Generierte Mitschrift
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Einleitung und geistlicher Rahmen
Wir versammeln uns in dieser Epiphaniaszeit und erinnern uns daran, dass das Licht Jesu uns erleuchten will, auch in einer finsteren Welt. Ich will Sie grüßen mit dem Wort: Gott, der da hieß, das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung von der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Wir wollen miteinander das Lied Nummer 50 singen, die Verse 1 bis 6. Da geht es um die Weltmission, dass weltweit dieses Licht Jesu die Menschen erleuchtet und zum Glauben führt. 50, Verse 1 bis 6.
Wir wollen beten.
Lieber himmlischer Vater, das ist eine wunderbare Zusage für uns, dass du uns erleuchten willst. Du willst uns erst das Licht aufstecken, dass wir verstehen, was du uns sagen willst. Und so können wir an diesem Morgen auch nur zu dir die Fragen und die Zweifel und die Bedenken und so viele Probleme bringen, die uns oft belasten. Und wir denken an alle, die in der Anfechtung stehen und die oft dein Wort gar nicht mehr hören können. Mach du dieses Wunder wahr und mach du es hell, wo es so dunkel ist.
Du hast einst bei deiner Krippe schon die Weisen aus dem Orient herzugeführt, da sie niederfielen und dich anbeteten. Und wir bitten, dass du auch in diesen Tagen das wirkst, dass unter den Menschen von heute viele dich erkennen und dein großes Evangelium verstehen und deine Liebe preisen. Wir bitten dich, geh du den Suchenden und Fragenden nach und gib du Gewissheit im Glauben. Lass es auch heute in diesem Gottesdienst geschehen, dass jeder von uns deine Stimme vernimmt.
Und du weißt, was wir auch bewegen an Fragen. Wir wollen es dir in der Stille sagen. Wir beten in der Stille.
Du, Herr, bist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilfst denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Amen.
Ich lese aus dem 1. Korinther 2,1-10. Es geht da um das Thema: Wie versteht man eigentlich das Evangelium, die Botschaft, das Wort Gottes? Jedem von uns ist es so gegangen, dass es uns lange Zeit schwer verständlich war, ja sogar widersinnig. Man lehnt sich dagegen auf. Und nun schreibt Paulus:
Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern. Es ist gut, dass Paulus das sagt, sonst meinen wir immer wieder, es käme auf die imponierende Erscheinung des Predigers an. Im Gegenteil.
Und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen, nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen, sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit.
Die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat. Denn wenn sie sie erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist, denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.
Was hat uns der Geist Gottes enthüllt? Dass wir in Jesus die Herrlichkeit Gottes sehen können.
Nun singen wir das Lied: Jesus ist kommen, 53, die Verse 4, 6 und 7. 53, die Verse 4, 6 und 7.
Wir haben heute unseren Predigttext aus dem Johannesevangelium, 7,10-18. Und es geht um die Frage: Wie wird man im Glauben gewiss? Da saßen sicher manche jetzt hier im Gottesdienst. Ich freue mich immer, dass Menschen hier mitkommen, die noch gar nicht viel mit Glauben anfangen können. Und sie singen vielleicht gar nicht mit, weil sie sagen, dass mir ganz fremd war, was die da so fröhlich singen. Ich kann das von mir nicht sagen, und ich will nicht unehrlich sein. Und darum wollen wir mal darüber nachdenken: Wie kommt man überhaupt zu solch einer Glaubensgewissheit?
Als aber die Brüder Jesu hinaufgegangen waren zum Fest, da ging Jesus auch hinauf, nicht öffentlich, sondern heimlich. Es ist das Laubhüttenfest. Da suchten ihn die Juden auf dem Fest und fragten: Wo ist er? Und es war ein großes Gemurmel über Jesus im Volk. Einige sprachen: Er ist gut. Andere aber sprachen: Nein, sondern er verführt das Volk. Niemand aber redete offen über Jesus aus Furcht vor den Juden.
Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er es doch nicht gelernt hat? Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er inne werden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede. Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.
Herr, hilf uns zur Klarheit! Gerade im Glauben an dich. Amen.
