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Einleitung und biblischer Rahmen
Wir fahren fort in unserer Reihenpredigt über den Römerbrief, Kapitel 8, Vers 18 bis 30. In den ausgelegten Bibeln ist es im Neuen Testament, Seite 165.
Römer 8,18: Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nichts bedeuten gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja der Vergänglichkeit unterworfen, nicht nach ihrem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat. Jedoch auf Hoffnung. Denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Für uns hat ja die Vergänglichkeit in der Schöpfung etwas Schönes. Und das ist interessant: wie wir Menschen selbst aus dem Leiden dieser Welt ja immer wieder einen positiven Nutzen daraus ziehen. Aber das soll nicht das Letzte sein. Wenn im Herbst die Blätter sich verfärben, ist es doch wunderschön, die Farben des Waldes. Und doch sieht Paulus tiefer das Leiden der Kreatur, die unterworfen ist unter die Vergänglichkeit.
Und wir können als Christen zur Vergänglichkeit nie Ja sagen. Das Vergehen und Dahinmüssen ist schlimm, und wir wollen das Nein entgegenschleudern, weil Gott ein Gott des Lebens ist und nicht des Sterbens. Und wenn Leute da sind und denken, das ist doch Natur, dann ist das ein Irrglaube. Natürlich können sich Menschen daran erbauen. Man kann sich seine Lebensanschauung zurechtzimmern, wie man will, aber es ist nicht göttlich.
Das Seufzen der Glaubenden und die Hilfe des Geistes
Aber nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und warten auf die Kindschaft, die Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung.
Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung. Denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.
Ebenso hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, was der Geist will; denn er tritt für die Heiligen ein, wie es Gott gefällt. Mit Heiligen sind immer die gemeint, die durch das Blut Jesu Christi gereinigt und geheiligt sind, die die Vergebung empfangen haben.
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie dem Bild seines Sohnes gleich sein sollten, damit dieser der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen. Die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht. Die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Herr, du musst uns hier den ganzen Reichtum dieses Wortes nun erschließen. Amen.
Die Frage nach Glück, Lasten und dem Nutzen des Leidens
Liebe Gemeinde, in unserem Leben spielt es eine grosse Rolle, ob wir glücklich werden. Darüber denken wir viel nach, und darüber sinnen wir, wie wir ein wenig teilhaben können. Und die heimlichen Wünsche, die wir alle haben, vielleicht sind sie so demütig und so still, dass wir sie vor anderen nicht aussprechen. Das sind ja eben gar nicht anspruchsvolle Wünsche. Aber ein bisschen etwas wünsche ich mir noch bis ins hohe Alter hinein: Wenn der Herr uns freundlich ist, dann wird er mir doch das noch gönnen. Die Kraft noch etwas zu lassen, dass ich zu Hause bleiben kann, in meiner Wohnung. Manche Sorgen, die uns belasten, dass sie uns weggenommen werden.
Darum schauen wir manchmal ganz neidisch auf Menschen, die ausserordentlich viel Glück im Leben haben. Das sind schon Glücksritter, die eins ums andere immer wieder das Gute oben abschöpfen. Es ist merkwürdig verteilt. Es gibt manche in diesem Leben, die von früher Jugend an unsagbar viel zu tragen haben. Man meint, bei ihnen häufe sich all das Schwere. Und andere, die gehen unbekümmert und fröhlich durchs Leben, Glücksritter.
Aber hier wird uns noch etwas anderes gezeigt. Da spricht Paulus sehr persönlich von seinem eigenen Leben, und er meint, dass dies die Art der Christen sei: dass Christen mit allem, was in ihrem Leben geschieht, nicht nur fertig werden, sondern es einordnen können, so dass es ihnen zum Besten dient. Nun, mit dem Leichten und Angenehmen haben wir keine Schwierigkeiten. Aber Paulus sagt da einen Satz, den wir oft zitieren: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.
