Gott wird Mensch
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 727
Die Grenze geistlicher Ehrentitel
Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern Teil 5
Jesus macht mit seiner Kritik an ehrenden religiösen Titeln weiter.
Matthäus 23,9
Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen, denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel.
Nur zur Klarstellung: Natürlich dürfen wir unseren eigenen Vater auch als Vater ansprechen. Das Verbot, das Jesus hier aufstellt, verbietet nicht die innerfamiliäre Anrede. Ich darf meinen Vater „Vater“ nennen; das ist nicht gemeint.
Gemeint ist vielmehr ein geistlicher Ehrentitel, der Menschen eine religiöse Vorrangstellung zuschreibt, die letztlich Gott vorbehalten bleibt. Wir sollen niemanden Vater nennen, weil nur einer Vater ist, und das ist Gott selbst. Der Begriff Vater als Ehrentitel ist hier stark mit der Idee einer prägenden geistlichen Autorität verknüpft. Es geht Jesus also nicht um das Wort „Vater“ an sich, sondern um die Rolle, die mit dieser Bezeichnung verbunden wird.
Und diese Rolle kann sich natürlich auch hinter anderen Formulierungen wie Pastor, Gesalbter, Apostel, Prophet oder Ältester verstecken. Gott allein ist Ursprung und höchste Autorität in der Gemeinschaft der Jünger. Und kein geistlicher Leiter darf die Stelle Gottes im Leben anderer Gläubiger einnehmen.
Niemand auf der Erde darf die Vaterschaft dessen beanspruchen, der im Himmel ist. Mit diesem Verbot beschützt Jesus seine Gemeinde vor Machtmenschen.
Wenn Leitung zur Herrschaft wird
Matthäus 23,9: Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen, denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel.
Also: Ich muss eine Person nicht mit dem Titel Vater anreden, um in ihr einen Vater zu sehen. Die Begriffe Rabbi und Vater sind Platzhalter für ein Problem. Es geht Jesus darum, dass Menschen im Leben anderer Menschen die Rolle Gottes übernehmen. Solche Väter oder manchmal auch Mütter herrschen dann über den Glauben der Geschwister. Etwas, was Paulus sich selbst verbietet.
2. Korinther 1,24: Nicht, dass wir über euren Glauben herrschen, sondern wir sind Mitarbeiter an eurer Freude, denn ihr steht durch den Glauben.
Ein ganz toller Vers, so redet ein echter Apostel. Geistlich ist Paulus der Vater der Gemeinde in Korinth; er hat sie gezeugt. Und trotzdem nimmt er sich davor in Acht, über ihren Glauben zu herrschen: nicht, dass wir über euren Glauben herrschen. Die Herrschaft liegt allein bei Gott.
Als Apostel kann Paulus erklären, warnen, korrigieren und sogar einen Gemeindeausschluss vorantreiben. Aber er ist im Leben der Korinther nicht die höchste Autorität. Er ist nicht der Ursprung ihrer neuen Identität in Christus. Er ist nicht der Maßstab und erst recht nicht der Richter. Das alles ist Gott, und nur Gott allein.
Geistliche Leiter dürfen führen, lehren, ermahnen und auf vielfältige Weise begleiten, aber sie dürfen nicht herrschen.
Merkmale ungesunder geistlicher Macht
1. Petrus 5,2-3 Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, gottgemäß. Auch nicht aus schändlicher Gewinnsucht, sondern bereitwillig. Nicht als die, die über ihren Bereich herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet.
An anderer Stelle warnt Paulus die Ältesten von Ephesus vor geistlichen Wölfen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger hinter sich herzuziehen. Merkt: Schlechte Leiter binden Menschen an sich. Gute Leiterschaft dagegen macht Menschen nicht abhängig, sondern führt sie in die geistliche Mündigkeit. Gute Leiter sind Mitarbeiter an der Freude der Geschwister.
Woher weiß ich, dass ein Leiter mehr sein will als ein Mitarbeiter an der Freude? Woran erkenne ich, dass jemand nicht mehr nur führt, lehrt, ermahnt und begleitet, sondern im Begriff steht, die Stelle Gottes in meinem Leben einzunehmen?
