Einführung in das Thema der göttlichen Führung
Und damit willkommen beim Bibelfit-Dienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.
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Heute zu Gast ist mein Kollege Waldemar Justus. Er ist Familienvater und Saxophonspieler, aber auch Evangelist, Pastor und Theologiedozent. Waldemars Großvater war bereits Baptistenpastor in der damaligen Sowjetunion. Das stelle ich mir nicht leicht vor.
Waldemar ist nach seiner Berufsausbildung und seinem Studium dem Ruf Gottes gefolgt und selbst Pastor geworden – und zwar in einer herzlichen, aber damals schwindenden und älteren Gemeinde in einer Kleinstadt bei Freiburg.
Dort hat Waldemar als junger Pastor angefangen und über ein Jahrzehnt lang treu das Wort Gottes gepredigt – Sonntag für Sonntag, Vers für Vers, Kapitel für Kapitel, Buch für Buch. Meistens dauerten seine Predigten zwischen vierzig und siebzig Minuten. Man sagt ja angeblich, dass das in der heutigen Zeit gar nicht funktionieren kann, dass das moderne Menschen abschrecken würde und so weiter.
Was ist das Ergebnis? Heute, nach über einem Jahrzehnt, ist die Christusgemeinde Emmendingen unter Waldemars Leitung so stark angewachsen, dass selbst die Räumlichkeiten schon nicht mehr ausreichen.
Aus der ehemaligen Rentnergemeinde, so war es ja, gibt es jetzt eine große Mehrgenerationen-Kinder- und Jugendarbeit. Gottesdienstbesucher fahren teilweise zwei Stunden, um am Gemeindeleben und den Gottesdiensten teilzunehmen. Halleluja!
Auch in den sozialen Medien wurden Waldemars Predigten inzwischen etwa eine Million Mal von Christen in Deutschland angehört.
Ich könnte jetzt noch mehr erzählen, aber lass uns lieber hören, was Waldemar zu sagen hat. Das Thema, um das ich ihn gebeten habe, uns aus der Bibel zu zeigen, lautet: Wie können wir uns von Gott leiten lassen?
Wir hatten im Vorfeld ein paar technische Störungen hier mit der Technik, aber ich hoffe, dass jetzt alles klappt.
Also leg dir schon mal deinen Zettel, deinen Stift und deine Notiz-App bereit, denn wir starten jetzt!
Lieber Waldemar, vielen Dank, dass du dich heute dazu geschaltet hast. Wir sind sehr gespannt, was du uns aus Gottes Wort mitbringst.
Die Notwendigkeit, sich von Gott führen zu lassen
Ja, vielen Dank. Unser Thema, das wir heute behandeln wollen, lautet „Sich von Gott führen lassen“. Ich denke, dieses Thema wird früher oder später jeden Christen beschäftigen.
Ganz zu Beginn, um eine Grundlage für dieses Thema zu schaffen, ist es wichtig, das schlichte Bekenntnis auszusprechen, dass ich selbst nicht Gott bin. Ich bin nicht König über mich selbst und das, was mich ausmacht. Zum Beispiel ist mein Herz nicht göttlich.
Vielleicht hast du schon einmal gehört, dass es in christlichen Kreisen manchmal den Slogan „Hör auf dein Herz“ gibt. Das sehen wir auch in der Werbung, im säkularen Bereich und sogar im kirchlichen Bereich. Man nimmt an, hier sei das Reine, das Gute, das Wahre, und wenn du diesem treu bist, dann bist du irgendwie gotttreu.
Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einer Person, die sich ganz frisch aus der Esoterik befreit hat. Über Jahrzehnte war diese Person dort gefangen. Sie beschrieb, wie die Überzeugung dort ist, dass alles, was mich ausmacht, auch göttlich sei und dass ich in Übereinstimmung mit mir selbst kommen müsse.
Die Bibel zeichnet jedoch ein ganz anderes Bild. In Jeremia 17,9 lesen wir: „Trügerisch ist das Herz mehr als alles und unheilbar ist es; wer kennt sich mit ihm aus?“ Das, was die Bibel über unser Herz sagt, ist nicht, dass es vertrauenswürdig, neutral oder rein wäre. Wenn wir einfach in uns hineinhören, bekommen wir nicht automatisch die Führung für unser Leben.
Aus diesem Grund scheint es mir auch wichtig, dass Salomo in den Sprüchen, als er zu seinen Söhnen schreibt, sagt, sie sollen ihr Herz bewahren. Sie sollen ihr Herz in eine richtige Richtung lenken und es nicht einfach laufen lassen.
In Sprüche 22,17 lesen wir zum Beispiel: „Neige dein Ohr und höre die Worte von Weisen und richte dein Herz auf meine Erkenntnis.“ Das Herz braucht also eine Kurskorrektur. Man muss es in die richtige Richtung bringen, weil sonst viele Dinge passieren können, die wir nicht wollen und die Gott nicht möchte. Wir können dann nicht sagen, Gott habe das so geführt und gewollt.
Um diesen Themenkomplex abzurunden, lesen wir in Sprüche 23,19: „Höre, du mein Sohn, und werde weise, und leite dein Herz den geraden Weg.“ Das finde ich wunderbar, wie die Bibel uns darauf hinweist, dass unser Herz erzogen werden muss. Es soll nicht einfach freilaufen. Es reicht nicht, einfach nur in sich hineinzuhören.
Stattdessen sollen wir unser Herz nehmen und es auf den richtigen Weg richten, um sicherzustellen, dass wir uns auch von Gott führen lassen.
Die Bibel als zentrales Hilfsmittel der Führung
Das ist für mich das Grundlegende, was wir beachten müssen, damit wir am Ende dieser Folge sicherstellen können, wie wir uns eigentlich von Gott führen lassen. Dabei müssen wir sehen, dass die Bibel uns einige Werkzeuge an die Hand gibt, um sicherzustellen, dass Gott unser Leben führt.
Ich denke, das Grundlegendste und vielleicht das Allerwichtigste von den Hilfsmitteln ist Gottes Wort selbst. Die Bibel, die Heilige Schrift, ist das, was Gläubige zu allen Zeiten zu Rate gezogen haben, um sicherzustellen, dass ihr Leben wirklich in der Hand Gottes ist und dass die Wege und die Dinge, die wir tun, im Einklang mit dem Herzen Gottes stehen.
Wir brauchen die Bibel, um den Willen Gottes für unser Leben zu erkennen und um sicherzustellen, dass wir von Gott geführt werden. Vielleicht ist eine der wichtigsten Stellen dafür Psalm 119, Vers 105, wo es heißt: „Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad.“ Wenn du Licht in die Dunkelheit bringen möchtest, in die Frage, wie du sicherstellen kannst, dass dein Leben von Gott geführt wird, dann ist Gottes Wort das Werkzeug, das Licht in die Finsternis bringt, damit du weißt, in welche Richtung du laufen sollst.
Meine Oma hat, als sie noch lebte und ich noch klein war, ein nettes Spiel mit uns Enkeln gespielt. Sie hat Psalm 119 aufgeschlagen und uns gebeten, eine Zahl von 1 bis 176 zu nennen. Markus, weißt du, warum bis 176? Vermutlich, weil das die Anzahl der Verse in diesem Psalm ist. Ganz genau richtig. In diesem Bereich sollten wir eine Zahl nennen.
