
Apostelgeschichte 11,1-18 Streit in der Gemeinde vermeiden
Apostelgeschichte 11,1-11,1821.01.2016
Serie•Teil 21 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Schwerpunkt der Predigt
Also, Apostelgeschichte, Kapitel elf, da machen wir weiter. Und ich möchte es heute so machen, dass ich euch am Anfang den Text vorlese. Das Spannende bei diesem Text besteht nämlich darin: Ich sage euch nichts Neues. Das, was wir jetzt lesen, ist einfach nur die Beschreibung von dem, worüber ich das letzte Mal gepredigt habe und das vorletzte Mal.
Deswegen mache ich Folgendes: Mich interessiert der Inhalt heute ein bisschen weniger als die Situation in der Gemeinde. Achtet bitte darauf, ich lese das mal vor, was hier passiert. Achtet bitte mal darauf, wie Leute in der Gemeinde miteinander umgehen. Das ist so der Schwerpunkt, und dann steigen wir ein.
Also Apostelgeschichte 11,1-18. Ich lese das mal vor:
Die Apostel aber und die Brüder, die in Judäa waren, hörten, dass auch die Nationen, also die Heiden, in dem Fall Cornelius mit seinen Freunden, das Wort Gottes angenommen hatten. Und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam – der hatte das ja gemacht, der war dafür verantwortlich, dass die Heiden sich bekehrt hatten –, stritten die aus der Beschneidung, das sind die Christen mit einem jüdischen Hintergrund, die beschnitten waren, stritten die aus der Beschneidung mit ihm und sagten: Du bist bei unbeschnittenen Männern eingekehrt. Du, das darf man nicht! Du bist bei unbeschnittenen Männern eingekehrt und hast mit ihnen gegessen.
Petrus aber fing an und setzte es ihnen der Reihe nach auseinander und sprach: Ich war in der Stadt Joppe im Gebet. Jetzt erzählt er uns die ganze Geschichte, die wir schon kennen, noch einmal. Also wer die letzten Male dabei war: Das ist jetzt Apostelgeschichte 10 noch einmal nacherzählt, mit etwas kürzeren Worten, aber es ist die gleiche Geschichte. Es kommt nichts Neues dazu.
Ich war in der Stadt Joppe im Gebet, und ich sah in einer Verzückung eine Erscheinung, wie ein Gefäß herabkam, gleich einem großen leinenen Tuch, an vier Zipfeln herabgelassen aus dem Himmel. Und das kam bis zu mir. Und als ich gespannt hineinschaute – das können wir uns vorstellen: Du bist im Gebet, und plötzlich kommt da so ein leinenes Tuch runter, und es zappelt und wappelt da drin. Da denkst du dir nur: Mal schauen, was da drin ist. Als ich gespannt hineinschaute, bemerkte und sah ich die vierfüßigen Tiere der Erde und die wilden Tiere und die kriechenden und die Vögel des Himmels.
Ihr müsst euch mal vorstellen, wie groß das Tuch war, wenn du da alles Mögliche drin rumschwirren siehst. Und ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss. Ich sprach aber: Keineswegs, Herr. Erinnert euch, da haben wir darüber gesprochen: Das geht nicht. Keineswegs, Herr. Man darf nicht sagen, entweder Herr und Ja oder Nein, aber dann nicht Herr. Aber er sagt trotzdem: Keineswegs, Herr, denn niemals ist Gemeines oder Unreines in meinen Mund gekommen.
Also er schaut rein und sieht: Das darf ich nicht essen. Und als dann die Stimme kommt: Schlachte und iss, sagt er: Nein, nein, nein, nein, das machen wir nicht, wollen wir nicht. Eine Stimme aber antwortete zum zweiten Mal aus dem Himmel: Was Gott gereinigt hat, mach du nicht gemein. Sei nicht einer, der etwas für unrein und für schlecht und für nichtswürdig hält, wo Gott sagt: Das ist okay.
Dies aber geschah dreimal. Wir haben miteinander darüber geschmunzelt, wie lange Petrus braucht, um zu verstehen, was Gott von ihm will. Er versteht das nicht. Und alles wurde wieder hinaufgezogen in den Himmel. Und siehe, sogleich standen vor dem Haus, in dem ich war, drei Männer, die von Cäsarea zu mir gesandt waren.
Und weil er es nicht verstanden hatte, muss jetzt Gott direkt sprechen, der möchte, dass die Kirchengeschichte weitergeht. Der Geist aber sagte zu mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Es kamen aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir kehrten in das Haus des Mannes ein. Und es geht immer noch um Cornelius, diesen heidnischen Hauptmann. Und er erzählte uns, wie er den Engel in sein Haus habe stehen sehen und sagen: Sende nach Joppe und lass Simon mit dem Beinamen Petrus holen. Der wird Worte zu dir reden, durch die du errettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.
Während ich aber zu reden begann – jetzt ist also Petrus in der Geschichte so weit, dass er im Haus von Cornelius steht, dort das Evangelium verkündigt, die Heiden fangen an zu glauben –, fiel der Heilige Geist auf sie, so wie auch auf uns im Anfang. Er erinnert sich daran, wie das an Pfingsten war. Ich gedachte aber an das Wort des Herrn, wie er sagte: Johannes tauft zwar mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden. Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich, dass ich hätte Gott wehren können?
