Liebe Freunde,
Es gibt in der Bibel Briefe, die sind zweitausend Jahre alt. Und heute ist
solch ein Brief als Predigttext vorgeschrieben. Das ist der Brief an die
Gemeinde in Smyrna, das ist das heutige Izmir. Der Mann, der diesen Brief
geschrieben hat, ist Johannes. Er lebte in der Verbannung, er war einer der
zwölf Jünger von Jesus, er war Augenzeuge und die Behörden haben ihn wegen
seines Jesusglaubens und seines Jesusbekenntnisses auf der Insel Patmos ein
gesperrt.
Der verschlüsselte Brief für Smyrna.
Eines Tages, es ist Sonntag, ungefähr im Jahr 95, da bekommt Johannes von
dem auferstandenen Jesus einen Auftrag. Er soll an bestimmte
Christengemeinden einen Brief schicken. Und weil jeder Verbannte weiß, dass
die Post kontrolliert wird, muss er eben, damit die Kontrollorgane das
nicht verstehen, seine Briefe verschlüsseln, und das macht auch der
Johannes. Er spricht durch die Blume, und macht Andeutungen und wenn die
Schnüffler seinen Brief lesen, verstehen die genauso wenig von dem
wirklichen Inhalt wie ihr vorhin von dem anderen Brief. Ich lese euch den
Brief mal vor:
Schreibe an den Engel der Gemeinde in Smyrna. Diese Botschaft kommt von
dem, der der Erste und der Letzte ist, der tot war und wieder lebt. Ich
weiß, dass ihr verfolgt werdet und dass ihr arm seid. Aber in Wirklichkeit
seid ihr reich. Ich kenne die üblen Nachreden, die von Leuten über euch
verbreitet werden, die sich als Angehörige des Gottesvolkes ausgeben. Aber
das sind sie nicht, sondern sie gehören zum Satan. Habt keine Angst wegen
der Dinge, die ihr noch erleiden werdet. Der Teufel wird einige von euch
ins Gefängnis werfen, um euch auf die Probe zu stellen. Zehn Tage lang wird
man euch verfolgen. Haltet durch, auch wenn es euch das Leben kostet. Dann
werde ich euch als Siegeskranz das ewige Leben schenken. Wer hören kann,
der achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer den Sieg erlangt,
dem wird der zweite Tod nichts anhaben[1].
Diesen Brief können wir nur entschlüsseln, wenn wir die Lage der Gemeinde
in Smyrna kennen. Also auf nach Smyrna. Smyrna war eine Hafenstadt, reich,
wirtschaftlich bedeutend, hinreißend schön. Sie galt als die Perle Asiens,
weil sie alle anderen Städte an Schönheit übertraf. Von einem Ende zum
anderen gingen durch die Stadt große, breite Prachtstraßen. Die berühmteste
hieß Die Goldene" – das war nicht so einfach so ein verhutzeltes kleines
Gässchen wie die Goldene Gasse" in Prag, sondern eine große, breite Allee,
links und rechts standen die Tempel von Apollo und von Aphrodite, und am
Ende, wo es den Berg hoch ging, auf dem Höhepunkt sozusagen, da stand der
riesige Tempel des Gottes Zeus. Das waren also Wallfahrtsorte der
Gläubigen, das waren Touristenattraktionen, das waren sensationelle
Bauwerke, die die Macht der griechischen Götter unübersehbar für jeden
demonstrierten. Und in dieser Stadt, da lebten auch ein paar Christen. Wo
die auch ihren Fuß auf die Straße setzten, waren sie dem Eindruck, also dem
Druck dieser heidnischen Religion ausgesetzt.
Die Heidenreligionen von Smyrna: damals mächtig, heute vergessen.
Wo sie auch hinsahen, sahen sie ein Standbild dieser Götter. Welchen Weg
sie auch gingen, überall stand so ein heidnischer Tempel im Weg. Und was
sie auch machten, und wo sie auch standen, sie standen immer der Macht
dieser Heidenreligion gegenüber. Und wo sind sie heute, diese Mächte und
ihre Tempel? Also wenn überhaupt noch Reste davon da sind, dann sind sie
Schutthaufen, auf denen die herrenlosen Straßenköter von Smyrna pinkeln
gehen. Wo sind sie denn geblieben, die mächtigen Götter des Olymp? Sie sind
abgehalftert, sie sind von ihren Sockeln geflogen, aus der Mode gekommen,
im Museum stehen sie noch als Gipsabdruck, aber das ist auch schon alles.