Als ich das erste Mal mitspielte, war ich noch sehr klein und habe einfach die Zahl 100 genannt. Ich fand das irgendwie nett. Dann hat meine Oma mir folgenden Zuspruch vorgelesen: „Klüger bin ich als die Alten, das habe ich gefeiert.“ Den Rest habe ich damals überhört, aber der wurde später für mich wichtig: „Klüger bin ich als die Alten, denn deine Vorschriften habe ich gehalten.“
Hier zeigt sich in der Bibel, dass Gottes Wort uns klug machen kann. Das Alter ist nicht das Entscheidende, sondern wie nah ich am Wort Gottes bin. Es geht weiter im Psalm 119, das ist ein beherrschendes Thema in diesem ganzen Psalm: Vers 104 „Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht“, Vers 130 „Die Eröffnung deiner Worte leuchtet, sie gibt Einsicht den Einfältigen“.
In Sprüche 2, Vers 6 lesen wir: „Denn der Herr gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Verständnis.“ Wir sehen also, dass das Wort Gottes das ist, was Gott der Welt zu sagen hat, was er gesprochen hat und was uns helfen soll.
Die Bibel macht uns keinen Vorwurf, und Gott macht uns keinen Vorwurf, wenn wir einfältig sind, wenn wir manchmal schwer von Begriff sind, die Dinge nicht erkennen oder nicht gut und böse unterscheiden können. Stattdessen gibt sie uns etwas an die Hand, das wir nehmen dürfen und sollen, nämlich die Worte aus dem Munde Gottes.
Interessant ist, dass Jesus selbst in einer schwierigen Situation, ganz zu Beginn seines Dienstes, bevor es richtig losging, von Satan in der Wüste versucht wurde. Immer wenn er attackiert wurde und ein falscher Weg ihm gezeigt werden sollte, hat er immer wieder mit dem Wort Gottes geantwortet. Er hat die Bibel benutzt, um Licht in diese finstere Versuchung zu bringen und einen klaren Pfad vor sich zu haben.
In Matthäus 4, Vers 4 lesen wir: „Jesus aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.“
Ich finde es sehr interessant, wie Jesus die Bibel betrachtet und welches Schriftverständnis er hat. Jesus schaut die Schriftrollen an und sagt, dass das, was wir dort finden und lesen, aus dem Munde Gottes kommt. Wenn uns das nicht Führung für unser Leben gibt, sind wir verloren. Wenn wir uns von dieser Quelle abschneiden, können wir nicht sagen, dass wir uns von Gott führen lassen.
Wir sehen, dass dieselbe Überzeugung, die Jesus hatte, von den Jüngern und Aposteln weitergeführt wurde. Eine bekannte Passage, die sicherlich auch in deinem Podcast oft zur Sprache kommt, ist 2. Timotheus 3, Verse 16-17. Paulus sagt dort: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig ist, für jedes gute Werk ausgerüstet.“
Der ganze Tag ist voller Möglichkeiten und Potenziale, die wir ausschöpfen sollen. Wenn wir das tun wollen, sollten wir auch ausgerüstet sein. Alle Schrift ist nützlich, damit wir ausgerüstet sind. Darum muss die Bibel nach meinem Dafürhalten auch die Autorität, die maßgebliche und finale Autorität in allen Belangen sein, um sicherzustellen, dass mein Leben in Gottes Hand ist, von Gott geführt wird und dass Gott uneingeschränkt Einfluss auf mein Leben hat.
Interessant ist auch, dass Jesus in Johannes 14, Vers 26 davon spricht, dass die Worte, die er weitergegeben hat, uns immer wieder in Erinnerung gerufen werden und uns helfen sollen: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“
Das heißt, das, was wir im Alten und Neuen Testament finden, das, was niedergeschrieben wurde, daran werden wir erinnert. Das ist das, womit Gott arbeitet. Wenn du Führung von Gott in deinem Leben erleben möchtest, erinnere dich daran, dass Jesus gesagt hat, der Heilige Geist wird euch daran erinnern, was er gesagt hat.
Wenn ich an etwas erinnert werden möchte, muss ich es auch gehört haben und wissen. Wenn ich mich nicht mit den Worten von Jesus beschäftige, gibt es nichts, was abgerufen werden kann. Menschen, die es sich zur Gewohnheit machen, Gottes Wort als ihren Wegbegleiter zu sehen, werden erleben, dass Gott dieses Werkzeug benutzt, um seine Gedanken wieder in Erinnerung zu rufen und uns konkrete Wegführung zu geben.
Das ist, würde ich sagen, der größte und zentralste Punkt.
An dieser Stelle muss man nur auf eine Sache Rücksicht nehmen: Wir haben eben in 2. Timotheus gesehen, dass alle Schrift nützlich ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Schrift alles ist, was nützlich ist. Der Satz ist etwas tricky: Alle Schrift ist nützlich, aber es heißt nicht, die Schrift ist alles, was nützlich ist.
Worauf möchte ich hinaus? Es gibt noch viele weitere Dinge, die nützlich sind, um sicherzustellen, dass wir ein Leben in Übereinstimmung mit Gottes Willen führen oder von Gott geführt werden. Zum Beispiel haben Gebet, der Rat anderer Christen, der gesunde Menschenverstand, Umstände, unser Gewissen und der Heilige Geist einen Nützlichkeitswert.
Ich möchte kurz auf diese Punkte eingehen. Mir ist wichtig festzuhalten: Die Bibel ist genug, um uns auszurüsten. Und das Interessante ist, ich nenne diese Dinge nicht nur wegen persönlicher Erfahrungen, sondern weil die Bibel uns darauf hinweist, dass wir von ihnen Gebrauch machen sollen, damit wir Gottes Führung erleben.
Gleichzeitig markiert die Bibel den Standard für alle Impulse, die wir durch diese anderen nützlichen Dinge empfangen. Die Bibel ist sozusagen der goldene Standard. Wenn wir uns fragen, wie wir die Impulse bewerten können, ob sie weise, gerecht und gut in Gottes Augen sind, brauchen wir die Bibel als Messlatte und Richtschnur, um sie beurteilen zu können.
Gebet als Mittel der göttlichen Führung
Und wenn du einverstanden bist, würde ich die nächsten Aspekte so durchgehen. Absolut, absolut.
Okay, ich möchte dich hier nicht irgendwie zustopfen. Ich denke, dass Gebet in der Bibel immer wieder als ein nützlicher Faktor erwähnt wird, damit wir die Führung Gottes in unserem Leben feststellen oder festmachen können.
Jesus selbst spricht davon in Matthäus 6,6: „Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“ Gott ist dort zu finden, und er möchte uns auch belohnen für die Zeit, die wir im Gebet investieren.
Was soll das Gebet unter anderem kennzeichnen? Jesus spricht dann weiter vom Vaterunser. Dort sollen wir zum Beispiel auch beten: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Das ist ein sehr proklamatives, man könnte sagen, ein aufforderndes Gebet. Es ist eigentlich ein sehr, sehr forsches Gebet. Das Vaterunser ist voll von Imperativen – so nach dem Motto: „Herr, tu dies, Herr, tu das.“ Es ist eigentlich sehr interessant, wie Jesus uns lehrt zu beten und mit welcher Haltung wir dabei ankommen.