Ein erstes Warnsignal ist: Er bindet Menschen emotional an sich selbst. Nicht Christus steht dann im Mittelpunkt, nicht das Wort Gottes, nicht die Reife der Geschwister, sondern die Beziehung zu ihm als Person. Seine Zustimmung wird zum Maßstab, seine Enttäuschung wird zur Drohung, seine Nähe wird zur Belohnung. Man merkt das dann daran, dass Menschen innerlich unruhig werden, wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllen. Sie fragen nicht mehr zuerst: Was will Gott?, sondern: Was wird er denken?
Ein zweites Warnsignal: Seine Deutung der Schrift darf nicht mehr geprüft werden. Wer nachfragt, gilt schnell als schwierig, wer widerspricht, gilt als unreif, stolz oder rebellisch. Aber geistliche Autorität, die von Gott kommt, fürchtet keine Prüfung am Wort Gottes. Ein guter Lehrer freut sich, wenn Menschen wie die Beröer prüfen, ob es sich so verhält. Falsche Vaterfiguren dagegen wollen nicht geprüft, sondern geglaubt werden.
Ein drittes Warnsignal: Er erzeugt geistliche Abhängigkeit. Menschen werden unter seiner Leitung nicht mündiger, sondern unsicherer. Sie brauchen für immer mehr Lebensbereiche seine Einschätzung, seine Zustimmung oder seine Erlaubnis. Sie trauen sich kaum noch, vor Gott selbst Verantwortung zu übernehmen. Gute Leiterschaft stärkt das Gewissen vor Gott, schlechte Leiterschaft ersetzt es durch die Stimme des Leiters.
Ein viertes Warnsignal: Er verwechselt Loyalität zu Christus mit Loyalität zu seiner Person. Dann wird Kritik an ihm als Kritik an Gott behandelt. Wer Abstand nimmt, wird verdächtigt, wer eine andere Einschätzung hat, gilt als illoyal. Dadurch entsteht ein Klima, in dem Menschen nicht mehr ehrlich sprechen, sondern taktisch agieren. Sie sagen nicht mehr, was sie wirklich denken, sondern was sie sagen dürfen, ohne die Beziehung zum Leiter zu gefährden.
Ein fünftes Warnsignal: Er arbeitet mit Schuld, Angst und Beschämung. Natürlich darf und soll ein Leiter ermahnen. Aber wenn Menschen dauerhaft das Gefühl haben, nie genug zu sein, ständig enttäuscht zu haben oder geistlich minderwertig zu sein, dann läuft etwas falsch. Geistliche Korrektur führt zur Umkehr und zur Freude an Gott. Manipulative Beschämung führt zur inneren Enge, zu Angst vor Fehlern und in die Abhängigkeit von menschlicher Bestätigung.
Ein sechstes Warnsignal: Er duldet keine gesunden Grenzen. Wer Nein sagt, wird unter Druck gesetzt, wer Ruhe braucht, gilt als ungeistlich, wer Privates nicht teilen möchte, wirkt verdächtig. Vorsicht: Ein Leiter darf in das Leben anderer hineinsprechen, aber er darf es nicht dominieren. Menschen bleiben vor Gott verantwortlich und werden nicht Eigentum des Leiters.
Ein siebtes und letztes Warnsignal: Er macht sich selbst unentbehrlich. Er vermittelt bewusst oder unbewusst: Ohne mich wirst du geistlich nicht zurechtkommen. Ohne meine Lehre, meinen Beistand, meine Salbung, meine Gemeinde, ohne all das bist du gefährdet. Damit entsteht eine religiöse Abhängigkeit, die äußerlich fromm aussehen kann, aber innerlich unfrei macht. Gute Leiter machen sich entbehrlich.
Die eigentliche Gefahr und der Weg zur Prüfung
Alle diese Warnsignale laufen auf dasselbe Problem hinaus. Ein Mensch nimmt im Leben anderer eine Stellung ein, die Gott nicht für ihn vorgesehen hat. Er wird zur letzten Instanz, zum Maßstab, zum Richter, manchmal sogar zur Quelle von Identität und Sicherheit.
Genau davor schützt Jesus seine Jünger, wenn er sagt: Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen, denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, ob es falsche Vaterfiguren in deinem Leben gibt. Wo haben Machtmenschen zu viel Einfluss auf dein Verhalten?
Das war's für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitteliste für die Jugendlichen in deiner Gemeinde und bete für sie.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
