Generierte Mitschrift
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Eröffnung und gemeinsamer Beginn
Jeden Sonntagmorgen versammeln wir uns hier unter diesem übergrossen, altbraunen Kreuz. Ich möchte Sie herzlich willkommen heissen.
Für uns ist das keine Belastung, wenn wir auf dieses Kreuz blicken, sondern für uns ist es eine Gotteskraft. Christus ist darum für alle gestorben, auf dass die, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.
Wir wollen miteinander das Lied singen. Eines wünsche ich mir vor allem anderen: 421, alle vier Verse.
Wir wollen beten:
Unser Herr Jesus Christus, wir wollen dir an diesem Morgen danken, weil du uns so viel Gutes schenkst. Wir wollen dir auch danken für den erquickenden Regen, den doch das Land so nötig braucht, und für die Pflanzen, die auf die Blüte des Frühlings harren. Und so wissen wir, dass du all denen gibst, die brauchen, was nötig ist.
So gib auch uns an diesem Morgen in deiner Güte. Wir kommen zu dir müde, bedrückt und auch mit Ängsten und Sorgen. Wir wollen dich ganz neu entdecken als den Heiland, als den Retter. Mach du es auch wahr, dass du in unser Leben deinen Namen einprägst, dass wir nicht nur für uns selbst leben, nach unseren Gedanken und Ideen, sondern dass du aus unserem Leben etwas Grosses machen kannst zu deinem Lob.
Herr, wir wollen dir jetzt in der Stille auch all das bringen, was uns bedrückt. Wir beten in der Stille.
Wir danken dir, Herr, dass du dem auftust, der bei dir anklopft. Amen!
Wir hören nun den Jüngel mit dem Lied: „Einladend zum Leben“. Es ist gut, wenn sie alles kritisch hinterfragen. Sie singen das so fröhlich: „Einladend zum Leben“. Und da sitzen manche unter uns, die sagen: Wo, warum legt mir dann Gott so viel Schweres vor, wenn er mir zum Leben diese Einladung überbringen lässt? Ich soll leben, leben! Warum müssen sich dann manche zum Sterben rüsten?
Doch, das bleibt so. Wir haben vorhin das Lied gesungen vom Tal der Tränen. Dort hören wir die Einladung zum Leben. Und wir lesen nun Lukas 22, da steht von der Anfechtung, durch die Jesus ging: Lukas 22,39-46.
Und Jesus ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!
Also, die Jünger hätten nicht mehr so fröhlich singen können in dieser Stunde. Und trotzdem war es wahr, dass Jesus das Leben gibt, da erst recht sogar.
Und Jesus riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.
Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er rang mit dem Tode und betete heftiger, und sein Schweiss wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!
Nun hören wir das Lied: „Gott ist ein Gott, der grosse Dinge tut“. Das Grösste, was Gott tut, ist, dass er auch an der dunkelsten Stelle der Weltgeschichte am Kreuz von Golgatha seinen herrlichsten Sieg macht.
Wir wollen das Lied singen aus unseren roten Liedheften, Nummer 29: „Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha“, Nummer 29. Wir singen alle vier Verse.
Wir haben heute aus dem Hebräerbrief, Kapitel 5, einige Verse, also ganz am Ende des Neuen Testamentes: Hebräer 5,7-9.
Jesus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte. Und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.
Die Entscheidung des Lebens
Liebe Freunde, der heutige Tag ist ein Wahltag. Ich bin ganz sicher, dass Sie das auch wichtig und ernst nehmen. Sie haben sicher in den letzten Tagen auch viel von den Gruppen und Parteien gehört, warum und wieso man sich so oder anders entscheiden soll.
Es ist ja vielleicht ganz gut, dass unsere Entscheidung heute nur für vier Jahre gilt. Es gibt im Leben andere Wahlen. Die sind für eine viel längere Periode, in denen man sich entscheiden muss, etwa in der Berufswahl. Das hat lange Auswirkungen. Oder die Ehewahl: nicht bloß auf vier Jahre.
Auch unser Gott stellt sich zur Wahl. „Wählt euch, wem ihr dienen wollt“, wird das Volk Israel einmal gefragt. „Wählt euch, wem ihr dienen wollt!“ Und da ist nicht bloß ein kleines Kreuzlein gefragt, sondern eine Entscheidung, die mit dem ganzen Leben bekräftigt wird.