Es ist ein bisschen so, wie Kinder mit ihren Eltern reden: „Ich brauche das, kannst du das jetzt?“ Und wir als Eltern sagen dann schnell: „Bitte sag’s höflich, bitte sag’s freundlich.“ Das Vaterunser ist sehr forsch angelegt. Auf jeden Fall sehen wir, dass wir beten sollen – auch um Führung und auch darum, nicht in Versuchung geführt zu werden. Aber das ist noch einmal ein eigenes Thema, das wir vielleicht ein anderes Mal besprechen können.
Auf jeden Fall geht es später weiter in Matthäus 7,7, wo Jesus das Beten noch einmal aufgreift. Dort sehen wir, was auch im Verborgenen in der Gemeinschaft mit unserem Vater passieren soll. Es heißt dort: „Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden.“
Das bedeutet, wir kamen eben gerade davon, dass alle Schrift inspiriert und nützlich ist. Aber die Schrift sagt uns auch, dass das Gebet nützlich ist, um die Führung Gottes in unserem Leben sicherzustellen. Das bedeutet nicht, dass das Gebet in Konkurrenz zur Schrift steht. Die Schrift weist uns vielmehr auf das Gebet hin, damit wir in Kommunikation mit unserem Vater im Himmel treten, bitten, suchen und anklopfen.
Wenn wir Wegweisung für unser Leben wünschen, dann gefällt es dem Allmächtigen, dass wir bei ihm sind, im Verborgenen, und zu ihm rufen und zu ihm schreien, damit er sich offenbart.
In Jakobus 1,5 finden wir auch diese Wahrheit: „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden.“
Das bedeutet konkret, dass wir als Christen, wenn wir reife und weise Christen sein wollen, viel Gottes Wort brauchen, um weise Entscheidungen treffen zu können. Aber es gibt manchmal Situationen, in denen wir uns nicht so gut orientieren können, weil wir keine klare Antwort finden. Vielleicht kennst du auch solche Situationen, in denen du nicht auf eine Bibelstelle zeigen kannst und sagen kannst: Das ist die Antwort auf die Frage, mit der ich gerade konfrontiert bin.
Was bedeutet das jetzt für uns? Sind wir völlig verloren? Die Bibel sagt: Wenn es uns an Weisheit mangelt, dann sollen wir den Vater bitten. Wir sollen Gott bitten, und er gibt allen willig. Er macht keine Vorwürfe, wenn du gerade etwas verloren bist in deinen Gedanken. Du sollst die Erwartung haben, dass Gott ein kommunikativer Gott ist und dir die Weisheit für diese Situation geben wird.
Das geht so weit, dass Paulus – aber das führt jetzt zu weit – im 1. Korinther 5 eine schwierige Situation in der Gemeinde beschreibt, die schwer zu handhaben ist. Dort gibt es einen heftigen Streit, und er macht der Gemeinde den Vorwurf: Gibt es hier keinen Weisen, der unter euch entscheiden kann?
Ich war selbst einmal in einer solchen Situation als Pastor, in der ich dachte, ich sei nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Ich fühlte mich nicht fähig, Wegweisung als Hirte zu geben. Dann habe ich mich an das Wort von Paulus im 1. Korintherbrief erinnert – ich glaube, es ist Kapitel 5, möchte mich aber nicht festnageln lassen – und auch an Jakobus 1.
Weisheit ist da. Sie ist verborgen in Christus. Diese Schätze der Weisheit sind bei ihm, und er kann uns in unseren Situationen helfen. Das heißt nicht, dass es sofortige Lösungen gibt, dass es auf Fingerschnipsen geschieht oder auf Abruf. Aber Gott lässt sich bitten, und er lässt sich finden.
Ich denke, dass wir das Gebet auch in Anspruch nehmen dürfen und sollen, wenn wir Führung für unser Leben wünschen.
Du hast Waldemar gehört: Gebet ist ein entscheidender Schlüssel. Hier haben wir dir den Gebetspfad für dein Zuhause zusammengestellt, wie du Beten von Neuem lernen kannst – so habe ich es damals auch gelernt.
Diesen Pfad kannst du gerne für deinen Hauskreis, deine Familie oder für Gebetsgemeinschaften in eurer Gemeinde nutzen. Er ist komplett gratis. Klicke dafür einfach auf den ersten Link hier unter diesem Video.
Der Rat anderer Christen als Wegweiser
Und weiter mit Waldemar. Ein weiterer Aspekt, der auch ein kommunikativer ist, betrifft nicht das Gespräch mit Gott im Gebet an dieser Stelle, sondern das Gespräch mit anderen Christen.
In der Bibel wird es tatsächlich als sehr löblich angesehen, den Rat anderer weiser Ratgeber zu suchen. Deshalb ist für unser Leben entscheidend, mit welchen Menschen wir uns umgeben. Wen nennst du Freund? Wer hat Einfluss auf deine Gedankenwelt? Wem teilst du deine Geheimnisse an?
Nur wenn die Menschen, denen du Einblick in dein Leben gibst, sich als weise und reif erwiesen haben und Gottes Führung in ihrem Leben sichtbar wird, kannst du sicherstellen, dass du auch einen weisen Rat für dein Leben bekommst.
Deshalb ist es ein Appell, besonders an die jungen Leute, die deinen Kanal anschauen: Prüft, mit wem ihr euch umgebt, wer Einfluss auf eure Gedanken hat und von wem ihr Rat bezieht.
In Sprüche 11,14 heißt es: „Wo es an Führung fehlt, kommt ein Volk zu Fall; doch Rettung kommt durch viele Ratgeber.“ Hier berühren wir auch einen seelsorgerlichen Aspekt. Seelsorge hatte schon in der frühen Gemeinde einen hohen Wert. Auch heute ist es gut, wenn sich Christen zu Seelsorgern ausbilden lassen, um Ratgeber in der Gemeinde zu sein und Menschen göttliche Führung in persönlichen Lebensfragen anzubieten.
In Römer 15,14 macht Paulus das für die Christen in der Gemeinde in Rom deutlich. Dort schreibt er: „Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst im Blick auf euch überzeugt, dass ihr voller Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, einander zu ermahnen und zu korrigieren.“
Manchmal sind wir in Situationen, in denen wir einfach nicht mehr wissen, wie es weitergeht. Vielleicht haben wir uns verlaufen und wissen keinen Ausweg mehr. Wie kommen wir aus dieser Misere heraus? Wie finden wir wieder den geraden Pfad?
Paulus ist überzeugt, dass wir in die Lage versetzt werden können, mit aller Erkenntnis erfüllt zu sein. So sind wir fähig, einander zu ermahnen und auf den richtigen Weg zurückzuführen.
Der Rat durch andere Christen ist also ein wesentliches Werkzeug, um göttliche Führung in seinem Leben zu erfahren. Als Pastor muss ich natürlich auch Hebräer 13,17 erwähnen. Pastoren lieben diesen Vers. Dort heißt es: „Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen, denn sie wachen über eure Seelen als diejenigen, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freude und nicht mit Seufzen tun, was euch nicht nützt.“
Gott hat geistliche Leiter eingesetzt, die uns Wegweisungen für unsere Lebensentscheidungen geben.
Dabei müssen wir natürlich aufpassen. Hier kommt auch das zur Anwendung, was ich eingangs sagte: Wie wichtig der goldene Standard der Schrift ist. Andere Christen können Fehler machen. Auch Pastoren sind nicht heiliger als andere Christen. Sie können Fehleinschätzungen treffen und übergriffig sein.