Die Frage nach echtem Glauben
Kennen Sie den Trick mit dem Placebo-Effekt, der heute weit verbreitet ist? Also, die Mediziner haben das schon lange gemacht: dass man Patienten in einem gewissen Stadium eine, sagen wir mal so auf Laiendeutsch, Attrappe als Medizin gibt. Das ist nach außen hin, von der Farbe und dem Geschmack her, ein Medikament, aber nach der Zusammensetzung, nach dem pharmakologischen Stoff, ist das nichts wert.
Aber der Patient nimmt das, er schmeckt das, er sieht die Farbe und meint: wunderbar. Er glaubt daran, und das wirkt, obwohl das nur suggestiv, psychisch ist. Stofflich war nichts dran, das war nur der Glaube des Patienten.
Nun hat man ja immer wieder gesagt, das sei mit dem Christentum ganz ähnlich. Es komme gar nicht so sehr darauf an, was einer glaubt, Hauptsache, er glaubt fest daran, ob er nun an Buddha, Allah oder Shiva oder was weiß ich glaubt. Das könne vielleicht noch okkulte Sachen sein oder die Sterne, die Astrologie und das Horoskop. Ach, man müsse bloß irgendwie dran glauben, und dann habe das schon einen Wert.
Wissen Sie, dass sich das nicht mit der Bibel verträgt? Wir wollen hier einmal ganz klar sagen: Wenn wir vom Glauben reden, dann meinen wir einen kritischen Glauben. Wir wollen sehr sorgfältig prüfen, was wir glauben. Wir wollen doch nicht jedem Hokuspokus aufsitzen, und wir wollen auch nicht alles verernstnehmen, nur weil es irgendwie unwirklich erscheint. Manche Leute glauben alles, was sie nicht in ihrem Kopf verstehen, und meinen, das sei dann Glauben. Im Gegenteil: Für uns gehört zum Glauben auch Wissen, auch Verstehen, auch Denken.
Ja, aber jetzt stehen wir gerade an einem schwierigen Punkt. Viele von Ihnen sagen: Da habe ich ja manchen Kummer in meinem Leben. Ich denke, und dann komme ich mit so vielem, was mir das Evangelium sagt, nicht klar. Und dann brechen Fragen bei mir auf, und dann brechen Zweifel auf. Gut so, gut so. Genau so war es damals auch, als Jesus auftrat. Und da hilft uns Jesus heraus aus den Fragen des Zweifels und führt uns hin zur Gewissheit des Glaubens.
Also, zuerst ist mir wichtig: Wo muss die Suche ansetzen? Das muss jeder wissen und soll es behalten. Bitte nicht alles glauben, was Sie irgendwo gesagt bekommen. Im Gegenteil: Prüfen Sie sorgfältig! Denken Sie darüber nach, setzen Sie sich damit auseinander. Aber dann, wenn die Fragen anfangen, das ist ja auch bei uns immer so gewesen, dass es riesige Diskussionen gibt. Aber wo fängt die Frage wirklich an? An der Person Jesu. Wer ist Jesus Christus? Alle anderen Fragen können Sie gern einmal zurückstellen. Der Schlüssel zum Glauben, der liegt dort bei der Person Jesu Christi.
Warum denn? Jesus sagt, man kann anders nicht zu Gott kommen. Er sei der einzige Weg zum ewigen Gott. Und darum ist es so wichtig, dass man in seinen Fragen, in seinen Zweifeln, in den Denkproblemen, die man hat, bei Jesus ansetzen muss.
Aber jetzt verrate ich ja kein Geheimnis, dass nicht so umstritten ist, selbst unter den Christen, wie die Person Jesu. Da gibt es ja heute so viele Verkündiger, die sagen: Jesus war nur ein ganz normaler Mensch, ein netter Mensch, ein guter Mensch, ein vorbildlicher Mensch. Aber ein Mensch starb. Das mit der Auferstehung ist nur so eine Idee, die die ihm angedichtet haben. Der war ein Lehrer der Menschlichkeit. Oder ist er der Gottessohn?
