Liebe Freunde,
Martin Luther hatte keine Spraydosen, deswegen hatte er seine Thesen nicht
an die Wand von der Kirche gespritzt, sondern an die Kirchentüre genagelt.
Die erste der 95 Thesen, mit denen die Reformation losging, hieß: Weil
unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße! – will Er, dass
das ganze Leben seiner Gläubigen eine stete und unaufhörliche Busse sein
soll." Da kann man nur sagen: Inhalt: Gut – Ausdruck: Mangelhaft. Denn als
Luther das biblische Wort Umkehr mit Buße übersetzte, da ist er wirklich
nicht gut drauf gewesen.
Die Verwirrung um das Wort "Buße".
Nach dem germanischen Ursprung des Wortes und nach der deutschen Sprache
und nach dem römischen Recht bedeutet der Ausdruck Buße das genaue
Gegenteil von dem, was die Bibel damit meint. Buße ist ein Begriff aus dem
Strafrecht. Wer gegen ein Gesetz verstößt, der muss eine Buße bezahlen,
Bußgeld bezahlen. Wenn aber Jesus sagt: Kehrt um!" dann meint Er gerade
nicht, zahlt Geldstrafen und reichlich Bußstrafen, damit ihr ins
Himmelreich kommt, sondern er meint: Das Himmelreich ist zu euch gekommen,
weil Ich die Schuld für euch bezahlt habe." Es geht also nicht darum, dass
ich was bezahle, sondern dass ich einen für mich bezahlen lasse. Das heißt
Bekehrung.
Das meint Jesus immer dort, wo Luther dieses komische Wort Buße"
hingeschrieben hat. Denkt um! Kehrt um! Bekehrt euch! Bekehrung ist also
das Wort, mit dem nicht nur Luther seine erste These und die Reformation
begonnen hat, sondern mit dem Jesus seine erste Predigt begonnen hat.
Für viele in der Kirche ist heute das Wort Bekehrung ein rotes Tuch, woran
man nur ganz deutlich sieht, dass wir uns von Luther und Jesus weiter
entfernt haben als Gysi[1] vom Urkommunismus.
Deshalb lautet meine erste These: wer nicht bekehrt ist, ist kein
Lutheraner, geschweige denn ein Christ. Es folgt gleich die These Nummer
zwei, nämlich: wer sich bekehrt, aber nicht bekennt, dessen Bekehrung ist
nichts wert. Wenn du dich zu Jesus bekehrst, ohne dich zu Ihm zu bekennen,
dann bist du wie einer, der einen Fünfer im Lotto gewinnt, aber das
Geheimnis, das Geld, das Glück für sich alleine behält.
Vom Bekennen.
Also, Freunde, wir reden heute einmal über das Bekennen. Ich lese euch aus
dem Matthäus Evangelium, Kapitel 10 vor: Fürchtet euch vor keinem Menschen.
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper, aber nicht die Seele töten
können. Fürchtet euch vor Gott, der Leib und Seele ins ewige Verderben
schicken kann. Wer sich vor den Menschen zu Mir bekennt, zudem werde Ich
mich auch am Gerichtstag bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich
aber verleugnet vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor meinem
himmlischen Vater.
Ist euch eigentlich aufgefallen, dass ich seit Beginn dieses Gottesdienstes
noch gar nicht so richtig gehustet habe? Was schließt ihr daraus? Ihr
schließt daraus, dass ich keinen Husten habe. Und so ist es auch. Ich huste
nicht, weil ich keinen Husten habe, und seht ihr, so ist es auch mit dem
Glauben an Jesus. Wenn einer sich nicht zu Jesus bekennt, so kann man nur
daraus schließen, dass er keinen Glauben an Jesus hat. Denn umgekehrt gilt,
wer Husten hat, der muss einfach Husten. Das ist ein Naturgesetz. Ich muss
da immer an so eine Szene denken, bei Wilhelm Busch, da wird von einem Mann
erzählt, der Kartoffelsalat gegessen hat, und hat sich verschluckt. Da
heißt es dann: Er hustet, bis ihm der Salat aus beiden Ohren fliegen tat".
