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Gott mischt sich ein

Zeichen setzen in einer offenen Gesellschaft
Hesekiel 3,22-2717.01.2021
EventTeil 21 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2021
Ein herzliches Willkommen und ein Servus aus München! Ich bin Constanze Pfund und arbeite bei der Halsarmee.
Ich begrüße euch ganz herzlich zu Yumiko. Schade, dass wir uns nicht persönlich treffen können. Aber dann muss es eben jetzt auf diesem Weg sein.
Ich wünsche euch ganz viel Segen und viele bereichernde Erlebnisse während der zahlreichen Impulse, die alle für euch abrufbar sind.

Einführung in das Thema und Vorstellung Hesekiels

Zum Thema „Immer jünger Nachfolge an jedem Tag“ – das ist im Grunde das große Thema der Yumiko in diesem Jahr.
Wir schauen uns jetzt in den nächsten paar Minuten ein ganz besonderes Thema an, und zwar: Gott mischt sich ein – Zeichen setzen in einer offenen Gesellschaft.
Gott mischt sich ein – Zeichen setzen in einer offenen Gesellschaft. Wie kann man das zusammenbringen? Was hat das für einen Sinn?
Wir werden jetzt in den nächsten Minuten einfach in das Leben eines Menschen hineinschauen, der mit diesem Thema sehr viel anfangen kann. Das ist Hesekiel.
Ich habe hier ein kleines Bild von Hesekiel. Wer war das eigentlich? Eine ganz kurze Biografie von ihm: Hesekiel war ein Jude. Er wurde 622 v. Chr. in Jerusalem geboren. Er machte eine Ausbildung und wurde Priester – ganz klassisch wie sein Vater auch. Sein Vater war Priester, und er wurde Priester.
Gerade als er mit seiner Ausbildung fertig war, wurde er mit den Juden nach Babylon deportiert. Mit etwa 35 Jahren kann man sagen, war Hesekiel fertig mit der Ausbildung und schon im Job. Doch er hatte damals schon in der Zeit der Deportation seine Frau verloren. Das heißt, mit 35 Jahren war Hesekiel bereits verwitwet.
Er war nicht dort, wo er eigentlich immer sein wollte, nämlich im Tempel. Wenn man Priester wird, hat man den Wunsch, im Tempel zu arbeiten, die Tora zu lesen. Dieser junge Mann war fertig mit allem, und nun sitzt er nicht im Tempel, sondern in der Gefangenschaft. Er hat mit dem, was sein Traumberuf war, überhaupt nichts mehr zu tun.
Die Frage ist: Wo genau ist er jetzt in Babylon? Wo kann man das irgendwie ansiedeln, wo er sich jetzt aufhält? Es heißt, er sitzt am Fluss Keba. Das ist eine Region in der Nähe von Babel. Der Fluss Keba war ein Kanal, der im Grunde den Euphrat und den Tigris verband.
An diesem Kanal trafen sich die Landsleute von Hesekiel. Sie saßen zusammen, diskutierten, schwärmten von der Heimat, tauschten sich aus und philosophierten. Hesekiel war an diesem Fluss Keba, an diesem Kanal, immer zu Hause.
Es war ein sehr fruchtbares Land, dieses Gebiet, in dem er lebte. Man sagt auch, dass die Zuweisung der Juden in dieses fruchtbare Gebiet damit zu tun hatte, dass derjenige, der für die Zuteilung der Juden in die verschiedenen Regionen Babylons zuständig war, einem wohlwollenden Juden gegenüberstand.
Dieser war Daniel, der 603 v. Chr. nach Babylon verschleppt wurde und für die Zuteilung seiner Landsleute in Babylon zuständig war. So kam es, dass Hesekiel mit seinen Leuten dort an diesem Fluss saß und sie die Zeit nutzten, um sich zu unterhalten.

