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Wann ist eine Gemeinde GESUND?

10.02.2023

Einführung und Umfrageergebnisse

Vor kurzem habe ich auf Instagram eine Umfrage gemacht mit der Frage: Was macht eine schlechte Gemeinde aus? Ich hatte gehofft, etwa dreißig bis fünfzig Antworten zu bekommen. Wenn fünfzig Menschen aus verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen sich Gedanken machen und antworten, kann man daraus schon viel lernen.

Tatsächlich kamen dreihunderteinundneunzig Kommentare und Antworten zusammen. Weil so viele Menschen geschrieben haben, hat Instagram die Umfrage über dreitausendfünfundachtzig Mal angezeigt. Ich habe die Antworten in den letzten Wochen ausgewertet. In den nächsten Minuten siehst und hörst du, was Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz über gute und schlechte Gemeinden sagen.

Als Höhepunkt gebe ich dir zusammengefasst die Top neun Merkmale, an denen du eine tolle Gemeinde erkennst – eine Gemeinde, die gesund, sicher und zukunftsfähig ist.

Willkommen beim Bibelfitdienst! Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzutauchen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und auch harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten. Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das gibt es alles kostenlos auf der Website – dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Wer wenig Zeit hat und nur das Fazit sehen möchte, kann an dieser Stelle im Video vorspulen. Dabei verpasst du aber die Zusammenhänge und Hintergründe.

In der Umfrage habe ich gefragt: Woran erkennst du eine schlechte Gemeinde? Warum habe ich das so formuliert? Ein kleiner Tipp: Die meisten Menschen können schneller, ehrlicher und direkter über negative Dinge sprechen. Bei positiven Themen müssen viele länger nachdenken. Aus meiner Erfahrung als Personalchef ist das ein großes Geschenk. Warum? Weil man aus negativem Feedback oft viel direkter und ehrlicher lernen kann, was den Menschen wichtig ist und was besser laufen sollte. So bekommst du mehr und bessere Antworten.

Deshalb werde ich jetzt aus den 391 Antworten zusammenfassen und kommentieren, was eine gesunde Gemeinde ausmacht – was positiv, gut und gesund ist. Dafür haben wir im Bibelfitdienst die Zuschriften inhaltlich sortiert und Kategorien gebildet.

Die erste Kategorie war: Wie wirkt die Gemeinde nach außen?
Zweitens: Was wird in der Gemeinde gelebt, zum Beispiel wie sie organisiert ist?
Drittens: Wie verhalten sich die Leiter?
Viertens: Was wird in der Gemeinde gelehrt?
Und fünftens: Wie verhalten sich die Mitglieder?

Du siehst schon, da geht es zur Sache. Bei der Umfrage haben die Leute kein Blatt vor den Mund genommen. Ich habe mich mehrere Wochen damit beschäftigt und kann dir sagen, das war unheimlich bereichernd und absolut wertvoll.

Ich verspreche dir, du wirst dauerhaft beschenkt aus diesem Video herausgehen. Wir werden die Oberpunkte der Reihe nach durchgehen. Zwischendurch stelle ich ein paar Fragen, mit denen du und ich in uns gehen können. Wir können uns fragen: Wie ist das eigentlich in unserer Gemeinde? Wie ist das bei dir und bei mir ganz persönlich? Schau einfach, was du damit anfangen kannst.

Wie immer sind kritische Kommentare zu diesem Video völlig okay. 1. Thessalonicher 5, prüfe alles, behalte das Gute, aber prüfe auch zuerst!

Der Fahrplan ist also klar. Drücke gern die Glocke unter diesem Video, damit Christen und auch mehr Leiter von Gemeinden sehen, was wir dieses Jahr in unseren Gemeinden besser machen können.

Außenwirkung der Gemeinde

Los geht es mit Punkt eins der Außenwirkung. Am häufigsten genannt wurde fast zwanzig Mal der Punkt Willkommenskultur. Lassen Sie uns hier ein Stück weit selbst hinterfragen. Haben Sie in Ihrer Gemeinde eine Atmosphäre, in der Gäste und Erstbesucher gut ankommen können? Ist das für Sie überhaupt eine Priorität? Steht das irgendwie auf der Agenda, auf dem Plan?

Das heißt: Gibt es eine bewusst gelebte Besucherfreundlichkeit? Gibt es eine Atmosphäre der Herzlichkeit bei Ihnen? Und gibt es jemanden, der sich darum kümmert?

Ich denke da ein Stück weit an meine eigene Geschichte. Ich bin damals als Atheist unter Atheisten aufgewachsen. Bis ich im jugendlichen Alter war, hatte ich keine zwei Kirchen von innen gesehen und noch nie mit einem bekennenden Christen ein Wort gewechselt. Deshalb erlauben Sie mir eine provozierende Nachfrage: Nehmen wir an, an diesem Wochenende kommen zehn Menschen zum ersten Mal überhaupt in Ihren Gottesdienst und haben vielleicht noch nie mit einem Christen gesprochen. Sind Sie darauf vorbereitet? Wissen Sie überhaupt, wie Sie mit ihnen umgehen wollen und was Sie mit ihnen anfangen können? Haben Sie die äußeren Strukturen geschaffen? Gibt es einen Ablauf, was dann passieren soll?

Denn mal ganz kritisch nachgefragt: Wenn ich nicht einmal bereit bin, dass Gott dieses Gebet erfüllt, wie kann ich denn täglich darum beten? Haben Sie die innere Herzlichkeit, den Gästen Anschluss zu geben, damit sie auch wiederkommen wollen? Sind Sie nur nach innen gerichtet oder auch nach außen?

Fragen Sie Menschen! Ich will da noch etwas tiefer bohren, und jetzt kann es unangenehm werden. Mal ganz im Ernst: Beten Sie überhaupt dafür, dass neugierige, nichtchristliche Gäste kommen? Menschen, die hungrig sind nach Gottes Wort und spüren, dass sie Jesus brauchen, aber nicht wirklich wissen, wie?

Ich fürchte, manche Gemeinden drehen sich so sehr um sich selbst, dass sie nicht einmal das Mindeste tun: nämlich dafür beten, dass Gott ihnen neue Menschen zuführt. Jesus sagt dazu: „Die Ernte ist bereit, bittet Gott, dass sie eingefahren werden kann.“

Das nächste Thema bei der Außenwirkung: Haben Sie echten Austausch mit anderen bibeltreuen Gemeinden? Was meine ich damit? Ich habe heute den Eindruck, dass wir da häufig in einem von zwei Extremen sind. Entweder igeln wir uns in unserer eigenen Blase, in unserer eigenen Echokammer ein und reden gar nicht mehr mit anderen bibeltreuen Gruppen.

Das sollten wir aber tun – natürlich alles anhand der Bibel prüfen, aber wir sollten es tun.

Das andere Extrem ist, dass wir nur noch nach links und nach rechts schielen und alles gut finden, was andere Leute machen, ohne vorher zu prüfen, auf welchem Bekenntnis sie stehen und ob das überhaupt biblisch ist. Das führt dazu, dass in einer Gemeinde, die ich kenne, seit Jahren nicht nur liberale Theologie und progressives Christentum herrschen, sondern auch New Age, Buddhismus, japanische Energieheilung, Pendeln, Tarotkarten und vieles mehr Einzug gehalten haben. So etwas sollten wir dringend lassen.

Letzter Punkt zur Außenwirkung – und das wird jetzt einigen nicht gefallen. Ich fange mal bei mir persönlich an. Stellen Sie sich vor, ich, Markus, würde im Gottesdienst bei Ihnen singen. Zum Hintergrund: Ich kann nicht mal Noten lesen, das heißt, wenn ich singen würde, dann wäre das nicht nur hemdsärmelig, das wäre nicht nur halbherzig, sondern eine echt schlechte Außenwirkung für Ihre Gemeinde.

Das heißt: Wer immer bei Ihnen den Gottesdienst organisiert, der sollte mich nicht zum Singen auffordern. Denn wer mich zum Singen einteilt, macht seinen Job nicht gut – weil ich das offensichtlich nicht kann.

Warum sage ich das? In vielen Gemeinden haben viele von Ihnen geschrieben, dass es leider derzeit so ist, dass die falschen Personen den falschen Job machen. Zum Beispiel: Jemand macht Musik, der kaum eine richtige Note trifft, Flyer wirken, als wären sie auf der Schreibmaschine getippt, oder die Website einer Gemeinde sieht so unbeholfen aus, dass man denkt, die 90er Jahre hätten angerufen und wollen ihr Webdesign zurück.