Es ist ja interessant, dass heute unter Christen eigentlich die Not ist. Man will sich nicht mehr richtig an Gott binden. Man sagt: Ach, ich bin überzeugt, dass es einen Gott gibt. Aber dass man ihn wählt, so dass man ihm dienen will, das ist ganz selten. Es fehlt die klare Entscheidung, die klare Hingabe.
Wenn ich daran denke, drüben sitzen unsere Väter und Mütter mit den Kindern, wie das war, als die Mütter die Kinder geboren hatten. In diesem Augenblick hat ja jede Mutter das empfunden: Gott ist mir ganz nah in dem Augenblick, wo mir das neue Leben anvertraut worden ist.
Es gibt Augenblicke im Leben, da ist Gott uns ganz nah, ihr Konfirmanten, wenn ihr hier eingesegnet werdet. Nicht nur, weil es ein schöner Gottesdienst wird, sondern ich bin überzeugt: Das geht euch unter die Haut. Ihr spürt irgendwo: Gott ist mir ganz nah.
Es gibt Abschnitte im Leben, wo wir ganz nah bei Gott sind. Ganz nah in schweren Krankheitszeiten oder bei festlichen Geburtstagen, wo wir vielleicht bewegt sind in der Erinnerung daran: Ach ja, wie wunderbar hat mich Gott in meinem Leben geführt.
Dennoch bleibt die Frage offen: Wollen wir ihn wählen, in dieser letzten, ganzen Hingabe, dass ich mein Leben an ihn binde? Ich kann das Leben anders nicht ergreifen, ohne Gott nicht.
Wenn ich mich manchmal für die Predigt vorbereite, dann kommen mir immer wieder auch schwere Gedanken. Ich denke: Habe ich Ihnen das so klipp und klar gesagt? Wissen Sie, vielleicht ist das in dem Fiedelai oft untergegangen. Was im Blick auf Ihr ganzes Leben die große Zeitspanne nur zählt, ist, ob Sie ganz klar Ihr Leben mit Gott, für Gott gelebt haben, unter seiner Hand und mit ihm sterben, ganz ihm gehören.
Bei unseren Kandidaten der Wahl, da habe ich immer ein bisschen Mitleid und ich habe auch großen Respekt. Denn wenn die sich da so präsentieren müssen und zur Wahl stellen, dann kann ja jeder kleine Junge, der da die Straße entlanggeht, an den Wahlplakaten seine Kritzeleien machen und kann da an den Augen und an der Nase der Kandidaten auf den Plakaten herum seine Witze machen.
Manchmal ist es ja auch so mit Gott, wenn Gott um uns wirbt, dass wir uns ganz frech und stolz fühlen und sagen: Ach, Gott hat ja ein Interesse an mir. Und wir sind so erhaben, dass wir Gott abblitzen lassen und sagen: Was willst denn du von mir? Ach, ich habe mich noch nicht entschieden, ich schiebe das mal noch ein Stückchen vor mir hin.
Die Entscheidung für Gott, die Wahl für Gott, die ist wichtig in unserem Leben. Bei unseren Parlamentswahlen erfinden manche Leute Wahlprüfsteine. An diesen Wahlprüfsteinen soll man die Kandidaten messen. Ich habe einen Wahlprüfstein für Ihre Entscheidung, an Gott sich zu binden. Der Prüfstein ist das Leiden, der Prüfstein ist das Leiden.
Leiden als Prüfstein des Glaubens
Vor vielen Jahren, als ich ganz neu hier in der Gemeinde war, kam eine liebe Konfirmandenmutter damals zu mir und sagte: Also, Sie machen irgendwas falsch im Unterricht. Mein Sohn kommt immer nach Hause und sagt, der redet so ernst. Und er spricht so viel vom Leiden, und die Geschichten, die er immer erzählt, das ist immer von Menschen, die sehr viel Schweres erlebt haben. Und jetzt kam mein Sohn und sagte, ich glaube, beim Chefbuch, da muss man todkrank sein, bevor man glauben kann.
Also, das Leiden gehört irgendwie zum Leben. Ich habe gesagt: Na, das wäre ja furchtbar. Und habe den jungen Leuten gesagt: Nein, unser Herr ist auch was fürs Fußballfeld und fürs Eisschlotzen und für den Urlaub und für die Freude am Leben.