Genau so ist das auch mit dem Glauben. Wenn einer wirklich glauben an Jesus
hat, muss man das auch erkennen. Das ist ein Gesetz der geistlichen Natur.
Nur dass es bei uns nicht zu den Ohren rausfliegt, sondern zum Munde
rauskommt.
Jesus sagt: Wessen Herz voll ist, bei dem geht der Mund über. Oder, wie die
Apostel vor Gericht einmal zu Protokoll gegeben haben: Wir können es
einfach nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört
haben[2]. Der wirkliche Christ kann seinen Mund nicht halten.
Also, wie einer, der wirklich Husten hat, und sich das Husten nicht
verkneifen kann. Ich sage: wer wirklich Husten hat. Man trifft ja manchmal
auch Leute, die tun nur so, die quälen sich einen ab, die hüsteln nur so,
man merkt gleich, es ist nur ein Schauspiel. Manchmal haben sie mit ihrer
Schau-spielerei eine sagenhafte Fähigkeit entwickelt, dass sie einen glatt
täuschen können. Man hält sie für echte Huster, sie sind aber bloß falsche
Heuchler.
Und so gibt es auch Christen, die tun so, als ob. Wenn die von Jesus reden,
wirkt das immer wie Krampf. Man merkt gleich, dass gar nichts dahinter
steckt, und hat so das unangenehme Gefühl, der redet nur so frommes Zeug,
aber er ist innerlich leer, er brennt nicht mehr, da kommen nur noch so
tote Glaubensschlacken raus. Und dann gibt es welche, die können so gekonnt
heucheln, dass man die für Superchristen hält. Die haben von früh bis
abends den Namen des Herren im Munde, und spucken immer große Töne, aber
eben nur im Mund, in Wirklichkeit sind sie leer.
Das sind diejenigen, die von Jesus im Gericht entlarvt werden. Diesen
Herr, Herr! – Sagern" wird Jesus im Gericht eins husten und wird sagen: Es
kommt nicht jeder, der Herr, Herr! sagt, in das Reich Gottes[3].
Aber um diese mit mittelmäßigen Heuchler und Huster geht es heute nicht, es
geht heute um ein klares Entweder-Oder". Entweder du glaubst an Jesus, und
dann bekennst du Ihn auch, oder du bekennst Ihn nicht, und dann glaubst du
nicht an Ihn. Und dann wird Jesus sich auch nicht zu dir bekennen im
Gericht vor seinem himmlischen Vater.
Theos schrecklicher Theaterbesuch.
Ich erinnere mich noch mit Schrecken an einen Abend, da war ich als Schüler
im Theater und da hatte ich Husten. Ich hab das ganze Theater verrückt
gemacht. Mitten in die zartesten Liebesszenen habe ich rein gebellt wie so
ein räudiger Dorfköter. Ich saß auf meinem billigen Sitz oben im zweiten
Rang. Ich hab dort einen heroischen Kampf gekämpft, gegen den die Tragödie
von Schiller unten auf der Bühne ein reines Kinderspiel war.
Das ging erst los so mit ein bisschen Gekrächze. Ich habe alle meine Kräfte
zusammen genommen, um das zu unterdrücken, dass ich dachte, mir platzt die
Birne. Ich habe mir das Taschentuch vor den Mund gepresst, ich hab
beutelweise Hustenbonbons gefressen, aber alle paar Minuten ging das
Gebelle wieder los. Und da haben die Leute sich natürlich mit Recht
aufgeregt. Ich hätte ja nie gedacht, wie mäuschenstill das in so einem
riesigen Theater sein kann. Und wie man mit so ein bisschen Gehuste die
Leute auf die Palme bringen kann. Ich hab dann schließlich das Feld
geräumt, ich bin mitten während der Vorstellung raus und nach Hause
gegangen und da konnte ich dann husten, soviel ich wollte.