Dabei eine kurze Anmerkung: Mit heutigen Werkzeugen ist es genauso schnell möglich, eine hässliche Website zu erstellen wie eine schöne. Man hat also nicht mal einen Vorteil, wenn man es schlecht macht.

Schauen Sie sich einfach mal die YouTube-Kanäle vieler Gemeinden an. Was da an Potenzial besteht, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, geht verloren – nur weil zwei, drei kleine Handgriffe nicht gemacht werden. Das ist fast fahrlässig.

Das sind alles Dinge, die richtig zu machen nur zehn Prozent mehr Mühe kosten, aber dafür das anderthalbfache Ergebnis bringen.

Das Problem ist aus meiner Erfahrung als Personalchef: Sobald man Negatives oder Mittelmäßigkeiten über einen gewissen Zeitraum toleriert, ohne daran zu arbeiten, setzt bei den meisten Leuten früher oder später eine Abwärtsspirale ein. Ich kenne das auch von mir selbst: Man sagt sich, okay, ist scheinbar normal hier, na ja, meins muss ja nicht so gut sein, muss ja nicht perfekt sein. Da und dort hat ja auch nur das Allernötigste gereicht.

Das Fiese ist, dass das ein psychologisch unbewusster Vorgang ist. Man denkt dann unbewusst: Für meine Sache muss ich mir keine große Mühe geben. Aber man merkt nicht einmal selbst, dass man das denkt.

Das sieht man daran, dass vieles auf einem hemdsärmeligem und halbherzigem Niveau bleibt und sich über die Zeit sogar verschlechtert.

Das Gegenmittel heißt Feedbackkultur. Deshalb die Frage an Ihre Gemeinde: Haben Sie eine Feedbackkultur? Fragen Sie nach Feedback? Das fängt schon beim Prediger an. Gibt es einen festen Rahmen, in dem jeder Prediger, auch jeder Gastprediger, ein regelmäßiges und reflektiertes Feedback zu seiner Predigt bekommt?

Denn solange Sie das nicht machen, riskieren Sie, dass Leute am Ende des Tages mit den Füßen abstimmen. Das heißt, dass sie früher oder später nicht mehr kommen, weil ihnen die Predigten nichts geben. Und Sie tappt völlig im Dunkeln, warum Ihre Gemeinde schrumpft.

Thema Predigten: Sind die bei Ihnen überhaupt verständlich? Kann ich sie als normaler Mensch vom Satzbau her verstehen? Oder muss ich erst drei Studienabschlüsse haben und ein Feuertownleser der FRZ sein oder so?

Das heißt: Kann ich als Besucher, der zum ersten Mal in einer Gemeinde ist und vom Christentum keine große Ahnung hat, die Wortwahl überhaupt grob inhaltlich verstehen? Oder sind das irgendwelche Sondervokabeln? Brauche ich bei Ihnen ein Lexikon? Kanzelfrom-Deutsch, Deutsch-Kanzelfrom?

Die Sprache ist ein gutes Merkmal, an dem Sie das festmachen können.

Wie sehr wollen wir als Gemeinde wirklich, dass Menschen zu uns kommen und sich hier bekehren? Gemeinden, die offen sind für Besucher, erkennt man unter anderem daran, welche Vokabeln sie benutzen und ob sie zwei oder drei Sätze mehr investieren, um etwas zu erklären, was für die Stammgäste klar ist, aber für die Gäste, die Neubesucher, nicht.

Ist das in Ihrer Gemeinde überhaupt im Bewusstsein?

Glauben Sie mir aus Erfahrung: Es gibt auch gute Untersuchungen und Studien dazu. Da bricht sich keiner einen Zacken aus der Krone.

Dieses ganze Thema Außenwirkung kann natürlich auch ins Gegenteil umschlagen, wenn es vor allem darum geht, die perfekte Show abzuziehen. Wenn es nur um die Performance geht und Hauptsache jeder packt irgendwie mit an.

Wenn Leute mehr zum Mitarbeiten motiviert werden als dazu, Jesus nachzufolgen, dann hat das natürlich Schlagseite, dann kippt es.

Also nichts gegen den guten Auftritt, nur zu. Aber wenn die Leute mehr Mühe und Gedanken in die Show stecken als in den Inhalt, in die Lehre und das Gebet vorher, wenn die Performance mehr zählt als der Inhalt und die Lehre – wenn es außen hui und innen pfui ist –, dann hat niemand etwas gekonnt.

Mehr dazu finden Sie im Beitrag „Was sagt die Bibel über Gemeinde“, den ich unter diesem Video verlinkt habe.

Praxis und Organisation der Gemeinde

Oberpunkt zwei: Die Praxis und die Organisation

Das Wichtigste, was von euch so häufig kam, ist eine gute Gemeinde, die evangelisiert. Das heißt, sie erzählt das Evangelium weiter. Konkret bedeutet das, anderen Menschen zu berichten, wie Gott in Jesus Mensch geworden ist und wie Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung die Kraft hat, schuldige Sünder vor Gottes kommendem Gericht zu retten. Das ist das Evangelium – nicht irgendetwas anderes. Alles andere ist nur ein Nebenschauplatz, eine Beilage, die mächtig vom Hauptgericht ablenken kann: dem echten, saftigen und nährreichen Evangelium.

Du kannst dich einfach selbst fragen: Was muss ich tun, um nicht in die Hölle zu kommen? Kannst du mir darauf eine zwei Minuten lange Antwort geben, die ein normaler Mensch ohne christlichen Hintergrund versteht?

Bezogen auf die Gemeinde: Gibt es in eurer Gemeinde eine klare Antwort darauf? Gibt es ein Format, Workshops, Abende, Materialien oder Ähnliches, bei denen ich als Mitglied lernen kann, was genau die Antwort auf diese Frage ist? Was muss ich tun, um nicht in die Hölle zu kommen? Und wie begründe ich diese Antwort?

Du wärst überrascht, wie viele Christen in unserem Land solche Fragen nicht leicht verständlich und inhaltlich klar beantworten können. Kann ich bei euch in der Gemeinde auch lernen, wie ich mit Nichtchristen genau über dieses Evangelium spreche?

Falls du nicht weißt, wie das geht: Ich habe dir unter diesem Video ein paar Materialien verlinkt, die du dir einfach mitnehmen kannst. Alles ist gratis.

Mehr noch: Werde ich bei euch als Gemeindemitglied überhaupt motiviert, mit anderen über Jesus zu sprechen – nur vom Bauchgefühl her? Was zählt in deiner Gemeinde mehr, was ist wichtiger: dass jemand mitarbeitet, dass jemand der konkreten Gemeinde beitritt, dass jemand spendet – oder dass jemand von Jesus hört? Und ist diese Prioritätensetzung so, wie sie sein sollte?

Der zweite Punkt bei Praxis und Organisation ist ein sehr unangenehmes Thema, über das keiner gern redet. Es ist der große Elefant im Raum: das Thema Altersstruktur.

Ich gebe dir mal ein flapsiges Beispiel: Ich weiß noch genau, wie es war, als ich als junger Mensch, als Jugendlicher, die ersten Male in christliche Gottesdienste gegangen bin. Zuerst war ich in großen Kirchen und merkte schnell: Es scheint Mode zu sein, dass die Leute sich die Haare weiß färben. Dann ging ich das erste Mal in eine Freikirche und dachte: Wieso laufen hier Teenager mit Eheringertappen rum? Ist das legal? Spaß beiseite – es bringt nichts, um den heißen Brei herumzureden.

Natürlich gibt es in vielen Kirchen und Gemeinden eine massive Überalterung. Und natürlich gibt es Gemeinden, die deswegen aussterben, schon schließen mussten oder sich aufgelöst haben. Das weiß jeder von uns.

Das Problem dabei ist aber nicht das, was viele denken. Es ist nicht das Problem, dass Menschen im Vorruhestandsalter und Senioren in die Gemeinde kommen. Das ist doch toll, das ist fantastisch! Ich bitte darum, und es wäre dramatisch, wenn das nicht der Fall wäre.