Manche nehmen sich das Recht heraus, mit Autorität in dein Leben hineinzusprechen, wo sie diese Autorität nicht haben sollten. Einige fühlen sich dann gezwungen, ihrem Pastor in einer bestimmten Frage unbedingt zu folgen, obwohl ihre Schrifterkenntnis, also Gottes Wort, etwas anderes sagt.
Wenn du mit deinem Pastor im Konflikt stehst, kann das sogar ein Problem mit dem Herrn bedeuten. Das ist eine sehr perverse Situation, in der sich Menschen befinden können. Leider gibt es viel Missbrauch in diesem Bereich.
Deshalb habe ich diese Session mit dir begonnen: Nicht mit dem Rat durch andere Christen, sondern mit der Sicherstellung, dass wir Gottes Führung erleben. Gottes Wort ist der goldene Standard.
Jeder Pastor, jeder Seelsorger, jeder Christ und jeder Freund, der mit einem Rat kommt, muss sich an diesem Standard messen lassen. Wenn ein Christ dir einen gut gemeinten Rat gibt, du aber überzeugt bist, dass dieser Rat nicht im Einklang mit Gottes Wort steht oder dass du in einer Sache Freiheit hast, die Gottes Wort dir gibt, dann kannst du entspannt sagen: Danke für den Ratschlag, aber ich folge hier meiner eigenen Überzeugung, die auf Gottes Wort basiert.
Wir müssen also bei allen Hilfsmitteln und Werkzeugen auch die Grenzen kennen, die diese Hilfsmittel haben.
Ich denke, es ist sehr wichtig, dass du das ansprichst. Man muss natürlich aufpassen, denn es gibt Leute, denen gefällt oft nicht, was Pastoren oder Älteste sagen.
Waldemar, du hast das wahrscheinlich noch nie erlebt, dass jemand sagt: „Ja, die Freiheit eines Christenmenschen, wir stehen nicht unter Autorität und so weiter.“ Im Neuen Testament lese ich da etwas anderes.
Es ist sehr prägnant und scharfsinnig, wie du sagst, dass geistliche Leiter eine sehr hohe Autorität haben, der wir uns freiwillig unterstellen, sobald wir uns taufen lassen oder einer Gemeinde beitreten.
Diese Autorität hat Grenzen. Sie endet dort, wo die Schrift etwas anderes sagt. Natürlich gibt es viel Graubereich und viele Gewissensfragen. Aber auch Pastoren und Älteste müssen sich an Gottes Wort messen lassen. Im Zweifelsfall gilt: „Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29).
Ich glaube, das ist für manche Leute in der Community sehr wichtig, das noch einmal zu hören. Daher danke für diesen wichtigen Punkt.
Es ist nicht einfach, über diesen Punkt zu sprechen, weil das Spektrum der Menschen, die deinen Kanal verfolgen, sehr breit ist. Es reicht von Leuten, die eher rebellisch sind und sich von niemandem etwas sagen lassen, bis zu denen, die unter einer tyrannischen Herrschaft in der Gemeinde leiden.
Petrus sagt nicht umsonst, dass Älteste, wenn sie als Hirten auftreten, nicht herrisch sein sollen oder über ihr Gebiet herrschen sollen. Sie haben einen Oberhirten, der über ihnen steht.
Er sagt das, weil es diesen geistlichen Missbrauch gibt, diese geistliche Manipulation durch geistliche Leiter.
Wir haben hier ein Spektrum: Menschen, die alles glauben, was der Pastor sagt, egal was es ist – sogar, was sie essen sollen, mit wem sie reden dürfen oder was sie anziehen sollen. Und andere, die selbst Predigten, die im Einklang mit Gottes Wort stehen, ablehnen und sagen: „Das ist nicht für mich, ich möchte das nicht.“
Das ist ein wichtiger und tiefer Punkt von Waldemar. Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Drücke dafür einfach die Glocke unten rechts unter diesem Video, und der YouTube-Algorithmus erledigt das für dich.
Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist eine schöne Wertschätzung für den Dienst von Waldemar. Danke dafür.
Der Verstand als Werkzeug der Entscheidungsfindung
Ein weiteres Hilfsmittel, das ich anführen möchte und das in manchen Kreisen vielleicht gar nicht so häufig genutzt wird, ist der menschliche Verstand. Dieser sollte nicht außer Acht gelassen werden, wenn es um göttliche Führung geht.
Das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, denn oft denken wir, dass göttliche Führung immer außerhalb unserer eigenen Fähigkeiten stattfinden muss. Das ist jedoch nicht der Fall. Gott hat uns Ressourcen gegeben, und diese dürfen wir auch verwenden. Natürlich wissen wir, dass unsere Ressourcen Grenzen haben, wie wir bereits mehrfach gehört und besprochen haben. Gleiches gilt für unseren Verstand. Er kann nicht alles überblicken, doch dennoch finden wir in Lukas 14 eine Passage, in der zwar nicht direkt von göttlicher Führung die Rede ist, die aber zeigt, dass der Verstand ein wichtiges Werkzeug bei Entscheidungen ist.
In Lukas 14,28 heißt es: "Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung hat?" Viele kennen diese Stelle. Im weiteren Verlauf des Textes wird beschrieben, dass man auch die Kosten überschlagen muss. Ebenso wird ein Kriegsherr erwähnt, der überlegt, ob es sinnvoll ist, in den Krieg zu ziehen, oder ob es besser wäre, vorher Frieden zu schließen. Hier geht es um Abwägung und logische Schlussfolgerung.
Als Christen dürfen wir unseren Verstand also nutzen, um Entscheidungen zu treffen. Das mag für manche zu nüchtern wirken. Sie wünschen sich immer eine übernatürliche Bestätigung, die es aber im Leben nicht immer geben wird. So sehr ich ein Fan von übernatürlichen Bestätigungen bin, wäre es nicht klug, die Klugheit, die Gott uns geschenkt hat, einfach zu verwerfen und nicht in unsere Überlegungen einzubeziehen.
Es ist gut, als reifer Mensch und Christ zu sagen: "Ich stehe vor einer Frage, ich brauche Gottes Führung." Dann setze ich mich hin und schreibe die Gründe auf, die für oder gegen einen bestimmten Schritt sprechen. Ist es rational hilfreich, das zu tun oder nicht? Das ist nicht falsch. Der Verstand ist vielleicht nicht das Nonplusultra unter den Hilfsmitteln, aber er sollte als ein Faktor mit einbezogen werden, wenn wir vor Entscheidungen stehen und Gottes Führung sicherstellen wollen.
Das christliche Leben ist auch voll von irrationalen Entscheidungen. Manchmal handeln wir auf eine Weise, die wenig klug klingt. Allein das Spendenverhalten vieler Christen ist ein Beispiel dafür. Da würde jeder sagen: Wenn du weniger Geld in deinem Portemonnaie hast, weil du gespendet hast, wirst du am Ende auch weniger haben. Doch viele Christen berichten genau das Gegenteil. Sie haben von Herzen gesät, und Gott hat sie auf überraschende, übernatürliche Weise versorgt – manchmal sogar mit mehr, als sie gegeben haben.
Das sind göttliche Gesetze, die Gott uns gibt. Natürlich ist das keine einfache Rechnung im Sinne von: "Ein Euro geben, zwei Euro zurückbekommen." Du verstehst, was ich meine. Manchmal müssen wir Glaubensschritte tätigen, die irrational erscheinen, weil wir von anderen Faktoren so stark beeinflusst werden, dass wir jetzt so handeln.