Die unvergleichliche Botschaft der Christen.
Ich finde, das ist ein gutes Beispiel für uns Christen. Natürlich, jedes
Gleichnis hinkt. Und ich möchte natürlich nicht das, was wir Christen zu
sagen haben, mit so einem krächzenden Gehuste vergleichen. Im Gegenteil,
wir haben den Menschen eine unvergleichlich schönere Botschaft zu bringen.
Wir haben ihnen etwas zu sagen, was ihnen sonst in der ganzen Welt niemand
sagen kann. Nämlich: Gott, der Schöpfer des Universums ist an dir
interessiert. Und Er ist scharf auf deine Freundschaft. Er hat dich lieb.
Und Er ist bereit, dir deine Schuld zu vergeben. Er ist bereit, dir eine
neue Chance zu geben, dass du noch mal neu starten kannst.
Mit dieser herrlichen Botschaft leben wir mitten unter den Menschen, die
voller Angst und voller Schuld und voller Ausweglosigkeit sind. Wir leben
zwischen Menschen, die mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. So wie ich
als hustender Oberschüler unter Menschen saß, die alle nach vorne auf die
Bühne stierten. Die Menschen sehen alle auf die Bühne, wo ihnen eine
Illusion vorgespielt wird. Sie konzentrieren sich auf geschminkte Stars,
sie beten ihre Idole an, sie hängen am Munde von politischen Rednern, sie
stieren auf den Fernseher, auf die Lottozahlen, sie sehen auf ihre
Karriere, sie sehnen sich nach dem großen Glück. Sie sind alle auf irgend
ein Lebensziel fixiert und versuchen natürlich so viel wie möglich zu
genießen, bis eben eines Tages der Vorhang fällt und die Vorstellung, also
das Leben, vorbei ist.
Mitten unter diesen Menschen sitzen wir Christen. Wir sind die einzigen,
die wissen, dass die Vorstellung bald zu Ende ist. Wir sind die einzigen,
die wissen, dass der letzte Akt der Weltgeschichte bereits gespielt wird.
Wir sind die einzigen, die wissen, dass Jesus Christus zum Gericht wieder
kommt. Und was tun wir? Wir sitzen da und schweigen! Wir geben uns Mühe,
dass nur ja keiner merkt, dass wir zu Jesus gehören. Sowie einer, der sich
wegen dem Husten das Taschentuch vor den Mund presst, so halten wir uns
Masken vors Gesicht und sind noch stolz darauf, dass andere uns nicht an
der Nase ansehen können, dass wir zu Jesus gehören. Weil die meisten
Menschen um uns herum gottlos sind, wagen wir ja kaum noch, uns zu
räuspern. Am liebsten machen wir es so, wie ich als Schüler, als ich im
Theater war und von dort nach Hause ging. Wir verlassen die Gesellschaft
der anderen, ziehen uns zurück in unsere vier Wände, am liebsten hinter die
Kirchenmauern – dort wird dann frei gehustet. Dort wird das
Glaubensbekenntnis im Chor gesprochen.
Leute, wenn unser Glaube am Montag nichts taugt, dann war er am Sonntag
auch nichts wert. Und wenn wir nicht bereit sind, Jesus vor der Welt zu
bekennen, dann brauchen wir es in der Gemeinde auch nicht zu tun.
Hast du schon einmal den Versuch gemacht, irgendjemanden, einen Atheisten,
einen Ungläubigen mit hierher diesen Gottesdienst zu nehmen? Ich finde es
ja herrlich, wenn hier viele Christen anmarschieren. Es ist ja auch schön,
dass ihr alle da seid. Aber versteht ihr, hier ist noch ein Missverständnis
zwischen uns. Es geht darum, dass ihr andere Menschen mit hierher bringt,
die Jesus noch nicht kennen.
