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Trost finden (5/5)

Trost - abschließende Gedanken
19.06.2026

Einleitung und thematische Verortung

Trost finden: fünf Impulse aus dem Wort Gottes. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch. Dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und heute geht es um leidigen und ungewollten Trost.
In der letzten Episode ging es mir darum, euch zu zeigen, dass Menschen dazu berufen sind, einander zu Tröstern zu werden. So wie Gott ein Gott allen Trostes ist, so dürfen auch wir Menschen des Trostes sein.
Allerdings muss man an dieser Stelle auch noch zwei Einschränkungen machen. Zum einen gibt es Trost, der nichts bringt, und zum anderen gibt es Menschen, die sich nicht trösten lassen wollen. Beides wollen wir in der heutigen Episode abschließend betrachten.

Wenn Trost zur Last wird

Fangen wir an mit Trost, der nichts bringt.
Eigentlich habe ich gestern ja behauptet, dass es ganz leicht sei, anderen Menschen Trost zu bringen. Etwas Nähe, etwas Zuhören, etwas Hilfe und ein gutes Wort, und voilà, der Trost ist da. Und ich bleibe dabei, dass es eigentlich ganz einfach ist, beladene Menschen zu trösten. Allerdings darf man dabei einen Fehler nicht machen. Und dieser Fehler unterläuft zum Beispiel den Freunden von Hiob.
Hiob hatte alles bis auf sein Leben und seine für die Situation nicht gerade hilfreiche Frau verloren. Zutiefst niedergeschlagen trifft er seine Freunde Eliphas, Bildad und Zophar. So weit, so gut. Und anfänglich tun sie genau das Richtige: Sie sitzen nämlich einfach da und schweigen. Wie schon gesagt, Trost spenden braucht nicht viele Worte.
Aber dann machen sie in meinen Augen einen Fehler. Sie wollen das Leid, das Hiob erlebt, nämlich erklären, erklären im Sinn von: Dir, Hiob, geschieht all das Schlimme, weil du gesündigt hast. Und mir scheint, genau das hätten sie nicht tun sollen. Warum nicht? Weil das, was sie sagen, falsch ist. Es gibt nämlich keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Leid, das Hiob erlebt, und einem irgendwie sündigen Verhalten. Ganz im Gegenteil: Hiob ist ein zutiefst gerechter Gläubiger, ein Vorbild, jemand, der von seinem Gott gefeiert wird. Die Freunde Hiobs reden Stuss.
Und ja, natürlich kann es sein, dass Leid in meinem Leben auf Sünde zurückgeht, dass Gott mich erzieht, dass Gott mir Schmerz zumutet, damit ich Buße tue und mich ändere. Genau, das gibt es. Aber genauso kann Leid auch Teil meiner Berufung sein, um Gott durch Ausharren zu verherrlichen und sein Reich zu bauen. Es ist für uns Menschen ganz schwer zu sagen, warum ein Mensch in eine Notlage gerät.
Was auf alle Fälle gar nicht geht, das sind Vorwürfe an einen Trauernden, Ratschläge, die mehr Schläge als Rat sind. Trauer braucht Trost, aber keine Vorwürfe.
Das ist dann nämlich auch der Grund, warum Hiob seine Freunde als mühsame oder leidige oder beschwerliche Tröster bezeichnet. Sie machen nämlich mit ihren Vorwürfen sein Schicksal nicht leichter, sondern schwerer.
 Hiob 21,34
Wie tröstet ihr mich nun mit Dunst, und von euren Einwänden bleibt nur Trug übrig.
Das ist Trost, der nichts bringt. Worte, die verletzen und beschweren. Worte, die nicht aufrichten, sondern den endgültig zu Fall bringen, der eh schon nicht mehr kann. Das ist Trost, der nichts bringt.