In den letzten zweihundert Jahren hat ja die Auseinandersetzung über die Person Jesu die ganze Theologie zerrissen, und bis heute ist das unversöhnlich und steht das gegeneinander? Wir wissen um den Bekenntniskampf in unserer evangelischen Kirche, der ja so viel Kraft verschleißt und so viele Fronten aufreißt. Aber wir kommen nicht daran vorbei, wir müssen hier Klarheit haben. Wer ist Jesus? Entweder oder beides kann er nicht sein. Entweder war er der Prophet, oder war er nur ein lieber Lehrer, der ein paar Anweisungen zum Verhalten gibt. Manche sagen, er war ein gescheiterter Revolutionär, oder ist er der Erlöser? Ich muss es doch wissen, ich muss es doch wissen, was ist mit Jesus wirklich los.
Als Jesus zum Laubhüttenfest nach Jerusalem kommt, da standen die Gläubigen damals genau so beieinander und diskutierten. Die einen sagten, er ist ein Verführer, und die anderen sagten: Nein, nein, der ist besser. Aber niemand war sich so ganz der Sache sicher, was er von Jesus denn wirklich halten sollte.
Und manchmal kann das auch bei uns so sein, wenn diese Diskussionen kommen, dass wir dann ganz schnell argumentieren und sagen: Ich stelle mir das so vor. Und dann sagen wir, wie wir das uns zusammenreimen in unserem Kopf, wie wenn es darauf ankäme, wie wir die Dinge setzen, der eine so, der andere ein bisschen anders. Ich erinnere das immer wieder an das Glücksspiel beim Roulette, wo der eine auf die vier setzt und der andere auf die siebzehn, und dann sagt er: Damit hoffe ich zu gewinnen, ich hoffe, dass das richtig ist.
Es hat mich in meinem Theologiestudium sehr geprägt, wie ich einmal begeistert von Tübingen Wilhelm Busch geschrieben habe, von den verschiedenen theologischen Lehrern und ihren Anschauungen. Und dann schrieb er zurück, wie ihn das gepackt hat, wie junge Leute die ganze Fülle der Wissenschaft aufnehmen. Und dann setzt er einen Satz unten hin: Ach, wie habt ihr es gut, ihr könnt ja mit der Wahrheit noch Akrobatik spielen. Und das kriege ich nicht mehr los.
Ist das nur ein Glücksspiel, ist das nur so eine Freizeitbeschäftigung, oder gibt es die Wahrheit, gibt es die Wahrheit über Jesus? Und da muss ich heraus und wissen: Was ist los? Was ist Jesus wirklich? Nach allem, was Jesus gesagt hat, kann es keine Zweideutigkeit geben. Entweder erkennt man ihn oder erkennt man ihn nicht. Entweder versteht man oder versteht man nicht. Entweder ist man erleuchtet oder man ist nicht erleuchtet. Aber es gibt nicht Schattierungen. Und darum ist es so wichtig, dass wir zur Gewissheit kommen.
Ich muss suchen, ich muss suchen, und dann muss ich dranbleiben an der Person Jesu und wissen: Was ist Jesus?
Damals wagten die Leute gar nicht, ihr Urteil offen abzugeben, aus Angst. Aus Angst. Warum hatten sie denn so Angst? Ach, man hat ja manchmal auch Angst, dass man von den anderen verlacht und verspottet wird und gesagt bekommt: Bist du noch so altmodisch? Und man kann doch nicht. Merkwürdig, dass das so oft mit der Angst zusammenhängt, dass wir das nicht wagen, frei herauszusagen: Was hältst du von Jesus? Schon damals die verbreitete Angst.
Das ist doch unser Auftrag, dass wir offen und laut sagen: Ich habe erkannt, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist.
Aber das muss ich jetzt als Zweites erklären, wie man über Jesus Klarheit kriegt. Sie haben es ja auch schon oft so gemacht, dass man lange, lange geredet hat und geredet hat, und der Hauskreis, der hört dann gar nicht mehr auf. Es wird elf Uhr und zehn nach elf, und man steht noch an der Straßenecke und redet und redet. Man kommt ja durch das Reden nicht weiter, und merkwürdigerweise auch das Grübeln nicht.