Aber wie oft kommen wir über Dinge nicht hinweg. Und jetzt bitte ich Sie einfach, dass Sie ganz kurz überlegen, was die Dinge sind, die mich jetzt in der letzten Zeit so lange gefangen genommen haben: Ehrverletzungen, Beleidigungen, Enttäuschungen mit Menschen, wo wir manchmal als Christen sagen: Das kann ich nie vergessen, was mir der angetan hat, das bleibt eine Wunde. Schwere Lebensführungen, Krankheiten, die uns heute Morgen belasten, Sorgen für die Zukunft.
Dann meint Paulus nicht bloss, dass man es unter die Füsse kriegt. Sondern das muss uns zum Besten dienen. Das muss uns mithelfen, dass wir das Leben erst entdecken und finden. Diese Sachen sind heilsam und nützlich, hilfreich und gut, so unangenehm sie im Einzelnen auch sein mögen.
Das Leiden als Bewährungsfeld des Glaubens
Was das nun im Konkreten ist, Schmerzen oder üble Nachrede, Enttäuschung oder Traurigkeit, Leiden oder Krankheit, Armut oder Misserfolg: Es muss mir zum Besten dienen, denen, die Gott lieben. Und da hoffe ich einfach, dass sie dazugehören, dass sie sagen: Ich liebe Gott, und ich will mit meinem ganzen Leben ihm gehören.
Und dann möchte ich heute, jetzt in diesem Gottesdienst, all das mit einbringen, was mir an Lasten so schwer zu schaffen macht und über die ich gar nicht hinwegkomme. Und es wird sich dann ganz konkret zeigen, ob wir dieses Wort verstanden haben, ob wir nach diesem Gottesdienst sagen können: Ich bin lastenlos geworden, die mich schon seit langem beschäftigen und die mich unheimlich behindert haben.
Es ist groß, dass uns Paulus zur Lebensbewältigung hilft und zum erfüllten Leben. Ich habe wieder versucht, das ein wenig zu ordnen. In diesem Abschnitt, Sie nehmen es mir sicher ab, könnte man viele Punkte erwähnen. Ich will eben wieder nur drei herausgreifen, damit Sie auch zu Hause noch ein paar Dinge selbst entdecken können.
Das Erste: Das Leiden ist das Bewährungsfeld unseres Glaubens. Immer wieder lenkt Paulus gerade in diesen Abschnitten, wo er ganz groß von der Freude und vom Sieg des Christenlebens redet, den Blick auf das Leiden. Und das ist das Geheimnis Jesu gewesen, dass er uns nicht Ideologien gibt, mit denen wir ein paar schnelle Lösungen zur Hand haben, sondern dass unser Glaube sich im Leiden bewähren muss.
Nun brauchen Sie nicht denken, deshalb müsste jeder von Ihnen ein schweres körperliches Leiden haben. Ich persönlich habe ja ein wunderbares Leben, das mir Gott schenkt. Es ist nicht so gemeint, dass jeder deshalb als ein gebeutelter Hiob durch das Leben gehen muss. Aber wir als Christen müssen ganz besonders sensibel sein für die Leiden dieser Welt. Wir sollten uns hingezogen fühlen zu den Menschen, die im Leiden stehen, weil gerade dort erst im Leiden das sich verwirklicht, was uns von Jesus versprochen und zugesagt ist.
Wir müssen die Augen aufmachen, wo Menschen sind, und jetzt die unter uns, die besonders schwer ins Leiden hineingeführt sind, die sollten jetzt die Ohren ganz weit aufmachen und hinhören.
Zwischen Naturerlebnis und leidender Schöpfung
Ich möchte noch einmal erklären: In unseren Gedanken spielt das eine große Rolle, dass wir meinen, das Glück des Lebens liege darin, wenn uns Ehre, Anerkennung und Lob von Menschen widerfährt. Das ist doch natürlich. Wer denkt von uns nicht so? Das muss doch schön sein. Ich denke doch auch so, das ist meine natürliche Denkungsart.
Ich denke, natürlicherweise muss es schön sein, wenn man viel Geld auf dem Konto liegen hat oder wenn man unbegrenzt Ferien am Meer machen kann oder wenn man sorglos leben kann und lauter gute Freunde um sich hat. Und Jesus hat dies bestritten. Er hat dies bestritten und mit seinem eigenen Leben unter Beweis gestellt, dass dies nicht das Glück ist und dass es darin nicht zu finden ist.