Nicht einmal ihre Namen sind heute mehr bekannt. Und wenn die Amerikaner
ihre Mondraketen nicht geschmackloserweise nach den griechischen Göttern
benennen würden, hätten die meisten von euch den Namen Apollo noch nie im
Leben gehört.
Auch der Mann, der die Geschichten aufgeschrieben hat, der berühmteste
Bürger von Smyrna, der Schriftsteller Homer, den kennt heute keiner mehr.
Homer, das war der größte aller griechischen Dichter – heute ist der noch
Pflichtlektüre für ein paar Gymnasiasten, die Griechisch lernen. Seine
Lobeshymnen auf die griechischen Götter, die sind genauso vergessen wie
diese Götter selber. Auch seine Anhänger sind verschwunden. Auf der ganzen
weiten Welt gibt es nicht eine einzige Gemeinde mehr, die den Zeus anbetet.
Auch in Smyrna gibt es heute keinen einzigen Bürger, der bei der
Volkszählung in die Spalte Religionszugehörigkeit" reinschreiben würde:
Zeusist" ist oder Zeusianer" oder sowas.
Die Botschaft dessen, der immer war und immer sein wird.
Aber die Hälfte aller Bürger von Smyrna Schreiben heute noch in dieser
Spalte rein: Christ". Smyrna ist heute ein Zentrum der orthodoxen
Frömmigkeit und Theologie. Die Götter mit ihren Verehrern, die sind
verschwunden. Die Christen mit ihrer Gemeinde, die sind geblieben. Und nach
dieser Information, da können wir schon den ersten Satz dieser Botschaft
hier verstehen. Diese Botschaft kommt von dem, der der Erste und der Letzte
ist. Der tot war und wieder lebt. Hier spricht Christus, der Auferstandene.
Jesus gehört nicht zu denen, die eine Zeit lang da sind und dann wieder in
der Geschichte verschwinden. Sein Name gehört nicht zu denen, die eine Zeit
lang in jeder Zeitung drin stehen, und ein paar Jahre später vergessen sind
wie die Namen so vieler Politiker, Machthaber und Superstars. Er ist der
erste Schöpfer dieser Welt vor allen Göttern und allen Götzen, und Er ist
der Letzte.
Wenn sie alle abgegessen haben, Götter und Götzen und Systeme und
Weltanschauungen, die mächtigen Erbauer von gewaltigen Gedankengebäuden,
von beeindruckenden Prachtbauten und von bedrückenden Verbannungsorten,
wenn die alle weg sind vom Fenster ihrer Paläste, wenn die gestürzt sind
von ihrem Posten, wenn die runter sind von ihrem hohen Ross an und
Denkmalsockeln, wenn die Staub sind, vergessen und verweht und versunken,
wenn diese ganze Welt versinken wird – Jesus ist der Letzte. Den Göttern
und Götzen von damals und von heute wirst du niemals wieder begegnen. Aber
dem Jesus, der diesen Brief geschrieben hat, dem wirst du noch einmal
begegnen. Er ist der Letzte. Er steht am Ende der Geschichte der Menschheit
und Er steht auch am Ende der Geschichte deines kurzen Menschenlebens. Er
ist ewig. Und weil Er der Erste und der Letzte ist, da hat es eben damals
nicht geklappt, als sie Ihn im Jahre 33 an das Kreuz genagelt haben und in
ein Felsengrab eingesperrt haben. Weil Er das Leben ist. Er ist ja
auferstanden vom Tod. Er lebt, seine Gemeinde lebt, und Jesus hat seiner
Gemeinde versprochen, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen
werden[2].
Jesu Gemeinde bleibt ewig.
Das heißt, die Gemeinde wird auch bleiben. Die Gemeinde von Smyrna ist der
Beweis dafür, dass Jesus nicht gelogen hat. Wie gesagt, diese Gemeinde gibt
es heute noch, aber damals, am Ende des ersten Jahrhunderts, da sah es
nicht so aus, als ob diese Gemeinde es noch lange machen würde. Von allen
Seiten wurde sie unter Druck gesetzt, und als Jesus, der Auferstandene
sieht, was da in Smyrna los ist, da sagt Er eben zu Johannes: Jetzt setz
dich hin und schreibe einen Brief". Jesus diktiert und Johannes schreibt.