Nun sagen manche andere: Nun musst du einfach das akzeptieren. Ich liebe das nicht. Wenn man das einfach so akzeptiert, das ist ein Stück Unehrlichkeit. Man kann das nicht einfach gezwungen übernehmen.
Interessant ist auch, dass Jesus keine Zeichen und Wunder tut. An dieser wichtigen Stelle hätte man jetzt erwartet: Jesus machte ein tolles Wunder. Die Leute stehen sprachlos da und sagen: Jetzt wissen wir es. Aber Jesus wollte nie Glauben wecken durch Wunder. Es steht ja oft in der Bibel: Nicht durch Sehen soll man glauben, weil der Glaube, der am Sehen haften bleibt, kein richtiger Glaube ist. Er bleibt ja immer abhängig von den äußeren sichtbaren Beweisen.
Also: Jesus gibt keine Zeichen und Wunder, obwohl Jesus uns Wunder getan hat, aber an dieser wichtigen Stelle nicht, wo er zu Gewissheit führt. Jesus verzichtet auch auf lange Grübeleien, auf philosophische Diskussionen. Das hätte man doch tun können. Er hätte mit ihnen die Schrift durchgehen können. Sondern was tut Jesus? Er fordert sie auf, ganz einfach gehorsam den Willen Gottes zu tun.
Ja, haben die denn das vorher nicht getan? Wir sind alle elende Trüggeberger, wir sind alle Schwarzbasen in Glaubensfragen. Und dann haben wir unsere großen, großen Probleme, die wir nicht bewältigen. Und Jesus sagt: Jetzt fang doch du einmal an. Und werde Gott gehorsam!
Die Glaubensfragen lösen sich nur, wenn man wirklich den Weg geht, und nur aus dem Gehorsam heraus. So jemand, der den Willen dessen tun will, der mich gesandt hat, der wird inne werden! Interessant, dass da genau die Nummer vom Zahlenschloss liegt. Sie wissen, das Zahlenschloss, das man erst aufkriegt, wenn man die Nummer weiß. Es ist noch nie ein Mensch anders zum Glauben gekommen, also nicht indem er die Probleme verdrängt hat, sondern indem er einfach mal angefangen hat: Lebe du das, was Gott will.
Jetzt dachte ich, ich erzähle es Ihnen ganz schlicht ein paar Beispiele. Der große Theologe Hallesby, der das schöne Buch vom Beten geschrieben hat, hat auch ein Büchlein geschrieben: Wie ich Christ wurde. Und er erzählte darin, dass er als junger Mensch, so wie die meisten von uns, nicht klar kam mit dem christlichen Glauben, und er hat sich dagegen aufgelehnt, besonders gegen die Dogmen. Er war aber suchend und offen, und er setzte sich damit auseinander. Und dann ist ein anderes Bibelwort ihm ganz wichtig geworden, ein Wort Jesu aus der Bergpredigt, wo Jesus sagt, wenn wir das tun sollten, was wir von den anderen Menschen wollten, also was die anderen uns tun sollten, mach du das mal selber.
„Fang du einmal an, das wirklich zu leben!“ Und er sagt: In dem Augenblick, wo ich wirklich anfing, bloß so moralisch zu leben, wie ich dauernd geredet habe, habe ich zum ersten Mal entdeckt, wie abgrundtief die Sünde in mir steckt. Ich habe gemerkt, wie ich an dem Egoismus hänge. Wir sind unheimlich viele Dinge sind plötzlich klar geworden, und ich habe erst verstanden, wie Jesus Christus der Erlöser ist, und mir wurde in diesem Augenblick das Evangelium erst klar. Erst aus dem Tun heraus habe ich es verstanden.
Ich kann ja gar nicht tun, was Gott will. Wir reden heute so viel über die Bergpredigt. Haben Sie schon mal angefangen, die Bergpredigt in Ihrem Leben zu verwirklichen? Da erschrickt man ja über das unreine Herz und den begehrlichen Blick. Erschrocken sein über den Hass, der uns so prägt, und die Feindschaft, die wir immer wieder gegen andere haben. Und dann schreit man: Herr, kannst du mich nicht freimachen? Und man erkennt plötzlich, da ist der Heiland da, der mein Leben neu macht und der am Kreuz gestorben ist und meine Schuld trägt.