Das Problem ist, dass es in einigen Gemeinden zu wenig junge Menschen gibt. Klarer Text: Wir brauchen auf keinen Fall weniger ältere Menschen. Bitte bleibt und kommt gerne! Sondern wir brauchen zusätzlich massiv mehr junge Menschen.

Junge Familien zählen dazu, aber auch Paare, Berufseinsteiger, Studierende und vor allem Jugendliche. Das ist wirklich, wirklich wichtig. Denn sie sind die nächste Generation der Gemeinde und auch die nächste Generation der Christenheit in Deutschland.

Was meine Generation und heutige Teenager jetzt an Gemeinde und Kirche erleben und mitgestalten dürfen, ist für Zehntausende, wenn nicht sogar Hunderttausende, absolut grundlegend. Es prägt, was sie ihr ganzes Leben lang über Glauben, Christentum und Gott denken – und ob sie mit Jesus leben oder nicht. Das ist komplett richtungsweisend. So werden sie in einigen Jahren die gesamte Christenheit in Deutschland formen und gestalten.

Das wäre jetzt ein ganz eigenes Thema, aber ganz selbstkritisch muss ich auch beherzigen: Die wichtigste Generation der Christenheit ist nicht meine, sondern die, die nach mir kommt. Die wichtigste Generation der Christenheit ist immer die nächste.

Deshalb müssen inhaltliche Angebote und die Arbeit mit jungen Menschen, vor allem mit Jugendlichen, eine absolute Priorität sein. Jemand sagte: Die Qualität einer Gemeinde erkennst du an der Qualität der Jugendarbeit. Da gehört vielleicht noch mehr dazu, aber du siehst, von welcher dramatischen Flughöhe wir hier sprechen. Das ist ein absolutes Kernthema.

Das muss für jede Gemeinde ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Und es reicht nicht aus, nur einen Ehrenamtlichen oder eine Mitarbeiterin für die Jugendarbeit zu haben. Die ganze Gemeinde muss dahinterstehen und an einem Strang ziehen, um junge Menschen fit zu machen.

Sie müssen gut begründet lernen, was Christen glauben, warum sie das glauben, wie sie leben, was sie als Christen annehmen und was nicht – und vor allem immer wieder, warum es dafür Gründe gibt.

Studien zeigen klar, dass Menschen in meinem Alter und darunter heutzutage Gründe verstehen müssen, um sich ehrlich überzeugt dahinterzustellen.

Ganz ehrlich: Wenn es keine Gemeinden gäbe, die offen für junge Leute mit all ihren Fragen sind, dann wäre ich, Markus, vor all den Jahren sehr wahrscheinlich kein Christ geworden. Dann gäbe es heute keinen Bibelverdienst, und du könntest dieses Video hier definitiv nicht sehen oder hören.

Jetzt überlege mal, wie viele Menschen heute keine Dienste gestartet haben, wie viele keine Pastoren geworden sind und wie viele sich überhaupt nicht bekehrt haben, weil wir alle in unseren Gemeinden die Jugendarbeit schleifen lassen.

Solange sich da in deiner Gemeinde nicht massiv etwas bewegt, wird der Letzte das Licht ausmachen. Ich meine das ernst.

Nicht zuletzt kannst du an der Altersstruktur eurer Gemeinde, also wie die Menschen altersmäßig verteilt sind, gut ablesen, wie das mit dem Erreichen von Nichtchristen wirklich funktioniert. Das ist eine sehr gute Kompassnadel.

Gemeinde leben: Gemeinschaft und Gebet

Damit sind wir beim Dauerbrenner Gemeinde leben. Die Frage lautet: Ist eure Gemeinde wach? Das heißt, bekommt ihr überhaupt etwas mit?

Damit meine ich: Seid ihr nach oben hin wach? Habt ihr regelmäßige und offene Gebetstreffen in eurer Gemeinde, von denen die Leute auch wissen? Gibt es einen Gebetskreis, also einen Kreis, in dem intensiv gebetet wird?

Meine persönliche Meinung dazu: Habt ihr eine Kultur des Fastens? Noch viel wichtiger ist aber, was die Leute aus der Umfrage sagen: Betet ihr für eure Leiter um Weisheit und Bewahrung? Betet ihr für eure Gottesdienste, für eure Gemeinde, dass Gott sie segnet? Betet ihr für andere Gottesdienste und Gemeinden? Betet ihr für verfolgte Christen, für Evangelisten und Missionare rund um den Globus? Betet ihr für Erweckung in eurer Stadt und darum, dass Gott euch Menschen zuführt, die sich bei euch bekehren? Betet ihr darum, dass ihr den biblischen Gott immer besser kennenlernt und dass eure Gemeinde seine Gemeinde wird?

Seid ihr nach oben hin wach und offen, um zu empfangen? Habt ihr regelmäßig Treffen, in denen die Bibel studiert wird? Und damit meine ich nicht, einfach über die Bibel zu reden, wo jeder seine drei immer gleichen Phasen herunterbetet, über seine Gefühle spricht, erzählt, wie die Woche war, oder über Person XY tratscht. Nein, das ist ein Kaffeekränzchen, keine Bibelstunde. Ich meine wirklich, gemeinsam zu lesen und sich um Nähe zum Text zu bemühen. Zu verstehen, warum Gott diesen Text in seine Heilige Schrift aufgenommen hat.

Seid ihr auch wach nach links und nach rechts? Bekommt ihr etwas voneinander mit? Von tollen Ereignissen in der Gemeinde, wie wenn sich Leute verloben? Kriegt ihr mit, sobald Menschen krank werden oder in finanzielle Schwierigkeiten geraten? Habt ihr praktische Liebe? Helft ihr euch praktisch untereinander, etwa durch Besuche, Fahrdienste oder vielleicht auch finanziell? Würde ich als Gemeindemitglied bei euch wissen, an wen ich mich vertrauensvoll wenden kann in einer Notsituation?

Und jetzt: Sagt bitte nicht, der Pastor, denn die Verantwortung für viele Leben auf nur eine Person zu legen, ist kein biblisches Prinzip.

Über diese Dinge und darüber, was in Gemeinden schiefgehen kann und wie wir es besser machen können, spricht Jesus Christus selbst. Das geschieht in den sogenannten sieben Sendschreiben der Offenbarung. Dort sind sieben Arten von christlichen Gemeinden beschrieben, mit ihren Stärken und den Punkten, auf die sie achten müssen. Mit etwas Hintergrundwissen sind diese sieben Sendschreiben klar und hilfreich. Du kannst sie unmittelbar praktisch umsetzen.

Nimm dir dafür einfach diesen Überblick mit spannenden Einsichten zur Offenbarung mit. Das wird bereits in Bibelstunden und Hauskreisen genutzt, ist komplett gratis. Klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

Auch das Thema Geld: Finanziert ihr euch teilweise oder vielleicht sogar ganz durch Spenden? Wissen die Leute das? Es ist immer eine Waage: Wie häufig erwähnt ihr das, an welchen Stellen, auf welche Weise? Da kann man es nicht allen recht machen, das ist klar.

Aber habt ihr zumindest sichergestellt, dass Mitglieder, regelmäßige Besucher und Freunde, die euch finanziell unterstützen möchten, wissen, wie sie das tun können? Es sind mündige, erwachsene Menschen, die selbst entscheiden, ob sie unterstützen wollen oder nicht. Keine Sorge, aber gebt ihnen wenigstens die Chance.

Ich sage das, weil ich selbst Situationen erlebt habe, in denen Leute, die seit Jahren in die Gemeinde kommen, erst vor kurzem erfahren haben, dass die Gemeinde durch Spenden finanziert wird. Dann haben sie gesagt: „Boah, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich schon längst etwas gegeben. Ich hätte es doch gewollt!“

Und selbstverständlich nur als kleine Fußnote: Die Spenden sollten nicht vom Pastor, sondern von einer anderen Person verwaltet werden. Und diese Person wiederum muss von einer dritten Person kontrolliert werden. Warum? Damit der Pastor im Idealfall gar nicht weiß, wer wie viel spendet, um sich davon nicht beeinflussen zu lassen.

Nächste Frage: Gibt es bei euch Seelsorge? Das heißt, habt ihr ältere Geschwister, erfahrene Glaubensgeschwister aus eurer Mitte, denen ihr geistlich, emotional und von der Klarheit her vertraut? Und denen ihr auch Herzenswärme zutraut?