Und wir sind überrascht, dass ein Apostel Paulus, der so leidenschaftlich gern gereist ist um des Evangeliums willen und die Schönheiten der Welt gesehen hat, solche Verse hier geschrieben hat. Ich hätte jetzt gern die Zeit benutzt, aber sie reicht nicht, um ein wenig nur diese Reisen des Apostels Paulus nachzuzeichnen. Wenn er übers Taurusgebirge gewandert ist, muss er doch voll gewesen sein, die Schönheiten dieser Welt zu sehen.
Ja, sind wir nicht auch oft trunken von der Schönheit der Natur? Wenn wir das alles auf die Diafilme bannen wollen, was wir sehen, diese Farben der Natur, diese Harmonie, diese Gewalt des Meeres, die uns begegnet, und das hat doch Paulus erlebt als ein Zeichen der Schöpfung Gottes und als ein Lobpreis der Größe unseres Herrn. Ja, und wir wollen uns auch von Herzen daran mitfreuen. Und wir sollten es als Stadtmenschen noch viel mehr lernen, wieder die Schönheiten der Natur zu bewundern und die Größe der Schöpfung.
Der Blick hinter die sichtbare Welt
Und nun tut Paulus das, dass er hinter diese Wunder der Schöpfung blickt und eine leidende Kreatur sieht. Man fragt sich eigentlich: Woher hat Paulus dies? Bei Rabbi Gemaldjell in seiner Studienzeit im Pharisäismus konnte er es nicht lernen. Es kommt auch nicht aus dem Alten Testament, auch nicht aus einer der zeitgenössischen Philosophien und ebenso wenig aus einer der Religionen, aus denen Paulus es hätte haben können. Das ist ihm durch eine Offenbarung des Christusleidens zuteilgeworden.
Und ich sehe hier auch den Hauptgrund dafür, dass wir Christen sehr zurückhaltend sein müssen, wenn wir uns heute in eine grüne Weltanschauung hineinzuflüchten drohen, so sehr uns das auch aus dem Herzen gesprochen ist. Da kann gar kein Zweifel sein, dass wir darunter leiden, dass man alles zuteert und zubetoniert. Wir fragen: Wird eigentlich noch die Schöpfung Gottes als Schöpfung Gottes erhalten?
Ja, aber wir wollen nicht so tun, als ob diese Natur eine intakte Welt sei. Auch in ihr sehen wir in so vielen Stücken schon das Leiden der Kreatur. Und wir wollen nicht einfach sagen, das sei natürlich, wie ich Ihnen vorhin schon bei der Verlesung des Predigttextes gezeigt habe.
Wir tun daher so gern, wenn die Blätter fallen oder wenn im Frühling die neuen Knospen nachdrücken, und wir sagen: Das ist berosen. Und mich nimmt das jedes Mal gefangen, die Kraft der Natur zu erleben. Es ist doch ein scheußlicher Überlebenskampf, wo ein Blatt das andere verdrängt, das eine, was leben will, dem anderen keinen Raum lässt.
Die Hoffnung auf die kommende Erneuerung
Und Paulus war so mitfühlend mit der Kreatur, mit der ganzen Schöpfung, dass er weiß: Dies ist nicht die Schöpfung, über die Gott einmal gesprochen hat: Es ist alles gut.
Dieser Kampf aller gegen alle, wenn man sieht, wie im Wald um das Licht gekämpft wird, das man der anderen Pflanze abjagen will, wenn man sieht, wie die Katze das Nest ausräubert und die jungen Vögel dort herauszieht: Das ist nicht die Schöpfung, die Gott gewollt hat.
Und wenn Sie einsam durch den Wald streifen und plötzlich vor Ihnen steht ein Reh, das angsterfüllt vor Ihnen wegspringt, und Sie für einen kurzen Moment den Blick in diesem Auge dieses Tieres sehen, dann ahnen Sie etwas vom Harren der Kreatur. Ich will mich hier nicht ausdehnen, wir wollen hier keine Biologiestunde machen, wir wollen nur etwas ahnen.
Und sagen: Diese Natur, in der wir leben, ist nicht bloß wegen Beton und Asphalt eine leidende Kreatur, sondern weil sie mit hineingerissen ist in diesen großen Fall.