Ich kann es doch erst verstehen, wenn ich einmal weiß, warum ich gefallen bin und so tief versunken bin in meinem Elend. Dass man in unseren Tagen sagt, der moderne Mensch weiß nichts mehr von der Sünde, das ist ja gar kein Wunder, weil wir so oberflächlich leben und gar nicht mehr den Willen Gottes wirklich erfüllen wollen.
Sie können das jetzt auch mit vielen Beispielen aus unseren Tagen so erzählen, aber ich gehe noch mal zurück in die Geschichte. Unvergesslich ist ja der Johann Jakob Moser, der Landschaftskonsulent, in einer schwierigen Zeit unserer württembergischen Geschichte, der dann fünf Jahre auf dem Hohen Wiel zugebracht hat, in einer schrecklichen Kerkerhaft. Der war damals als junger Mensch in der Zeit der Aufklärung ein berühmter Rechtsgelehrter in Wien, der viele Folianten geschrieben hatte, staatsrechtliche Kommentare, war der aufgewachsen war und so einen Glauben hatte, wie es damals üblich war: Gott ist die Natur.
Und bis er beim Bibellesen dieses Wort fand, und dann hat er gemerkt: Ich lebe ja ganz falsch, oberflächlich. Ich rede zwar im Blick auf die anderen Menschen immer von den göttlichen Geboten, aber bei mir habe ich sie noch nie einmal zum Leitfaden meines Tuns gemacht. Und er sagt: Ich begann, mit den Geboten zu leben, und da wurde mir auf einmal Jesus als der Heiland und Erlöser groß, den brauchte ich, ich konnte gar nicht mehr leben ohne ihn. Und da in dem Augenblick war das Geheimnis mir aufgeschlossen.
Jetzt ist mir so wichtig, dass Sie Ihre eigenen Lebenskrisen, die Sie heute in diesem Gottesdienst mitgebracht haben, nehmen: Ihre Eheprobleme, Ihre Schwierigkeiten, die Sie mit sich selber haben, wo Sie dauernd spüren, ich komme an die Grenzen meiner eigenen Person, wo Sie sagen, ich leide unter mir, unter meiner Unreinheit, unter meinen bösen Gedanken, unter meiner Selbstsucht. Das ist der Punkt, wo Glaubenserkenntnis entsteht, wo ich die Worte Jesu neu hören darf und wo mich der Geist Gottes erleuchtet und mir das verständlich macht: Jesus ist gekommen, sagt es aller Welt, er ist der Erlöser und der Heiland und der Retter, der dir hilft.
Man kann in seinen Gedanken spielen, so leicht diskutieren und sagen, da gibt es doch alle Religionen, und die haben alle ihr Gutes. Sicher, es bestreitet niemand. Aber dann werde doch mal Buddhist, lebe doch mal so. Bloß red nicht drüber! An den Gymnasien und an den Universitäten, da sitzen junge Leute und diskutieren darüber. Dann sollen sie doch Moslems werden, aber sie müssen leben, und dann sollen sie es probieren, mit was sie leben können.
Ich las in den letzten Tagen ein Buch von dem indischen Sadhus und Asing, einem jener Weisheitslehrer. Es ist toll, wenn einer mit der ganzen indischen Weisheit sagt: Erst bei Jesus habe ich erkannt, es gibt Frieden, den keine Religion der Welt bieten kann, in der Vergebung der Sünden, der für mich starb. Und das kann ich erst erkennen, wenn ich es wirklich im Gehorsam probiere, indem ich nicht bloß darüber quassle, sondern tue, was Gott will. Und das Gehorsam wage!
Gewissheit und die Frage nach der Wahrheit
Meine letzte Frage ist jetzt: Bist du gewiss?
Also, wo muss man ansetzen? Das war mein erster Punkt: Man muss selber suchen, ohne Angst vor den Menschen. Man muss eine Antwort geben, durch die man Klarheit über Jesus bekommt. Beim Tun des Willens Gottes fang an, konsequent zu leben. Und jetzt die letzte Frage: Bist du gewiss?
