Wir predigen zur Zeit über das Kapitel acht des Römerbriefes. Es hat manche
unter uns, die haben das Kapitel auswendig gelernt. Wer noch den nötigen
grauen Zellen hat, soll das tun. Das gehört zum ganz großen Schatz unseres
Glaubens. Und nun haben wir heute Vers 12 bis Vers 17.
Wenn Sie wieder in ihrer Bibel mitlesen, wird das von Gewinn sein. Ich habe
letztes Mal gehört, dass Sie mitlasen, und sagte, da steht gar nicht mehr
das Wort Fleisch, das ist doch der überrevidierte Text, den man wieder
zurückgenommen hat. Und da steht ein gutes Wort für Fleisch immer drin, in
ihren ausgelegten Bibeln zum Teil, da steht statt Fleisch Eigenwillen. Ich
weiß nicht, ob sie Ihren Eigenwillen kennen. Ich vermute es. Sie haben auch
Kriegszustand mit Ihrem Eigenwillen, hoffe ich. Dass Sie nicht willenlos
preisgeben, davon wollen wir heute einiges hören.
So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach
dem Fleisch leben.
Es ist wunderbar, wie der Paulus herzlich plötzlich redet, für Juden waren
die Nichtjuden ja eigentlich Hunde. Und Hunde sind nicht so was Nettes, wie
das, was in Ihrer Wohnung sich findet, sondern das waren damals Wildhunde,
streunende Hunde, und der Paulus sagt zu seinen römischen Freunden: Brüder!
Frauen oder Männer, das war die Herzlichkeit, die Brüderlichkeit, die
Liebe. Denn wenn ihr nach dem Eigenwillen lebt, nach dem Fleisch, so werdet
ihr sterben müssen. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des
Eigenwillens oder des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der
Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen
knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet,
sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen:
Abba, lieber Vater. Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir
Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich
Gottes Erben und Miterben Christi. Wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir
auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.
Ich treffe immer wieder Menschen, die sagen dann, wenn das Gespräch ein
wenig vertrauter und offener wird, sagen sie, wissen Sie, ich kann nicht
glauben, weil ich so viel Schweres erlebt habe. Und ich muss sagen, das
verstehe ich. Ich kann meine Erlebnisse nicht vergleichen mit dem, was
andere durchmachen. Aber ich kann mitfühlen von dem, was sie erlebt haben.
Und da wissen wir, wie das oft ein Schock ist, wie das uns in die Tiefe
drückt. Das können Krankheitsnöte sein, Böses, was einem Menschen zufügen,
Enttäuschungen. Wissen sie, was geschieht heute in Irrenanstalten, was
geschieht heute in den Schlachtfeldern der Welt, was ist heute dort, wo
Menschen hungern. Werden sie denn damit fertig? Ich verstehe doch, wenn
Leute sagen, und du singst da deine Lieder, wie wirst du denn damit fertig?
Ich will Ihnen eine Antwort darauf geben: Die ersten Christen von Jerusalem
hatten ein furchtbares Schockerlebnis. Über Nacht brach fanatischer Hass,
der immer so im Verborgenen schon in Jerusalem seit der Kreuzigung Jesu da
war, plötzlich los, und in einer Lynchjustiz wurde der größte Evangelist
der Urchristlichen Gemeinde, ein sozial tätiger Mann namens Stefanus,
gesteinigt. Und die Christen haben in einer Panikreaktion ihre Wohnungen
verlassen, sind, wie sie nur konnten, mit dem Schiff ins Ausland gefahren,
nur, um ihr Leben zu retten, wenn ich nur meine Kinder wenigstens am Leben
erhalten kann. Wenn ich das erlebt hätte, damals, ich wäre ein Leben lang
mit dieser Sache nicht fertig geworden. Mein Haus ist mir geraubt, ich habe
alles verloren, was ich hatte. Meine Fotoalben, meine Bibliothek, oder
wissen Sie, was Sie an Schönem haben, mein schönes Zimmer, meine schöne
Garnituren. Und die, da steht in der Bibel drin, in der Apostelgeschichte,
die von diesen Flüchtlingen, die nach Antiochia kamen, das war damals die
drittgrößte Stadt der Welt, am Orontes, eine Hafenstadt, in Phönizien, die
redeten kein einziges Wort von dem, was sie Schweres erlitten hatten.