Und wenn Paulus dort auf seinen Wanderungen durch Kleinasien, durch Griechenland oder später auf seinem Weg nach Rom die Schönheiten der Welt sah, dann hat er denken müssen, wie wir das einmal sein wird. Wenn Jesus einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft, und auf diesen Tag hat er sich gefreut.
Darum ist das manchmal so schwierig im Gespräch für uns mit jungen Menschen, dass wir sagen: Natürlich, unser Herz brennt für euch, Schwerter zu Pflugscharen, ja, und wir warten auf den Tag, und unsere ganze Liebe gehört dem Tag, wo das endlich ist, aber nicht heute, unsere Pappdeckelschlacht und der Schrei mit ein paar Worten. Sondern wenn die Sünde abgetan ist, leider erst da, leider erst da. Vorher nicht.
Es wird vorher keine erlöste Umwelt geben, und es wird vorher keinen Frieden geben. Und Paulus lässt sich auch nicht lange an diesem Thema aus. Er erinnert nur daran, dass das Schuld von uns ist. Schuld, weil wir mit teilhaben, nicht bloß weil wir die Natur kaputt machen und ausbeuten, sondern weil wir mit daran teilhaben, dass wir von Gott getrennte Leute sind, durch diesen Riss zwischen Gott und der Schöpfung, an dem der Mensch als der Herr der Schöpfung maßgeblich beteiligt ist.
Das sehnsüchtige Warten der Schöpfung und die Grenzen des Sichtbaren
Kommt es zu all der Not? Paulus geht gleich weiter zu dem Gedanken und sagt: Wenn einmal unser neues Leben als Söhne Gottes sichtbar wird, dann wird auch das in der Ewigkeit die neue Schöpfung sein. Auf diesen Tag freuen wir uns, und danach sehnen wir uns.
Es soll sichtbar werden, das ängstliche Harren der Kreatur. Sie wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. So müssen wir durch die Natur gehen, dürfen die Natur nicht vergöttlichen und nicht trunken werden von den sichtbaren Dingen. Denn das war ja die Sünde des Menschen, dass er sich an die sichtbare Kreatur gehängt hat und sich gegen Gott gewandt hat. Und bis heute bleibt dies ja immer wieder unser Glaubenshindernis, dass wir an den sichtbaren Dingen bleiben.
Wir Menschen meinen, das sei das Fassbare. Und das ist doch das der Vergänglichkeit Unterworfene. Darum hat Paulus so viel Wert darauf gelegt, dass wir mitleiden. Also jetzt verstehen Sie, warum ich gesagt habe, es muss nicht jeder ein eigenes Leiden haben, sondern dass wir mitleiden und mitempfinden, wie Gott uns dies zerbrechen lässt. Wir wollen nicht die Vergänglichkeit hochjubeln als das Urgesetz der Natur, sondern mit daran teilhaben an dieser leidenden Welt und darin spüren, wie Gottes Gericht jetzt über die Welt geht.
Das griechische Wort, das hier steht, Apokaradokia, dieses sehnsüchtige Warten, das meint, den Kopf voraushaben. Die Natur wartet darauf: Wann kommt denn endlich die neue Welt? Wann ist es denn endlich so weit? Und wir sehnen uns mit ganzem Herzen danach, dass doch dieses neue Leben kommt.
Jetzt will ich es noch einmal von der anderen Seite erklären, den ersten Punkt, für die, die jetzt nicht mitgekommen sind. Vielleicht kommen sie dann klarer mit. Es gibt Stunden in ihrem Leben, wo Sie in Depressionen verfallen. Die sind nicht medizinischen Ursprungs, sondern ganz natürlichen Ursprungs. Sie haben einen lieben Menschen verloren, der Ihnen ungemein viel bedeutet hat. Und alle Worte, die Ihnen liebe Menschen sagen, bedeuten Ihnen nichts, weil Sie die Vergänglichkeit spüren. Und das kann keiner wegdrücken.