Es könnte ja auch so sein in unserem Gottesdienst, dass man Sonntag für Sonntag dadrinsitzt und sagt: Ich bin halt da, bloß weil ich es so gewohnt bin und so hineingewachsen bin in den christlichen Glauben. Das trägt nicht. Das mag eine Zeit lang dein Leben prägen, aber es trägt nicht. Wenn die schweren Anfechtungen kommen, Leid und Not in deinem Leben, dann wird der Glaube zerfallen. Und spätestens wird dein Glaube zerfallen, wenn es durch die tiefste Verlassenheit des Sterbens geht.
Worauf möchtest du dich denn gründen? Doch nicht auf einen eingeredeten Glauben. Du musst doch wissen, was wahr ist. Und ich kann doch den Glauben nur dann wirklich haben, wenn ich ihn auch im Tun umsetze.
Stellen Sie sich einmal vor, dass einer Patient ist und nicht mehr essen kann, weil es ihm dauernd so schlecht wird. Er hat irgendwelche Magengeschwüre und geht zum Arzt. Der gibt ihm gute Medikamente. Was macht er? Er nimmt die Medikamente und steckt sie gleich in die Mülltonne in seinem Haus. Dann geht er wieder rauf, holt den speckigen Schinken wieder raus und fängt wieder an zu essen, was seinem Bauch doch nicht guttut. Er kann doch nicht Medizin holen, wenn er nicht will, was ihm gegeben wird.
Ich kann mich doch nicht einem Führer anvertrauen, der mich durch eine zerklüftete Gebirgswelt führt, wenn ich nicht auch den Spuren nachgehe, die er mir zeigt. Sehen Sie, da liegt das Dilemma unserer Christenheit heute: dass so viele Christen vielleicht der Spur nach noch ein paar christliche Sätze sagen können, aber das doch gar nicht mehr leben wollen.
Sie werden nur gewiss, wenn Sie sagen: Ich habe den Führer gefunden, der mich ganz sicher führt, der mir für alle meine Probleme, die am Montag und am Mittwoch kommen mögen, den Weg weist. Ich habe sein Wort, das mich leitet, und ich bin ganz sicher, dass ich mich darauf verlassen kann und dass das gültig ist und wahr ist.
Ja, aber ist nicht das alles, was in der Bibel steht, von Menschen? Da haben Sie jetzt eine wichtige Frage angerührt: Ist das von Menschen sicher? Matthäus, Markus, Lukas, Johannes waren Menschen. Aber von ihnen gilt das, was Jesus sagt: Die Lehre ist nicht von Matthäus und nicht von Markus und nicht von Lukas und nicht von Johannes, sondern sie ist ihnen gegeben vom Vater im Himmel.
Das ist die wichtigste Entscheidung jetzt: ob das so ist. Ist das, was hier gesagt ist, wirklich von Gott, oder ist es nicht von Gott? Ist das von Gott oder von den Menschen? Wenn das nur Menschenlehre ist und menschliches Evangelium, dann können wir es vergessen. Ist es aber von Gott, dann ist es für uns der feste und gewisse Grund.
Ich habe extra heute ein Band der Luthers Werke mitgebracht, damit wir einmal wieder zurückgehen auf den reformatorischen Grund. Wenn ich das mit meinen Worten sagen würde, würden Sie sagen: So etwas darf man heute gar nicht mehr sagen in unserer Kirche. Luther sagt: Wenn einer anders auf der Kanzel steht, als dass er ausschließlich das sagt, was Gott will, darf er nicht oben sein. Und wenn du reden willst, dann rede nur, was Gott durch dich reden will, nicht was du willst. Es interessiert niemanden deine Gedanken.
Ich habe die Lehre nicht aus meinem Kopf erdichtet, sagt Luther. Sie ist nicht in meinem Garten gewachsen oder gequollen oder von mir geboren, sondern sie ist Gottesgabe und nicht mein Menschengedicht. Jeder Prediger und jeder Zuhörer soll so sagen: Ich habe diese Lehre nicht erdichtet. Es ist nicht meine Klöße, meine Deutung, meine Lehre, sondern das, der mich gesandt hat.
