft leben willst und Christ bist, dann geht das eben nur nach Gottes Spielregeln. Das Konzept, das er für das Leben in einer Partnerschaft geschaffen hat, ist nun mal die Ehe. Und wenn er der Erfinder dieses Konzepts ist, dann darf er auch bestimmen, was alles dazu gehört.
Und genau das hat er ja gemacht. Dazu gehört völliges Einssein mit Körper, Geist und Seele. Was bedeutet das praktisch? Praktisch bedeutet das: Sex erst in der Ehe. Es bedeutet auch gemeinsame Finanzen, gemeinsame Konten, gemeinsame Altersvorsorge, Investments – all das erst in der Ehe. Ebenso die Lebensteilung, wozu auch das Zusammenwohnen gehört.
All diese Dinge, wie gemeinsame Konten oder gemeinsame Namen, macht man ja auch nicht vorher.
Vielleicht denkst du jetzt: „Naja, das habe ich alles schon mal gehört – kein Sex vor der Ehe und so weiter. Aber wo steht das eigentlich?“ Die Antwort findest du in den biblischen Prinzipien zur Sexualität. Dort ist genau aufgegliedert und werden die häufigsten Fragen beantwortet, wo das eigentlich steht.
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Und die Steuervorteile? Ja, die machen schon einen Unterschied. Aber das ist eher ein netter Nebeneffekt vom Staat. In der Entscheidung, ob du heiratest oder nicht, sollte das ehrlich gesagt keine Rolle spielen.
Ich denke, wenn wir uns entscheiden, einen oder mehrere dieser Aspekte, die du gerade genannt hast, außerhalb der Ehe zu leben, dann rauben wir der Ehe ihre ganz für sie reservierten Eigenschaften. Und dann beschweren wir uns, dass die Ehe uns nichts mehr zu bieten hat – dass sie nicht mehr als ein steuerliches oder vielleicht romantisches Konzept ist. Das finde ich irgendwie unfair.
Das ist im Grunde so, als ob jemand eine Bank ausraubt. Er stiehlt hier mal ein bisschen, dort ein Drittel und noch mal ein Drittel. Und dann kommt er eines Tages ohne Maske, ganz normal als Zivilist, als Kunde in die Bank und möchte etwas abheben. Die Bank sagt ihm: „Tut mir leid, wir können dir nichts geben, der Tresor ist leer.“
Das heißt, der Bankräuber hat bereits alles, was die Bank ihm geben konnte, bei sich zu Hause gehortet und beschwert sich dann darüber, dass die Bank ihm nichts Neues mehr geben kann. Verstehst du, was ich meine?