Nicht, dass sie das nicht bewegt hat, hat sie ja aufgewühlt. Sondern, die
hatten etwas anderes, was viel, viel stärker in ihrem Leben gewirkt hat.
Das hat sie erfüllt gemacht, und das konnten sie überhaupt nicht vergessen.
Die anderen, die Bewohner von Antiochien, denen ist das aufgefallen. Die
haben einen spöttischen Spitznamen den Menschen gegeben, weil die immer
wieder aufs gleiche Thema kamen. Wissen Sie, wie das hieß, der Spitzname,
den die bekamen? Christen! Weil die immer bloß von Christus redeten. Die
hatten nur ein Thema: Christus. Die redeten nicht über das Leiden, die
redeten nicht über das Schwere, nicht über das Unrecht, nicht über die
Gemeinheit der Menschen, sie reden von Jesus Christus, der Messias. Ich
hoffe, dass das in Ihrem Leben genauso ist. Dass Sie Jesus Christus kennen.
und erlauben Sie mir, dass ich in allen Predigten und Bibelstunden Ihnen
nichts anderes sagen kann. Damit werden Sie ein Leben lang nicht fertig,
und staunen, und so war's auch bei Paulus. Wenn er gepredigt hat, wenn er
wohin kam, wenn er Briefe schrieb, alle Briefe gehen immer wieder auf den
Punkt zu, dass er den Menschen zeigen will, wie wunderbar, wie stark, wie
mächtig Jesus ist, und wie Jesus Christus sich uns ganz schenkt.
Da habe ich drei Punkte herausgegriffen, aus dem, was Jesus uns gibt, und
die muss ich heute ihnen erläutern.
Eine grenzenlose Kraft
Das erste: Jesus hat eine grenzenlose Kraft.
Er hat eine grenzenlose Kraft. Also, ich brauche immer wieder die Kraft
Jesu, weil ich mit meiner Kraft so oft am Ende bin. Mit meinem Können, mit
meinem Bemühen. Ich lade andere immer wieder ein, und sage: Komm, bei Jesus
darfst du schöpfen. Heute ist die Losung: Wer Durst hat, der komme und
trinke, hol' dir doch, was du brauchst. Man redet heute ja viel von
Energieproblemen. Da meint man Strom, und Öl, und die ganzen Ressourcen,
die die Kräfte dieser Welt, die reichen nimmer lang. Die Energie werde
knapp. Ich hab' den Eindruck, die Energie des Menschen ist die knappste,
meine Energie. Und manchmal frage ich mich, ob ich das alles schaffe, was
vor mir liegt. Manchmal habe ich sogar große Sorge, ob ich meinen
Glaubensweg durchstehe, ob ich die Energie habe. Ja, ich hab' sie gar
nicht. Ich hab doch die Energie nicht, aber ich bin so froh, dass ich von
der Energie Jesu schöpfen darf, und dass mein ganzer Glaube damit
umschrieben werden kann, dass ich in Christus bin, mit ihm lebe, alles mit
ihm anpacke, mit ihm wage, ihm vertraue, mich ihm ganz schenke. Nun werden
viele von Ihnen sagen: Ja, aber ich habe auch schon um Kraft gebetet, ich
habe um Kraft gebetet, und er hat mir keine Kraft gegeben. Ich denk jetzt
an die Alten, und an die Kranken, die sagen, ja, ich habe oft gebetet, und
ich bin schwach geblieben. Deshalb möchte ich es Ihnen erläutern: Unser
Herr gibt uns oft die Kraft nicht so, wie wir sie wünschen. Wir wünschen
uns ja immer wieder, dass unser altes Leben noch einmal restauriert werde,
wir ein Jugendleben, dass wir noch einmal daherkommen, wie die
Siebzehnjährigen. Dann sollen wir sprühen von dieser alten Vitalität
unseres irdischen Lebens, und der Herr will das nicht. Ganz bewusst hat er
ja auch seinen Apostel Paulus schwach und krank gelassen, damit umso mehr
die unsichtbare Kraft Gottes zum Zuge kommt. Die kann man nicht äußerlich
sehen, und da passierte etwas: Ein äußerlich schwacher Mensch verfügt
dennoch über eine Vitalität, über eine Ausstrahlung, die man so äußerlich
gar nicht beurteilen kann. Das sind die geheimnisvollen Wirkungen unseres
Herrn. Sind Sie auch schon einmal beim Auto losgefahren und hatten die
Handbremse angezogen? Das ist nicht gut. Also, nicht, dass sie das nachher
probieren, aber das kann man ja noch machen, aber hei, heute zieht er gar
nicht richtig, ach, ist doch blöd, da wird irgendetwas kaputt sein. Aber
man merkt es dann, wenn die hinten hupen, weil es da qualmt, und muss
aufpassen, dass nicht das ganze Auto dann in Flammen steht. Die Handbremse
ist angezogen, lassen Sie mich dieses Bild mal nehmen, wenn uns Jesus seine
Kraft gibt, da gibt es bei uns eine Bremse, und die blockiert meist alles.
