Die Gemeinde in Korinth war eine besondere. Sie war in einer wilden
Hafenstadt, aus ganz verschiedenen Leuten zusammen gesetzt, war aber sehr
rasch einem Imponiergehabe erlegen. Sie waren stolz auf mancherlei
geistliche Kunststücke, die sie fabrizieren und sie haben sehr verächtlich
auf den Apostel Paulus herunter gespuckt und gesagt: Der kann nicht so
viel. Wir sind bessere Christen. Wir machen das viel strahlender und viel
leichter. Und Paulus sagt: Wir können ja einmal in einen Konkurrenzkampf
gehen." Und er macht das mit ihnen im 11. Kapitel. Wer hat eigentlich mehr
geleistet? Und wer ist eigentlich der Bessere? Und dann kommt er an diesen
Abschnitt, Kapitel 12.
Gerühmt muss werden, wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen
auf die Erscheinungen und die Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen
Menschen in Christus. Vor 14 Jahren - ist er im Leib gewesen? Ich weiß es
nicht oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es auch nicht; Gott weiß
es – da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne
denselben Menschen - ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß
ich nicht; Gott weiß es – der wurde entrückt in das Paradies und hörte
unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. Für denselben will ich
mich rühmen. Für mich selbst aber will ich mich nicht rühmen außer meiner
Schwachheit. Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht; denn
ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit mich
nicht jemand höher achte als er an mir sieht oder von mir hört. Und damit
ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe ist mir gegeben ein
Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen
soll, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn
gefleht, dass er von mir weiche."
Das Flehen das drückt so einen ganz schweren Gebetskampf aus. Und der Herr
hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist
in den Schwachen mächtig. Das ist die Gnade von dem Chorus so schön
gesungen hat. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen wegen meiner
Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten
Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und
Ängsten um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark."
Gerühmt muss werden!" Ein Jubiläum ist ein Anlass zum Rühmen. Von vielem
zu erzählen in unserer Welt passt da prima. Unsere Stadt, Partner der Welt,
mit großen Industrieunternehmen, die stolz sind auf zweistellige
Wachstumsraten, auf imponierende Bilanzen. Und was sie alles vorweisen
können: Neue, wegweisende Entdeckungen. Das macht Schlagzeilen in unserer
Welt, was an der Börse geschieht, was die Wissenschaft kann – und da muss
man sich doch einreihen und muss sagen, dass eine Christengemeinde doch
auch was vorzuweisen hat vor der Welt.
Aber Paulus sagt: Es ist nichts nütze." Und er will sagen: Es ist ein
Unterschied, wie man in dieser Welt imponieren will oder wie sich gläubige
Leute vor Gott sehen, wie sie sich selber kennen. Und es ist für uns heute,
wenn wir uns an die 50 Jahre erinnern, dann gut, dass man weiß, wie das vor
50 Jahren war. Da war nichts Großes da. Es war die Stunde Null, eine ganz
große Lebenskrise unseres Volkes. Man kann es sich gar nimmer mehr
vorstellen, was diese Generation durchgemacht hat an Schrecken und
Lebensangst. Es ist nicht zum Lachen mit den ausgemergelten Körpern und vom
Hunger gezeichnet. Wie die ganze Stadt verwüstet war und wie man erlebt
hat, dass in Kürze alles was man aufgebaut hat, die Schönheit unserer Stadt
und ganz Europas im Flammenmeer untergeht.
Da war nichts Imponierendes mehr da. Und wenn Sie das in dieser Festschrift
noch einmal lesen, ich meine immer der Kultusminister Bäuerle hat es auf
einen Punkt gebracht, dass er sagt: Das müssen wir den künftigen
Generationen sagen. Das muss in den Schulen gelehrt werden: Wenn der Mensch
sich selber vergötzt, wenn er in Größenwahn verfällt – der Kultusminister
sprach von der angemaßten Klugheit des Menschen, nur angemaßt, der hat doch
keine, wenn er so etwas Furchtbares tun kann. Nur Christus rettet uns und
die klare Umkehr zu Jesus Christus und das Aufnehmen des Entscheidungsrufes
von Ludwig Hofacker – das ist das Entscheidende!