Und damit meint er: Wer bin ich, dass ich in dieser Situation diese Leute, die so offensichtlich genau so gläubig sind wie auch wir Christen mit einem jüdischen Hintergrund, nicht hätte taufen dürfen? Das ist doch logisch. Das haben wir doch auch gemacht.
Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen, also den Heiden, die Buße gegeben zum Leben.
So, ich habe euch inhaltlich über diese Ereignisse alles gepredigt, was mir einfällt. Und deswegen gehe ich jetzt von dem Text einfach mal einen Schritt nach hinten. Ich würde mit euch heute gerne über Konflikte in der Gemeinde reden, denn das ist das, was hier passiert.
Petrus macht etwas irgendwo weit weg. In Jerusalem gibt es eine Fraktion von – wir nennen sie mal Hardlinern –, die hören das und denken sich: Das geht aber gar nicht, wie kann der nur? Und sobald der in Jerusalem das nächste Mal auftaucht, stellen sie ihn zur Rede.
So, was lernen wir aus dieser ganzen Geschichte? Und ich werde ein klein bisschen weitergehen: Wer bei dem Ehekurs mal dabei war, da gab es auch eine Lektion, wie man dafür sorgt, dass aus einem Konflikt kein Streit wird. Ich habe ein paar Gedanken aus diesem Ehekurs mal in meine Ausführungen mit einfließen lassen. Wenn ihr an der einen oder anderen Stelle denkt: Ach, das habe ich schon mal gehört, genau richtig, habe ich an anderer Stelle vielleicht schon mal gesagt.
Also heute die Frage: Was kann ich aus dieser Geschichte lernen über den Umgang mit Konflikten in Gemeinden?
Was einen Konflikt nicht automatisch zum Streit macht
Das Erste, was wir zuerst einmal festhalten müssen, ist: In einer Gemeinde kannst du Missverständnisse nicht vermeiden. Bitte haltet das fest: Die Idee, es gäbe eine Gemeinde, in der alle so harmonisch miteinander leben, wo ein Rädchen ins andere greift, ohne jemals zu stocken, wo im Getriebe immer nur Öl wäre und nie Sand, die kannst du knicken. Das wird es nicht geben.
Missverständnisse sind unvermeidlich. Dieses „Ich denke falsch über den anderen, ich habe da einen Eindruck und ich rege mich vielleicht auch kurz innerlich mal auf, was der denn da macht“ – Missverständnisse lassen sich nicht vermeiden. Was ich machen kann, und das ist das Entscheidende: Ich kann und muss und soll dafür sorgen, dass aus einem Missverständnis, aus einem Konflikt, kein handfester Streit wird. Das ist unsere Aufgabe. Aber zu glauben, ich könne am Anfang das Missverständnis vermeiden, das wird nicht gehen.
Und deswegen die erste Lektion, die ich euch mitgeben möchte, hier bei Petrus: Die fangen an zu streiten, und was macht Petrus? Der bleibt cool. Ja, der lässt sich kein Stück darauf ein. Ich finde das toll. Also, ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn jemand dich wegen einer Sache angeht, die du nicht gemacht hast. Stell dir vor, jemand sagt: „Boah, wie konntest du nur?“ – und du hast doch gar nichts gemacht. Er bleibt einfach cool.
Und die erste Lektion, und vielleicht die wichtigste Lektion, die sowohl im Bereich der Ehe als auch im Bereich der Gemeinde gilt, ist: Wenn du in eine Situation reinkommst, wo es brenzlig wird, streite nicht. Cool. Ist so einfach. Ach, Leben kann so herrlich einfach sein.
Also, ich zeige euch das in Sprüche 17,14, da steht das. Und wenn ihr den noch nicht auswendig gelernt habt, lernt ihn auswendig, der ist wirklich schön. Sprüche 17,14: Wie einer, der Wasser entfesselt. Ihr müsst euch einen großen Staudamm vorstellen. Wasser entfesseln heißt: wie einer, der da so eine Mauer wegbrechen lässt, und dann geht da so eine Sturzflut runter ins Tal und reißt alles kaputt. Wie einer, der Wasser entfesselt, so ist der Anfang eines Streits.
Tipp: Bevor also der Rechtsstreit hier steht, denkt einfach an normalen Streit, das ist das gleiche Wort. Bevor also der Streit losbricht, lass ab. Wenn du in eine Situation reinkommst, wo jemand dich provoziert, lass dich einfach nicht provozieren. Das ist das, was Petrus hier vorlebt. Bleib cool, einfach schön cool bleiben.
Wie bleibe ich cool? Na ja, da könnte es hilfreich sein, wenn du weißt, wie du im Streitfall reagierst. Es gibt zwei große Streittypen. Es gibt den Nashornstreiter, und es gibt den Igelstreiter. Ich bin kein Igel, ich bin das Nashorn. Das heißt, wenn du mich jemals reizt an dem Punkt, dass ich meine, in einen Streit eintreten zu müssen, dann hast du ganz viel Spaß. Also, ich bin der Typ: Ich brauche ein bisschen, aber wenn ich dann so anfange zu scharren und mein Horn mal tieferlege und Gas gebe, dann möchtest du nicht im Weg stehen.
Meine Frau ist der Igeltyp. Ja, also wenn es so ein bisschen kritisch wird, wird mich schon keiner sehen. Ihr könnt euch vorstellen, das ist eine schöne Ehe, oder? Der eine, der einfach macht, ja, und der andere, der sich denkt: Wenn du dich jetzt nicht langsam rührst, laufe ich los.
