21.09.2026
Serie•Teil 1 / 3Der Judasbrief
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Die Tuma-Tage 2026: Der Judasbrief
Die Tuma Tage zwanzigsechsundzwanzig Der Judasbrief
Ein Einstieg in den Brief und seine Herkunft
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch, dein geistlicher Impuls für den Tag. Mein Name ist Jürgen Fischer, und statt Jesu Leben und Lehre gibt es ein paar Gedanken von seinem Halbbruder.
Fangen wir mit dem Autor an. Der Name ist Programm: Judas, aber natürlich nicht der, der sich erhängt hat. Logischerweise kann der keine Briefe mehr schreiben. Es ist Judas, der Bruder von Jakobus und der Halbbruder des Herrn Jesus. Jakobus ist der andere Halbbruder des Herrn Jesus, Gemeindeleiter in Jerusalem. Es ist also nicht der Apostel Judas, dessen Vater Jakobus ist. Da gibt es verschiedene Judasse in diesem Kollektiv der Jünger, sondern, wie gesagt, einen von den mindestens vier Brüdern Jesu.
In Matthäus 13 heißt es in Vers 55: Ist nicht das der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas? Da haben wir ihn. Matthäus 13,55.
Dieser Judas ist es also. Und soweit wir das wissen, tut er sich am Anfang auch ganz schön schwer, Jesus als Messias anzuerkennen. Wir dürfen davon ausgehen, dass er sich bekehrt, aber wahrscheinlich erst nach der Auferstehung. Denn wenn wir uns am Anfang der Apostelgeschichte, vor Pfingsten, diese Gebetsgemeinschaft anschauen, die dort stattfindet, dann ist er schon in Apostelgeschichte 1 mit dabei. Und wahrscheinlich ist Judas dann auch als Missionar ausgezogen.
In 1. Korinther 9 heißt es in Vers 5: Haben wir etwa kein Recht, eine Schwester als Frau mitzunehmen wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas? Da ist es wieder. Also scheinen sich nach der Auferstehung und nach Pfingsten die Brüder des Herrn Jesus bekehrt zu haben, einer davon Judas. Und dann sind sie als Missionare ausgezogen.
Dem Judasbrief hat man dann immer wieder vorgeworfen, dass das einfach ein zu gutes Griechisch sei. Das könne gar nicht von so einem Halbbruder Jesu stammen. Na ja, dem kann man entgegenhalten: Erstens, dass man in Galiläa durchaus ein gutes Griechisch gesprochen hat. Zweitens, dass Judas natürlich auf seinen Missionsreisen auch etwas dazulernen durfte. Und drittens, dass man in der damaligen Zeit die Hilfe eines Sekretärs in Anspruch genommen hat, um Briefe zu schreiben. Also lasst euch da nicht aufs Glatteis führen.
Soweit zur Autorenschaft.
Wer hat den Brief empfangen? Ganz einfach: Das wissen wir nicht. Es steht nicht da, also wissen wir es nicht. Wir können nur darüber spekulieren. Wir können annehmen, dass der Brief Anfang der sechziger Jahre geschrieben wurde. Und wir können aufgrund der Nähe zu dieser jüdisch-apokalyptischen Tradition, die ihr nachher feststellen werdet, sagen, dass es vielleicht ein jüdisches Publikum war. Aber wo die Leser genau wohnten, das wissen wir nicht.
Worum es im Brief eigentlich geht
Wir wissen aber, warum der Brief geschrieben wurde. Er wurde geschrieben, um Feinde des Christentums abzuwehren. Der Brief dient also dazu, Menschen zu brandmarken, die sich heimlich in die Gemeinde eingeschlichen haben. Sie kommen von außen, infiltrieren die Gemeinde, und das sind echte Bösewichte.
Interessanterweise sind diese Bösewichte so gefährlich, dass sie bekämpft werden müssen. Aber Judas bekämpft nicht ihre Theologie, darauf müsst ihr einmal achten. Er sagt also nicht einfach: Das und das glauben die falsch. Sondern er macht etwas ganz anderes.
Hier sind ganz gefährliche Leute, die von außen in die Gemeinde hineinkommen, die Leute davon abbringen, im Glauben zu bleiben, die dafür sorgen, dass Christen im Glauben Schiffbruch erleiden, und die Gemeinden spalten. Und statt einfach zu sagen, das und das und das und das ist in ihrer Theologie falsch, macht er etwas ganz anderes.