Die überwältigende Gottesbegegnung Hesekiels

Ja, und wie ging es ihm? Wenn man das erste Kapitel von Hesekiel liest, merkt man, dass Hesekiel nicht nur diesen Priesterjob hatte, sondern tatsächlich eine ganz persönliche Begegnung mit Gott erlebt hat. Diese besondere Begegnung hat ihn völlig überfordert und total fertiggemacht.
Es war zu viel für ihn – das, was er gesehen und erlebt hat, was zu ihm gesprochen wurde, all die Bilder – das war alles sehr hektisch in ihm. Im Grunde genommen war er von dieser Gottesbegegnung so überwältigt, dass er bei seinen Freunden an diesem Kanal saß und gar nicht mehr ansprechbar war. Er war einfach fix und fertig.
Nun lesen wir kurz die Stelle, die für uns in den nächsten Minuten wichtig ist, und zwar Hesekiel 3,22-27. Ich lese sie einmal vor:
„Und die Hand des Herrn kam dort über mich, und er sprach zu mir: Mache dich auf und geh hinaus in das Tal, und dort will ich mit dir reden. Da machte ich mich auf und ging hinaus in das Tal, und siehe, dort stand die Herrlichkeit des Herrn wie die Herrlichkeit, die ich am Fluss Keber gesehen hatte, und ich fiel nieder auf mein Gesicht.
Da kam der Geist in mich hinein und stellte mich auf meine Füße, und er redete mit mir und sprach zu mir: Geh, schließ dich in deinem Haus ein! Und du, Menschensohn, siehe, man wird dir Stricke anlegen und dich damit binden, damit du nicht in ihre Mitte hinausgehen kannst.
Und ich werde deine Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, damit du verstummst und für sie nicht mehr jemand bist, der zurechtweist; denn ein widerspenstiges Haus sind sie. Wenn ich aber mit dir reden werde, will ich deinen Mund öffnen, und du sollst zu ihnen sagen: So spricht der Herr, Herr! Wer hören will, der höre, und wer es lässt, der lasse es; denn ein widerspenstiges Haus sind sie.“

Gottes Ruf zur Handlung trotz Erschöpfung

Also, da steigen wir heute mit unserem Text eigentlich ein. Die Situation ist folgende: Hesekiel sitzt bei seinen Landsleuten an diesem Fluss. Während er so verdattert sieben Tage lang vor sich hinguckt und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, redet Gott mit ihm.
Gott sagt zu ihm: „Junge, mach dich auf, geh los.“ Das ist die erste Ansage nach einer Zeit der Stille, nach einer Zeit der Erschöpfung, nach einer Zeit der Ruhe, des Nichtansprechbarseins. Gott begegnet ihm, spricht ihn an und gibt ihm direkt diese Aufforderung: Steh auf, verlasse die Gruppe, geh los, geh in dieses Tal, in diese Talebene, damit ich dort mit dir reden kann.
Wir kennen diese Art Gottes, mit den Menschen zu reden, schon aus verschiedenen anderen Situationen. Ganz am Anfang bei Abraham, wo Gott zu ihm sagt: „Geh aus deinem Vaterland, geh raus aufs freie Feld, schau dir die Sterne an, das ist das Erbe, das ich dir geben will.“ Gott nimmt immer wieder die Leute raus aus der Gruppe, aus einer gewöhnlichen Situation, in der sie sich geborgen und zuhause fühlen. Immer wieder ruft Gott Menschen heraus und isoliert sie ein Stück weit. Er nimmt sie heraus und setzt sie in eine einzelne, persönliche Gesprächssituation hinein.
Wir können uns fragen: Warum gibt Gott diesem Hesekiel keine Ruhe? Wenn es ihm doch nicht gut geht, sollte er ihn nicht mal kurz einen Moment in Ruhe lassen? Aber wenn wir zum Beispiel in das Leben von Elija hineinschauen, der für Gott auf dem Berg Karmel so gekämpft hat und fix und fertig nach Hause kommt, dann ist es nicht Gott, der sagt: „Ach Junge, ich gebe dir jetzt mal eine Streicheleinheit, lass es dir mal gut gehen, koch dir mal Kaffee, leg die Füße hoch, in zwanzig Tagen melde ich mich wieder.“ Nein, Gott sagt zu Elija: „Zieh los, ich habe was für dich.“
Und Elija läuft und läuft und läuft, sinnbildlich fast wie Forrest Gump, bis er zu diesem Ort kommt, wo er sich niederlässt. Interessanterweise sind die Momente, in denen wir selbst das Gefühl haben: Ich brauche jetzt meine Ruhe, ich muss abschalten, ich möchte jetzt nicht mehr gereizt werden von irgendetwas – genau das sind oft die Momente, in denen Gott besonders „antickt“, besonders einhakt und uns ganz besonders in seine persönliche Gegenwart hineinholen will.