Sonst bleibt gar nichts mehr zum Rühmen, als dass wir Christus ergreifen
und Christus erkennen. Aber jetzt nach 50 Jahren wird man natürlich sagen:
Du, ist das noch zeitgemäß? Unsere Zeit ist weiter gelaufen. Damals hätte
es keiner geahnt, in welche reichen und wohlhabenden Zeiten wir einmal
hinein wachsen." Der Ruf wird immer lauter, sicher die Mehrheit unseres
Volkes sagt: Man müsste die Bibeln neu schreiben. Man müsste alles neu
fassen und neu denken." Und viele sagen über Christus: Das ist doch so
belanglos, so unwichtig, dass wir gar kein Wort mehr darüber verlieren,
interessiert mich gar nicht. Müsste man in so einer Zeit nicht das
Evangelium neu fassen oder das ganz anders nennen. Nach 50 Jahren, wenn ein
Auto schon nach zwei Jahren zum TÜV muss, müssen wir das doch mal
reformieren, erneuern. Nein. Ich meine, wenn wir heute zusammen sind, da
wollen wir das noch einmal hören, was damals vor 50 Jahren diesen Menschen,
die hier zusammen kamen, die diese schlichte Kirche errichtet haben,
wichtig war.
Es geht um Christus allein.
Mein erster Punkt: Was gibt uns in unseren Lebenskrisen Sicherheit?
Die Leute damals? Die waren tief erschüttert von der größten Lebenskrise
dieser Generation, von einer der größten Lebenskrisen unseres Volkes
überhaupt. Heute heißt es: Red'.. doch nicht darüber." Dabei sind schon
die ganz jungen Leute in tiefen Lebenskrisen. Existenzängste. Sie wissen
nicht einmal: Kriege ich überhaupt einen Platz, wo ich mich mit meinen
Gaben entfalten kann? Oder Leistungsdruck. Und wenn man dann in unserer
Zeit so tut du brauchst bloß ein Selbstvertrauen, gesundes Selbstvertrauen.
Ja, und wenn man das nicht hat?
Und die Krankheit. Die führt erst in Lebenskrisen. Wenn man dann älter wird
– ein junger Mensch hat es vielleicht oft nur am Rande mit erlebt – aber
wenn man dann älter wird und wenn Stück um Stück das durchlitten werden
muss. Wenn man sein Geschäft verliert, weil es durch die Umstände einfach
nicht mehr ging. Wenn man plötzlich in ausweglose Ängste gestürzt wird. Was
ist denn die Sicherheit, auf die ich mich verlassen kann? Was habe ich denn
da in dieser ganzen großen Not?
Paulus spricht von großen geistlichen Erlebnissen. Er hat uns ja nicht viel
darüber erzählt. Das ist auch für uns gut. Wer solche großen geistlichen
Erfahrungen erlebt hat – das gibt es, dass er erhoben bis zum Paradies und
Dinge sieht oder hört – Paulus sprach gar nicht viel darüber. Nach 14
Jahren hat er zum ersten Mal darüber gesprochen und dann hat er das nur
angedeutet. Das ist gut so. Deckel darauf. Aber Paulus sagt: Das hilft mir
in meinen Lebenskrisen nichts."
Was war passiert? Manche Ausleger vermuten, vielleicht war es dort in
Lystra nach der Heilung des Lahmen in der heutigen Türkei, wo er gesteinigt
wurde und dann meinen die Leute, er sei tot. Und da lag er da. Vielleicht
hat ihm der Herr, das kann ja unser Herr, eine Ermutigung geschickt, die
man mit Worten nicht beschreiben kann. Das tut der Herr manchmal, wenn er
uns schwere Wege führt. Aber er sagt: Das hilft mir in meinen Schwächen
nichts. Ich will nicht von großen Erlebnissen reden."