Er schaut sich an, wie sie leben. Er offenbart ihren Charakter und zeigt: Leute, die so leben wie diese Leute, die diese Dinge tun, die können überhaupt keine Christen sein. Die können den Geist nicht haben. Es gibt also einen Lebensstil von Leuten, bei dem du von vornherein sagen kannst: Die Behauptung, ich bin Christ, stimmt nicht. Du bist kein Christ.
So wie du lebst, ist völlig klar: Du hast nicht den Geist Gottes. Wenn du den Geist Gottes hättest, würdest du anders leben. Und deswegen macht Judas etwas ganz Spannendes. Er zeigt, wie diese Leute drauf sind und wie sie damit andere Bösewichte aus der Bibel imitieren.
Er sagt also: Wir haben immer schon diese Bösewichte in der Bibel. Ihr werdet da auf Namen stoßen wie Kain und Bileam und Korah. Die haben wir immer schon. Und wer heute genau so lebt, vor dem musst du dich in Acht nehmen. Das sind gefährliche Typen. Finger weg. Pass auf, dass die nicht in deiner Gemeinde ein Standing bekommen und plötzlich dir und deinem Glauben gefährlich werden. Darum geht es.
Der Anfang des Briefes und die Selbstbezeichnung des Autors
So, wenn wir uns jetzt den Judasbrief anschauen, fangen wir mal an mit Kapitel 1, Vers 1. Dann heißt es da: Judas, wie gesagt der Halbbruder von dem Herrn Jesus, Knecht Jesu Christi.
Das ist spannend: Knecht oder Sklave. Er bezeichnet sich nicht als Bruder des Herrn, sondern als dessen Knecht. Warum? Zum einen hat das damit zu tun, dass er als Autor ein Stück weit nahbar bleibt. Diese Nähe, diese familiäre Nähe zu dem Herrn Jesus, gibt ihm ja keine Vorrangstellung in der Gemeinde. Zum anderen ist dieser Begriff, ein Knecht oder ein Sklave Gottes zu sein, ein Ehrentitel.
Für uns klingt das vielleicht erst einmal so, als wäre das nur ein Knecht. Aber wenn wir in der Bibel schauen, werden wir feststellen: Leute wie Abraham oder Mose oder Josua oder David, später dann Paulus und Petrus und Jakobus, werden alle Knechte Gottes genannt. Das ist etwas ganz Großartiges, zu sagen: Ich habe einen Herrn, und als Knecht darf ich ihm folgen.
Das heißt, dieser Begriff „Knecht Jesu Christi“ verbindet einerseits Nahbarkeit: Ich bin jetzt nicht etwas Besonderes nur, weil ich mit ihm verwandt bin. Und andererseits zeigt er ein Stück Demut.
Und dann schreibt er: „aber oder und Bruder des Jakobus“. Er hat nicht geschrieben: „Bruder des Christus“. Aber jetzt kommt der Jakobus ins Spiel, weil der als Gemeindeleiter in Jerusalem natürlich eine gewisse Autorität hat. Und das gibt dem Brief auch ein bisschen Gewicht. Also das darf schon auch mitschwingen.
Die Angesprochenen und die Zusage von Gottes Liebe und Bewahrung
Dieser Judas schreibt jetzt an die Berufenen, die in Gott dem Vater geliebt und in Jesus Christus bewahrt sind.
Wie gesagt, wir wissen nicht genau, wo diese Leute wohnen. Das steht nicht da. Wir wissen über den Hintergrund fast nichts. Sie werden als Berufene bezeichnet.
Wenn ihr im Neuen Testament diesen Begriff Berufene findet, dann habt im Kopf, dass der Begriff zwei Aspekte beinhaltet. Man kann ihn auf zweierlei Weise beschreiben. Auf der einen Seite sind die Berufenen ganz allgemein diejenigen, die eingeladen sind. Dann kann der Begriff verdichtet die Leute bezeichnen, die die Einladung angenommen haben.
Also der Begriff Berufene kann einmal ganz breit angelegt sein. So zum Beispiel in Matthäus 22,14. Da habt ihr diese ganz, ganz breite Anlage: Viele sind Berufene. Da geht das Evangelium raus, und dann wird eingeschränkt: wenige aber Auserwählte. Das heißt, viele, der Jesus spricht davon, dass das Evangelium hinaus in die Welt geht. Menschen werden in der Breite eingeladen. Und dann ist die Frage: Wer nimmt diese Einladung an? Wo wird aus den Berufenen, die eingeladen sind, dann Berufene, die ich in der Gemeinde wiederfinde, weil sie die Einladung angenommen haben?