Hesekiels Gehorsam und die göttliche Herrlichkeit im Tal

Auch hier bei Hesekiel ist es ähnlich: Gott spricht ihn an und sagt zu ihm: „Geh in das Tal, mach dich auf!“ Interessanterweise gibt Hesekiel überhaupt keine Widerworte. Er geht einfach. Kein „Wenn“, kein „Aber“, kein „Es ist doch schon zu spät“, kein „Ja, ich habe irgendwie Rücken“ oder sonst eine Ausrede – nichts. Er geht einfach.
Als er in diesem Tal ankommt, merken wir, dass Gott bereits dort ist. Er kommt an, und die Herrlichkeit Gottes wartet dort auf ihn. Hätte er das vermutet, als er seine Freunde an diesem Kanal verlassen hat? Als er gesagt hat: „Tschüss, Jungs, ich bin dann mal weg“ und keine Ahnung hatte, wohin er geht oder wo genau in diesem Tal er sich aufhalten soll?
Doch Gott war schon da. Er hat auf ihn gewartet – und zwar in einer absoluten Herrlichkeit. Diese Herrlichkeit ähnelt der, wie sie ganz am Anfang in Hesekiel 1 beschrieben wird, die Hesekiel schon einmal gesehen hat. Das bedeutet, das, was Hesekiel in diesem Tal erlebt, kennt er bereits. Er kennt Gott schon in gewisser Weise, und zwar auf eine großartige Art und Weise. Gott ist schon da.
Das Schlimme ist: Außer Hesekiel bekommt es keiner mit. Keiner sieht, was Hesekiel sehen darf. Kein Zweiter oder Dritter ist dabei, der beeindruckt werden könnte von dieser großartigen Begegnung, von dieser unglaublichen Vision, von diesem einmaligen Erlebnis, von dieser einzigartigen Stimme Gottes, die Hesekiel in diesem Tal erfährt.
Man kann sich fragen: Was soll dieser Aufwand? Warum treibt Gott diesen Hesekiel von seinen Freunden weg, hinein in eine Einöde, und setzt ihn dort einer solchen Isolation aus?
Gott hat ein Anliegen, und dieses Anliegen möchte er unbedingt mit Hesekiel teilen.