Das bedeutet aber nicht, dass wir immer nur irrational handeln müssen. Manchmal führt Gott uns auch so, dass eine rationale Entscheidung zugleich die von Gott gesegnete Entscheidung ist.
Umstände als Zeichen göttlicher Führung
Ein weiterer Aspekt, der sicherlich auch mit dem Verstandesaspekt zu tun hat, ist die Bewertung von Umständen. Umstände können manchmal ein Wink von Gott sein, der uns zeigt, wie er uns führen möchte.
Ich möchte auf einen Bibelvers in Apostelgeschichte 14, Verse 5-7 eingehen. Dort sehen wir, wie die damaligen Christen durch schwerwiegende Verfolgungsumstände die Führung Gottes wahrgenommen haben. Sie nahmen diese Umstände als Wegweisung und machten einfach weiter.
In Apostelgeschichte 14, Vers 5 heißt es: Als nun die feindlich gesinnte Gruppe, Nichtjuden und Juden einschließlich ihrer führenden Männer, einen Anschlag auf die Apostel vorbereitete, um sie zu misshandeln und zu steinigen, flohen sie nach Lykaonien in die Städte Lystra und Derbe. Dort und in der weiteren Umgebung verkündeten sie nun das Evangelium.
Hier war also ein Umstand, der sie zwang zu fliehen. Doch sie legten nicht die Hände in den Schoß und sagten: „Jetzt sind wir ja gar nicht mehr dort, wo wir sein sollten.“ Stattdessen sahen sie diesen Umstand als Anlass, an einen anderen Ort zu gehen. Es ist nichts Falsches daran, wenn ein Christ bei Bedrohung davonläuft. Einige denken, man müsse unbedingt bleiben. Nein, vor Gefahren darf man fliehen. Das ist auch eine Form der Selbstverteidigung. Zu diesem Thema habe ich auch einmal ein Video gemacht: „Selbstverteidigung als Christ“.
Auf jeden Fall führte diese Not dazu, an einem anderen Ort zu sein und dies als Fügung Gottes zu sehen. In seiner Vorsehung hat er beschlossen, dass dieser Umstand sie jetzt an diesen Ort bringt. Dort würden sie ihren Auftrag weiter ausführen.
Wir sehen etwas Ähnliches in 1. Korinther 16, Verse 8-9, wo Paulus sagt: „Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, denn eine große und wirksame Tür ist mir geöffnet worden, und der Widersacher sind viele.“
Paulus registrierte also einen Umstand und schloss daraus, dass er an diesem Ort bleiben und dienen sollte. Vielleicht kennt man das auch unter Christen: Man betet darum, dass Gott eine Tür öffne oder schließe. Dieses Gebet bittet darum, dass Gott Umstände lenkt und schenkt, die uns Hinweise geben, ob wir einen Weg gehen sollen oder nicht.
Es ist kein falsches oder schlechtes Gebet, Gott um Führung durch Umstände zu bitten. Paulus nahm einen Umstand wahr und entschied sich, an diesem Ort zu bleiben und zu dienen.
Doch es gibt ein Aber: Nicht jede Möglichkeit oder jeder günstige Umstand ist gleichzeitig eine göttliche Führung. Im 2. Korintherbrief, Kapitel 2, Verse 12-13, schreibt Paulus:
„Als ich aber zur Verkündigung des Evangeliums Christi nach Troas kam und mir eine Tür geöffnet wurde im Herrn, hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand. Deshalb nahm ich Abschied von ihnen und zog fort nach Mazedonien.“
Gerade eben hatte Paulus im 1. Korintherbrief gesagt, dass er an einem Ort bleiben würde, weil ihm dort eine große und wirksame Tür geöffnet wurde. Diese Tür war so stark für ihn, dass er meinte, dieser Umstand zwinge ihn zu bleiben.
Im 2. Korintherbrief erzählt er von einer weiteren geöffneten Tür, an der er dienen konnte und Gottes Segen hineinbringen sollte. Doch er verspürte eine heilige Unruhe. Er fand keine Ruhe in seinem Geist.
Das zeigt: Umstände können ein Hinweis sein, dass Gott führt. Aber nicht jeder günstige Umstand ist ein Wink von Gott, den man nutzen muss. Manchmal gibt es trotz aller Segnungen und Möglichkeiten eine innere Unruhe, die uns sagt: Nein, das ist jetzt nicht dran.
Das bringt uns in eine hohe Verantwortung. Häufig wünschen wir uns ganz eindeutige, klare Einordnungen: Schwarz oder Weiß, Ja oder Nein, Eins oder Null. Aber oft ist es nicht so einfach. Paulus erlebt das selbst.
Im 2. Korintherbrief erinnert er an eine geöffnete Tür, die er hatte. Doch ein anderer Faktor kam hinzu: die heilige Unruhe in ihm. Sein innerer Mensch fand keine Ruhe über diese Situation. Ein anderes Anliegen war wichtiger, sodass er diese Möglichkeit an sich vorbeiziehen lassen musste.
Das kennt man vielleicht selbst: Als ein Mensch mit viel Einfluss öffnen sich viele Türen. Gerade proaktive Typen neigen dazu, jede Möglichkeit sofort zu nutzen. Sie denken: „Wenn ich diese Chance nicht ergreife...“ Doch manchmal schenkt Gott einen inneren Unfrieden über eine Situation.
Dann sagt man: Auch wenn hier eine Möglichkeit ist, sogar im Herrn, gehen wir daran vorbei. Das ist ein sehr delikates Thema.
Hier kommt ein weiterer wichtiger Punkt ins Spiel, den ich vorhin nicht erwähnt habe: der Frieden. Jesus spricht davon, dass er uns Frieden geben möchte. Paulus wünscht den Christen, dass sie Frieden haben. Es ist auch ein Wirken des Heiligen Geistes, Frieden zu empfangen.
Frieden an sich ist jedoch nicht der ultimative Faktor. Denn der empfundene Frieden kann trügerisch sein. Dennoch ist es eine biblische Verheißung, dass wir Frieden von Gott empfinden können – über eine Situation oder auch einen heiligen Unfrieden über gewisse Umstände.
Ich habe das selbst erlebt: Objektiv betrachtet war in einer Situation alles heilig, gerecht und gut. Es war eine wunderbar große Tür. Doch plötzlich kam eine Unruhe in meinem Geist, wie ich sie nie zuvor verspürt hatte.
Ich wusste: Wenn ich diesen Schritt gehe und die geöffnete Tür durchschreite, werde ich nicht das tun, was der Herr in diesem Augenblick von mir möchte. So wie Paulus in 2. Korinther 2, Vers 13 schreibt, musste ich wegziehen von diesem Ort an einen anderen.
Häufig erleben wir solche Dinge erst im Nachhinein. Dann zeigt sich, dass es absolut richtig war, auf diese Unruhe zu hören und zu sagen: „Ich werde erst einen Umstand oder eine andere Möglichkeit in Angriff nehmen, wenn dieser Frieden und diese Ruhe in meinem Herzen da sind.“
An diesen Punkt möchte ich mit einem weiteren Aspekt anschließen, der auch mit innerem Frieden zu tun hat, aber noch etwas anders geartet ist: unser Gewissen.