Und jetzt überrascht uns, dass Paulus, den wir doch so ganz anders kennen
als eine unentwegten Missionar als den festen Prediger uns in allen Briefen
immer ein ganz ehrliches Bild zeichnet: Ein zitternder Mann, ein schwacher
Mann, ein körperlich angeschlagener Mann, ein Mann von Misserfolg. Wissen
Sie, da sind die Leute weggelaufen. Da haben sich die Widerstände in der
Gemeinde geregt. Da haben sie gesagt: Komm lieber nimmer. Wir haben
bessere Prediger als dich gewonnen. Das musste alles der Apostel
durchleiden. Niederlage um Niederlage. Und das war schwer. Und Paulus sagt:
Es ist gut, wenn die Leute an mir meine Schwäche sehen. Alles, was sie an
Mängeln, an Ohnmacht und an Kümmerlichkeit an mir sehen ist gut.
Wer erinnern uns ja, dass diese Kirche auf diesen Namen von Ludwig Hofacker
trägt. Man kann das, was Ludwig Hofacker gepredigt hat, sicher nur von
daher verstehen, dass er ganz anders als alle seine Mitstudenten und
Zeitgenossen täglich am Rand des Todes stand. Und in einer Zeit, die wie
besoffen war von der Weisheit und von der Vernunft, hat er das Elend eines
sterblichen Menschen erkannt. Und ich freue mich immer, dass so viele junge
Leute da sind. Nehmt das doch mit in das neue Jahrtausend bei allen großen
Sprüchen, bleibt das doch, dass der Mensch so eine erbärmliche Kreatur ist.
So wie es damals die Leute, die die Kirche eingeweiht haben, erlebt haben
nach dem Elend des Zweiten Weltkrieges. So wie ein Ludwig Hofacker
geschrieben hat: Ich kann doch mit all meinem großen Können und schaffen -
damals sagte der Kultusminister von der zerstörerischen Technik: Die haben
es doch gewusst, dass die Technik auch unser Verhängnis werden kann, wenn
man sie falsch bedient und falsch einsetzt - Ich kann mit meinem ganzen
Leben keine Hoffnungen und keine Zukunft haben, wenn nicht, ja das war, was
Hofacker gepredigt hat, wenn nicht Jesus Christus mir seinen Frieden
zuspricht, wenn er mich nicht suchen würde. Und das war doch eine positive
Freudenbotschaft. Er spricht: Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir. Ich
halte dich, ich trage dich."
Und der Bund Jesu hat ein Zeichen, dass meine Schuld durchgestrichen ist
und ausgelöscht ist. Ich darf diese Gnade Jesu empfangen, mit dieser Gnade
Jesu darf ich leben, darf ich mich freuen und in dieser Gnade darf ich
sterben. Die Tür ist offen zum Himmel. Und das gibt uns eine Zukunft und
eine Hoffnung, gibt uns eine Sicherheit und Geborgenheit in den
Lebenskrisen. Darauf kann man sich absolut verlassen.
Und das ist das nächste, was ich Ihnen unterstreichen will:
Darauf kann man sich absolut verlassen.
Wenn man da zurück denkt – ich habe da sowieso immer so ein Empfinden und
das gefällt mir so: zurück erinnern und dann auch wie gestern abend hört
von Menschen, die vor uns gelebt haben. Und man ist da immer wieder
überrascht, wie genau und ähnlich das war, wie sie das erlebt haben und wie
sie uns auch hier hinein geführt haben in die Jesusnachfolge.
Wir stehen ja in einer ganz langen Kette. Das ist so ein Jubiläum: 50 Jahre
ist ja nur ein kleiner Teil, und da wurde von Generation zu Generation die
Stafette weitergereicht, die Stafette des Glaubens. Und das Entscheidende
bei all diesen Frauen und Männern des Glaubens war ihre Schwäche.
Also, wenn sich junge Leute heute für einen Dienst in der Gemeinde melden,
dann denken sie immer: Ich kann was. Also melde ich mich, weil ich Gaben
habe." Aber wisst Ihr, dass Gott Sie hauptsächlich brauchen kann wegen
Ihrer Schwäche? Das sagt hier Paulus. Gott beruft uns, weil er die
Hoffnung hat, in unserem angeschlagenen Leben sei etwas Raum für ihn, wir
hätten ihn nötig.
Der stolze Mensch, der braucht niemand. Der kann alles selber - meint er,
in der angemaßten Klugheit. Paulus sagt, in seinem Leben ist er dankbar
dafür, dass er immer wieder an die Grenzen stößt. Nein, danken, das haben
wir noch nie gelernt, eigentlich. Danken für Misserfolg, danken für
Schwierigkeiten.