Gottes Anliegen und die Not seines Volkes

Wir dürfen nicht vergessen: Hesekiel war ein Priester, der für Gott dienen und leben wollte. Doch ihm war alles genommen – der Tempel, die Tora und alle Instrumente, die er für sich und seinen Dienst brauchte.
Gott braucht diesen Moment mit Hesekiel ganz allein, weil er mit ihm Klartext reden will. Er möchte Hesekiel in sein Denken und seine Pläne einbeziehen – in das, was er für die Zukunft, für sein Volk und für sein Haus vorhat und sich wünscht. Gott will ihn einbinden in das, was er denkt, fühlt und will. Das ist ein ganz großer Moment.
Was denkt Gott? Was will Gott? Was erzählt er hier Hesekiel? Gott berichtet Hesekiel von seiner Not. Sein Volk, sein Haus, die Menschen, die ihn liebhaben und im Bund mit ihm stehen, haben ihre Prioritätenliste verändert. Sie sind lockerer geworden im Umgang mit Gott und dieser Beziehung. Sie sind ein bisschen „gechillter“, wie man heute sagen würde, und weltoffener. Es ist mehr Platz in ihrem Leben, es ist nicht mehr so spießig wie bei den Alten, die damals noch ganz eng am Gesetz festhielten.
Diese Beziehung ist nicht mehr so verbissen und verklemmt. Der Umgang mit der Bibel ist eine Art von Interpretation geworden: Jeder muss für sich selbst lesen und schauen, wie er es verstehen will. Etwas später im Buch Hesekiel wird immer deutlicher, wie sehr Gott unter dieser Offenheit seines Volkes leidet.
Im Kapitel 8 wird das ganz stark beschrieben. Hesekiel wird im Traum in verschiedene Räume geführt, und Gott sagt ihm: „Schau mal, das machen sie, und dafür sind sie offen, dafür haben sie eine Rechtfertigung.“ Gott hat eine unheimlich große Not, weil sein Volk – die Menschen, die ihn lieben oder seinen Namen tragen – zu einer so offenen Gesellschaft geworden sind.
Im Grunde weiß Gott gar nicht mehr, wie er reden soll. Er hat zugelassen, dass Jerusalem überfallen wurde, dass Familien viel Kummer und Leid erleben mussten. Er hat sie deportieren lassen, um sie aufzurütteln und wachzurütteln. Er wollte, dass sie sich an ihn wenden, sich wieder mit ihm einlassen, es ernst mit ihm meinen, ihn suchen und Vergebung bei ihm erflehen.
Doch all das findet nicht statt. Gott gehen die Worte aus. Er hat keine Worte mehr für ein Volk, für ein Gottesvolk, das in alle Richtungen offen ist. Es ist nur noch ein Volk, das Gott als Accessoire trägt oder beiläufig mitführt, aber nicht mehr als Lebensfundament hat – nicht als einziges Lebensfundament.
Deshalb braucht Gott Hesekiel nicht, weil er eine Ausbildung hat oder Priester war, sondern weil er ihn gebrauchen möchte. Hesekiel soll zum Zeichen für sein ganzes Volk, für seine ganze Gemeinde werden. Er soll mit seinem ganzen Leben, so wie Gott es will, einen Lebensstil annehmen, der Bände spricht – ohne dass er auch nur den Mund aufmacht.