Aber dieser junge Konfirmant von damals, wissen Sie, was für einen Beruf der ergriffen hat? Der ist heute Arzt. Der hat bloß mit Leidenden zu tun, der verdient sogar mit den Leidenden sein Geld. Und da wird auf einmal deutlich, dass Leiden doch eben zu unserem Leben und zu unserer Welt gehört. Das ist eine Tatsache.
Manche machen so, als ob das Leiden von Gott käme. Das ist nur eine dumme Redeweise, wenn man so tut, als ob Gott den Tod schickt und als ob Gott die Krankheit schickt. Wir tragen einen Körper, der Krankheit in sich hat. Sie können Atheist sein, Sie werden genauso krank. Das ist der Gang dieser Welt, und Ihre Uroma, die hat immer ganz richtig vom Jammertal gesprochen. Wir haben vorhin das Lied vom Tränental gesungen.
Ja, sicher: Wenn Sie durch diese Welt gehen, dann beobachten Sie, dass das das Grundgesetz des Lebens ist. Jetzt verstehen Sie schon den Prüfstein des Lebens, wie wir mit dem Leiden fertig werden. Natürlich ist uns in den letzten Jahrzehnten geschenkt, dass wir aus dem Vollen schöpfen können. Wir sind ein reiches Volk, und wir haben viele äußere Güter in Hülle und Fülle, so dass man sagt: Leben, das bedeutet für mich der Urlaub am Palmenstrand oder wenn ich Pizza esse oder irgendwas Schönes, wenn ich mich freue, ein neues Auto kaufe. Das ist Leben für mich.
Wie viele in ihrem Nachbarhaus, in ihrem Freundeskreis können so nicht mehr sprechen, weil das Leben für sie zusammensinkt auf die Frage: Was wird mit meinem Leiden? Und es sitzen viele unter uns, und es gebietet schon die Solidarität, selbst dann, wenn sie sagen: Ich habe keine Probleme, ihr Mitgefühl, dass sie sagen: Ich möchte mich dem stellen. Was ist mein Leben angesichts des schweren Leidens, und was ist dann?
Das Schwere ist ja: Das Leiden stellt alles in Frage. Wenn das Leben noch so schön war, aber wenn das Leiden kommt, was ist dann mein Leben? Wir modernen Menschen haben ja nur eine Antwort auf das Leiden: dass wir sagen, hoffentlich geht es ganz schnell vorüber, hoffentlich darf ich unbewusst sterben. Und das ist töricht und dumm, denn wer sagt Ihnen denn, dass dann, wenn Sie sterben, Ihr Leiden aufhöre? Das wünschen Sie sich, aber das wissen Sie doch nicht.
Nach all dem, was Gottes Wort sagt, wird dann das Leiden erst groß, wenn Sie fern von Gott sind. Der Gedanke des modernen Menschen, sich dem Leiden mit dem Tod zu entfliehen, das ist doch gar nicht wahr. Das Leiden ist doch nur gleichsam die Quittung unseres nichtigen Lebens. Wir können uns noch so viele Reichtümer anhäufen, noch so viel Ehre haben, noch so viel Würdigung von Menschen bekommen. Das Leiden macht uns deutlich, dass es nichts ist als Sand, der mir zwischen den Fingern durchrennt. Was ist mein Leben gewesen? Ohne Gott und an der Seite vorbei, von Gott weg.
Wenn Sie einmal die Religionen ansehen, was die zum Leiden sagen, das ist interessant, dass da gar nicht viel kommt. Die Moslems ertragen ja den Gedanken gar nicht, dass Jesus am Kreuz wirklich gestorben sei. Darum sagen sie, er ist vorher vom Kreuz runtergeklettert. Und die Buddhisten sagen, du musst das Leiden ertragen und dich über das Leiden hinausschwingen, du musst das hinter dir zurücklassen, ganz ähnlich wie es die alten griechischen Atheisten sagten. Die sagten: Entstoße doch Erhabenheit, vergiss doch einfach das Leiden, sag auch, es ist nicht wichtig, ach, das nehmen wir gar nicht ernst, das lassen wir liegen auf der Seite.
Und Sie können jetzt alle Religionen der Welt betrachten, es lohnt sich einmal, dem kritisch nachzufragen: Nur Jesus hat sich dem Leiden wirklich gestellt. Wir haben einen Herrn, und in diesen Passionstagen denken wir ja besonders dem nach, der unser Fleisch und unser Blut trug und darum das Leiden durchlitten hat in der ganzen Tiefe. Hier steht etwas in diesem Hebräerbrief, das wir so aus den Evangelien gar nicht wissen, dass Jesus geschrien und geweint hätte. Es könnte sogar sein, dass wir jetzt denken und sagen: Ach, war Jesus so ein Weigling?