Die erste Antwort: Geduld und Hoffnung
Und dann können Sie plötzlich sagen: Ich verstehe den alten griechischen Denker Sophokles, der gesagt hat: „Nicht geboren werden ist das beste Schicksal, oder bald sterben in der Kindheit.“
Wenn wir heranwachsen auf der Erde, dann erwartet uns Leid und Kummer. Die ganzen pessimistischen Sprüche, die wir in der Welt hören, die haben doch ihr Recht. Das stimmt doch. Aber ich will sie umgekehrt sehen: Sie haben ihr Recht nur bis dahin, wo uns Christus groß wird und uns die neue Welt offenbart, dass dieser Zeit Leiden nicht wert sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden.
Ja, es gibt Leiden in dieser Welt, unsagbar schweres Leiden. Und wir können nur die Antwort darauf geben, dass wir warten und uns sehnen auf die neue Welt Gottes.
Da bin ich beim zweiten Punkt: Die Sehnsucht wird immer größer.
Wir haben in unserem Christentum im zwanzigsten Jahrhundert einige Probleme. Die kommen einfach durch die moderne Denkungsart. Wahrscheinlich haben wir zu viel immer wieder einfließen lassen von dem Geist der Zeit und uns zu wenig vom Wort Gottes her leiten lassen. Und dazu gehört auch, dass wir immer ein schlechtes Gewissen gehabt haben.
Ich erinnere mich noch genau daran, wenn man ein wenig von der Ewigkeit gesprochen hat. Und dann war uns immer gleich in Erinnerung, dass Karl Marx ja gewarnt hat, man soll sich nicht vertrösten lassen auf das Jenseits. Und dann hat sich jeder Prediger ereifert: Ich will nicht vertrösten, ich will, dass heute alles sichtbar wird.
Aber der Paulus sagt: Was heute sichtbar wird, auch von den Gaben Jesu, ist leider nur sehr wenig.
Der Geist, der betet, wenn uns die Worte fehlen
Und das wird uns auch oft zur Anfechtung im Glauben. Ich wollte ja heute schon viel mehr sichtbar machen. Ich wollte schon heute gerne den neuen Leib tragen, der keine Versuchungen mehr hat. Ich wollte heute schon einen Glauben haben, der nicht mehr angefochten ist. Ich habe ihn nicht. Wir leben in diesem Leib, und das wird ja, da wollen wir nüchtern sein, noch ganz schwer bis zur Todesstunde.
In diesem Augenblick, wenn dieser sichtbare Leib, der mir immer meine innerste Heimat war, weggenommen wird, wenn ich ihn ablegen muss, wie furchtbar ist das doch! Und da sagt Paulus: Wir haben bis jetzt nur einen Pfand, eine erste Rate. Sie wissen, wie das doch ist, wenn man einen Ratenkauf macht und einen kleinen Betrag zahlt. Die erste Rate, die vom Heiligen Geist bezahlt ist, die ist bezahlt.
Und nun herrscht wieder diese schlimme Unkenntnis, die wir schon am letzten Sonntag beklagt haben, dass viele evangelische Christen nicht wissen, ob sie den Heiligen Geist haben. Woran erkenne ich denn den Heiligen Geist? Daran, dass er mir das Wort Gottes verständlich macht, wenn ich es nicht fallen lasse. Wenn Sie glauben können, wenn Sie Jesus erkennen, wenn Sie beten können, das sind alles Wirkungen des Geistes Gottes in Ihnen. Aber eben nur eine erste Rate.
Und nun wünschen wir uns immer mehr von diesem Geist Gottes, und den brauchen wir auch, gerade damit wir die schweren Zeiten überwinden, die Leidenszeiten, wo wir auch dieses Vergänglichsein so sehr an uns spüren. Und es ist ja immer ein schwerer Prozess, dieses Leiden zu tragen.
Ich mache eine interessante Erfahrung in meinem Dienst, und ich bin ja so dankbar, dass ich immer wieder bei den Kranken sein darf. Ich will Ihnen nur raten: Gehen Sie so viel wie Sie können dorthin. Mir hat es in der letzten Woche eine Frau wieder versichert, als sie sagte: Mein Mann war Fabrikant, und wir kamen eigentlich nie dazu, an Gott zu denken. Erst seitdem ich gelähmt zu Hause liege, habe ich ihn gefunden.