Die Zeichen, die Hesekiel setzen soll

Schauen wir uns kurz an, was Gott Hesekiel sagt und welches Zeichen er setzen soll.
Das erste Zeichen, das wir in Hesekiel 3 lesen, ist: Gott sagt zu Hesekiel, er soll nach Hause gehen und dort bleiben. Er soll sich in seinen eigenen vier Wänden einschließen, sich sozusagen selbst in Hausarrest begeben. Er soll nicht mehr draußen herumlaufen, wo die anderen sind, nicht mehr an den Orten sein, an denen sich Gruppen treffen, nicht mehr dort sein, wo Meinungen geteilt werden. Er soll nicht mehr dabei sein, wo Stimmung gemacht wird, und sich auch nicht mehr in mitreißende Situationen investieren.
All das waren Themen dieser offenen Gesellschaft. Gott sagt: Mach da nicht mehr mit, setze ein Zeichen, indem du dich da rausnimmst. Geh nach Hause und bleib dort. Hesekiel soll sozusagen in soziale Isolation gehen.
Wir haben in den letzten Monaten erlebt, wie es ist, sozial isoliert zu sein, wegen Corona. Auch hier sind wir mit den Yumiko sozial isoliert, weil wir nicht zusammen sein können. Hesekiel soll das leben, Gott will es von ihm.
Mich erinnert das an das, was Jesus im Matthäusevangelium sagt. Er spricht zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, dann geht in eure Kammer, in euer Zuhause, macht die Tür zu und schließt ab. Denn im Verborgenen hört euer Vater, und er wird es euch vergelten.
Es ist also nichts Neues, was Hesekiel hört. Immer wieder geht es darum, dass Gott im Verborgenen sprechen will. Und dass wir uns nicht der Gruppe aussetzen müssen, um das Gefühl zu haben, Gott redet mit uns.
Das Zweite, was Gott Hesekiel mitgibt, beziehungsweise wie er Hesekiel gebrauchen will, ist: Er sagt zu ihm, er soll aufhören zu sprechen. Er soll nicht mehr reden. Gott wird dafür sorgen, dass seine Zunge an seinem Gaumen klebt – so knallhart ist das. Er wird ihm den Mund verbieten.
Wie ich vorhin schon sagte, war Hesekiel jemand, der gerne am Fluss, an diesem Kanal, saß. Dort saß er mit seinen Landsleuten, und sie unterhielten sich viel und berieten sich. Hesekiel war einer der führenden Redner und Berater in dieser kleinen Gemeinschaft, in dieser Kolonie.
Das heißt, die Menschen kamen extra zum Kanal, um von ihm Ratschläge zu bekommen. Es war auch eine Gabe, die Hesekiel hatte: Menschen im Gespräch zu führen und sie mit dem, was er von Gott wusste, zu leiten. Das war seine Position in der Gesellschaft. Er hatte über Sprache Gemeinschaft mit den Menschen und war mit ihnen unterwegs.
Und genau das nimmt ihm Gott weg. Das, wofür er begabt war, das, wo er sich trotz aller Fremde zu Hause fühlte, nimmt Gott ihm. Er darf nicht mehr bei seinen Landsleuten sein, und er soll den Mund halten, also nicht mehr reden.
Es ist so, als würde Gott ihm einen Mundschutz anlegen, als würde er ihm sagen: Deine Meinung ist jetzt nicht mehr gefragt, dein Rat wird nicht mehr gebraucht, dein Wissen ist hier irrelevant. Deine Einschätzungen, Erfahrungen, Weisheit und alles, was du mitbringst, sind unerwünscht.
Was macht das mit einem Menschen, der so in seinem Dasein minimiert wird, der so an die Seite gedrängt wird?
Wir haben durch die Corona-Phase erlebt, wie es ist, zu Hause bleiben zu müssen und einen Mundschutz zu tragen. Dabei haben wir gespürt, wie unterschiedlich die Gesellschaft das aufnimmt.
Aber warum will Gott so etwas? Warum will Gott, dass man zu Hause bleibt und nicht mehr redet? Warum will Gott sich auf diese Weise einem Volk mitteilen? Wie will er sich da Aufmerksamkeit verschaffen? Was ist der Sinn und Zweck all dessen?