Diese Botschaft kommt von dem, der der Erste und der Letzte ist, der tot
war und wieder lebt. Ich weiß, dass ihr verfolgt werdet und dass ihr arm
seid, aber in Wirklichkeit seid ihr reich. Ich kenne die üblen Nachreden
der Leute über euch. Ich weiß! – sagt Jesus.
Es ist ja nicht so, als ob Er das nicht wüsste, was bei uns hier unten
läuft. Der Teufel ist los! Sogar Leute, die sich als fromm ausgeben,
arbeiten im Dienste des Satans gegen die Kirche. Das ist bis zum heutigen
Tage so. Wer sich damals in Smyrna als besonders fromm ausgab, das war eine
Gruppe von Juden. In dieser reichen Handelsstadt, da gab es auch viele
reiche Juden. Wer reich ist, der ist mächtig. Den Juden waren die Christen
verhasst, weil die Christen Jesus als Messias gefeiert haben, und es war
für diese kapitalkräftigen Herren, die dort Reedereien und alles besessen
haben, eine Kleinigkeit, ihre christlichen Hafenarbeiter und Angestellten
wirtschaftlich zu boykottieren.
Selbstverständlich haben sie das nicht offen gesagt, sie haben sie ja
nicht wegen ihres Glaubens entlassen, sondern nein: sie haben denen
Unzuverlässigkeit oder Aufsässigkeit vorgeworfen, jedenfalls haben sie die
Christen wirtschaftlich arm gehalten. Am Schluss lief alles auf eine
einzige Frage hinaus: Sag dich von Jesus los, und du wirst wieder
eingestellt. Dann braucht deine Frau keine Heimarbeit machen, dann brauchen
deine Kinder nicht mehr zu hungern."
Der wahre Reichtum.
Zu diesen armen Hungerleidern sagt Jesus: Ich weiß, dass ihr arm seid. Aber
in Wirklichkeit seid ihr reich. Jesus leugnet nicht die wirtschaftliche
Armut. Aber Er leugnet, dass der materielle Reichtum die einzige Art von
Reichtum ist. Er sagt: ihr habt das tiefste Verlangen eurer Seele gestillt.
Ihr habt den Hunger eurer Seele gestillt, der durch nichts und durch
niemanden sonst noch befriedigt werden könnte. Ihr habt das größte, was es
gibt, wogegen alle Schätze dieser Welt nichtig sind: Ihr habt Frieden mit
Gott.
Und ich möchte jetzt denen unter euch, die diesen Frieden mit Gott nicht
haben, sagen: solange du diesen Frieden nicht hast, wird deine Seele
verhungern, und wenn du materiell alles hast und noch so reich bist. Und
wenn du diesen Frieden hast, dann kommst du im Leben zurecht, auch wenn es
dir materiell nicht so gut geht. Frieden mit Gott bekommst du, wenn du
Jesus in dein Leben aufnimmst als den Herrn deines Lebens. Viele von euch
haben das gemacht, die haben diesen Frieden schon und haben deswegen eine
Menge Ärger schon erlebt.
Wer mit Gott Frieden schließt, mit dem führt der Satan Krieg. Du bist aber kein Einzelkämpfer.
Und für euch gilt das, was Jesus hier sagt: Er sagt: Ich weiß, was euch
bedrückt. Ich weiß Bescheid. Das heißt, keiner leidet aus Versehen und
keiner leidet unbesehen, und egal unter welchen Druck du stehst, Gott hat
dich nicht vergessen, du bist bei Ihm nicht abgehakt. Und Er kennt auch die
Grenzen deiner Belastbarkeit[3]. Es heißt hier in Vers zehn: Ihr werdet
zehn Tage lang verfolgt werden. Das heißt also, auch die Zeit, wo es durch
die Schwierigkeiten durchgeht, ist begrenzt, die hat einmal ein Ende.