Das Gewissen als innerer Kompass
Unser Gewissen hat in der Bibel einen hohen Stellenwert. Es ist der Bibel extrem wichtig, dass wir nicht mutwillig gegen unser Gewissen handeln, sondern im Einklang mit ihm leben. Ich möchte einige Verse dazu vorlesen, um diese Relevanz darzulegen.
In Apostelgeschichte 23,1 steht: Paulus aber blickte den Hohen Rat fest an und sprach: „Ihr Brüder, ich bin mit allem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis auf diesen Tag.“ Für Paulus war es extrem wichtig, ein gutes Gewissen vor Gott zu haben, das zeigt, wie notwendig es für seinen Lebenswandel war.
Das geht auch in die Richtung, aus Gottesfurcht heraus zu leben. Ein Mensch, der keine Gottesfurcht in sich verspürt, wird auch wenig Führung Gottes in seinem Leben erfahren. Dort, wo jemand den Herrn fürchtet, bedeutet das nicht, dass wir Angst vor ihm haben, sondern dass wir einen mächtigen Respekt vor ihm empfinden.
Wir haben vor Berühmtheiten Respekt und sind aufgeregt, wenn wir ihnen begegnen. Wir achten auf diese Personen in besonderer Weise. Wie viel mehr sollten wir Respekt zollen dem, der das ganze Universum erschaffen hat und uns in seinen Händen hält! Diese Gottesfurcht treibt auch dazu, ein reines Gewissen vor Gott zu haben – in der Lebensführung, im Lebensstil und im Lebenswandel.
In Apostelgeschichte 24,16 heißt es: „Darum übe ich mich auch alle Zeit, ein Gewissen ohne Anstoß zu haben vor Gott und den Menschen.“ Paulus möchte ein Leben im Einklang mit seinem Gewissen führen. Er will sich nicht vor dem verstecken müssen, was er tut, denkt oder wie er handelt. Sein Gewissen gibt ihm Zeugnis, dass alles, ich sage mal, in Ordnung ist.
In 1. Timotheus 1,18-19 finden wir eine Aufforderung von Paulus an Timotheus, das reine Gewissen zu bewahren. Dort heißt es: „Dieses Gebot vertraue ich dir an, mein Kind Timotheus, nach den vorangegangenen Prophezeiungen über dich, damit du durch sie den guten Kampf kämpfst.“
Wie soll er diesen guten Kampf kämpfen? Indem er den Glauben bewahrt und ein gutes Gewissen hat. Wenn du ein gutes Gewissen bewahrst, bist du in der Lage, den guten Kampf zu kämpfen. Das ist eine Umschreibung für die Herausforderung unseres christlichen Lebens, das Ziel zu erreichen und nicht auf halber Strecke abzubrechen.
Unser Glaube ist ein wesentliches Merkmal, aber auch, dass wir ein gutes Gewissen bewahren. Wenn du Führung von Gott in deinem Leben sicherstellen möchtest, dann sorge dafür, dass du ein Leben mit reinem Gewissen führst.
In 2. Timotheus 1,3 heißt es: „Ich danke Gott, dem ich von meinen Vorfahren her mit reinem Gewissen diene.“ Das Gewissen hat einen sehr hohen Stellenwert für Christen und soll nicht leichtfertig übergangen werden.
Auch in Römer 14,23 wird deutlich, wie hoch das Gewissen gewertet wird. Dort geht es um Speisevorschriften: Darf das Essen mein Gewissen belasten? Einige haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie gewisse Dinge essen. Paulus sagt: Ihr könnt eigentlich alles zu euch nehmen, und es soll nicht euer Gewissen beflecken. Aber wenn dein Gewissen dich noch anklagt, weil es noch nicht mit dem Wort Gottes in Einklang gebracht wurde, heißt es: „Wer aber zweifelt, wenn er isst, der ist verurteilt, weil er es nicht aus Glauben tut. Alles, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.“
Das ist eine starke Aussage: Etwas, das Gott eigentlich erlaubt, wird zur Sünde, wenn wir mutwillig gegen unser Gewissen handeln. Das ist ein ernstes Dilemma. Für Gott ist das, was ich tue, eigentlich in Ordnung, aber er gibt unserem persönlichen Gewissen so viel Gewicht, dass er nicht möchte, dass wir mutwillig dagegen verstoßen.
Wenn wir das tun, werden wir auch bei anderen Dingen, bei denen der Herr klare Grenzen setzt, diese überschreiten. Denn wenn wir gelernt haben, immer gegen unser Gewissen zu handeln, werden wir auch an diesen Stellen darüber hinweggehen.
Deshalb brauchen wir das Wort Gottes, um herauszufinden, wo unser Gewissen abgestumpft oder hypersensibel ist. Beides ist möglich, und je nach Lebensbereich hast du beides in deinem Leben. Es gibt nicht nur Menschen, die immer abgestumpft sind, oder nur solche, die hypersensibel sind, sondern in deinem eigenen Leben wirst du Bereiche finden, in denen du schnell reagierst, und andere, in denen du kaum etwas bemerkst.
Hier brauchen wir Gottes Wort als Kompass, der uns unterweist: Mein Gewissen muss gelenkt werden. Ich möchte das vergleichen mit den Worten ganz zu Beginn über das Herz: Es muss gelenkt werden. Unser Gewissen braucht ebenfalls Heiligung, damit es mit dem Wort Gottes übereinstimmt. Nur so können wir auch in unserer Freiheit leben.
Das Gewissen ist ein hohes Gut, wenn wir göttliche Führung erleben wollen. Zwei Verse sind hier vielleicht noch hilfreich.
In Matthäus 6,33 heißt es: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ Wenn du dein Leben auf Gott ausrichtest und dein Gewissen in diesen Bahnen ist, kannst du sicher sein, dass Gott dich mit allem versorgt, was du hier und jetzt brauchst.
Deshalb betet auch der Psalmist in Psalm 37,4: „Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.“ Das ist eine schöne Formulierung. Gott wird geben, wonach mein Herz sich sehnt, aber nicht ohne Bedingungen. Die Bedingung ist, seine Lust am Herrn zu haben.
Ich muss fokussiert auf ihn sein, mein Gewissen muss in Übereinstimmung mit dem stehen, was Gott gefällt. Wenn ich ein gutes Gewissen habe und mit ihm lebe, werde ich auch göttliche Führung erleben.
Die Rolle des Heiligen Geistes in der Führung
Das ist mein vorletzter Punkt, jetzt kommt der letzte. Falls du jedoch irgendwie eingreifen möchtest, Markus, darfst du das natürlich gerne tun. Bitte fahre unbedingt fort.
Wunderbar, das ist jetzt ein Leidenschaftsthema für mich, etwas sehr, sehr Zentrales und Wichtiges, wenn wir die Führung von Gott erleben möchten.
Jesus sagt in Johannes 14,16-17: „Ich werde den Vater bitten, der wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch ist in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit.“ Jesus verspricht hier seinen Jüngern – und von Hilfsmitteln zu sprechen, wäre eigentlich viel zu degradierend – dass die dritte Person der Dreieinigkeit kommt: der Heilige Geist. Er nennt ihn Parakletos im Griechischen. Das bedeutet übersetzt „jemand, der herbeigerufen wird, um zu helfen“.