Und ich glaube, dass in der ganzen Straße kein Mensch so vergnügt und heiter ist wie diese Frau, die sehr viel ertragen muss und seit vielen, vielen Jahren von ihrem Leiden schwer gezeichnet ist und keinen Schritt mehr gehen kann.
Leib, Alter und die Hoffnung auf Verwandlung
Der Geist Gottes, der in uns kommt und wirkt, ist immer eine Wirkung des Geistes Gottes. Er ist es, der das tut und der es möglich macht.
Und Paulus hatte ja selbst einen kranken Leib. Wir wissen nicht, was es war. Waren es schwere Migräneanfälle, oder war es doch ein epileptisches Nervenleiden? Was war das denn? Wir wissen es nicht genau. Es war ein Leiden an diesem zerbrechlichen Leib. Und man sollte dies immer wieder erwähnen, denn die Prediger haben oft Anstoß genommen, dass Paulus gar nicht attraktiv aussah. Sie sagten immer: Mit dem Paulus kann man keinen Jugendgottesdienst machen, der stößt die Leute ab.
Denn in unserer Zeit ist es ja ähnlich. Da zählt ja nur der schöne Leib, der Leib, der gegrillt ist und so knusprig braun ist wie die Hähnchen. Der junge Leib wird doch vergöttlicht, sodass man gar nicht zugeben will, wie alt man ist. Wie viele genieren sich, ihr Alter zu nennen, oder sagen: Ich möchte meine Falten verbergen, die ich habe. Als wäre nicht das Gesicht, das mit Falten vom Alter gezeichnet ist, viel schöner als der jugendliche Leib.
Wir wollen doch Ja sagen zum Vergehen. Wir wollen es doch als Christen ganz bewusst leben und sagen: Aber wir wollen noch den Geist Gottes haben, der darin umso mehr in uns wirkt.
Und dann zählt Paulus hier auf, wie dieser Geist Gottes uns das Beten lehrt und wie er ununterbrochen auch in den Stunden der Anfechtung ruft. Wenn ich nicht mehr beten kann, ist das so schön für die, die vor der Narkose stehen, in der Operation: Der Geist Gottes vertritt dich mit unaussprechlichem Seufzen, selbst wenn du nicht mehr beten kannst, auch im Schlafen. Da pausiert mein Glaube nicht einfach. Die Verbindung des Geistes Gottes bleibt.
Gottes Wille, die Erlösung des Leibes und die Kette des Heils
Und was meint denn Paulus da, wenn er sagt: Wir wissen nicht, was wir beten sollen? Wir wissen doch genau, was wir beten sollen. Wir haben doch unsere Wunschliste.
Nein, sagt Paulus, da bin ich mir gar nicht so sicher. Soll ich etwa bei diesem Kranken für Gesundung beten, oder soll ich darum beten, dass der Herr ihn bald heimheimt? Haben Sie noch nie dieses Problem gehabt: Was ist der Wille Gottes? Was ist besser für einen? Wir wissen doch gar nicht, was gut ist.
Paulus war vielmehr von der Frage bewegt, was eigentlich richtig ist bei meinem Beten. Er ging nicht von seinen privaten Wünschen aus. Er wusste ja: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Ich will jetzt wissen, was Gottes Wille über mir ist, das ist das Richtige. Und er weiß, dass der Geist Gottes dann erst recht lehren kann zu beten.
Wir warten auf unseres Leibes Erlösung. Das ist auch ganz wichtig. Nicht, dass unsere Seele entflieht, sondern dass dieser Leib neu geschaffen wird. Christen haben einen Bezug zu ihrem Leib, auch zu ihrem Körper, weil er von Gott geschaffen ist. Und er wird einmal neu sein, ohne Schwäche, ohne Krankheit, wenn wir vor Gott stehen in der Ewigkeit, neu. Auf diesen Tag freuen wir uns.
Und noch das Letzte: Wir sind festgehalten. Da bringt Paulus diese Kette, sagen wir da gerne, wie das nacheinander geht, wie er ausersehen hat, wie er auch vorherbestimmt hat, wie er vorherbestimmt hat, wie er auch berufen hat, wie er gerecht gemacht hat, wie er herrlich gemacht hat. Was meint denn dies?