Was ist diese Bremse? Unser Eigenwillen! Unser Fleisch! Beim Fleisch denken
sie immer an Ihre sündlichen Neigungen, und da rede ich auch gern drüber.
Liebe Schwestern und Brüder, es ist so traurig, dass in unser aller Herz
sich so massive Sünde finden kann, selbst im frömmsten Leben! Böse Dinge,
unreine Dinge, Zwietracht und Hass. Aber Jesus denkt nicht nur an diese
massiven Sünden, wie ich sie mal nennen will, die das Wirken der Kraft Jesu
blockieren, sondern das ist mein Ich! Ich bin so träge, ich bin so irdisch.
Denkend immer, ich will immer bloß Erfolg, ich will meine Ehre, mein, ich
will meinen Ruhm, ich will selber wirken, mein Name muss dort stehen, und,
Sie wissen doch, wie das bei uns allen ist. Wir halten doch das Werk Jesu
auf, wir sind manchmal so störrische Leute. Jetzt sagen wir mal mit unserem
Fleisch, und mit unserem Eigenwillen, und wenn Jesus uns seine Kraft gibt,
dann will er, dass wir unser Fleisch töten. Es gehört also mit dazu, mit
unserem Gebet, Herr, gib mir Kraft. Und ich weiß, dass viele von den alten
Menschen erst dadurch im Glauben gereift sind, dass Gott ihnen viel
durchgestrichen hat, von dem, was sie bisher gemacht haben. Und je mehr er
von unserer äußeren irdischen Kraft wegnimmt, entdecken wir erst diese
überwältigende Kraft Jesu, mit der er kann alle Dinge sich untertänig
machen. Die ist grenzenlos, die Kraft Jesu. und die dürfen sie nehmen, mit
der können sie wirken, und ich kann Ihnen sagen: Ihr Leben wird erfüllt
sein bis zur letzten Minute Ihres Lebens. Gott setzt sie zum Segen, dass
Ihr Leben Frucht bringen kann, blühen kann, dass es wirklich Bedeutung hat
für andere. Ich will jene Geschehnisse erzählen, vielleicht wird es mit
einer Geschichte am besten deutlich: Im letzten Jahrhundert lebte in
Russland der Hofmarschall des Zaren, der Graf Korff. Und er fuhr als
reicher russischer Graf zur Weltausstellung nach Paris. Es hat ihn
begeistert, was er alles sah. Und dann kam er zu so einem kleinen Kiosk,
und da war Bibelausstellung. Und er kannte die Bibel nicht. Der war
orthodoxer Christ, aber Bibel hatte er nie gelesen. Und da traf er ein paar
Christen, die ihm das Wort lieb machten, und da hat er 3000
Johannesevangelien nach Russland mitgenommen. Und er hat sofort begriffen,
wenn ich Jesus gehöre, und die Kraft Jesu mein Leben bestimmt, dann muss
ich mein ganzes Leben, so wie ich lebe, umkrempeln. Für ihn, als ein Mann,
der das liebte, wissen Sie, das feine Essen aus goldenen Tellern, und die
großen Hofgesellschaften, und Ehre und Titel, wie das war am Ende des
letzten Jahrhunderts... Er hat die Kutscher in den Salon geholt, dass bald
seine alten Adelsfreunde nicht mehr kamen, weil sie sagten, im Salon
stinkt's nach Pferdemist. Und der Graf Korff, der ging zu seinen Dienern in
die Wohnung, und hat sich um die Kinder gekümmert. Und das hat gar nicht
lang gedauert, da war er und seine Freunde, wurden des Landes verwiesen.
