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Pharisäische Dummheit – Teil 3

Jesu Leben und Lehre, Teil 500/697
17.12.2024Lukas 11,42-44
SERIE - Teil 500 / 697Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 499: Pharisäische Dummheit, Teil 3

Einführung in die Kritik an den Pharisäern

Der Herr Jesus spricht drei Weherufe gegen die Pharisäer aus. Der erste Weheruf lautet: Lukas 11,42: „Aber wehe euch Pharisäern, denn ihr verzehntet die Minze und die Raute und alles Kraut und übergeht das Gericht, besser die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes. Diese Dinge hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.“

Wie schon gesagt, es geht um Prioritäten. Der Herr Jesus hat kein Problem damit, dass die Pharisäer das Thema „Zehnten geben“ so ernst nehmen, wie sie es tun. Ein schwaches Gewissen, das Gebote etwas zu eng auslegt, muss man achten. Deshalb sagt Jesus auch: „Diese Dinge hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.“

Was hätten sie nicht lassen sollen? Gerechtigkeit und die Liebe Gottes. Gemeint ist hier die Liebe zu Gott. Darin besteht nämlich ihr Fehler. Sie verzehnten Küchenkräuter, aber sie übergehen die wichtigen Dinge des Gesetzes: Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott. Und genau das geht natürlich nicht. Man kann sich nicht ein paar nebensächliche Regeln aussuchen, an die man sich halten will, während man die wirklich wichtigen Dinge ignoriert.

Die Pharisäer hätten wissen können, was Gott sich wünscht. Micha 6,6-8: „Womit soll ich vor den Herrn treten, mich beugen vor dem Gott der Höhe? Er hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert der Herr von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und einsichtig zu gehen mit deinem Gott?“

So einfach ist das Leben mit Gott: Wir tun das Rechte, wir lieben das Gute und wir gehen einsichtig, sprich liebevoll, mit Gott um. Und an genau diesen Stellen versagen die Pharisäer. Aber...

Die Sehnsucht nach Anerkennung und Ehre

Kommen wir zum zweiten Wehe: Lukas 11,43: „Wehe euch, Pharisäer! Denn ihr liebt den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten.“ Pharisäer lieben es, geehrt und beachtet zu werden. Während ihnen Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott nicht so wichtig sind, genießen sie den Ehrenplatz in der Synagoge und die Begrüßung auf den Märkten.

Gesehen zu werden, Ehre und Anerkennung zu bekommen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – dafür leben Pharisäer. Warum gibt es dafür ein Wehe? Ist das nicht etwas, was jeder Mensch mag? Ich meine, dass man ihn wahrnimmt, ihm Respekt zollt und seine Person würdigt. Natürlich ist es schön, wenn man gesehen wird und wenn andere das eigene Verhalten schätzen und loben.

Nicht so schön ist es jedoch, wenn ich in erster Linie dafür lebe, dass ich gesehen, geschätzt und gelobt werde. Und genau das ist das Problem der Pharisäer: Sie wollen geehrt und beachtet werden. Ihnen geht es um den ersten Sitz in den Synagogen, ihnen geht es um die Begrüßungen auf den Märkten.

Beides sind keine netten Abfallprodukte eines fleißigen, demütigen Lebens, das sich in Gottes Reich und in andere Menschen investiert. Nein, Pharisäer lieben Gott nicht, aber sie lieben sich selbst. Sie lieben es, im Mittelpunkt zu stehen und bewundert zu werden. Gerechtigkeit ist ihnen nicht wichtig, aber ihre Reputation desto mehr.