Also, das mal zu analysieren, wie ticke ich, wenn Streit kommt, kann total hilfreich sein, um in einem Konfliktfall vernünftig zu reagieren. So dass der Igel sich vielleicht nicht einfach nur zurückzieht, sondern einfach mal sagt: Du, das wird mir jetzt gerade ein bisschen zu heiß. Können wir uns eine Auszeit nehmen? Oder was auch immer es an Vermeidungsstrategien gibt, damit ein Konflikt nicht in einen Streit überläuft? Und das Nashorn, das kann durchaus wissen: Einfach nur darauf losrennen bringt auch nichts. Ich muss vielleicht aus dem Zimmer rausgehen an der Stelle. Ich muss irgendwas tun, damit ich jetzt nicht loslaufe.
Wichtig ist zu verstehen: Wer bin ich, damit ich in der Situation richtig reagiere? Also mich weder auf eine falsche Weise zurückziehe, der Igel, noch auf eine falsche Weise einfach schon was passiert. Beides wäre falsch. Also, was bist du für ein Typ?
Und je nachdem, was du für ein Typ bist, kannst du auf eine etwas andere Weise in einem Konfliktfall cool bleiben. Der eine muss was sagen, muss sagen: Hey, das wird mir jetzt zu viel. Ich bin hier überwältigt von der Situation. Ich weiß gar nicht, wie wir damit umgehen. Können wir mal eine Auszeit nehmen? Und der andere muss sich zurückziehen: Ich muss mich mal abkühlen. Ich habe jetzt innerlich gerade so einen Brass, ich weiß gar nicht, was ich machen soll. Du, das ist jetzt nicht gut, wenn wir weiterreden.
Das wäre hilfreich, wenn ihr cool bleiben wollt, weil cool bleiben eben so eine Sache ist, die man lernen muss. Der Vers sagt es ja. Und wir müssen deshalb cool bleiben, weil es in jeder Beziehung, auch in der Gemeindebeziehung, apokalyptische Reiter gibt, also Dinge, die auf keinen Fall in die Beziehung hineinkommen dürfen. Das sind vier Stück.
Vier Dinge dürfen, wenn ein Missverständnis da ist oder wenn man anfängt, aus einem Missverständnis so langsam in einen greifbaren Konflikt überzugehen, dann gibt es vier Dinge, die haben da nichts verloren: vier apokalyptische Reiter, die, wenn sie erst mal da sind und wenn sie erst mal in einer Beziehung, egal ob Ehe oder Gemeinde, losgelassen sind, einfach total viel kaputt machen. Diese vier heißen: beißende Kritik, Verachtung, Mauern und Rechtfertigung.
Also, in einer Beziehung hat Kritik, Verachtung, Mauern – das ist so dieses „Ich lasse mir von dir gar nichts sagen“ – Rechtfertigung, „ich habe doch Recht, egal was du sagst“: Diese vier Dinge, wenn die erst mal anfangen, dann kriegst du ein Missverständnis oder einen harmlosen Konflikt fast nicht mehr gegriffen. Dann läuft das fast automatisch rüber in Streit. Und deswegen der Tipp aus dem Ehekurs, da kommt das her: Passt auf, dass diese Dinge nicht passieren.
Also, cool bleiben heißt: Ich möchte weder kritisieren, noch verachten, noch mauern, noch rechthaberisch darauf hinweisen, dass der andere ja sowieso nicht recht hat. Ich lasse das alles. Das heißt, ich bleibe cool.
Gute Absichten, echte Fakten und Gottes Weg mit anderen
Und jetzt merken wir schon, dass wir hier im Text Leute haben, die genau das machen. Ich lese das noch einmal vor. Da heißt es in Apostelgeschichte 11,2-3: Und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm.
Also, die bringen Kritik an. Streiten ist etwas anderes, als jemandem mal nachzufragen, was da passiert ist. Es ist wirklich ein Dagegengehen. Und sie sagten: Vorwurf, Kritik, du bist bei unbeschnittenen Männern eingekehrt und hast mit ihnen gegessen.
Eigentlich macht diese Fraktion alles falsch, um die Situation irgendwie retten zu können. Und wenn jetzt in diesem Moment Petrus auch noch dagegen haut, so nach dem Motto: Ihr kennt ja den Petrus. Seid ihr nicht ein bisschen verblüfft, wie entspannt er ist? Petrus, hallo, ja, das ist nicht Johannes, das ist Petrus, ja, das ist der, okay, Freunde, ja, könnt ihr haben. Also der, der sonst eigentlich immer so ein bisschen vorneweg ist, ich finde Petrus, also der ist tiefenentspannt in der Situation.
Das ist gar nicht Petrus, der hier eigentlich so reagiert. Aber doch, das ist das, was der Geist Gottes im Leben eines Menschen macht. Da kommt dann ein Charakter aus, der geprägt ist von Liebe, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte. Und das merkt man hier bei Petrus. Das ist nicht mehr der alte Petrus, mit dem wir es hier zu tun haben. Die streiten gegen ihn, und er bleibt ruhig.
Also, das war der erste Punkt. Frage: Was machen seine Gegner eigentlich falsch? Also, was können wir von seinen Gegnern lernen?