Es war nicht die emotionale Schwäche der Nerven bei Jesus, sondern er hat das Leiden noch viel tiefer gesehen als wir. Wir verharmlosen das Leiden. Wir können ja den Tod in seiner grausamen Nichtigkeit überhaupt nicht ertragen. Und Jesus sieht noch mehr im Leiden, er sieht nicht bloß, dass alles durchgestrichen wird, er sieht den unheimlichen Abgrund, in den unser Leben einmündet, wenn wir die Hand Gottes ausschlagen. Was ist unser irdisches Leben ohne Gott? Was ist das, wenn wir unter dem Zorn Gottes leben, nicht versöhnt mit Gott?
Und Jesus hat in Gethsemane das alles noch einmal vorsichtig gesehen, er, der sagte: Ich bin gekommen, dass Menschen das Leben haben. Ihm selber wird das Leben genommen, er ist allein gelassen von den Freunden, sie haben ihn bespuckt und verhöhnt. Und jetzt liegt all das vor ihm, und er sieht noch, dass er die ganze Last der Schuld der Welt mit sich trägt, und er sieht diesen unheimlichen Abgrund, was es ist, von Gott verstoßen zu sein, verdammt zu sein.
Ist das für Sie nicht Trost, dass man auch weinen darf im Leiden? Da soll sich keiner richten. Und das Evangelium hat schon viele getröstet: das Leiden von Eltern, die für ihre Kinder weinen, die ihnen genommen wurden, Menschen, die um das Liebste weinen und die Gott nicht mehr verstehen können, wo Jesus nur noch mit Schreien und Flehen vor Gott reden kann.
Lassen Sie Buddhisten reden, dass man erhaben sein soll. Gehen Sie mal in die buddhistischen Länder Burma und Sri Lanka und fragen Sie im Bürgerkriegselend. Ich habe es gehört von einem Mann, der dort hingeht, der sagt: Der Buddhismus kann die Menschen nicht trösten. Die wollen was von Jesus wissen, weil in der Tiefe des Leidens, wenn sie alles verloren haben und die Füße weggeschossen sind und sie gequält und gefoltert wurden, dann wollen sie das hören vom Mann der Schmerzen, der sie zum Herzen Gottes führt.
Ein Buddhist weiß gar nichts von Gott, der sagt, du musst weiter über Gott hinaussteigen. Nein, dort findet er Frieden in Gott. Und Jesus hat das Gott geopfert, Gott dargebracht. Und das, was Jesus uns hier zeigt, ist, dass man Vater sagen darf, zum ewigen Gott Vater sagen darf, dass das Leiden der Prüfstein meiner Entscheidung ist. Woran will ich mein Leben binden? Woran will ich mein Leben binden?
Dort, wo Jesus im Garten Gethsemane betet und fleht und weint und schreit, da auf einmal wird sichtbar: Es gibt einen Trost, es gibt eine Hoffnung, da, wo ich im Gebet zu Gott kommen kann.
Gehorsam, Hingabe und die Reife des Glaubens
Jetzt möchte ich noch einen weiteren Punkt sagen. Daran kann man sich ganz, ganz fest halten, daran kann man sich ganz fest halten.
In den letzten Tagen wurde ich plötzlich auch in ein Pflegeheim gerufen. Eine liebe Frau, die auch viele Jahre ganz treu hier in unserer Gemeinde war, hatte noch den Wunsch, dass ich mit ihr das Abendmahl feiere. Ich habe meine Frau mitgenommen, wir setzten uns ins Auto und fuhren dorthin. Und wie man es dann so tut, auch wenn man durch den Stadtverkehr fährt, drehte ich das Radio an.
Da kam eben eine Diskussion, vielleicht haben manche von Ihnen das auch gehört. Da haben Pfarrfrauen diskutiert, also ganz verschiedene Meinungen. Eine ganze Reihe dieser Vertreterinnen hat gesagt, ja, wie schwer sie es haben, furchtbar schwer. Das Allerschlimmste sei, dass sie auch nicht bezahlt werden. Das bräuchten sie, um gewürdigt zu sein in ihrem Beruf. Als wir am Parkplatz vor dem Altenheim waren, fiel es uns schwer, auszusteigen.