Wenn ich euch Berufene nenne, dann seid ihr solche, die auf diese Einladung schon reagiert haben. Es ist ein bisschen so, wie wenn du eine Party machst. Du kannst sagen: Ich lade die ganze Stadt ein. Das sind die Gäste. Aber wenn du dann auf der Party selber bist, dann hast du halt nur die vor Augen, die auch auf die Einladung reagiert haben.
Und so gibt es diesen Begriff im Doppelsinn. Wir müssen vom Kontext, vom Zusammenhang her immer genau schauen: Ist es das Allgemeine oder ist es das Spezielle? Ist es das: Ich lade die Menschen ein, sich zu bekehren? Oder sind es die, die die Bekehrung, dieses Heil, das mit der Bekehrung verbunden ist, erfahren haben? Es sind einfach unterschiedliche theologische Perspektiven auf denselben Begriff.
Doppelte Verwendungsweise hier an der Stelle ganz klar: Das ist die engere Sicht. Es sind die Berufenen, es sind die, die eingeladen wurden und die Einladung angenommen haben. Das sind die, die auf der Party erscheinen, die sagen: Ich gehöre dazu.
Und die werden jetzt genauer noch definiert: die in Gott, das könnt ihr euch merken, kann man auch übersetzen mit durch. Ihr könnt euch einfach merken: Dieses kleine Wörtchen in, wenn das nicht so richtig passen will und du denkst, durch passt besser, dann schreib es einfach durch hin. Das ist eine legitime Übersetzung. Also die in Gott oder durch oder von Gott dem Vater geliebt und in Jesus Christus bewahrt sind.
Zwei Dinge: Gott liebt dich. Wenn du hier dabei bist und sagst: Hey, ich gehöre zu diesen Berufenen, ich bin Teil der Gemeinde, ich bin Teil derer, die hier von dem Brief angesprochen werden, dann darfst du wissen: Ich werde von Gott geliebt. Und das ist, ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll, das ist mit das Faszinierendste, was es im Universum gibt, dass der Schöpfergott mich liebt.
Liebe, das ist etwas, was der Bekehrung vorausgeht. Also Gott liebt mich, und dann initiiert er diese Rettungsaktion. Dann schickt er das Evangelium aus Liebe, denn so hat Gott die Welt geliebt. Und dann kommt der Sohn, um uns zu retten.
Und diese Liebe, die ist personal. Sie meint nicht nur ein Kollektiv, sondern sie meint dich persönlich. Sie ist konkret. Das heißt, sie ist nicht irgendwie so diffus, sondern sie sieht dich genau so, wie du bist.
Ich finde das grandios, weil eine Liebe, die mich persönlich sieht, in der Bibel immer eine transformative Liebe ist. Gott liebt mich, damit ich nicht bleibe, wie ich bin. Er liebt mich, damit ich seinem Sohn immer ähnlicher werde. Er liebt mich hinein in die Gemeinschaft mit dem Sohn, und dort ist der Raum, in dem ich Jesus immer ähnlicher werden darf.
Das heißt, Gott schafft Beziehung zu mir aus Liebe. Da ist Kindschaft, da ist Gemeinschaft, da ist die Gegenwart des Heiligen Geistes. Und da, wo der Heilige Geist ist, an genau dieser Stelle, ist die Kraft, die mich verändert. Und das ist alles von Gott. Da steckt immer Gottes Liebe dahinter.
Und deswegen darf ich wissen, dass diese Liebe, die Gott zu mir hat, eine Liebe ist, die bleibt. Und dass das eine Liebe ist, hinter der ein treuer Gott steht, der bereit ist, mich durch jede schwierige Zeit, die vor mir liegt, hindurch zu begleiten bis zum Schluss, bis zum letzten Atemzug.
Und dann darf ich wissen, dass das eine Liebe ist, die von einem Vater kommt. Ein Vater, der mich sieht und der mich erzieht. Der mich also annimmt als sein Kind, aber gleichzeitig dann auch sagt: Ich möchte schon auch mit dir etwas erreichen. Ich habe da auch die Idee, dass sich in deinem Leben etwas verändert. Deswegen werde ich dich zurechtweisen, ich werde dich heiligen, ich werde dich motivieren zur Nachfolge, ich werde dafür sorgen, dass du jemand wirst, der die Liebe, die ich zu dir habe, weitergibt an andere.