Der zweite Punkt lautet: Unterstelle das Gute. Ich sage das noch einmal: Unterstelle einem anderen das Gute. Also, wenn du mit jemandem zusammen bist und wenn du merkst, der andere macht etwas, was ich nicht verstehe, der macht vielleicht sogar eine Sache, die mir so innerlich aufstößt, was tue ich dann?
Hier unterstellen die Petrus etwas Falsches. Sie gehen hin und sagen: Du hast einen Fehler gemacht. Sie unterstellen ihm ein Fehlverhalten. Was wir daraus lernen können, ist: Wenn man klug ist, macht man es genau andersherum. Wenn du klug bist und du merkst, ich bin in der Gemeinde mit Leuten zusammen, dann lerne es, Menschen das Gute zu unterstellen. Cool, oder? Also, das muss man lernen.
Alles in uns schreit nach Rache. Das ist unser Fleisch, du kannst machen, was du willst. Jeder ist darauf gepolt, dem anderen eins reinzuwürgen. Und jetzt kommt die Bibel und sagt: Unterstelle dem anderen doch mal das Gute.
Ja, aber der hat doch das und das gemacht oder das und das gesagt. Hast du die E-Mail nicht gelesen? Oder den Aushang? Das geht doch nicht! Unterstelle doch einfach mal dem anderen das Gute. Einfach mal so als Grundeinstellung, weißt du? Da sagt jemand was über dich, und du denkst als Erstes: Ach, das hat er nicht so gemeint. Das geht gar nicht, das glaube ich nicht.
Kannst du dir vorstellen, wie Gemeinde sich anfühlen würde, wenn man einfach so durchs Leben gehen würde, so nach dem Motto: Nö, das hat der nicht böse gemeint, das ist ihm so rausgerutscht, pff. Also, nö. Stellt euch mal eine Gemeinde vor, wo jeder so über den anderen denken würde, wo jeder reingeht und sagt: Nö, ich weiß, der hat mich lieb. Es war vielleicht ein bisschen blöd formuliert, ja, hätte man schöner formulieren können, aber da brauchen wir gar nicht drüber reden, das meint er nicht so.
Und du denkst jetzt: Wow, das hört sich schon fast nach Himmel an. Tja, genau das. Und deswegen gibt es Stellen in der Bibel, zum Beispiel Jakobus 5,9. In Jakobus 5,9 da steht, dass wir nicht übereinander seufzen sollen: Seufzt nicht gegeneinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet.
Wie, ich darf nicht über jemanden, der mich nervt, seufzen? Ja, versuch doch mal, versuch doch mal so zu leben, dass, wenn du auf etwas stößt, was dir an einem anderen nicht passt, du nicht sagst: Schon wieder der. Schon wieder die! Lass das doch einfach mal! Mach doch mal nicht! Denk doch einfach mal, das ist bestimmt nicht so schlimm.
Stell dir vor, du würdest das trainieren. Wann immer dieses Seufzen kommt, dann kommt Jakobus 5,9 und sagt: Hallo, nicht gut, gar nicht gut. Also lern den Vers auswendig, wenn du ein Typ bist, der damit Probleme hat, lern den Vers auswendig. Irrschwer zu leben, keine Frage, das ist eine Lebensaufgabe, das umzusetzen. Aber stellt euch vor, wir würden diese Grundeinstellung haben: Wir seufzen erst mal nicht.
Und wo wir gerade dabei sind, nicht zu seufzen, gehen wir noch einen Schritt weiter: Psalm 16,3. Das ist ja bekanntermaßen ein messianischer Psalm, das heißt ein Psalm, der uns mit dem Innenleben von dem Herrn Jesus konfrontiert, wo wir sehen können, wie er umgeht mit Menschen. Und da steht der Vers, den ich persönlich auswendig gelernt habe, weil ich ihn ganz oft brauche, weil ich ihm nur glaube, weil er in der Bibel steht.
Was ist die Haltung des Messias im Blick auf Gläubige, im Blick auf Heilige? Wie würde der Herr Jesus so eine Gemeinschaft hier beurteilen? Da heißt es: An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen ist all mein Wohlgefallen.
Stell dir vor, du würdest hierher kommen und du würdest dir vergegenwärtigen: An diesen Menschen, die hier sitzen, an den Gläubigen, das sind Heilige, Geheiligte, das sind in Gottes Augen Herrliche, die eine Majestät und eine Ausstrahlung haben, die weit über die Schönheit der Milchstraße hinausgeht. Das ist die Gruppe, die in alle Ewigkeit dazu berufen ist, Gott zu begegnen, ihn zu sehen und für ihn zu strahlen.
Ich komme hierher und ich gewöhne mir an, diese Menschen zu bewundern, die hier sitzen, völlig egal, was in der letzten Woche passiert ist. Wenn ich mich über eine Sache freue, dann über die Person, die neben mir sitzt, weil sie meine Schwester, mein Bruder im Glauben ist. Wenn ich mich über eine Sache freue, dann über das, was hier in der Gemeinde vorangeht, weil ich weiß: Das ist das wahre Leben, das ist die wahre, die göttliche Perspektive auf Menschen.
Das ist eine Perspektive der Bewunderung, die in dem anderen das Wunder sieht, das Gott in ihn hineingelegt hat. Und Bewunderung ist die Grundlage für Bruderliebe. Wenn du den anderen bewunderst, wirst du ihn lieben. Und wenn du ihn liebst, dann wirst du bereit sein, ihm alles Gute zu unterstellen, was dir einfällt, weil du weißt: Wenn ich ihm das Gute unterstelle, dann lege ich das Fundament für Gemeinschaft.