Ich war vor vierzehn Tagen zu einer Jugendwoche im Westen, also in den
alten Bundesländern, ich war drüben im Siegerland, das als besonders fromm
gilt und wo sie alle kirchlich sind. Da hat mir ein Jugendlicher eine Frage
gestellt, die hatte ich bisher nur hier im Osten gehört, jahrzehntelang.
Der hat nämlich zu mir gesagt: Ich bin der einzige Christ in meiner ganzen
Klasse, und alle andern lachen über mich und machen mich fertig, und ich
halte es nicht mehr aus. Was soll ich denn machen?" Zu diesem habe ich
gesagt: Lass dich nicht verrückt machen. Bleibe unverrückt an Jesus und
schlag die Bibel auf, Offenbarung 2,10, da steht: Sei getreu bis in den
Tod, dann will ich dir die Krone des Lebens geben – und dann habe ich
gesagt: nimm dir dieses Wort vor Augen und halte dich daran fest."
Dieses Wort steht hier in unserem Predigttext. Dieser ganze Text, das ist
so ein Wort, an das man sich halten kann, wenn man nicht mehr weiter weiß.
Ich weiß, sagt Jesus. Du bist kein Einzelkämpfer. Und du bist nicht allein.
Und Ich weiß, was die mit dir machen und Ich weiß über deine Situation
Bescheid". Leute, das ist doch was wunderbares, wenn wir wissen können,
Jesus, der Erste und der Letzte weiß über unser kleines Menschenleben mit
seinen ganzen Schwierigkeiten Bescheid.
Der römische Kaiserkult und die Christen.
Wie gut Er Bescheid weiß, das wird gleich in den nächsten Versen deutlich.
Die Gemeinde in Smyrna hatte ja nicht nur Probleme mit den Juden, sondern
vor allem Probleme mit dem römischen Staat. Der römische Staat war eine
riesige Zusammenballung von vielen Völkern, vielen Religionen, vielen
Ideologien und der brauchte irgendeine Idee, die das ganze zusammenhielt.
Da eignete sich am besten die Person des Kaisers in Rom. Den verehrte man,
seine Person wurde hochgejubelt, und so entstand der Personenkult, der
Kaiserkult. Erst haben die Kaiser diesen Kult abgewehrt, haben ganz
bescheiden getan, dann haben sie ihn geduldet, später haben sie ihn
anerkannt, und am Schluss, da wurde der Kaiser zum Gott erklärt.
Am Ende des ersten Jahrhunderts wurde der Kaiserkult sogar Staatsreligion.
Jeder römische Bürger musste einmal im Jahr erscheinen und etwas Weinrauch
auf dem Altar opfern und sagen: Der Kaiser ist Gott." Und wenn er das
gemacht hatte, dann kriegte er eine Bescheinigung ausgestellt, über die
Erfüllung seiner Bürgerpflicht. So eine Bescheinigung, das war eine
Tontafel, da stand drauf: Wir, die Beauftragten des Kaisers, haben
gesehen, dass ihr geopfert habt." Mit Datum und Unter-schrift. Wer diese
Bescheinigung hatte, der hatte Zutritt zu allen Bildungsstätten. Mit dem
Schein hast du Schwein. Wer sie nicht hatte, der hatte eben keine Chance.
Damit war deine Zukunft verbaut. Ohne Schein gehst du ein. Das war schon
vor zweitausend Jahren so. Mit dem Scheinchen konnte man unten am Hafen
seinem Kiosk ein Jahr lang weiterführen, ohne den Schein musste man seine
Fischbude eben schließen. Wer beim Kaiserkult nicht mitmachte, der machte
sich verdächtig, hatte sich damit ja selber als Staatsfeind entlarvt und
war als Fischverkäufer nicht mehr tragbar.
Es ging in dem Start bei dem Kaiserkult überhaupt nicht um Religion,
sondern eindeutig um Politik. Denn dass der Kaiser ein Gott ist, das haben
wir noch nicht einmal die aller strengsten Funktionäre selber geglaubt. Und
die sahen ja schließlich auch, wie die Kaiser alle paar Jahre ausgewechselt
wurden. Der Name des Gottes war auch alle paar Jahre ein anderer, je
nachdem welcher Kaiser eben gerade dran war. Die sahen doch auch, dass
diese Kaisergötter doch alle eines natürlichen, oder meistens eines
unnatürlichen Todes starben. Also, dass das keine Götter waren, das sah ja
ein Blinder. Bei dieser ganzen Beweihräucherungsaktion ging es nur darum,
die politische Zuverlässig-keit von Bürgern festzustellen.