Man hat ihnen, im christlichen Russland, die Pistole auf die Brust gesetzt,
und hat gesagt, entweder ihr unterschreibt, nichts mehr an
Glaubensbetätigung. Das war dieser große Lord Redstock, der damals in den
Adelskreisen Russlands evangelisiert hat. Alle mussten des Landes verwiesen
sein, oder jetzt auch die Adligen, ihr müsst auch außer Landes gehen, wenn
ihr noch weiter eure Versammlungen halten wollt. Der Graf Korff ging, der
Verkehrsminister Bobrinski, Oberst Paschkov, die Fürstin Lieven, die in
Korntal beerdigt ist, alle haben das Land verlassen. Und der Graf Korf
schrieb später: Es fiel mir unheimlich schwer, das Sterben meines
Fleisches! Wissen Sie was das ist? Das war sein Leben, Adel, Anerkennung,
Macht. Und dann hier als ein heimatloser Fremde zu leben, und sagt, ich hab
das gemerkt in der Revolution der Kommunisten, ich hätte sowieso diese
Dinge gar nicht retten können, aber mir ist deutlich geworden, Jesus gibt
viel, viel mehr als das, was er von uns wegnimmt, und das ausstreichen des
Alten, das macht reich. Haben, als hätte man nicht, und das Entscheidende
muss man im Leben gewinnen.
Aus Winrich Scheffbuchs Buch Christen unter Hammer und Sichel"
1874 hielt sich der englische Lord Radstock mehrere Monate in St.Petersburg
auf. Im Palais seiner Gastgeberin hielt er evangelistische Bibelvorträge,
die die Adelskreise der Stadt in Atem hielten. Offenbar spürte der Adel
damals selbst, wie morsch und brüchig sein bisheriges Leben war, und so
suchten viele nach der Wahrheit. Das Zeugnis dieses englischen Lords war so
einfach, fest und biblisch tief, man hörte ihn gerne und in großer
Aufgeschlossenheit. Viele der Adligen hörten zum ersten Mal in ihrem Leben,
daß es im Glauben eine Gewißheit des Heils gibt. Lord Radstock gehörte den
Offenen Brüdern" (Darbysten) an, die fast jede kirchliche Organisation
ablehnten und um so eifriger im Missionsdienst und in ihrer Hingabe an
Christus waren. Die Petersburger Erweckungsbewegung wurde weit über die
Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Der Glaube wurde als sichtbares Zeugnis
offen gelebt. Die Standesunterschiede schwanden. Es wird berichtet, daß
Spottende sich über den Stallgeruch in den Salons der gläubigen Grafen
ausgelassen hätten. Denn es war stadtbekannt, daß dort in den
herrschaftlichen Sälen täglich die Adligen neben den Kutschern und
Stallknechten zum Gebet niederknieten. Zu den Bibelgruppen gehörten
einflußreiche Adlige: Oberst Paschkow, Flügeladjutant des Zaren und zudem
einer der reichsten Großgrundbesitzer seiner Zeit; Graf Korff, Hofmarschall
des Zaren; Fürstin Lieven, die Witwe des zaristischen
Oberzeremonienmeisters; Verkehrsminister Graf Bobrinski. Es blieb dem
Oberprokureur des Allerheiligsten Synods, dem Leitungsgremium der russisch-
orthodoxen Kirche, vorbehalten, diese Erweckungsbewegung mit ganzer Härte
zu unterdrücken. 1884 wurde eine Konferenz der Stundisten Südrußlands mit
den adligen Erweckungskreisen Petersburgs, die Paschkow finanziert hatte,
durch Polizeiterror gesprengt. Die Bauernbrüder kamen in Haft. Kurz darauf
wurden Paschkow und Korff des Landes verwiesen. Andere verloren ihre Ämter.
Sie konnten sich alle der Forderung nicht beugen, ihre evangelistische
Tätigkeit einzustellen.
Ich möchte Sie heute, wo ich von der Kraft Jesu rede, einfach bitten, dass
Sie ihrem Fleisch, Ihrem Eigenwillen den Krieg erklären, und wissen, dass
der Teufel, der Satan, das hat der Graf Korff auch in seinem Worte immer
gesagt, der nistet sich da ein in unserem alten Wesen. Und da müssen Sie
einen Kampf führen, und sagen, ich will Christus gewinnen in meinem Leben,
und will nur mit ihm leben. Und wenn in meinem Leben viel mehr
durchgestrichen wird, und ich red' noch einmal von all den Schweren, das
viele erleben, ich will es nicht bagatellisieren. Christus wird immer
größer als jeder Verlust, den er Ihnen zumutet. Es ist oft so, dass es
bitter schwer ist, was man loslassen muss, aber Jesus Christus will Ihnen
noch mehr bedeuten, wie damals diesen Leuten, die damals als Flüchtlinge
nach Antiochien kamen.