Und noch etwas: Wenn dann wirklich mal Sünde passiert, und die gibt es ja auch, es gibt ja nicht nur Missverständnisse, es gibt auch handfestes Fehlverhalten, dann habe ich mit dieser Grundlage der Liebe und der Bewunderung ein Fundament dafür gelegt, Lastenträger zu sein und auch mal etwas Kritisches anzusprechen. Einfach weil der andere weiß: Der hat mich gern. Und wenn er jetzt kommt und mir etwas sagt, wo er mir echt in die Parade fährt, wo ich echt merke, das möchte ich eigentlich nicht hören, dann weiß ich wenigstens: Das sagt er nicht aus der Position des Besserwissers, sondern aus der Position meines Freundes, der mich liebt.
Zweite Lektion: Unterstelle das Gute.
Dritte Lektion: Hört euch doch erst mal die Fakten an. Ich finde Petrus klasse. Statt auf diesen Streit einzugehen, sagt Petrus: Wisst ihr was, ich erzähle euch erst mal überhaupt, was Sache ist. Ihr habt da irgendwas gehört, irgendwie ist das auch richtig, ihr kennt die halbe Wahrheit. Ja, es stimmt, ich bin da in dem Haus von dem Ungläubigen gewesen, ich habe mit ihm gegessen, ja, richtig, aber hört euch doch erst mal die ganze Geschichte an.
Und in Sprüche 18,13 wird dieses Konzept aufgegriffen. Sprüche 18,13: Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, dem ist es Narrheit und Schande. Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, also wer sich eine Meinung bildet über einen Sachverhalt, bevor er die Fakten gehört hat: Narrheit, Schande.
Du möchtest ein richtiger Dummkopf sein, so ein echter Blödian? Quatsch drauf los, bevor du die Fakten kennst. Du möchtest in einem Streit dafür sorgen, dass Missverständnisse in der Gemeinde sich nicht zu einem Streit eskalieren? Ganz einfach: Geh zu dem, den es betrifft, und sag: Du, was ist denn da los? Ich habe hier eine E-Mail bekommen von dir. Du hast das bestimmt nicht so gemeint, du wolltest mich bestimmt nicht beschimpfen, aber es kommt so ein bisschen komisch rüber. Erzähl mir doch mal die ganze Geschichte.
Vielleicht muss man auch weniger E-Mails schreiben in Gemeinden und mehr miteinander telefonieren. Und vielleicht muss man auch mehr, nicht nur telefonieren, sondern sich auf eine Tasse Kaffee treffen oder auf ein Bier und einfach miteinander reden. Ich glaube, da lässt sich viel, viel mehr erledigen, als man denkt.
Wir sind so in diese Hektik, Schnelligkeit oft eingebunden, in diese Gesellschaft, die alle wupp, wupp, wupp, wupp, ja, und dann schreibt man schnell mal hier eine E-Mail oder da eine SMS oder man nimmt sich nicht mehr die Zeit. Und jetzt kommt hier Petrus und sagt: Hey, ich erzähle euch erst mal die ganze Geschichte.
Dritter Punkt: Hör dir einfach erst mal die Fakten an.
Gottes Handschrift erkennen und die eigene Sicht prüfen
Und während ich mir die Fakten anhöre, kommt Punkt Nummer vier: Entdecke doch Gottes Handschrift im Leben der Geschwister.
Damit will ich Folgendes sagen: Jesus ist Herr, und Gott handelt mit unterschiedlichen Menschen sehr unterschiedlich. Wir haben, glaube ich, alle die Tendenz zu glauben, dass mein Leben, und gerade da, wo mein Leben gut läuft, so etwas wäre wie die Blaupause für das Leben aller anderen. Also sprich: Was bei mir funktioniert, wie Gott mit mir handelt, so muss er irgendwie auch mit allen anderen Menschen handeln.
Und wenn ich dann in eine Situation komme, wo ein anderer sich so ganz anders verhält, als ich das in der Situation machen würde, dann entsteht leicht dieser Gedanke: Da ist ein Fehler, das kann man doch nicht so machen. Und jetzt komme ich und sage: Vorsicht! Wenn ich dem anderen schon das Gute unterstelle, kann es sein, dass Gott mit unterschiedlichen Leuten unterschiedlich handelt, und dass das noch lange nichts mit Sünde zu tun hat. Es wäre wirklich gut, sich die ganze Geschichte erzählen zu lassen und zu merken, wo der andere steht, was Gott mit ihm gemacht hat, warum bestimmte Dinge sich so entwickelt haben oder noch ein bisschen weiter, wo Gott mit dem anderen gerade auf dem Weg ist.
Einfach nur zu sagen, der andere macht einen Fehler, ja, kann ja sein. Aber der andere ist genauso unfertig, wie du unfertig bist. Wir stehen nur an unterschiedlichen Stellen der Unfertigkeit. Vielleicht ist es wichtig zu sehen, wo der andere gerade mit Gott unterwegs ist, um dann zu sagen: Ah, deswegen ist dir das passiert, wow. Und vorher hat Gott das gemacht, ja, okay, jetzt verstehe ich viel besser, wie es dir gerade geht. Das ist ja Wahnsinn.
Stellt euch vor, wir würden uns so sehr füreinander interessieren, dass du beim Kaffee nachher dem Gegenüber mal deine Geschichte erzählst. Wo stehst du gerade mit Gott? Was erlebst du mit Gott? Was ist letzte Woche auf dem Weg, den du mit Gott gehst, eigentlich passiert?