Gibt es bei euch Strukturen, Personen und Ämter, die Ansprechpartner für diese Themen und noch mehr sind? Weiß ich als Neuankömmling, an wen ich mich wenden kann? Hängt das irgendwo aus oder steht es auf der Website? Hat jeder, der möchte, die Chance, in einen Hauskreis zu kommen? Wer organisiert das?

Ein großes Thema in eurer Umfrage: Eine gute Gemeinde ist organisiert. Das heißt, es gibt eine klar formulierte Gemeindestruktur. Es gibt eine Art Organigramm, also eine Übersicht über die einzelnen Rollen und Zuständigkeiten.

Wenn ich als Personalchef über die Jahre neue Mitarbeiter eingestellt habe, waren die drei ersten Dinge, die ich ihnen mitgeteilt habe, folgende:

Erstens: Was ist unser Zweck als Unternehmen und als Abteilung? Wir sind keine Beschäftigungstherapie, keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Sondern was genau ist unsere Existenzberechtigung? Was können wir und was tun wir, was keine andere Abteilung tut? Wozu gibt es uns überhaupt? Wir sind da, um im Endeffekt etwas zu erreichen, also dieses Wozu.

Zweitens: Was sind unsere Werte? Mit welcher Haltung tun wir, was wir tun? Zuständigkeiten, Abläufe und konkrete Details können sich ändern. Aber Werte und Grundhaltungen prägen die Kultur, wie wir miteinander umgehen. Sie prägen auch, mit welcher Haltung wir alles tun. Das trägt und überdauert. Deshalb ist es wichtig, Werte zu haben und diese regelmäßig zu kommunizieren – auch den „alten Hasen“.

Drittens: Das Organigramm. Wer ist wem unterstellt? Wer ist wem Rechenschaft schuldig? Wer hat über welche Entscheidungen und Bereiche das letzte Wort? Und das wird ganz konkret visuell dargestellt.

Was mich als Personalchef erstaunt hat: Bei über fünfzig Einarbeitungen haben die Leute das Organigramm mehr abfotografiert und abgespeichert als alles andere. Das hätte ich nicht gedacht.

Wie Strukturen aussehen, dafür gibt es im Personalwesen viele gute Ansätze. Fakt ist: Wir Menschen brauchen Strukturen.

Leiterschaft in der Gemeinde

Und damit sind wir bei der dritten Oberkategorie in der gesamten Umfrage: den Leitern der Gemeinde. Mehrere Leute haben in der Umfrage geistlichen und emotionalen Missbrauch angesprochen – und das zu Recht. Ich möchte dieses Thema mit dir noch ausführlicher besprechen. Allerdings will ich das nicht jetzt hier nebenbei behandeln, sondern in ein paar Wochen kommt ein Beitrag zusammen mit einer Expertin für geistlichen und emotionalen Missbrauch. Dann schauen wir uns das ganz in Ruhe an.

Lass uns jetzt also weiter bei Gemeinden bleiben, in denen es keinen Missbrauch gibt. Was können die Menschen in normalen Gemeinden beherzigen, die in Ämtern und Leitungspositionen sind? Was sind gute, was sind schlechte Zeichen? Dabei meine ich jetzt mal abgesehen von Selbstverständlichkeiten wie zum Beispiel, dass jeder, der nicht fest angestellt ist, sich regelmäßig wieder zur Wahl stellen muss. Solche Dinge sollten klar sein.

Deswegen lasst uns mit ein paar grundsätzlichen Dingen zur Leiterschaft beginnen, die ihr in der Umfrage auch zu Recht angesprochen habt. Nämlich das Wichtigste zuerst: Es ist immer gut, dass ein Leiter das Herz eines Dieners hat. Denk mal an Jesus, der den Jüngern die Füße wusch. Du kennst das vielleicht aus deinem Alltag: Die besten Lehrer in der Schule, in der Ausbildung oder an der Uni sind diejenigen, die sich das Herz eines Schülers bewahrt haben. Sie haben den Blick eines Schülers und können sich am besten auf die Schüler einlassen.

Die besten Lehrer sind diejenigen, die sich den Blick eines Schülers bewahrt haben. Genauso sind es die guten Autoren, die du vielleicht liest. Sie lesen selbst viel und wissen, worauf man achtet, was gut geschrieben ist, womit man etwas anfangen kann und was nicht. Die besten Fitnesscoaches, wenn du Sporttheologie studierst oder so, sind diejenigen, die täglich selbst trainieren.

In der Leiterschaft ist es ein biblisches Prinzip, das auf Jesus selbst zurückgeht. Er sagt: "Etis thede protos einai, estai panton eschatos kai panton diakonos." Das heißt: Wenn jemand von euch der Erste sein möchte oder vorne anstehen will, dann soll er von allen der Letzte sein und allen dienen. Wer vorangehen will, muss sich selbst hinten anstellen können – für die gemeinsame Sache.

Viele, die hier selbstständig sind, kennen das noch aus den ersten Jahren der Existenzgründung: Es muss immer absolute Priorität haben, dass Mitarbeiter bezahlt werden und nicht mehr arbeiten müssen, als vereinbart ist. Das kann und wird oft bedeuten, dass du selbst am Anfang mehr Aufgaben übernehmen musst, als du gedacht oder gehofft hast. Vielleicht bekommst du auch eine deutlich geringere Gehaltsabrechnung als erwartet oder sogar mal für einen Monat kein Gehalt. Warum? Weil du dich selbst hinten anstellst und es wichtiger ist, die anderen zuerst zu bezahlen.

Das muss auch niemand wissen, es liegt auf deinem Tisch. Es geht um dich selbst und um Prioritäten. Das Wichtigste, was ein Leiter sein muss, ist berechenbar. Das heißt, die Leute müssen bei dir wissen, woran sie sind und dass du meinst, was du sagst. Wenn sie A machen, machst du B, und wenn sie X machen, dann machst du Y.

Diese Berechenbarkeit ist das A und O. Sie setzt voraus, dass du gut, gründlich und viel mit deinem Team kommunizierst. Die Leute müssen wissen, woran sie bei dir sind. Jetzt ist keine Zeit, introvertiert zu sein. Das Gegenteil davon ist, wenn ein Leiter nicht greifbar ist, weil er zum Beispiel heute „Hü“ sagt und morgen „Hot“, weil er seine Gefühle nicht im Griff hat, launisch wirkt oder nicht in der Lage ist, im Alltag Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Im Alltag läuft das alles aufs Gleiche hinaus. Falls du großes Glück hast, fährst du damit nur mit angezogener Handbremse. Im schlimmsten Fall aber hast du einen toxischen Führungsstil und fährst dein Team komplett gegen die Wand – mit Ansage.

Deshalb sagt die Bibel mehrfach: Was du heute ja sagst, muss auch morgen noch ja bedeuten. Und was du heute nein sagst, darauf müssen sich die Leute auch morgen noch verlassen können. Wenn etwas schiefläuft, fragen sich gute Leiter zuerst selbst: Was ist mein Anteil? Dann fragen sie sich als Zweites: Durch welches Tun oder Unterlassen, durch welche Dinge, die ich nicht gemacht habe, habe ich dazu beigetragen? Habe ich überhaupt ermöglicht, dass wir sind, wo wir sind?

Und wo etwas gut läuft, wird ein guter Leiter das Team mit berechtigten Lorbeeren schmücken. Dabei geht es nicht darum, Leuten nach dem Mund zu reden, sondern den Menschen, die etwas bewirkt haben, berechtigtes und gezieltes Lob auszusprechen – genau da, wo es angebracht ist.

Das Stichwort dabei heißt begründete individuelle Wertschätzung. Bedeutet das, alles nur über den grünen Klee zu loben? Natürlich nicht. Negative Feedbacks gebe ich als Leiter unter vier Augen. Das wäre jetzt ein ganz neues Thema, aber es beginnt mit der Frage: Bin ich selbst Narzisst oder offen für negative Feedbacks? Bitte ich aktiv, ernst gemeint und regelmäßig um Feedback? Wenn ja, wie und in welchem Rahmen? Kann ich Fehler zugeben? Woran merke ich, dass ich mir berechtigte Kritik zu Herzen nehme? Wer hilft mir, berechtigte von unberechtigter Kritik zu trennen? Entscheide ich das selbst? Komm schon, wir wissen beide, dass das keine gute Idee ist.