So mittendrin in der Diskussion, die eine Stunde dauerte. Wir haben uns tüchtig geärgert. Wir dachten: Wissen die gar nicht mehr, dass doch nicht das Geld das Größte ist, was wir in unserem Leben haben, sondern dass der Dienst doch in etwas ganz anderem besteht?
Wir kamen in dieses Krankenzimmer hinein. Ach, die liebe Frau war so krank, dass man gar nicht mehr das Abendmahl feiern konnte. Sie konnte gar nichts mehr schlucken. Ich habe gesagt, das ist auch nicht nötig. Ich darf Ihnen das Wort zusprechen, das Jesus Ihnen sagt, dass nichts Sie aus seiner Hand reißen kann. Ich darf Sie segnen, auch wenn Sie so lieb wären und noch nur ein Tüchlein nass machen und mir aufs Gesicht legen.
Es ist so furchtbar, das Leiden, ja. So haben wir es dann gemacht. Und dann habe ich sie gefragt und schon an die Predigt von heute gedacht und gefragt: Ist das auch bei Ihnen noch jetzt da, dass Jesus Sie hält?
Und dann sagt sie: Das ist das Einzige, das Einzige in den Schmerzen.
Wir gingen hinaus, bewegt, und hörten die alberne Diskussion noch bis zum Ende an. Es war uns wie in einer Welt, wo man sagt: Kann man darüber reden, über Geldverdienen, über das, worin wir gewürdigt sind? Menschen in dieser Welt das eine zuzusprechen: Jesus ist da.
Man kann das gar nicht verstehen, dass Leidende diesen Trost fassen. Was hat denn Jesus fassen können? Er hat es gar nicht mehr mit den Händen fassen können in der Leidenszeit auf Golgatha. Er hat Gehorsam gelernt, heißt hier, Gehorsam gelernt. Und er hat gebetet: Vater, wenn es möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Du kannst doch, bei dir ist kein Ding unmöglich, hat doch der Chor auch gesungen.
Wie oft haben wir gebetet: Herr, du kannst mich doch gesund machen, es ist dir doch ein Kleines, mich rauszuholen aus dem Ofen des Elends. Aber dann kommt der Punkt, wo Sie sagen müssen: Herr, wenn du willst, dann sage ich Ja zum Leiden. Können Sie so in Ihrem Glauben sprechen, gehorsam lernen und das Gott opfern? Darauf liegt ein wunderbarer Segen, eine Verheißung, dass Sie es dann erfahren dürfen.
Ich will nicht deine Gaben, Herr, ich will nicht deine Geschenke und deine Wunder, ich will dich. Ich will nur in deinem Herzen geborgen sein. Und das, was uns im Glauben so sehr anzieht, ist doch, dass ich mich in Gott bergen darf, dass ich bei Gott sein darf in Freud und Leid und dass er mich hält, auch in der Not.
In unserem Gesangbuch steht ein Lied von Philipp Spitta, das dort eigentlich dem Begräbnis von Kindern gewidmet ist. Aber da sagt Philipp Spitta sicher auch aus viel Leid heraus:
Nimm hin, was dein ist, Gott,
nimm’s hin, ich will mich drum nicht grämen,
was von dir kommt, ist mir Gewinn,
dein Geben und dein Nehmen.
Ich lege auf dem Brandaltar
das Liebste dir zum Opfer da,
ein Stück von meinem Herzen.
Es kam von dir und blieb auch dein
und soll nun dein auf ewig sein.
Hilf du es mir verschmerzen.
Ich gebe es dir und sage nicht,
dass du es mir entrissen
vom Unmut, der da widerspricht.
Lass doch mein Herz nichts wissen
das Murren, das dem Schmerz vergilt
und dir, was dein ist, vorenthält.
Lass nie ins Herz sich setzen,
was ich dir gab.
Dafür gib mir ein desto größeres Teil
an dir und deinen Gnadenschätzen.
Es ist die Reife des Glaubens, wenn ich da durchdringe und gehorsam lerne, wenn ich sagen kann: Herr, du bist da bei mir, und ich will mein Leben jetzt mit dir leben.
Und diese liebe Frau, die der Herr bis jetzt noch nicht heimgerufen hat und die immer noch durchs Elenstal geht, die möge vom Herrn durchgeführt werden im Leiden. Denn Gott lässt mich überwinden, lässt mich siegen übers Leiden. Das ist der Prüfstein des Lebens.