Wenn wir zurück denken, auch an die letzten Jahrzehnte, dann waren
natürlich die großen Krisen und die schweren Erlebnisse Höhepunkte des
Wirkens Gottes. Ich muss an eine Kirchengemeinderätin denken, die in den
20er Jahren Gemeindeschwester war, auf einer Evangelisationsfahrt in den
Tod gefahren ist. Der Evangelist neben ihr am Steuer hat furchtbar
verletzt überlebt. Und wir saßen da. Wir brauchten die Margret Wirth so.
Wir waren plötzlich ohne eine Kraft. Sie hatte das alles so wunderbar
gemacht. Da war eine Lücke.
Und wir können das an vielen Erlebnissen fortsetzen, wie wir das erlebt
haben, in Schwächen, in Niederlagen, in Ohnmacht, wo wir nicht mehr weiter
wussten. Es gab Stunden, wo ich gar keinen Mut mehr hatte. Und Paulus sagt:
Ich war so froh und bin so froh und ich will mich rühmen meiner Schwäche,
damit die Kraft Gottes in mir Raum gewinnen kann. Ja, das muss ich
natürlich: Mich ausstrecken nach Christus und sagen: Jetzt musst du
wirken. Wir sind am Ende mit unseren Möglichkeiten.
Und er spricht von einem Pfahl im Fleisch. Das ist wie ein ganz schwerer
Dorn. Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlägt..." Man rätselt: Was
hat wohl der Paulus gehabt? Das muss ja furchtbar gewesen sein. Da trommelt
der Satan wie wild auf seinen Nerven herum und der Mann ist gereizt bis zum
Äußersten und sagt: Ich will mich damit rühmen, damit umso mehr die Kraft
Christi an meinem zerschlagenen Leib sichtbar wird.
Und dann erzählt er: Ich habe dreimal Schiffbruch erlitten, bin Tag und
Nacht auf dem offenen Meer getrieben, dreimal Peitschenhiebe ertragen und
dann den ganzen Ärger mit falschen Mitarbeitern, die gar keine Christen
waren. Und was alles ihm zugemutet wurde und sagt: Aber es ist mir nur
Christus immer größer geworden. In all der Ohnmacht, in all dem. Wissen
Sie, was der schlimmste Pfahl im Fleisch ist für einen Christen? Dass wir
bis zu unserer Sterbestunde an unserem eigenen bösen Herz und an unseren
sündhaften Gedanken und an unserem störrischen Willen leiden. Wir wollen
Jesus dienen und können das so schlecht.
Paulus sagt: Freu dich doch daran. Du rückst immer näher zu Christus hin.
Werde bloß kein überheblich richtender Frommer, sondern bleib einer, der es
ganz nüchtern weiß: Durch die Gnade Jesu errettet – sonst gar nichts. Darum
hatte eben doch Hofacker recht gehabt, dass das das Evangelium sei: Dass
ich diese Gnade fassen kann und diese Gnade mir gilt.
Im letzten Jahrhundert gab es in Amerika den großen Evangelisten Moody.
Zehntausende hat er angezogen und hat gepredigt. Er war eigentlich
Schuhverkäufer in Chicago und er hat so eine näselnde Stimme gehabt. Seine
Erscheinung war nicht sehr stattlich. Und die Journalisten haben das auch
aufgelistet. Und wie ein Journalist einmal sagte: Wenn man diesen Mann
anguckt, ist überhaupt nichts dran." Da hat Moody nur gelacht und gesagt:
Das ist doch das Geheimnis meiner Kraft, dass Christus alles in meinem
Leben sein muss, weil ich nichts bin."
Darauf kann man sich absolut verlassen. Dreimal hat er zum Herrn gebetet:
Herr, nimm mir doch diese Last weg." Der Herr hat gesagt: Lass doch: In
deiner Schwäche vollendet sich meine Auferstehungskraft." Und ich bin guten
Mutes, wo Sie so Ihr Leben packen, Ihren Dienst für den Herrn, sagen:
Herr, du musst an diesem Tag und an jedem Tag der Herr sein, der mich
treibt,...
Noch ein letztes:
Das macht lebenstüchtig.