Eine unbändige Freude
Jetzt das zweite, was ich entdecke in diesem Wort: Von Christus, mit
Christus leben.
Das erste war eine grenzenlose Kraft, jetzt das zweite: Eine unbändige
Freude.
Unsere jungen Leute oben, die muss ich jetzt ansprechen. Ich hab große
Schwierigkeiten heute, wenn die jungen Leute da sind. Ich freue mich ja,
dass da oben alles vollsitzt auf den billigen Plätzen. Aber mit jetzt dem,
was ich sage, können die mich nicht verstehen, denn ich rede als ein
Gebrannter. Ich habe nämlich einen Vers aus diesem Wort als
Konfirmationsspruch bekommen, und da habe ich Jahre gebraucht, bis ich mich
mit meinem Konfirmator wieder im Geist versöhnen konnte, denn mich hat es
geärgert, das Konfirmationswort hat mir nämlich gar nicht gepasst, sonst
das Schönste, was es gibt. Da stand nämlich was vom Kind drin, welche der
Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Und ich wollt' als 14 jähriger
Bursche doch kein Kind mehr sein. Das war das Schlimmste, was man mir sagen
konnte, und ich weiß, junge Leute, die wollen doch, von mir aus Manager
sein, und Leute, die was im Leben leisten, aber wollen doch keine Kinder
mehr sein. Die sagen, lieber lass ich Vater und Mutter zu Hause sitzen, und
reise in die weite Welt, ich will doch kein Kind mehr sein. Das Wort Kind"
ist für die anstößig. Die drüben, die wissen das erst, wenn man selber
Kinder hat. Da sieht man, dass bei dem Kind ja nicht das Kindische das
Entscheidende ist, sondern das Vertrauensverhältnis. Und jetzt, wenn ich so
einleite, verstehen es vielleicht auch unsere jungen Leute. Denn das war ja
doch der höchste Ehren-Titel Jesu, dass er Sohn Gottes war, dass er mit dem
Vater, mein Vater, in einem unvergleichlichen Verhältnis war. Da war nichts
Kindisches. Da brauchen wir keinen Puppenwagen dazu, eine Puppenstube,
nicht. Wenn Jesus sagt, ich wirke, und mein Vater wirkt auch. Es jetzt ist
doch groß, dass uns Jesus ein solches Verhältnis mit dem ewigen, mächtigen
Gott, der Himmel und Erde regiert, schenkt; wir dürfen mit Gott in einem
ganz vertrauten Verhältnis sein, wir dürfen ihm einfach sagen, was uns
bewegt, und er kümmert sich um uns. Noch einmal, manche sagen: Seit ihrer
psychotherapeutischen Behandlung können sie das Wort Vater" nicht mehr
hören, oder Mutter", weil sie das so Urerlebnisse in ihrer Kindheit haben.
Das hat mit Ihren Eltern nicht zu tun. Da verstehe ich Sie auch. Jedes Kind
ist geschockt von seinem Vater, wenn ich nur an mich denke, was man alles
eben miteinander tut. Sie müssen nicht von irdischen Menschen aus denken.
Das bei Gottes ist ein ganz eigenes Verhältnis, aber Sie können es schöner
nimmer umschreiben. Das schönste Liebesverhältnis, das vertrauteste, so wie
Kinder der Mutter auf den Schoß kriechen, wie die Mutter am Rockschoß
packen, so darf ich mit Gott leben. Viele von Ihnen kennen das nicht. Ich
habe in der vergangenen Woche manche Gespräche geführt, und da hat mir
jemand gesagt, er sagt, wissen Sie, ich glaube an Gott, ich lese auch ab
und zu in der Bibel, aber für mich ist das ein Pflichtgefühl, und genau das
steht hier drin, so darf es nicht sein. Sie sind ja gut erzogen mit der
Kinderstube, und da wurde Ihnen gesagt, wie man Dankeschön sagt, und dass
man sich beim Einwohnermeldeamt registrieren lassen muss, und seine
Steuererklärung pünktlich ausfüllen muss, da gibt es Gebote dieser Welt,
und da hat man auch gelernt, man soll irgendwie an Gott glauben, da gehört
das Christliche irgendwo dazu. Und das ist so, der Obrigkeit schuldet man
das, und so machen viele ihr Christsein als eine Dienstleistung. Sie sagen,
ich glaube ja auch, dass es einen Gott gibt, und dem will ich ja dienen.