Mich regen zum Beispiel diese leeren Plätze hier auf. Ich weiß nicht, ob
ihr euch schon damit abgefunden habt, aber passt nur auf, dass nicht eines
Tages euer Platz im Himmel leer bleibt. Ich sehne mich nach dem Tag, an dem
sie Christen begreifen, dass sie andere mit zum Gottesdienst mit zu nehmen
haben.
Ich kann mich noch erinnern, als wir angefangen haben mit den
Gottesdiensten droben in der Schlosskirche, da waren die Gottesdienste
proppenvoll. Und da sind Leute, die am Nachmittag in der Stadt waren, auf
den Rummelplatz und haben Leute eingeladen und haben junge Leute
angesprochen und haben die in den Gottesdienst geschleppt. Das habe ich
denen nicht angeschafft. Ich habe es gar nicht gewusst, hinterher haben sie
es mir erzählt. Das finde ich gut, wenn Leute losgehen und etwas
unternehmen.
Noch einmal das Bild vom Theater.
Denkt doch noch einmal an das Gleichnis von dem Theater. Wir sind die
einzigen, die wissen, dass das Theater dieser Welt demnächst
zusammenkracht. Natürlich, die Platzanweiser und die Türhüter beruhigen
uns. Sie sagen: es besteht keinerlei Gefahr, das Ding steht noch lange. So
wie Erich, der Letzte gesagt hat, die Mauer stünde noch hundert Jahre, aber
die hundert Jahre waren ganz schnell vorbei. Und so wird uns von allen
Seiten gesagt: Die Welt steht noch lange! Ihr Christen mit eurem Gekrächze
vom Weltuntergang, ihr stört nur unseren Genuss an der Vorstellung." – und
auf der Bühne wird weiterhin fröhliche Musik gespielt.
Aber Leute, wir wissen, dass der Tag kommt, an dem Jesus Christus
wiederkommt. An dem das Haus dieser Welt zusammenkracht und alle unter sich
begräbt, denn am Gericht Gottes kommt keiner vorbei. Und dann wissen wir
Christen noch, dass es einen Notausgang gibt. Einen einzigen Not- ausgang,
durch den wir hinauskommen in die Freiheit. Es gibt eine Tür, die durch
Gerichte und durch Tod in die Freiheit führt. Das ist die Türe, an der der
Name Jesus dran steht. Jesus hat von sich selber gesagt: Ich bin die
Tür[4].
Nun stellt euch mal den Tag vor, an dem der große Theaterbrand ausbricht.
Alle sitzen in der Falle. Aber wir Christen rennen hin zu der Türe, an der
Jesus steht und hinter der Gott und seine neue Welt steht. Aber Leute, die
Tatsache, dass wir die rettende Türe kennen, die nützt uns noch gar nichts,
wenn wir Jesus noch nicht vor anderen Menschen bekannt haben. Denn an
dieser Tür wird Jesus stehen und Er wird zu den einen sagen: Ihr habt mich
zwar gekannt, aber ihr habt mich vor den Menschen nicht bekannt. Deswegen
bekenne ich mich jetzt nicht zu euch, ihr bleibt draußen! Und zu den
anderen wird Er sagen: Kommt her, ihr gesegneten meines Vaters und ererbt
das Reich. Tretet ein! Weil ihr mich vor den Menschen bekannt habt, bekenne
ich mich jetzt zu euch, vor meinem himmlischen Vater.[5]
Leute, möchte irgendeiner von euch von euch nicht bei denen sein, zu denen
sich Jesus dann bekennt? Will einer von euch so wahnsinnig sein, dieses
Angebot jetzt nicht anzunehmen? Ich denke, das möchten wir doch alle, dass
sich im entscheidenden Moment jemand zu uns bekennt und sagt: Du, dich
kenne ich, komm rein!"
Bekennen ist Pflicht und heißt, die Mitmenschen zur Rettung führen!