Was der einzelne Bürger in seinem Herzen glaubte, das war denen doch völlig
egal. Hauptsache er bewies seine Staatstreue mit der Formel: Der Kaiser
ist Gott." Er brauchte nur diese Formel zu murmeln, nur ein paar Körner
Weihrauch in die Flammen zu werfen, das war alles. Und schon hatte man
seine Bescheinigung, konnte wieder ein Jahr lang existieren. Das machten
alle so. Das mussten alle machen. Da machte sich keiner einen Kopf, das war
Vorschrift. Das war eben so, das ging überhaupt nicht anders. Was ist denn
auch schon dabei, jeder weiß, das ist Heuchelei, staatlich verordnete
Heuchelei, kann man nichts dagegen machen, also wenn es sein muss, damit
ich meine Ruhe habe und es noch ein Jahr weitergeht mit mir und der
Familie, damit ich meinen Job behalte, was soll's, der Kaiser ist Gott.
Das ist der Satz, das ist das Sätzchen, das ist das lächerliche kleine
Sätzchen, was jeder einmal im Jahr murmeln musste und was kein Christ bei
seiner Seligkeit sagen durfte, weil ein Christ niemals einen Menschen als
Gott bezeichnen kann. Wenn der römische Staat von den Christen ein Treue-
bekenntnis verlangt hätte, das hätten die leisten können, warum nicht. Aber
ein Bekenntnis zum Kaiser als Gott – das ging nicht. Jesus hat gesagt: Gib
dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.[4] Das heißt dem
Staat die Abgabe, und Gott die Hingabe. Der Staat bekommt unsere Steuern
und Gott bekommt unser Herz.
Christen sind loyale Staatsbürger, aber wenn der Staat verlangt, dass sie
das erste Gebot übertreten, dann ist Schluss. Das erste Gebot lautet: Ich
bin der Herr dein Gott und du sollst keine anderen Götter haben neben
mir[5]. Die Christen von Smyrna haben sich kompromisslos geweigert, den
Vorschriften des Kaiserkultes zu gehorchen. Und damit waren sie
wirtschaftlich erledigt. Gesellschaftlich verdächtig, politisch geächtet,
sie haben sich selbst als Staatsfeinde entlarvt. Und das in einer Stadt wie
Smyrna, die zu den eifrigsten Verfechtern des Kaiserkultes gehörte. Die
hatten schon 200 Jahre v. Chr. als erste Stadt der Welt der Dea Roma, also
der Göttin Roms einen Tempel gebaut. Im Jahre 26 n. Chr. stand Smyrna mit
sechs anderen Städten im Wettbewerb um das Recht, der Gottheit Tiberius,
dem damaligen römischen Kaiser, einen Tempel bauen zu dürfen und Smyrna
hat den Wettbewerb gewonnen. Also das waren fanatische Leute, das war
einfach der Mittelpunkt des Kaiserkultes. Dort waren Christen, die das
nicht mitmachten. Nicht weil sie Staatsfeinde sein wollten, sondern weil
sie Jesus treu sein wollten. Es ist ja klar, dass in einer Stadt wie Smyrna
jeder Christ sein Leben riskiert hat. Leute, das waren Helden, die da zur
Gemeinde gehörten. Diesen Menschen, die damals ihr Leben riskiert hatten,
denen sagt Jesus: Sei getreu bis an den Tod, dann will ich dir die Krone
des Lebens geben. Und das heißt: halte treu an Gott fest, egal was es dich
kostet, und wenn es dir das Leben kostet. Das ewige Leben ist kostbarer.
Die Treue des Polycarp.
Sechzig Jahre später lebte in dieser Stadt ein Bischof. Das ist der
Polycarp. Er wird eines Tages verhaftet und soll gezwungen werden, den
Kaiser anzubeten. Noch der Polizeibüttel, der ihn verhaftet, redet auf ihn
ein, und sagt: Was ist denn schon dabei, "der Herr ist der Kaiser" zu
sagen, und ein Opfer zu bringen, wenn man dadurch vor dem Tod bewahrt
bleibt." Aber Polycarp bleibt standhaft, und er wird vor die Wahl gestellt,
entweder Jesus zu verfluchen und den Kaiser anzubeten oder zu sterben.