Soll ich euch was sagen? Wir leben oft in Gemeinden, wo das überhaupt nicht von Interesse ist. Kein Vorwurf, es ist einfach nur so. Ich habe gestern auf einer Jugendbibelkonferenz eine Predigt gehalten und dabei Simson und David miteinander verglichen. Ich glaube, wir sind viel zu viele Simsons in Gemeinden. Viel zu viele Einzelkämpfer, die so ihr Ding alleine machen, die sich wenig offenbaren, die wenig über den Weg reden, den Gott gerade mit ihnen geht, auch wenig über ihre Probleme reden, die irgendwie selber was reißen wollen, die sich an ihrem persönlichen, individuellen Glauben, ihrer individuellen Berufung erfreuen, statt dass wir Gemeinschaft leben.
Und hier ist eine Chance, Gemeinschaft zu leben: Erzähl mir deine Geschichte. Erzähl mir deine letzte Woche, was war gut? Wo hast du Gott erlebt? Erzähl es mir einfach, es interessiert mich. Ich möchte Gott kennenlernen, und ich möchte ihn in deinem Leben sehen. Und ich glaube, dass er in deinem Leben drin ist, und ich zeige ihn mir doch. Und vor allem dann, wenn wir über Missverständnisse klagen, ist es wichtig, dass wir die ganze Geschichte kennen, dass wir merken, wie Gott im Leben der anderen wirkt.
Und wenn ich das tue, wenn ich da zuhöre und das zulasse, zu glauben, dass Gott mit unterschiedlichen Leuten seinen ganz eigenen Weg geht, wenn ich das glaube, sei kritisch im Blick auf deine eigene Position. Was meine ich damit? Ich finde bei mir, bei mir, das müsst ihr nicht finden, aber ich finde das bei mir die Tendenz, immer zu glauben, zu wissen, was der andere braucht. Ich weiß immer, wo die Fehler bei dem anderen sind, ich weiß immer, was der andere anders machen sollte. Den blinden Fleck im Leben eines anderen zu sehen, finde ich ganz einfach. Ich muss mich gar nicht anstrengen, das macht einfach schnapp, und dann sehe ich es. Und dann vergesse ich, dass ich womöglich den blinden Fleck in meinem eigenen Leben gar nicht so deutlich sehe.
Ihr könnt jeden Tag dafür beten: Herr, zeig mir meine blinden Flecke. Das könnt ihr bis zum Rest eures Lebens jeden Tag beten, das ist ein gutes Gebet. Herr, zeig mir, an welchen Stellen ich nicht sehe, was bei mir schräg ist. Betet dafür. Und wenn ihr das betet, und wir müssen das beten, weil wir müssen Sünde erkennen. Im Vaterunser steht, dass wir jeden Tag beten sollen: Und vergib uns unsere Schuld. Ja, dazu muss ich ja verstehen, was Schuld ist. Schuld ist Chance, eine Chance, eine Sünde loszuwerden, eine Chance, Jesus ähnlicher zu werden, eine Chance, brauchbarer zu werden.
Und in dem Moment, wo ich eigene Sünde erkenne, in dem Moment merke ich: Im Blick auf einen Dritten, im Blick auf einen anderen kann ich mich irren. Ich kann mich irren. Ich kann in dem anderen etwas sehen, was ich für falsch halte, aber ich kann mich irren. Lass diesen Gedanken doch mal zu: Du könntest dich irren. Du regst dich total über jemanden auf, wie kann der nur? Lass in diesem Moment doch mal diesen kleinen Gedanken zu: Ich könnte mich irren. Das hilft. Ich weiß nicht, wie oft das mir im Gebet geholfen hat.
Du gehst so völlig emotional aufgeladen los und betest und regst dich auf, wie irgendjemand dir das antun konnte, und du hast so viel in Gemeinde investiert und so viel gemacht an Zeit und Geld, und jetzt kommt so ein Dödel da her und erlaubt sich so. Und immer mal wieder kommt dann der Heilige Geist, und ich finde das schön, ich mag den Heiligen Geist an der Stelle, der mit einer ganz leisen Stimme die Frage stellt: Jürgen, könntest du dich irren? Könnte die Perspektive, die du hast, eine falsche sein? Hast du noch im Blick, dass du Sünder bist, dass du nicht allwissend bist, dass du nicht alles erkennst?
Im Prediger Kapitel sieben gibt es dazu einen Vers, Prediger 7,20 bis 22. Einer von diesen Schmunzelversen, also ich empfinde ihn so. Es ist so: Prediger 7,20 Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes täte und niemals sündigte. Da können wir doch alle sagen: Amen! Kein Mensch ist so gerecht.
Und dann der Rat, und er ist so schön, der Rat, der jetzt kommt: Auch richte dein Herz nicht auf all die Worte, die man redet. Hör nicht auf alles, was Leute über dich sagen. Warum? Damit du nicht hörst, wie dein Knecht dich verflucht. Oh, der hat mich jetzt verflucht, mein Knecht, dem bezahle ich doch einen guten Lohn, wie kann der? Entspannt, ja? Damit du, du musst dich, spul dich gar nicht so auf, damit du nicht hörst, wie dein Knecht dich verflucht. Warum? Denn auch viele Male, dein Herz weiß es, hast auch du andere verflucht.