Damit wissen wir natürlich alle, was wir zu tun haben. Wir haben nämlich
Jesus vor den Menschen zu bekennen. Wenn ich das so sage, dann klingt das
wie ein Muss oder eine Pflicht. Das stimmt ja auch. Für uns, die wir den
Weg zum Leben kennen, ist das eine heilige Pflicht, dass wir unsere Mit-
menschen darauf aufmerksam machen. Und wir werden nicht gerettet, wenn wir
nicht andere retten. Im neuen Testament steht: Schafft, dass ihr gerettet
werden mit Furcht und mit Zittern[6].
Im Alten Testament steht beim Propheten Hesekiel: Du Mensch, ich bestelle
dich zum Wächter, der die Israeliten vor drohenden Gefahren zu warnen hat.
Wenn du eine Botschaft von mir vernimmst, musst du sie den Israeliten
weitersagen, damit sie wissen, was auf sie zukommt. Wenn ich dir ankündige,
dass ein bestimmter Mensch für seine schlimmen Taten sterben muss, dann
bist du dafür verantwortlich, dass er es erfährt und die Gelegenheit
bekommt, sich zu bessern und sein Leben zu retten. Wenn du ihn nicht
warnst, so wird er zwar sterben, wie er es verdient hat, aber dich ziehe
ich dafür zur Rechenschaft wie für einen Mord. Wenn du ihn warnst, und er
hört nicht darauf, so wird er ebenfalls sterben. Du aber hast dein eigenes
Leben gerettet.[7]
Das heißt, es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dass wir
andere warnen und retten, weil wir sonst selber verdammt werden.
Leute, unser Bekenntnis zu Jesus, das ist doch nicht nur so eine
Gehorsamspflicht. Es ist auch ein wahres Bedürfnis, andere zu Jesus zu
bringen. Deswegen habe ich ja den Vergleich mit dem Husten gebracht und
gesagt: wer Husten hat, der muss einfach husten und wer Jesus hat, der muss
ihn einfach bekennen. Und wenn du nicht diesen ausweichlichen Drang in dir
verspürst, Jesus zu bekennen, dann ist in deinem Verhältnis zu Jesus etwas
nicht in Ordnung. Dann bist du nicht sein Jünger.
Aber dann kannst du es ja werden und zu Jesus sagen: Herr Jesus, übernimm
jetzt die Herrschaft in meinem Leben und verwandele mich so, wie du mich
haben willst. Mach aus mir einen Zeugen." Mit Bekennen ist ja nicht nur
gemeint, mit dem Munde etwas sagen. Es gibt Leute, die können gar nicht
reden. Zumindest haben sie da ihre schwache Seite. Zum Beispiel bei den
letzten Fußballwelt-meisterschaften, da war einer, der hat immer so ein
Schild hochgehalten, da stand drauf: John 3,16". Die Fernsehkameras haben
das öfters gezeigt, Millionen Menschen auf der ganzen Erdkugel haben das
gesehen. Viele haben sich gefragt, was heißt das?
Das ist eine Bibelstelle. Das ist die zentralste Stelle der Heiligen
Schrift. Johannes 3,16: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen
einzigen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben.
Versteht ihr, dieser Mann hat keinen einzigen Ton gesagt. Aber er hat
Millionen Menschen auf Jesus hingewiesen. Ich sage nicht, dass du mit dem
Schild in der Hand durch die Stadt rennen sollst, obwohl ich das gar nicht
so schlecht fände. Aber das mit dem Schild, das war seine Idee und ich
frage dich: was ist deine Idee? Was ist dein Beitrag, was tust du?
Wenn man durch unsere Stadt geht, oder auch durch andere Städte, dann
trifft man alle möglichen Leute. Von der Hare-Krishna-Sekte bis hin zu den
Zeugen Jehovas. Die missionieren hier alle wie die Weltmeister. Wir
Christen, wir sind unsichtbar. Ich hab noch keinen einzigen Christen
getroffen, der etwas verteilt oder bezeugt oder der mich angesprochen
hätte.