Darauf gibt der Bischof die unsterbliche Antwort: Sechsundachtzig Jahre
habe ich Jesus gedient in denen er mir nie etwas Böses zugefügt hat. Wie
kann ich den König, der mich errettet hat, verfluchen?" Da droht man ihm,
ihn bei lebendigem Leib zu verbrennen, und da hat Polycarp gesagt: Du
drohst mir mit einem Feuer, das rasch erlischt, weil du das Feuer nicht
kennst, das die Gottlosen beim jüngsten Gericht erwartet und sie auf ewig
bestraft." Und er stirbt in den Flammen mit einem Gebet auf den Lippen.
Dieser Mann hatte den Brief an die Gemeinde von Smyrna gelesen als er so
alt war wie ihr. Und die guten Erfahrungen, die er mit diesem Brief und mit
dem Schreiber dieses Briefes, mit Jesus, gemacht hat, die konnte ihm kein
Folterknecht einer gottlosen Staatsmacht aus der Seele heraus brennen.
Der erste und der zweite Tod. Der Erste und der Letzte.
Er blieb seinem Herrn treu bis in den Tod. So wie hundertausende Märtyrer,
die Jesus die Treue gehalten haben. Treue bis zum Tod heißt nicht unbedingt
Märtyrertod – das heißt, wenn du Jesus die Treue hältst und dich zu ihm
bekennst, solange du lebst. Weil Polycarp das gemacht hat bis zuletzt, kann
er wie alle Märtyrer in Anspruch nehmen, was Jesus hier verspricht: Wer
überwindet, dem wird der zweite Tod nichts anhaben.
Den Tod haben wir alle vor Augen. Sterben müssen wir alle, die Mächtigen
und die armen Schlucker, die Nichtchristen und die Christen. Sterben muss
jeder, und du auch. Das ist der erste Tod. Wenn du jetzt sagst Nach dem
Tod, da kommt nichts mehr" – dann irrst du dich. Dann kommt Jesus, der
Erste und der Letzte, und Er wird das letzte Wort über dein Leben sprechen,
wo du dann deine Ewigkeit verbringst. Und wenn du an Ihn glaubst und Ihm
die Treue hältst, dann wirst du das ewige Leben haben und bist bei ihm in
Ewigkeit. Und wenn du nicht an Ihn glaubst und Ihm nicht die Treue hältst,
dann wirst du das ewige Leben nicht mit Ihm verbringen, dann bleibt für
dich nur die Verdammnis.
Das ist dann der zweite Tod. Und davor möchte Jesus dich bewahren. Und
deshalb ruft Er dich heute zu sich und sagt: Komm her!" und wenn du zu ihm
kommst, dann kriegst du nicht nur den Frieden, den Er jedem versprochen
hat, sondern da kriegst du auch den Ärger, den Er angekündigt hat. Jesus
sagt ja nicht, die Mächte die dich umgeben, die werden dich in Ruhe lassen,
sondern im Gegenteil. Er sagt zu dir: sie werden dich unter Druck setzen,
du wirst leiden. Aber Er sagt: habt doch keine Angst wegen der Dinge ihr
noch erleiden müsst. Der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen
um euch auf die Probe zu stellen. Zehn Tage lang wird er euch verfolgen.
Haltet durch, auch wenn es euch das Leben kostet. Dann werde Ich euch als
Siegespreis ewiges Leben schenken. Wer mit Jesus lebt, muss auch mit Ihm
leiden. Das sagt uns Jesus von vorneherein. Da spielt Er ganz mit offenen
Karten.
Aber Leute, der Gewinn, der bei Jesus drin ist, der ist mehr als alles
andere, was dir diese Welt an Freuden und an Leiden bieten kann. Dreierlei
hat Jesus seinen Nachfolgern versprochen: Ihr werdet bedrängt, frei von
Furcht und unbeschreiblich glücklich sein. Amen.
___
[1] Offenbarung 2, 8-11
[2] Matthäus 16, 18
[3] Siehe z.B. 1. Korinther 10, 13
[4] Markus 12, 17 und Parallelstellen.
[5] 2. Mose 20, 2-3