Also wenn du gerade dabei bist, wie so eine Silvesterrakete durchzustarten, wenn du schon auf hundertachtzig bist, ja, so hey hu, sind wir doch mal ganz ehrlich, bevor du hier den Streit vom Zaun brichst: Du bist Sünder. Und selbst wenn der andere was Falsches gemacht haben sollte, Hand aufs Herz, wie oft hast du das auch schon gemacht? Wie oft ist dir auch schon mal eine flapsige Bemerkung rausgerutscht, eine Formulierung nicht geglückt? Wie oft hast du auch schon mal aus Neid heraus gehandelt, hast vielleicht sogar bewusst den Streit vom Zaun gebrochen, hast überreagiert, hast dich in der Wahl deiner Worte völlig vergriffen? Überleg doch mal, wie oft ist dir das auch schon peinlich. Insofern: Sei einfach kritisch im Blick auf deine eigene Position.
Frieden bewahren, damit gemeinsames Feiern möglich bleibt
Und wenn du das alles schaffst, kommt der letzte, sechste Punkt, und den finde ich besonders schön. Da heißt es in Apostelgeschichte 11,18: Nachdem er dann seine Geschichte erzählt hatte und nachdem die anderen merkten: Hier ist Gott am Werk, stimmt, eigentlich hat er ja Recht, dann enden sie damit, dass sie Gott feiern.
Das ist jetzt kein Punkt, wie man vermeidet, dass aus einem Missverständnis ein Streit wird. Aber es ist ein Punkt, der uns motivieren kann, diesen Übergang so lange hinauszuzögern, wie irgend möglich. Wenn wir nämlich den Streit vermeiden, wenn wir uns mit den Fakten beschäftigen, wenn wir Gott am Werk sehen, wenn wir Frieden leben, den Frieden, den Gott sich wünscht, schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass wir zusammen Gott feiern können. Dass wir zusammen feiern können, wie Gott unter uns wirkt.
Das ist, wenn wir uns streiten, nämlich nicht möglich. Also: Gott kann euch als Gemeinde segnen, so viel er will. Wenn ihr nicht miteinander klarkommt, werdet ihr ihn nicht gemeinsam ehren und feiern können, weil Streit immer die Freude an Gott und das Miteinander der Gemeinde kaputt macht und damit auch die gemeinschaftliche Freude an Gott kaputt macht.
Aber hier steht in Vers 18: Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben. Sie feiern gemeinsam Gott. Wow, das ist ja der Hammer! Und ihr merkt, wie wichtig es ist, in der Gemeinde genau an der Stelle dafür zu sorgen, dass so etwas möglich bleibt. Und das gelingt nur, wenn wir Frieden halten.
Zusammenfassung
Ich habe sechs Punkte genannt.
Punkt eins: Bleib cool, wenn man dich angreift. Schau, wie du normalerweise tickst, und lerne, Strategien zu entwickeln, um cool zu bleiben.
Punkt zwei: Unterstelle das Gute. Geh einfach davon aus, dass der andere es nicht so gemeint hat, dass er vielleicht einen schlechten Tag hatte oder vielleicht Streit mit seinem Partner.
Dritter Punkt, ganz wichtig: Hör dir die Fakten an. Also bevor du losrennst, hör dir die Fakten an.
Vierter Punkt: Jesus ist Herr. Entdecke seine Handschrift im Leben der Geschwister. Lass zu, dass Gott mit dem anderen seine Geschichte schreibt, so wie er mit dir deine schreibt.
Und deshalb fünftens: Sei kritisch im Blick auf deine eigene Position.
Und sechstens: Schafft die Voraussetzungen dafür, dass ihr miteinander Gott feiern könnt.
Ein zusätzlicher Appell zum Umgang mit festgefahrenen Beziehungen
Und jetzt habe ich noch einen Nachschlag. Und es gibt immer Nachhaltigkeit.
Ich habe ein bisschen Sorge, dass der Nachschlag falsch ankommen könnte. Aber ich bringe ihn trotzdem, weil ich glaube, dass es eine grosse Not ist. Und bitte vergebt mir, wenn ich jetzt mit beiden Füssen jemandem auf die grossen Zehen springe.
In Apostelgeschichte 11 haben sich Männer gestritten. Und ich erlebe einen signifikanten Unterschied, ob Männer miteinander streiten oder Frauen. So, jetzt merkt ihr, ich stehe gerade auf den Zehen, ich werde das trotzdem sagen.
Ich erlebe es in meiner Geschichte immer wieder, dass Männer, wenn es um Streit geht, nicht immer, aber das ist eine Tendenz, relativ leicht damit fertigwerden, einen Streit dann auch vom Tisch zu kriegen, und dass er dann auch wirklich weg ist. Ich weiss nicht genau, was ihr gestern hattet. Es ging um das Thema Vergebung beim Frauenkaffee. Ich weiss nicht, ob ich jetzt zu weit gehe, wenn ich das so sage, aber ich habe den Eindruck, dass Frauen anfälliger dafür sind, einen Streit, wenn er erst mal da ist, also wenn man das nicht geschafft hat und wenn dann wirklich etwas passiert ist, länger mit sich herumzuschleppen, als es ihnen wirklich gut tut. Dass sie sich schwerer damit tun, aufeinander zuzugehen.