Christus als hoher Priester und Wegbegleiter
Doch ein Letztes: Niemand kann das Meer umstoßen, niemand kann das Meer umstoßen.
Da steht, dass Jesus der hohe Priester geworden ist. Wir haben ja Schwierigkeiten mit dem Priesteramt, wir haben keine Priester. Ich will nicht so ein Priester sein, wie es manche Kirchen so haben, sondern der richtige Priester ist Jesus, der hohe Priester, der uns mit Gott versöhnt. Und dann haben wir in unserem evangelischen Verständnis noch das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Sie sollen Priester sein, Menschen in ihrer Nähe die Vergebung Gottes zuzusprechen, sie mit Gott zu versöhnen, Botschafter an Christi statt zu sein.
Aber das ist etwas Schönes zu wissen, dass der hohe Priester uns trägt. Das ist der Grund, warum ich auch froh sein kann. Ich weiß ja nicht, ob ich in den Leidensstunden durchhalte. Das geht ja bis an die letzte Kraft. Niemand hat das in seiner Natur. Jesus hat unser Fleisch getragen, und unser Fleisch, so sagt ein Ausleger, ist wie ein Resonanzboden für die Versuchungen Satans. In meinem Fleisch kommt das alles wieder: Ich will doch nicht leiden, ich bin leidensscheu! Und der hohe Priester betet für mich, er tritt für mich ein.
Wir sollten wieder ganz neu entdecken, was Jesus uns schenkt in seinem Leiden und Sterben. Wir können auch Ja sagen zu manchem schweren Weg, und wir brauchen heute nicht so genuss-süchtig werden, wie so viele meinen, auch in ihrem Christenleben. Sie wollen Ja sagen, auch zu schweren Leidenswegen, und sagen: Wir wollen siegen. Und wenn einer von uns auf den Leidensweg geführt wird, wollen wir sagen: Jetzt möge es eine rechte Segenszeit werden.
Ich habe heute die Predigt überschrieben: Das Besondere an Jesus ist, dass er mit mir durch die Tiefen geht, dass er der hohe Priester ist, der für mich eintritt. Darf ich Ihnen noch einmal eine Geschichte verdeutlichen? Denn ich glaube, die Geschichten bleiben uns besser hängen.
Vor vielen Jahren war ich einmal in Ostborneo. Wir haben dort von Hilfe Brüder verschiedene Schülerheime gebaut und auch Bibelschulen unterstützt. Ich sage immer, das ist das Ende der Welt: Tarakan, da gibt es überhaupt keine Straßen mehr. Auf einer Insel ist eine Stadt entstanden, weil dort Öl gebohrt wurde. Dort ist ein Pilot der Missionsflugvereinigung von Australien, der brachte mich dann über die Berghöhen des Krajen, unheimlich hohe Berge. Es ist im Grunde alles noch unerforscht und unerreicht, das sind die Kopfjäger der Dayak, und ganz an der Grenze nach Malaysia, wieder tief im Landesinnern, hat er mich bei einer Bibelschule abgesetzt, bei der Bibelschule Wilfinger. Dort waren 200 junge Leute. Wir haben dort für die Frauen ein Wohnheim gebaut, deshalb hat es mich interessiert, das einmal zu sehen.
Ich habe diese Dayaks gefragt: Was ist denn Wilfinger? Warum heißt diese Bibelschule Wilfinger? Dann gucken die mich an: Du kennst Wilfinger nicht? Wir sollen die Wilfinger kennen, alle wissen doch, wer Wilfinger ist, sie lieben ihn wie einen Vater. Es war ein junger Missionar, der dort in Nordborneo, dem heutigen Sabah in Malaysia, wirkte, im Dschungel das Evangelium in diese Stammessprache der Long Bavan übersetzte. Und dann kamen die Japaner, und das war eine ganz kritische Situation für die amerikanischen Missionare, die mussten sich alle stellen.
Der Wilfinger hatte eine Braut in Amerika und wollte schnell wieder zurück, um zu heiraten. Aber jetzt war die japanische Invasion, und die Japaner haben gleich den Befehl geschickt mit Listen, welche Namen sie suchen. All die Missionare und die Einheimischen haben gesagt: Wilfinger, wir verstecken dich, die Japaner finden dich nicht. Und er sagt: Nein, wenn ihr mich versteckt und die Japaner fragen euch, wisst ihr, wo er ist, dann müsst ihr lügen. Ich will nie einen Weg gehen gegen Gottes Gebot. Und euch zum Lügen nötigen, nein, das werde ich nicht machen.