Das ist der Knechts-Geist. Da sind sie bei einer guten Sache: Ich muss mal
für Gott ein Opfer bringen. Wissen Sie, dass Jesus ihr Herz will, und Sie
sind beim Glauben noch nicht durchgedrungen. Ich möchte Ihnen aber Appetit
machen zur Freude, bis Sie so sagen können, so wie ein Kind sagt: Mei
Mommo mog me!" Nicht, die mag mich halt, und ich weiß doch, dass der ewige
Gott mich lieb hat, ich weiß mich von ihm umsorgt, und getragen. Und wenn
ich auch nicht mehr weiter weiß, und in meinem Leben so, ich ruhe in seinem
Frieden, ist das nicht herrlich? Eine unbändige Freude, das ist doch die
Freude Jesu, meine Freude. Dass ich sagen kann, mein Gott und mein Herr,
das ist ein Besitz, der gehört mir, so wie ich ihm gehöre. Das Schwerste
für ein Kind ist, wenn es dann sagt, ich habe niemanden in dieser Welt, dem
ich ganz gehöre. Und trotzdem würde ich sagen, jedem der jetzt darunter
leidet, vielleicht sitzt gerade so jemand unter uns, der sagt, ich bin als
Waise aufgewachsen, ich hatte immer nur Pflegeeltern. Die irdischen
Beziehungen sind nicht mal das wichtigste. Sondern, dass Ihr Glaube ruht in
der ewigen Gottesbeziehung, dass Sie Frieden haben in ihm, sagen: mein
Gott, das ist Vater und Mutter für mich, da habe ich Geborgenheit, was auch
geschieht, ich weiß, dass er mich führt, ich liebe ihn. Es braucht gar
nicht vieles, es ist so ein herzliches Verhältnis, das können Sie nicht
produzieren, Sie müssen bloß einmal anschauen, was er ihnen tut, der dir
alle deine Sünden vergibt. Da wacht die Liebe auf, da wird Ihr Herz bewegt,
da können sie nur noch danken, wir haben nicht einen knechtischen Geist
empfangen, dieses Pflichtgefühl, das gehört eben zur Bürgerpflicht im
Abendland, sondern wir sind Leute, die Jesus über alle Dinge lieben. Die
ihm vertrauen, und die ihn kennen. Eine unbändige Freude, und das ist
größer, als alles, was Sie an Not bewegen mag. Und ich will nichts
verharmlosen an Hunger, an Schmerzen, an Qualen von Schmerzen. Aber wenn
das bei Ihnen geht im Leben, so ist das, wenn Sie Jesus kennen und lieben,
dann können Sie sagen, warum soll ich mich den grämen, hab' ich doch
Christus noch, wer will mir den nehmen. Wenn mir gleich Leib und Seele
verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und
mein Teil.
Eine unumstößliche Gewissheit
Noch das letzte: Eine grenzenlose Kraft, sagte ich, eine unbändige Freude,
noch:
Eine unumstößliche Gewissheit.