Bekennen ist die Echtheitsprobe des Glaubens.
Willst du nicht derjenige sein, der damit einmal den Anfang macht? Ganz
einfach, mit Worten, mit Taten, mit der Art, wie du lebst?
Jedenfalls: bist du ein Bekenner? Legst du Wert darauf, dass andere
Menschen erfahren, dass du Christ bist? Kommt es dir darauf an, dass andere
Menschen erfahren, dass es Jesus gibt? Oder legst du Wert darauf, dass
andere gar nicht mitkriegen, dass du zu Kirche gehörst? Wenn das so ist,
dann muss ich dir sagen, dass deinem Glauben das Entscheidende fehlt.
Denn an dem Bekenntnis in Wort und Tat, da fällt die Entscheidung, ob unser
Glaube echt oder vorgetäuscht war. Wenn wir uns nicht klar zu Jesus
bekennen, dann hat das natürlich einen Grund. Der Grund ist die
Menschenfurcht, weil wir uns vor den Menschen fürchten. Und je weniger
Glauben wir haben, desto mehr fürchten wir uns vor den Menschen. Dazu sagt
uns Jesus hier dreierlei. Er sagt uns erstens: Fürchtet euch nicht vor den
Menschen. Fürchtet euch vor dem, Leib und Seele ins Verderben bringen
kann[8]. Das heißt: fürchtet euch vor Gott, der im letzten Moment die Türe
vor euch zuschlagen kann, weil ihr nur an eure eigene Rettung gedacht habt
und nicht an die Rettung der anderen.
Jesus hat einmal gesagt: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten[9].
Und es heißt Gott spotten, wenn man ein Leben lang hinter vorhaltener Hand
von Ihm flüstert anstatt sich frei und offen zu Ihm zu bekennen. Sicher
wird dich das in Schwierigkeiten bringen, und das ist das zweite, was Jesus
hier sagt. Er sagt: Na klar wird das kommen, Sie haben mich gehasst und sie
werden euch hassen. Sie haben mich verfolgt und sie werden euch
verfolgen.[10] Sie werden euch abstempeln als Schädlinge der Gesellschaft,
vielleicht werden sie euch sogar abschlachten, so wie hundertausende
Christen als Märtyrer gestorben sind.
Es wird in unserem Land keiner getötet, weil er zu Jesus gehört, aber in
unserem Land haben ja viele deswegen Schwierigkeiten gekriegt – das haben
wir ja hinter uns. Aber Leute, es wird sich daran nichts ändern. Selbst
wenn Gott uns jetzt eine Verschnaufpause gibt, dass wir etwas Ruhe haben
und einmal Luft holen können, werdet ihr doch hoffentlich nicht so naiv
sein, zu denken, dass Christ sein hier möglich wäre ohne Schwierigkeiten.
Aber, sagt Jesus nun als drittes: Wenn ihr in Schwierig-keiten kommt – es
passiert euch nichts ohne das Wissen des Vaters. Jede allergeringste
Kleinigkeit eures Lebens hat Gott unter Kontrolle. Ihr seid in Gottes Hand!
Es kommt alles für uns darauf an, dass wir das glauben.
Glauben ist immer gegen den Augenschein. Was ich sehe, mit meinen Augen,
das sind die anderen, die mich in der Hand haben mit ihren Beurteilungen,
mit ihren Zensuren, und wie es in meinem Leben weitergeht, zum Beispiel ob
ich eine Arbeitsstelle behalte oder nicht. Vorhin hat der Andreas hier
gesungen: Ich teile die Ängste mit dir." Er steht nämlich auch vor dem
Problem der Arbeitslosigkeit. Es ist ja nicht so, dass wir hier vorne euch
aus gesicherter Position etwas erzählen wollen. Sondern er hat es ja extra
so formuliert: Ich teile meine Ängste mit dir." Aber versteht ihr, er hat
ja dann weiter gesungen und er hat genau über das gesungen, worüber ich
predige, nämlich dass wir in Gottes Hand sind. Glauben heißt: ich weiß,
ich, und auch die anderen sind in Gottes Hand. Ganz egal, was die anderen
über mich schreiben, aufschreiben, mit mir machen – Mein Name ist in das
Buch des Lebens eingeschrieben, und nur das zählt.