Dieser Paraklet umfasst viele geistliche Rollen. Man könnte es übersetzen als Seelsorger, Unterstützer, Tröster, Helfer, Ratgeber, Beistand, Fürsprecher, Verteidiger, Verbündeter und Freund. Jesus sagt: „Ich sende einen anderen Paraklet.“ Das bedeutet, ich war bislang euer Paraklet, euer Beistand und Ratgeber. Aber es kommt jemand anderes. Ich werde gehen, ich fahre auf in den Himmel und werde mich zur Rechten des Vaters setzen.
Interessanterweise wird in 1. Johannes 2,1 Jesus auch als Beistand bei dem Vater bezeichnet, der Parakletos bei dem Vater ist. Jesus war also der Paraklet auf Erden für die Apostel. Er geht nach oben zum Vater und ist nun unser Fürsprecher und Ratgeber bei Gott im Himmel. Doch er sagt, er lässt uns nicht verlassen wie Waisenkinder, sondern er kommt zu uns – und wie tut er das? Indem er seinen Geist zu uns sendet.
Der Geist Gottes ist jetzt unsere Hilfe auf Erden. Wir müssen uns das so vorstellen: In jeder Not, in jeder Frage, in Traurigkeit, Schwäche, Schmerz, Einsamkeit und Überforderung konnten die Jünger jederzeit zu ihrem Parakleten gehen und Rat von diesem Ratgeber erbitten. Jesus sagt: „Ich gehe jetzt, aber es kommt jemand anderes, der diese Partnerschaft fortsetzen wird.“ Diese Qualität dieser Partnerschaft existiert jetzt zwischen dem Gläubigen und dem Heiligen Geist.
Deshalb sagt 1. Johannes 2,27 auch: „Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt – die Salbung ist der Geist Gottes – bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand belehrt. Sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm.“
Hier geht es darum, dass wir in der Lage sind, unser Leben zu leben. Wir sind nicht in erster Linie abhängig von anderen Menschen oder Leitern, sondern unsere erste Abhängigkeit besteht zu einer Person: zu Gott selbst. Und Gott hat es so vorgesehen, dass es die dritte Person der Dreieinigkeit in dieser Lebensphase sein soll, die unser Lehrer, Helfer und Paraklet ist, der uns führt und leitet.
Jeder Christ, jeder wiedergeborene Christ, wird die Führung des Geistes Gottes in seinem Leben erfahren können. Manche sagen: „Ich habe noch nie die Führung des Heiligen Geistes erlebt.“ Doch hast du sie ganz gewiss. Für mich ist Galater 5 ein ganz wichtiger Text, um Christen zu ermutigen und zu zeigen, dass sie die Führung des Heiligen Geistes kennen.
Dort heißt es in Galater 5,25: „Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns auch dem Geist folgen.“ Eine spannende Formulierung! Paulus ist überzeugt, dass wir als Christen Christus nachfolgen, aber auch dem Geist folgen.
Wie geschieht das? Wie erleben wir seine Führung und das Folgen? Im Galaterbrief geht es um den Kampf, den ein Christ hat zwischen Sünde und Heiligkeit. Auf welcher Spur bin ich unterwegs? Wie erlebe ich, was der Geist Gottes in meinem Leben tun möchte?
Galater 5,17 beschreibt diesen Kampf: „Denn das Fleisch, also der natürliche Mensch, der Gott nicht kennt, begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“
Paulus beschreibt, dass jeder Christ diesen inneren Kampf kennt. Vom Fleisch geht ein Begehren gegen den Geist aus, doch auch der Geist begehrt gegen das Fleisch. Das bedeutet, es gibt eine direkte Leitung des Heiligen Geistes in unserem Leben. Diese Leitung gründet sich auf ein intensives Verlangen und eine Sehnsucht nach Heiligkeit.
Du als wiedergeborener Christ – der Jesus gefallen möchte – wirst Momente erleben, in denen diese Sehnsucht nach dem Neuen, nach dem Heiligen und Guten in dir aufsteigt. Ich spreche noch nicht von Perfektion, also davon, dass du die Sünde vollständig überwunden hast und darin wandelst. Das ist sicherlich das Ziel, wohin der Heilige Geist uns führen möchte.
Aber dieses Sehnen kennst du, Markus, ebenso wie das Begehren des Fleisches. Du kennst sicher auch diese Leidenschaft in dir, die manchmal widergöttlich ist. Genau von diesem Begehren spricht Galater 5,17: Der Geist Gottes bringt in uns eine tiefe Sehnsucht nach Heiligkeit und Licht hervor.
Dort, wo wir diese Führung des Geistes in uns verspüren, ruft uns der Heilige Geist in seine Gefolgschaft. Paulus sagt: „Wenn wir durch den Geist wandeln, wenn wir ihm also auch Folge leisten, dann folgen wir ihm tatsächlich.“
So hilft uns der Heilige Geist als Paraklet und Beistand. Er schenkt uns Führung für unser Leben, indem wir in den Fußspuren Jesu wandeln und ihm immer ähnlicher werden.
Das prophetische Wirken des Heiligen Geistes
Es gibt eine weitere und letzte Komponente, wenn ich noch darf. Ich möchte gerne auf das prophetische und offenbare Wirken des Geistes eingehen.
Im Alten Testament wurde angekündigt, dass, wenn der Heilige Geist kommen wird, er die Gläubigen erfassen und auf eine offenbare Art und Weise wirken wird. In Joel 3,1-2 heißt es, was später in Apostelgeschichte 2 wiederholt und in Erfüllung gegangen ist:
„Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter werden prophezeien, eure Alten werden Träume haben, eure jungen Männer werden Visionen sehen. Selbst über die Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“
Das bedeutet, wenn der Geist Gottes kommt, wird er nicht nur auf einzelne Menschen kommen, die dann offenbare Worte von Gott empfangen oder übernatürliche Erkenntnis für bestimmte Situationen bekommen. Vielmehr wird der Geist Gottes auf Männer und Frauen, auf Jung und Alt, auf Arm und Reich – auf alle, die gläubig sind – ausgegossen werden.
Daher verwundert es nicht, dass das prophetisch-offenbare Wirken des Geistes an vielen Orten unter Christen anzutreffen war. Ich bin einmal durch das Neue Testament gegangen und habe geschaut, wo wir prophetische Aktivität des Geistes sehen. Christen in Damaskus, Antiochien, Ephesus, Tyrus, Caesarea, Rom, Korinth, Thessalonich – überall dort war Gottes Geist in prophetischer Weise aktiv.
Manche haben das für sich so verbucht, dass das nur die Apostel tun. Im biblischen Kontext ist das jedoch nicht so. Wir sehen klar, dass auch dort, wo gar kein Apostel anwesend war, Christen prophetisch wirkten.
Ich möchte ein paar Bibelverse anführen, die zeigen, wie der Geist Gottes diese Dinge zur Sprache bringt. In Apostelgeschichte 13,2 sehen wir, dass es hier auch um eine Führung Gottes geht. Die Passage beschreibt, wie Menschen Wegweisung durch den Geist Gottes erhalten haben:
„Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!“
Es wird nicht genau geschildert, wie der Heilige Geist gesprochen hat. Wir wissen aus Apostelgeschichte 13, dass dort prophetisch begabte Christen in der Gemeinde waren, ebenso lehrbegabte Christen (wie im Vers davor erwähnt). Meine Vermutung ist, dass durch einen prophetisch begabten Christen dieses Wort kam, sodass die Leute sagen konnten, der Heilige Geist habe offenbar gesprochen. Diese zwei Personen sollten nun zum Werk ausgesandt werden.