Er ist hinuntergewandert durch den Dschungel, hat sich den Japanern gestellt und wurde erschossen nach einer grausamen Folterung. Aber dieses Leben des Wilfinger ging mit den Dayaks mit. Die begriffen: Es ist doch gar nicht wichtig, wie viel ich in diesem Leben an Lebenslänge ausschöpfe. Es ist nicht mehr wichtig, ob ich heirate, sondern nur wichtig, ob ich bei Gott bin. Der Name, eine Lüge, für so wichtig er sagt: Ich will doch nicht von Gott geschieden werden, welch ein Ungehorsam. Das Leben will ich ergreifen, das Leben ist nur in der Treue bei Gott.
Ob wir das nicht heute wieder ganz neu lernen und buchstabieren müssen, was das Leben ist? Jesus will uns das Leben geben. Ich habe heute begonnen zu sagen: Eine Wahl steht an, eine Wahl, ob sie sich an Gott binden im Gehorsam ihres Lebens, ob sie sich mit Leib und Seele an ihn binden und sagen: Herr, ich will mit dir. Das macht sie doch frei. Sie brauchen sich nicht mehr von allen verlockenden Angeboten herumreißen lassen.
Wenn Jesus im Garten Gethsemane betet: „Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber; nur wie du willst, will ich“, dann sollen auch wir in unserem Leben sagen: Herr, was willst du? Dann plötzlich haben sie Zeit, dann plötzlich können sie mutig auch zu Menschen Nein sagen. Ihr Leben hat wieder eine Zielrichtung, und Sie werden merken, welch eine Freude über ihrem Leben liegt, wie gut es ist, dass wir uns nicht selber erlösen müssen, sondern Jesus ist der Urheber unserer Seligkeit. Wir leben ja von seiner Vergebung, und wir werden hindurchgetragen durch seine Fürbitte, die er beim Vater für uns darbringt.
Aber ich darf heute mein Leben ganz neu ergreifen in der Freude: Gott ruft mich in seinen Dienst, und er will der Urheber der Seligkeit sein. Wem wollt ihr dienen? Wollen Sie sich selber leben, Ihrem Ich, Ihren Wünschen, oder sagen Sie nur: Herr, was du mir gibst? Und ich will dieses Leben dankbar nehmen, in der Freude, in den Gaben, in den schönen Dingen, nicht bloß im Leiden. Auch heute, in dem, was ich genießen darf, in meiner Arbeitsfülle, in den politischen Aufgaben unserer Welt, in dem, wo wir gefordert sind, im Beruf und überall, wo ich wirken kann, aber nur mit Gott, nur mit Gott, nichts ohne ihn, denn das wäre sonst kein Leben. Amen!
Nun wollen wir ein Lied singen, 305, das stammt von Karl Friedrich Hartmann. Der war Religionslehrer an der Militärakademie auf der Solitude und hat dann später sein Pfarramt aufgegeben im Streit mit dem Herzog, damals an der Kleiderordnung, als die Barrette bei den Pfarrern eingeführt wurden. Er war ein treu seinem Herrn dienender Mann, aber er hat ein ganz großes Lied gedichtet über das Leiden, und viele von Ihnen kennen dieses Lied nicht. Wir wollen aus diesem Lied 305 die Verse 1 und 2 singen und dann den neunten Vers.
Fürbitte, Dank und Sendung in die Welt
Herr, du bist bis in diese Tiefen unseres Fleisches hinuntergestiegen, viel tiefer, als wir zu blicken wagen. Und du hast die ganze notvolle Verlorenheit unserer menschlichen Existenz gesehen. Wer sind wir als vergängliche Wesen unter dem Zorn Gottes?
Und vielen Dank, dass du uns ein Heimatrecht und ein Kindesrecht beim Vater schenkst, dass du uns die Tür zum Himmel aufschließt durch deine große Erlösungstat. Vergib uns, wo wir uns immer wieder wegziehen lassen durch ganz billige irdische Verlockungen, wo uns die Sünde betören kann und uns etwas anderes wichtig macht als deinen Willen.