In der Wirtschaft habe ich größere negative Feedbacks, die ich bekommen habe, meist mit zwei weiteren Personen besprochen: einer Person, die eine Ebene unter mir stand, und einer Person, die eine Ebene über mir stand, sodass ich die Perspektiven von beiden auf mein Verhalten hatte. War das angenehm? Klar, nicht immer. War das hilfreich? Ja, fast immer. Und ich habe es am Ende nie bereut.

Da musste ich über die Jahre sehr viel dazulernen, und die biblischen Prinzipien zur Kritikfähigkeit haben mir dabei sehr geholfen. Falls es dich interessiert, was die biblischen Prinzipien zur Kritikfähigkeit sind, was sie dir sagen und wie sie dir helfen können, habe ich dir hier unter diesem Video einige Links verlinkt.

Letzte Anmerkung zum Thema Feedback: Ein guter Leiter hat die Größe, aktiv nach Feedback zu fragen. Und ein guter Leiter hat auch die Größe, nicht jedes Feedback umzusetzen. Warum? Weil zum Beispiel, wenn du bestimmte Feedbacks umsetzen würdest, etwas Größeres und Wichtigeres zu kurz kommen könnte.

Lass mich dir ein harmloses, aber konkretes Beispiel geben: Als ich diesen Kanal hier im Rahmen des Bibelfelddienstes gestartet habe, hatte ich zwei konkrete Ziele: Erstens wollten wir eine Bibliothek für Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufbauen, die klare, praktische Antworten auf grundsätzliche Fragen gibt, um Jesus tiefer nachzufolgen. Zweitens sollte es ein Raum sein, in dem Christen in den Kommentaren teilen können, was sie beschäftigt, und wir am Puls der Zeit bleiben.

So weit, so gut. Bevor ich diesen Kanal gestartet habe, hatte ich selbst wenig Berührung mit Social-Media-Algorithmen. Aber ich habe dann mit Leuten gesprochen, die klüger sind als ich und deutlich mehr Erfahrung haben. Über Monate habe ich etwa tausend Seiten an Büchern und Untersuchungen gelesen, und der Verdacht hat sich schnell bestätigt: Die meisten christlichen Kanäle in Deutschland verschwinden nach wenigen Monaten wieder.

Das klingt vielleicht absurd, und es hat viele Gründe. Aber Fakt ist: Da stecken ganze Teams hunderte von Stunden Arbeit drin. Manche haben phänomenal gute Inhalte, aber kaum jemand sieht sie. Das heißt, einige der besten christlichen Kanäle in Deutschland sind Sachen, die du nie gesehen hast.

Ich habe das seit 2019, als wir an dem Konzept für diesen Bibelfelddienst gearbeitet haben, live bei anderen beobachten können. Bei einem konkreten Kanal habe ich heute vor zwei Stunden nochmal geschaut: Obwohl die Betreiberin seit fünf Jahren Videos macht, werden die meisten Videos weniger als dreißig Mal angesehen.

Das war lehrreich, das mal wirklich mitzubekommen, sage ich dir. Und weil dieses Projekt keine Eintagsfliege sein soll, sondern dauerhaft Bestand haben soll, war nach den Recherchen klar: Der einfachste Weg, um das auf YouTube nachhaltig zu erreichen, ist diese Glocke. Also habe ich angefangen, hier regelmäßig ehrlich zu sagen: Bitte helft mir, dass dieser Kanal nicht verborgen wird. Drückt gern hier unten rechts diese Glocke.

Das war dann, du ahnst es schon, monatelang der Schenkelklopfer in der Familie und bei Freunden: „Ja, der Markus mit seiner Glocke. Wenn der mal beerdigt wird, machen wir, dass ein Grabstein die Form einer Glocke bekommt, ha ha ha.“ Ja, sehr witzig.

Und am Anfang dieses Kanals haben auch zwei, drei Leute immer mal wieder kritische Kommentare geschrieben, ob das mit der Glocke denn sein muss. Weil ich das aber in der Tiefe recherchiert hatte und die konkreten Beispiele von Kanälen kannte, die einfach eingegangen sind, wusste ich: Ja, das muss jetzt sein.

Ich habe deinen Kommentar gelesen, aber wir bleiben dabei, weil sonst etwas hinten runterfallen könnte, was wichtiger ist. Du siehst das jetzt vielleicht noch nicht, aber in zwei bis drei Jahren wirst du es sehen. Und das war vor zwei Jahren – und heute sind wir hier. Von daher danke an jeden, der schon die Glocke gedrückt hat. Du siehst hoffentlich, es hilft.

Daran kannst du lernen: Du bist als Leiter nicht automatisch gescheitert, nur weil du es nicht jedem recht machst oder weil du nicht von allen geliebt wirst. Die Frage ist immer: Was steht dahinter?

Damit hängt das nächste Thema zur Leiterschaft zusammen: Weiß ich, wo ich hin will? Verstehe ich auch, wo ich gerade bin? Verstehe ich die Teilbereiche? Viele schlechte Leiter haben gar keinen Überblick über die Komplexität und die Zusammenhänge ihrer Zuständigkeit. Sie wissen nicht, was alles dazugehört. Kann ich in den einzelnen Teilbereichen abgleichen, wie sie sein sollten und wo sie gerade sind?

Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, liebe Leiterin, lieber Leiter: Das machen wir gerade in Bezug auf Gemeinde in diesem ganzen Video.

Eine Kernfrage ist: Kann ich Autorität abgeben? Einmal organisatorisch – kann ich Aufgaben abgeben, kann ich delegieren? Es wäre schon für einen Staat ungesund, wenn alles an einer einzigen Person hängt. Wie viel mehr gilt das für eine Gemeinde.

Und einmal menschlich: Bin ich in der Lage, Autorität abzugeben? Kann ich anderen das Wort erteilen? Ertrage ich es, dass es Menschen gibt, die Dinge besser wissen als ich? Kann ich die vier magischen Worte eines ehrlichen Leiters sagen: „Das weiß ich nicht.“ Probier es mal, es ist gar nicht so schlimm.

Ein guter Leiter bildet sich selbst weiter. Die Bibel sagt dazu: „Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne. Erfolg gibt es, wo viele Ratgeber sind.“

Noch tiefer: Kann ich als Leiter anderen Menschen folgen? Weißt du, manchmal fragen Menschen meine Frau und mich um Beziehungstipps oder Datingtipps. Eine der Antworten, die wir geben, ist: Solange du es nicht gelernt hast, als gesunder und glücklicher Single zu leben, solltest du nicht in eine Beziehung gehen.

Ein bisschen ähnlich ist es beim Leitersein: Solange du nicht gelernt hast, dich leiten zu lassen, zu folgen und dich reflektiert unterzuordnen, solltest du vielleicht noch kein Leiter sein.

Das sind Dinge, die für dich selbst wichtig sind. Es ist einfach weiser und klüger, als Arbeitshypothese davon auszugehen, dass du ein schlechter Leiter bist. So gehst du die extra Meile. Vielleicht bist du es auch – das kann sein. Aber dann ist das tatsächlich der erste Schritt, den du brauchst: Demut, um ein besserer Chef zu werden.

Dafür musst du nicht mit CEO-Genen geboren sein, du musst keine teuren Seminare besuchen und keinen MBA von einer Privatuni haben. Es sind Dinge wie pünktlich kommen, belehrbar bleiben, dich vorbereiten, Leidenschaft zeigen, googeln, was gute Manieren sind, Nachfragen stellen, auf deine Körpersprache achten, verständliche Worte benutzen und gute Laune mitbringen.

Das sind alles Dinge, für die du kein Talent brauchst. Die kann jeder ab heute machen. Die Frage ist nicht, ob es jeder machen kann, sondern wer es macht. Und da trennt sich in der Praxis die Spreu vom Weizen.

Letzter allgemeiner Punkt, den ihr zur Leiterschaft geschrieben habt: Leiter sollten sich für nichts zu schade sein.

Ein konkretes Beispiel: Ich kann mich gut an einen Mentor erinnern, den ich eine Zeit lang hatte. Er war ein unglaublich warmherziger, kluger und erfolgreicher Mann. Obwohl er Chef über große Teams war und Millionen verwaltete, war er sich nicht zu schade, vormittags Meetings mit Firmenvorständen zu führen und mittags ein Radiointerview zu geben.

