Lappland: Ein Rätsel im Schnee (14/24)
Begegnung mit einem Elch im Wald
Phil, was ist das für ein Tier?
Ich weiß es nicht. Jedenfalls kein Rentier. Da kommt es hinter den Sträuchern hervor.
Das ist ein Elch.
Was ist das denn für ein Riesenfieh? Elche gehören zur Familie der Hirsche. Sie sind die größte Hirschart der Welt. Und ausgerechnet so ein Tier steht jetzt hier. Kein Einser acht Meter groß? Hoffentlich tut er nichts.
Normalerweise sind Elche friedliche und neugierige Tiere. Nur wenn sie gerade Jungtiere haben, sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Klar, die Mamas beschützen ihre Kinder.
Noch hat er uns nicht bemerkt, er knabbert seelenruhig an den Zweigen herum. Da, jetzt dreht er den Kopf. Irgendwie hat er super süße Knopfaugen.
Nicht bewegen! Wenn wir auf Abstand bleiben, geht der Elch vielleicht von alleine weg.
Und wenn nicht?
Na ja, eigentlich bleibt uns gar nichts anderes übrig, als zu warten. Es ist wichtig, dass sich der Elch nicht von uns bedroht fühlt.
Weglaufen wäre aber auch keine gute Option. Elche können bis zu sechzig km/h schnell rennen. Das ist schneller, als Autos in Bärenbach unterwegs sind.
Boah, das hätte ich nicht gedacht. Aber nur auf gerader Strecke. Im Zickzacklaufen können Elche nicht so gut, dafür sind sie dann doch zu schwer und zu groß.
Faszinierende Eigenschaften des Elchs
Hm, irgendwie sieht er aus wie eine Mischung aus Giraffe und Esel.
Giraffe? Quatsch, Sammy, wenn dann eher wie ein Reh.
Wusstet ihr, dass Elche richtige Wasserratten sind? Sie können sehr gut schwimmen und sogar tauchen.
Tauchen? Was will denn so ein großer Elch unter Wasser?
Na, was wohl – Futter natürlich!
Wachsen denn da unten Nüsse?
Nein, aber Wasserpflanzen. Elche können locker bis zu fünf Meter tief tauchen und sozusagen unter Wasser grasen. Verrückt!
Guckt euch mal das Geweih an, das ist ja riesig!
Stimmt, so ein Elchgeweih kann bis zu zwei Meter breit werden.
Boah, krass! Da, guckt mal, er geht weg!
Anscheinend hat er fürs Erste genug gefressen.
Tatsächlich setzt sich der Elch gemächlich in Bewegung und trottet durch den verschneiten Wald.
Fasziniert schauen Marie, Phil und Sammy ihm noch lange hinterher, bis er schließlich im Dickicht verschwindet.
So ein großes Tier sieht man nicht alle Tage im Wald.
Vorbereitung zum Eisfischen auf dem See
Währenddessen haben Toni und Mikkel auf dem zugefrorenen See bereits ein Loch zum Eisfischen gebohrt.
Toni sagt: „Jetzt geht’s ans Angeln vorbereiten.“
Mikkel fragt: „Okay, brauchst du dafür noch den großen Rucksack hier?“
Toni antwortet: „Ja, genau. Darin ist alles, was wir brauchen.“
Mikkel erkundigt sich: „Auch Regenwürmer? Die nimmt man doch als Köder, oder?“
Toni erklärt: „Kann man. Ich greife in diesem Fall aber lieber auf Kunstköder zurück.“
Mikkel fragt neugierig: „Aha, und was ist das?“
Toni zeigt ihm etwas und sagt: „Hier, schau mal. Diese kleinen Gummifische befestigt man am Angelhaken. Die Fische im See denken, oh cool, ein Snack, und beißen an.“
Mikkel findet das interessant: „Ah, interessant. Ich wünschte, wir könnten Renate damit genauso locken.“
Toni lacht: „Stimmt, das wäre cool. Aber leider sind Rentiere keine Fische.“
Die besondere Beziehung zu den Rentieren
Du, Mikkel? Wieso machst du dir überhaupt so eine Mühe, nach genau diesem einen Rentier zu suchen? Ich meine, alle anderen Tiere hast du doch wiedergefunden. Ist es denn so schlimm, wenn ein Rentier aus deiner Herde fehlt?
Tja, wie soll ich dir das beschreiben? Jedes meiner Rentiere ist für mich einzigartig. Auch wenn es bei so einer großen Herde zahlenmäßig kaum einen Unterschied macht, wenn einzelne Tiere fehlen, macht es für mich einen Unterschied.
Du musst dir vorstellen: Ich kenne meine Tiere. Bei vielen habe ich miterlebt, wie sie geboren und herangewachsen sind. Zu manchen habe ich eine richtige Beziehung.
Du meinst, du bist mit deinen Rentieren befreundet?
Na ja, ich treffe mich jetzt nicht auf einen Kaffee mit ihnen. Aber ich kenne ihren Charakter und weiß, wie sie in bestimmten Situationen reagieren. Und umgekehrt kennen die Rentiere auch mich. Sie wissen, dass ich derjenige bin, der sich um sie kümmert und sie versorgt.
Äh, hier, halt mal kurz die Angel, ich muss das hier befestigen.
So?
Durch die Öse, genau.
Na ja, und hinzu kommt auch noch, dass ich weiß, wie orientierungslos Rentiere ohne ihre Herde sind. Ich bringe es nicht übers Herz, Renate einfach so verloren da draußen zu lassen.
Parallelen zur biblischen Geschichte vom verlorenen Schaf
Das ist wie bei Jesus.
Wie bitte?
Ach, als du es gerade erzählt hast, musste ich an Jesus denken. Bei ihm ist das genauso.
Wie meinst du das?
Zugegeben, es ist ja nicht so, dass Jesus hier ist. Ich weiß eigentlich kaum etwas über den christlichen Glauben oder über Jesus. Wir Sami haben unsere eigenen Götter.
Na ja, also, ich habe mal eine Geschichte in der Bibel gelesen. Da ging es darum, dass ein Hirte ein verlorenes Schaf gesucht hat, so wie du dein Rentier.
Bei dem war es nämlich auch so, dass nur ein Tier aus der Herde gefehlt hat. Trotzdem ließ der Hirte alles stehen und liegen, um das eine Schaf wiederzufinden.
Ja, das passt wirklich sehr gut. Aber was hat diese Geschichte mit Jesus zu tun?
Na ja, also Jesus hat diese Geschichte selbst erzählt, als Beispiel. In der Geschichte ist das Schaf wie ein Mensch, der sich alleine fühlt oder auf dem falschen Weg ist.
Und Jesus ist wie ein guter Hirte. Er gibt nicht auf, sucht uns, ruft unseren Namen und bringt uns dorthin zurück, wo wir sicher sind, weil er uns lieb hat.