Wir wollen jetzt ganz besonders auch für die beten, die ins Leiden geführt sind, denen du so viel zugemutet hast und die auch die Leiden dieser Welt auskosten und schmecken: bei uns die Kranken und die Alten, auch die seelisch Bedrückten, aber auch in den vielen Gebieten der Welt, wo gehungert und gelitten wird, wo Menschen kein Obdach haben, in den Kriegsgebieten dieser Welt. Ach, du kannst mitfühlen mit all der Not verlassener, hoffnungsloser Menschen. Und wir sind so froh, dass dein Evangelium Trost, Hoffnung und Zuversicht schenkt.
Bekräftige dein Wort, wenn wir es weitersagen. Gib du allen evangelistischen Bemühungen Nachdruck und lass auch in unserem Volk viele Menschen doch wieder merken, dass nicht Güter satt machen und uns Erfüllung geben, dass nicht Arbeit das Leben ist, sondern allein deine große, ewige Liebe, die weit über den Tod hinausreicht.
Vielen Dank, lieber Herr, dass du uns diesen Trost und diese Freude gibst, dass du der Hohepriester bist, der jetzt auch alle unsere Schuld wegnehmen will und uns versöhnen will mit Gott. Und Urheber der Seligkeit, auch bei uns willst du sein. Wir danken dir dafür und preisen dich.
Lasst uns gemeinsam beten: Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Nehmen Sie noch einmal einen Augenblick Platz. Ich möchte Sie noch einmal darauf hinweisen, dass auf Ihrem Platz jetzt der neue Notizenzettel liegt. Nehmen Sie ihn mit, auch am Ausgang noch einmal, damit Sie wieder informiert sind über unsere Gottesdienste, auch über Veranstaltungen.
Auf diesem Notizenzettel steht jetzt nicht die Bibelwoche in der Karwoche. Dafür liegen hinten die grünen Zettel. Ich hoffe, dass Sie sich alle diese Tage vorgemerkt haben und dass Sie es auch anderen bekannt gemacht haben. Es ist keine Evangelisation, sondern eine Zurüstung für Christen, ihren Glauben zu vertiefen.
Da ist beim Drucker leider ein Missgeschick passiert, sodass etwas aus der Vorlage herausgefallen ist. Die Mütter haben gesagt, sie machen wenigstens bei der ersten Einheit um 16.00 Uhr eine Kinderbetreuung. Jetzt hören es drüben die Mütter. Ich hoffe, dass Sie es dennoch in Ihrer Vorbereitung haben, auch wenn es nicht im Programm steht. Aber wir können das ja weiter sagen, dass um 16 Uhr jeweils an jedem Tag eine Kinderbetreuung unten stattfindet, sodass auch die Mütter wenigstens an der ersten Bibelstundeneinheit teilnehmen können.
Das soll so eine Abendbibelschule sein, die aber so hineingesetzt ist, dass möglichst alle teilnehmen können: Berufstätige, Alte und Junge. Herzliche Einladung dazu.
Unser Opfer: Ja, da war vor einigen Tagen bei uns Bischak Awad. Das ist der Leiter des Bethlehem Bible College, der einzigen Bibelschule für arabische evangelische Christen in der Westbank. Uns hat es sehr bewegt. Vor zwei Jahren waren wir einmal mit einer Reisegruppe dort, wie wir diese jungen Leute gesehen haben, die hineingehen zu ihren Landsleuten und ihnen das Evangelium des Friedens predigen, die den Namen Jesu hineintragen in all die evangelischen Kirchen. Sie haben es nicht leicht unter der Übermacht des Islam, auch in diesem unruhigen Gebiet. Aber junge Menschen, die Friedensboden sein wollen.
Wir haben uns von Hilfe Brüder verpflichtet, dort bei der Einrichtung zu helfen. Sie haben jetzt ein neues Haus bekommen, das sie mieten konnten, ein leerstehendes Blindenheim in Bethlehem. Da haben wir gesagt, wir wollen helfen mit der Einrichtung, Tischen und Stühlen und auch in der Bibliothek. Und das soll für diese arabischen evangelischen Christen ein Zeichen sein, dass wir hinter ihrem Dienst stehen.
Wir haben das auch mit diesem Bischak Awad so besprochen, dass sie sich nicht mitreißen lassen in diesen politischen, leidenschaftlichen Kampf, sondern dass sie die Versöhnung Jesu predigen, den Menschen, die dort ohne Hoffnung sind. Vielen Dank, dass Sie diesen Dienst auch mittragen.
Nun wollen wir um den Segen Gottes bitten:
Herr, segne uns und behüte uns.
Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Herr, erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden.