Wenn Trost zu früh kommt

Aber was ist mit Menschen, die sich nicht trösten lassen wollen? Und ich denke, es gibt da ganz unterschiedliche Typen von Menschen. Zum einen gibt es die, für die Trost einfach noch nicht dran zu sein scheint. Und vielleicht muss ich das genauer erklären.
Trost kann für den Betroffenen zu früh kommen. Auch Trauer hat ihre Zeit, und es kann sein, dass ein Niedergeschlagener erst einmal in Ruhe zu Ende trauern möchte, bevor er Trost an sich heranlässt. Jesaja 22,4: Darum sage ich: Schau weg von mir. Bitterlich weinen muss ich; dringt nicht darauf, mich zu trösten über die Verwüstung der Tochter meines Volkes.
Hier geht es inhaltlich um die Zerstörung Jerusalems, und es wird eine Situation der Trauer beschrieben, die so tief geht, dass Trost im Moment einfach unangebracht erscheint.
Ein anderer Punkt: Von Asaph lesen wir in Psalm 77,3: Am Tag meiner Bedrängnis suchte ich den Herrn; meine Hand war des Nachts ausgestreckt und ließ nicht ab, meine Seele weigerte sich, getröstet zu werden.
Wer Psalm 77 liest, der erlebt einen Psalmisten mit Fragen, Fragen an Gott. Asaph versteht nicht, warum Gott schweigt, und er hat Angst, dass Gott sein Volk verworfen haben könnte. Er erlebt Bedrängnis, ist in großer Unruhe und voller verstörender Gedanken. Aber er will nicht getröstet werden, weil er mit seiner Suche nach Gott, mit seinem Nachdenken über Gottes Wesen und Handeln, noch nicht fertig ist.
Es gibt Unruhe, die mich ins Reflektieren über Gott hineintreibt. Sie ist mir Motivation, um mich ganz tief mit Gott zu beschäftigen. Und Trost wäre dann nur eine Ablenkung, eine Ablenkung, die der Psalmist gerade nicht brauchen kann.

Verschiedene Weisen, Trost abzulehnen

Ich bringe euch diese Beispiele, um zu zeigen, dass es Gründe geben kann, warum Menschen nicht getröstet werden wollen. Sei es, weil sie noch nicht genug getrauert haben. Oder sei es, weil sie die Not als Chance sehen, sich tiefer mit Gott zu beschäftigen und es irgendwie, ja, das Wort passt nur bedingt, aber irgendwie genießen, auf ihn geworfen zu sein.
Nicht jeder, der sich nicht trösten lässt, hat eine schlechte Motivation.
Und so lasst mich ohne Bibelstellen zum Schluss noch drei Typen vorstellen, die man vielleicht kennen sollte.
Da ist der Typ, der gern allein mit Gott Dinge ausmacht, der still vor sich hin leidet, aber auch in langen Gesprächen und Spaziergängen mit Gott tiefen Trost findet. Er weiß, dass menschlicher Trost oft oberflächlich ist, auch wenig reflektiert, auch schon mal unbiblisch, und entscheidet sich dafür, dass er das gerade nicht braucht. Diesen Typ sollte man allein lassen. Es sei denn, dass man ein wirklich guter Freund ist. Und ihr merkt schon, mit dem Typen kenne ich mich aus.
Dann ist da der Typ, der andere nicht belasten will mit seiner Not, der nicht glauben kann, dass er Mitleid und Fürsorge verdient, weil doch jeder sein Päckchen zu tragen hat. Er hungert nach Trost, aber er lässt ihn häufig erst im zweiten Anlauf zu. Diesen Typ sollte man einfach lieb haben und liebevoll zu seinem Glück zwingen.

Wenn Trost nicht das Richtige ist

Und zum Schluss der Typ, der keinen Trost will, weil er gar nicht traurig ist, sondern depressiv. Was er nicht braucht, sind schlaue Sprüche. Was er auch nicht braucht, ist Trost. Einfach deshalb nicht, weil seine Traurigkeit nicht aus Umständen heraus entsteht und deshalb auch nicht mit gut gemeintem Trost überwunden werden kann. Sie kommt aus ihm heraus.

Abschluss und Ausblick

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir überlegen, wo du in der Vergangenheit Menschen im Stich gelassen hast, die deinen Trost gebraucht hätten.
Das war's für heute? Ich warne alle Hörer schon mal vor: In der vor uns liegenden Ferienzeit neige ich dazu, anstelle von Themenreihen kleingeschnittene Predigten zu senden.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden! Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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