Vielleicht denkt man immer
wieder: Das ist so ein Trostevangelium". Das macht nicht behäbig. Das
macht lebenstüchtig. Paulus muss sehr schwach und sehr krank gewesen sein.
Darüber besteht gar kein Zweifel. Wenn unter uns heute Leute sind, die
angefochten sind, dann bin ich sicher, dass sie nur ein Bruchteil von dem
zu tragen haben, was Paulus als Apostel aufgetragen war.
Aber jetzt war es merkwürdig: Die Gnade Jesu, die er so erlebt hat, seine
Liebe und Güte, der sein Leben vergoss für ihn und sagte - das war doch
für ihn so ein Antrieb – dass er sagt: Dann will ich doch das Wenige, das
mein Leben noch ist, dem Herrn darbringen". Und er kann sagen: Ich habe
mehr gearbeitet als Sie alle. Seine Gnade ist an mir nicht vergeblich
gewesen." Also: Wenn Sie alt sind und eine siechenden Leib haben – macht
nichts. Der Herr will noch große Dinge durch Sie tun. Und wenn Sie nur Tage
noch leben, der Herr will noch Großes durch Sie tun.
Es gibt keinen unnützen Augenblick. Und Ihr jungen Leute: Nehmt euer Leben
als ein Angebot, als eine Chance. Wenn ich da denke, die nächsten 50 Jahre,
das Angebot der Gnade Jesu ist doch da, dass ich mit seiner Kraft rechnen
kann. Keiner von uns kann nur einen jungen Menschen oder einen erwachsenen
Menschen im Glauben prägen aus eigener Kraft. Wir können gar nichts. Wir
können keinen Zweifelnden zum Glauben führen. Wir können keinen in den
Gottesdienst einladen – bringen wir nicht fertig. Wir können doch nicht
Versuchungen Satans überwinden. Wir können doch nicht einmal mit unserer
Willenskraft das Böse besiegen. Ich lebe doch von den Gnadenwirkungen Jesu.
Ganz allein von ihm kann es kommen. Und darum sagt Paulus: Ich bin guten
Mutes und wenn sie mich morgen wieder einsperren und wenn ich wieder in
meinem Leben Enttäuschungen erlebe, mit der Arbeit, in der er stand, wenn
etwas nicht gelingt, ich bin guten Mutes. Ich kann es nur Christus
überlassen. Und er macht am Ende noch einen Sieg daraus, so wie er über dem
gekreuzigten Jesus seinen Oster-Sieg aufgerichtet hat. Und er hat einen
freien Blick, einen mutigen Blick, einen zuversichtlichen Blick. Was ist
das bloß in unserer Zeit, dass viele Christen nicht mehr wissen, was der
wahre Schatz des Evangeliums ist. Das wir dieses Geheimnis Jesu Christi
verkünden, dessen Kraft, grenzenlose Kraft, in Schwachen mächtig wirkt.
Ludwig Hofacker hat ja bei seiner Investitur in Rielingshausen, als er Mühe
hatte, das Ganze schon körperlich durchzustehen, man hat ihn kaum verstehen
können, weil es noch nicht die schönen Mikrofone gab, hat er dieses Lied
zitiert: Wenn ich an mir selbst verzage..." leider steht es nicht mehr im
neuen Gesangbuch, nur noch im alten – wenn ich an mir selbst verzage,
tröstet mich noch Gottes Wort..." Das war ein Lied von Philipp Friedrich
Hiller, dem Gott als Pfarrer seine gesamte Wirksamkeit nahm, indem er die
Stimmbänder nicht mehr gebrauchen konnte, nicht mehr reden konnte, und da
heißt es dann: Dass ich schwach bin, wird er wissen, dass er stark ist,
weiß auch ich, der mich aus dem Tod gerissen, ist auch nun mein Herr für
mich, hang mein Herz an seinen Händen. Ich weiß doch, was er tun wird."
Und darum hat er einen Schrei getan. Und das ist so herrlich, dass wir das
wissen dürfen an diesem Jubiläum, es ist nur ein kurzer Rückblick,
Stafettenübergabe und dann weiter in der Freude, dass seine Kraft mächtig
ist, ungeheuer mächtig.
Amen.
