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Verlobung, Heimholung, Hochzeitsnacht

Jesu Leben und Lehre | Episode 037
Lukas 1,8003.05.2021
Wenn Enttäuschung dich trifft: Josef reagiert nicht mit Wut, sondern denkt nach. Genau in dieser Ruhe öffnet sich der Weg für eine überraschende Wahrheit, die alles verändert.

Rückblick auf den Übergang von Johannes zu Jesus

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 37: Verlobung, Heimholung, Hochzeitsnacht.
Die letzten Episoden beschäftigten sich alle mit der Geburt von Johannes dem Täufer, beziehungsweise mit dem prophetischen Lobpreis seines Vaters Zacharias. Mit Lukas 1 sind wir heute fertig. Auch wenn es dort noch heißt: Lukas 1,80: „Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geist und war in der Einöde bis zum Tag seines Auftretens vor Israel.“
Auch wenn hier der Sprung nach vorne im Leben von Johannes dem Täufer gemacht wird, werden wir uns jetzt nicht weiter mit Johannes beschäftigen, sondern wir machen chronologisch mit dem Leben Jesu weiter. Das heißt, wir verlassen das Lukasevangelium und springen zu Matthäus.
Während Lukas Marias Geschichte erzählt, dreht sich bei Matthäus alles um Joseph. Matthäus 1. Die Genealogie am Anfang haben wir schon besprochen, also machen wir weiter mit Vers 18. Matthäus 1,18-25.

Die überraschende Nachricht und ihre erste Deutung

Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Joseph verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden vom Heiligen Geist. Joseph aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte, sie heimlich zu entlassen. Während er aber dies überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist vom Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden. Dies alles geschah aber, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emanuel nennen, was übersetzt ist: Gott mit uns. Josef aber, vom Schlaf erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn geboren hatte; und er nannte seinen Namen Jesus.
Chronologisch gehört dieser Abschnitt zwischen das Ende von Lukas I und den Anfang von Lukas II. Lukas II beschreibt die Geburt Jesu, und Lukas I, wie Maria, eben erst schwanger geworden, ihre Verwandte Elisabeth besucht. Lukas I endet circa sechs Monate vor der Geburt des Herrn Jesus mit der Geburt von Johannes dem Täufer, und das ist die Zeit, zu der Maria wieder aus Judäa im Süden nach Nazareth in Galiläa im Norden zurückkehrt. Sie ist jetzt im dritten oder vierten Monat schwanger, und man kann davon ausgehen, dass ihre Schwangerschaft langsam sichtbar wird.
Wir wissen nicht, wie Joseph von der Schwangerschaft erfuhr, aber es muss zuerst einmal ein Schlag gewesen sein. Seine Maria war fremdgegangen, zumindest musste er das glauben, denn er wusste ja, dass er nicht der Vater des Kindes war. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Maria ihm die ganze Geschichte erzählte, das mit dem Engel und der Schwangerschaft durch den Heiligen Geist. Aber glaubhaft war das für ihn natürlich nicht.
Immerhin war sie gerade ein Vierteljahr in Judäa gewesen. Vielleicht hatte sie dort jemanden kennengelernt. Wir können uns gut vorstellen, was Josef durch den Kopf ging. Und ist es nicht so: Je mehr du von der Tugendhaftigkeit und Frömmigkeit deiner Frau überzeugt bist, desto mehr verletzt es dich, wenn du feststellst, dass du dich geirrt hast? Die ganze Angelegenheit muss für ihn ein absoluter Schock gewesen sein.