Christen sind die unbequemen Zwischenrufer im Theater dieser Welt.
Leute, wozu sind wir auf dieser Welt? Ich komme noch einmal auf das
Gleichnis von dem Theater zurück. Sind wir dazu da, um einen möglichst
guten Platz in der vordersten Reihe zu kriegen, wo wir von allen gesehen
werden und sehen können? Sitzen wir im Theater des Lebens, um denen zuzuguk-
ken und Beifall zu klatschen, die uns dieses Märchen von der heilen Welt
vorspielen? Jesus hat gesagt: Ich habe euch gesetzt, dass ihr hingeht und
Frucht bringt.[11] Frucht für die Ewigkeit. Es ist unsere Aufgabe. Dazu hat
Jesus uns hier in diese Welt gesetzt, dass wir die anderen aus ihren
Illusionen herausreißen, dass wir sie auf Jesus hinweisen, dass wir sie auf
den Notausgang hinweisen, der ins Leben führt.
Vorläufig starren alle wie gebannt noch auf die Bühne. Und die unscheinbare
Türe, wo Jesus steht, wo Notausgang drauf steht, die übersehen die meisten
geflissentlich. Dabei wird eben durch diese Türe der großartige Auftritt
des Weltenrichters erfolgen. Wenn es finster wird auf der Bühne und im Saal
das Licht ausgeht, da wird das Licht aus dieser Türe hervorbrechen. Und
alle werden mit ihren Köpfen herumfahren und in diese Richtung gucken und
werden Jesus sehen. Jesus, den Sohn Gottes! Wer dann nicht schon zu Jesus
gehört, der muss im finsteren bleiben. Nur seine Bekenner, die dürfen ins
Licht. Finsternis bleibt für die einen zuletzt, die anderen dürfen ins
Licht. Und weil es dann zu spät ist, sich noch für Jesus zu entscheiden,
deswegen muss das jetzt passieren.
Und wenn du noch nicht gekehrt bist, dann möchte ich dir sagen, was der
Spruch diese Woche ist: Heute ist der Tag der Gnade, jetzt ist die Zeit des
Heils[12] – jetzt hast du die Chance der Rettung. Wenn du bekehrt bist,
dann bist du dazu verpflichtet, dass du es anderen Menschen sagst. Wir
müssen andere auf die rettende Tür für Jesus aufmerksam machen. Auch wenn
die das von uns gar nicht wissen wollen. Natürlich freut sich niemand, wenn
er gerade eine Vorstellung genießt, und dann gestört wird. Wir müssen aber
stören, wir müssen uns bemerkbar machen, wir müssen den Menschen sagen:
Eure Vorstellung vom Leben ist falsch! Ihr geht verloren, wenn ihr ohne
Jesus lebt." Natürlich wird man uns deswegen auszischen. Natürlich bringen
uns unsere Zwischenrufe den Vorwurf des Störenfrieds sein.
Gerade jetzt, im Zeitalter des New Age, wo alle sich in Harmonie auflösen,
alle Religionen fallen sich gegenseitig in die Arme, alles gilt, jeder hat
recht, und da sagen wir Christen: Nein, so geht das nicht!"