Wenn Sie aber daran zweifeln, dass es Gottes Wort sei, so sollen sie ja schweigen und ihren Mund nicht auftun, es sei denn, sie sind ganz gewiss, dass es Gottes Wort ist. Und so soll ein Christ gewiss sein, dass er Gottes Wort redet, sonst wäre es besser, er wäre nie geboren.
Das bewegt uns: was auf unseren Kanzeln heute gepredigt wird. Es geht uns nicht darum, was wir zu diesen oder jenen Zeitmeinungen denken und wie wir das ansehen. Es geht uns darum, was uns der ewige Gott sagen will als Grund und Fundament und Basis unseres Glaubens. Und dass er uns erleuchten will und das Leben geben will, das ist so wunderbar und so stärkend, dass wir das haben können und dass dieses Licht leuchtet.
Diese Begegnung dort im Tempel von Jerusalem, wissen Sie, wie die geschlossen hat, dass Jesus diesen fragenden und suchenden Menschen zuruft: Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, von dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Und dann schließt sich massiv, ist natürlich: Erleuchte mich, o ewiges Licht! Ich brauche dein Licht, Herr, sonst bin ich blind, sonst verstehe ich nichts. Und gib mir den Blick, dass ich dein Wort verstehen kann. Und dann will ich das in die Welt hineinrufen, ohne Scheu und ohne Bedenken, und allen Menschen sagen: Nehmt von der Quelle! Amen!
Sendung, Fürbitte und Gemeindeleben
Nun singen wir von dem Lied 412, das Missionslied, die Verse fünf bis acht.
Herr Jesus Christus, du bietest dies an, dass jeder von uns einfach nehmen kann von deinen Gaben, die du schenkst. Und das ist so gut, dass wir vor dir keine Schau machen müssen, sondern du ziehst hinein in die ganzen Probleme, die wir haben im täglichen Leben. Mit all der Unvollkommenheit und Unreinheit, mit den Fehlern und mit den massiven Sünden, die auch unser Leben prägen.
Wir leiden so unter den Spannungen, unter dem Bösen, das unser Herz vergiftet. Und da dürfen wir erfahren, wie dein Wort wahr ist und wie du wirklich ein Heiland bist, der das Böse zerstören kann und die Werke des Teufels vernichtet.
Herr, komm du in unser Leben als Erneuerer. Bewahre uns davor, dass wir dein Wort zerreden, sondern dass wir es immer wieder entdecken als die große erneuernde Kraft, mit der du uns suchst und heilst. Geh du auch all denen unter uns nach, die das noch nicht fassen können, dass sie es ganz einfach verstehen, wie wir über Buße und Vergebung dich erkennen und zum gewissen Glauben kommen.
Wir wollen dich auch bitten für unser Volk und Land, wo so viele suchende Menschen sind, für die Theologie mit ihrem Forschen und Fragen, wo so viel Zerrissenheit ist, auch in unserer Kirche. Gib doch du das Erkennen unter deinem Heiligen Geist, so fröhlich, dass viele Menschen gewiss werden und dich preisen können als den Herrn und Erlöser.
Lasst uns gemeinsam beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigen.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Und nun singen wir noch von dem schönen Epiphaniaslied von Philipp Nikolai, dem letzten Vers aus Lied 410.
Philipp Nikolai hat das ja in Unna in einer Pestnacht gedichtet, als vor seinem Haus die Karren mit den Toten vorbeigezogen wurden. Ihm war in dieser Nacht das so groß geworden, wie das helle Licht Jesu in eine finstere Welt hineinleuchtet. Wir singen den Vers 7 vom Lied 410.
Wir hatten früher das Angebot, nach jedem Gottesdienst auch zur Aussprache. Ich darf das mal wieder sagen: Das ist natürlich jedes Mal so, wenn Sie schon Ihren Nachbarn antippen. Normalerweise haben Sie Glück, dass Sie einen guten Seelsorger gleich neben sich haben. Aber sonst kommen Sie einfach unter die Empore, da sind immer wieder Leute, die Ihnen auch gerne helfen, zur Klarheit, auch wenn noch Fragen übrig bleiben. Sie sollen nicht so weggehen müssen mit offenen Fragen.