Nachmittags räumte er mit im Lager auf, brachte den Müll runter, schrubbte die Büroküche und füllte Klopapier in den Gästetoiletten auf. Abends trank er auch mal mit den Praktikanten ein Bier und begegnete selbst den unangenehmsten Kunden mit absoluter Wertschätzung. Jeder, mit dem er sprach, bekam seine volle Aufmerksamkeit.

Das hat mich sehr an das erinnert, was Jesus sagt: Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu. Das hat mich geprägt. So verdient man sich wahren, bleibenden Respekt.

Das hat auch mit Selbstdisziplin zu tun. Gottes Wort sagt: Einer, der sich selbst beherrscht, ist besser als einer, der Städte einnimmt. Dazu gleich noch mehr.

Bei geistlichen Leitern gilt das noch viel mehr. Ich nehme nur eins heraus: Im Jakobusbrief heißt es, drängt euch nicht danach, Lehrer zu sein. Denn ihr wisst ja, dass wir als Lehrer ein strengeres Gericht zu erwarten haben. Glaubst du, das steht zum Spaß da?

Deswegen ist das Allerwichtigste für geistliche Leiter, dass sie sich Jesus unterordnen. Ganz dramatisch formuliert, damit es hängen bleibt: Nur wer vor Jesus kniet, kann vor Menschen stehen.

Das fängt damit an, dass ich mir nicht mein eigenes Gottesbild baue, wie wir es alle gerne tun, sondern dass ich jeden Morgen und jeden Abend die Bibel aufschlage – mit dem ehrlichen Gebet vielleicht auf den Lippen, aber immer auf dem Herzen: Herr, korrigiere mich, zeig mir, was ich bisher von dir zu wenig sehe, zeig mir auch die Seiten, die ich vielleicht nicht sehen will.

Genau das ist der Knackpunkt: Will ich, dass Gott nur den Weg segnet, den ich sowieso gehe? Oder will ich aktiv den Weg suchen und gehen, den Gott segnet? Das ist ein riesiger Unterschied.

Die Frage dahinter ist: Wer hat am Ende das letzte Wort? Meine Befindlichkeiten, die Gesellschaft, die Tagespolitik, wer in der Gemeinde am lautesten schreit? Oder Gott in seinem Wort?

Schau dir einfach die Apostel an: Das waren Leiter, die die Welt auf den Kopf gestellt haben. Und sie waren zuerst Nachfolger, die sich immer wieder von Jesus korrigieren ließen – selbst nach seiner Auferstehung.

Du siehst: Kritikfähigkeit und Geistlichkeit sind eine richtig gesunde Mischung. Aber das funktioniert nur, solange ich ein echtes geistliches Fundament habe – im Kopf und im Herzen – und dem biblischen Gott das letzte Wort einräume. Dass ich weiß, was ich glaube und was nicht und warum ich das tue.

In der heutigen Zeit sollte eine apologetische Grundausbildung absolute Pflicht für jeden mündigen und sprachfähigen geistlichen Leiter sein. Sonst wird er in den nächsten Jahren schwer überleben.

Dafür habe ich dir hier unter diesem Video einige hilfreiche Materialien verlinkt – wie immer alles gratis.

Praxisbeispiel und Grundprinzipien für Leiter

Ein Praxisbeispiel aus dem Alltag: Eine Zeit lang hatten wir in unserem Freundeskreis jemanden, der Bodybuilder ist. Das klingt vielleicht komisch, ist aber so. Eines Tages haben wir ihn gefragt: „Hey, was müssten wir eigentlich machen, um so auszusehen wie du?“

Ich hätte jetzt gedacht, dass er irgendwelche super ausgefeilten Geheimtechniken nennt, Spezialnahrung, die man nur in südamerikanischen Ökoläden bekommt, oder eine Spezialausrüstung, die zwanzigtausend Euro kostet – irgendwas Absurdes eben. Aber er war ganz ruhig und cool, lächelte und fragte: „Fragt ihr nur so, oder wollt ihr es wirklich wissen?“

Ich antwortete: „Nee, ich will das wirklich wissen.“ Dann ging es ein bisschen hin und her, und irgendwann meinte er: „Okay, also ganz ehrlich, bei der Ernährung müsst ihr nur diese ein, zwei, drei Dinge beachten. Und im Gym, in der Sporthalle, müsst ihr nur diese ein, zwei, drei, vier Übungen machen. Macht das jede Woche, und nach drei bis vier Jahren seht ihr zu achtzig Prozent so aus wie ich.“

Das war alles. Das hat gesessen. Ich habe das später in zig Büchern und Studien noch mal nachgelesen, und ja, er wusste absolut, wovon er spricht, sonst würde er nicht so aussehen. Das heißt, es sind diese grundlegenden Sachen, diese Basics, die 90 Prozent der Leute nicht auf Dauer beherzigen. Aber genau diese Basics machen 90 Prozent des Unterschieds aus.

Manchmal denken wir, wir müssten bereit sein für die großen geistlichen Kämpfe unseres Lebens. Junge, dieser Alltag – das ist der Kampf, und das ist der Sieg, den du in der Hand hast. Für jeden von uns. Und unverhandelbar gilt für jeden Leiter: Mach die Basics, mach sie jeden Tag. Lies jeden Morgen deine Bibel, bete jeden Tag, hinterfrage dich selbst jeden Tag und hab jede Woche Gemeinschaft mit anderen Menschen, die Jesus nachfolgen.

Egal, ob die Sonne scheint oder es regnet – keine Ausnahmen, keine Vorwände. Du brauchst das, deine Seele braucht das mehr, als du denkst. Deshalb ist das Häufigste, was ihr gesagt habt: „Ich muss als Leiter gläubig sein.“ Jetzt denkt vielleicht der ein oder andere, das wäre selbstverständlich. Boah, da könnte ich dir jetzt ein paar Sachen aus meinem Theologiestudium erzählen, aber das lassen wir mal lieber.

Kurzfassung: Es ist nicht selbstverständlich. Es gibt Leiter, Pfarrer, Pastoren, Priester in diesem Land, die nicht gläubig sind, keine Christen, nicht bekehrt, nicht wiedergeboren. Und die ziehen andere Menschen mit sich hinab in die Hölle – das ist Fakt. Das hat nicht nur, aber auch mit liberaler Theologie zu tun. Woran du das erkennst, darüber haben wir hier schon häufiger gesprochen. Ich habe dir unter diesem Video eine zehnminütige Zusammenfassung verlinkt.

Der Punkt ist: Nicht überall, wo „christlich“ draufsteht, ist auch „christlich“ drin. Das erkennen zu können, braucht einen wachen Verstand und eine gewisse geistliche Achtsamkeit. Deswegen schon als Frage für jeden Christen von uns: Lebe ich wirklich ein authentisches Christsein? Oder lebe ich so, dass ich, wenn ich in Saudi-Arabien vor Gericht stehen würde mit der Anklage, Christ zu sein, freigesprochen werden würde aus Mangel an Beweisen?

Für uns Leiter gilt umso mehr: Lebe ich die Authentizität vor, wofür ich stehe? Jesus macht das überdeutlich, indem er sagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Dazu gehört auch, Grenzen zu ziehen – logischerweise auch Grenzen sich selbst gegenüber.

Denk an die Selbstdisziplin, über die wir gerade gesprochen haben. Halte ich zum Beispiel konsequent einen Ruhetag pro Woche ein? Einen Tag, an dem ich nichts mache, was mit Arbeit zu tun hat, an dem ich komplett offline bin – keine E-Mails, keine Anrufe, das Handy ausgeschaltet? Wenn du sagst: „Ja, dann kann meine Frau mich nicht erreichen, meine Kinder mich nicht erreichen“, dann kauf dir ein zweites Handy mit einer zweiten SIM-Karte.

Das sollte für jeden christlichen Leiter selbstverständlich sein. „Oh, das geht bei mir nicht, dann fällt irgendwas anderes hinten runter.“ – Du, ganz ehrlich: Dann fällt es eben hinten runter, und dann muss es eben fallen. Frag dich einfach selbst: Ist das eine Drohung oder ist das die Konsequenz?

Nimm das ganz einfache Beispiel Steuererklärung. Wenn meine Frau und ich in den nächsten Tagen unsere Steuererklärung machen, dann können wir an den Abenden, an denen wir das tun, nicht gleichzeitig Zeit mit der Familie verbringen, arbeiten, uns ehrenamtlich engagieren, Sport machen oder lesen. Das ist nun mal so. Darüber diskutieren wir nicht. Es muss gemacht werden, es wird gemacht, dann ist es vorbei. Punkt.