Das ist die Idee hinter der Liebe Gottes. Wenn hier steht „vom Vater geliebt“, dann bedeutet das: Ich stehe da in einer Beziehung zum Schöpfergott, einer Beziehung, die von Liebe durchdrungen ist, die mich verändert und wo ich zu jemandem werde, der diese Liebe weitergibt.
Und während ich das so sage, gilt ein zweites, nämlich: und in oder durch Jesus Christus bewahrt sind. Diese Bewahrung, da müssen wir jetzt ein bisschen vorsichtig sein, wir werden das an anderer Stelle noch sehen. Diese Bewahrung, die Jesus uns gibt, ist eine Bewahrung, die aus der Beziehung zu ihm heraus entsteht. Also die Bewahrung, das ist etwas, was wir bekommen in seiner Nähe.
Man sieht das sehr schön im Alten Testament und dann auch im Neuen natürlich. Im Alten Testament, da gibt es den sogenannten Engel des Herrn. Bitte, ich werde da jetzt nicht zu viel sagen. Wenn ihr diese Person oder diese Gestalt in der Bibel nicht kennt, es gibt eine Predigt von mir, hört euch die einfach mal dazu an.
Der Engel des Herrn im Alten Testament ist eine präexistente Erscheinungsform von dem Herrn Jesus. Also wenn du im Alten Testament auf den Engel des Herrn stößt, stößt du eigentlich auf Gott, das Wort, in der Gestalt eines Engels. Und dieser Engel wird am Anfang der Wüstenwanderung dem Volk mitgegeben. Der kommt, und dann sagt Gott zu seinem Volk: Das ist der Engel, der geht euch voran. Achtet auf ihn, hört auf ihn, und er wird euch auf dem Weg durch die Wüste bewahren.
Und wir dürfen jetzt dieses alttestamentliche Ereignis von einem Engel des Herrn, der einem realen Volk vorangeht durch die Wüste, wir dürfen das im Neuen Testament übertragen. Wir haben nämlich auch einen, der uns vorangeht und der sagt: Ich bringe dich durch die Wüste des Lebens ans Ziel.
Das Bild ist nur ein bisschen anders. Im Alten Testament ist es ein Engel, und im Neuen Testament ist es der gute Hirte. Also: Ich bin der gute Hirte, sagt der Herr Jesus. Ja, was macht denn der gute Hirte? Na ja, der gute Hirte sagt: Ich bin der, der vorangeht. Und wer sind wir? Wir sind die Schafe. Was machen die Schafe? Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Also im Alten Testament das Bild von dem Engel, der vorangeht als Feuersäule oder als Wolkensäule, und dann kommt das Volk hinterher und findet den Weg. Und wir haben genauso: Du hast einen guten Hirten. Und dein Job, und das ist das Banale am Christsein, dein Job ist einfach hinterherzulatschen. Bitte, bitte, das ist so einfach: Wie bewahrt mich der Herr Jesus auf dem Weg? Er geht einfach voran. Ich schaue auf ihn. Meine Schafe hören meine Stimme, ich kenne sie, sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben.
Es ist wirklich so banal. Das Einzige, was du als Christ dir irgendwie in den Schädel ballern musst, ist: Ich muss Jesus folgen. Ich muss auf ihn hören. Der kennt mich. Ich muss ihm folgen. Und dann ist alles gut.
Also wenn du die Frage stellst, wie komme ich ans Ziel, dann geht es nicht darum, wie viel Kraft habe ich in mir drin. Das ist eh nicht der Punkt. Der Punkt ist immer, dass die Kraft von Gott kommt, und ich halte im Glauben an Gott fest. Es ist der Glaube, es ist dieses: Ich strecke meine Hand aus und halte sie offen und sage: Bitte, erfülle sie. Mehr musst du nicht machen. Hier ist meine Hand. Bitte, Herr, fülle mich! Bitte, Herr, gib mir die nächsten paar Ideen, die dran sind, und dann will ich das einfach tun.
Einfach ein bisschen dämliches Schafsein, das ist das, was dich sicher macht. Schwierig wird die Sache immer, wenn du aufhörst zu folgen, wenn du aufhörst hinzuhören. Dann wird die Sache gefährlich.
Wir sind in oder durch Jesus Christus bewahrt. Er ist der, der als guter Hirte vorangeht.
Schlussgedanke und Segenswort
Das war’s für heute. Nimm dir in Ruhe Zeit, über den Judasbrief nachzudenken. Wo spricht er in dein Leben hinein?
Der Herr segne dich, lass dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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