Ach, Paulus weiß, wie dies oft bei uns eine kümmerliche Sache ist. Manche sagen: Ich stehe ja mit meinem Christsein erst am Anfang. Du, das ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass man einmal Ja sagt. Ich lasse mir das nicht nehmen, auch von manchen Kritikern, die sagen, man soll nicht zur Entscheidung rufen. Man muss zur Entscheidung rufen.
Es ist wichtig, ob ich mich einmal ausstrecke und sage: Ja, Herr, dir will ich gehören mit Leib und Seele. Gerade weil Gott will. Gott will. Von Ewigkeit her geht seine Liebe zu uns. Gott hat an uns schon gedacht, bevor wir geboren wurden, als uns noch unsere Mutter getragen hat, nein, noch viel früher.
Erwählung, Berufung und das Ziel der Verherrlichung
Und er hat schon an mich gedacht, als er rief: Es ist vollbracht. Ich verstehe das nicht, dass Gott mich schon kennt, Jahrhunderte bevor ich geboren wurde. Dass ich von Gott in seiner Liebe geplant bin, und dass Gott weitere Absichten mit mir hat. Darum kann ich heute Ja zu ihm sagen, weil sein ganzes Suchen mir gilt.
Und nun hat Gott weitere Pläne: Mein Leben soll umgestaltet werden in sein Bild hinein, damit ich Jesus ähnlich werde. Paulus hat nie, wenn er von Schwachheit sprach, gemeint, dass wir leicht etwa mit der Sünde noch mitmachen könnten. Da hat er nie Ja dazu sagen können. So wird das ja gern missverstanden, auch in der lutherischen Tradition. Da muss eine klare Trennung erfolgen: Ich will nicht mehr das, was Gott nicht will, sondern mein Leben soll umgestaltet werden, Jesus ähnlich. Aber gerade im Leiden auch, selbst dann, wenn mein Leib zerbricht, soll ich immer mehr ihm ähnlicher werden und sagen können: Ja, Herr, dein Wille geschehe. Ich will zu deiner Ehre und zu deinem Lobe leben, und mein Leben soll etwas sein zum Lob deiner Herrlichkeit.
Und die, die Gott vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen. Jetzt kommen nachher zwei und sagen: Aber wie ist das mit der Prädestination? Gott sei Dank steht das Wort Prädestination nicht da. Scheußlich, was Menschen an theologischen Bänden über solche Sachen geschrieben haben. Wissen Sie, was da steht? Dass Gott in seiner Liebe ihre Errettung will, und das soll für sie genug sein. Was Gott mit Adolf Hitler macht, weiß ich auch nicht. Lassen Sie das Gottes Sorge sein. Genügt Ihnen das, dass Gottes Liebe sie sucht?
Und alle Gedanken über die Prädestination werden so falsch sein, wie man nur denken kann. Er hat sie vorherbestimmt. Und das ist schlimm, wenn wir in diese Bestimmung Gottes nicht hineinpassen. Wenn wir diese ewige Bestimmung verlieren, dann sind wir verlorene Leute in Ewigkeit. Wenn wir das versäumen, wenn wir um ein paar irdische Dinge willen, um ein paar Dinge der Gebotsübertretung, der Sünde willen, die Bestimmung Gottes verlieren, wenn wir um der Trägheit und Verlotterung unseres Fleisches willen einfach nicht Ja sagen können zu dem, was der Geist Gottes will und wohin er uns zieht, dann ist das schlimm. Denn wir verlieren das.
Und am Ende kommt noch dies: dass Gott uns herrlich machen will, ganz seiner ewigen Herrlichkeit nach. So will er uns prägen, dass Christus unser Leben zeichne, durch und durch. Das will er tun. Solche Pläne hat Gott mit uns.
Schluss: Das Wort im Alltag bewähren
Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. An dieser Stelle wird es praktisch. Da kann Gott uns verherrlichen, indem wir die unbequemen Dinge, die uns ärgerlich sind und gegen die wir leidenschaftlich aufbegehren, annehmen und sie tragen zur Ehre unseres Herrn. Zur Verherrlichung seines Namens. Amen.