Der Gewinn für Hesekiel und Gottes souveräner Umgang mit dem Volk

Darauf möchte ich zum Schluss noch kurz eingehen. Was hat Hesekiel davon, dass er das tut, was Gott will? Hat Hesekiel überhaupt irgendeinen Gewinn? Er wird ja reglementiert, noch und nöcher. Ihm wird seine Lebensqualität genommen, seine Redefreiheit wird eingeschränkt. Das sind alles Grundrechte, die hier total angegriffen sind.
Es sieht so aus, als hätte Hesekiel überhaupt nichts davon, als müsste man ihm im Grunde genommen helfen, aus dieser Nummer mit Gott rauszukommen. Das, was Gott ihm antut, ist gegen jegliche Menschenwürde.
Aber wir können auch von der anderen Seite darauf schauen. Gott sagt ihm ja: Du darfst nicht mehr reden, nur wenn ich es erlaube, nur wenn ich sage „Sprich“, dann rede. Ansonsten halt den Mund. Was sagt uns das über Hesekiel und Gott? Wir spüren aus dieser Ansage heraus, dass Gott Hesekiel ganz klar seine Nähe zuspricht.
Wenn Gott sagt: „Wenn ich dir sage, dass du sprechen sollst, dann sprich“, dann bedeutet das: Ich bin da. Ich bin gegenwärtig. Ich bin dir treu. Ich gebe dir ein Wort, das du teilen darfst. Ich gebe dir ewige Worte, aus der Ewigkeit heraus, die du mit den Menschen teilst – Worte, die Leben haben.
Jesus sagt, dass er das Wort ist, das von Gott kommt, und Worte, die von Gott kommen, haben Leben. Hesekiel darf auf diese Worte warten und sie eins zu eins herausgeben, wenn es so weit ist.
Was wir auch merken, ist, dass Hesekiel in dieser ganzen Zeit ganz nah in der Gotteserfahrung bleibt. Er ist permanent am Herzen Gottes, permanent am Ohr Gottes, mittendrin in den Plänen Gottes. Er weiß zwar nicht, was werden soll, aber er ist nah dran an dem, der alles weiß, der alles kennt, der alles trägt und der die Zukunft plant. Er ist ganz nah dran.
Hat Hesekiel einen Gewinn? Man kann es so sehen und so sehen. Aber was hat Gott davon, dass er Hesekiel mit so einer Aktion instrumentalisieren will? Gott sagt ja zu Hesekiel: Hör mal, ich habe keine Worte mehr für die Situation, aber ich benutze dich jetzt als ein Zeichen, damit die Menschen reflektieren und mich widersuchen.
Wenn die Menschen dich sehen, wie du dich rausnimmst aus diesen ganzen Gruppenzwängen und aus dem ganzen Geschwätz von Möchtegern-Experten, die sich überall herumtummeln und meinen, sie wüssten, wie es geht, dann sollen die Leute darüber nachdenken, wer eigentlich Gott ist. Sie sollen ihn neu suchen, neu nach seinem Wort fragen, still werden und von Hesekiel lernen, dass man nicht überall dabei sein muss und nicht überall mitreden muss.
Aber Gott sagt immer wieder zu Hesekiel: Ich weiß, sie sind ein widerspenstiges, ein halsstarriges, ein hartherziges Haus. Er weiß, dass es ganz schwer wird mit diesem Volk, dass es sehr schwierig ist.
Aber er gibt Hesekiel eine Entspannung und sagt: Weißt du, sie hören es, wenn sie wollen, oder sie lassen es, wenn sie wollen. Die Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen. Es ist alles gesagt, alles gegeben, Zeichen werden gesetzt. Jetzt müssen sie nur noch wollen.
Und dann merken wir, mit welcher Souveränität Gott mit uns umgeht: Er legt nie Zwang an, stellt nie Bedingungen und treibt uns nie in eine Pflicht hinein. Er will unseren freien Willen.

Gottes Wunsch nach Nähe und Einsatzbereitschaft

Ich habe mich manchmal gefragt, warum Gott Hesekiel mit so großer Herrlichkeit erschien. Warum war Gott in Hesekiels Leben so dominant präsent? Ich glaube, es liegt daran, dass Gott ihn unbedingt wollte. Er wollte Hesekiel für seine Pläne einsetzen.
Gott möchte auch uns begegnen. Er möchte auch uns für seine Pläne einsetzen. Gott möchte uns aus der Menge herausnehmen, uns in seine Gegenwart und seine Herrlichkeit führen. Er will uns seine Pläne offenbaren und uns an seiner Seite wissen.
Wir sollen das aussprechen, was er will, und schweigen, wo er Stille wünscht. Wir sollen Zeichen setzen – nicht durch das, was wir können oder besitzen, sondern durch unser Leben und unser Sein. Das kann jeder, denn unser Leben und unser Sein sind Geschenke Gottes.
Diese Geschenke dürfen wir ihm zurückgeben, damit er uns in dieser Welt gebrauchen kann. „So mischt sich Gott ein“ war unser Thema, auch bei dir. Wenn wir in die Bibel schauen, dann gilt das auch für dich.

Abschlussgrüße

An dieser Stelle möchte ich euch ganz viele Grüße schicken und euch viel Segen wünschen für alles, was in der nächsten Zeit noch auf euch zukommt. Für alle Inputs, die ihr noch hören werdet, wünsche ich euch ebenfalls alles Gute.
Ich sage Servus und Tschüss aus München.