Was Verlobung damals bedeutete

Ein Wort zu der Formulierung: „Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Joseph verlobt war.“
Verlobt. Für heutige Ohren ist der Begriff irreführend. Eigentlich müsste hier stehen: verheiratet. Für uns ist eine Verlobung keine Ehe, sondern nur ein Eheversprechen, und dazu noch eines, das nicht sonderlich verbindlich ist.
Eine Verlobung kann ich auflösen, einfach so. Ich muss nur sagen: Wir sind nicht mehr verlobt. Und dann ist es mit der Verlobung vorbei. Mit einer Verlobung ergeben sich nach deutschem Recht für die zukünftigen Ehepartner keine besonderen Rechte, aber auch keine besonderen Pflichten. Und eine Verlobung führt auch nicht automatisch zu einer Ehe. Es gibt nach einer Verlobung keinen Rechtsanspruch auf eine Eheschließung.
So ist das bei uns. Aber so war das nicht zur Zeit Jesu. Zur Zeit Jesu war eine Eheschließung nicht etwas, das man an einem Tag vor dem Standesamt erledigte. Eine Eheschließung umfasste damals die Verlobung, die Heimholung und die Hochzeitsnacht. Drei Teile.
Die Verlobung war der rechtliche Teil. Mit der Verlobung war man vor dem Gesetz Mann und Frau, aber man wohnte noch nicht beieinander. Das kam Monate später mit der Heimholung. Der Bräutigam zog los und holte seine Braut zu sich. Dann wurde gefeiert, und dann erst kamen die Eheleute in der Hochzeitsnacht das erste Mal zusammen.
Übrigens war die Trennung der Eheleute vor der Hochzeitsnacht in Galiläa besonders streng. Man kann sich also das Erstaunen von Josef vorstellen, als er feststellte, dass Maria schwanger war.

Josefs Entschluss und sein innerer Konflikt

 Matthäus 1,18-19
Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden, von dem Heiligen Geist.
Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte, sie heimlich zu entlassen.
Josef will Maria heimlich entlassen. Entlassen heißt: Ich lasse mich scheiden. Ich als Ehemann gebe meiner Ehefrau den Scheidebrief und schicke sie weg.
Formal hätte Josef den Ehebruch Marias verfolgen lassen können. Im mosaischen Gesetz steht auf Ehebruch die Todesstrafe. Jetzt wissen wir nicht genau, inwiefern es den Juden unter römischer Besatzung noch erlaubt war, eine Ehebrecherin zu steinigen. Klar ist aber durch den Mord an Stephanus, dass ein Mob jeden umbringen konnte.
Maria befand sich also aufgrund ihrer Schwangerschaft in Lebensgefahr, aber sie hatte den richtigen Mann geheiratet. Josef war kein selbstgerechter Egomane, dem es jetzt vor allem darum ging, Rache zu üben und seine Ehre wiederherzustellen.
Josef denkt darüber nach, was er tun soll, und entscheidet sich für eine heimliche Scheidung. Kein großes Aufsehen, aber eben auch das Aus für die Beziehung.
Im Text heißt es: ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte. Seine Liebe zur Gerechtigkeit fordert die Scheidung. Aber seine Liebe zu Maria lässt es nicht zu, dass er sie zum Gespött macht und sich an ihr abreagiert. Und doch ist der Entschluss in seinem Herzen gefasst. Er will sich scheiden lassen.

Besonnenheit statt Impulsivität

Und dann heißt es in Vers zwanzig: während er dies aber überlegte.
Und lass mich deshalb die heutige Episode damit beenden, dass Joseph hier nicht als Hitzkopf dargestellt wird. Ich meine, die Situation ist klar, zu klar. Aber er denkt nach, bevor er handelt. Ich finde das absolut großartig.
Deshalb großartig, weil Josef unterstreicht, wie wichtig es ist, besonnen zu bleiben, wenn Probleme besonders groß werden. Der Weise handelt nicht impulsiv. Er kann seine Gefühle beherrschen. Oder wie es Salomo formulieren würde: Sprüche 12,16. Wenn ein Dummkopf gekränkt wird, zeigt er seinen Ärger sofort. Kluge beherrschen ihre Gefühle. Oder Sprüche 29,11. Der Dummkopf gibt jedem Ärger freien Lauf, der Weise kann sich beherrschen.
Und genau das sehen wir bei Joseph. Er ist kein Dummkopf. Er kann sich beherrschen. Er überlegt. Und weil er sich Zeit lässt, weil er nicht aus der ersten Enttäuschung heraus gleich die Ehe beendet, weil er über die Angelegenheit erst einmal schläft, deshalb kann er im Traum einem Engel begegnen.

Schlussgedanken und Ausblick

Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, ob du dich im Umgang mit Verletzungen öfter einmal wie ein Dummkopf aufführst, indem du deinem Ärger freien Lauf lässt.
Das war’s für heute. Wenn es für dich noch nicht normal ist, Bibelverse auswendig zu lernen, fang doch heute damit an. Eine Liste der ersten dreihundert findest du auf frogwords.de.
Daher segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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