Deshalb an jeden, der sich jetzt dabei ertappt, zu sagen: „Ich kann keinen Ruhetag machen, dann fällt irgendwas hinten runter.“ Frag dich selbst: Sagst du das als logische Konsequenz, die zum Leben dazugehört? Oder sagst du das, um dir selbst Druck zu machen, um dir selbst zu drohen nach dem Motto: „Wenn du das machst, dann fällt etwas anderes hinten runter“?

Ohne dass etwas anderes hinten runterfällt, geht es eben nicht. Dann muss eben etwas hinten runterfallen. Du musst nur aussuchen, was es ist. Und das fängt bei dir selbst an. Also als Leiter immer die Frage stellen: Kann ich mich selbst zuerst leiten? Unterschätz das nicht.

Mehr dazu besprechen wir in ein paar Wochen zum Thema Ruhetag. Drück gern die Glocke unter diesem Video, dann wirst du benachrichtigt.

Was auch spannend war bei der Umfrage: Die Leute sagten, es geht vor allem darum, auch anderen – denen, die ich in der Verantwortung stehe – anzuleiten. Ihnen klarzumachen und klar zu kommunizieren, was für uns geht und was nicht, was mit unseren Werten vereinbar ist und was nicht, was in dieser Gemeinde okay ist und was nicht.

Dazu kann auch gehören, im Einzelfall Konsequenzen zu ziehen. Und dafür musst du dich vorher fragen: Bist du dazu bereit? Als Leiter oder Leiterin. Denn wenn du einen Wert, einen Grundsatz oder eine Leitlinie aufstellst, aber nicht bereit bist, sie durchzuziehen, dann kannst du den Wert sofort streichen. Er ist buchstäblich wertlos.

Deshalb ist es so wichtig, dass die Werte und Leitlinien da sind, dass sie für alle einsehbar sind und regelmäßig kommuniziert werden. Dann ist für jeden sofort ersichtlich: Passt das oder passt das nicht? Ist es vereinbar oder nicht? Das macht es transparent und gut begründbar.

Dafür braucht es gute Grundsatzdokumente der Gemeinde, in denen das klar steht. Denn wenn die Gemeinde im Grundsatz nicht bibeltreu ist, dann ist das auch witzlos. Deshalb musst du diese Grundsätze gut und gründlich kommunizieren. Und du weißt, was jetzt kommt: Du musst sie viel kommunizieren.

Inhaltliche Lehre in der Gemeinde

Und das bringt uns zum vorletzten Oberpunkt, zur vierten Oberkategorie der gesamten Umfrage: Inhaltliches und die Lehre. Das wird dem einen oder anderen vielleicht bekannt vorkommen.

Es beginnt mit der Frage: Gibt es Menschen in eurer Gemeinde, die von der Gemeinde den Auftrag bekommen haben, darüber zu wachen, ob unsere Lehre und unsere Inhalte wirklich bibeltreu sind? Sind wir als Gemeinde, als Gemeindeleitung, aber vor allem als ganze Gemeinde in der Lage, Biblisches klar zu erkennen?

Beim letzten Mal haben wir über geistliche Achtsamkeit und geistliches Unterscheidungsvermögen gesprochen. Können wir die Geister unterscheiden? Das heißt: Können wir Biblisches von unseren eigenen Befindlichkeiten unterscheiden? Können wir Biblisches von gesellschaftlichen Trends unterscheiden? Können wir Biblisches von dem unterscheiden, was wir schon immer so gemacht haben, von unseren eigenen Traditionen? Und was hat am Ende das letzte Wort?

Wenn ich jetzt fies wäre, was ich natürlich nicht sein will, würde ich fragen: Schau dir einfach mal an, über welche Predigtthemen letztes Jahr in deiner Gemeinde gepredigt wurde. Gibt es bei euch überhaupt noch Predigten, die am biblischen Text orientiert sind, oder gibt es nur kurze Impulse? Gibt es nur Kommentare zur Tagesschau, nur Kalendersprüche oder – ich wünsche mir, es wäre ein Scherz – Auszüge aus dem kleinen Prinzen, die vorgelesen werden?

Wie häufig reden wir über Jesus in der Gemeinde? Und wie häufig reden wir über das, was Jesus wirklich gesagt hat? Reden wir mit Menschen über das Leben nach dem Tod? Reden wir offen über den Himmel und über die Hölle? Sprechen wir klar über Sünde? Sprechen wir klar über Buße, Reue und Umkehr? Nennen wir auch Dinge Sünde, die Gottes Wort Sünde nennt, oder klammern wir manche Sachen aus?

Können wir Dinge klar identifizieren, die mit dem Neuen Testament nicht vereinbar sind? Ein ganz offensichtliches Beispiel unserer Zeit ist das allgegenwärtige Thema Sexualität, zum Beispiel Sexualität ohne Ehe. Oder wenn Leute behaupten wollen, dass Jesus angeblich nicht Gott sei, oder dass Jesus angeblich nicht wiederkommen würde. Oder dass Gott angeblich die Welt nur geschaffen und sich dann zur Ruhe gesetzt hätte.

Oder wenn das apostolische Glaubensbekenntnis – dieses „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen“ – nur noch zensiert und gekürzt in der Gemeinde verwendet wird. Das wurde in den letzten Jahren in mehreren Gemeinden wieder ernsthaft diskutiert.

Ermutigen wir Leute, selbständig und häufig in ihrer eigenen Bibel zu lesen? Bringen wir ihnen bei, wie sie das machen und wie sie das anderen beibringen können? Rüsten wir Eltern aus, ihren Kindern den Glauben näherzubringen? Und vor allem: Sind wir selbst immer wieder in der Lage, Wichtiges vom weniger Wichtigen zu unterscheiden?

Dazu mehr in diesem Jahr im Basics-Buch, das noch herauskommt. Ich werde den Link dazu hier unten drunter verlinken.

Gemeindemitglieder und Gemeinschaftskultur

Und damit sind wir beim fünften und letzten Hauptpunkt für heute angekommen. Einige haben vielleicht schon eine Ahnung, worum es jetzt geht. Es geht nämlich um die Gemeindemitglieder selbst.

Jetzt geht es nicht mehr um die Leitung oder darum, was andere Menschen tun oder nicht tun. Es geht um dich und mich. Denn denk mal darüber nach: In jeder Gemeinde sind es die Mitglieder wie du und ich, die am Ende den größten Einfluss haben.

Denk an die Abwärtsspirale, über die wir eben gesprochen haben. Negative Dinge, die wir unkommentiert lassen, verstärken sich. Das zeigt sich zum Beispiel beim ernsten Thema Blasphemie und Gotteslästerung.

Denk an die zehn Gebote. Das erste Gebot lautet: „Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Das zweite Gebot verbietet, sich ein Bildnis zu machen, also sich nicht sein eigenes Gottesbild zu formen. Und das dritte Gebot fordert, den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbräuchlich oder respektlos zu gebrauchen.

Deshalb sagt Jesus im Vaterunser zum Beispiel: „Geheiligt werde dein Name.“ Damit nimmt er direkt Bezug auf das dritte Gebot.

Doch was machen wir heute in unserer aufgeklärten westlichen Gesellschaft? Wir benutzen Gottes Namen oft als Schimpfwort oder als Ausdruck von „Oh krass“ oder „Oh Mist“ – zum Beispiel sagen wir „Oh Gott“, „Oh mein Gott“ oder „Oh je“, was die Kurzform von „Oh Jesus“ ist.

Die Frage ist: Wenn so etwas in der Gemeinde passiert, wollen wir das einfach so stehen lassen? Natürlich gilt Kritik immer unter vier Augen, das ist klar. Aber gibt es nicht manche Dinge, die wir ansprechen sollten? Dabei meinen wir vielleicht nicht die Person direkt, sondern die Sache, der wir entgegentreten wollen.

Und was wollen wir stattdessen bewusst stärken? Weißt du, alles, worüber du und ich bis jetzt in diesem Video gesprochen haben, wäre komplett wertlos, wenn ihr das nicht von euch aus wollt: Dinge stärken und andere Dinge abschwächen, die in der Gemeinde vorhanden sind.