Ich darf Sie auch einladen zur Allianzgebetswoche. So schön, wenn Christen in unserer Stadt sich treffen, die alle das ganze biblische Wort festhalten und auch Jesus in die Mitte ihres Glaubens stellen. Das ist immer so bewegend in dieser ersten, vollen Woche des neuen Jahres im CVJM-Haus, auch die Fürbitte für die vielen Aufgaben in der Stadt und in unserem Land und in unserem Volk. Zusammen mit den Heilsarmee-Leuten und den Methodisten und Baptisten und der Freien Evangelischen Gemeinde. Hinten liegen noch die Programme aus. Nehmen Sie die mit. Immer um zwanzig Uhr.
Es fällt dann am Dienstag unser Bibeltraining aus und am Mittwoch unser Jugendbibelkreis, weil wir daran teilnehmen. Der Seniorenkreis am Dienstag um vierzehn Uhr dreißig ist aber. Darf ich auch mal dazu einladen? Da müssen Sie nicht 105 Jahre sein, bis Sie da kommen dürfen. Das sind die Ruheständler, die am Nachmittag Zeit haben, und da freuen wir uns auch, wenn 50-Jährige kommen. Das ist schön. Dekan Nitsche wird da sein, über das Gesangbuch sprechen, ein Schatzkästlein, 14.30 Uhr.
Hinten liegen auch noch die Anmeldeformulare für die Freizeit auf dem Michelsberg. Es ist ja immer schön, dass wir über Fasnacht eine ganze Reihe stille Tage dort machen können. Ich weiß, das ist sehr begehrenswert. Ich möchte aber besonders die einladen, die sich noch nicht so in der Gemeinde auskennen. Ein paar sagen immer wieder: Ich wohne doch nicht hier. Das spielt überhaupt keine Rolle, wo Sie wohnen. Aber wichtig ist, wenn Sie in die Gemeinde hineinfinden wollen. Also die, die sagen: Ich möchte so von der Gemeinde eigentlich nichts wissen, Sie sind uns trotzdem willkommen, freuen uns am Gottesdienst. Aber auf Michelsberg hätten wir gern alle die dabei, die sagen: Ich suche so Anschluss an die Gemeinde, ich möchte da richtig Leute kennenlernen, ganz gleich, wo sie wohnen.
Und gehen Sie doch mal diese fünf Tage mit auf den Michelsberg, und da werden Sie viel erfahren, auch in der großen Gemeinschaft, auch der vielen jungen Leute, die mitgehen. Das ist schön, Gemeinde zu erleben.
Hinten liegen auch noch die Freundesbriefe von Doktor Kilgus auf, aus Pakistan, wenn Sie die auch mitnehmen. Die Missionskonferenz in 14 Tagen ist wichtig, die dort in der Innenstadt stattfindet. Auch dass Sie diese Zettel noch einmal beachten.
Unser Opfer heute, das wollen wir für Willi und Ruth Ehret geben, die ja mit der Deutschen Missionsgemeinschaft als Landwirte draußen sind. Die sind also nicht über unsere christlichen Fachkräfte draußen, die wurden schon ausgesandt, bevor wir dieses Instrument hatten, aber die aus unserer Gemeinde ja stammen. Willi Ehret ging als Student von Hohenheim hier immer in unserem Gottesdienst, und er arbeitet unter den Fulanis.
Die Fulanis sind ein Nomadenstamm im Norden Nigerias und in Niger, die noch kaum mit dem Evangelium erreicht sind, ein sehr großer Volksstamm. Ich glaube, es gibt keine hundert gläubigen Fulanis. Es ist erstaunlich, dass Willi Ehret das als Aufgabe so sieht. Er hat ja in seinem Novemberbrief das so eindrücklich beschrieben, wie sie dort mit diesen Menschen auch über die Nachfolge Jesu reden und versuchen, sie hineinzuführen in die Gewissheit des Glaubens.
Wir wollen für diese wichtige Arbeit von Willi und Ruth Ehret unser Opfer heute geben.
Und nun bitten wir um den Segen Gottes:
Herr, segne uns und behüte uns.
Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden.