Noch dramatischer sehen wir das in Apostelgeschichte 16,6-10. Diese Verse sind für die Frage nach der Führung Gottes entscheidend:
„Sie durchzogen Phrygien und die galatische Landschaft, nachdem sie vom Heiligen Geist gehindert worden waren, das Wort in Asien zu predigen. Als sie in die Nähe von Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, aber der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht. Als sie an Mysien vorübergezogen waren, gingen sie nach Troas hinab. In der Nacht zeigte sich Paulus eine Erscheinung – das ist die übliche Redewendung für übernatürliche, gottgeschenkte Träume. Ein mazedonischer Mann stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als Paulus die Erscheinung gesehen hatte, suchten wir sogleich nach Mazedonien abzureisen, denn wir schlossen, dass Gott uns gerufen habe, ihnen das Evangelium zu verkündigen.“
Hier sehen wir eine Gruppe unterwegs, die im Einklang mit dem Willen Gottes handeln will. Sie denken, ihr Weg sei richtig, prüfen Umstände und wenden Logik an. Doch der Heilige Geist hindert sie an bestimmten Orten und erlaubt es an anderen nicht. Erst durch eine übernatürliche Bestätigung in Form eines prophetischen Traums schließen sie, dass Gott sie an diesen Ort ruft.
Interessant ist, dass sie den mazedonischen Mann, den sie im Traum sahen, nicht finden, sondern stattdessen eine Frau namens Lydia, die sich als erste in Europa bekehrt und taufen lässt. Das zeigt, wie Gott durch Träume wirkt, aber das ist ein anderes Thema.
Wichtig ist hier festzustellen, dass das prophetisch-offenbare Wirken des Geistes in der frühen Gemeinde so bedeutend war, dass es in jeder Gabenliste der Apostel auftaucht: 1. Korinther 12, Römer 12, Epheser 4, 1. Petrus 4. Diese Gabenlisten sind unterschiedlich, doch das prophetische Wirken des Heiligen Geistes ist in jeder zu finden.
Der Geist gibt uns Impulse und Botschaften von Gott, damit wir Wegweisung erhalten, Antworten auf Fragen bekommen oder Dinge ans Licht kommen, die bisher verborgen waren. Die Prophetie ist für neutestamentliche Christen so entscheidend, dass sie nicht nur eine Option oder ein Tipp für besonders geisterfüllte Christen ist. Es ist ein biblisches, apostolisches Gebot.
In 1. Korinther 12 und 14 lesen wir, wie wichtig Paulus diese Komponente des Wirkens Gottes für Führung auch in unserem Leben nimmt. Er sagt dort gleich dreimal:
„Eifert aber um die größeren Gnadengaben“ (1. Korinther 12,31),
„Strebt nach der Liebe, eifert aber nach den geistlichen Gaben, besonders aber, dass ihr prophezeit“ (1. Korinther 14,1),
„Daher, Brüder, eifert danach, zu prophezeien“ (1. Korinther 14,39).
Eifern bedeutet mehr als nur offen sein. Paulus verwendet ein Wort, das vom Kochen, Heißsein oder Glühen stammt. Wir sollen mit einer brennenden Sehnsucht Gott suchen, damit er offenbarend durch seinen Heiligen Geist zu uns spricht und unter uns in der Gemeinde wirkt.
Wenn wir dieses Wirken übergehen, lehnen wir eine Wirkung Gottes in seinem Leib, in seiner Gemeinde ab, obwohl Gott entschieden hat, sich auch auf diese Weise zu offenbaren. In 1. Korinther 12,11 sagt Paulus:
„Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht! Oder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht!“
Wir können uns nicht leisten, gewisse Elemente des Leibes auszuschließen. Gott befähigt Menschen, auf diese Weise zu handeln, damit er übernatürlich wirkt und Impulse sendet, die uns helfen, seine Führung zu erfahren.
Paulus musste in Thessalonich, obwohl die Gemeinde dort sehr lobenswert war, sie auffordern, die Prophetie nicht zu unterdrücken. In 1. Thessalonicher 5,19-22 heißt es:
„Den Geist löscht nicht aus, verachtet die Prophetie nicht, prüft aber alles, das Gute behaltet!“
Hier kommt wieder der wichtige Punkt: Wir sollen alles prüfen. Es gibt Kreise, in denen vieles behauptet wird, was angeblich vom Heiligen Geist kommt. Manche sagen, sie seien einfach offen dafür. Paulus fordert aber, dass wir nicht alles ungeprüft annehmen.
Im zweiten Thessalonicherbrief sehen wir, dass es auch Verwirrung durch scheinbar geistgewirkte Botschaften gab. In 2. Thessalonicher 2,2 heißt es:
„Lasst euch nicht erschrecken, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief!“
Das bedeutet, wenn wir Botschaften erleben, die angeblich geistgewirkt sind – sei es im gesprochenen Wort oder in Briefen –, sollen wir uns nicht erschrecken lassen. Die Lösung findet sich in 2. Thessalonicher 2,15:
„Also nun, Brüder, steht fest und haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief!“
Auch hier heißt es: Verachtet nicht das prophetische Reden, aber prüft diese Dinge sorgfältig. Lasst euch nicht irre machen durch Einflüsse, sei es Rat von anderen Christen, fragwürdige Predigten oder vermeintliche prophetische Worte.
Der goldene Standard ist das Wort Gottes, das uns gegeben wurde. Damit können wir herausfinden, was mit Gottes offenbartem Willen übereinstimmt. In dieser Übereinstimmung wollen wir auch den Segen des Heiligen Geistes willkommen heißen.
Das sind meine Gedanken zum Thema, sich von Gott führen zu lassen.
Abschlussgebet und Segenswünsche
Vielen Dank, lieber Waldemar. Wir haben das jetzt nicht abgesprochen oder Ähnliches, aber würdest du zum Schluss noch einmal kurz mit uns beten?
Das mache ich sehr gern.
Himmlischer Vater, ich danke dir im Namen Jesu, dass wir zu dir kommen können und dass du ein Gott bist, der gerne gibt. Das sehen wir, wenn wir dein Wort betrachten. Dort hast du uns so viel gegeben. Manchmal denke ich auch: Warum muss die Bibel so dick sein? Aber danke, Herr, dass du uns so viel gegeben hast, dass dein Reichtum so groß ist und dass du uns aufforderst, dich zu suchen und nach deiner Weisung zu bitten.
Ich bitte dich für jeden Einzelnen, der gerade vor der Herausforderung steht, Wegweisung für sein Leben zu bekommen. Herr, ich bitte dich, dass du die Weisheit von oben gibst, die wir brauchen. Schenke uns die Inspiration und Erleuchtung des Heiligen Geistes für jede jeweilige Situation. Stelle weise Ratgeber an unsere Seite. Rüste Gemeinden und Pastoren aus, um wegweisend in deinem Sinn zu dienen.
Vor allem, Herr, bitten wir dich, dass wir dein Wort ehren, schätzen, achten und hochhalten. Solus Scriptura ist das, was uns als Christen kennzeichnen soll. Allein die Schrift ist die finale Autorität, um zu entscheiden, wo wir die Führung Gottes in unserem Leben feststellen können.
Das bete ich für alle, die uns zuhören, und natürlich auch für das Leben von Markus und von mir. Amen.