Vielleicht trifft das, was Jesus hier sagt, nicht auf jeden einzelnen Pharisäer zu, aber es scheint eine Tendenz unter den Pharisäern gegeben zu haben. Sprüche 25,6-7: „Brüste dich nicht vor dem König und an den Platz der Großen, stelle dich nicht, denn besser man sagt zu dir: ‚Komm hierherauf!‘, als dass man dich heruntersetzt vor einem Edlen.“

Merkt ihr, das Wort Gottes hat nicht viel übrig für Selbstdarsteller und Angeber. Aber genau das sind die Pharisäer: Sie wollen gesehen werden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich darf mich natürlich freuen. Ich darf mich an dem freuen, was ich mit Gottes Hilfe erreiche. Falsche Bescheidenheit ist auch keine christliche Tugend. Wenn Gott dir erlaubt, eine tolle Kinderstunde vorzubereiten oder du ein geniales evangelistisches Gespräch hast, freu dich! Wenn du handwerklich geschickt bist, gut kochen kannst oder es dir leichtfällt, im Glauben zu beten, freu dich!

Wir sind dazu aufgerufen, nicht höher von uns zu denken, als zu denken sich gebührt. Aber wir dürfen uns natürlich an den Stärken und Begabungen freuen, die Gott uns gegeben hat. Achtung: gegeben! Alles, was ich habe, ist ein Geschenk.

Das ist dann auch der Grund, warum Paulus die Korinther fragt (2. Korinther 4,7): „Was aber hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“

Freu dich an deinen Begabungen, freu dich an den Möglichkeiten, die du hast, um Gott zu dienen. Aber bilde dir nichts darauf ein, sei kein Angeber und suche nicht den Applaus der Menschen.

Die Gefahr der verborgenen Verunreinigung

Kommen wir zum dritten und letzten Wehe, Lukas Kapitel 11, Vers 44: "Wehe euch, denn ihr seid wie die Grüfte, die verborgen sind, und die Menschen, die darüber hingehen, wissen es nicht."

Die Pharisäer schaden nicht nur sich selbst, sondern sie werden auch zur Gefahr für andere. Im Alten Testament ist das Berühren einer Leiche streng verboten, weil es Unreinheit verursacht. Der Unreine kann auch andere Menschen und sogar das Haus Gottes verunreinigen.

In 4. Mose 19,11 heißt es: "Wer einen Toten berührt, die Leiche irgendeines Menschen, der wird sieben Tage unrein sein."

Aber Unreinheit haftet nicht nur an Toten, sondern auch an Gräbern. In 4. Mose 19,16 steht: "Und jeder, der auf freiem Feld einen mit dem Schwert Erschlagenen oder einen Verstorbenen oder die Knochen eines Menschen oder ein Grab berührt, wird sieben Tage unrein sein."

Auf diese Stelle bezieht sich Jesus. Das Berühren eines Grabes verunreinigt einen Menschen. Um wieder rein zu werden, bedurfte es eines genau vorgeschriebenen Rituals. Als Israelit musste man die Sache wirklich ernst nehmen.

In 4. Mose 19,20 heißt es: "Und wenn jemand unrein wird und sich nicht entsündigt, dann soll diese Seele ausgerottet werden aus der Mitte der Versammlung, denn er hat das Heiligtum des Herrn unrein gemacht."

Genau das wollte natürlich niemand. Deshalb markierte man Grabstätten, damit niemand unwissentlich unrein wurde, indem er ohne es zu merken über eine verborgene Gruft schritt.

Nun zum Vergleich: Jesus vergleicht die Pharisäer mit solchen unmarkierten Gräbern. Wer mit ihnen zu tun hat, verunreinigt sich. Unwissentlich – und genau das ist das Gefährliche.

Durch ihr schlechtes Vorbild und ihre falschen Lehren zerstören die Pharisäer nicht nur ihre eigene Beziehung zu Gott. Sie kontaminieren auch andere mit ihrer Unreinheit. Sie sind selbst unrein, werden aber zu einer Quelle der Verunreinigung für alle, die mit ihnen zu tun haben.

Persönliche Reflexion und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach. Wie wirkst du auf andere Christen in deiner Umgebung? Bist du eine Quelle des Segens oder der Verunreinigung?

Das war's für heute. Aus einem Podcast kann man ganz leicht einen Hauskreis machen. Probiere es doch einmal aus.

Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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