Wir Christen sind diejenigen, die die Harmonie stören, wir sagen: Nein, es
gibt nur einen Weg der Rettung, und der heißt Jesus Christus. Und es ist
nicht wahr, dass du durch Buddha, durch Krishna oder durch irgendwen zu
Gott kommen könntest. Du kommst alleine dann in Gottes Reich, wenn du dein
Leben Jesus gibst." Weil wir diese Harmonie stören, die da jetzt in der
Welt eintritt, da werden wir die ersten sein, die von den New-Age-Leuten,
wenn die erst einmal an die Macht kommen, an die Wand gestellt werden. Das
haben die ja jetzt schon gesagt.
Ja, Leute, wir sind notorische Störenfriede in dieser Welt, weil nämlich
unser Herr Jesus gesagt hat, Ich bin nicht in die Welt gekommen, um Frieden
zu schaffen, sondern ich bringe die Auseinander-setzung.[13] Und Er hat
gesagt, wer sich in dieser Auseinandersetzung der Geister sich auf meine
Seite stellt, wer sich zu Mir bekennt, den bekenne Ich vor meinem
himmlischen Vater. Leute, das ist doch eine Verheißung, das ist doch eine
herrliche Verheißung!
Der beste Anwalt beim letzten Gericht heißt Jesus.
Die Frage ist, wird sich diese Verheißung auch für dich in deinem Leben
erfüllen? Wie wird das sein, wenn du im Gericht vor Gott stehst, wenn du im
Gericht als Angeklagter dastehst. Wirst du dann einen Verteidiger haben?
Wirst du dann Einen haben, der sich auf deine Seite stellt, der sich vor
dich stellt, der für dich einsteht?
Eines Tages, werde ich vor Gott stehen. Und der Teufel wird als Ankläger
kommen, meine Sünden vorlesen, und ich werde sie nicht leugnen können, und
ich werde Gott nur Recht geben müssen, wenn Er sagt, mit dieser Latte von
Sünden kannst du nicht in mein Reich. Und genau in diesem Moment, wo Gott
sein gerechtes Urteil über mich spricht, da wird Jesus auftreten. Und er
wird zum Teufel sagen: Halt die Klappe, klapp dein Notizbuch zu. Ich habe
hier auch ein Buch, dies ist das Buch des Lebens. Und da steht der Name
Theo Lehmann auch schon drin. Diesen Namen habe Ich mit meinem Blut da rein
geschrieben" wird Jesus sagen. Und er wird zum Teufel sagen: Deine Anklage
ist doch längst überholt, die kannst du doch vergessen. Was da drin steht,
stimmt, aber es ist erledigt." Und dann wird sich Jesus an den Vater wenden
und sagen: Vater, diesen Theo Lehmann, den kenne Ich. Ich kenne auch
seine Sünden. Die haben Mir sehr weh getan, für die habe Ich ja geblutet.
Aber eben deswegen, weil Ich für ihn schon bezahlt habe, kannst Du ihn
nicht rausfeuern. Er gehört auf meine Seite, es ist mein Bruder. Ich
bekenne mich jetzt zu ihm und lege für ihn Fürsprache ein."
Seht ihr, das ist mein Glaube. Jesus wird mein Fürsprecher sein. Das hat
er mir versprochen. Und darauf baue ich mein Leben auf. Und das wünsche ich
dir, dass du es genauso machst. Amen.
[1] Gregor Gysi (*1948), dt. Politiker. Wirkte maßgeblich an der Wandlung
der SED erst zur PDS und dann zur Partei "Die Linke" mit.
[2] Apostelgeschichte 4, 20
[3] Matthäus 7, 21
[4] Johannes 10, 9
[5] Sinngemäß bei Matthäus 10, 32 und Matthäus 25, 35 ff.
[6] Philipper 2, 12
[7] Hesekiel 33, 7-9
[8] Matthäus 10, 28
[9] Theo Lehmann bezieht sich wohl auf den Ausspruch von Paulus in Galater
6, 7. – Anm. des Schreibers.
[10] Johannes 15, 18.20
[11] Johannes 15, 8
[12] 2. Korinther 6, 2
[13] Matthäus 10,34