Ich denke, da sind wir uns einig: Biblische Wahrheit in Liebe – das ist das, was wir wollen. Liebe ohne Wahrheit ist wertlos, weil sie am Ende nur ängstliches Nach-dem-Mund-Reden ist – aus Angst, verletzt oder nicht geliebt zu werden.

Wahrheit zu haben, ist schon viel besser. Aber nur Wahrheit reicht auch nicht aus. Denn solange Menschen nicht in Liebe sprechen, werden andere ihnen nicht zuhören. Wenn du und ich nicht Wahrheit in Liebe sprechen, werden Menschen uns nicht zuhören.

Dazu sagt Jesus: „Wenn du mit Salz nicht mehr salzen kannst, wozu taugt es dann noch?“

Und daran arbeite ich in den letzten Wochen auch intensiv – Wahrheit in Liebe zu sprechen. Damit ist schon viel gesagt. Lass uns das kurz näher betrachten.

Wahrheit in Liebe zu sprechen fängt mit dem Thema „Sprechen“ an. Sprechen wir überhaupt in der Gemeinde miteinander? Oder sprechen wir übereinander? Oder lästern wir sogar? Das geht wirklich gar nicht!

Haben wir als Gemeinde eine gesunde Feedback-Kultur? Haben wir vor allem eine Kommunikationskultur? Falls nicht, was genau tun wir, um eine solche zu entwickeln?

Sprechen wir mit anderen bibeltreuen Gemeinden? Gehen wir in einer liebenden Haltung und mit einer klaren Absicht auf Nichtchristen zu? Sind wir überhaupt sprachfähig? Können wir Besuchern erklären, warum wir tun, was wir tun?

Ich gebe ein Beispiel: Als ich als junger Mann zum ersten Mal in Gottesdiensten war, besuchte ich große Kirchen. Dort gab es bestimmte Stellen im Ablauf, an denen die Gemeinde aufstand oder sich setzte. Manche Dinge wurden auf Deutsch gesagt oder gesungen, andere auf Griechisch oder Latein.

Nach dem Gottesdienst fragte ich oft: „Können Sie mir das vielleicht kurz erklären? Warum stehen Sie an dieser Stelle auf? Warum dort nicht? Warum auf Griechisch, warum auf Latein, warum auf Deutsch und nicht anders?“

Oft erhielt ich nur ein „Ähm“ zurück, manchmal ein emotionales „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Am Ende war das Ergebnis meistens betretenes Schweigen – nicht sehr hilfreich.

Das ist ein Zeichen dafür, dass es sich nur um Traditionen handelt, die niemand mehr erklären kann. Zumindest von denen, mit denen ich gesprochen habe, konnte niemand erklären, warum es so ist.

Das war ein Beispiel von Gemeindemitgliedern, die in diesem Fall nicht sprachfähig waren.

Haben wir als Gemeinde überhaupt ein gewisses Aktivitätslevel? In einer Umfrage schrieb jemand: „Sitzen im Gottesdienst nur Konsumenten oder sitzen Jünger in den Reihen?“ Das ist eine Frage, die du dir selbst stellen kannst.

Wird Mut zur Mitarbeit gemacht? Oder wird jemand unter Druck gesetzt für Dinge, zu denen er gerade nicht bereit ist? Das ist dann keine Liebe.

Wahrheit in Liebe sprechen – das Thema Liebe: Haben wir Liebe in der Gemeinde für den konkreten Einzelnen? Für Gemeindemitglieder? Für Besucher?

Sehen wir auch andere Menschen? Treffen wir uns und unterhalten wir uns auch mit anderen Menschen oder nur mit den gleichen zehn Freunden, mit denen wir uns sowieso getroffen hätten?

Habe ich selbst die Kraft, ehrliches Interesse aufzubringen? In der Bibel steht dazu: „Die Freude am Herrn ist unsere Stärke.“ Haben wir diese Freude?

Und das Thema Leidenschaft: Aus all meinen Jahren in der Wirtschaft kann ich sagen, dass Leute vielleicht nicht immer sofort wissen, ob sie dir glauben können, was du sagst. Aber die meisten Menschen erkennen sehr gut, ob du dir selbst glaubst.

Stehst du wirklich hinter dem, was du sagst und hinter dem, was du vertrittst? Das strahlst du aus, und die Leute merken das.

Wahrheit in Liebe sprechen – das Thema Wahrheit: Bin ich geistlich von meiner Seele her und vom Wissen her, vom Kopf her, in der Lage, sobald jemand etwas behauptet, zu prüfen, ob es biblisch ist oder nicht?

Kann ich das? Kannst du das? Kannst du Wichtiges vom weniger Wichtigen unterscheiden?

Metaphorisch gesprochen: Weißt du, an welcher Front es sich lohnt zu kämpfen? Es lohnt sich nicht, an jeder Front zu kämpfen.

Mehr dazu werde ich später in diesem Jahr im Basics-Buch thematisieren. Das werde ich hier unter diesem Video verlinken.

Und vor allem die Frage: Bin ich selbst bekehrt, bin ich selbst wiedergeboren? Falls du dir nicht sicher bist, schau dir einfach den Link unter diesem Video an – dort habe ich dazu etwas verlinkt.

Das ist das, was in einer Gemeinde die schönste Einheit hervorbringt: Wahrheit in Liebe zu sprechen und gemeinsam nach dem biblischen Gott zu streben.

Fazit: Die Top neun Merkmale einer tollen Gemeinde

Wir kommen jetzt zum Fazit. Falls dich irgendeines der heutigen Themen besonders angesprochen oder auch geärgert hat, falls dich etwas nachdenklich macht, dich überrascht oder du etwas mitnimmst und möchtest, dass ich darauf näher eingehe, drücke gern die Glocke unter diesem Video und schreibe einen Kommentar, was es ist. Dann kann ich das gerne im Videoclan berücksichtigen und darauf eingehen.

Mein persönliches Fazit basiert auf den hunderten Nachrichten, die ich erhalten habe, und auf all den Wochen, in denen ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt habe: Was macht eine tolle Gemeinde aus? Hier sind die Top neun Eigenschaften.

Eigenschaft Nummer neun: Eine tolle Gemeinde macht jeden Fehler nur einmal. Das heißt, Fehler wiederholen sich im Idealfall nicht. So entsteht eine Lernkurve, und das ist etwas Positives.

Nummer acht: Die Leiter wissen, wofür sie stehen und wohin sie wollen. Sie kommunizieren das klar.

Nummer sieben: Eine tolle Gemeinde lädt regelmäßig bibeltreue Gastprediger ein. Das sind nicht irgendwelche Prediger, sondern solche aus anderen Gruppen. Das heißt, nicht nur aus der gleichen Gemeinde oder dem gleichen Verbund, sondern auch von anderen Personen, die über den Tellerrand hinausblicken.

Nummer sechs: In dieser Gemeinde haben sowohl Emotionen als auch Inhalte, Kopf und Herz, ihren Raum.

Nummer fünf: In den Predigten und der Verkündigung geht es um relevante Themen. Es sind keine Randthemen, keine Unterhaltung oder Zeitvertreib, sondern wichtige Inhalte, die die Menschen voranbringen.

Nummer vier: Die Mitglieder der Gemeinde – jetzt bist du gemeint – wollen geistlich wachsen. Das geschieht durch Bibellesen, Beten, Hauskreise und Workshops. Die Leitung einer Gemeinde kann nur so gut sein, wie die Mitglieder es zulassen. Denk daran: Was du an negativen Dingen einfach stehen lässt, verstärkst du damit.

Nummer drei: Die Gemeinde wächst durch neue Bekehrungen. Für die Gemeinde ist es wichtiger, Seelen zu retten, als einfach neue Gemeindemitglieder zu finden. Ganz nebenbei: Wenn genug Menschen sich bekehren, werden früher oder später auch Leute in deiner Gemeinde sich taufen lassen und so neue Mitglieder werden.

Nummer zwei: Die Gemeinde ist gastfreundlich und lädt aktiv andere Menschen ein.

Das wichtigste Merkmal für eine tolle Gemeinde ist Nummer eins: Die Gemeinde bemüht sich um Bibeltreue in Lehre und Leben. Das bedeutet nicht, sich am Zeitgeist, an eigenen Meinungen, Befindlichkeiten oder an einem „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu orientieren. Stattdessen geht es um das, was im Neuen Testament steht – und zwar nicht nur in den Lieblingsteilen, sondern im ganzen Neuen Testament.