Mit dem was ich jetzt sage, tue ich manchen auch weh. Ich sag das immer
wieder, weil ich bin so froh, wenn wir drüber reden können, und es kommt
immer wieder mit vielen auch zum Gespräch. Jemand hat mir gesagt, wissen
Sie, ich kann so oft ich will in die Kirche kommen, Sie nehmen meine
Zweifel nicht ernst. Ich sage: doch! Jedes Mal, wenn ich an einem Grab
stehe, und den Dienst tue, komme ich mir vor, wie ein Lügner, der vom Leben
spricht, wo der Tod sichtbar seine Macht demonstriert. Ich bin doch auch
ein Mensch, der vom Fühlen lebt, und soll alles auf das Glauben setzen? Das
ist Wissen, ich habe es Ihnen doch oft gesagt. Die Zweifel leben in uns
allen, welcher Kranke ist nicht angefochten? Aber ich weiß, dass ich nicht
im Zweifel bleiben darf, sonst stürzte ich in Abgründe, in bodenlose
Tiefen. Und wie werde ich gewiss? Ich kann mir's nicht einreden. Das haben
wir das letzte Mal gesagt. Ich kann es mir nicht einreden, den Glauben. Ich
kann mir's nicht vorsagen. Ha, das wäre sehr schön, wenn das ginge. Aber
das geht gar nicht. Die Zweifel sind viel stärker. Da steht ein großes
Wort, dass der Geist Gottes, der Heilige Geist Zeugnis gibt unserem Geist,
dass wir Gottes Kinder sind. Wenn ich mein Leben ansehe, muss ich sagen,
ich bin ein verlorener Mensch, der täglich Gottes Ehre mit Füßen tritt. Und
wenn ich glauben soll, dass ich dennoch ein Kind Gottes bin, ein Eigentum
Gottes, ein ganzes Leben mit ihm lebe, woher kann ich das wissen? Nur wenn
es der Heilige Geist durch sein Wort mir ins Herz hinein schreibt. Und das
tut er. Wunderbar! Und dann kann man glauben. Ach, deshalb habe ich Ihnen
vorgelesen, man kann darum bitten, Herr gib mir deinen Heiligen Geist. Das
größte Wunder, was der Heilige Geist kann, größer als eine
Totenauferweckung, wenn er unsere Zweifel, unsere Anfechtungen überführt
durch das Wort, und gewiss macht. Sagen, jetzt glaub und weiß ich's feste,
jetzt weiß ich's aus dem Wort heraus, weil er es mir zusagt. Das Bild ist
ja wunderbar, das Paulus prägt, das ist eine Gerichtsverhandlung, stehen
die Ankläger da, und die sagen alles gegen mich. Und da können viele Leute
auftreten, und vielleicht Sie auch noch, und sagen, das ist ein Schlimmer,
und der hat versagt, und alles falsch gemacht, und dann kommt der Geist
Gottes, und sagt: Und ich gebe Zeugnis: Der ist angenommen als Kind Gottes!
Warum? Weil er Almosen gegeben hat, nein! Weil er so schön gepredigt hat?
Auch nicht! Sondern weil Jesus für ihn starb. Weil das Blut Jesu für ihn
spricht, und darum ist der angenommen, und das macht gewiss, und es gibt
Gewissheit im Glauben, nur aus diesem Zeugnis des Geistes heraus. Wenn Sie
über ihre Taten gewiss werden wollen, werden Sie nie gewiss, oder Sie sind
ein Heuchler. Da reden Sie sich was Falsches ein. Sie kennen sich nicht.
Sie werden gewiss im Glauben nur durch das Zeugnis des Geistes Gottes. Und
er bezeugt es Ihnen. Paulus schließt noch und sagt, wir müssen viel mit
Christus leiden. Das wird die nächste Predigt, nächsten Sonntag werden, vom
Leiden. Wir tragen auch mit an den vielen Nöten um uns herum, und das macht
uns im Glauben nicht wankend, ja, wir sagen, Ja, das hatte Jesus auch so
getan. Nirgendwo, es gibt keine Religion der Welt, keine Philosophie, die
so tief mit dem Leiden der Welt und der Menschen sich beschäftigt wie
Jesus. Der alles auf sich nahm, und nicht nur das Äußere, sondern auch das
Innerste der Gottesferne und der Schuld, die auf uns Menschen liegt, des
verfehlten Lebens. Und darum müssen wir mittragen, und eine Gemeinde will
auch mittragen Ihre Last, und ihre Nöte, mit Christus leiden. Aber wir sind
ja Erben. Nicht bloß einmal im Himmel werden wir erben. Sondern hier schon
dürfen wir von den ganzen Schätzen Jesu leben. Das sind keine materiellen
Schätze. Es gibt noch andere. So wie Jesus aus der Vollmacht Gottes heraus
gewirkt hat, geredet hat, so dürfen Sie aus der Vollmacht Gottes heraus
wirken, Dienst tun, Zeuge Gottes sein. In einer leidenden, verzagten, müden
Welt, und allen sagen, was wollen Sie denn sagen, es ist etwas, der Heiland
ist da. Ja, das ist was. Größeres gibt es nicht. Amen.