Das ist so ein Bild, aber du kannst mit einem Mann ein Bier trinken gehen, und danach ist die Sache wirklich vom Tisch. Ich weiss nicht, ob es etwas Analogisches bei Frauen gibt. Ich erlebe aber, dass Frauen sich damit schwer tun, wenn sie einmal verletzt worden sind. Und ich glaube, das liegt stark an ihrer inneren Bindungsfähigkeit. Frauen sind einfach in der Lage, supertiefe Beziehungen zu bauen. Vielleicht ist das auch ein Ausdruck davon, dass die Beziehungen von Männern einfach nicht so tief sind oder irgendwie anders gestrickt, mehr auf Aufgaben orientiert. Ich weiss es nicht genau.
Ich will nur beschreiben und einfach Mut machen, etwas anzupacken, was vielleicht bei dir im Raum steht. Ich erlebe bei Frauen dieses Vergebungsmanagement, das einfach länger braucht.
Ich habe mal von einer Schwester eine E-Mail bekommen, und da dachte ich: Kein Mann hätte mir diese E-Mail geschickt. Sie meinte: Weisst du noch damals vor zehn Jahren, als wir darüber gesprochen haben, was du damals gesagt hast? Und ich dachte mir: Zehn Jahre, ehrlich? Ich musste in diesem Moment, ich konnte mich nicht mehr an die Situation erinnern. Zehn Jahre, überleg mal, was war vor gefühlt fünftausend E-Mails? Ja, wenn ich das hochrechne, also vor gefühlten fünftausend E-Mails habe ich irgend ... oh ja, irgendwas.
Und da merkte ich: Das gärte in ihr noch. Das war noch nicht aufgearbeitet. Da war noch so ein Restgroll, da war noch so eine Resterwartungshaltung an mich, die für mich völlig befremdlich war. Da dachte ich: Okay, was war dann vor neun Jahren, und was war vor acht? Das ist kaum greifbar.
Und von daher, und mit dem Gedanken, und bitte verzeiht mir, dass ich jetzt hier einfach mal so politisch unkorrekt die Geschlechter getrennt habe: Ihr lieben Schwestern, die Frage von vorne: Gibt es in deinem Leben irgendwo noch so jemanden, auf den du grollig bist? Das ist nicht drollig, wenn man grollig ist. Gibt es noch in deinem Leben so einen Punkt, wo du nachtragend bist, wo du merkst: Das habe ich eigentlich nie vergeben? Oder das kommt immer wieder hoch, und ich muss immer wieder runterstupsen, ich merke, das ist noch nicht durch. Gibt es alten Streit, der noch nicht beigelegt wurde? Gibt es vielleicht sogar so einen Ansatz von Unversöhnlichkeit in deinem Leben?
Ich glaube, es ist die Kehrseite deiner Bindungsfähigkeit, dass du so tief auf Beziehungen einsteigen kannst. Wenn das so ist, möchte ich dich mit einem Satz von unserem Herrn Jesus entlassen. Der Herr Jesus hat einmal zum Ausdruck gebracht, wie wichtig es ihm ist, dass man Beziehungen wieder in Ordnung bringt. Und er hat das in der Bergpredigt gemacht, und er hat das am Beispiel von Zweien gebracht, die auf dem Weg sind: Matthäus 5,23.
Und da geht es um zwei, die sich streiten und die nicht miteinander versöhnt sind. Und damit wir verstehen: Es geht mir nicht darum, jetzt eine übermässige Last auf dich zu legen. Es geht mir einfach erst einmal nur darum, damit du verstehst, wie ernst das in den Augen Jesu ist.
Ich möchte dich eigentlich ermutigen, dazu einen ersten Schritt zu gehen, wenn du jetzt sagst: Ich habe da noch Dinge, die müssten eigentlich bereinigt werden. Ich möchte dich ermutigen, dass du heute einen ersten Schritt auf den Weg der Klärung gehst. Einfach nur, dass du dir überlegst: Was könnte ich tun, um diesen Streit aus dem Weg zu räumen? Was müsste ich tun? Was wäre ein erster Schritt? Eine E-Mail, eine Postkarte, jemanden zum Kaffee einladen, ehrlich vor Gott etwas bekennen, mit jemandem beten nachher. Ein erster Schritt: Wie könnte der aussehen?
Weil der Herr Jesus sagt, Matthäus 5,23: Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar, also wenn du in den Gottesdienst gehst, würden wir heute sagen, wenn du stille Zeit machst, wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort vor Gott erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat ...
Und überlegt euch die Situation: Jemand schnappt sich ein Tier, läuft von da, wo er wohnt, bis nach Jerusalem, stellt sich in die lange Schlange an, kommt endlich vorne dran. Der Priester sagt: Ja, danke, was wollen Sie denn? Ja, ich möchte ein Brandopfer bringen, hier ist mein Tier und so weiter. Und während du das sagst, denkst du dir: Boah, ich habe da noch was. Da ist noch was nicht geklärt. Was soll er jetzt tun in diesem Moment? Was ist wichtiger, als Gott zu begegnen, Gott ein Opfer zu bringen?
Und der Herr Jesus sagt, und deswegen ist es nicht mein Wort: So lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder. Und dann komm und bring deine Gabe dar.
Ich möchte alle, die merken, es gibt in meinem Leben Streit, der noch nicht fertig ist, bitten, diesen Vers ernst zu nehmen und da, wo Streit ist, heute einen ersten Schritt zu gehen auf dem Weg der Klärung.
Amen!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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